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Wechselspieler

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© 2017 Frank Mahnke

Umschlag, Illustration: Eckhard Kaltenhäuser

Frank Mahnke

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN

978-3-7439-5200-3(Paperback)
978-3-7439-5295-9(Hardcover)
978-3-7439-5202-7(e-Book)

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Inhalt

Vorneweg

Rückrunde

Nachteilsausgleich

Langhaarige

Rouladen

Schoppen

Geschäftsessen

Dorfladen

Feierabend

Leute sagen, ich würde immer ein Wechselspieler bleiben.

Zwar anwesend, aber nicht zu gebrauchen. Austauschbar, auswechselbar, Wechselspieler!

Denen zeige ich es noch! Ein Talent hat nämlich jeder.

Vorneweg

Kevin-Hendrick-Projekt.jimdo.com

Alter, weißte eigentlich, dass ein Transfermarkt gar kein richtiger Markt ist? Da musste erst mal drauf kommen!

Kennste mich eigentlich schon? Mein Name ist Kevin-Hendrick. Bin ein großes Fußballtalent und habe ganz viel Ahnung vom Fußball.

Ich bin schon 19 Jahre alt. Das weiß ich genau, denn ich lernte es mühselig auswendig. Leider ändert sich das aber jedes Jahr. Immer genau dann, wenn ich es perfekt drauf habe.

Aldar, Ich wohne zu Hause in Heimberg. Das ist so ein kleines Dorf mit Dorfladen, einem Vereinsheim, der Kirche und einem Schützenhaus. Häuser und Straßen haben wir, aber keinen Bahnhof. Das macht auch keinen Sinn, da in Heimberg keine Schienen liegen. Busse fahren aber auf der Straße lang. Damit kommt man gut in die ganz große Stadt Blankenhausen.

Mit Mutta und Vatta wohne ich in einem Haus mit Garten. Vatta hat da noch ein Haus, in dem das Auto immer drinne steht. Meine kleine Schwester Sarah-Herta wohnt auch noch bei uns. Die hat ihr eigenes Zimmer. Das ist wie meine Bude oben im Haus.

Vatta baute eine Treppe ins Haus ein. Die ist sehr praktisch! So kommt man ganz bequem nach oben und auch wieder runter. Vatta macht ganz viel im Haus. Nur Mutta meckert deshalb öfter. Zuletzt, weil die Treppe etwas wackelt und quietscht. In meiner Bude steht ein wichtiger Fernseher. Da gucke ich Fußball und Dokumentarfilme. „Hänsel und Gretel“ schaue ich gern zum Beispiel. Ich muss mich schließlich regelmäßig weiterbilden.

Einen Stall wo früher mal Schweine eine ordentliche Sauerei gemacht hatten, haben wir auch. Da ist ganz viel Zeugs drinne. Zeugs, das man braucht und Zeugs, das man nicht mehr braucht. Das ist aber relativ. Zeugs, das Mutta und Vatta nicht mehr brauchen, kann ich oft noch sehr gut gebrauchen. Wie zum Beispiel den Schutzanzug aus dem Ersten Weltkrieg. Den brauche ich. Wegen der Wellen von den Radios, wenn die aktiv sind. Da bin ich schlau.

Meine Oma Herta wohnt auch in unserem Dorf. Ich gehe gerne zu ihr. Weil sie richtig gut kochen kann, aber auch, weil ich immer mal fünf Euromarks von ihr geschenkt bekomme. Weihnachten war an der Fünf sogar noch eine Null dran. Das kam gut. Ich spare nämlich fleißig.

Dumm bin ich ganz sicher nicht. In der Schule war ich nur etwas schneller ausgelernt als Andere. Lesen und Schreiben waren nicht so mein Ding. Das hatte ich schnell abgewählt. Brauchte ich nicht. Für Deutsch habe ich den Hans-Rudolf. Der kann das.

Mathe macht meine kleine Schwester Sarah-Herta für mich. Zu Mathe hatte sie schon immer einen guten Draht. Alles habe ich gut organisiert. So brauche ich mich nicht mit Nebensächlichkeiten beschäftigen.

Man muss eben wissen, worauf es ankommt. Lieber wandte ich mich praktischen Dingen zu. Was nutzt Kopfarbeit, wenn man am Ende nur gelangweilt rumsitzen würde. In einem Büro zum Beispiel. Schlau im Kopf, aber nichts zu tun.

Lebenspraktisch! Das bin ich. Genau! Mein Leben findet in der Praxis statt.

Talente habe ich jede Menge. Viele Ideen springen in meinem Kopf umher und wollen nur frei gelassen werden. Jeden Tag lerne ich Dinge, die ich im Leben so brauchen werde. Warum Zeit für die Schule verschwenden?

Ich bin in der Ausbildung zum Star-Maler bei Farben-Paule. Man muss ja schließlich was ordentliches gelernt haben. Vatta sagte mir immer: „Mache ein ordentliche Ausbildung! Nicht, dass du plötzlich ohne etwas da stehst! Handwerk hat goldenen Boden!“ Da hatte er Recht.

Solltest du schön, reich oder Fußballer sein, kannste mich bald als Star-Maler buchen. Wahrscheinlich gibt es jetzt schon Wartezeiten. Wenn du in etwa zehn Jahren deine Bude malern willst, müssteste mir mal so langsam Bescheid sagen. Nicht, dass du mal irgendwann enttäuscht bist und deine Bude wie Hulle aussieht, nur weil ich nicht eher zu dir kommen konnte.

