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Weihnachtsbote auf vier Pfoten

Inhalt

  1. Über dieses Buch
  2. Über die Autorin
  3. Titel
  4. Impressum
  5. Widmung
  6. Kapitel Eins
  7. Kapitel Zwei
  8. Kapitel Drei
  9. Kapitel Vier
  10. Kapitel Fünf
  11. Kapitel Sechs
  12. Kapitel Sieben
  13. Kapitel Acht
  14. Kapitel Neun
  15. Kapitel Zehn
  16. Kapitel Elf
  17. Kapitel Zwölf
  18. Kapitel Dreizehn
  19. Kapitel Vierzehn
  20. Kapitel Fünfzehn
  21. Kapitel Sechzehn
  22. Kapitel Siebzehn
  23. Epilog
  24. Danksagungen

Über dieses Buch

Der herrenlose Kater Ambrose sieht sich schon in den ewigen Jagdgründen, als ihm in letzter Sekunde der Feuerwehrmann Zach das Leben rettet. Prompt folgt er Zach nach Hause. Der ist davon gar nicht begeistert und versucht, den anhänglichen Streuner wieder loszuwerden - vergeblich. Um sich bei seinem Lebensretter zu revanchieren, beschließt der Kater, dem Beziehungsmuffel Zach in Sachen Liebe auf die Sprünge zu helfen. Denn für Ambrose steht fest: Die nette Verkäuferin aus der Zoohandlung ist genau die Richtige für ihn ...

Über die Autorin

Sheila Roberts lebt mit ihrem Ehemann und drei Kindern an einem kleinen See im Staat Washington im äußersten Nordwesten der USA. Wenn sie sich nicht gerade mit Freundinnen trifft oder Tennis spielt, schreibt sie fleißig über die Themen, die Frauen am meisten lieben: Familie, Freunde und Schokolade.

Sheila Roberts

Weihnachtsbote auf
vier Pfoten

Roman

Aus dem amerikanischen Englisch von
Ulrike Moren

Kapitel Eins

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Wer ein ernstes Problem hat, beginnt gern, mit seinem Schöpfer zu feilschen, und Ambrose feilschte wie verrückt. Scharfe Zähne schnappten nach ihm, und sein ganzes Leben – oder genau genommen alle sieben – rollten noch einmal vor seinen Augen ab. Wenn dieser Hund ihn erwischte, war es aus.

Zu Hundefutter zu werden war eine sehr konkrete Möglichkeit, da der Baum, den Ambrose sich ausgesucht hatte, klein und der Ast, auf dem er hockte, nur ein dünner Zweig war, der kaum ein Kätzchen tragen konnte, ganz zu schweigen erst von einem ausgewachsenen Kater. Und die große schwarze Bestie dort unten schien Federungen an den Pfoten zu haben.

Ich werde alles tun, maunzte Ambrose. Alles! Aber lass mich bitte noch ein bisschen länger leben!

Dies war Leben Nummer sieben. Er wusste, dass er kein weiteres erhalten würde, doch er würde sich auch gern mit einem längeren begnügen, in dem er seine Tage gemütlich beenden könnte. Unter den gegenwärtigen Umständen wäre es allerdings ein Wunder, wenn er das noch erleben würde. Aber erst neulich hatte er Leute Lichterketten an den Häusern anbringen sehen, was bedeutete, dass in Kürze die Weihnachtssaison beginnen würde, und war Weihnachten nicht angeblich die Zeit der Wunder? Nicht dass Weihnachten je gut zu Ambrose gewesen wäre. Für ihn war es gewöhnlich die Zeit, in der er es irgendwie schaffte, sein Leben zu verlieren.

Deshalb überraschte ihn auch nicht, was ihm da gerade widerfuhr. Doch das bedeutete ja nicht, dass er es mögen musste. Was für ein schreckliches Ende, von einem blutrünstigen Straßenköter von einem Baum gezerrt und brutal ermordet zu werden! All diese Häuser und nicht ein einziges menschliches Wesen in der Nähe, um ihm an diesem kalten, grauen Morgen beizustehen! Aber auch das war eigentlich nicht sehr überraschend. Die Menschen kauften Häuser und hielten sich dann nur selten in ihnen auf … bis sie alt wurden und ihre Tage, so wie die seinen jetzt, gezählt waren.

Unter ihm fletschte der Hund wieder die Zähne und knurrte.

Ich brauche ein Wunder, schnell!

Nicht dass Ambrose eins verdiente. Er dachte an den kleinen Robbie, den er in seinem vierten Leben so manches Mal gekratzt hatte, und an Snoopy, Robbies armen Beagle, den er ständig schikaniert hatte. Er hätte dem Hund das Leben nicht so schwer machen sollen, aber damals war er schon ein wenig verbittert gewesen. Und wie er es genossen hatte, den alten Snoopy auf die Palme zu bringen, indem er auf ihn sprang, ihm die Krallen in den Rücken schlug und auf ihm durch das Haus ritt! Hi, hi. Das war …

… schlimm, sehr schlimm. Nie wieder würde er so gemein sein.

Warum nur hatte er sich keinen hohen, starken Baum zum Hinaufklettern gesucht statt dieses lächerlichen Ahornbäumchens? Was hatte er sich bloß dabei gedacht? Das ließ sich leicht beantworten. Sein einziger Gedanke war gewesen: Hau ab!

Jetzt begann es auch noch zu regnen – dicke, eisige Kügelchen, die sich in sein Fell bohrten, und ein scharfer Winterwind kam auf und schüttelte den Baum und die Äste. Neiiin! Ambrose grub die Krallen noch tiefer in die Rinde. Ich werde von nun an ein braver Kater sein und mir hier auf Erden meinen Unterhalt verdienen. Schick mir bloß Hilfe, dann werde ich es beweisen!

