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Wasser und Croissants

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Inhaltsverzeichnis

Wasser und Croissants

Ich

Die Anderen

Der Plan

Auf und davon

Mordecai

Und weiter

Schlechter Tag

Nochmals von vorne

Julia

Schwere Tage

Todo Loco

Tage gleiten dahin

Von und zu Heinrich

Burgos

Reset

Wiedersehen

Wieder allein

Ischias

Dr. Bums

Graham

Wo sind die Hunde

Langeweile

Jamal

Camino Duro

Der Pechvogel

Böse Menschen

Hunger

Der Sinn des Lebens

Letzte Schritte

Entpilgert

Abschied

Für Gabi,

Benjamin, Viola, Mia und Lucas,

Maximilian und Theresa,

meinem „inneren Kreis“!

Vorwort:

Zuerst an alle die mich kennen. Ich mag keinen Whiskey

Ähnlichkeiten mit meiner großartigen Familie sind gewollt und haben mir das Schreiben erleichtert. Die große Gemeinschaft der Jakobswegpilger möge mir verzeihen, dass ich nicht immer ortsgenau bin, da ich vieles aus dem Gedächtnis oder nach Kurzrecherche aus dem Internet niederschrieb. Mir war der Weg an sich nicht so wichtig, sondern die Storys währenddessen. Die meisten Geschichten habe ich auch erlebt, aber war bei der Niederschrift nicht detailgetreu und habe mich auch, um des Unterhaltungswillens, meiner Fantasie bedient. Ansonsten kann ich jedem, der mit Alltagsproblemen kämpft, nur empfehlen, sich auf Pilgerschaft zu begeben. Es war beide male ein Erlebnis. Gehen Sie alleine oder mit einem Menschen, dem Sie tief vertrauen, weil sehr viel an die Oberfläche kommt, mit dem Sie keinesfalls rechnen. Auf alle Fälle wünsche ich Ihnen alles Gute für den Fall, dass Sie sich entschlossen haben, diese Strapazen auf sich zu nehmen. Sie werden bald erkennen, wie wenig man braucht, um zufrieden zu sein. Da heißt es:

„Back to the Roots!“

Ihr

Ralf Göring.

Ich

Wie erzählt man eine Geschichte? Am besten von Anfang an! Doch wo ist der Anfang? Bei der ersten Zigarette hinter der Mauer unserer kleinen Kirche? Oder war es doch der erste Schluck Whiskey im „Priors Pub“? Keine Ahnung, also fange ich einfach mit mir an und taste mich dann weiter.

Mein Name ist Dr. Jaden Spooner, Allgemeinarzt in Old Basing, ca. 70 Meilen westlich von London. Ich hasse Ignoranz, Arroganz und große Kaffeelöffel.

Einziges Kind von Hillary und James Spooner. Ich bin 54 Jahre alt, 1,67 groß und mit 78 kg auf dem besten Weg, so breit wie hoch zu werden. Seit 30 Jahren mit Mary verheiratet, habe ich mit ihr 2 Söhne, Josh und Jake. Ein Ur-Ur-Ahne kam einmal auf die verrückte Idee, dass die Vornamen aller männlichen Spooners mit dem Buchstaben J beginnen sollen. Und die Spooners zogen das durch. Auch ich wehrte mich nicht gegen diese Tradition. Josh ist 30 Jahre alt und bei der britischen Polizei. Er ist mit Tamara verheiratet und hat eine bezaubernde, 4 Jahre alte Tochter namens Sophie und mit Jason einen kleinen Wirbelwind mit gerade mal 13 Monaten. Jake, mein 2. Sohn, ist Journalist und 25 Jahre alt. Seine Freundin Samantha ist eine hübsche Mikrobiologin und ich hoffe, dass Jake bald mal seine schlaksigen Beine knickt und ihr einen Antrag macht. Das ist der innere Kreis meiner kleinen Welt. Ab dem 40. verlor ich so nach und nach meine Haare und die Freundschaft meines Friseurs.

