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Weil wir glücklich waren

Inhalt

  1. Cover
  2. Über die Autorin
  3. Titel
  4. Impressum
  5. Kapitel 1
  6. Kapitel 2
  7. Kapitel 3
  8. Kapitel 4
  9. Kapitel 5
  10. Kapitel 6
  11. Kapitel 7
  12. Kapitel 8
  13. Kapitel 9
  14. Kapitel 10
  15. Kapitel 11
  16. Kapitel 12
  17. Kapitel 13
  18. Kapitel 14
  19. Kapitel 15
  20. Epilog
  21. Danksagungen

Über die Autorin

Laura Moriarty hat an der University of Kansas studiert. Für ihre schriftstellerische Arbeit erhielt sie den George-Bennett-Preis der Universität New Hampshire. Ihre Romane sind von Kritikern und Lesern gleichermaßen begeistert aufgenommen worden. Ihre beiden ersten Bücher, DAS VERSPRECHEN MEINER MUTTER und EINES TAGES VIELLEICHT, sind ebenfalls bei Bastei Lübbe erschienen. WEIL WIR GLÜCKLICH WAREN ist ihr dritter Roman. Laura Moriarty lebt gemeinsam mit ihrer Tochter in Lawrence, Kansas.

Kapitel 1

Es gibt ein Ablaufdatum für die Schuldzuweisung an Eltern und falsche Erziehung. In dem Moment, in dem du alt genug bist, auf eigenen Füßen zu stehen, liegt die Verantwortung allein bei dir.

J. K. Rowling, Rede vor Absolventen der

Universität Harvard

An einem sehr kalten Tag während meines zweiten Studienjahres, als ich nur eine Stunde von zu Hause entfernt in einem Studentenwohnheim auf dem Campus lebte, kam mein Vater von einem zweitägigen Seminar über Finanzplanung zurück und fand in seinem Bett einen Mann vor, den er zunächst für einen Fremden hielt. Selbst nachdem er die Deckenbeleuchtung angeknipst hatte, erkannte er das Gesicht des bärtigen Mannes nicht, der mit offenem Mund auf einem der festen Nackenkissen schlief, die mein Vater immer so sehr vermisste, wenn er auf Reisen war. In diesen ersten, verwirrenden Augenblicken, erzählte mein Vater mir später, habe er die Situation einfach nicht erfasst. Er hatte schnell eine Erklärung für seine Begriffsstutzigkeit parat: Seine Erfahrung als Strafverteidiger hatte ihn gelehrt, dass Menschen das Unerwartete oft nicht verstehen; das menschliche Gehirn kann sich weigern, Dinge, die unmöglich scheinen, zu verarbeiten. Als »blind vor Naivität« beschrieb er es mir in einem seiner verwundbareren - oder vielleicht auch berechnenderen - Momente. Selbst nachdem er das Licht angeschaltet hatte, sagte er, habe er mehrere Sekunden gebraucht, um das blonde Haar und die hübschen Züge eines der Männer, die im vergangenen Sommer Arbeiten an unserem Dach durchgeführt hatten, wiederzuerkennen. Naivität hin oder her, es überrascht mich, dass er den Mann überhaupt erkannt hat. Mein Vater arbeitete immer lang, weshalb die Reparatur des Daches - ebenso wie alles andere, was mit dem Haus zu tun hatte - in den Zuständigkeitsbereich meiner Mutter fiel.

Die gebräunten Schultern des Dachdeckers guckten unter der Bettdecke hervor. Er wachte nicht auf, als mein Vater das Licht anmachte. Bowzer, unser Hund, lag zusammengerollt am Bettende, sein silbergraues Kinn auf einer Wölbung der Decke, unter der sich der rechte Fuß des Mannes zu verbergen schien. Als mein Vater gegen das Bett trat, drehte sich der Dachdecker mit einem Seufzer um und legte einen Arm über seine Augen. Mit der anderen Hand schien er nach etwas - oder jemandem - zu tasten, aber mein Vater hatte angeblich immer noch keine Ahnung, was los war. Unser Haus befand sich in einer kleinen Sackgasse in einem Vorort von Kansas City, der für seine Sicherheit, die hervorragenden öffentlichen Schulen und das völlige Fehlen öffentlicher Verkehrsmittel bekannt ist, trotzdem behauptete mein Vater, habe er den Mann viel zu lange tatsächlich für einen geistig verwirrten, unrasierten Streuner gehalten, der bei uns eingebrochen war, um ein Vormittagsschläfchen zu halten.

»Ich war erschöpft«, erklärte er mir später. »Okay, Veronica? Verstehst du? Ich hatte den ganzen Tag im Flugzeug gesessen. Alles, was ich wollte, war, nach Hause kommen, mich umziehen und vielleicht sogar, Gott behüte, etwas zu essen vorgesetzt bekommen - und dann gerate ich da hinein!«

Er sagte, die Situation habe erst einen Sinn ergeben, als er den Zettel entdeckt habe. Er war in der Mitte gefaltet und thronte wie ein kleines Zelt auf den Arbeitsschuhen des Dachdeckers, die mitsamt den hineingeknautschten Wollsocken neben dem Bett standen. Noch bevor mein Vater den Zettel aufhob, erkannte er das linierte, gelbe Papier. Es gehörte zu einem Block, den meine Mutter in der Nachttischschublade aufbewahrte, um interessante Textstellen aus Büchern und Geschenkideen aus Katalogen - die sie ebenfalls im Bett las - herauszuschreiben.

»O wolkenblasse Lider, traumverhang'ne Augen …« Du siehst im Schlaf so schön aus, dass ich es nicht übers Herz bringe, dich zu wecken. Denk trotzdem dran, vor drei Uhr zu verschwinden. (Und nimm diesen Zettel mit!) Ich rufe dich an. Und ich verspreche dir, den ganzen Tag lang darüber nachzudenken, tapfer zu sein.

Die Nachricht war nicht unterschrieben, aber mein Vater erkannte natürlich die schöne, saubere Handschrift meiner Mutter. Er schaute auf ihren Nachttisch. Das Buch von Philip Roth, das sie gelesen hatte, als er abfuhr. StriVectin-Handcreme. Eine Tube Himbeer-Lippenbalsam, den sie mit Vorliebe - und seiner Meinung nach unnötigerweise - mitten in der Nacht auftrug. Er erzählte, dass sein Verstand zwar in der Lage gewesen sei, zu registrieren, was offensichtlich war, er aber so überrascht gewesen sei, dass seine Beine ihm buchstäblich den Dienst versagt hätten und er sich auf die Bettkante habe setzen müssen. Wegen der Rückenprobleme, unter denen mein Vater manchmal litt, schliefen meine Eltern auf teuren Matratzen aus einem Material, das irgendetwas mit Astronauten zu tun hatte - und anscheinend war es tatsächlich stabil genug, um dem Gewicht eines Erwachsenen standzuhalten, ohne einen schlafenden Mann - oder auch nur einen älteren Hund, der in der Mitte des Bettes lag, zu stören. Deshalb hatte mein Vater einige Sekunden Zeit, das entspannte Gesicht des Dachdeckers zu betrachten und überrascht festzustellen, wie jung der Eindringling war. Als ich die Geschichte zum ersten Mal von meiner irritierten und angewiderten älteren Schwester hörte, hieß es, der Dachdecker sei ungefähr dreißig gewesen. Das mag aber eine Übertreibung gewesen sein; meine Mutter behauptet bis heute, er sei näher an der vierzig gewesen.

Aber in einem Punkt sind wir uns alle einig: Sobald mein Vater sich wieder gefangen hatte, reagierte er mit der für ihn charakteristischen Voraussicht und Logik auf diese Krise. Ich würde nicht alles davon seiner Erfahrung als Anwalt zuschreiben. Er ist ein großer Anhänger von True-Crime-Stories und schaut sich in seiner knapp bemessenen Freizeit gern Krimiserien und Sendungen wie Unsolved Mysteries an. Er legte den Zettel dorthin zurück, wo er ihn gefunden hatte, stand auf und trat einen Schritt vom Bett zurück. Sein Handy hatte eine Kamera. Er nahm es aus der Tasche und machte ein Foto des schlafenden Handwerkers. Er sah das Flanellhemd des Mannes auf dem Boden liegen und benutzte es - wie er so viele Fernsehdetektive Latexhandschuhe hatte verwenden sehen -, um den Zettel meiner Mutter aufzuheben. Beide Dinge schob er hinter ihre große Eichenkommode und schlich sich dann zu seiner eigenen, wo er die kleine Pistole aufbewahrte, die er vor drei Jahren nach einem Einbruch in ein Haus ein paar Straßen weiter gekauft hatte - obwohl es sich um ein viel luxuriöseres Haus gehandelt hatte und die Besitzer zur betreffenden Zeit zum Skifahren nach Aspen gefahren waren.

»Er hat die Pistole gekauft, damit er jedem erzählen kann, dass er sie gekauft hat«, sagte meine Mutter damals. »Er hat sie gekauft, um mich wahnsinnig zu machen.«

Und tatsächlich lud mein Vater an jenem verschneiten Nachmittag die Waffe nicht, obwohl die Entdeckung des schlafenden Dachdeckers ihm allen Grund dazu gegeben hätte. Er sei nicht auf Rache aus gewesen, erzählte er mir, sondern habe nur die Oberhand behalten wollen.