Der Köter stand mittlerweile auf den Hinterbeinen, drückte mit seinem ganzen Gewicht gegen den Baum und streckte die Pfoten nach Ambrose aus, als wäre er so was wie ein Kauspielzeug für Hunde. Fest entschlossen, nicht kampflos unterzugehen, fauchte Ambrose ihn an und holte mit ausgefahrenen Krallen nach ihm aus. Das ließ das Biest noch mehr ausrasten.

Wo waren die Hundefänger, wenn man sie brauchte? Hilfe! Hört mich jemand?

Förmlich aus dem Nichts, so plötzlich, wie es zu regnen begonnen hatte, erschien ein Mann in »Joggingsachen«, wie Menschen diese Kleidung nannten. Er rannte auf den Hund zu und brüllte ihn an: »Aus! Schluss! Verschwinde hier!«

Mit der aggressiven Art, wie der Mann in die Hände klatschte, und seinem tiefen, hundeähnlichen Bellen verscheuchte er nicht nur den Hund, sondern bescherte auch Ambrose fast einen Herzanfall.

Das Hundevieh lief die Straße hinunter, und der Mann sagte: »Okay, Junge, sieht so aus, als wärst du jetzt sicher.«

»Sicher«, das beste Wort der Welt! Ambrose spähte zu seinem Retter hinunter. Das Fell auf dem Kopf des Mannes war von der Farbe, die Menschen »Blond« nannten – nicht so hübsch wie Ambrose’ orangefarbener Pelz, aber von einem Ton, den Menschen bewunderten, und seine Augen waren blau wie die eines Siamkätzchens. Er war groß, was bedeutete, dass auf seinem Schoß vermutlich Platz genug war, um sich bequem zusammenzurollen, und das freundliche Lächeln ließ erkennen, dass er ein netter Mensch war. Irgendetwas an diesem Gesicht kam Ambrose bekannt vor. Wo hatte er diesen Mann schon mal gesehen?

»Du bist jetzt auf dich selbst angewiesen«, sagte er zu Ambrose, der sich noch immer an das Ästchen klammerte. »Ich weiß, dass du allein da runterkommst. Du wirst auch nicht länger in diesem Wetter draußen bleiben wollen als ich«, fügte er hinzu, bevor er sich abwandte und die Straße hinunterjoggte.

Ambrose konnte kaum glauben, dass die Gefahr vorüber war. Er war nass, fror und hatte Hunger, aber er war in Sicherheit. Auch der eisige Regen ließ nun nach, und als wären sie beschämt über das Unwetter, das sie verursacht hatten, begannen sich die dunklen Wolken zu verziehen. Es würde doch noch ein guter Tag werden. Ambrose streckte sich auf dem Ast aus, um seinem rasenden Herzen Zeit zu geben, sich zu beruhigen.

Ein letzter Windstoß fuhr mit einem leisen Wispern an ihm vorbei: Vergiss nicht, was du versprochen hast!

Natürlich würde Ambrose das nicht vergessen. In Zukunft würde er ein besserer Kater sein. Wenn sich eine Gelegenheit dazu ergab. Es eilte ja nicht.

Schließlich kletterte er von dem Baum herunter und hatte den Rasen schon halb überquert, als er denselben Hund an der Ecke herumlungern sah. Und die schwarze Bestie hatte ihn auch entdeckt.

Ach, du Schande! Nichts wie weg! Ambrose flitzte auf die Straße.

Das Kreischen von Bremsen, ein Wasserschwall und wütendes Gehupe ließen seine sieben Leben wieder mal vor seinen Augen vorbeiziehen, als Ambrose nur knapp dem riesigen Metallmonster auswich. Wieder flüsterte der Wind ihm etwas zu. Diesmal war es: Letzte Chance.

Okay, schon gut, er hatte verstanden. Die Zeit, die Boshaftigkeiten der Vergangenheit wiedergutzumachen, war gekommen. Aber wie? Wo sollte er beginnen und bei wem? Der Sturm hatte die Straße von so gut wie allen Lebewesen leergefegt. Bis auf den mörderischen Hund und diesen großen Mann.

Dem Hundevieh bei irgendwas zu helfen, kam natürlich nicht infrage. Damit blieb nur noch der Mann, was ja auch sehr vernünftig war. Ein Leben für ein anderes.

Ambrose rannte los. Sein Retter hatte einen Vorsprung, aber dafür hatte er, Ambrose, vier Beine, was die ungleichen Startbedingungen weitgehend ausglich. Er holte den Mann gerade noch rechtzeitig ein, um ihn ein großes Haus in einer stillen Straße betreten zu sehen. Es ähnelte Ambrose’ früherem Zuhause und war frisch gestrichen und blau wie ein Drosselei. Und es hatte auch einen Kamin. Das bedeutete ein warmes Feuer an einem kalten Tag. Kein schlechter Ort zum Landen.

Es bedurfte eines geduldigen Kampierens unter den Büschen an der Veranda, aber schließlich wurde Ambrose belohnt, als sich die Tür öffnete, um denselben Mann zum Vorschein zu bringen, nur dass er diesmal andere Kleider trug. Er trat aus der Tür, und Ambrose flitzte an ihm vorbei ins Haus. Oh, was für eine wunderbare Wärme!

»Hoppla«, sagte der Mann. »Was ist das denn?«

Was? Konnte er das nicht sehen? Ambrose dachte nicht daran, eine so dumme Frage einer Antwort zu würdigen, und begann stattdessen, in der Eingangshalle seines neuen Heims herumzustreifen. Interessant. Holzböden, eine Treppe auf einer Seite und auf der anderen ein bogenförmiger Durchgang zu dem, was Menschen als »Wohnzimmer« bezeichneten. Das Haus fühlte sich alt an und von Erinnerungen erfüllt wie das, in dem sein letztes Frauchen, Adelaide, gelebt hatte. Was war das für ein gemütliches Heim gewesen! Ihren widerlichen Sprösslingen waren die Erinnerungen jedoch egal gewesen. Das Einzige, was sie interessiert hatte, war, das Haus so schnell wie möglich zu verkaufen.