Mein Ältester sagte zu mir: „Dad, ich kenne Männer deren Haare werden grau und welche, die ihre Haare verlieren, aber bei dir werden sie zuerst grau, dann hauen sie ab!“ Meine Androhung der Enterbung quittierte er mit einem „Hurra! Keine Schulden nach deinem Abtritt!“ Da ich die paar Haare, die ich noch hatte, extrem kurz schnitt, war meine Devise: „Solange es Bruce Willis gibt, kann ich damit leben!“ Nach meiner Assistenzzeit ließ ich mich als Allgemeinarzt in meinem Heimatort nieder. Für die Einrichtung der Praxis nahm ich einen hohen Kredit auf, weil ich nur das Beste vom Besten haben wollte. Übersetzt kann man sagen, ich war blöd wie 2 Meter Stacheldraht. Ich hatte vergessen, dass ich eine Geschichte in diesem Ort hatte und ich lange brauchte, bis ich den Kredit nur ansatzweise zurückzahlen konnte, länger als die Bank warten wollte. Das war der Beginn meiner Problemserie.

Old Basing hat um die 7000 Einwohner und wird von zwei Ärzten allgemeinmedizinisch versorgt. Das wären zum einen meine Wenigkeit und zum anderen mein selbstgefälliger Kollege Dr. „Wunderheiler durch Gottesgnaden,“ Percy Miller in, Gott sei es gedankt, zwei getrennten Praxen. Dieser arrogante Snob ist nicht nur ein äußerst unfreundlicher Zeitgenosse, sondern ein diagnostischer Stümper. Letztens kam die liebe und rüstige Muriel Jenkins mittags zu mir. Normalerweise tauchte sie jeden zweiten Tag in der Praxis auf, dazwischen bei meinem lieben Kollegen Percy. Das heißt, sie ging jeden Tag zum Arzt, obwohl sie nicht krank war, nur einsam. Ihre Devise lautete „jedes Unternehmen im Ort muss unterstützt werden“. Da sie aber gestern bei mir war, wunderte ich mich doch über ihren Besuch.

„Guten Tag Muriel, sollten sie heute nicht bei Dr. Miller sein?“ „Da war ich schon, aber irgendwie kann er mir nicht helfen.“ Ich war etwas erstaunt, da ich ja auch nie etwas diagnostizieren konnte bei ihrer eisernen Gesundheit. „Welche Beschwerden haben sie denn?“ „Gestern Abend bekam ich einen Ausschlag an meinem Hintern, auf der linken Seite, das tut furchtbar weh und juckt.“ Ich konnte mir schon vorstellen, was es war und bat sie sich freizumachen. Während sie ihre Hose nach unten zog, sagte sie: „Dr. Miller meint, ich hätte da eine „arische Anke“ also so Pusteln, die man eigentlich im Gesicht bekommt.“ „Eine was?“ „Fragen sie doch ihren Kollegen!“ erwiderte sie säuerlich. Jetzt konnte ich ihr Dilemma auch sehen. „Muriel, sie haben da eine satte Gürtelrose und die tut natürlich sehr weh. Ich gebe ihnen alles mit was sie brauchen. Ihre Nachbarin soll die Schüttelmixtur täglich zwei Mal auftragen und die Tabletten nehmen sie 3 Mal täglich, früh, mittags und abends.“ Ich ging ans Telefon und rief in der Praxis meines Kollegen an. „Guten Tag, hier ist Spooner, geben sie mir doch bitte mal ihren Boss.“ Ich wartete eine halbe Minute, dann war der Kollege am anderen Ende. „Hallo Jaden, was verschafft mir die Ehre ihres Anrufs?“ „Hallo Percy, Muriel ist gerade bei mir.“ Erstaunt erwiderte Dr. Miller: „Seltsam, die ist gerade bei mir raus. Offensichtlich ist das eine atypische Akne gluteal links.“ Soviel zur „arischen Anke“! „Ehrlich Percy? Haben sie schon mal was von Herpes Zoster gehört?“ „Ach ja, das wäre auch eine Möglichkeit.“ Ich schluckte kurz, „die bessere, würde ich sagen, da Muriel mit 88 schon ein paar Tage aus der Pubertät ist und Akne am Arsch wäre mal was ganz Neues!“