»Er hätte ihm einfach sagen können, dass er gehen soll«, stellte meine Mutter später fest. »Mr. Drama. Weißt du was? Wahrscheinlich hätte er sich bloß räuspern müssen.«

Aber mein Vater nahm die Pistole, um den Dachdecker mit dem Lauf anzustupsen und zu wecken. »Machen Sie, dass Sie aus meinem Haus kommen«, sagte er ganz ruhig - zumindest behauptete er, dass er es so gesagt hätte -, mit dem entschiedenen Auftreten eines Mannes, der im Lauf seines Lebens etliche Clint-Eastwood-Filme gesehen hat. Mein Vater hat die Begabung für dramatische Auftritte eines Prozessanwalts - er kann interessant erzählen und hat ein gutes Gedächtnis für Dialoge. Doch weder meine Schwester noch ich waren je wirklich überzeugt davon, dass er bei dieser Gelegenheit tatsächlich so gelassen geblieben war. Mein Vater ist sehr leicht erregbar. Er schreit, wenn er seine Autoschlüssel verlegt. Er jammert, wenn er sich den Zeh anstößt. Aber auf jeden Fall wachte der Dachdecker sofort auf und fand das, was mein Vater wie auch immer sagte, mehr als eindeutig und die Pistole mehr als überzeugend. Er hob die Hände hoch und fragte, ob er aufstehen dürfe. Zur Überraschung meines Vaters trug der Dachdecker Jeans und einen Ledergürtel, der nicht geöffnet war. Und nun, da der Mann vor ihm stand, wirkte seine Statur auch nicht sonderlich beeindruckend. Er war einige Zentimeter kleiner als mein Vater, und obwohl seine Arme kräftig und muskulös waren, war er ein bisschen rundlich um die Taille. »Wolkenblasse Lider?«, fragte mein Vater mich später. »Wolkenblasse Lider?«

Der Dachdecker, dessen Lider wegen seiner weit aufgerissenen Augen jetzt nicht zu sehen waren, bat um die Erlaubnis, seine Stiefel anziehen zu dürfen, wobei, meinem Vater zufolge, praktisch auf jedes Wort ein »Ah« oder »Ähem« folgte, was stark darauf hinwies, dass er nicht momentan erschrocken, sondern dauerhaft beschränkt war. Natürlich ist es möglich, dass die Darstellung meines Vaters weder korrekt noch gerecht war. Lange nachdem der Dachdecker - dessen Name, wie ich später erfuhr, Greg Liddiard war - nach Alaska zurückgegangen war, um seine schwangere Freundin zu heiraten, und meine Mutter kaum noch Grund hatte, ihn zu verteidigen, erklärte sie meiner älteren Schwester und mir, dass es viele verschiedene Arten von Intelligenz und Dummheit gebe und nichts davon ausschließlich auf Greg Liddiard - ihren ehemaligen Liebhaber oder Lyrikfreund, oder was auch immer er gewesen war - zutreffe.

Mein Vater sei sich, wie er uns gestand, selbst ziemlich beschränkt vorgekommen. Er wollte Elise und mir begreiflich machen, wie blind und dumm er sich auf einmal gefühlt hatte. »Du glaubst, jemanden zu kennen«, sagte er. »Du glaubst ungefähr zu wissen, was bei dir zu Hause vorgeht.« Sobald ihm aufgegangen sei, was tatsächlich lief, sagte er, habe er genug davon gehabt, der Gelackmeierte zu sein. Keine zwei Minuten nachdem Greg Liddiard ohne Hemd zur Tür hinaus und über unsere lange, vereiste Auffahrt zu seinem Lieferwagen gelaufen war, der immer noch am Ende der Sackgasse stand, rief mein Vater von seinem Handy aus meine Mutter auf ihrem an.

»Sie muss die Nummer erkannt haben«, sagte er, immer noch ungläubig. »Verstehst du, Veronica? Sie muss gewusst haben, dass ich es bin.« Er erinnerte sich deutlich, dass das Hallo meiner Mutter nicht besonders wachsam geklungen hatte, weder besonders freundlich noch unfreundlich. Sie hatte nicht wie eine Lügnerin, eine Betrügerin, eine Diebin geklungen, die ihm seine Lebenskraft, ja sein Leben selbst gestohlen hatte. Sie habe völlig unbefangen geklungen, staunte er.

»Oh«, sagte sie. »Du bist zu Hause?« Im Hintergrund war geschäftiges Treiben zu hören, lautes Stimmengewirr. Zuerst glaubte er, sie wäre heute als Ersatzlehrerin in der Volksschule oder an der Junior High tätig und hätte ihren Anruf vor einer Klasse gelangweilter oder feindseliger Vorstadtjugendlicher angenommen, die sich schlecht benahmen, falsche Namen nannten und fragten, wann ihre richtige Lehrerin wiederkommen würde. Aber es war Samstag, der Tag, an dem meine Mutter ehrenamtlich bei der Essensausgabe für Obdachlose arbeitete. Wie selbstlos! Er sah sie vor sich, wie sie Dosensuppen stapelte, mit Schürze, selbstgerechter Miene und natürlich auch mit ihrem Ehering am Finger.

»Ja«, antwortete er. »Ich bin zu Hause, Natalie. Und ich denke, du solltest auch lieber nach Hause kommen. Am besten sofort.«

Ihr musste an seinem Tonfall etwas aufgefallen sein. Er erzählte, dass sie eine Weile geschwiegen habe. Trotz des Hintergrundlärms habe er am anderen Ende der Leitung ihre Atemzüge hören können.

»Ja«, gab sie ihm schließlich recht. »Wir müssen reden.«

Er lachte. Tatsächlich, er lachte. Er sei nervös gewesen, erklärte er, völlig von der Rolle, als er in ihrem gemeinsamen Schlafzimmer gestanden, sein Gesicht im Spiegel angeschaut und erkannt habe, wie viel sich verändern würde. Meine Eltern waren damals seit sechsundzwanzig Jahren verheiratet. Als sie sich kennengelernt hatten, war meine Mutter in ihrem ersten Jahr auf dem College gewesen, und mein Vater hatte im zweiten Jahr Jura studiert. Ihre Ehe hatte frühe Elternschaft, einen überfluteten Keller und den Tod seiner und ihrer Eltern überstanden. Sie waren Verbündete gegen Kyle - den ersten Freund meiner Schwester - gewesen, der zuerst so nett gewirkt hatte, dann aber damit drohte, sich in unserer Auffahrt anzuzünden, als meine Schwester mit ihm Schluss machte. Meine Eltern waren verheiratet, als Reagan Präsident war, als der erste Bush Präsident war, als Clinton Präsident war und auch noch unter dem zweiten Bush. Gemeinsam hatten sie Urlaube, Beerdigungen und die Hochzeit meiner Schwester geplant.

»Ach, meine Liebe«, sagte er beinahe zärtlich und mit wehmütiger Stimme - oder zumindest klang sie immer so, wenn er mir diese Geschichte erzählte. »Ach, Natalie«, sagte er zu meiner auf Abwege geratenen Mutter. »Ich fürchte, du ahnst nicht, wie recht du hast.«

Von diesem Punkt an gehen ihre Darstellungen der Geschichte noch weiter auseinander. Obwohl ich sie nicht darum gebeten hatte, erzählten mir meine Mutter und mein Vater ihre Versionen vom Tag des schlafenden Dachdeckers und von dem, was geschehen war, als meine Mutter nach Hause kam. Mein Vater behauptete, er habe sie mit dem Zettel und dem Hemd konfrontiert. Meine Mutter sagte, das sei nicht nötig gewesen. Er beschrieb, wie sie sich in ihrem langen Wollmantel an den Esstisch gesetzt und dabei nicht besonders niedergeschmettert ausgesehen habe. Wenn überhaupt, sagte er, habe sie desorientiert gewirkt, wie sie mit ihren großen Augen die gestreifte Tapete und die Stuckleiste, die sie selbst ausgesucht und montiert hatte, anstarrte, als hätte sie sie noch nie zuvor gesehen. Mein Vater betonte mehrfach, dass sie mit der Mütze, die schief auf ihren Locken saß, und den von der Kälte geröteten Wangen ein wenig schrullig aussah. Er berichtete, dass sie nichts zu ihren Gunsten zu sagen gehabt habe. Er erzählte, dass er sie eine Weile angeschaut habe, während sie die Tapete anstarrte, sie und ihre laufende Nase, die sie nicht putzte, und dann nach oben gegangen sei, um seine Reisetasche zu holen, die - wie praktisch - immer noch gepackt war. Er trug sie nach unten, ging an meiner katatonischen Mutter vorbei zur Seitentür und in die Garage, wobei ihm das Herz, sagte er, wie ein Ziegelstein in der Brust gelegen habe.

Erst, als er bis zum Ende des Blocks gefahren war, fiel ihm ein, dass nicht er es war, der einen Fehler gemacht hatte. Er wollte immer noch duschen, und er wollte es nicht in einem Hotel tun. Er wollte in dem Haus duschen, für das er, um es abzuzahlen, über zwanzig Jahre lang mehr als sechzig Stunden in der Woche gearbeitet hatte. Deshalb fuhr er zurück und warf all das meiner Mutter an den Kopf, wobei sein Atem in der offenen Tür zur Garage Dampfwölkchen bildete.

Meinem Vater zufolge stimmte meine Mutter ihm zu. Oder zumindest sah sie ein, dass er im Recht war. Sie machte sich auf den Weg in ein Hotel. Als sie zum ersten Mal aufbrach, nahm sie nur einen Koffer mit. Fünf Minuten später kam sie zurück, um Bowzer und all seine Medizin zu holen, wie sie sagte aus Sorge, weil mein Vater nicht mit der komplizierten Betreuung des Hundes vertraut war. Mein Vater gab zu, dass sie bei beiden Abgängen gleichzeitig zerknirscht und würdevoll auftrat. Natürlich, fügte er ohne echte Bosheit hinzu, habe sie es sich zu diesem Zeitpunkt auch leisten können, zerknirscht zu sein. Sie war noch im Besitz ihrer Kreditkarten gewesen.

