Logo weiterlesen.de
Wegewarte

Image

Wegewarte

Gedichte

Wolfgang Schirmer

Image

Inhalt

Prolog

Zu den Gedichten

Simisien

Der Tag — dein Leben

Bekenntnis an den Vorfrühling

Sieh nur zum Schönen

Kamele in Mesopotamien

Freundin Erde

Morgenstund

Murrannen

Herbstbunt

Simisien 1

Lustlicht

Igelglück

Altgriechischer Brauch

Das Meer

Holländische Ehe

Fels

Das Beste im Leben

Etymologie des Schienbeins

Romantik

Die Wüste

Herbstlied

Simisien 2

Den Jugendlichen, meinen Studenten

Lustbaum

Herzschmuck

Götter

Zeit

Die Gewissheit des Lichts

Vita posthuma

Tropfenboden

Gebet

Kunst

Die Tomate

Ein Morgen in der Wüste

Der Eiszeitbeweis

Un-Ausweg

Loslassen

Ersehnte Landfahrt

Simisien 3

Neandertraum

Etwas Liebes

Hoffnung

Loreley

Gott und Seele

Unser Leben

Erfülltes Schenken (Sonett)

Glück und Leiden

Tundreneinsamkeit

Sehnsucht

Wunsch für einen 80-Jährigen

Herbstgefühl

Simisien 4

Hast du Lust

Käuzchen

Himmelsplätzchen

Frühlingsgruß

Augenlustblick

Futurologie

Seliger Schlaf

Waldnest

Einer ratlosen Eule

Dünenspuren

Steine im Wege

Herbstliche Heimkehr vom Euphrat

Winterwelt

Das Herz

Sechzig

Februar

Forschen

Simisien 5

In deiner Hand

Urteil

Erde und Mensch

Vertrauen

Meinung

Lustvogel

Dein Wesen

Wechselspiel

Schon-Zeit

Die gute Arbeit

Ade, du Stadt an der Kö

Sekunden über den Wolken

Helle und dunkle Welt

Des Forschers Zwiegespräch in einer Sitzung

Paradies

Winterlicht

Lillach-Elfentreppe

Liebreiz

Gemütsruhe im Alb-Winter

Um Mitternacht

Lebenszenit

Epilog

Anmerkungen

Prolog

Die Wegewarte säumte auf vielen Wegen mein Leben. Von ihrer Verbreitung her ist sie in der Tat ein Wegbegleiter — im übertragenen Sinn ein Lebenswegbegleiter.

Botanisch heißt sie Wegwarte, im Volksmund auch Wegewarte. Ihr Vorkommen in Mitteuropa allein als Pflanze der Wegränder führte zur Erkenntnis, dass sie bei uns eingewandert ist und eine Kulturpflanze darstellt (Archäophyt). In natürlichen Pflanzengemeinschaften kommt sie in Mitteleuropa nicht vor. Ansonsten ist sie in Asien, im Mittelmeergebiet und Nordafrika verbreitet. Sie ist sonnenliebend, öffnet bei warmem Wetter ihre leuchtendblauen Blütenblätter, am liebsten am Vormittag. Sie wendet ihre Blütenköpfe immer jeweils dem Licht zu. Ihr Leben an Wegen wird dadurch ermöglicht, dass sie Kälte wie Hitze, Abgase wie reine Luft verträgt. Der wissenschaftliche Name der Wegwarte ist Cichorium intybus, was im Arabischen bedeutet „Endivie, die im Januar geerntet wird“.

Ich kenne sie von Kindheit an. Bald war sie Wegbegleiter auf meinen langen Radtouren und Wanderungen. Bewusst wurde sie mir aber richtig dadurch, dass sie vom späten Juni bis September an der Bundesstraße 9 bei Dormagen zwischen St. Peter und Üdesheim die Straße hellblau säumte und mir im Verkehrsstau auf dem täglichen Berufsweg angenehme Augenzwiesprache bot. Jetzt begleitet sie mich auf der Albhochfläche der Fränkischen Schweiz an den Zufahrtswegen und Feldwegen um Wolkenstein.

Sie zieht sich sporadisch durch mein Leben, genauso wie die Gedichte mich sporadisch durch viele Lebenssituationen begleiten, von denen sie erzählen. Darum gibt die Wegewarte meinem Leben einen dreifachen übertragenen Sinn: als räumlicher Wegbegleiter, als Begleiter meines Lebenswegs und als Wesen mit ständig bemühter Hinwendung zum Licht. So widme ich diesem treuen Pflänzchen den Titel zu diesem Bändchen.