„Na dann gratuliere ich Ihnen, Herr Kollege. Ich ruf dann gleich beim Nobelpreiskomitee an und melde ihre fantastische Diagnose,“ sagte er und legte auf. Ich glühte: „Du verdammtes, selbstherrliches, arrogantes Arschloch!“ brüllte ich in den jetzt leeren Äther. Jetzt erst nahm ich Muriel war, die verblüfft zu mir hersah. „Entschuldigen sie, Muriel, da bin ich wohl gerade etwas zu weit gegangen.“ „Kein Problem, Doktor, dann spare ich mir den Weg zurück zu diesem Quacksalber.“ Sie lächelte trotz Schmerzen und verließ den Untersuchungsraum. Leider musste ich gestehen, dass Percy ein sehr guter Chirurg war. Wobei ich mir einen kleinen chirurgischen Eingriff, zum Beispiel die gefühlte zwanzigste Kopflatzwunde des kleinen Bobby Fawler, schon zutraute. Dank diesem Windbeutel werden meine Nähte deutlich besser. Wenn der so weitermacht, hat er in 5 Jahren mehr Narben als Haare auf dem Kopf und ich kann mich als Neurochirurg bewerben. Also Hände raus aus den Hosentaschen und ab und zu hinschauen, wo der Weg endet. Da sich also mein Kollege mehr auf die Chirurgie konzentrierte, blieben die meisten internistischen Probleme meiner Praxis überlassen. In großen und Ganzen ist meine Klientel jenseits der 50 und hat Magen- Darm- und Herzprobleme. Wobei ich dann auch schon beim Thema bin. Sinnvollerweise war ich ein talentierter Hypochonder. Das hieß, ohne Schweißausbrüche und hysterischen Episoden konnte ich mir nicht den Blutdruck messen. Wie praktisch! Zudem rauchte ich wie ein defektes Kohlekraftwerk und soff Balvenie Single Malt Whiskey, und zwar eine halbe Flasche täglich! Das heizte meine Blutdruckerwartungshaltung ziemlich an. Ich brauchte also den Stress mit Dr. Percy Miller gar nicht, um Herzprobleme zu bekommen.

Als ich Anfang des Jahres wegen starkem Schwindel in die Klinik musste und einen Blutdruck von 220 zu 170 aufwies, durfte ich mir drei Tage von meinen Kollegen einiges zu diesem Thema anhören. Seltsamerweise rauchte und trank ich in diesen Tagen nicht und es fehlte mir auch nicht. Gefunden haben sie auch nichts! Das zeigt aber auch, wie gut Angst und Hypochondrie wirken. Aus der Klinik entlassen, kehrte ich sofort wieder zu meinen alten Gewohnheiten zurück, da ich mich durch die Einnahme von Blutdrucksenkern jetzt auf der sicheren Seite wähnte. Der Unmut meiner lieben Mary war mir sicher. Da sie aber auch selbst eine passionierte Raucherin war, hatte sie schlechte Argumente. Irgendwann musste ich aber dann vor meinen Spiegel treten und sagen: „Hi, Jaden, du bist Alkoholiker.“ Für den Anfang ganz gut, aber da ich ein Weltmeister im Selbstbetrug war, half mir dieses Eingeständnis in keinster Weise.

