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Wellen Kommen, Wellen Gehen

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Bei tredition ist bereits folgender Roman der Autorin erschienen:

Der Duft nach Vanille

Über die Autorin:

Birte Stährmann, geboren 1967, aufgewachsen in Flensburg, lebt mit ihrem Mann in Stuttgart.

Beruflicher Werdegang:

Krankenschwester, Lehrerin für Pflegeberufe, Kommunikationswirtin, Fundraiserin. Arbeitet als Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie Fundraising für eine Non-Profit-Organisation.

Autorin zahlreicher Fachbücher (unter dem Namen Birte Mensdorf).

Ihr erster Roman „Der Duft nach Vanille“ stand mehrere Male in Folge auf der halbjährlich erscheinenden Bestsellerliste Belletristik des Indie-Katalogs.

Mehr über die Autorin unter:

www.birte-staehrmann.de

 

In Liebe

für meine Eltern, Helga und Helmut (✞) Stährmann,

die mir Wurzeln und Flügel geschenkt haben.

PROLOG

20. April 1954

„Wo soll ich anfangen? Es fällt mir schwer.

Ich erinnere mich, dass mir ganz kalt wurde, als ich E.s Brief gelesen hatte. Dann legte ich seinen Brief und seinen Ring ins Tagebuch und versteckte dieses in meiner Fotokiste, bevor ich den Gasofen aufdrehte und nur noch schlafen wollte.“

 

Stuttgart, 15. Mai 1993

Da war eine große Sehnsucht nach Leben in Elisabeth. Sie hatte das Gefühl, alles würde ganz neu beginnen. Nach Monaten, in denen ihr Leben bedroht war, sie sich schwach, müde und beschwert gefühlt hatte, spürte sie eine neue Energie, ein neues Vertrauen ins Leben und – eine unbändige Sehnsucht nach dem Menschen, der sie in Barcelona erwartete.

In der Eingangshalle des Stuttgarter Flughafens hatte Elisabeth sich von Erika verabschiedet, ihrer besten Freundin seit fast zwei Jahrzehnten, die dennoch so wenig wusste von ihr.

Was Erika und die anderen sahen, war eine schlanke, groß gewachsene Frau mit ergrautem Bubikopf, durch den sich braune Haarsträhnen zogen. Eine selbstbewusste Erscheinung mit dem Hauch von Eleganz. Der stilvoll geschnittene Leinenanzug in Brauntönen und die farblich passenden Pumps waren es nicht allein; der perfekt zur Garderobe passende Hut führte dazu, dass sich Menschen aller Generationen umdrehten, als sie durch die Abfertigungshalle schritt. Elisabeth wirkte wie eine Frau, die genau wusste, was sie wollte. Und doch war sie ihr Leben lang auf der Suche gewesen.

Als Grund für ihre überraschende Reise hatte Elisabeth ihrer Freundin Erika und ihrer Nichte Claudia angegeben, dass sie sich noch einmal auf die Spuren ihres jungen Erwachsenenalters begeben wolle. „Ich war schwerkrank; ich will nichts mehr aufschieben.“

Ihre Freundin hatte gern mitkommen und Barcelona kennenlernen wollen, doch Elisabeth hatte sie abgewiesen. „Das ist eine Reise, die ich allein unternehmen muss.“ Erika hatte sich verletzt und zurückgesetzt gefühlt, aber sie hatte geschwiegen.

In den Wochen vor der Abreise war Elisabeth oft in Tagträumereien versunken. Die Frau, die ihren Alltag meist mit kühler Rationalität durchorganisiert hatte, war nur noch körperlich anwesend – und entspannt, alles Rast- und Ruhelose war von ihr abgefallen.

Fast vier Jahrzehnte waren vergangen, seit Elisabeth Barcelona als einundzwanzigjährige Frau überstürzt verlassen hatte. Seitdem war sie nicht mehr dort gewesen. Jedoch verging kaum ein Tag, an dem sie nicht an ihre Zeit in dieser Stadt gedacht hatte. Dank der spanischen Tageszeitung „El Pais“, die sie abonniert hatte, war sie stets gut informiert über die gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen.

So sehr Elisabeth es nach der Rückkehr in ihre Stuttgarter Heimat 1954 auch versucht hatte, schnell hatte sie erkennen müssen, dass die Zeit in Barcelona sich nicht in die Vergangenheit verbannen ließ, sondern in die Gegenwart hineinwirkte.

Stuttgart, 21. September 1953

Da war eine große Sehnsucht nach Leben in Elisabeth. Alle ihre Freundinnen waren mit einundzwanzig Jahren bereits verheiratet oder zumindest verlobt. Sie dagegen würde allein aufbrechen, um für ein Jahr in Barcelona zu leben und zu arbeiten.

Der Tag war nun tatsächlich da, den sie die letzten Monate sehnsüchtig und voller Ungeduld erwartet hatte. Elisabeth war neugierig und aufgeregt. Wie würde es ihr gehen in diesem unbekannten Land, in dem eine fremde Sprache gesprochen wurde, andere Sitten und Gebräuche herrschten?

Wie lebte es sich in dieser großen Stadt am Meer? Wie sah es dort aus? Sie hatte gelesen, dass es Palmen und sogar freilebende Papageien gab. Wie würden ihr die Menschen dort begegnen – ihre Vermieter, ihre Kollegen? Elisabeth hoffte, dass sie Freunde finden und als Deutsche nicht ausgegrenzt werden würde.

Fragen über Fragen. Sie seufzte und überprüfte ein letztes Mal ihr Gepäck und ihren Reisepass mit dem für ein Jahr ausgestellten Visum. Hoffentlich hatte sie nichts Wichtiges vergessen.

Abermals sah sie in den Spiegel. Sie erblickte eine schlanke, groß gewachsene junge Frau mit braunen Haaren, die zu einem Bubikopf geschnitten waren und auf die sie nun die Schiebermütze ihres Vaters setzte. Für die Reise trug sie eine Caprihose, eine langärmelige Bluse und eine Strickjacke zum Knöpfen. Selbstbewusst und unsicher zugleich war ihr Blick.

Da klopfte es an die Zimmertür. „Elisabeth, in zehn Minuten kommt das Taxi, das uns zum Busbahnhof bringt. Bist du bereit?“ tönte fragend die warme Stimme ihres Vaters. Ein letztes Mal schaute Elisabeth sich in ihrem Zimmer um, das die letzten Jahre Zuflucht all ihrer Träume und Sehnsüchte gewesen war.

TEIL I

Stuttgart, Juli 1953

1

Da war eine große Sehnsucht nach Veränderung in Elisabeth. Einundzwanzig Jahre alt, war fast ihr ganzes Leben durch enge Grenzen und durch Mangel geprägt. Von nichts gab es genug in diesem Deutschland der Nachkriegszeit, außer von ihrem ausgeprägten Lebenshunger.

Was konnte sie dafür, dass die Generationen ihrer Eltern und Großeltern der falschen Ideologie eines Adolf Hitler nachgelaufen waren oder sie zumindest nicht zu verhindern wussten? Dabei zählte Elisabeths Familie nicht zu den Anhängern des Nationalsozialismus, aber wie so viele andere hatten sie sich dem Unrechtsregime nicht aktiv widersetzt. Nur im engsten Familienkreis tauschten sie in den Jahren des sogenannten Dritten Reiches ihre politischen Gedanken offen aus. Nachts vernahm Elisabeth des Öfteren Englisch aus dem Volksempfänger ihres Vaters, wenn er verbotene Nachrichten im BBC-Sender hörte.

