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Weiter – immer noch wieder

Sigrid Lichtenberger

Weiter – immer noch wieder

Gedichte und Tagebuchnotizen

… treibe wie immer auf bewegtem Meer
versuche ein Ziel anzusteuern
dessen Namen ich nicht kenne …

TB – April 1993

Vorgedanken

Gedichte – mal wieder!

Könnte jemand sagen. Aber der Titel dieses Buches bezieht sich nicht auf die Poesie, sondern aufs Leben mit der raschen Entwicklung auf fast allen Lebensgebieten, das uns mit sich fortreißt.

Oder sind wir Menschen es, die sich selbst vorantreiben?

Statt Kapitelüberschriften habe ich Tagebuchnotizen (TB) zwischen Gruppen von Gedichten gesetzt. Sie leiten ein in Erfahrungen und Stimmungen der verdichteten Wortge- bilde.

I

 

 

Heute meine Gedichte aus allen Ecken geholt und mit dem Computer abgeschrieben.

War erstaunt, wie viele es waren.

TB – 20.05.2009

Auf einmal ist mein Wunsch riesengroß, dass alles, was ich (hier) schreibe, einem Menschen begegnen möge, der etwas damit anfangen kann.

TB – 06.03.1990

Warum ich immer wieder Gedichte schreibe

Manchmal weiß ich es nicht

nehme trotzdem den Stift

hänge Freude und Trauer in meine Worte

möchte Schrecken benennen

um ihn zu tilgen

Manchmal weiß ich es nicht

versuche

mich zu rechtfertigen

Doch dann kommt ein Tag

da spüre ich

dass meine Worte die Zeit anhalten

dass sie Freiraum geben

für das Eigentliche

das wir sonst unterpflügen

im Tagesgeschäft

Die Dichterin

Nein, ich wollte nicht einfach nett und schön

ich wollte nicht schreiben um

Dichterin zu sein

und wenn du glaubst ich sei stolz

auf das was ich schrieb

so betrachte Unzulänglichkeit

Nein, ich wollte nicht einfach

ein schönes Gedicht auch keine

nette Geschichte – ich wollte nicht

bewundert werden oder berühmt

Ich wollte vielmehr –

vielleicht die Welt bewegen? fragst du

ach nein, ich leide nicht an Größenwahn

ich wollte Augen öffnen die Seele berühren

ich wollte was ich nicht sagen kann

in Worte kleiden

Wortwellen

In großen Wellen

strömen aus ihr Worte

von Luft getragen

wägbar

und bekannt

doch ist der Untergrund

aus dem sie schöpft

aus dem sie formt

und spielerisch

beschenkt

ein wirres Flechtwerk

dschungelhafter Fülle

Tiefsee

Tiefseefische

haben die Sprache verschluckt

ohne lange Leine

und Atemgerät

kehrt niemand

von ihnen

zurück

Luftwurzeln

Gedichte

sind Luftwurzeln aus

Ewigkeit

sie halten mich im

Gleichgewicht

wenn alles schwankt

Gedichte sind

leicht zu übersehen

wenn wir unsere Wege gehen

zielstrebig

bis sie Schleier über das

Bewusste werfen

Sie wissen was wir auch sind

Worte (1984)

Die abgerundeten Worte

gehen schwerelos

von den Lippen

schon erprobt

ohne Risiko

Alle haben schon

Liebe gesagt

und Tod

und Gott

und die Verben

springen herzu

lassen leben

lieben

sterben

folgenlos

leicht

fertig

Worte (2000)

Ich schleife meine Worte

wie Steine

bis sie das sagen

was ich meine

alles Überflüssige wird abgerieben

wie das Wasser das

vom Berg herunterrauscht

die Steine mit sich treibt

sie kraftvoll formt

und liegen lässt

einfach so

Träume

Nicht in Träumen hängen bleiben

schreib ein Gedicht

nicht um zu beweisen

wie gut du’s kannst

male

nicht um die Wände zu schmücken

Spieler mischen sich drein

Tänzer und Gaukler

andere möchten

die Kunst ins Abseits schieben

weil Kinder hungern

Kriege toben

Ich ducke mich unter Elend

und Verlassenheit

würde die Sprache der Kunst verstanden

niemand

hätte Waffen erfunden

Ausdruck

Manchmal beginnen die Worte

zu schreien

eben noch standen sie geduldig

nebeneinander

aufgereiht wie Schwalben

auf Telegraphendrähten

Ich halte mir die Ohren zu

mein Auge sieht sie zerren

sich auseinanderreißen

ich soll es hören

Eben noch schien die Welt in Ordnung

bis das Weinglas kippte Buchstaben

verschwammen

auf meinem Gedicht

fielen schreiend

ins Chaos

Zwischen Chaos und Ordnung

Heute

wollen wir die gewohnte Reihenfolge einhalten

ich meine die vereinbarte Ordnung der Buchstaben

damit sie einen Sinn ergeben

Aber manchmal möchte ich

Buchstabenchaos verursachen

damit etwas Neues entsteht

eine neue Schöpfung

freier

bunter

gerecht

aufbegehrend

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