Zu verkaufen! Was hatten sie sich denn gedacht, wo Ambrose dann leben sollte? Natürlich hatte er es sehr bald herausgefunden, und deshalb war er weggelaufen.

»He, Moment mal, Tom«, sagte der Mann, während er Ambrose hochhob.

Tom? Wie beleidigend! Sah er etwa wie ein gewöhnlicher Kater aus? Sein Name war nie Tom gewesen. In all seinen Leben nicht! Er war Tiger-Morris-Jackie-Muffin-Toby-Claus-Ambrose – wobei Ambrose natürlich sein letzter Name war.

»Das hier ist kein Katzenhotel«, belehrte der Mann ihn und öffnete die Haustür. Er trat hinaus, zog die Tür hinter sich zu und ließ Ambrose auf die Veranda plumpsen. Wieder in der Kälte draußen! Das war doch die Höhe!

Ambrose’ Schwanzspitze zuckte, als er zusah, wie der Mann die Einfahrt hinunterging, in einen glänzenden schwarzen Wagen stieg und wegfuhr. Ich bin hier wohl nicht gern gesehen. Wenn dieser ungastliche Mensch der Schlüssel zur Erhaltung meines siebten Lebens ist, na dann prost!

Er konnte Adelaide schon beinahe sagen hören: »Hab Geduld, Ambrose, mein Guter!« (Das hatte sie immer gesagt und eine Futterdose geöffnet, wenn er halb verhungert gewesen war und sich an ihren Beinen gerieben hatte.) Es war jedoch ein guter Rat. Geduldig zu sein war kein Problem.

Der Mann würde wiederkommen. Menschen gingen zur Arbeit, was immer das auch war, aber irgendwann kamen sie zurück, und wenn dieser hier heimkehrte, würden er und Ambrose das Missverständnis klären. Ambrose kroch wieder unter das Gebüsch und machte es sich bequem, um abzuwarten.

Zachary Stone war wie benommen, und seine Augen fühlten sich an, als wären sie voller Sand, als er von seiner achtundvierzigstündigen Schicht nach Hause kam. Die Leute glaubten, Feuerwehrmänner säßen bloß vor dem Fernseher herum oder schliefen, wenn sie nicht gerade Feuer löschten oder bei medizinischen Notfällen halfen, aber auf der Wache gab es immer genug zu tun. Und diese Schicht war keine Ausnahme gewesen. Am Mittwoch hatten Zach, Ray und Julio den Tag mit der Reinigung der Ausrüstung verbracht und die Batterien an Walkie-Talkies und Herzüberwachungsgeräten ausgetauscht. In den frühen Morgenstunden waren sie zu zwei Notrufen ausgerückt, und danach hatte Zach für einen Schulbesuch am Morgen frisch wie der junge Tag sein müssen. Nach der Rückkehr zur Feuerwache hatte er die Küche putzen müssen. Der Backofen war eine Katastrophe gewesen dank Stevens, der keine Mahlzeit zubereiten konnte, ohne eine Schweinerei zu veranstalten, und der auch nie Dienst zu haben schien, wenn das Reinigen der Küche anstand.

Aber Zach hätte jederzeit den Küchendienst dem nächsten Notruf vorgezogen, bei dem es um eine alte Dame gegangen war, die aus ihrem Schaukelstuhl gefallen war. Er runzelte die Stirn bei der Erinnerung an seinen neuen Spitznamen. Little Old Ladykiller. Es würde Wochen dauern, bis die Sanitäter ihn nicht mehr damit aufziehen würden, dass die alte Frau ihm unablässig den Arm getätschelt und Plätzchen für ihn hatte backen wollen, nachdem er sie wieder in den Stuhl befördert hatte (was nicht leicht gewesen war, da die »kleine« alte Dame fast genauso viel wie Zach gewogen hatte). Nach diesem Abenteuer hatte er obendrein noch seine vorgeschriebenen täglichen Workouts gemacht, danach drei Sicherheitsinspektionen in Privathäusern vorgenommen, und schließlich war die Einheit um ein Uhr morgens zu einem schweren Unfall auf dem Highway gerufen worden. Und der hatte schon fast gereicht, um Zach sich fragen zu lassen, warum er diesen Beruf ergriffen hatte.

Die Antwort war eigentlich ganz einfach: Er half gern Menschen. Seine Arbeit gab ihm das Gefühl, etwas Sinnvolles zu leisten, und er fand es auch gut, dass er während des Rests der Woche so viel Freizeit hatte. Denn der Achtundvierzig-Stunden-Dienst ermöglichte es ihm, sich mit solch großen Projekten wie der Renovierung seines alten viktorianischen Hauses zu beschäftigen.

»Oh, du solltest es behalten«, hatte seine Mutter gesagt, als sie und seine Stiefschwestern ungebeten vorbeigekommen waren, um das Haus in Augenschein zu nehmen, nachdem er es erworben hatte. (Ein weiterer Versuch, sich in sein Leben einzumischen.) »Ich kann es jetzt schon mit einem Weihnachtsbaum in diesem Erkerfenster sehen.«

Und mit einer Frau und Kindern, die im Haus herumliefen. Das hatte seine Mutter zwar nicht gesagt, aber Zach wusste, dass sie es gedacht hatte. »Es passt nicht zu mir«, hatte er erwidert.

»Das könnte es aber«, hatte sie prompt gesagt.