Er war Hausarzt und musste deshalb während des Krieges nicht an die Front. Er hatte sogar weiterhin jüdische Patienten behandelt, allerdings unter größter Geheimhaltung und stets außerhalb der üblichen Sprechzeiten. Irgendwann gab es dann keine jüdischen Patienten mehr – wer konnte, war geflohen, die anderen waren in Konzentrationslagern umgebracht worden. Das hatte Elisabeth spät erfahren, in ihrem letzten Schuljahr war es Thema im Geschichtsunterricht gewesen. Wie in ihrer Schulzeit üblich waren auch hier keine Rückfragen, keine Diskussionen erwünscht; der Geschichtslehrer wachte streng darüber, dass er seinen Vortrag ohne Unterbrechung durch lästige Fragen zu Ende bringen konnte. In Stuttgart war es während des Krieges und auch in den Jahren danach unmöglich, den tiefen Wunden auszuweichen, die dieses düstere Kapitel der deutschen Geschichte hinterlassen hatte. In den letzten Kriegsjahren waren die Narben unübersehbar und tagtäglich schmerzhaft spürbar. Immer wieder gab es Luftangriffe der Alliierten auf die Stadt. Einer Feuerwalze gleich legten sie Bombenteppiche über Stuttgart.

Die Wohnung von Elisabeths Eltern in der Johannesstraße im Stuttgarter Westen wurde bei einem der letzten Bombenangriffe des Krieges getroffen und völlig zerstört. Glücklicherweise stand die Wohnung zu diesem Zeitpunkt schon weitgehend leer, nur ein paar Möbel und etwas Geschirr wurden Opfer der Flammen. Mit ihrem Vater Rudolf, ihrer Mutter Hermine und ihrem vier Jahre älteren Bruder Paul war Elisabeth zwei Jahre zuvor mit Sack und Pack ins Haus der Großeltern gezogen, der Eltern ihrer Mutter. Der Großvater war kurz zuvor gestorben, und sie mussten die Großmutter in dieser Kriegszeit im Alltag unterstützen. Das Haus bot genug Platz, hatte zudem einen tiefen Gewölbekeller, der allen bei Luftangriffen Schutz bot, und einen großen Garten, in dem sie Gemüse anbauten. Sogar ein versteckter Hühner- und Hasenstall gehörte zum neuen Zuhause. Immer wieder bekam ihr Vater von Patienten, die als Bäcker oder Metzger arbeiteten, Naturalien anstelle von Honorar, aus Dankbarkeit für eine erfolgreiche Behandlung.

Die Versorgung der Familie mit Lebensmitteln war so über die kargen Rationen der Lebensmittelkarten hinaus einigermaßen gesichert.

Es war nicht leicht, mit drei Generationen unter einem Dach zu leben. Elisabeth hatte es schwer mit ihrer kühlen, distanzierten Mutter, die auf Äußerlichkeiten bedacht war; auch zur Großmutter verspürte sie keine besondere Nähe. Vor allem ihr burschikoses Aussehen und ihr selbstbewusstes Auftreten waren Gegenstand steter Kritik.

„Elisabeth, meinst du nicht, dass du mehr Wert auf dein Äußeres legen solltest? Was denken sonst die Leute?“ sprach die Großmutter, während die Mutter nachlegte:

„Auch solltest du zurückhaltender sein mit deiner Meinung. Sonst interessiert sich nie ein Mann für dich und du willst uns in diesen schweren Zeiten doch wohl nicht unnötig lange auf der Tasche liegen!“ Solche spitzen Bemerkungen ließ Elisabeth äußerlich an sich abprallen, aber innerlich vergrößerten sie die Distanz zu den Frauen ihrer Familie.

Umso kostbarer waren für Elisabeth die Stunden, die sie mit ihrem Vater Rudolf und ihrem Bruder Paul, der in Tübingen Theologie studierte, verbrachte. Wann immer es die vielfältigen Aufgaben in der Arztpraxis und im Haus zuließen, unternahmen sie an den Wochenenden miteinander Wanderungen in der nahegelegenen hügeligen Umgebung. Auch während des Krieges gönnten sie sich diese Oasen immer wieder, verließen die durch Spreng- und Streubomben in Schutt und Asche gelegte Stadt, die in vielen Ecken einer Steinwüste glich, und schöpften neue Kraft für den beschwerlichen Alltag. Meist brachten sie von ihren Ausflügen etwas Essbares mit, wie Fallobst von den Streuobstwiesen oder Bärlauch, der im Wald wuchs.

Mit den beiden Männern verlebte Elisabeth auch jetzt noch ihre unbeschwertesten und zugleich tiefsten Stunden. Sie brachten ihr bei, sich Wissen anzueignen, Themen zu hinterfragen und sich eine eigene Meinung zu bilden.

„Weißt du, meine Kleine, das ist etwas, das dir niemand nehmen kann – in deinem Kopf ist dein Wissen sicher. Selbst in der Nazizeit kam niemand an meine Gedanken heran und ich konnte mir mein freies Denken erhalten.“ Während ihr Vater Rudolf diese Worte sprach, schauten sie auf den Birkenkopf, neuerdings Monte Scherbelino genannt, seit er mit den Trümmern Stuttgarts aufgeschüttet worden war.

„Dieser Berg wird mich für immer daran erinnern. Aber Vater, ich möchte so gern auch die Welt entdecken.“

„Da spricht nichts dagegen. Du beherrschst mehrere Sprachen, dir steht die Welt offen.“

Elisabeth hatte nach ihrem Abitur am Königin-Olga-Stift zwei Jahre lang eine Sprachenschule für Französisch und Spanisch besucht und einen Abschluss zur Fremdsprachenkorrespondentin gemacht. Es war ein Kompromiss. Gern hätte sie wie ihr Bruder studiert, und zwar Medizin, doch die Mutter war strikt dagegen.

„Das kommt nicht in Frage. Ein Studium für eine Frau ist vergeudet; wenn du schlauer wirst als die Männer, will dich keiner haben.“ Alle Versuche des Vaters, der Mutter das Studium schmackhaft zu machen, prallten an ihr ab.

In den zwei Schuljahren lebte Elisabeth auf. Und gewann an Selbstbewusstsein, denn im Spanischunterricht erlebte sie einen Lehrer, der seine Schülerinnen zum Mitdenken und Hinterfragen aufforderte. Das erste Mal in ihrem Leben lernte sie freiwillig und gern. Dies zeigte sich auch in ihren Noten. Die Abschlussprüfung bestand sie mit Auszeichnung, sogar die Mutter war stolz auf sie. Doch wie es danach weitergehen sollte, das war Elisabeth zunächst nicht klar.

2

Ein Monat war seit ihrer Abschlussprüfung vergangen; Elisabeth genoss den Sommer und das Nichtstun, aber vor allem ihre Mutter drängte sie, sich eine Stelle zu suchen.