Ich muss aber erst noch meine Ausbildung beenden. Logisch! Einen Kalender habe ich bereits angelegt. Da kommen alle Termine hinein. Ein paar Zeiten wären gerade noch frei. Na gut, eigentlich sind alle Termine noch frei. Aber die ganzen Wochentage malte ich bereits in das Buch rein. Nur Samstag und Sonntag nicht. Da werde ich Profi sein. In der Bundesliga.

Natürlich bin ich Fußballer. Das ist mein größtes Talent. Noch spiele ich in der 2. Kreisklasse bei Germania Dereberg. Ich bin Kapitän meiner Mannschaft und sitze meistens auf der Bank. Manche Leute meinten, ich wäre einfach nur ein popeliger Wechselspieler.

Ich würde immer nur dann zum Zuge kommen, wenn kein Anderer mehr da wäre. Im Leben würde ich auch immer nur ein Wechselspieler bleiben. Zwar anwesend, aber zu nichts zu gebrauchen. Austauschbar, auswechselbar, Wechselspieler.

Dem Letzten, der das sagte, haute ich mal so ganz kräftig aufs Maul! Was diese Leute manchmal erzählen?! Alter, die Wahrheit ist doch, ich bin zu gut für die Anderen. Ich, der Kapitän, der Antreiber! Und das nicht nur im Fußball. Im Leben insgesamt! Meinen Leuten sage ich, wo es lang geht. Manchmal muss ich eben deutlich werden. Dann gibt es auch mal aufs Maul. Die Richtung ist doch wohl jetzt klar, oder?

Meine Rückennummer ist die „10“. Diese Nummer ist ganz wichtig. Genau so viele Finger habe ich an den Händen. Das hatte ich mir einmal gemerkt. Leider ist die „1“ abgegangen. Der Trainer meinte, es würde zu mir passen. Der ist schlau!

Sehr bald wird mich der Uli von den Bayern anrufen. Dann werde ich Profifußballer. Auch der Bundes-Jogi wartet schon auf mich. Bis dahin reife ich noch ein wenig in der Kreisklasse.

Nach Fußball mache ich Manager. Das ist nicht so schwer, denn andere Fußballer schafften das auch. Manager bin ich eigentlich schon jetzt. Meine großartigen Ideen erzeugen immer wieder Bewunderung und Freude. Jeden Tag lerne ich etwas Neues dazu. Dinge, die ich vorher nicht wusste.

Falls du dieses Buch lesen kannst und gut aufpasst, biste hinterher viel schlauer, als vorher. Bei mir kannste immer etwas lernen. Aber nicht lesen und nebenbei andere Sachen denken. Dann verlierste den Faden und du kommst einfach nicht mehr hinterher. Immer schön konzentriert bleiben!

Der Hans-Rudolf schrieb alles auf, was ich ihm diktierte und nun hier im Buch rumsteht.. Da war er sehr fleißig. Musste er auch! Ein bisschen Druck musste ich natürlich ausüben. Ohne Druck bewegt sich niemand mehr, als er muss!

Dumm sein allein reicht nicht, man muss auch schlau sein!

Alter, alles wird geiler!

Es geht steil!

Rückrunde

Silvestergedanken

Aldar, ich denke noch ganz oft an die Silvesterparty mit meinen Freunden von der Germania Dereberg! Die war geil! Mein Feuerwerk gefiel allen sehr gut. Ich liebe Feuerwerk! Das hatte nämlich etwas mit meiner Entstehung zu tun. Als ich entstand, hatte es auch geknallt. Genau in dem Augenblick, als ich gemacht wurde, war Mitternacht. Es muss ein riesengroßer Rums gewesen sein. Die ganze Welt feierte mich in diesem Augenblick!

Silvester feierten wir im Vereinsheim von der Germania. Da feiern wir sehr gern. Es trafen sich bei unserer Party alle Spieler, außer denen, die eine Frau zu Hause auf der Couch sitzen hatten, oder in der Küche. Unter Männern feiert es sich immer am Besten! Bier trinken und dummes Zeugs erzählen, ohne dass die Frau oder die Olle meckert. Dann ist es am Schönsten. Sollte man einschlafen, bleibt man einfach liegen, bis man morgens aufgeräumt wird. Egal!

Silvester ist jedes Jahr am Jahresende. Musste dir mal merken, falls dich jemand fragt. Wir hatten viel Spaß bei der Party. Sogar der Chef von Dereberg war da und brachte Sekt mit. Er wollte mit uns aufs neue Jahr anstoßen. Jeder wünschte sich viele gute Sachen für das kommende Jahr. Ganz viel Nettes. Man hat schließlich Wünsche und Vorsätze. Wichtige Dinge, die man im kommenden Jahr erreichen will. Da wünscht man sich oft mehr von dem Einen oder weniger von dem Anderen. Das Meiste hat man aber wieder vergessen, wenn man nüchtern wurde gegen Mittag.

Der Chef, dem das Dorf gehörte, wusste natürlich, was er an seinen Leuten von der Germania Dereberg hatte. Wir sind schon eine tolle Truppe. Immerhin organisierten wir im Sommer eine tolle Dorfparty, als wir das Pokalspiel gegen Fortuna Bernberge hatten. Das war sicher das Größte, was Dereberg je erlebt hatte.