Das war der Moment gewesen, in dem er auf die Uhr geschaut und erklärt hatte: »Ich mache mich jetzt besser auf die Socken. Ich habe einen Termin, um mir Bodenbeläge anzusehen.«

Mom hatte ihn misstrauisch beäugt. »Seit wann braucht man einen Termin, um sich Bodenbeläge anzusehen?«

»Es ist ein Sonderauftrag«, hatte er improvisiert und sich in die Sicherheit des Baumarktes geflüchtet.

Mom wollte Enkelkinder, weiß der Kuckuck, warum. Vielleicht dachte sie, sie könnte es als Großmutter besser machen? Oder was auch immer. Es sah jedenfalls nicht so aus, als würde sein jüngerer Bruder David ihr welche schenken – er war zu beschäftigt damit, Fotos für National Geographic zu schießen und in Australien zu surfen –, aber es war genauso sinnlos, ihre Hoffnungen auf Zach zu setzen. Er würde sich nicht bei eHarmony oder wie all diese Internet-Agenturen für Partnervermittlung hießen, anmelden. Oder bei The Bachelor mitmachen.

Seine Stiefschwester Natalie hatte ihn für die Sendung vorgeschlagen, und irgendjemand hatte ihn tatsächlich kontaktiert. Zach hatte gedacht, die Typen von dem Sender erlaubten sich einen Spaß mit ihm, und es geschafft, ein paar ganz schön beleidigende Witze zu reißen, bevor er gemerkt hatte, dass der Anruf echt war. Und dann war er nicht mehr amüsiert, sondern stinksauer gewesen.

Natalie und Kendra (seine Stiefschwestern, die er als »die Stiefies« zu bezeichnen pflegte), waren beide empört gewesen, dass er sich die Gelegenheit hatte entgehen lassen, die ganze Welt zusehen zu lassen, wie ein Haufen heiratswütiger Frauen ihn bedrängte. Ja, da hatte er tatsächlich was verpasst. Man sollte meinen, eine College-Anfängerin und eine Highschool-Studentin hätten mehr zu tun, als sich in das Liebesleben ihres Stiefbruders einzumischen. Und man sollte auch annehmen, dass alle drei Frauen inzwischen kapiert hatten, dass er nicht der Typ für ernsthafte Beziehungen war.

Oder jedenfalls nicht mehr. Für Zach war Schluss damit, ein Masochist zu sein.

Außerdem war die Ehe etwas für … wen? Seine Freunde waren alle entweder Singles oder geschieden. Mom war auch nicht gerade ein glänzendes Beispiel für eheliches Glück gewesen, zumindest nicht mit Dad. Beim zweiten Mal hatte sie durchgehalten, aber Dad ging es noch immer schlecht.

Nein, Zach gefiel sein Single-Dasein. Keine Sorgen, kein Stress, nur Spaß und gute Zeiten.

Er hatte gerade seine vordere Veranda erreicht, als der orangefarbene Kater, der ihm nach Hause gefolgt war, aus dem Gebüsch auftauchte. Das Tier kam zu ihm an die Haustür und strich kläglich maunzend um Zachs Beine. Offenbar spekulierte er auf Katzenart auf Mitleid.

»He, Tom, was machst du denn noch hier? Geh nach Hause, Kumpel!«

Aber der Kater miaute nur noch lauter und rieb sich an Zachs Bein.

Zach war eigentlich kein Katzenfan, sondern mehr ein Hundetyp. Zumindest damals auf der Highschool war er es gewesen, doch nach Dexters Tod hatte er den Hunden abgeschworen.

Und das war auch gut so. Haustiere brauchten Pflege, und bei seinem Job konnte Zach einem Tier nicht die Aufmerksamkeit widmen, die es benötigte. Trotzdem tat ihm dieser verwahrloste orangefarbene Kater irgendwie leid. Der arme Kerl sah ganz schön mager aus. Und nach seinem zerfetzten Ohr zu urteilen, hatte er schon einiges abbekommen.

Aber er trug ein Flohhalsband mit einer Marke, sodass er also jemandem gehören musste. »Hast dich wohl verlaufen, Junge?«

Nun ja, bald war Weihnachten – Frieden auf Erden und den Menschen (und Katzen) ein Wohlgefallen. Es würde nicht schaden, diesen kleinen Kerl hereinzuholen und dazubehalten, bis sein Besitzer ihn abholen konnte. Das zumindest wollte Zach für ihn tun.

Also hob Zach den Streuner auf und nahm ihn mit ins Haus. Dann sah er sich noch einmal die Plakette auf dem Halsband an. »Ambrose, hm? Was ist ’n das für ein Name für einen Kater?«

Der kleine Kerl maunzte.

»Ja, ich kann’s dir nicht verdenken, Junge. Ich würde auch nicht Ambrose heißen wollen. Aber keine Bange. Ich bringe dich schon wieder dorthin zurück, wo du hingehörst.«

Als er die auf der Marke angegebene Nummer anrief, war die Frau am anderen Ende der Leitung jedoch alles andere als erfreut, von ihm zu hören. »Er war der Kater meiner Mutter. Wir wollten ihn gerade ins Tierheim bringen, als er weglief.«

»Ins Tierheim, hm?« Zach blickte zu Ambrose hinüber und sah ihn eben noch unter das Ledersofa flitzen.

»Ich habe gerade meine Mutter verloren, und wir sind alle ein bisschen gestresst«, fügte die Frau brüsk hinzu. »Ich habe nur noch ein paar Tage, um alles zu erledigen, bevor ich nach Florida zurückfliege, und wirklich keine Zeit, mich auch noch um dieses dumme Katzenvieh zu kümmern. Er soll sehen, wie er zurechtkommt.«

Hoho! Irgendjemand würde den Barmherziger-Samariter-Orden bekommen, aber ganz bestimmt nicht diese Frau.

»Danke für den Anruf«, setzte sie noch hinzu, bevor sie auflegte.