Am Tag danach, zweiundvierzig Meilen entfernt, hatte ich mein zweites Date mit Tim Culpepper. Wir rutschten auf Tabletts, die ich aus der Kantine hatte mitgehen lassen, verschneite Abhänge hinunter und knutschten dann eine Stunde lang in seinem Auto herum, die Heizung auf die höchste Stufe gestellt. Aus der kleinen Stereoanlage klang Nick Drake. Nachdem er mich abgesetzt hatte, war ich immer noch selig und lächelte so sehr, dass die Leute, die neben mir im Fahrstuhl standen, irritiert guckten. Als ich in mein Zimmer kam, klingelte mein Handy. Ich musste die kalten Tabletts unter einen Arm klemmen, um das Handy aus meiner Manteltasche zu ziehen. Es war meine Schwester, die aus San Diego anrief, um mir von dem schlafenden Dachdecker zu erzählen. Ich stand ganz still in der Tür, das Licht auf dem Gang hell, mein Zimmer noch dunkel, das Handy an mein Ohr gepresst. Meine Handschuhe waren nass vom Schnee.

»Bist du noch dran?«, fragte sie. »Veronica? Hast du mich gehört? Mom und Dad lassen sich scheiden.«

Die Tabletts fielen auf meine Stiefelspitzen und dann klappernd auf den Linoleumboden. Ich sagte: »Was? Nein, tun sie nicht.« Erst vor einer Woche hatte ich mit meiner Mutter gesprochen. Sie hatte sich Sorgen wegen meiner kratzigen Stimme und der verschnupften Nase gemacht. Obwohl es nur eine Erkältung war, hatte sie gewollt, dass ich zum Arzt gehe. Sie fand, dass ich nicht genug Schlaf bekam.

»Ich habe gerade mit Dad telefoniert«, sagte Elise. »Er hat schon mit seinem Anwalt gesprochen.«

Eine typische Elise-Antwort: unwiderruflich, kein Ausweg. Ich widersprach nicht mehr. Aber als sie mir von dem schlafenden Dachdecker erzählte, schüttelte ich stumm den Kopf und glaubte ihr kein Wort, weil ich nichts davon mit dem, was ich über meine Mutter wusste, vereinbaren konnte. Sie war kein leichtfertiger Mensch. Zwar lächelte sie häufig, aber nicht nur bei Männern. Sie lächelte alte Damen an, und sie lächelte Eichhörnchen an. Sie war keine Frau, die auf Teufel komm raus flirtete. Unser Nachbar Mr. Shunke pfiff ihr immer nach, wenn sie draußen im Garten arbeitete, aber sie verdrehte dann bloß die Augen. Sie trug bequeme Schuhe und las Zeitschriften, in denen hauptsächlich Kochrezepte standen. Und was mehr als alles andere zählte: Sie war meine Mutter. Ich war mit ihrer Liebe und Wärme aufgewachsen, hatte sie immer für selbstverständlich gehalten und für mich beansprucht.

»Ich muss los«, sagte Elise. Sie weinte nicht, aber ihre Stimme klang bedrückt. »Charlie ist zu Hause, und wir haben jemanden aus meiner Firma zum Essen eingeladen. Ich rufe dich später noch mal an.«

Ich hielt mein Handy immer noch in der Hand und starrte es an, als Tim Culpepper an die Tür klopfte. Ich hatte meine Mütze in seinem Auto liegen gelassen. Er hielt sie mir hin und sah unsicher aus und sehr groß. Ich sagte: »Meine Eltern lassen sich scheiden.«

Er kam rein, setzte sich zu mir aufs Bett und verbrachte den Großteil des Abends damit, sich in allen möglichen Variationen von mir anzuhören, wie überrascht ich sei und dass ich überhaupt nicht damit gerechnet hätte. Er sagte: »Ich weiß nicht, was ich sagen soll.« Aber er blieb sitzen. Es tue mir leid, mich bei ihm auszuheulen, obwohl er mich kaum kenne, versicherte ich ihm. »Hey, komm schon, wenn ich einen Dollar für jedes Mädchen bekäme, das diese Nummer durchzieht …«, witzelte er. Aber dann sah er mir in die Augen und machte keine Scherze mehr.

Ich wollte weder meine Mutter noch meinen Vater anrufen. Ich wollte es nicht von ihnen hören, und ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Tim nickte. Er sagte nicht, dass er gehen müsse. Wieder erzählte ich ihm, wie überrascht ich sei. Meine Familie hatte gerade zusammen Weihnachten gefeiert. Elise und Charlie waren aus Kalifornien gekommen. Sie hatten in Elises altem Zimmer und ich in meinem gewohnt. Am Nachmittag des ersten Weihnachtsfeiertages waren wir zu der

Nachbarschafts-Kuchenparty beim alten Mr. Wansing hinübergegangen - genau so, wie wir es an jedem ersten Weihnachtsfeiertag meines Lebens getan hatten. Alles schien wie immer zu sein. Meine Mutter schenkte meinem Vater ein kleines Diktiergerät, das wie ein Füller aussah und das er bei der Arbeit brauchen konnte. Mein Vater schenkte ihr einen Entsafter. Als wir vor ihnen unsere Geschenke auspackten, saßen sie nebeneinander in ihren Bademänteln auf der Couch und schauten zu. In meiner Erinnerung wirkten beide glücklich.

Nach einer Weile sah Tim müde aus, seine grünen Augen wurden klein und seine langen Arme weit, als er gähnte und sich streckte. Er könne ruhig gehen, wenn er wolle, sagte ich. Ich käme schon zurecht, versprach ich. Aber mir war klar, dass es nicht stimmte, weil ich nicht wusste, was ich den Rest der Nacht mit mir anfangen sollte. Ich würde weder schlafen noch lernen können.

Er fuhr sich mit den Händen durch sein braunes Haar und sagte: »Das klingt vielleicht blöd, aber manchmal hilft es fernzusehen, wenn man so aufgeregt ist.«

Weil ich keinen Fernseher hatte, nahm er mich mit in seine Wohnung, wo ich mir Teleshopping und eine Dokumentation über Korallenriffe ansah, bis ich auf seiner Couch einschlief. Er schlief im Sessel neben mir, die Beine über die Armlehne baumelnd, eine Hand auf meinem Haar.

Ich habe nie gern im Studentenwohnheim gelebt. Schon im ersten Semester missfielen mir der Lärm, die hässlichen, orange bezogenen Polstermöbel und die gemeinsamen Waschräume auf halbem Weg den Gang hinunter. Bei meinem ersten Besuch zu Hause erstellte ich einen sorgfältigen Finanzplan, um meinen Eltern zu beweisen, dass es ihre Ausgaben - selbst wenn man Nebenkosten und Essen dazurechnete - senken würde, wenn sie mir erlaubten, mit zwei anderen Mädchen von meinem Stockwerk in eine Wohnung zu ziehen. Meine Mutter schien ich überzeugt zu haben, aber mein Vater wollte davon nichts wissen. Er schien unter der fixen Idee zu leiden, dass ich sofort ermordet werden würde, wenn ich meine Lebensmittel selbst kaufen müsste. Ihm war nicht wohl bei der Vorstellung, ich könnte zu Fuß zum Supermarkt gehen oder radeln. Dass eine meiner Mitbewohnerinnen ein Auto hatte, interessierte ihn nicht. Er machte sich Sorgen, dass meine Mitbewohnerinnen nicht immer daran denken würden, Türen und Fenster zu verriegeln. Er machte sich Sorgen, dass sie sich vor ihrem Teil an der Miete drücken oder plötzlich zu rauchen anfangen würden oder komische Freunde haben könnten. Und was, fragte er, würde ich dann tun?

Es war sinnlos, mit ihm zu diskutieren, wenn er auf diesem Trip war, taub für jede Logik, und zu schnell redete, um etwas von dem zu hören, was ich sagte. Elise hätte vielleicht gewusst, was sie sagen sollte, oder ihn angebrüllt, aber alles, was mir einfiel, war, dass ich nichts in der Hand hatte, um zu verhandeln oder zu drohen, nichts, was ich ihm hätte entgegensetzen können.

Später am selben Abend versuchte meine Mutter, ein gutes Wort für mich einzulegen. Sie wusste nicht, dass ich lauschte, sondern dachte, ich wäre mit Bowzer spazieren gegangen. Aber ich stand im Vorzimmer, kraulte Bowzer unterm Kinn, damit er sich ruhig verhielt, und presste mein Ohr an die Tür.

»Du liest einfach zu viele Krimis.« Sie klang noch wütender, als ich es war. »Die machen dich komplett paranoid. Und nein, erzähl mir jetzt nicht, was du schon alles bei Gericht erlebt hast. Du musst aufhören, so mit Veronica zu reden. Ich will nicht, dass du ihr beibringst, sich vor allem zu fürchten.« Zu meiner Überraschung brach hier ihre Stimme.

»Du hast ja keine Ahn …«, setzte er an, aber sie stieß einen gellenden Laut aus, so durchdringend und unvermittelt, dass ich von der Tür zurückwich und mein Vater tatsächlich aufhörte zu reden.