Unsere Pokalparty hatte das Ansehen vom Chef in Dereberg gestärkt. Ihm war das Ganze sehr wichtig. Er hatte nämlich einen wichtigen Vorsatz fürs neue Jahr. Er wollte wieder Dorfchef werden. Vom ganzen Dorf. So ein Präsident wird nämlich von den Leuten, die bei ihm wohnen dürfen, gewählt. Dafür brauchte er viel Bürgernähe. Sogar Fußballer waren manchmal auch Bürger.

Weißte, wir von Germania Dereberg spielen in der 2. Kreisklasse Fußball. Irgendwann steigen wir aber auf. Dazu müssen wir nur erster werden. Aber Pokalsieger können wir auch so werden. Absteigen können wir übrigens nicht. Erstens, weil wir sowieso die Besten sind und unter unserer Staffel gibt es keine Tabelle mehr. Das wissen alle, nur der Chef vom Dorf nicht. Aber solange er unseren Verein unterstützt, muss er nicht alles wissen.

Der Dorfpräsident muss irgendwas mit Bauen oder Mauern zu tun haben. Vatta meinte nämlich, der könne sehr gut auf den Putz hauen. Naja, ein Talent hat irgendwie jeder! Oder? Man muss nur suchen.

Von der ganzen Knallerei an Silvester war mir plötzlich so ganz komisch geworden. Ein ganz komisches Gefühl war das. Eigentlich war ich doch so ein knallharter Typ. Hart gegen mich und auch andere. Da gab’s auch mal aufs Maul, wenn es der Gerechtigkeit dienen würde.

Aber ich musste in dieser Nacht an so viele Sachen denken. Wie ein Weichei kam ich mir plötzlich vor. Es spukten viele Fragen im Kopf drinne rum. Mein Grinsen wich aus dem Gesicht, ich hörte mein Herz klopfen und fühlte mich einfach nur schlecht. So müsste es sich anfühlen, wenn man kurz davor ist, sich auf den Weg hinter die Wolken zu machen. Dort wo der Heini Fußball spielt und auf Opa Walter wartet, um wieder gemeinsam in einer Mannschaft spielen zu können. Dann aber als Engel. Das soll es geben. Ich winke auch immer nach oben, falls Heini mich sieht.

Es kamen mir so viele Gedanken und Fragen in den Kopf rein. Wie würde sich mein Leben entwickeln? Weißte, ich war nun schon 19 Jahre alt und lernte bei Farben-Paule Maler. Vatta sagte ja, man muss erst was Vernünftiges lernen. Manager könnte ich immer noch machen. Das schafften im Fußball so ziemlich alle. Da hatte er Recht. Vielleicht muss man nur einmal geradeaus den Ball getroffen haben, dann klappten auch die anderen Sachen.

Vatta meinte, wenn man nicht ganz schlau sei, würde Selbstbewusstsein helfen. So könnten auch saublöde Ideen durchgesetzt werden. Niemand würde sich trauen, etwas dagegen zu sagen. Sollte dann etwas schief gelaufen sein, wären notfalls die Anderen Schuld. So wie die Trainer, die oft nicht mehr mitspielen dürfen in der Bundesliga.

Würde der Uli von den Bayern mich in diesem Jahr anrufen? Oder der Rangnick von Rasenbrause Leipzig? Oder wenigstens der Watzke von Borussia Dortmund? Aber der Bundes-Jogi würde mich bestimmt bald holen. Immerhin hatte der Schweini seinen Rücktritt erklärt und da musste diese Lücke dringend geschlossen werden. An mir und meinem Fußballtalent konnten sie alle auf Dauer natürlich nicht vorbei kommen. Das wusste jeder. Naja, wenigstens ich wusste das genau.

Ich musste auch an die Lena denken. Das war schon sehr komisch alles. Ein merkwürdiges Gefühl. Lena war ja eine Frau, wie ich erfahren hatte. Ein anderer Mensch! Anders als wir Männer. Onkel Herbert meinte einmal, es gäbe Menschen und Frauen. Was hatte es nur auf sich mit diesen anderen Menschen? Es war im letzten Jahr schon ein Schock zu erfahren, dass es Frauen gibt. Von dieser Erkenntnis musste ich mich lange erholen. Glaube mir, wenn du kapierst, biste auch eine Weile durcheinander.

Dank Onkel Herbert wurde ich zum Glück sehr vorsichtig. Er warnte mich vor diesen Frauen! Aber warum bekam ich immer Fieber und mein Gehirn Wackelkontakt, wenn ich mit der Lena zusammen war? Hoffentlich ging mein Gehirn nicht einfach mal aus! Peng, Kurzschluss! Dann hätte ich ein Kind am Hacken.

So was Kleines, das immer schreit, Dreck macht und dir später die Haare vom Kopf frisst.

Jetzt muss ich aufpassen, sonst beruhige ich mich nicht wieder. Dann kann ich nicht diktieren und du kannst nicht lesen, was ich sagen will.

Aber! Achtung! Passe auf! Der Weihnachtsmann gab mir den Auftrag, mit der Lena ins Kino zu gehen! Der schenkte mir Kinokarten. Den durfte ich natürlich nicht enttäuschen. Nein, niemals darf man den Weihnachtsmann enttäuschen. Meine kleine Schwester, die Sarah-Herta, glaubt noch nicht einmal daran, dass es den Weihnachtsmann gibt. Stelle dir das mal vor! Sie meinte, es wäre immer Onkel Herbert. Der wäre nur verkleidet! Diese Kinder! So waren wir früher nicht!