Die Anderen

Keiner der mich kennt, würde mir außer dem Rauchen eine andere Sucht unterstellen. Nur mein bester Freund Terence wusste von meinem Problem. Wir waren seit Christi Geburt Nachbarn und wie Brüder aufgewachsen. Erst nach der High-School haben sich unsere Wege getrennt. Ich wandte mich der Medizin zu und er machte eine Schreinerlehre, obwohl er immer der hellste Kopf der Schule war und deutlich bessere Noten hatte als ich. Seine Einstellung zum Leben war geprägt vom Individualismus, Pragmatismus und den persönlichen Stärken des Einzelnen. „Du kannst Leben retten und ich bau dir dafür ein Dach über den Kopf!“ war sein, durchaus vernünftiges, Argument. Wo wären alle Denker und Philosophen ohne die Handwerker dieser Welt. Obdachlos auf der Straße! Nein! Es gäbe ja nicht mal Straßen. So stand er auch zu meinem Alkohol- und Nikotinproblem! „Irgendwann schlägt’s auch bei dir ein und dann kommst du in die Gänge.“ Nun, es hat eingeschlagen! Doch was sollte ich tun? Ich hatte kapiert, konnte mir aber nicht helfen. Nach meiner Schwindelattacke und frisch aus der Klinik, ging ich im Nachbarort zu einer Kollegin, die von der Schulmedizin die Schnauze voll hatte und nur noch die klassische Homöopathie vertrat und lehrte. Sie überwies mich zu einem Chiropraktiker, der mit einem schnellen Griff und lautem Krachen meine Halswirbelsäule einrenkte und den Schwindel damit sofort beendete. Das brachte meine heile Medizinerwelt ins Wanken und meine kritische Einstellung zur klassischen Homöopathie auf den Prüfstand. Nach vielen langen, intensiven Gesprächen mit meiner Therapeutin musste ich erkennen, dass eine individuelle Behandlung in der Medizin nur möglich war, wenn ich die Grundproblematiken erkannte. So kann man sich selbst und auch allen anderen eindeutig besser helfen. Problematisch ist hierbei nur der Zeitbedarf. Während ich nie unter einer Stunde aus der Praxis meiner Kollegin ging, habe ich selbst höchstens 10 Minuten für meine Patienten oder ich könnte nach einem Jahr die Praxis schließen. Wobei meine Kollegin nur Privatzahler behandelt und ein großzügiges Honorar verlangt. Das hieß auch, dass sich die meisten Menschen eine sinnvolle Behandlung gar nicht leisten können. Ist das so sinnvoll? Produziere ich ungewollt chronisch Kranke für den gierigen Schlund der Pharma? Und werde ich deswegen gegen alle Vertreter der Naturheilverfahren gehetzt? Und schon wieder ein Problem mehr! Mein Weltbild veränderte sich in der Zeit von Tag zu Tag. Keine Woche verging ohne Nachrichten von Terror und Gewalt. Ich schaute in die Glotze und nahm war, was mir präsentiert wurde, ohne die Möglichkeit zu erkennen, ob ich hier auch so manipuliert wurde, als würde ich Werbung sehen. Aber ich erkannte auch, dass wir alle hier in Europa in einer Blase leben, die jederzeit platzen konnte. Und der Terrorismus war nur eine von vielen Nadeln, die immer wieder versuchten, diesen Ballon zum Bersten zu bringen. Mein Nachbar, Kemal, war praktizierender Moslem und ein feiner Kerl. Ich beobachtete, wie er von Tag zu Tag verzweifelter wurde. „Glaub mir, Dr. Jaden,“ so nannte er mich, seit er mich kannte“, die, die das tun, sind keine Moslems.“ Ich versuchte immer ihn zu beruhigen, aber mit jedem Anschlag wurde er trauriger und zog sich mehr und mehr zurück. Auch seine Frau und Tochter sah ich nur noch sehr selten. Das war das Produkt dieser Zeit.

Eine Gruppe wird an den Rand gedrängt und die andere radikalisiert. Das nenne ich erfolgreiche Terrorpolitik. Eigentlich war das kontraproduktiv, weil ich immer mehr Gründe fand, um mich in mein Kämmerchen zu verziehen, ein Glas Whiskey nach dem anderen zu trinken und jedes neue Glas mit einer Zigarette zu begrüßen. Soff ich mir die Welt schön? Wahrscheinlich! Dann aber sah ich meine kleine Sophie und ihren Bruder Jason, die Kinder meines Ältesten, Josh, und blicke in glückliche Kinderaugen und lachende Gesichter. Ich hatte überhaupt keinen Grund für Bitterkeit. Ganz im Gegenteil. Zwei tolle Söhne, die mich jeden Tag stolz machen. Beide in sehr glücklichen Beziehungen mit hübschen, klugen Frauen und diese beiden Kleinen, die mein hochdruckgeplagtes Herz springen ließen vor Glück. Und da war noch Mary, meine geliebte Frau, die es einem eigentlich unmöglich machte, unglücklich zu sein. War das der Grund? War ich zu blöd, um glücklich zu sein!? Von was ist Zufriedenheit abhängig? Von der Erkenntnis derselben? Als vor zwei Jahren meine liebe Jack-Russel Dame Sally plötzlich starb, brach ein großes Stück heile Welt aus meinem Leben und ich bedauerte zutiefst, dass ich nicht erkannt hatte, was für ein sorgloses Leben ich bis dahin führte. Ich bekomme noch heute einen Kloß im Hals, wenn ich an die großen Augen denke, die mich anblickten und mich anflehten etwas zu unternehmen um ihr zu helfen. Da wurde mir bewusst, wie zufrieden ich hätte sein müssen, weil ich bis zu diesem Zeitpunkt alles hatte, was notwendig war, um nicht nur glücklich, sondern selig zu sein. Ich konnte ihr nur beim Sterben zusehen und als ich das auch nicht mehr konnte, holte ich den Tierarzt, um ihr Leid zu beenden. Diese Hilflosigkeit werde ich nie wieder vergessen.