»Sie hat eine durchaus vernünftige Bitte vorgebracht«, sagte meine Mutter. Ihre Stimme war wieder ruhig und ihre Atmung gleichmäßig. »Ich finde, wir könnten zumindest darüber nachdenken.«

Langes Schweigen folgte. Ich lehnte mich wieder an die Tür und wartete. Es roch nach frisch gebackenen Plätzchen, Schokoladenplätzchen. Sie würde mir mehrere Tüten mitgeben, genug, um sie mit meinen Freundinnen teilen zu können.

»Na schön«, erwiderte er. »Ich habe darüber nachgedacht. Und die Antwort ist: Nein. Sie ist im Studentenwohnheim besser aufgehoben. Ich bezahle das Wohnheim, aber nicht für eine Wohnung. Aus.«

Als wir uns das nächste Mal unterhielten, war er ruhiger, aber seine Meinung hatte er nicht geändert. Er sagte, ich müsse im Wohnheim bleiben, bis er meiner Mutter ein neues Auto kaufen und ich ihren Minivan haben könne, der zwar alt, dafür aber groß, sicher und zuverlässig sei.

Danach ließ ich ihn in Ruhe. Meine Eltern sprachen mit mir nicht über ihre Finanzen, aber ich konnte mir denken, warum meine Mutter immer noch denselben Wagen hatte, den sie seit meiner Grundschulzeit fuhr, und warum wir unsere Mitgliedschaft im Country Club gekündigt hatten und warum man mich ermutigt hatte, mich bei einem College in meinem Heimatstaat zu bewerben, wo ich weniger Studiengebühren zu zahlen hatte als irgendwo anders. Mein Vater verdiente immer noch gut, aber er hatte ein paar schlechte Investitionen getätigt, und dann waren da noch die Pflegeheime für beide Großmütter und schließlich die Beerdigungen und dann die Probleme mit dem Haus.

Meine Mutter war die Erste gewesen, der die dunklen Flecken an der Decke des oberen Flures aufgefallen waren. An dem Abend, als sie den Kostenvoranschlag für ein neues Dach bekamen, blieben meine Eltern lange auf und debattierten. Ihre Stimmen drangen durch das Lüftungsrohr der Heizung bis in mein Zimmer. Mein Vater sagte, sie müssten auf ihre Rücklagen für die Pensionierung zurückgreifen, aber meine Mutter war dagegen. Er blieb dabei. Ihr Verhalten sei albern, warf er ihr vor. Sie hätten Kredite abzuzahlen und die Hypothek für das Haus. Die Zinsen seien mörderisch. Sie solle einmal nachrechnen. Sie hätten reichlich Zeit, bevor er in den Ruhestand ginge, und in ein paar Jahren würde es keine Rechnungen für Pflegeheime mehr geben und keine Beerdigungen und keine unüberlegten Aktienkäufe, und ich würde die Einzige sein, die in der Ausbildung war. Dann würde er wieder in ihre Altersvorsorge investieren. Überhaupt kein Problem, versprach mein Vater ihr. Bis dahin müssten sie einfach zusehen, aus den Schulden herauszukommen.

Natürlich kostete die Reparatur des Daches letzten Endes mehr, als einer der beiden hätte ahnen können. Nachdem mein Vater beim Heimkommen den schlafenden Dachdecker in seinem Bett vorgefunden hatte, war uns allen ziemlich klar, dass er meiner Mutter wohl doch kein neues Auto kaufen würde.

»Scheidungen sind teuer«, sagte er, nicht lange nachdem er ausgezogen war, zu mir. »Verdammte Anwälte.« Er versuchte zu lachen, wirkte aber dabei ein bisschen benommen und immer noch genauso geschockt über das, was meine Mutter getan hatte, wie ich selbst es war. Er habe noch mit einer Grippe zu kämpfen, sagte er. Sein Gerichtssaal-Bariton klang heiser. Um den Bauch herum hatte er schon ein bisschen zugenommen - meine Mutter war immer diejenige gewesen, die darauf geachtet hatte, wie viel Butter und Salz er zu sich nahm.

»Deine Studiengebühren kann ich mir leisten, kein Problem«, sagte er, vermied es aber dabei, mir ins Gesicht zu sehen. »Ich will nicht, dass du dir deswegen Sorgen machst. Aber das Geld ist ein bisschen knapp. Falls du eine Idee hast, wie man ein paar Ausgaben senken könnte, wäre ich dir ehrlich gesagt sehr dankbar.«

Deshalb kehrte ich ins Studentenwohnheim zurück, diesmal als Betreuerin für mein Stockwerk. Dafür bekam ich drei Mahlzeiten am Tag und ein Einzelzimmer. Im Gegenzug musste ich im Sommer einen zweiwöchigen Kurs mit Workshops über Dinge wie Brandschutz, Essstörungen und Reanimation absolvieren und während des Studienjahres an sieben bis acht Nächten pro Monat ab sechs Uhr abends anwesend sein - für den Fall, dass ein Brand, Essstörungen oder ein jugendlicher Herzanfall auftraten. Das Einzige, was ich sonst noch zu tun hatte, war, eine Art Unterhaltungsprogramm auf die Beine zu stellen, um das Heim freundlicher und weniger institutionalisiert erscheinen zu lassen, zumindest für die Studienanfänger von meinem Stockwerk.

»Tut mir leid«, schrieb mir meine Mutter in einer E-Mail. »Ich weiß, wie sehr du dich auf eine eigene Wohnung gefreut hast.« Mir war nicht klar, ob das »Leid-Tun« im allgemeinen Sinn gemeint war und lediglich Mitgefühl ausdrücken sollte oder ob sie insbesondere ihr Verhalten - sprich: die Schlummerparty mit dem Dachdecker - bereute. Es war schwer zu erkennen, ob sie es überhaupt bereute. In den ersten paar Monaten, nachdem mein Vater in ein Apartment beim Plaza gezogen war, wirkte meine Mutter geradezu glücklich, obwohl der Dachdecker längst verschwunden war. Sie gab sich unbekümmert, was ihre Zukunft anging: Sie wusste nicht, ob sie im Haus bleiben oder in ein anderes Stadtviertel oder sogar in eine andere Stadt ziehen würde; sie wusste nicht, ob sie noch an der Schule unterrichten wollte. »Ich versuche, zu Atem zu kommen«, erklärte sie Elise und mir. »Ich will einfach ein bisschen abwarten, bevor ich irgendwelche Entscheidungen treffe.«

Aber als ich in den Sommerferien nach Hause kam, stand im Vorgarten das Schild einer Maklerfirma, obwohl meine Mutter nicht bereit zu sein schien, ihr Haus Interessenten vorzuführen. Elises Zimmer, das Arbeitszimmer meines Vaters und eines der Badezimmer waren mit einer Art Plastikfolie versiegelt worden - um an der Klimaanlage zu sparen, wie meine Mutter sagte. Ihr sei bewusst geworden, wie schlecht das für die Umwelt sei, erklärte sie. Aus demselben Grund lasse sie den Rasen wuchern, fuhr sie fort. All die Verschwendung von Wasser und Energie und Sprit für den Rasenmäher! Ich fragte sie halb im Scherz, ob sie deshalb auch aufgehört habe, Besen und Staubsauger zu benutzen. Und den Geschirrspüler. Während meiner ganzen Kindheit war meine Mutter eine vorbildliche Hausfrau gewesen. Sie hatte Brot gebacken. Sie hatte einen kleinen Fahnenmast neben der Haustür aufgestellt, mit Fahnen in verschiedenen Farben für jede Jahreszeit und jeden Feiertag. Aber als ich in jenem Mai nach Hause kann, wehte die Weihnachtsfahne mit ihrem verblassten, lächelnden Schneemann immer noch vor der Tür. Im Wohnzimmer wirbelte der Deckenventilator kleine Knäuel aus Staub und Hundehaaren auf.

Sie hatte einen Job bei DeBeck's bekommen, wo sie Accessoires verkaufte; es sei nur für den Sommer, sagte sie. Im Herbst würde sie wieder ihre Arbeit als Vertretung in der Schule aufnehmen und sich überlegen, was sie wirklich wollte. Zum Abendessen brachte sie Fastfood mit - hauptsächlich Truthahn-Sandwiches aus einem Sub-Shop im Einkaufszentrum -, aß ihre direkt aus der Folie, in die die Brote eingewickelt waren, und schob mir meines über den Tisch zu. Sie bestand darauf, so oft wie möglich mit mir zusammen zu Abend zu essen, aber es war schwierig, mit ihr zu reden, weil sie ständig das Thema wechselte und mir dieselbe Frage zweimal hintereinander stellte.

Ich hingegen bemühte mich, ihr überhaupt keine Fragen zu stellen. Zwar hätte ich gern gewusst, ob sie in den Dachdecker verliebt gewesen war und die Trennung von ihm - nicht die von meinem Vater - ihr das Herz gebrochen hatte, aber ich traute mich nicht, sie zu fragen. Sie hatte sich verändert, war offener geworden und neigte dazu, mir zu viel zu erzählen. Sie war auf eine Art verzweifelt, wie es mein Vater nicht war. Ich brannte darauf, zurück aufs College zu gehen, zu Tim, meinen Freundinnen, all meinen Plänen und meinem eigenen, nicht zerstörten Leben. Meine Mutter und ich sahen uns ähnlich. Wir hatten dasselbe dunkle, lockige Haar, dieselben braunen Augen und dieselben langen Nasen. Aber wir waren nicht ein und dieselbe Person. Den ganzen Sommer über konnte ich fühlen, wie ich mich von ihr loslöste - wie ein Schwimmer, der versucht, vor einem Ertrinkenden zu flüchten, der sich an ihn klammern will.