„Das faule Leben muss ein Ende haben. Nicht einmal Großmutter und mir bist du eine Unterstützung. Hier – ich habe dir eine Anzeige aus der Stuttgarter Zeitung ausgeschnitten, Mercedes Benz sucht eine Fremdsprachensekretärin. Bewirb dich doch dort!“

Ohne Kommentar nahm Elisabeth die Anzeige und versenkte sie in ihrer Hosentasche. Sie war auf dem Weg ins Mineralbad Berg, es war ein heißer Juli-Tag. Die Aussicht auf das kühle Nass war es nicht allein, was Elisabeth das Weite suchen ließ – es war die zunehmende Enge, die sie zu Hause spürte. Der unermüdliche Versuch der Mutter und der Großmutter, sie in ihre vermeintlich vorgesehene Rolle als Ehefrau und Mutter pressen zu wollen.

Elisabeth ging ein paar Meter die Straße entlang. Sie war mit ihrer Freundin Käte verabredet, die sie schon seit der Grundschule kannte. Als Käte ihr auf dem Gehweg entgegenkam, mit wippendem Pferdeschwanz und in einem blumigbunten Sommerkleid, schoss es Elisabeth durch den Kopf: Solch eine Tochter hätte meine Mutter sich gewünscht!

Elisabeth selbst sah mit den abgelegten Knickerbockern ihres Bruders, dem Bubikopf-Haarschnitt und der Schiebermütze, die ihr Vater ihr kürzlich geschenkt hatte, eher wie ein Junge aus.

„Hallo Elisabeth, ist es dir nicht zu warm? Ich finde ein Kleid viel praktischer.“ Mit dieser Begrüßung bestätigte Käte ihre Gedanken; als Antwort zuckte sie lediglich mit den Schultern. Fröhlich plappernd hakte Käte sich bei Elisabeth unter. Ihr war es gleich, wie ihre Freundin aussah. Hauptsache, sie konnten etwas zusammen unternehmen.

Käte war tatsächlich eine Tochter, wie Mütter sie sich in diesen Jahren wünschten. Interessiert an Haushaltsdingen und der Betreuung von Kindern, hatte sie eine Ausbildung zur Kinderpflegerin abgeschlossen und würde in einem Monat in einem der rar gesäten Kindergärten arbeiten.

„Das ist für mich genau die richtige Stelle. Wenn Hannes und ich verheiratet sind und Kinder haben, kenne ich mich schon aus.“ Erst kürzlich hatte Käte Elisabeth in ihre Pläne für die Zukunft eingeweiht. Seit einem halben Jahr war sie mit Hannes verlobt; sobald sie eine Wohnung gefunden hatten, wollten sie heiraten und zusammenziehen. Bei der Wohnungsnot, die im kriegszerstörten Stuttgart herrschte, war viel Geduld nötig.

„Zur Not ziehen wir zu meiner Mutter. Allzulange wollen wir nicht mehr warten. Ich möchte nicht so alt sein, wenn unsere Kinder kommen.“ So griff Käte ihr Lieblingsthema wieder auf und bemerkte nicht, dass Elisabeth still und in eigene Gedanken versunken war.

Sie stellte immer mehr fest, wie wenig ihre Sicht auf die Welt und ihre Vorstellungen von der Zukunft zu denen ihrer Freundinnen passten.

Nicht zuletzt durch das vor zwei Jahren erschienene und sehr umstrittene Buch „Das andere Geschlecht“ von Simone de Beauvoir, das sie sowohl auf Deutsch gelesen hatte als auch auf Französisch, hatte sie eine andere Sicht bekommen auf die Beziehung der Geschlechter. Wenn sie je heiraten würde, dann nur, wenn sie eine gleichberechtigte Beziehung führen würde.

„Dies bedeutet für mich, dass der Mann und die Frau die gleichen Rechte und Pflichten haben“, hatte sie erst kürzlich ihrem Bruder Paul erklärt, der ihre Sicht auf die Welt bisher als Einziger zu teilen schien. Ob zu diesem Leben Kinder dazugehören sollten, darüber war Elisabeth sich nicht schlüssig.

Sie konnte sich nicht vorstellen, den erstbesten Mann zu heiraten, der ihr Avancen machte. Bisher hatte es nur einer geschafft, ihr Interesse zu wecken: Julius, ein Studienfreund ihres Bruders. Die zwei kamen am Wochenende oft zusammen nach Stuttgart und bezogen auch Elisabeth in ihre Unternehmungen ein. Schnell hatten Julius und sie sich zueinander hingezogen gefühlt – sie hatten eine ähnliche Einstellung zum Leben. Und, was für Elisabeth wichtig war, Julius achtete ihren wachen Geist. Doch kaum hatten sie sich richtig aufeinander eingelassen und waren ein Paar geworden, bekam er das Angebot, für ein Jahr in einem Versöhnungsprojekt in Israel mitzuarbeiten. Es fiel Julius schwer zu gehen, da er viel für Elisabeth empfand. Sie bestärkte ihn jedoch, das Angebot anzunehmen. „Solch eine Chance kannst du nicht ausschlagen. Das war doch schon lange dein Traum! Wir wissen auch noch nicht, wo es mich hinverschlagen wird. Und in einem Jahr kommst du ohnehin zurück.“

Sehr bald war jedoch klar, dass Julius nicht nach Deutschland zurückkommen würde. Er hatte sich zunächst in das Land verliebt, dann in seine Leute, speziell eine Frau. Anfangs hatte jeden Monat ein Brief zwischen Julius und Elisabeth hin- und hergewechselt; vor einem halben Jahr war der Kontakt eingeschlafen. Da Elisabeth in dieser Zeit sehr mit sich selbst beschäftigt war, dauerte es nicht lange und sie hatte die Trennung verschmerzt. Nun dachte sie etwas wehmütig an diese Zeit, während sie mit Käte zur Straßenbahnhaltestelle am Hölderlinplatz ging.

Trümmergrundstücke versperrten immer wieder ihren Weg und sie mussten die Straßenseite wechseln, während an anderen Stellen fleißig gebaut wurde. Was erhalten geblieben war, blieb stehen, und weitere Stockwerke wurden daraufgesetzt.

Die Grundstücke waren ein Spielplatz voller Abenteuer für Kinder. Sie waren in einem Alter, in dem sie die Schrecken des Krieges nicht miterlebt hatten. Für Kinder waren diese Orte nicht mit schlechten Erinnerungen verknüpft. Auch wenn es verboten und nicht ungefährlich war, denn so mancher Blindgänger lauerte in den Trümmern – insbesondere die Buben ließen sich davon nicht abschrecken. Käte war anzumerken, wie unwohl ihr war, als sie an einem Grundstück stehen blieb und den spielenden Kindern zuschaute. Sie war kurz davor, sie zu maßregeln. Doch Elisabeth verhinderte dies: „Lass sie doch. Sie werden nur kurz auf dich hören und weiterspielen, sobald wir gegangen sind. Und ich kann sie verstehen. Was sollen sie sonst tun?“

Käte gab ihr Recht. Den Jungs in ihrer abgerissenen Kleidung war anzusehen, dass sie aus ärmlichen Verhältnissen stammten und sicherlich kein Geld hatten, um wie sie zum Schwimmen zu gehen.