Es gab keine Wahl für mich. Ich musste mit der Lena ins Kino gehen. Sonst würde ich die Rute bekommen, wenn wieder Weihnachten kommen sollte. Klar oder? Das wollte ich natürlich nicht riskieren. Nee, auf keinen Fall!

Ich weiß auch nicht, was aus Sarah-Herta einmal werden soll. Es ist sogar so schlimm mit ihr, dass sie wahrscheinlich Gymnasium machen muss. Überlege mal! Gymnasium! Sie ist in der 4. Klasse und so langsam wird es eng!

Ich freute mich auch wieder auf Oma Herta. Das Essen war bei ihr einfach zu gut. Sie machte immer die gute Butter dran. „Iss mal schön, damit du nicht vom Fleisch fällst!“, sagte sie immer. Oma passte immer gut auf mich auf. Bisher hatte sie die Familie immer gut über den Winter gebracht. Auch damals, als es nichts gab. Nur Opa Walter nicht. Aber der war nicht verhungert, sondern war damals mit einer Spielerfrau durchgebrannt.

Dass die Neue besser kochen konnte als Oma, konnte ich mir eigentlich nicht vorstellen. Da musste was anderes passiert sein damals. Vielleicht war sie einfach nur schön. Schön reicht oft aus fürs Leben. Vatta meinte jedenfalls, ihm würde es eigentlich reichen. Aber er hatte ja nun Mutta. Man kann nicht alles haben!Ich musste unbedingt noch mehr über Opa Walter erfahren. Welche Geheimnisse würde es da noch geben?

Tante Hannelore wollte mir auch noch etwas erzählen über Opa. Sie kannte den Opa Walter von früher. Denn ihr Heini spielte mit ihm Fußball. Heini spielt aber schon lange oben im Himmel und schaut uns immer zu. Weißte ja schon. Fall du nicht aufgepasst hast, wollte ich noch einmal sagen.

Wenn Tante Hannelore mal wieder mit dem Bus aus der ganz großen Stadt käme, würde ich ihr die Taschen nach Hause tragen. Dann könnte sie mir sicher mehr erzählen. So würde ich es machen. Es geht um meine Wurzeln. Woher habe ich meine Talente und meine roten Haare? Irgendwann möchte man das wissen.

Warum trifft meine kleine Schwester eigentlich das Tor beim Fußball und ich nicht? Sie spielte nun auch schon eine Weile bei der Germania Dereberg. Aber noch bei den Kleinen. Obwohl Vatta immer meinte, Fußball wäre nur was für harte Kerle, macht Sarah-Herta Fußball. Männersport ist es doch eigentlich! Stimmte das plötzlich nicht mehr?

Jetzt steht er sogar bei jedem Spiel an der Seite und feuert sie an. Bei den Spielen der Kleinen gibt es ganz oft Ärger. Die Eltern an der Seite sind krasse Hooligans. Da gibt es oft mal Haue. Sogar Spiele wurden abgebrochen, da Eltern den Platz gestürmt hatten. Glaube mir, bei den Fußballspielen der ganz Kleinen ist Krieg! Sogar Schiedsrichter weigerten sich immer wieder, Spiele bei den Kleinen zu pfeifen. Schiris sind sowieso komisch. Die lassen sich Woche für Woche beschimpfen. Macht das Spaß? Bundesliga ist gegenüber Spielen bei den Kleinen wie Kindergarten!

Ich wollte auch endlich mal mein erstes Tor schießen. Mein größter Traum. Das musste doch endlich mal klappen. Ein paar Mal ging der Ball sogar fast in Richtung Tor. Fast reicht aber nicht ganz. Der Ball muss schon drinne sein im Tor. Zwischen diesen Balken. Für „fast“ gibt es leider keinen Jubel und keine Punkte.

Um Sarah-Herta machte ich mir ein paar Sorgen. Obwohl sie immer in ihrem Kinderzimmer saß und am Schreibtisch Hausaufgaben machte, kam sie nicht voran. Tatsächlich konnte sie Mathe sehr gut. Besser als ich. Aber da lief irgendwas nicht rund bei ihr.

Würde sie einen Vertrag an der Peter-Hotti-Schule bekommen? Weißte, dort wo ich fürs Leben lernte. „Pestalozzi-Schule“ heißt das, meinte Hans-Rudolf wieder. Na gut, der kann lesen und schreiben. Notfalls müsste Sarah-Herta doch ans Gymnasium gehen wie der Hans-Rudolf. Naja! Mal schauen! Ich hoffe, meine Erziehung hat nicht komplett versagt.

Als Kapitän von der Germania hatte ich natürlich auch Ziele. Pokalsieger wollte ich werden. DFB-Pokalsieger. Im Pokal ist schließlich alles möglich. Das sagen die Leute mit dem Mikrofon im Fernseher drinne immer. Das ginge also auch mit der Germania Dereberg. Man muss nur alle Spiele gewinnen! Das klingt einfach. Dann im Finale gegen Bayern München! Das wäre doch der Traum! Und weißte, dann sieht der Uli von den Bayern mich mal persönlich und wird mich direkt zu den Bayern nach München holen. „Berlin, Berlin- Wir fahren nach Berlin“! Wirste schon sehen! Kommste dann einfach auch hin. Nach Berlin.