Eine Woche nachdem ich wieder ins Wohnheim gezogen war, um mein drittes Jahr auf dem College zu beginnen, verkaufte sie das Haus. Der Käufer, der offensichtlich die seltene Gabe besaß, über einen verwilderten Garten und Plastikhüllen vor Zimmern hinwegzusehen, wollte in dreißig Tagen einziehen. Meine Mutter verhielt sich, als hätte sie in der Lotterie gewonnen. Sie freue sich auf den Umzug in eine neue Wohnung, verkündete sie. Es sei so schön, alle Arbeiten am Haus anderen überlassen zu können und so viel weniger saubermachen zu müssen.

Heute ist mir klar, dass ich mich weigerte, etwas zu sehen, dass ich bewusst die Augen verschloss. Ich hätte ihr mehr Fragen stellen sollen. Ich hätte sie fragen können, wie ihr wirklich zumute war. Zu meiner Verteidigung kann ich nur anführen, dass ich jung war. Und sie sagte wiederholt, dass es ihr gut gehe, sehr, sehr gut.

Einige Monate später, als es allmählich wieder Winter wurde, wirkte sie seltsam. Ich war heimgefahren, um Thanksgiving bei ihr zu verbringen, und die meisten ihrer Sachen standen immer noch in Kartons in der neuen Wohnung herum - sie habe keine Zeit zum Auspacken gehabt, rechtfertigte sie sich. Für den Fall, dass Bowzer ein Malheur passierte, während sie auf der Arbeit war, hatte sie Zeitungen großflächig über den Teppichboden ausgelegt. Und dann fuhr sie eines Abends mit mir nach Lawrence, um mich zum Essen auszuführen, und auf dem Heimweg vom Restaurant wäre uns beinahe das Benzin ausgegangen: Als es ihr endlich auffiel, stand die Nadel schon auf Leer, und wir rollten im Leerlauf an eine Tankstelle. Es waren zwar nur Kleinigkeiten, aber zusammengenommen wirkten sie beunruhigend. Sie schienen Teil eines größeren Problems zu sein, ein Zeichen dafür, dass ihr gesunder Menschenverstand sie im Stich ließ.

Und schließlich fing sie - gegen den Rat vermutlich jedes Menschen, den sie hätte fragen können - an, über meinen Vater zu schimpfen. Fast ein Jahr war seit dem Tag des schlafenden Dachdeckers vergangen. Aber die Scheidung - oder, genauer gesagt, die Einigung - war noch längst nicht über die Bühne. Sie glaubte, dass er Geld vor ihr versteckte. Ihre Anwälte fochten es immer noch aus.

»Elise musste nicht arbeiten, als sie auf die Uni ging. Und sie hat nicht in ihrem Heimatstaat studiert. Es ist lächerlich. Er könnte es sich leisten, dir mehr zu helfen, wenn er nur …«

»Mom.« Ich drehte mich schnell zu ihr um. »Lass das! Zieh mich da nicht rein.«

Sie lehnte sich an das Seitenfenster, die Finger auf ihren Mund gepresst. Wir saßen in ihrem Minivan, der in der kreisförmigen Auffahrt vor meinem Wohnheim stand. Gerade waren die Flutlichter am Haupteingang automatisch angegangen, abgestimmt auf die Dämmerung, die jetzt um kurz nach sechs Uhr einsetzte. Der Tag war sonnig und wolkenlos gewesen - und für Anfang Dezember warm. Goldene Blätter lagen vertrocknet und brüchig unter den Scheibenwischern. Sie war nach Lawrence gefahren, um mit mir in einem Thai-Lokal zu essen; auf der Bodenmatte zwischen meinen Füßen stand eine Schachtel mit übrig gebliebenem Chicken Satay.

»Ist nicht weiter tragisch«, wiegelte ich ab. »Viele Studenten arbeiten. Die meisten, nehme ich an.«

Sie beugte sich vor, legte ihr Kinn aufs Lenkrad und starrte durch die teilweise beschlagene Windschutzscheibe. Ihre schwarze Strickmütze war ein bisschen zu groß; der Rand rutschte ihr bis knapp über die Augen. Sie sah verstört aus und niedlich - wie ein Kind, das für eine Grußkarte zurechtgemacht worden ist.

»Tut mir leid«, entschuldigte sie sich schließlich. »Ich sollte dich da nicht mit reinziehen. Du hast recht.«

Ein Wohnmobil parkte vor uns ein. Auf der Fahrerseite stieg eine stämmige Frau in einer Kansas-City-Chiefs-Jacke aus und ging in Richtung Kofferraum zu einem Mädchen in Jogginghose und T-Shirt, das auf der anderen Seite ausgestiegen war. Die Frau öffnete die Hecktür und half dem Mädchen, einen Korb mit zusammengelegter Wäsche herauszunehmen. Eine Weile machten sie sich an dem Korb zu schaffen und nahmen etwas aus dem Wagen, um es über die Kleidung zu legen. Das Mädchen gab der Frau einen schnellen Kuss und trug den Korb zur Eingangstür.

Der Wagen fuhr ab, aber meine Mutter starrte immer noch unverwandt nach vorne.

»Wo wäschst du deine Sachen?«

Ich schaute sie an. Sie klang seltsam, als hätte sie eine Frage gestellt, auf die sie die Antwort gar nicht wissen wollte.

»Hier«, sagte ich. »Im Keller gibt es Waschmaschinen.« Dabei beobachtete ich, wie das Mädchen mit dem Korb die Stufen zum Eingang hinaufging. »Manche Leute machen es eben zu Hause, weil … ich weiß nicht … weil sie nach Hause fahren.«

»Nach Hause«, wiederholte sie.

Ich lehnte den Kopf an das kalte Glas der Beifahrertür und starrte beinahe sehnsüchtig die sieben Stockwerke zu dem dunklen Fenster meines Zimmers hinauf. Ich wusste, dass ihre Trauer echt war. Aber ich war müde, müde im Allgemeinen und ganz besonders müde, zu hören, wie wenig ihr all die Veränderungen gefielen, die sie sich selbst eingebrockt hatte. Ihre Probleme waren nicht meine Probleme. In diesem konkreten Moment bestand mein Problem darin, dass ich in sechs Tagen eine Prüfung in Organischer Chemie hatte und wahrscheinlich auch dann durchfallen würde, wenn ich bis dahin jede freie Minute büffelte.

»Ich geh jetzt lieber«, sagte ich.

»Bleib noch ein bisschen, Liebes. Okay? Ich bekomme dich kaum noch zu sehen.«

»Ich muss lernen.«

Sie tätschelte mein Knie. »Nur noch ein paar Minuten. Um mit deiner Mutter zu reden, die gerade eine Stunde gefahren ist, um dich zu sehen.«

»Ich muss um sechs im Gebäude sein, weil ich heute Abend Dienst habe.«

Ihr Mund wurde schmal. »Dieser Job scheint viel Zeit zu kosten«, sagte sie.

Eigentlich nicht. Vielleicht sollte es so sein, aber im Grunde machte ich den Job gar nicht wirklich. Zu Beginn des Jahres hatte ich die besten Absichten gehabt, eine vorbildliche Wohnheimberaterin zu sein. Ich hängte ein Schild mit »RA« - für Resident Advisor - an meine Tür und dazu ein Whiteboard mit Filzmarkern. Aber jetzt war das erste Semester fast vorbei, und ich kannte die Namen der meisten Mädchen von meinem Stockwerk immer noch nicht. Ich hatte zu viel zu tun. Zusätzlich zu Literatur und Spanisch hatte ich fünf Wochenstunden Organische Chemie und weitere fünf Stunden Psychologie belegt. Jeden Morgen wachte ich mit einem Gefühl drohenden Unheils auf, mit der nie endenden Sorge, nicht genug zu lernen.

»Das ist nicht schlimm«, log ich. Besonders in diesem Jahr hasste ich das Wohnheim. Ich fühlte mich zehn Jahre älter als alle anderen. »Und diese Art Job macht sich gut, wenn man sich um einen Studienplatz in Medizin bewirbt. Im Ernst. Man empfiehlt uns, solche Sachen zu machen.«

»Ich hoffe, du findest genug Zeit zum Lernen.«

Ich hörte die Worte und fühlte, wie mein Körper reagierte: mit zusammengebissenen Zähnen und beschleunigtem Atem. »Mom. Ich lerne. Du hast keine Ahnung, wie viel ich lerne.«

»Ich glaube schon, dass ich eine Ahnung habe, Veronica. Ich war auch auf dem College.«

Ich fuhr mir mit der Zunge über die Zähne und schaute weg. Der Vergleich war zu lächerlich, um eine Antwort zu verdienen. Sie hatte Pädagogik als Hauptfach gehabt.

»Ich …« Sie drehte sich zu mir um und seufzte. »Ich nehme an, du verbringst viel Zeit mit Tom.«

»Tim.«

»Stimmt. Entschuldige.«

»Zu deiner Information«, sagte ich jetzt zu ihr, »ich verbringe nicht meine ganze Zeit mit Tim. Vielmehr verbringe ich kaum Zeit mit Tim. Ich arbeite und lerne. Ständig.«

»Er ist viel älter als du, oder? Geht er nicht mehr aufs College?«

»Er ist vierundzwanzig und geht auf die Graduate School.«

»Du bist erst zwanzig«, sagte sie, als ob ich das nicht selbst wüsste. »Du solltest dich im Moment auf dein Studium konzentrieren.« Sie schaute weg und schnalzte mit der Zunge. »Und vierundzwanzig ist deutlich älter.«

Aber er ist das Beste in meinem Leben, dachte ich und schaute sie aus schmalen Augen an. »Schlägst du vor, dass ich mich unter den Jüngeren umschauen soll?«

Sie schloss die Augen und sah so unglücklich aus, dass ich mich mies fühlte.