Diese soziale Ungerechtigkeit belastete Elisabeth. Wer wie ihre Familie ein Auskommen hatte, dem ging es in den Nachkriegsjahren schon wieder recht gut. Wer jedoch in einer Familie groß wurde, in der der Vater als vermisst galt oder im Krieg gefallen war, erlebte noch immer eine harte Zeit. Den Frauen fiel es schwer, ein eigenes Einkommen zu erwirtschaften. Dies gelang meist nur mit schlecht bezahlten Arbeiten wie Nähen oder Putzen. Ein Grund mehr für Elisabeth, sich für die Gleichberechtigung von Mann und Frau stark zu machen, um damit auch unabhängig vom anderen Geschlecht zu sein.

„Es wird dringend Zeit, dass wir uns emanzipieren“, schloss Elisabeth ihren Gedankenausflug und erntete von Käte nur einen verständnislosen Blick.

„Mir gefällt es, dass Hannes einmal unser Geld verdienen wird und ich uns dafür ein gemütliches Heim schaffen werde. Wenn beide arbeiten, ist gar keine Zeit mehr und unsere Kinder würden verwahrlosen wie diese Rabauken da.“ Käte zeigte auf die Kinder, die in den Trümmern fröhlich und wild miteinander „Räuber und Gendarm“ spielten.

„Aber willst du dich so abhängig machen von deinem Mann?“

„Was heißt abhängig? Das verstehe ich nicht, schließlich lieben wir uns.“

In derlei Gespräche vertieft erreichten sie die Straßenbahnhaltestelle. Obwohl Elisabeth und Käte eine andere Sicht auf die Welt hatten, fühlten sie sich verbunden durch eine langjährige Freundschaft. Schon vieles hatten sie miteinander geteilt – sie waren zusammen eingeschult worden, hatten gemeinsam in kalten Klassenzimmern gefroren, unter der Strenge der gleichen Lehrer gelitten, die gleichen Ängste vor den Bombenangriffen gehabt. Was Käte aber besonders für Elisabeth einnahm, war deren Großherzigkeit. Anders als die meisten anderen wusste Käte, welch warmherzige Seele sich hinter dem manchmal schroffen Verhalten verbarg.

Und diese Großzügigkeit bezog Käte nicht allein auf das Teilen von Lebensmitteln während des Krieges und in der Zeit danach, als ihr Vater an der Front war und schließlich als „gefallen“ gemeldet wurde, sondern auch auf den Austausch von Gedanken und Empfindungen. Denn auch wenn Käte eine andere Sicht auf die Welt hatte als Elisabeth, empfand sie den Austausch mit ihrer Freundin als bereichernd.

„Solch ein Leben muss spannend sein, aber für mich wäre das nichts“, antwortete Käte, als Elisabeth ihr anvertraute, dass sie gern einmal im Ausland leben würde.

Kaum war die Haltestelle erreicht, kam eine Bahn. Die beiden fuhren gern Straßenbahn, denn immer wieder entdeckten sie am Wegesrand Neues. An allen Ecken und Enden der Stadt war der Wiederaufbau sichtbar.

Bald erreichten Elisabeth und Käte das ersehnte Ziel: das Mineralbad Berg. Käte hatte kürzlich Geburtstag gehabt, und Elisabeth hatte ihr einen Gutschein für den Besuch überreicht. Mehr als hundert Jahre alt war dieses Bad bereits, das aus fünf natürlichen Mineralquellen mit Wasser gespeist wurde. Seit einigen Monaten war es nach einem umfassenden Um- und Neubau wieder für die Bevölkerung geöffnet. Die Stuttgarter dankten es mit begeistertem Besuch. Elisabeth und Käte waren zum ersten Mal dort. In der Wandelhalle beobachteten sie neugierig, wie Badegäste am Trinkbrunnen Mineralwasser schöpften und tranken, und taten es ihnen gleich.

„Das schmeckt eklig.“ Käte schüttelte sich.

„Das muss sehr gesund sein, wenn man das freiwillig trinkt.“

In der Damenumkleidekabine zogen sie ihre Badeanzüge an, dann nahmen sie ihre Handtücher, die Wolldecke und belegten einen Platz auf der Wiese. An diesem sonnigen Tag war viel los; Männer und Frauen aller Generationen bevölkerten das Bad, wobei der Altersdurchschnitt recht hoch war. Kinder waren nicht zu sehen; Schilder am Beckenrand verkündeten: „Das Herumtollen und Stören anderer Badegäste ist verboten.“

Hier regte sich Elisabeths Widerstandsgeist: „Das ist nicht gerecht, Familien mit Kindern auszuschließen; am liebsten würde ich mich beschweren.“

„Sieh das Gute daran. Auch wir können ganz in Ruhe schwimmen und werden nicht ständig nassgespritzt.“ Käte setzte sich ihre Badekappe mit Blümchen auf und zog Elisabeth mit ins Wasser.

Im zweiundzwanzig Grad warmen Wasser erlebten die zwei eine Überraschung: Das Mineralwasser pritzelte und prickelte am ganzen Körper. Sie mussten lachen, und nun freute sich auch Elisabeth, hier zu sein. Schwimmen war ihre große Leidenschaft, seit ihr Vater es ihr im Alter von sechs Jahren im damals größten deutschen Hallenbad, dem Bad im Stadtteil Heslach, beigebracht hatte. Während der Nazizeit gehörte sie sogar zu einer Wettkampfgruppe, doch als eine Mitschwimmerin, bei der jüdische Wurzeln entdeckt worden waren, vom Schwimmverein ausgeschlossen wurde, meldete sich auch Elisabeth ab. Fortan war das Schwimmen nicht mehr und nicht weniger als ein liebgewordenes Hobby, bei dem sie ihr Gedankenkarussell zum Schweigen bringen konnte. Gerade in den letzten Wochen ging sie im Heslacher Bad wieder häufiger schwimmen, denn die Frage, wie ihre Zukunft aussehen könnte, trieb sie um.

„Käte, am liebsten würde ich von zu Hause weggehen. Es ist mir alles zu eng. Meine Mutter und die Großmutter liegen mir ständig in den Ohren, dass ich mir einen Mann suchen soll. Mein Spanischlehrer hat sehr viel Positives von Barcelona erzählt. Ich glaube, ich hätte Lust, dort eine Weile zu leben.“

„Aber ist da nicht dieser Diktator Franco an der Macht? Und da willst du hin? Und du hast doch gar keine Arbeit!“

Die anderen Badegäste schauten die zwei tadelnd an, auch Gespräche waren im Wasser nicht erwünscht. So blieb Elisabeth die Antwort zunächst schuldig. Sie schwammen noch ein paar Runden, dann gingen sie aus dem Becken, trockneten sich ab und ließen sich auf der Decke von der Sonne bescheinen.

Elisabeth griff den Gesprächsfaden wieder auf.