Zach starrte fassungslos sein Handy an. »Auweia, Lady.« Wie konnte jemand so gefühllos einem armen Tier gegenüber sein?

Der Kater kam wieder heraus und begann, sich an Zachs Beinen zu reiben. Zach nahm ihn auf den Arm und versuchte, dem kleinen Kerl zu erklären, dass er auch hier kein großartiges Zuhause haben würde. »Ich weiß, dass du eine schwere Zeit durchmachst, und ich würde dir auch gern helfen, Junge. Doch ich bin Feuerwehrmann und sehr oft auf der Wache, und es gibt hier keine Frau, die sich um dich kümmern könnte.« Zumindest nie auf Dauer.

Jetzt schnurrte der Kater. Oje.

Katzen waren doch ziemlich selbstständige Tiere, oder nicht? Auf jeden Fall hatte Zach das oft gehört. Aber neben seinem Job hatte er auch noch genug mit der Renovierung dieses Hauses zu tun, und das Letzte, was er brauchen konnte, war ein Tier.

»Okay, ich sag dir was. Ich geb dir was zu fressen, und dann bist du wieder auf dich allein gestellt.«

Damit setzte er die Katze auf den Boden und ging zum Kühlschrank. Natürlich trabte sie ihm hinterher.

Das Tierheim suchte ein neues Zuhause für herrenlose Tiere. Das Beste wäre, den Kater jetzt gleich hinzufahren und die Sache hinter sich zu bringen. Das Problem war nur, dass dieser Bursche kein süßes junges Kätzchen mehr war. Wer würde ihn schon wollen? Er würde mit Sicherheit über kurz oder lang eingeschläfert werden.

Zach blickte auf ihn herab und runzelte die Stirn. »Warum musstest du ausgerechnet vor meiner Tür auftauchen?«

Das Tier miaute und schlängelte sich zwischen seinen Beinen hindurch.

Mit einem leidgeprüften Seufzer öffnete Zach den Kühlschrank und nahm einen Karton Milch heraus. »Ich sag dir was. Du kannst bleiben, bis wir ein richtiges Zuhause für dich gefunden haben. Was meinst du?« Er goss Milch in einen leeren Sahnebecher, gab etwas Wasser hinzu und stellte ihn auf den Boden. »Trink aus, Junge!«

Das Tier schnupperte daran, doch dann drehte es sich um und ging.

»Was ist?«, rief Zach ihm nach. »Du bist ein Kater. Da musst du verdünnte Milch doch mögen.«

Old Tom hielt nicht mal inne.

»Na prima«, brummte Zach. »Ein toller Gast bist du!«

Dieses Tier würde eine Nervensäge sein, das konnte er schon sehen.

Kapitel Zwei

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Falls der Kater das hier für ein verdammtes Restaurant hielt, stand ihm ein böses Erwachen bevor. Zach hatte eine Menge Arbeit und keine Zeit, auch noch Katzenfutter einzukaufen.

Er würde sich ein paar Stunden aufs Ohr hauen und dann am Nachmittag mit dem Abriss der Küche beginnen. All die billigen Schränke kamen raus, um durch die neuen ersetzt zu werden, die Zach in Mikes Einrichtungshaus in der Innenstadt von Angel Falls gefunden hatte. Mike hatte ihm einen guten Preis gemacht. Auch den Boden würde Zach herausreißen.

Nach zwei Stunden Schlaf zog er sein ältestes T-Shirt und Jeans an und begann mit der Arbeit. Sein neuer Mitbewohner saß in der Küchentür und sah zu, wie Zach sich die Werkzeuge zurechtlegte, doch sobald es laut wurde, verzog er sich.

»Gewöhn dich dran, Tom!«, rief Zach ihm nach. »So ist das, wenn man umbaut.«

Mit etwas Glück würde er bis zum Frühjahr fertig sein. Dann würde er das Haus verkaufen, das Geld nehmen und von hier verschwinden. Es hatte keinen Sinn, dass ein alleinstehender Mann ein solch großes Haus behielt. Er würde sich eine dieser schicken neuen Eigentumswohnungen kaufen, die drüben in Falls Ridge erbaut wurden. Von dort würde er eine fabelhafte Aussicht auf die Stadt und die Cascade Mountains dahinter haben.

Die Überlegungen, wie er sein Geld anlegen würde, verliehen Zach jede Menge Energie, und als sein Kollege Ray erschien, hatte er schon die Hälfte des alten PVC-Bodens herausgerissen. Er hatte es allerdings auch geschafft, den Unterboden ziemlich übel zuzurichten.

»Auweia, Mann«, sagte Ray, als er den Berg von PVC-Stücken sah. »Du hast aber wirklich keine Zeit verschwendet!«

Ray war ebenso groß und kräftig wie Zach, aber im Gegensatz zu ihm konnte er ein Ende eines Hammers von dem anderen unterscheiden. Er war geschieden, und sein einziges »Kind« war ein Chihuahua namens Taquito (oder Tacky), den er überall mit hinnahm. Ray war nur allzu gern bereit gewesen, Zach im Austausch gegen Bier und Pizza beim Umbau der Küche zur Hand zu gehen.

Doch nun blickte er stirnrunzelnd auf die Kerben und Krater im Unterboden und sagte: »Wir werden hier einiges ausbessern müssen, bevor wir die Holzdielen verlegen können.« Mit dem zitternden Tacky auf dem Arm ging er in die Küche, wo er versehentlich mit der Stiefelspitze den Plastikbecher mit der verdünnten Milch für den Kater umstieß, worauf sich ein weißer Strom über den unebenen Boden ergoss. »Was zum Geier …?«

»Das hatte ich vergessen wegzuräumen.« Zach warf den Becher in die Spüle und legte ein paar Papiertücher auf die Milch.