»Ich muss dir etwas sagen.«

Ich sah sie an.

»Liebes, du wirkst feindselig. Bist du wütend auf mich?«

»Nein«, antwortete ich, weil Ja zu sagen mehr Zeit gekostet hätte.

Sie straffte ihre Schultern. »Ich weiß, dass dir das vielleicht unangenehm ist, aber mir ist es wichtig, dass du etwas verstehst. Was auch immer dir dein Vater erzählt hat, ich bin in meiner Ehe … technisch gesehen nie untreu gewesen.«

Ich wand mich innerlich. Es gab Dinge, die ich von ihr nicht wissen wollte, Bilder, die ich nicht im Kopf haben wollte.

»Veronica. Würdest du mich bitte anschauen?«

Ich zog die Augenbrauen hoch. Sie hatte mit all der Autorität gesprochen, die sie vor einigen Jahren noch mir gegenüber besessen hatte. So, als wäre ich wieder vierzehn und sie wollte, dass ich den Geschirrspüler ausräume.

»Schau mich bitte an, Veronica. Es steht dir immer noch nicht zu, unhöflich zu sein.«

Also schaute ich sie an. Meine Mutter hat schöne Augen. Sie sind groß und dunkel und lassen sie freundlich und ein wenig besorgt aussehen, sogar, wenn sie sauer ist. Ich schürzte die Lippen und wartete.

»Ich weiß, dass dein Vater und sein Anwalt alles Mögliche aus diesem Zettel machen werden.« Sie schluckte. »Aber ich möchte, dass wenigstens du weißt, dass Greg und ich nie … miteinander geschlafen haben.«

Ich hielt mir die Ohren zu.

»Fein.« Sie fummelte am Heizknopf herum. »Ich wollte bloß, dass du es weißt. Es war Freundschaft. Vielleicht hätte daraus später … Es waren Gefühle im Spiel. Bei mir jedenfalls. Aber wir haben nur geredet, viel geredet. Auch an dem Tag, als er einschlief … haben wir nur geredet.«

»Im Bett?« Verärgert über mich selbst schüttelte ich den Kopf. Ich hatte sie gerade gebeten, mir die Details zu ersparen.

»Ich war unglücklich. Unglücklich in meiner Ehe und unglücklich im Allgemeinen. Es war schön, mit jemandem zu reden.«

»Warum hast du dich dann nicht scheiden lassen?« Vor deiner Schlafparty, meinte ich. Ich brauchte es nicht zu sagen. Mein Ton war herablassend, der eines Erwachsenen, der mit einem Kind spricht. Es war ein gutes, befriedigendes Gefühl - und dann auch wieder nicht.

Sie schüttelte den Kopf. Das war alles. Vielleicht wusste sie keine gute Antwort. Das war etwas, worin sich meine Eltern unterschieden. Mein Vater sprach alles aus, brachte klare Argumente für seine Verstimmung vor, aber bei meiner Mutter blieb es mir überlassen, Vermutungen anzustellen und Hinweise aus dem Gedächtnis zusammenzustückeln. Ich hatte keine Ahnung gehabt, dass sie unglücklich war. Vielmehr hatte ich mir nie wirklich Gedanken darüber gemacht, ob sie glücklich oder unglücklich war. Das letzte Jahr, das ich zu Hause gelebt hatte, war meine Mutter damit beschäftigt gewesen, meine Großmutter väterlicherseits zu Arztterminen und sogar zu einem Metzger auf der anderen Seite der Stadt zu bringen, bei dem es Eisbein gab - eine Spezialität, bei der meiner Mutter übel wurde, die ihre Schwiegermutter aber an ihre glückliche Jugend in Queens erinnerte. Meine Mutter lernte, ein Blutzuckermessgerät abzulesen. Sie wurde Expertin darin, den Rollstuhl meiner Großmutter zusammenzuklappen, im Kofferraum zu verstauen und wieder herauszuholen. Dreimal in der Woche gingen sie in ein Schwimmbad, und meine Mutter watete mit ihr durch das Wasser.

Mein Vater war ihr dankbar. Ich erinnere mich, dass er das immer wieder beteuerte. Er wünschte, er könnte mehr tun, sagte er, aber vom finanziellen Standpunkt aus sei es in diesem Jahr nicht günstig, sich frei zu nehmen. Die Ausgaben summierten sich: Elise studierte Jura. Ich sollte bald aufs College gehen. Das Geld meiner Großmutter war verbraucht, und sie lebte immer noch. Deshalb standen mein Vater und meine Mutter jeden Tag früh auf und waren schon weg, bevor ich in den Schulbus stieg, aber am Ende des Tags schien meine Mutter die Müdere von beiden zu sein. Nach dem Abendessen ging sie gewöhnlich ins Schlafzimmer - um zu lesen, wie sie sagte. Aber wenn ich nach acht an ihrem Zimmer vorbeiging, waren ihre Augen meistens geschlossen. Zu der Uhrzeit, wenn ich ins Bett ging, saß mein Vater immer noch unten in seinem Sessel und schaute sich die Fernsehnachrichten an, Bowzers Kopf auf seinem Schoß.

»Meine Güte, das ist aber ein großes Gebäude, in dem du da lebst.« Sie beugte sich über das Lenkrad, um zum Wohnheim hinaufzuschauen. Ihre Stimme hatte den entschlossen munteren Klang, den ich von vor ein paar Monaten kannte.

»Ja.« Ich drehte mich um und schaute auch hinauf. Aus diesem Blickwinkel betrachtet war mein Wohnheim ein großes, schlichtes Rechteck aus braunem Ziegelstein. Innen sah es ungefähr genauso aus. »Darin wohnen tausend Leute.«

»Das sind zu viele.« Sie schnalzte mit der Zunge. »Das kann ja nicht gemütlich sein. Ehrlich, ich weiß nicht, warum du nicht mehr Druck gemacht hast, Veronica. Ich habe mein Wohnheim geliebt, aber wir waren nur ungefähr dreißig Personen. Wir haben wie eine große Familie gelebt, uns beim Kochen und Tischdecken abgewechselt. Es hat richtig Spaß gemacht.«

Ich sagte nichts, aber es überraschte mich nicht, dass meine Mutter dieses Leben geliebt hatte.

Sie schaute nach unten, auf meine Stiefel. »Oh, gut! Du trägst sie. Wie sind sie?«

»Sie sind toll«, erwiderte ich. »Danke.« Die Stiefel hatte sie mir zum Geburtstag geschenkt. Sie waren schick, modisch, wahrscheinlich teuer. Sie bekam einen guten Rabatt bei DeBeck's, obwohl sie nur während der Schulferien Vollzeit arbeitete. Zu Schulzeiten sprang sie dort tagsüber als Vertretung ein und arbeitete nur abends und an den Wochenenden regulär dort.

»Mir gefällt, wie dein Haar jetzt ist.« Sie hob eine lange Strähne von meiner Schulter. »Sieht ziemlich erwachsen aus. Glättest du es?« Ihre Hand strich über ihr eigenes lockiges Haar.

Ich rutschte auf meinem Sitz hin und her. Ich musste gehen. Ich wollte gehen. Aber ich merkte, dass sie noch etwas sagen wollte. Sie sah angespannt aus, bereit zum Sprung, und ihre Finger trommelten auf das Lenkrad.

Dann drehte sie sich zu mir um. »Bald ist Weihnachten.«

Ich nickte. Ich wünschte mir, es wäre nicht so, aber so war es.

»Elise weiß nicht, ob sie nach Hause kommt«, fuhr sie fort. »Hierher, meine ich. Ihr Zuhause ist jetzt dort, nehme ich an.« Sie lachte ein bisschen, brach aber gleich darauf ab. »Wie auch immer, vielleicht sind wir nur zu zweit, wenn du zu mir in die Wohnung kommst. Wir könnten essen gehen. Oder ins Kino. Das wäre vielleicht ganz lustig.« Ihre Augen suchten meinen Blick. »Aber wenn du schon etwas vorhast … mit deinem Vater, meine ich, ist das in Ordnung. Du könntest bei mir wohnen, aber mit ihm essen gehen. Oder bei ihm wohnen und mit mir essen. Das ginge auch.«

Ich starrte wieder das Wohnheim an. In zwei Wochen würde es für die Winterpause schließen und dann einen Monat geschlossen bleiben. Im Vorjahr hatte ich mich darauf gefreut, eine Weile zu Hause zu sein. Ich war in das Haus in der Sackgasse zurückgekehrt und hatte in meinem alten Zimmer, in meinem alten Bett geschlafen. Doch in diesem Jahr würde es anders werden, egal, wo ich wohnte. Die neue Wohnung meines Vaters hatte ein Gästezimmer mit einer Bettcouch, und in dem kleinen Apartment meiner Mutter schlief ich in einem Schlafsack.

»Können wir das später klären?«, fragte ich. Ich wollte nichts versprechen. Thanksgiving hatte ich bei meiner Mutter verbracht, deshalb fand ich, ich sollte Weihnachten bei meinem Vater sein.