„Im letzten Jahr war in Barcelona ein wichtiges katholisches Konzil, da ist die Stadt wohl richtig modern geworden. Und mein Spanischlehrer hat erzählt, dass die Katalanen sich trotz der Diktatur Francos ihre Freiheiten erhalten haben.“

„Aber wovon willst du leben?“

„Mein Spanischlehrer hatte mir vor der Abschlussprüfung eine Stellenanzeige gegeben. In der Deutschen Bank in Barcelona suchen sie für die Beratung deutscher Kunden eine Deutsche mit guten Spanischkenntnissen. Ich habe mich beworben. Heute kam der Brief, dass ich mich in drei Wochen in Frankfurt vorstellen soll.“

„Und was sagen deine Eltern dazu?“

„Mutter und Vater wissen noch nichts, sie waren nicht zuhause, als der Brief kam. Ich werde es ihnen heute Abend erzählen.“

„Du bist aber mutig. Meine Mutter würde mir das auf keinen Fall erlauben.“

„Meine eher auch nicht, aber ich hoffe, dass mein Vater mich unterstützt. Der spürt, wie schwer es die Mutter und ich miteinander haben. Vielleicht ist es eine Lösung, wenn ich weggehe.“

3

Fast zwei Wochen waren vergangen, seit Elisabeth mit ihren Eltern gesprochen hatte. Sie hatte ihnen mit Begeisterung erzählt, wie gern sie die spanische Sprache im Original sprechen, Land und Leute in Spanien kennenlernen würde und dass sie sich deshalb auf die Stelle bei der Deutschen Bank in Barcelona beworben hatte. Stolz holte sie den Brief mit der Einladung zum Vorstellungsgespräch hervor und bat ihre Eltern, den Termin wahrnehmen zu dürfen. Seitdem war viel geschehen, und Elisabeth fühlte sich lebendig wie schon lange nicht mehr.

Selbst im Nachhinein begriff sie es noch nicht ganz: Ihre Mutter war in dem Gespräch erstaunlich offen gewesen und hatte Elisabeth spüren lassen, dass sie und ihre Zukunft ihr nicht gleichgültig waren. Dabei war ihr Bruder Paul das Lieblingskind der Mutter, das war schon immer so gewesen und würde auch so bleiben. Paul, der in der Schule besser und der folgsamer war als die oft störrische Elisabeth. Meist hatte es sie nicht gestört, da sie zum Vater ohnehin eine weitaus größere Nähe verspürte.

Aber dieses eine Mal war es ihre Mutter gewesen, die die Bedenken des Vaters zerstreute.

„Ich finde es auch mutig, wenn wir Elisabeth erlauben, nach Barcelona zu gehen, aber wir müssen uns einfach daran gewöhnen, dass unsere Jüngste flügge wird. Während der Zeit in der Sprachenschule war sie viel ausgeglichener als sonst. Mit Erfahrungen im Ausland wird sie es leichter haben, eine gute Stelle zu finden, bis sie heiratet und Kinder bekommt. Wir haben sie gut erzogen, da wird sie schon nicht auf Abwege geraten.“

Elisabeth erkannte ihre Mutter kaum wieder; sie, die selten über ihren eigenen Horizont blickte, setzte sich nun so für ihre Tochter ein? Aber dann begriff sie – wenn sie wegging, würde das Leben ihrer Mutter viel entspannter werden, die ständigen Streitigkeiten fielen weg. Diese hatten nicht nur Elisabeth oft den letzten Nerv geraubt, sondern offensichtlich auch ihre Mutter belastet.

Auch der Vater konnte nun im Laufe des Gespräches seine Bedenken beiseitelegen.

„Elisabeth, ich erlaube dir, dass du zu dem Vorstellungsgespräch gehst, und, wenn du eine Zusage bekommst, nach Barcelona. Allerdings nur für ein Jahr, dann kehrst du wieder nach Stuttgart zurück. Mutter hat recht, es ist an der Zeit, dass auch du deinen eigenen Weg gehst.“

Um Kleidung für das Vorstellungsgespräch zu kaufen, ging Elisabeth zum ersten Mal seit Jahren zusammen mit ihrer Mutter in die Stuttgarter Innenstadt. In den Jahren zuvor hatte sie entweder die abgelegte Kleidung ihres Bruders getragen oder ihre Mutter hatte „Maß“ an ihr genommen und alte Kleider umgearbeitet.

Nun jedoch sollte Elisabeth neu eingekleidet werden. Seit einigen Monaten war die Auswahl an Konfektionskleidung in der Stuttgarter Innenstadt gewachsen. Frauen wollten nicht immer wochenlang warten, bis sie sahen, wie ihnen ein Kleidungsstück stand, sondern es möglichst gleich mitnehmen. Für Elisabeth war es zunächst nicht leicht, etwas Passendes zu finden. Mit ihren ein Meter achtundsiebzig Körperlänge waren viele Röcke zu kurz. Aber schließlich fand sie ein schönes Kostüm in Anthrazit mit engem Bleistiftrock, der knapp über das Knie reichte, dazu ihre ersten Schuhe mit Absatz.

„Die betonen Ihre schönen Beine, Fräulein, die sollten Sie unbedingt nehmen“, überzeugte sie die Schuhverkäuferin. Und dann wagte Elisabeth es, einen Wunsch auszusprechen:

„Du weißt doch, Mutter, wie gern ich die Mütze von Vater trage. Die passt nun wirklich nicht zu dem Kostüm. Meinst du, wir können noch nach einem Hut für mich suchen?“ Elisabeths Mutter meinte, ihren Ohren nicht zu trauen.

„Den spendiere ich dir! Ich lege immer etwas vom Haushaltsgeld beiseite. Und danach gehen wir ins Café Stöckle in der Johannesstraße, trinken Schokolade und essen ein Stück Kuchen. Heute ist ein besonderer Tag!“

Gesagt, getan – in einem Geschäft fanden sie einen barettähnlichen Hut, der dennoch weiblich aussah und Elisabeth mit ihrem Bubihaarschnitt gut stand.

„Meine junge Dame, Sie haben ein schönes Hutgesicht. Die meisten Frauen wollen gern Hüte tragen, ohne dass sie das Gesicht dazu haben.“ Elisabeth spürte, wie ihr die Röte ins Gesicht stieg. Es war eine völlig neue Erfahrung, Komplimente für ihr Aussehen zu bekommen. Bisher hatte sie sich nur wenig damit beschäftigt; Hauptsache, sie konnte sich in ihrer Kleidung gut bewegen. Zudem kam sie sich mit ihrer Länge immer ein wenig schlaksig und ungelenk vor. Aber wenn sie die Stelle in der Bank in Barcelona bekommen sollte, würde sie sich ohnehin umgewöhnen müssen. In der Bank waren für Frauen Hosen tabu. Elisabeths Mutter schien ihre Gedanken zu erraten.

„Jetzt siehst du hoffentlich, dass ich Recht habe: Kleider machen Leute. Ich erkenne meine Tochter nicht wieder. Schön siehst du aus in dem Kostüm!“

Auch beim Ausklang des Einkaufsbummels im Café hielt die friedliche Stimmung zwischen Elisabeth und ihrer Mutter an. Beide begriffen, dass ihnen ein kostbarer Tag der unerwarteten Nähe geschenkt worden war. Sie nahmen ihn dankbar an, ohne ihn zu hinterfragen oder zu erwarten, dass sich ihr Verhältnis damit grundlegend geändert habe.