»Aber wieso stand das überhaupt da?«, fragte Ray und setzte Tacky ab. Der kleine Hund klemmte den Schwanz zwischen die Beine und zitterte am ganzen Leib.

»Ich habe einen herrenlosen Kater aufgenommen«, sagte Zach und warf die durchweichten Papiertücher weg.

Ray verzog das Gesicht. »Katzen!«

Zach reichte ihm einen Hammer. »Was hast du gegen sie?«

»Sie sind Haustiere für Frauen. Sie lieben Katzen, weil sie so süß sind. Ich will ein Tier, das zu etwas zu gebrauchen ist, das Stöckchen holt oder das Haus bewacht.« Tacky sprang an seinem Bein hoch, und Ray tätschelte ihm den Kopf.

Zach verschränkte die Arme und lehnte sich an den Küchenschrank. »Wie dein Killer da?«

Ray runzelte die Stirn. »Hey, er weiß, wie man Alarm schlägt. Nicht wahr, mein Junge?«, fügte er in sanfterem Ton hinzu.

»Um einen Hund muss man sich kümmern«, gab Zach zu bedenken. »Sieh dich an! Du musst Tacky bei deiner Mutter lassen, wenn du auf der Wache bist. Katzen sind anders. Sie können auf sich selbst achtgeben.«

»Ach ja? Dann hat der Kater die Milch wohl ganz allein aus dem Kühlschrank geholt«, entgegnete Ray grinsend.

Zach zeigte mit einer Brechstange auf ihn. »Okay, Klugschwätzer. Wie wär’s, wenn du außer deinem Mundwerk noch was anderes arbeiten lässt?«

Ray grinste immer noch und setzte sich in Bewegung.

»Außerdem«, sagte Zach sowohl zu Ray als auch zu sich selbst, »behalte ich ihn sowieso nur, bis ich ein nettes Zuhause für ihn gefunden habe.« Wo das sein könnte, wusste er selbst nicht recht, aber auf jeden Fall nicht hier. Der Kater brauchte jemanden, der ihn so liebte wie Ray seine Ratte von einem Hund. Und außerdem würde Tom hier auch nicht glücklich sein. All das Gehämmer und der Lärm verschreckten ihn.

Es war auch nichts für Tacky, der sofort das Weite suchte, als sein Herrchen geräuschvoll das erste Stück PVC auf den Haufen warf.

Gegen Ende des Nachmittags sah die Küche aus, als wäre ein Orkan hindurchgefegt, und die beiden Männer waren verschwitzt, hungrig und bereit für Pizza.

»He, danke, Mann«, sagte Zach, als Ray eine Flasche Bier öffnete. »Hol mir auch eins, ja?«

»Oh-oh«, murmelte Ray mit schuldbewusster Miene. »Das ist die letzte.«

Zach gab Ray einen Klaps auf den Bauch. »Bei dem Tempo wirst du das Joggen anfangen müssen. Kannst mich ja demnächst begleiten.«

Ray verzog das Gesicht. »Ich bin gut in Form. Das ist nur die Wärmedämmung für den Winter. Und wenn ich heute noch irgendwohin laufe, dann nur, um Bier zu holen. Komm, Tacky.« Er bückte sich, um den Chihuahua aufzuheben, der wieder erschienen war und an Rays Hosenbein hinaufkletterte.

»Nein, ich hab’s«, sagte Zach. »Du und Tacky bleibt hier und ruht euch aus. Und falls der alte Tom aus seinem Versteck herauskommt, kannst du sie einander vorstellen.«

Ray drückte den kleinen Hund an sich. »Hoffen wir lieber, dass dein Kater sich nicht sehen lässt. Tacky würde ihn in der Luft zerreißen.«

Zack lachte noch, als er ins Bad ging, um zu duschen.

Fünfzehn Minuten später war die Pizzabestellung bei Little Lola’s aufgegeben, und Zach befand sich auf dem Weg zum Supermarkt, um mehr Bier zu besorgen. Da die meisten Bewohner von Angel Falls schon eifrig mit den Weihnachtsdekorationen begonnen hatten, war es eine idyllische Fahrt durch die Nachbarschaft, einer Mischung alter und neuer Häuser, die zwischen Tannen und Gesträuch verborgen und weihnachtlich beleuchtet waren. Aufblasbare Weihnachtsmänner und Schneemänner winkten von den Rasenflächen, und jedes Haus schien einen Kranz an der Eingangstür zu haben.

Zach dachte, dass sein Haus, das völlig ungeschmückt war, wahrscheinlich so aussah, als beherbergte es den Grinch. Aber hey, er war schließlich mit wichtigeren Projekten beschäftigt und hatte keine Zeit herumzubasteln, um sein Haus in einen Weihnachtsklon aller anderen Häuser in der Straße zu verwandeln. Und das brauchte er auch nicht. Das war ein weiterer Vorteil des Single-Daseins: keine Ach-Liebling-mach-doch-bitte-Listen. Außerdem war dies ohnehin nicht seine liebste Jahreszeit, warum also ein Heuchler sein und das Haus rausputzen?

Es war der erste Freitag im Dezember, und der Parkplatz war gerammelt voll mit Autos. Vor dem Supermarkt stand jemand von der Heilsarmee, der, als Weihnachtsmann verkleidet, tapfer das Schneetreiben ertrug, ein Glöckchen klingeln ließ und den Leuten ein frohes Weihnachtsfest wünschte. Zach ließ einen Dollar in den Eimer fallen und betrat den Laden. Auch der war überfüllt mit Leuten, die nach der Arbeit schnell noch was fürs Abendessen einkauften. Ein Hauch von Brathähnchengeruch erreichte ihn, der seinen Magen zum Knurren brachte und Zach noch schneller auf den Gang mit dem Bier zueilen ließ. Eine sexy Frau in einem roten Partykleid und schwarzen Stöckelschuhen kam aus der anderen Richtung an ihm vorbei. Wow!, dachte Zach. Die würde ich nicht von der Bettkante stoßen. Am Ende eines anderen Ganges stieß er auf eine Live-Vorstellung dessen, was geschah, wenn Schluss mit lustig war. Eine gehetzte Mutter fuhr ihren kleinen Jungen an: »Ich sagte, wir kaufen das nicht. Leg es zurück!« Ein weiteres leuchtendes Beispiel fürs Familienleben! Zach seufzte leise.