Ab diesem Zeitpunkt eskalierten auch meine Suchtprobleme. Ich trank niemals, wenn andere Menschen um mich herum waren. Vielleicht ein Bier auf einer Party, aber nie mehr, und schärfere Sachen sowieso nicht. Zuhause im Wohnzimmerschrank stand immer eine Flasche Balvenie, die blieb da stehen und wurde jeden zweiten Tag gegen eine volle ausgetauscht, denn die Dosis war immer eine halbe Flasche. Niemals mehr, selten weniger und immer zwischen 20 und 24 Uhr. Wenn ich aufhören wollte, fand ich immer einen Grund, um weiter zu trinken. War es ein ruhiger Tag, fand ich einen Anlass mich dafür zu belohnen. War der Tag stressig, hatte ich ja einen Grund. Ich war morgens gerädert und schwor einen Tag mindestens auszusetzen, um dann vollkommen regeneriert abends wieder eine Flasche zu öffnen. Nach einiger Zeit zog sich die bleierne Müdigkeit aber über den ganzen Tag und ich merkte, dass ich unkonzentriert wurde. In meinem Job einfach zu gefährlich. Das hieß, ich hatte sofort was zu unternehmen! Doch was? Ich musste mit Terence sprechen. Dem fiel immer was ein. Als wir uns eines Abends im „Priors“ trafen, sah Terence sofort, dass es nicht einer unser üblichen Abende würde, sondern deutlich ernster. „Ich muss mit dir sprechen, Terence, es kann so nicht weitergehen, ich habe aber keine Ahnung, wie ich einen Entzug durchziehen kann, ohne dass meine Leute irgendetwas bemerken. Und Fakt ist, sie dürfen nichts merken!“ „Schade,“ erwiderte er, „sie könnten dir helfen und du brauchst Hilfe von anderen.“ „Ich habe nichts gegen Hilfe von Anderen, aber auf keinen Fall von jemandem, der mich kennt! Eher lass ich mich aus irgendeinem Grund stationär einweisen.“ Ich war nun leicht genervt, weil ich merkte, dass Terence vollkommen Recht hatte.

„Du musst auf alle Fälle weg, aber wenn du dein Problem alleine regeln willst, darfst du nicht in eine Klinik gehen, weil dich deine Leute besuchen wollen und dann sofort erkennen, in welcher Einrichtung du dich befindest!“

„Du hast recht! Ich muss weg! Aber wie verkaufe ich das Mary? Wir waren seit 30 Jahren nie länger als drei Tage getrennt und jedes Mal waren wir dabei in einer Klinik. Mary zweimal, als sie meine Jungs bekam, und ich, als ich meine Krise mit dem Schwindel hatte!“

„Du machst es einem schwer! Aber mir fällt schon was ein“ Der restliche Abend war dann ein einziges Grübeln über mein Problem, aber die Lösung kam erst sehr viel später. Die Tage zogen an mir vorbei wie in Zeitlupe. Die Praxis lief, auch dank meiner Praxishelferinnen, sehr gut und ich konnte mich nicht über zu wenig Arbeit beschweren. Doch das Gefühl, vollkommen ausgebrannt zu sein, blieb und wurde stärker. Doris, meine leitende Arzthelferin, die nun schon hundert Jahre bei mir arbeitete, gefiel meine Verfassung gar nicht. Sie hasste Schwächen und benahm sich auch entsprechend. Ich konnte nichts mehr richtig machen. Jedes Formular, das ich ausfüllte, hielt sie mir wieder unter die Nase, um ein Kreuz zu ergänzen oder ein Komma zu setzen. Das war ihre subtile Art, mir zu zeigen, dass sie gerne ihren alten Boss wiederhaben möchte. Leider zog sie damit die Praxis noch mehr runter und allen fiel die Arbeit sehr schwer. Sogar unser Sunny Girl Heather, die eigentlich nichts aus ihrer Gutelaunebahn wirft, wurde immer missmutiger. Gelegentlich teilte ich meiner Praxisleiterin auch mit, was ich von ihrer Erbsenzählerei hielt, wurde aber ein ums andere Mal ignoriert.