Zu den Gedichten

Viele der folgenden Gedichte sind Zwiegespräche mit mir selbst. Ich bin immer Doppelwesen: Da ist mein äußeres Wesen, das handelnde, sprechende; und daneben lebt das innere Wesen, das mich berät, mich hinterfragt, zurückhält, mir Mut macht, mich tröstet. Dieses innere Wesen spricht stets zu mir. Ich spreche auch manchmal hörbar mit ihm, etwa wenn ich stolpere: Pass doch auf, lass dir Zeit. Oder ich tröste mich, wenn ich merke, dass ich falsch verstanden wurde: Du hast es doch gut gemeint, aber offenbar hast du dich nicht richtig ausgedrückt. Wenn also in den folgenden Gedichten das „du“ auftritt, so ist das häufig ein Zwiegespräch mit mir. Manches sind Ratschläge für mich selbst, nicht etwa Belehrungen an meine Umgebung. Am Ende sind zu einigen Gedichten Anmerkungen angefügt.

Simisien

Simisien nenne ich Gedichte aller Art, die maximal 160 Zeichen, einschließlich Leerzeichen, umfassen. Das Wort ist abgeleitet von SMS (Short Message System) und dem dazu entstandenen Verb simsen (Die erste SMS der Welt überhaupt war am 3. Dezember 1992 gesendet worden).

Anfang 2001 startete der Uzzi-Verlag Düsseldorf (Harald Müller) einen Wettbewerb, der einlud, zu vorgegebenen Stichworten Texte mit maximal 160 Zeichen zu verfassen. Zur Kategorie Liebe, Literatur und Spaß, und ein Jahr später (2002) zu Lust, Eifersucht und Angst, habe ich einige Kurzgedichte eingereicht. Von ihnen wurden drei Gedichte in die Bändchen Liebe und Spaß (2001) aufgenommen, weitere vier im Wettbewerb 2002. Dieser zweite Wettbewerb wurde jedoch nach Einreichung der Texte vom Verlag abgebrochen. 2012 wurden schließlich von Harald Müller die ausgewählten Texte beider Wettbewerbe digital herausgegeben (siehe Anmerkungen). Meine Freude an 160-Zeichen-Gedichten brach aber 2002 nicht ab. Ich nannte sie dann bald Simisien.

Der Tag — dein Leben

So eilet und lebet,

und schenket und gebet

dem heutigen goldenen

Tag seinen Sinn.

Wer voll von schwer Sorgen

nur denkt, was sei morgen,

der zieht aus dem Leben

nur wenig Gewinn.

* * *

Sieh wachsen den Tag

und sein Glänzen und frag,

ob du ihn schon heute

genussvoll geliebt.

Es kann ein Gesicht sein,

es kann ein Gedicht sein,

ein Baum, auch ein Star,

der im Singen sich übt.

* * *

So frag dich, was willst du

vom Leben und fühlst du,

was du so recht bräuchtest,

um glücklich zu sein.

Und mach dir das Heute

zur winzigen Freude —

bau stets in den Alltag

dein Leben mit ein.

Bekenntnis an den Vorfrühling

Mich treibts hinaus ins Weite,

ein Frühlingshauch von Seide

weht zart mir durchs Gemüt.

Ich müsst noch Vieles schreiben,

doch kann ich nicht mehr bleibent

Unruhe in mir glüht.

Viel Jahr lang müsst ich sitzen,

müsst Text und Zeichnung ritzen,

bis dass berichtet ward,

was in den letzten Jahren

ich von der Erd erfahren,

sie mir hat offenbart.

Doch Mut und Blut sie drängen

hinaus mich aus den Zwängen,

das Jahr beginnt zu blühn.

Ich muss den Frühling fassen,

mich ihn liebkosen lassen,

sein sonnig Land lichtgrün.

Aus Bergen, Felsenkluften

beginnt die Erd zu duften,

mein Blick will weit hinaus.

Ach könnt ich dich durchschreiten

du Erd, zu allen Zeiten,

mich hielt kein fürstlich Haus.

* * *

Verzeih mir, Gott, mein Drängen,

entlass mich aus den Zwängen!

Ein einzig Leben nur

gibst du mir, dem Steinklopfer,

der ich mein Herze opfer

der Erdzeit alter Spur.

Ich will auch einst beizeiten

Erkanntes aufbereiten,

mein Dank dartun der Erd.

Sie hat mich viel gelehret;

dass mich nach ihr begehret,

ist mir mein Leben wert.

O blütenduft’ger Reigen,

schwebst über Gras und Zweigen,

machst alles liebenswert.

Du schmückst die Erde festlich

und machst die Arbeit köstlich,

die liest im Buch der Erd.

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Wegewarte" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen






Teilen