Seine Mutter mochte die Familie zerstört haben, aber sie hatte ihn nie angefahren. Das war etwas, was er ihr zugestehen musste. Und so ungefähr das Einzige, was er zu ihren Gunsten sagen konnte.

Auf dem Weg zum Bier fiel sein Blick in den Gang mit dem Tierfutter, und er erinnerte sich an die vergossene Milch. Wenn er schon mal hier war, konnte er sich auch gleich nach Futter für den Kater umsehen.

Die Hälfte der Regale war mit Katzenfutter vollgepackt, und für einen Moment stand er ratlos vor den Bergen von Tüten. Du liebe Güte! Wie viele Sorten von dem Zeug brauchen die Leute?

Ihm war nicht bewusst, dass er laut gesprochen hatte, bis jemand mit sanfter Stimme hinter ihm bemerkte: »Es ist nicht leicht zu entscheiden, was man nehmen soll, nicht?«

Er drehte sich um und stand einer rothaarigen jungen Frau mit großen grünen Augen gegenüber, die ihn schüchtern anlächelte. Sie reichte ihm gerade mal bis zur Brust, und mit dem kurzen lockigen Haar und der Stupsnase erinnerte sie ihn an einen Kobold. Oder eine Elfe? Was auch immer die weibliche Version sein mochte. Sie verschwand fast vollständig in einem dicken Daunenmantel, der viel zu groß für sie aussah, und ihre Waden steckten in hässlichen Gummistiefeln, aber nach dem wenigen zu urteilen, was er von ihren Beinen sehen konnte, schien sich ein hübscher kleiner Körper unter diesem Mantel zu verstecken. Aus dem Nichts kam Zach der Refrain von Dr. Hooks »You Make My Pants Want to Get Up and Dance« in den Sinn.

Er verdrängte ihn natürlich augenblicklich wieder. Diese Frau sah nämlich auch wie das nette Mädchen von nebenan aus, mit dem man eine Familie gründete und Kinder bekam, die Art von Frau, der ein Mann nicht wehtun wollte. Nicht dass es zu Zachs Gewohnheiten gehörte, Leuten wehzutun. Darum brauchte er sich nicht zu sorgen bei den Frauen, mit denen er sich amüsierte, da auch sie nichts anderes wollten und wie er kein Interesse an ernsthaften Beziehungen hatten.

Zach griff nach einer Billigmarke und hörte, wie die Elfe scharf die Luft einsog. Fragend warf er einen Blick über die Schulter. »Nicht gut?« Der Preis war jedenfalls in Ordnung.

»Nun, das beste Futter ist es nicht. Haben Sie eine Katze?«

»Ich habe gerade einen Kater aufgenommen.«

Ihre Augen leuchteten auf, und sie sah Zach an, als hätte er ihr erzählt, er habe ein Kind aus einem brennenden Haus gerettet. »Oh, Sie haben ihn adoptiert?«

Zach wand sich in seiner Jacke. »Mehr in Pflege genommen. Seine Besitzerin ist verstorben, und ihre Kinder wollten ihn ins Tierheim bringen.« Was wahrscheinlich die bessere Entscheidung gewesen wäre.

»Ich finde es großartig, dass Sie ihn aufgenommen haben«, lobte ihn die Elfe.

Nur für eine Weile, dachte Zach. Das solltest du ihr noch mal sagen. Aber er hielt den Mund.

»Das Tierheim hat immer einen Überschuss an Katzen, und nicht alle finden ein Zuhause. Manche von ihnen …« Ihre Mundwinkel zuckten, und sie beendete den Satz nicht.

Das brauchte sie auch nicht. Jetzt konnte Zach die Titelmusik von Psycho durch seinen Kopf schallen hören.

»Auf jeden Fall ist es wunderbar, dass Sie eine gerettet haben.«

Ja, so war er, Mr. Zachary Wonderful. Er hätte gestehen können, dass das Ganze nicht seine Idee gewesen war, sondern dieser alte Kater bloß kein Nein als Antwort hatte gelten lassen. Stattdessen aber fragte er: »Was ist nicht gut an diesem Futter?« Er wollte das Gespräch in andere Bahnen lenken, bevor er versucht sein könnte, etwas Dummes zu tun, wie vorzuschlagen, sie solle vorbeikommen und seinen Kater kennenlernen.

»Das billige Trockenfutter ist nicht gut für ihre Nieren. Und wenn Sie einen Jungen haben, nun, die neigen auch zu Prostataproblemen«, fügte sie hinzu, und ihre Wangen liefen rosa an.

Wie süß. Zach konnte sich nicht erinnern, wann er das letzte Mal eine Frau hatte erröten sehen. Was wahrscheinlich auch viel mit der Art von Frauen zu tun hatte, mit denen er sich befasste.

»Ich kaufe immer nur das Spitzenprodukt und reiche es abwechselnd mit Dosenfutter.«

»Das Spitzenprodukt?« Na ja, der alte Tom hatte auch was Gutes verdient. »Und welche Marke kaufen Sie?«

Die Elfe zeigte sie ihm und führte ihn dann geradewegs zum Dosenfutter, um ihm auch hier ihr bevorzugtes Produkt zu zeigen. Natürlich ebenfalls das teuerste.