Würde Blau-Weiß Madeberg aufsteigen, fragte ich mich. Das wäre auch geil! Hoffentlich fingen die nicht wieder an zu träumen und würden vergessen, weiter Fußball zu spielen. Mit meinem Kollegen, also Kumpel, würde ich ganz sicher auch mal wieder ins Stadion fahren. Ich bekam ja schließlich seine Klamotten von Blau-Weiß zum Auftragen! Die sind zwar etwas zu klein, aber richtige Fan-Klamotten. In dem Stadion dort war immer eine tolle Stimmung. Schon geil, Alter!

Mich wollten sie bei Blau-Weiß leider nicht. Hatte gefragt. Konnte mir schon denken, dass ich dort den Rahmen sprengen würde. Wenn ein Spieler viel zu gut ist, bekommen die anderen Spieler Komplexe und haben dann keine Lust mehr. Die gehen anschließend nach Mutti und weinen. Oder sie weinen an einem Baum im Wald. Möglich! Ich habe auch einen Baum. Da weine ich. Aber nicht verraten. Ich weine heimlich!

Ob ich im neuen Jahr erfahren würde, wer der Typ war, dem das Gehirn ausging damals an Silvester? Der umarmte Mutta und schon erbte ich sein Talent. Mutta hatte leider den Überblick an Silvester verloren und kannte seinen Namen nicht mehr. Oder sie hatte einfach vergessen, zu fragen. Auch möglich.

Vielleicht würde ich den Typen noch finden. Erzeuger nennt man das, wie ich erfahren hatte. Ich wollte es unbedingt wissen. Schuld an meinen ganzen Sachen sind nämlich diese kleinen Gene. Das sind Spirellis oder so. Da wird etwas aus Mutter und Vater zusammengebastelt und wenn du Glück hast, kommt was Gutes dabei heraus. Wenn nicht, wirste Gymnasium oder Student.

Sollte ich das Talent vom Silvester-Typen haben, müsste ich mit meiner Suche in der Bundesliga beginnen. Das machte Sinn!

Vatta war nicht mein Vater, das wusste ich schon. Man konnte aber auch genau sehen, dass Vatta nicht mein Vater war. Er war anders als ich. Er hatte keine roten Haare und kein Talent für Fußball. Ich glaubte auch, der interessiert sich nicht einmal für Fußball.

Vatta war damals auch ganz schlau und war Silvester erst gar nicht zu Hause. Er hatte sich nämlich vorsorglich aus dem Staub gemacht. Vatta war wohl mit Kumpels unterwegs. Dort konnte so was Dummes nicht passieren. Und wenn doch, redete niemand drüber. Das sei Verschwiegenheit, meinte Vatta dazu.

Wahre Verschwiegenheit gäbe es bei Frauen so nicht. Da weiß immer die beste Freundin Bescheid, aber jede Frau hat viele beste Freundinnen. Dann könnteste eigentlich gleich einen Aushang am Dorfladen machen hier in Heimberg. Das mit dem Aushang würde auch woanders genau so funktionieren, sagte Vatta. Das hat nichts mit Heimberg zu tun. Da kannste jedes Dorf einfach mal für Heimberg einsetzen.

Würde ich dieses Jahr vielleicht Bartwuchs bekommen? Ich rasierte mich schon immer fleißig. Regelmäßiges Rasieren soll den Bartwuchs fördern. Nun hatte ich aber gehört, es wäre Quatsch. Vielleicht war es auch nur Strategie der Werbung. Wie früher! Waren Eier knapp, waren die ungesund. Gab es plötzlich eine Eierschwemme, wurden Eier super gesund und man sollte möglichst viele davon essen.

So musste das jetzt auch mit dem Bartwuchs sein. Gab es keine Rasierklingen zu kaufen, war Rasieren Quatsch. Gab es Klingen im Überfluss, würde regelmäßiges Rasieren den Bartwuchs fördern. Das ist Wissenschaft, meinte der Hans-Rudolf.

Man könne unser Kaufverhalten beeinflussen. Weißte, da kaufste eine Kiste voll Zeugs, ohne es zu brauchen. Nur, weil die Werbung dir gesagt hat, es wäre ganz wichtig für dich. Irgendwann haste einen Schrank voll Zeugs, von dem du nicht einmal weißt, wozu es Nütze ist. Du, der Hans-Rudolf weiß manchmal ganz viel. Trotz Gymnasium.

Hoffentlich bliebe der Hans-Rudolf bei der Germania. Auch wenn er bald ausgelernt wäre in der Schule. Der muss schließlich alles aufschreiben, was ich ihm erzähle.

Der Hans-Rudolf musste da im Gymnasium auch lesen und schreiben lernen. Kopfarbeiter wird der sicher einmal werden. Vatta meinte aber, nur vom Denken mit dem Kopf wird man nicht satt. Dafür brauchte man Hände. Hände, die Dinge bewegen können. Da hatte Vatta seine ganz eigene Meinung. Da vertraue ich ihm auch.

Allerdings brauche ich den Kopf von Hans-Rudolf für mein Buch. Aber meine Hände bewegten ihn. Besser meine Fäuste. Vatta hatte schon Recht! Außerdem, ein bisschen Angst schadete ihm nicht.