4

Überrascht und dankbar hielt Elisabeth den Brief in ihrer Hand. Dort stand tatsächlich:

„Wertes Fräulein Winter,

wir freuen uns sehr, Ihnen mitteilen zu können, dass Sie ab dem 1. Oktober 1953 bei der Filiale der Deutschen Bank in Barcelona als Fremdsprachensekretärin in der Abteilung Kundenverkehr eingestellt sind. …“

Der Vater hatte ihr den Brief überreicht und erkannte an ihrem glücksseligen Strahlen, dass er eine Zusage enthielt.

Dabei war das Vorstellungsgespräch vor einer Woche in Frankfurt nicht leicht gewesen für Elisabeth. Vor den strengen Mienen dreier gesetzter Bankvertreter hatte sie fast eine Stunde Rede und Antwort stehen müssen und war sich hinterher unsicher, ob sie den Anforderungen genügt hatte. Aber eines war Elisabeth noch nie gewesen: auf den Mund gefallen. Und so konnte sie trotz ihrer Aufregung konzentriert auf die Fragen antworten. Und die Antworten mussten überzeugend ausgefallen sein, dies bewies die schriftliche Zusage.

„Jetzt ist es also tatsächlich soweit, mein kleines Mädchen zieht in die große weite Welt hinaus.“

„Aber Vater, ich gehe doch nur nach Barcelona. Und ein Jahr später bin ich wieder bei euch zuhause.“ Mit einem durchdringenden, warmen Blick musterte ihr Vater sie.

„Eigentlich begreife ich es erst jetzt so richtig: Meine Tochter ist tatsächlich erwachsen. Ab jetzt wirst du immer mehr deine eigenen Wege gehen. Du weißt, dass du trotzdem immer auf deine Eltern zählen kannst. Auch wenn du ab Oktober sogar finanziell auf eigenen Füßen stehen wirst.“

Das war etwas, worüber Elisabeth im Vorfeld gar nicht nachgedacht hatte. Aber nun hatte sie es schwarz auf weiß, was sie verdienen würde. Ihr Lohn war recht ordentlich, und sie hatte gelesen, dass die Lebenshaltungskosten in Spanien niedriger waren als in Deutschland. Nach Abzug ihrer Zimmermiete und der Kosten für Essen und Kleidung würde ihr noch etwas Geld für Unternehmungen bleiben.

Auch über die Wohnungsfrage sprach Elisabeth mit ihren Eltern. Ihrem Vater fiel ein aus Barcelona stammender Patient ein, der mit einer Stuttgarterin verheiratet war. Ihn wollte er fragen, ob aus seiner Familie jemand in Barcelona ein Zimmer zur Untermiete für Elisabeth frei hätte.

So würde es bis zu ihrer Abreise Ende September allerhand zu klären geben. Der August hatte begonnen, es blieben noch sechs Wochen Zeit. Eine Zeit so lang und so kurz zugleich.

Elisabeth bekam manchmal Angst vor ihrer eigenen Courage. Sie begann, ihr Elternhaus und ihre Heimatstadt Stuttgart mit anderen Augen zu sehen.

Mit dem nahenden Abschied wurde sie entspannter und regte sich auch nicht mehr so auf, wenn die Frauen in ihrer Familie sie zum wiederholten Male kritisierten. Zumal Elisabeth bis zu ihrer Abreise die Unterstützung ihrer Mutter und ihrer Großmutter brauchte – sie würde sich eine wandlungsfähige Garderobe zusammenstellen müssen und war dabei auf die Nähkunst der beiden Frauen angewiesen. Zusammen änderten sie Kleider ab, sodass sie der Mode der Zeit besser entsprachen, und nähten neue Sommerkleider.

Elisabeths Vater zeigte sich spendabel.

„Deinem Bruder Paul finanzieren wir seit vielen Jahren ein Studium. Du dagegen stehst bald finanziell auf eigenen Füßen. Ich möchte dir daher Geld für neue Kleidung geben und das restliche Geld als Grundstock für dein neues Leben auf dein Konto bei der Deutschen Bank einzahlen.“ Elisabeth war überrascht und erfreut zugleich, das hatte sie nicht erwartet; schließlich hatte ihr Vater bereits das Schulgeld für die Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin bezahlt.

„Ach, Papa, wie lieb du immer bist! Du wirst mir fehlen in diesem Jahr. Aber ich werde euch regelmäßig schreiben.“

Immer mehr Dinge klärten sich für den Umzug Elisabeths nach Barcelona. Erleichtert waren alle, als eine Cousine des spanischen Patienten zusagte, dass Elisabeth bei ihnen zur Untermiete wohnen könnte. Die älteste Tochter des Paares hatte geheiratet. So war ein Zimmer frei geworden, das Elisabeth zu einem fairen Preis mieten konnte.

Auch die Frage, wie Elisabeth nach Barcelona reisen würde, löste sich bei einem Gespräch ihres Vaters mit einem seiner Patienten. Dieser war Seniorchef eines Stuttgarter Busunternehmens, das seit dem vergangenen Jahr Pauschalbusreisen an die Costa Brava anbot. Der Bus machte auf dem Hinweg einen Stopp in Barcelona und konnte Elisabeth dort absetzen. Allerdings würde sie nicht auf direktem Wege hinreisen, sondern einen Teil der Reise mitmachen müssen. Ihr Vater war dennoch dafür.

„Dann bist du in guter Betreuung, Elisabeth. In Barcelona musst du dann alles allein regeln. Und du willst etwas von der Welt sehen – auf diese Weise kommst du auch nach Frankreich. Kurzum, ich habe die Reise gebucht. Am Freitag, 26. September, wirst du in Barcelona ankommen. Was sagst du dazu?“

Elisabeth war sprachlos – dies alles hatte ihr Vater für sie organisiert? Erstaunlich modern und offen für die Welt kamen ihr die Eltern auf einmal vor.

Als ihr Bruder Paul von den Neuigkeiten erfuhr, kam er aus dem Staunen nicht mehr heraus.

„Wie hast du unsere Eltern um den Finger gewickelt?“ „Ich glaube, Mutter und Vater haben gespürt, dass es mir nicht gut ging. Ich war unzufrieden und die Stimmung entsprechend schlecht. Da haben sie wohl erkannt, dass es gut ist, wenn ich auf eigenen Füßen stehe.“

Auch ihre Freundin Käte zeigte sich beeindruckt, dass Elisabeth nach Spanien gehen würde, um dort zu leben und zu arbeiten.

Einzig ihre Großmutter war besorgt. „Unsere Elisabeth allein in so einer großen Stadt! Hoffentlich gerät sie nicht unter schlechten Einfluss. Dass ihr Elisabeth das erlaubt, verstehe ich nicht. Zudem wird sie älter und älter, und ein Mann ist weiter nicht in Sicht!“

5

In gut einem Monat würde Elisabeth nach Barcelona aufbrechen. Mit dem Busunternehmen war abgesprochen, dass sie zwei Gepäckstücke zusätzlich mitnehmen durfte. Dennoch war klar: in zwei Koffer und eine Reisetasche passten nur begrenzt Dinge.

Es war nicht leicht, in der Zeit vor der Abreise den Überblick zu behalten über alles, was noch erledigt werden musste. Doch es war hilfreich, dass Elisabeth schon immer gut organisieren konnte. Sie erstellte verschiedene Listen, die ihr halfen. Die erste enthielt alle Dinge, die sie bis zur Abreise erledigt haben musste, die zweite Dinge, die unbedingt mitgenommen werden sollten, und auf der dritten führte Elisabeth auf, was sie vorher noch unternehmen wollte.