Ich setzte mich auf. »Wie geht es Bowzer?«, fragte ich. »Warum hast du ihn nicht mitgebracht?«

Sie schüttelte den Kopf. »Jetzt, wo es kälter wird, fährt er nicht mehr gern Auto, glaube ich.« Sie beugte sich vor und fummelte wieder an dem Heizknopf herum. »Ich muss mit ihm zum Tierarzt. Er ist steif und schläft die ganze Zeit. Außerdem ist er so reizbar.«

»Er ist alt.«

»Nein. Es ist mehr als das. Ich muss ihn untersuchen lassen.« Sie nickte, als ob sie einen Entschluss gefasst hätte. »Aber mach dir deswegen keine Gedanken.« Dann schaute sie in den Nachthimmel. »Und was machst du heute Abend noch?«

Ich presste die Lippen zusammen. Es war sinnlos, etwas zu sagen; sie hörte nicht zu. »Ich werde lernen«, sagte ich schließlich langsam. »Wie jeden Abend.«

»Oh. Was lernst du denn gerade?«

»Chemie. Ich habe am Dienstag eine Prüfung.«

»Schätzchen. Heute ist erst Mittwoch.«

Ich sah sie an. Entscheide dich, hätte ich am liebsten gesagt. Entscheide dich, wie ich sein soll.

Sie tätschelte mein Bein. »Du schaffst das bestimmt.« Sie hielt ihre Hand an den Heizungsschlitz. »Deine Schwester ist immer so beschäftigt. Immer in Gedanken beim nächsten großen Fall, beim nächsten großen Meeting. Sie kann am Telefon nicht sprechen, muss arbeiten. Aber ihr beide kommt immer gut zurecht.« Sie klang traurig, ihre Stimme passte nicht zu dem, was sie sagte. »Ihr kommt beide immer so gut zurecht.«

»Nicht mehr.«

»Wie bitte?« Sie drehte sich zu mir um und schaute mich an.

»Nichts.«

»Liebes. Sag, was du gerade gesagt hast.« Sie beugte sich vor und probierte ihren alten Trick, indem sie mich unter dem Kinn kitzelte, bis ich den Kopf hob.

Ich legte beide Hände gegen das Armaturenbrett. »Ich … Du verstehst nicht, wie schwer der Stoff ist. Für den Test.«

Sie lehnte sich zurück. »Oh.«

Vielleicht eine Minute saßen wir da, ohne zu reden, und hörten dem Motor zu, der im Leerlauf war. Drei Mädchen gingen Arm in Arm über den Rasen. Sie kamen aus der Richtung des Speisesaals, die Gesichter geduckt wegen des Windes. Ich glaubte, eine von ihnen von meinem Stockwerk zu kennen, war mir aber nicht sicher.

»Ich gehe jetzt lieber rein«, schlug ich vor.

»Sicher«, erwiderte sie. »Du hast ja heute Dienst.«

Ich machte die Tür auf, aber dann fiel ihre Hand auf den Ärmel meines Mantels, und sie hielt mich fest, bis ich mich wieder zu ihr umdrehte.

»Vergiss die Reste von dem Hühnchen nicht.« Sie zeigte mit einer Kopfbewegung auf die Schachtel mit Chicken Satay. »Aber wenn du keinen Kühlschrank hast, um das aufzubewahren, Liebes, wirf es lieber weg. Du willst doch bestimmt keine Lebensmittelvergiftung bekommen.«

»Geht klar.« Ich stieg mit der Schachtel aus.

Sie packte mich am Ärmel. Ich drehte mich um.

»Liebes.« Ihr Gesicht war blass in der Innenbeleuchtung. »Ich will nur, dass du weißt …« Sie ließ ihre Hand auf dem Ärmel liegen und hielt mich fest. »Ich weiß, dass ich ein bisschen … dass ich im Moment vielleicht ein bisschen daneben bin. Aber ich liebe dich immer noch so sehr. Ich bin immer noch für dich da.«

Einen Moment lang, als ihr Blick so unverwandt und voller Liebe und Sorge auf mir ruhte, war es ein Gefühl wie früher, als sie einfach nur meine Mutter gewesen war. Aber selbst jetzt, als sie lächelte und diese liebevollen Worte sagte, merkte ich, dass etwas nicht in Ordnung oder wenigstens anders war. Meine Augen wanderten über ihr Gesicht. Sie hatte aufgehört, zum Friseur zu gehen, ihr Haar mit Strähnchen aufzuhellen oder was auch immer sie vorher damit gemacht hatte. Selbst im Halbdunkel des Wagens konnte ich graue Strähnen erkennen. Ich sagte nichts. Ich wollte sie nicht unterbrechen. Ich wollte glauben, dass das, was sie sagte, wahr war.

»Und vielleicht verstehe ich nicht, wie schwer diese Prüfung ist, aber ich drücke dir auf jeden Fall die Daumen. Ich wünsche mir, dass du gut abschneidest.« Lächelnd drückte sie meinen Arm. »Du hast noch das ganze Leben vor dir. Ich möchte bloß, dass du die richtigen Entscheidungen triffst. Gerade jetzt ist es für dich so wichtig, die richtigen Entscheidungen zu treffen.«

Ich nickte, den Blick auf sie gerichtet. Wenigstens ihre Augen hatten sich nicht verändert, deshalb achtete ich darauf, dass sie das Letzte waren, was ich sah, bevor ich die Tür zumachte. Als ich zum Eingang des Wohnheims ging, konnte ich immer noch das Motorengeräusch ihres Wagens hören. Wenn sie mich nach Anbruch der Dunkelheit absetzte, wartete sie immer mit eingeschalteten Scheinwerfern, bis ich wohlbehalten im Haus war.

Kapitel 2

Ich hatte nicht immer Ärztin werden wollen. Ich wusste nur schon sehr lange, dass ich nicht Anwältin werden wollte. Elise ist sechs Jahre älter als ich, deshalb hatte ich, als wir heranwuchsen, nie eine Konkurrentin in ihr gesehen; man könnte eher sagen, dass sie mich beeindruckte. Sie beeindruckte eine Menge Leute. Als sie auf der Highschool war, gewann sie zwei Jahre hintereinander die Landesmeisterschaft in Rhetorik und Debattieren. Sie war Klassensprecherin und hielt als Jahrgangsbeste die Abschiedsrede bei der Abschlussfeier. In dem Sommer, bevor sie aufs College ging, besuchte sie eine Sitzung im Rathaus und stritt mit dem Bürgermeister über Mülltrennung. Ihre Argumente schloss sie mit einer so leidenschaftlichen Rede ab, dass sie es in die lokale Nachrichtensendung schaffte.

Meinen Vater beeindruckte sie nicht. Aber sie war mehr als imstande, sich ihm gegenüber zu behaupten, was mich tief beeindruckte. Wenn er laut wurde, kümmerte es sie nicht. Manchmal wurde auch sie laut. Sie stritten über alles: über ihre Freunde, über Tibet, über den Sinn der Erhöhung der Grundsteuer und darüber, ob mein Vater so viel Butter essen sollte. Beide waren schlagfertig; keiner von ihnen brauchte lange, um ein soeben gehörtes Argument zu widerlegen. Beim Abendbrot saßen meine Mutter und mein Vater einander an den Kopfenden des Tisches gegenüber und je eine Tochter an jeder Seite. Wenn wir diese Sitzordnung jemals geändert hätten und Elise meinem Vater gegenübergesessen hätte, wären meine Mutter und ich wie Zuschauer bei einem Tennisspiel gewesen, die schweigend beobachteten, wie die Bälle hin- und herflogen.

Manchmal schien es ihn zu stören, dass er nicht in der Lage war, Elise in irgendeiner Weise einzuschüchtern. Aber meistens schien es ihn zu freuen, einen Sparringspartner zu haben und außerdem daran beteiligt gewesen zu sein, eine jüngere und hübschere Version seiner selbst zu erschaffen. Als Elise ihr Jurastudium begann, pfiff er tagelang Yes, Sir, That's My Baby, wenn er durchs Haus lief.

Aus diesem Grund wollte ich natürlich mit etwas ähnlich Beeindruckendem aufwarten. Allerdings wollte ich nicht dasselbe machen, was Elise machte, nicht einmal etwas in dieser Richtung. Ich wollte etwas ganz anderes anfangen, etwas, was ich besser konnte - mein ganz eigenes Ding.

Das Problem war nur, dass ich nicht wusste, was das sein sollte. Ich hatte gute Noten und las gern. Ich konnte eine Brücke machen. Als Mädchen hatte ich die üblichen beruflichen Fantasien gehegt: Meeresbiologin, Pferdetrainerin, Delfin-Expertin. Aber meine Eltern haben mich beide auf ihre Art von einem Beruf, der mit Tieren zu tun hatte, abgehalten. Die Vorbehalte meines Vaters waren pragmatischer Natur. »Doofkopf«, sagte er. »Schätzchen, Tierarzt ist einer der schlimmsten Berufe, den du dir aussuchen kannst. Du musst genauso lange studieren wie ein Humanmediziner und verdienst nur etwa ein Fünftel des Geldes, Süße. Warum solltest du dir das antun?«

Meine Mutter fand auch, dass ich eine andere Richtung einschlagen sollte, wenn auch aus einem ganz anderen Grund: Sie wies mich wiederholt darauf hin, dass ich meinen eigenen Hund vernachlässigte. »Du hast versprochen, dass du dich um den Welpen kümmerst, wenn wir dir einen schenken«, erinnerte sie mich. »Du hast gejammert, gebettelt und gesagt, du würdest ihn füttern und ausführen. Und wer kümmert sich jetzt um Bowzer? Wer geht mit ihm Gassi, wenn es draußen fünf Grad kalt ist? Wer füttert ihn? Wer sorgt dafür, dass er frisches Wasser bekommt? Wer macht hinter ihm sauber?«

Die Antwort lautete natürlich, dass meine Mutter all das machte. Bowzer war ein süßer Hund, ein munterer, kleiner Schnauzermischling, und als er noch jung war, spielten meine Schwester und ich gern an sonnigen Tagen mit ihm im Garten und kuschelten abends mit ihm. Mein Vater hatte Bowzer auf dem Schoß, wenn er sich die Nachrichten anschaute, hielt ihn wie ein Baby und kraulte ihm den Bauch. Aber es war meine Mutter, die wirklich für Bowzer sorgte - auch bevor er alt wurde und zu müffeln anfing. Als ich aufs College ging, war er taub und praktisch blind, und aus seinem Rücken stand eine Fetttasche wie ein Griff hervor. Als sich meine Eltern trennten, bekam meine Mutter automatisch das alleinige Sorgerecht für Bowzer.