Du, Silvester war vorbei. Ein paar Tage waren nun schon vergangen. Ich dachte noch einmal an die Party. Meine Wünsche und Vorsätze wusste ich sogar noch. Außer die, die ich vergessen hatte. Diese Wünsche kann ich dir aber nicht erzählen. Vergessene Sachen weiß man nämlich nicht mehr. Aber die Wünsche, die ich mir gemerkt hatte, weiß ich noch. Verstehste?

Draußen schien die Sonne, aber es war noch ziemlich kalt. Ich schloss meine Augen. Alles war so schön! Ich war hier und dort draußen war die Welt. Da draußen würde alles möglich sein. Welt, ich komme! Auf geht’s! Die Rückrunde kann beginnen!

Rolltreppe

Eh, ich fuhr ein paar Tage nach Silvester in die ganz ganz große Stadt, denn ich wollte mir einen Transfermarkt mal genau anschauen. Immerhin war Winterpause und der Transfermarkt wurde für ein paar Wochen geöffnet. Dann geht die ganze Bundesliga shoppen, wie das im neuen Deutsch heißt. Das ist Englisch, sagte Hans-Rudolf. Die brauchen kein „C“, um „sch“ zu sagen. Gut, dass er es sagte, aber bemerkt hätte ich es nicht. Brauchste also einen neuen Spieler oder brauchste einen anderen nicht mehr, gehste da hin und machst dein Geschäft.

Die paar Tage, die ich frei hatte, wollte ich gut ausnutzen. Man hat ja immer so sehr viel zu tun. Neben wichtigen Dingen wie Fußball gucken ist auch immer Training bei meiner Germania Dereberg. Ist ja wichtig, denn man muss immer am Ball bleiben. Gerade dann, wenn ich bald Bundesliga spielen müsste. Man will ja fit sein, wenn man gerufen wird. Dereberg kennste bestimmt, ist ein kleines Dorf. Kennt jeder hier bei uns im Dorf.

Wenn man etwas verkaufen oder kaufen will, geht man zum Markt. In der ganz ganz großen Stadt gibt es Wochenmärkte. Die sind einmal in der Woche. Da werden Buden aufgestellt und dann kannste da ganz viel Zeugs kaufen. Auch so schöne Glitzersachen aus China, die ich so mag, gibt es dort. Klamotten kannste dort kaufen, die bei uns im Dorf schon zu Omas Zeiten modern waren. Vatta sagte aber immer, das auf diesem Markt wäre eine Altkleidersammlung und die Vietnamesen verkauften das alte Zeugs. Nur Omis und Opis waren scharf darauf, weil sie das schon immer so getragen hatten. Zeitlose Mode eben. Schöne Kittelschürzen findet man dort aber immer, sagte Mutta. Sie braucht auch bald mal eine neue Schürze. So mit Blümchen drauf.

Du, ich schaute über den ganzen Markt, aber nirgends stand eine Bude für Transfer. Mir kam dann aber der Gedanke, dass man dort draußen keine Fußballer verkaufen würde. Es war ja Winter und saukalt. Da würden die Spieler frieren und Schnupfen bekommen. Krank lassen die sich nicht so gut verkaufen. Das leuchtete ein. Hätte ich eigentlich schon eher drauf kommen können.

Da fiel mein Blick auf ein ganz großes Haus, ein Einkaufhaus. Da kannst auch ganz viel kaufen und es ist immer schön warm da drinne. Dort könnte man Fußballer gut lagern. Ich ging da einfach mal rein. Eh, der Markt war so groß, dass du ganz viel Zeit mitbringen musst, um in jede Ecke zu gucken. Und immer schön aufpassen, dass du dich nicht verläufst. Eine Landkarte vom Markt fand ich nicht. Nur überall Wörter mit Pfeilen. Das hatte mir aber nicht geholfen. Weißte ja schon warum. Einen Transfermarkt entdeckte ich aber in dem großen Haus auch nicht.

Altar, ich entdeckte dann was ganz Verrücktes! In dem Haus ging es nämlich weiter nach oben. Man konnte da ganz oben auch einkaufen. Bis unters Dach. Das kannte ich vorher gar nicht. In unserer ganz großen Stadt, in Blankenhausen, war immer alles unten. Da war schon das Dach. In der Passage in der ganz großen Stadt hatten die eine Treppe drinne. Hans-Rudolf erklärte mir, dass man ein solches Haus auch Passage nennt. Das lernt man eben auch am Gymnasium.

Da war eine Treppe, wie wir in unserem Haus haben, in dem wir wohnen. Vatta hatte damals die schlaue Idee, so eine Treppe einzubauen. Das war sehr praktisch. Weißte ja. Ganz viele Stufen übereinander ergeben eine Treppe. So kannste ganz bequem nach oben gehen, aber auch wieder runter. Ganz schön schlau. Aber die Treppe in der Passage funktionierte ganz anders! Nicht ganz so schlau gemacht, aber wenn man übt eine Weile, geht es ganz gut.

Kennste Rolltreppe? Das ist wie eine richtige Treppe, aber die bewegt sich. Da stellste dich drauf und die fährt dich nach oben. Nach unten aber auch, aber da musste eine andere Treppe nehmen. Wohin die Treppe gerade fährt, erkennste, wenn du in Ruhe beobachtest, in welche Richtung die sich bewegt. Das ist echt wie Zauberei. So eine Rolltreppe muss unendlich lang sein. Unten kommt immer wieder eine neue Stufe aus dem Fußboden raus und oben verschwindet sie in der Erde. Verrückt!