Auf dieser „Was ich noch gern tun möchte“-Liste fanden sich:

Mit Vater und Paul zur Grabkapelle auf den Württemberg wandern.

Mit Käte noch einmal ins Mineralbad Berg und ins Kino in den Film „Schnee am Kilimandscharo“ gehen.

Mutter ins Café Stöckle einladen.

Mit Paul zelten gehen.

Ein Abschiedsfest im Garten feiern, jeder bringt etwas zu essen mit. Mit Mutter und Großmutter backe ich vorher Kuchen. Am Abend machen wir ein Lagerfeuer.

Als Elisabeth den letzten Punkt aufgeschrieben hatte, hielt sie inne. Ein Abschiedsfest, natürlich, das würde sie gern feiern. Aber wen würde sie einladen? Seit sie die Schule verlassen hatte, waren die Wege mit vielen ihrer Freundinnen auseinander gegangen. Diese waren bereits fest liiert und luden Elisabeth bei Festen nicht mit ein. Neue Freundschaften hatten sich bisher nicht aufgetan. So strich Elisabeth den letzten Punkt auf ihrer Liste. Und ersetzte ihn durch:

Ein Abschiedskaffee im Garten mit meiner Familie und Käte. Ich backe vorher die Kuchen.

Das Nachdenken half Elisabeth in der Rückschau auf die vergangenen Monate. Sie erkannte, dass sie ohne ein Ziel gelebt hatte; diese fehlende Perspektive war sicherlich auch oft Ursache für die Reibereien mit ihrer Mutter und ihrer Großmutter gewesen. Diese Zeit ging nun bald zu Ende und sie würde endlich ihr eigenes Leben führen können.

6

An einem Wochenende Ende August kam ihr Bruder Paul bereits donnerstags heim, da die Vorlesungen am Freitag ausfielen. Er war von Elisabeths Idee angetan, miteinander zelten zu gehen, zumal der Sommer sich freundlich zeigte. Auch die Eltern fanden das gut. Elisabeth und Paul packten am Freitag ihre Satteltaschen und radelten los, in Richtung des zu Stuttgart gehörenden kleinen Ortes Rohr. Der Weg war anstrengend, immer wieder mussten sie absteigen und ihre Räder schieben.

„Das ist hügelig bei uns, aber dadurch bin ich schon auf das bergige Hinterland Barcelonas eingestellt.“ Elisabeth merkte, wie sich ihr Denken veränderte – immer häufiger tauchte ihre zukünftige Wahlheimat auf.

Nachdem sie Rohr durchquert hatten, wurde die Natur ursprünglicher, der Weg schattiger und war ohne große Steigungen bequem zu radeln. Er führte sie am Reichenbach entlang, hinein in das Siebenmühlental. Der Vater hatte ihnen den Tipp gegeben, zur Schlösslesmühle zu fahren. Dort lebte ein Bekannter von ihm als Maler, der sich zu dem Verkauf seiner Bilder etwas dazuverdiente, indem er ein einfaches Ausflugslokal betrieb.

„Sicherlich dürft ihr bei Hans zelten und in seinem Biergarten könnt ihr günstig vespern.“

Als die zwei am späten Mittag bei der Mühle ankamen, waren die letzten Essensgäste im Aufbruch. Paul erkannte den Wirt, der den Tisch abräumte.

„Grüß Gott, Herr Waldmüller. Ich heiße Paul Winter. Dies ist meine Schwester Elisabeth. Sie kennen unseren Vater Rudolf. Wir machen eine Radtour und möchten fragen, ob wir auf Ihrem Grundstück zelten dürfen. Und essen würden wir auch gern bei Ihnen, natürlich gegen Bezahlung. Ist das möglich?“

„Ich hätte euch nicht mehr erkannt, groß und erwachsen seid ihr geworden. Fast müsste ich euch siezen! Natürlich dürft ihr bei mir zelten. Kommt, ich zeige euch einen schönen Platz.“ Herr Waldmüller führte sie auf eine Wiese mit schattigen Apfelbäumen, in Hörweite des Baches, aber abseits des Blickes der Tagestouristen.

„Euer Vater hat mir einmal sehr aus der Klemme geholfen. Als ich kein Geld hatte, hat er mir zwei Bilder abgekauft. Das werde ich ihm nie vergessen. Deshalb lade ich euch ein, meine Gäste zu sein. Habt ihr Hunger? Dann bringe ich euch eine Erbsensuppe und dazu einen Krug Limonade.“

„Das ist wunderbar, vielen Dank.“

Nach der leckeren Mahlzeit zogen sich Elisabeth und Paul auf ihren schattigen Zeltplatz zurück, spannten das Zeltdach auf und legten die Plane unter. Glücklicherweise war der Boden recht eben.

Danach erfrischten sie sich am Bach. Das Wasser umfloss ihre Beine kühl und brachte ihre Gedanken in Fluss. Sie erinnerten sich an gemeinsame Erlebnisse aus ihrer Kindheit und Jugend. Und sie durchlebten noch einmal die Kriegsjahre zusammen. Paul sprach das erste Mal aus, welche Angst er bei den Bombenangriffen gehabt hatte, aber dass er versucht hatte, sich nichts anmerken zu lassen, um seine kleine Schwester nicht zu verunsichern. Ihm hatte es Kraft gegeben, seine Ängste dem Gebet anzuvertrauen. Damals hatte er beschlossen, Theologie zu studieren.

„Wie schön, Paul, dass wir noch einmal zusammen losgezogen sind! Mich beschäftigt derzeit viel. Warst du in den Wochen vor dem Studium auch nicht mehr so ganz zu Hause?“

„Ja, so war es! Ich habe mir vorgestellt, wie es sein wird, ohne die Aufsicht der Eltern zu leben. Und ich war gespannt, wie das Studieren sein wird. Bei dir ist alles noch spannender, du gehst ins Ausland. Ich finde das mutig.“

Lange unterhielten sich die Geschwister, schnell stellte sich ihre vertrauensvolle Nähe wieder ein. Miteinander durchwanderten sie das idyllische Siebenmühlental, das sie an diesem Nachmittag nur mit wenig anderen Menschen teilen mussten. Zur verabredeten Zeit waren sie im Biergarten.

Ein Tisch war schon mit einem üppigen Vesper für drei Personen gedeckt. Am Abend war die Schlösslesmühle nicht bewirtschaftet, und Hans Waldmüller setzte sich zu ihnen.

„Das Essen schmeckt anderswo immer viel besser“, sagte Paul und griff kräftig zu. Auch Elisabeth schmeckte es gut, und das erste Mal in ihrem Leben trank sie Bier. Und hatte nicht das Gefühl, bisher etwas Entscheidendes verpasst zu haben.

Die drei unterhielten sich angeregt.

„Wie ich mich freue, euch ein wenig kennenzulernen! Sagt doch bitte Hans zu mir.“ Hans war ein aufmerksamer Zuhörer. Besonders Elisabeths Plan, nach Barcelona zu gehen, imponierte ihm.