Erst in meinem zweiten Collegejahr, nicht lange nach der Trennung meiner Eltern, kam mir der Gedanke, Medizin zu studieren. Ich hatte im ersten Jahr in Biologie glänzend abgeschnitten, und mir gefiel die Vorstellung, Menschen zu helfen. Ich hatte unsere Hausärztin immer bewundert, eine ruhige, fürsorgliche Frau, die einmal im Jahr Urlaub von ihren Mittelschichtpatienten nahm, um in Kenia Flüchtlingskinder zu impfen. Sie irrte sich so gut wie nie bei ihren Diagnosen oder Behandlungsmethoden, und selbst mein Vater sprach immer voller Hochachtung von ihr. Ich dachte, ich könnte vielleicht etwas auf dem Gebiet der medizinischen Forschung erreichen. Ich sah mich in einem ruhigen Zimmer irgendetwas Wichtiges mit Teströhrchen machen, das dazu beitragen würde, viele Leben zu retten - oder wenigstens zu verbessern. Geld bedeutete mir nicht besonders viel, jedenfalls nicht auf die Art wie meinem Vater. (»Das wird es«, versicherte er mir ernst.) Aber es bedeutete mir sehr viel, wie sehr er sich freute, als ich ihm sagte, dass ich Pre Med belegen wollte, Vorbereitungskurse für das Medizinstudium.

»Das ist sehr klug von dir«, sagte er und zeigte mit dem Finger auf mich, obwohl außer uns niemand in seinem Wagen war. Wir waren auf dem Weg zur Reinigung, um zwei seiner Anzüge abzuholen. Offensichtlich sei das eine Aufgabe, die man nur zu zweit bewältigen könne, wie er mir erklärte, denn warum, zum Teufel, solle eine Reinigung auf die Idee kommen, Kundenparkplätze anzubieten? Warum nicht einfach davon ausgehen, dass ein zahlender Kunde seine Tochter, die er über einen Monat nicht gesehen hatte, mitbrachte, damit er im Wagen warten konnte, während sie ins Geschäft lief, um seine Anzüge zu holen? Er ließ sich gut drei Minuten lang über dieses Thema aus, und ich sagte nichts. Bis vor Kurzem hatte meine Mutter seine Sachen aus der Reinigung geholt, und ich wusste nicht, wo oder wie sie geparkt hatte.

»Medizin. Gut.« Er öffnete den Aschenbecher am Armaturenbrett und fischte die Zettel für die Reinigung heraus. »Manchmal macht es mir Sorgen, Töchter zu haben. Erst unlängst habe ich einen Artikel gelesen. Weißt du, welche Studienfächer am College den höchsten Prozentsatz an Studentinnen haben?«

Ich schüttelte den Kopf. Er reichte mir die Zettel und hob seine Hand, um an den Fingern abzuzählen.

»Pädagogik. Sozialarbeit. Englisch. Und dann das Fach, bei dem es um die Betreuung von Kindern geht, ich habe vergessen, wie es heißt. Rate mal, was diese Berufe alle gemeinsam haben?«

Ich zuckte zusammen, als wir nur einen knappen halben Meter an einem Radfahrer vorbeifuhren. »Man verdient nicht viel damit?«

»Bingo.« Er deutete mit dem Kopf auf das Handschuhfach. »Darin ist ein Zwanziger. Damit kannst du bezahlen. Lass dir eine Quittung geben.« Er wendete abrupt und stellte sich vor einen Hydranten. »Rate, welches Fach am College den geringsten Prozentsatz an Studentinnen hat?«

Ich antwortete nicht sofort. Er schnippte mit den Fingern.

»Pre Med?«

»Technik. Aber du siehst, worauf es hinausläuft. Und dann wundern sich die Leute, warum Frauen weniger verdienen als Männer. Bitte, da hast du es! Diese Mädchen sind selbst schuld. Warum? Warum beschließen sie, arm zu sein? Du und Elise, ihr seid klug. Ihr sorgt für euch selbst.«

Er stellte den Motor ab und lächelte mich voller Wärme und Stolz an. Ich lächelte zurück. Es dauerte einen Moment, bis mir klar wurde, dass er wartete.

»Liebes«, sagte er freundlich. »Die Anzüge.«

Im Herbstsemester meines zweiten Collegejahres ging ich zu meinem ersten Beratungsseminar für Pre Med. Es fand in einem Hörsaal statt - anscheinend wusste man, dass zweitausend von uns kommen würden. Gretchen und ich waren zehn Minuten vor Beginn da, aber die einzigen freien Plätze waren oben auf der Galerie. Ich machte mir Sorgen, dass wir nichts verstehen würden, aber als der Studienberater auf das Podium trat, erschien sein Gesicht gleichzeitig - wie der Zauberer von Oz - auf einem riesigen Bildschirm, der von der Decke hing. Auf einem anderen Monitor waren die nötigen Kurse, Noten und Testergebnisse zu sehen, die für die Zulassung zum Medizinstudium erforderlich waren. »Sehen Sie nach links«, sagte der Berater zu uns, und circa zweitausend Leute drehten ihre Köpfe nach links. »Sehen Sie nach rechts«, forderte er uns auf, und wir, brave Studenten, die wir waren, befolgten auch diese Anweisung. »Freunden Sie sich mit keinem Ihrer Nachbarn zu gut an«, sagte er. »Denn nur einer von Ihnen wird es schaffen.«

Selbst damals, als ich noch keine Ahnung von Organischer Chemie hatte oder davon, wie viel Kummer sie mir bereiten würde, schien es ein ausgesprochen schlechtes Omen zu sein, dass bei dieser Veranstaltung meine Freundin Gretchen rechts von mir saß.

»Es kommt nicht darauf an, neben wem du sitzt«, versicherte sie mir. »Er hat es rein statistisch gemeint.«

Gretchen bekam es manchmal nicht mit, wenn ich Spaß machte. Aber davon abgesehen war sie beängstigend intelligent. Wenn das Leben fair wäre, wenn harte Arbeit und Disziplin tatsächlich über reine Begabung siegen könnten, dann hätte ich spielend diejenige sein können, die in beinahe jeder Dreiergruppe in diesem Hörsaal das Rennen machte. Gretchen hingegen ging viel aus. Sie hatte drei verschiedene gefälschte Ausweise. Im zweiten Jahr hatten wir zusammen um sieben Uhr morgens Labor, Anorganische Chemie, und Gretchen tauchte regelmäßig mit Mascaraspuren auf ihren Wangen und wirrem, nach Zigarettenqualm riechendem Haar auf. Aber sie wirkte nie besonders erledigt, wenn sie ihren Kittel anzog und ihre Schutzbrille aufsetzte. Sie arbeitete sich durch komplizierte Titrationen und Gleichungen, als schlendere sie bloß durch den Speisesaal, um sich Kaffee und Cornflakes zu holen - als sei es nichts, was ein Mädchen mit einem leichten Kater nicht bewältigen könnte. Sie war meistens schnell fertig.

In dem Jahr war ich noch halbwegs gut zurechtgekommen. Ich investierte viel Zeit in meine Arbeit, lernte die Formeln, das Periodensystem und die Gesetze der Thermodynamik auswendig. Wenn Gretchen ausging, blieb ich zu Hause und lernte. Und obwohl es mir ein bisschen unfair zu sein schien, dass ich so viel mehr arbeiten musste als sie, war ich froh, überhaupt mithalten zu können. Die Zukunft strahlte und schien sicher zu sein. Mein Vater fing an »Is' was, Doc?« zu sagen, wenn er eine Nachricht auf meinem Handy hinterließ.

Aber in diesem Jahr war es anders. Das erste Semester war fast vorbei, und schon war ich auf dem absteigenden Ast. Organische Chemie war das, womit ich schon im vergangenen Jahr gekämpft, Anorganische etwas, was ich kaum verstanden hatte - nur, dass jetzt auch noch sämtliche Diagramme in 3D waren. Zum ersten Mal kam es nicht mehr darauf an, wie viel ich lernte. Schon Anfang September ging ich zu meinem Tutor und bat um zusätzliche Hilfe. Aber als ich versuchte zu erklären, was ich nicht verstand, benutzte er das Wort »offensichtlich« sehr häufig und schaute mich aus zusammengekniffenen Augen an, als würde ich mir einen Spaß mit ihm erlauben. Als wäre ich ein kleines Kind, das vorgab, Chemie zu studieren - keine Zwanzigjährige konnte so beschränkt sein.

»Du musst die Organische einfach hinter dich bringen«, sagte Gretchen. »Es ist eine Hürde, mehr nicht.

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