Ich übte vorsichtshalber ein bisschen. Das war gar nicht so einfach. Versuche du mal selbst die Stufen zu treffen, wenn die sich bewegen. Ein paar Mal gestürzte ich, aber dann klappte es ganz gut.

Mal ein Tipp von mir, falls du auch mal Rolltreppe fahren willst: Wenn du oben oder unten angekommen bist, immer ganz schnell zur Seite gehen!

Passe auf! Weißte nämlich, ich rollte so schön nach oben. Alles lief endlich prima. Vor mir waren ein paar Omis und Opis. Als die oben ankamen, blieben sie einfach stehen und diskutierten in welche Richtung sie weiter gehen müssten. Verstehe mal richtig! Ich dahinter und konnte nicht stehen bleiben! Die Treppe bewegte sich unaufhörlich immer weiter. Diese Menschen kamen immer näher. Plötzlich konnte ich nichts mehr. Ich bekam einen Schock! Ich wollte rufen, aber es ging nicht. Wild fuchtelte ich mit den Armen. Aber niemand schien mich zu bemerken. An den alten Leuten kam ich unmöglich vorbei, außerdem kamen von hinten immer noch mehr Leute. Wo sollte ich jetzt hin? Es gab keinen Platz mehr für mich zum Ausweichen. In Panik stolperte ich und fiel hin. Brach mir beide Hände! Im Liegen kam ich oben an. Fast stürzten die Alten über mich. Mit Glück konnte sich die eine Oma halten und purzelte nicht die Treppe bis unten runter. Dann schimpfte dieser Rentner etwas von „Unerhört!“, „Banause!“ und insgesamt auf die Jugend von heute. Der eine Opa wollte noch mit seinem Stock auf mich zu kommen. Als er gerade zuschlagen wollte, stürzte er fast. Zwei der Omas konnten ihn dann gerade noch halten.

Alter! Hier in der ganz ganz großen Stadt sind die Hooligans noch krasser drauf, als bei uns auf dem Sportplatz. Schimpfend zogen die Alten dann ab. Meine gebrochenen Hände gingen dann zum Glück auch wieder. Nur ein paar Schrammen sah man noch.

Als ich dann endlich oben war, konnte ich weiter nach dem Transfermarkt suchen. Den gab es aber auch ganz oben nicht. Ich suchte überall. Irgendwann kamen Leute von der Security zu mir und meinten, sie wollten jetzt gern nach Hause gehen und den Markt abschließen. Ja gut, ich sah ein, dass die müde waren. Das musste auch ein anstrengender Job sein, immer aufpassen zu müssen. Bei diesen vielen Hooligans in der Passage ist das auch nicht ungefährlich.

Ich würde aber demnächst meine Suche fortsetzen! Den Transfermarkt würde ich schon noch finden.

Rückrunde

Alta, ich freute mich so sehr auf die Rückrunde im Fußball! Meine Bayern waren Herbstmeister, obwohl schon Winter war. Das schafften die sogar ohne mich. Es war aber nur eine Frage der Zeit, wann der Uli von den Bayern mich anrufen würde, weil er dringend meine Hilfe brauchte. So richtig gut spielten die nämlich nicht. Viel zu italienisch. Schließlich hatten die einen Trainer aus Italien, wo die italienisch reden.

In der Rückrunde spielen alle Mannschaften noch einmal gegeneinander. Nur andersrum. Wer in der Hinrunde zu Hause spielte, muss nun wegfahren. Die Mannschaft, die im Sommer nach dem letzten Spieltag ganz oben in der Tabelle steht, hat gewonnen. Die ist dann Deutscher Meister und bekommt ein Blechteil geschenkt. Das Teil heißt Meisterschale. Da kannste aber keinen Sekt reinkippen, um diesen den Leuten über den Kopf zu schütten. Oder mal was draus zu trinken wegen Durst. Der Sekt hält auf der Schale nicht fest, weil das ein ganz flaches Teil ist. Kannste mal ausprobieren!

Kippe mal zu Hause eine Flasche Sekt auf den Wohnzimmertisch. Der ist auch flach. Der Sekt hält nicht auf dem Tisch. Alles läuft runter. Probiere das mal aus! Wirste sehen! Manchmal lernt man am besten durch Selbsterfahrung. Lernen bei Tuing. Wenn du dann noch von Mutta oder Vatta eins hinter die Ohren bekommst, hält das Gelernte für immer. Siehste, bei mir kannste viel lernen! Schön aufpassen immer!

Der Deutsche Meister kann aber nicht aufsteigen. Da oben geht’s nämlich nicht weiter. Dafür darf der dann in der Pilz-Liga spielen, die nach den Champignons benannt ist. Warum auch immer die das so genannt hatten. Keine Ahnung. Das Wort kann man noch nicht einmal aussprechen. Pilz-Liga ist da einfacher. Obwohl ich Pilze gar nicht mag. Zum Glück macht Mutter keine Pilze in den Obstsalat. Das hatte ich ihr aber auch mal deutlich gesagt. Wenn man die richtigen Worte findet, merkt sie sich das. Wenn deine Mutter mal nicht spurt, einfach mal deutliche Worte aussprechen! Merken!

In der Pilz-Liga kannste dann auch ein Blechteil gewinnen. Das nennt man auch Pokal. Haste gewonnen, biste Bester von Europa. Europa ist so was Ähnliches wie Deutschland, aber ein bisschen größer. Aber nicht ganz so groß wie die Welt. Jetzt weißte Bescheid!