„Deine Eltern haben viel Vertrauen, Elisabeth. Sicherlich wirst du ihnen sehr fehlen. Ich habe eine Idee – was haltet ihr davon, wenn ich euch zeichne? Dann haben eure Eltern eine besondere Erinnerung.“

„Das würde sie sehr freuen, aber das können wir nicht annehmen.“

„Das lasst meine Sorge sein. Es freut mich, wenn ihr mir Modell sitzt.“ Hans holte seine Zeichenutensilien und fertigte in der nächsten Stunde ein Bleistift-Porträt von Elisabeth und Paul. Beide waren gespannt auf das Ergebnis; sie fühlten sich gut getroffen und waren beeindruckt. Elisabeths wacher, etwas rebellischer und Pauls versonnen in die Ferne blickender Geist waren gut eingefangen. Zugleich ließ das Werk die Innigkeit und das Vertrauen zwischen den Geschwistern aufleuchten.

Nach dem Essen zogen sich Elisabeth und Paul zu ihrem Zeltplatz zurück; Hans gab ihnen einen Wein mit. Bis spät in die Nacht führten sie tiefe und fröhliche Gespräche.

7

Da war es endlich gekommen, das Wochenende vor Elisabeths Abreise nach Barcelona. Die Punkte auf ihrer Liste hatte sie fast alle umgesetzt.

Besonders schön war die Wanderung auf den Württemberg mit ihrem Vater und ihrem Bruder gewesen. Etwas gezwungen der Besuch im Café mit ihrer Mutter. Die Gespräche blieben an der Oberfläche und sie verspürte kein Bedürfnis, ihrer Mutter ihre Gedanken und Gefühle mitzuteilen.

Anders war es, wenn Elisabeth mit ihrem Vater und ihrem Bruder zusammen war. Von ihnen fühlte sie sich uneingeschränkt wertgeschätzt und geliebt; ihre Gespräche erreichten eine ganz andere Nähe und Tiefe. Die beiden forderten Elisabeth heraus, ihre eigene Meinung zu äußern, beispielsweise zur Politik, und nahmen ihre Gedanken ernst. Die zwei würden ihr sehr fehlen.

Auch von Käte fiel ihr der Abschied schwer. Ihr fröhliches, unbeschwertes Naturell tat Elisabeth gut. Ob sie in Barcelona auch eine Freundin finden würde?

In den Tagen vor der Abreise überfiel Elisabeth gelegentlich die Angst vor ihrer eigenen Courage. Was hatte sie sich dabei gedacht, gleich so weit fortzugehen? Doch schnell überwogen die Vorfreude und ein tief in ihr verankertes Bewusstsein, dass es gut war, aufzubrechen und etwas Neues zu beginnen.

Als Geschenk empfand Elisabeth, dass am Wochenende vor ihrer Abreise der Spätsommer sein freundliches Gesicht zeigte. Den Abschiedskaffee konnten sie im Garten feiern.

Die Mutter hatte darauf gedrängt, dass ihre Tochter sich einladen lassen sollte. Und da die Mutter und die Großmutter gern Kuchen zubereiteten und Feste ausrichteten, hatte sie es angenommen. Denn obwohl Elisabeth ihre Sachen bereits weitgehend gepackt hatte, blieb noch genug zu tun bis zu ihrer Abreise. Und sei es, um mit träumenden Augen Abschied zu nehmen von Haus und Garten und dabei Rückschau zu halten auf ihre Kinder- und Jugendzeit.

Zum Kaffeetrinken versammelten sich die Familie und ihre Freundin Käte. Im schattigen Garten war der Tisch schön gedeckt. Es gab leckeren Zwetschgenkuchen und Apfelkuchen vom Blech, sowie einen Käsekuchen, den Elisabeth besonders gern mochte. Die Gespräche waren angeregt und fröhlich, auch die Mutter und die Großmutter wirkten entspannt.

Elisabeth schlug mit dem Löffel gegen ihre Kaffeetasse und erhob sich: „Ich möchte euch danken, viel habt ihr für mich getan in den letzten Wochen. Ich bin aufgeregt – am Montag geht mein Abenteuer los. Danke, Vater und Mutter, dass ihr mich fahren lasst. Damit ihr euch an mich erinnert, habe ich ein Geschenk für euch. Es ist ein Bild von Paul und mir. Vater, dein Freund Hans hat es gezeichnet, als wir bei ihm zelteten. So habt ihr Paul und mich bei euch, auch wenn wir in Tübingen und Barcelona sind.“ Sie überreichte den Eltern das inzwischen gerahmte Porträt. Diese freuten sich offensichtlich. Elisabeth beobachtete, wie die Augen ihres Vaters beim Betrachten feucht wurden und er sich mit dem Handrücken verstohlen über die Augen wischte.

Als er sich erhob, hatte er sich wieder gefangen: „Meine liebe Elisabeth, nun ist es soweit, am kommenden Montag brichst du nach Barcelona auf. Wir wünschen dir eine wunderbare Zeit und hoffen, dass du in einem Jahr wohlbehalten zu uns zurückkehrst. Mutter und ich möchten, dass du auf der Reise beschützt bist. Komm her, meine Tochter.“ Elisabeth trat zu ihrem Vater; er legte ihr eine Goldkette mit einem schlichten Kreuz um und strich dabei zärtlich über ihren Hinterkopf. Sie spürte, dass ihr die Tränen in die Augen stiegen, und nahm ihn schnell in ihre Arme.

Paul schenkte ihr ein in Leinen gebundenes Tagebuch, „damit du deine Erlebnisse und Gedanken niederschreiben kannst“.

Käte überreichte ihr einen schönen selbstgestrickten Schal mit Mütze und Handschuhen. „So wärme ich dich, wenn dir einmal kalt ist.“ Käte wusste nicht, dass die Winter in Barcelona mild waren, aber Elisabeth freute sich dennoch sehr über ihr Geschenk.

Von ihrer Großmutter bekam Elisabeth nichts, sie blieb sich treu; von ihr würde der Abschied leicht fallen.

Am frühen Abend brach Käte auf. Der Abschied fiel ihnen schwer. „Ich schreibe dir bald, versprochen!“

Die Familie aß im Garten Abendbrot. Zur Feier des Tages gab es Sekt, und dazu hatte ihre Mutter leckere, schön verzierte Schnittchen gemacht.

Die Mutter und die Großmutter zogen sich nach dem Essen ins Haus zurück. Elisabeth, Paul und ihr Vater dagegen holten sich Decken und Kerzen und blieben noch bis zum späten Abend beieinander im Garten. Wie immer hatten sie sich viel zu erzählen. Elisabeth ließ sich von dem Vanilleduft des Pfeifentabaks ihres Vaters einhüllen. Nur noch zwei Nächte schlafen und es war soweit: Die Reise würde beginnen.

Stuttgart, 15. Mai 1993

Der Abflug würde sich um mindestens eine Stunde verzögern; als Grund nannte die Fluggesellschaft Wetterturbulenzen, die es abzuwarten galt. Elisabeth hatte vierzig Jahre auf einen Augenblick wie diesen gewartet; da sollte es auf ein paar Stunden nicht ankommen. Dennoch spürte sie eine wachsende Unruhe und hatte Angst, sie würde plötzlich ihren Mut verlieren, den Flughafen fluchtartig verlassen und sich auf den Weg heim in ...

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