»Danke«, sagte er. »Sie sind ja eine richtige Expertin. Sind Sie Tierärztin oder so etwas?«

Wieder errötete sie und schüttelte den Kopf, dass ihre kurzen Locken hüpften. »Nein. Ich arbeite im Pet Palace.«

Das Pet Palace, ein Geschäft für Tierbedarf, gehörte der Familie seiner Freundin. Zach hätte es der Elfe fast gesagt. Aber nur fast.

»Katzen sind mein Spezialgebiet«, fügte sie hinzu.

»Ich werde daran denken, falls ich noch einmal den Rat einer Expertin brauche«, erwiderte Zach. Sie begannen ganz schön vertraut miteinander zu werden in der Katzenfutterabteilung. Es wurde Zeit für ihn, zu Ray, der Pizza und in die Sicherheit seines eigenen Heims zurückzukehren. »Und nochmals vielen Dank.«

»Es war mir ein Vergnügen«, sagte sie.

Vergnügen. Das Wort beschwor ein paar frivole Bilder von sich und der Elfe in ihm herauf, für die ihm der Weihnachtsmann sicher ein dickes Stück Kohle in den Strumpf stecken würde. Wenn du an Vergnügen denkst, du Dussel, denk an Blair!, sagte er sich. Die gute alte Blair, die Frivolität dem Nettsein immer vorzog. Sie hatte Heirat und Ehe schon hinter sich und alles, was damit zusammenhing, verarbeitet und aus ihrem Kopf verbannt. Deswegen passten sie und Zach auch so hervorragend zusammen.

Nachdem er so seine Gedanken neu geordnet hatte, nickte Zach dem netten Mädchen von nebenan freundlich zu und machte, dass er wegkam. Nette Mädchen brachten einem früher oder später nur Probleme und Kummer ein, wie er aus eigener Erfahrung wusste.

»He, wurde aber auch langsam Zeit, dass du zurückkommst«, begrüßte Ray ihn, als Zach mit einem großen Sack Katzenfutter über der Schulter durch die Tür kam. »Die Pizza ist seit fünf Minuten hier. Lass uns das Bier aufmachen.«

Bier? Mist. »O Mann, ich hab das Bier vergessen!«

»Na, wenn das nicht allem die Krone aufsetzt! Wir kommen rüber und machen uns den ganzen Nachmittag den Rücken krumm, und an wen denkt er?«, fragte Ray Tacky, der auf seinem Schoß lag. »An die verdammte Katze. Schick nie ’nen Jungen los, um die Arbeit eines Mannes zu tun.« Er stopfte sich den Rest eines Stücks Pizza in den Mund, setzte Tacky auf das Sofa und erhob sich.

Zach stellte den Sack und die Plastiktüte mit dem Dosenfutter neben der Tür ab. »Schon klar, Mann. Reg dich mal nicht gleich so auf! Und verputz nicht die ganze Pizza, bevor ich wieder da bin!«, sagte er, ehe er die Tür hinter sich zuzog.

Er beschloss, zur Tankstelle hinüberzulaufen und etwas von dem überteuerten Bier zu kaufen. Zum Supermarkt würde er jedenfalls nicht zurückfahren. Denn sollte er dort die Elfe wiedersehen, könnte er in einem Anfall vorübergehender Unzurechnungsfähigkeit auf die Idee kommen, sie nach ihrem Namen und ihrer Telefonnummer zu fragen.

Merilee White stand in der Schlange an der Kasse, blätterte in einer Ausgabe von People und versuchte, allmählich in Feiertagsstimmung zu kommen. Verflixt. Für einen Moment hatte sie geglaubt, einen Kontakt zu diesem gut aussehenden Mann in der Tierfutterabteilung hergestellt zu haben. Er hatte wie ein moderner Wikinger ausgesehen, groß und blond, und sein Gesicht war nahezu perfekt gewesen, der einzige Makel die etwas krumme Nase, die ausschaute, als wäre sie einmal gebrochen gewesen. Und diese Augen! Blau wie Fjorde. Er war ihr sehr sympathisch erschienen, und ein Tierliebhaber war er auch, was ihn Merilees Ansicht nach zu einem perfekten Mann machte. Und so, wie er sie angesehen hatte, hätte sie schwören können, dass er interessiert war. Aber dann war er plötzlich ganz nervös geworden und davongerannt. Was hatte sie gesagt, was ihn gestört haben könnte? Was war schiefgelaufen?

Sie seufzte. So viel dazu, dass der Supermarkt ein guter Ort war, um Männer kennenzulernen. Wo hatte sie das überhaupt gehört?

Ach ja, von ihren Schwestern. Sie schienen ständig Männer in Supermärkten kennenzulernen. Und nicht nur dort, sondern auch im Fitnessstudio, im Einkaufszentrum, im Café, bei geschäftlichen Meetings und sogar in Dessousgeschäften. Verdammt. Warum konnte sie nicht eine sexy Modediva sein wie ihre erfolgreiche ältere Schwester oder eine quirlige Blondine wie ihre jüngere?

Wieder seufzte Merilee. Die beiden sagten immer, sie sende nicht die richtigen Vibrationen aus.

Was erwarteten sie denn? Ihre Pheromon-Übertragung war nun mal gestört. Stirnrunzelnd betrachtete Merilee ihren Daunenmantel, der ihr jetzt viel zu groß war, und konnte schon fast die tadelnde Stimme ihrer älteren Schwester hören.

»Du musst zur Geltung bringen, was du hast«, erklärte Gloria (deren Spitzname Die Gloriose war). »Wer kann dich überhaupt noch finden unter all diesen hässlichen Klamotten? Männer sind faul. Du musst es ihnen leicht machen.«

Glorias Vorstellung von »zur Geltung bringen, was sie hatte«,

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