Haste gehört im Radio drinne? Das kam aus dem Radio von Vattas Auto raus. Der Schweini hatte mal wieder gespielt dort in England. Da hinten, wo die Englisch sprechen, was man eigentlich auch in der Schule lernen könnte, wenn man nicht gerade krank gewesen wäre. Der Trainer vom Schweini war immer noch sauer, dass Deutschland Weltmeister war von der ganzen Welt und sein Land nur Weltmeister von Europa. Der hatte tatsächlich den Weltmeister-Kapitän mal wieder spielen lassen. So richtig auf dem Platz drauf. Aber nur ein paar Minuten. Aber alle Fans hatten den Schweini gefeiert. Das musste den Trainer von ManU aus England aber so dolle geärgert haben, dass Schweini dann wieder auf der Tribüne sitzen musste. Oder der wollte ihn einfach nur ärgern!

Schweini sollte es sich wirklich nochmal überlegen. Das Angebot steht weiterhin, dass er zu uns zur Germania kommen kann. Das weiß der. Bei uns müsste er auch nicht auf der Tribüne sitzen. Wir haben nämlich keine. Aber er könnte mit mir zusammen auf der Bank sitzen. Ganz gemütlich. Schantall würde immer weiche Sitzkissen auf die Bank legen und manchmal auch ein paar Blümchen hinstellen. Kalte Getränke würde ich auch noch organisieren. Geil oder? Zwei weltbeste Fußballer zusammen auf einer Bank. Wer hat das schon?

Turnhalle

Alter, draußen war es sehr kalt geworden. War ja auch Winter und man konnte das vorher auch so erwarten. Das war jedes Jahr dasselbe. Selbst ich konnte es mir gut merken. Oma sagte mir auch vorsichtshalber Bescheid, dass ich jetzt lange Unterhosen anziehen müsste. Spätestens dann war sicher, dass es draußen kalt wurde und mit Schnee zu rechnen war.

Nicht jeder weiß, dass es im Winter kalt und ungemütlich wird. Vielleicht haben diese Leute keine Oma, die gut aufpasst. Vatta erzählte mir das nämlich. Weißte, der baggert immer Löcher mit seinem Bagger. So ganz viele unterschiedliche Löcher. Große, lange, tiefe, breite Löcher. Zu macht er die auch. Meistens.

Im Winter passiert es dann mal schnell, dass er keine Löcher bauen kann. Auch andere Leute auf der Baustelle können nicht arbeiten. Es liegt dann Schnee rum und alles ist gefroren wie Eis. Dass Schnee im Winter kommt, ist viel wahrscheinlicher als im Sommer. Aber nicht alle Leute wissen das.

In der Zeitung drinne entschuldigten sich Leute, dass eine Straße nicht zum Termin fertig wurde. Dafür konnten die Planer nämlich nichts. Niemand konnte damit rechnen, dass plötzlich der Winter kam. Zusätzlich gab es auch noch Wetter und Schnee. Höhere Gewalt eben. Weißte, die hätten mich ja mal fragen können. Dann hätten die Winter einplanen können und schon wären sie noch gut im Termin. „Dann hätte die Firma aber den Auftrag nicht bekommen!“, meinte Vatta. Das wäre teurer geworden und den Auftrag bekäme eine Firma ohne Winter. Vielleicht ein Baubetrieb aus Afrika. Die haben keinen Winter.

Verrückt, woran man so denken muss, wenn man Aufträge und Termine macht. Dazu muss man schon in der Schule gewesen sein. Wenigstens ein wenig!

Auch wenn mich Kälte nicht so störte, weil ich ja so ein harter Kerl war, trainierten wir mit der Germania in der Halle. Aber nicht verwechseln mit der Stadt, die auch Halle heißt. Kennste Halle? Das ist eine ganz ganz große Stadt und die spielen in der 3. Bundesliga. Die haben Rot und Weiß als Farben. Aber ein ganz anderes Rot als die Bayern. Etwas roter.

Unsere Halle ist ein großes Haus. Da ist ein Dach drüber und drinne ist es nicht so kalt wie draußen. Da schneit es auch nicht rein. Regen gibt es auch nicht. Leider gibt es keinen Rasen da drinne. Kennste unseren Flur zu Hause? Da liegt ein Fußboden an der Erde. Belag sagt man da auch zu. So was in der Art haben wir in unserer Halle. Da darfste keine Fußballschuhe mit Knuddeln drunter anziehen, die Stollen heißen.

Zu unserer Halle sagt man auch Turnhalle, selbst wenn man nicht turnt. So eine Turnhalle ist auch kleiner als unser Fußballplatz. Musste echt aufpassen! Wenn du da voll gegen den Ball knallst, fliegt der Ball hinten an die Wand. Dann ist der Ball im „Aus“, selbst wenn der Ball ins Feld zurück fliegt. Das ist dann blöd, weil die andere Mannschaft dann immer den Ball bekommt und der Torwart Abstoß machen darf.

Bisschen gefährlich ist das mit der Ballerei schon. Man muss immer gut hinschauen, wo der Ball gerade rumfliegt. Das muss man aber erst mal kapieren. Zum Glück spielt man dort mit einem Spezialball. Der ist weicher, als die von draußen und meistens gelb.

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