Ich beschloss daher, meinen Kolleginnen einen längeren Urlaub anzukündigen. Die Reaktionen waren unterschiedlich schlecht. Heather hatte Angst, ich würde vorzeitig in Rente gehen, Doris strafte mich mit Schweigen, Jenny, meine Laborantin, freute sich, da sie meinte, auch in einen langen Urlaub zu gehen. Nur Lilly, unsere Azubine, hatte wie üblich keine Meinung. Heather beruhigte ich mit dem Hinweis, dass sich kein Mensch mit 54 zur Ruhe setzen kann. Doris ignorierte diesmal ich und Jenny erlebte eine tiefe Enttäuschung, als ich ihr mitteilte, dass ich natürlich vertreten werde. Jetzt hatte ich aus purer Verzweiflung einen Stein ins Rollen gebracht, den ich nicht mehr aufhalten konnte. Noch dazu musste ich jetzt schnell handeln, da Old Basing ein Kuhdorf ist. Wenn ich Pech hätte, würde Mary diesen Plan erfahren, bevor ich zum Mittagessen nach Hause kam.

Der Plan

Meine Rettung kam just in diesem Moment in mein Sprechzimmer und es war mal wieder Terence. Seine Lösung war aber so bizarr, dass ich in ein hysterisches Lachen verfiel. „Du musst pilgern!“ Als ich mich wieder gefangen hatte, sah ich ihn an und sagte: „hast du was getrunken? Ich gehe selten in eine Kirche und habe auch nicht vor das zu ändern!“ Aber Terence blieb ganz cool, eben Terence: „Du glaubst doch an Gott, oder?“

„Ja sicher! Obwohl ich in der Namenswahl durchaus flexibel bin, glaube ich, dass da draußen irgendjemand ist!“

„Na dann kannst du doch pilgern! In Spanien gibt es den Jakobsweg nach Santiago de Compostela, den du mit anderen Pilgern, aber auch alleine für dich, gehen kannst. Ich habe gehört das kann jeder.“

„Ich soll tatsächlich, mit den ganzen katholischen Pseudochristen, über 100 km durch halb Spanien marschieren, ohne einen Tropfen Alkohol?“

„Es sind 800 km, durch ganz Nordspanien und Ja! das wäre der Plan“

Ich konnte meinen offenen Mund nicht schließen. „Das kannst du knicken!“ Doch Terence blieb hart. „Überleg doch mal,“ salbaderte er weiter, „du musst weg! Du bist zu dick!“ „Ja, vielen Dank!“

„Nein, versteh doch! Du brauchst Zeit, Anonymität und eine Infrastruktur auf dem langen Weg. Und ganz im Ernst, ein bisschen Bewegung schadet dir wirklich nicht!“ Knurrig erwiderte ich: „Du hast Glück, dass du mein bester Freund bist, sonst gäbe es jetzt nen Kieferbruch!“ „Und zwei Köpfe größer,“ grinste Terence breit. „Ich würde aber noch weitergehen, wenn ich du wäre.“ „Wie? Weiter als bis Santiago de Schlagmichtot?“ fragte ich etwas blöde nach.

„Nein! Im übertragenen Sinne“, belehrte mich Terence. „Wenn du in den kalten Entzug gehst, solltest du eine Diät machen, damit die Giftstoffe aus deinem Fettgewebe befreit werden.“ „Grüß Gott Dr. Tyler! Darf ich fragen, wo und wann sie promoviert haben“ erwiderte ich säuerlich, obwohl er vollkommen Recht hatte, aber das wollte ich ihm nicht auch noch auf die Nase binden. „Und Dr. Tyler, wie soll diese Diät dann aussehen?“ Er grinste nur ob seines neuen Titels und erwiderte, „mach es wie die Strafgefangenen im Mittelalter, die wurden bei Wasser und Brot eingekerkert. Da brauchst du unterwegs nicht teures Zeugs kaufen und komplizierte Pläne beachten. Viel trinken und wenig essen. Das klappt sicher.“

„Du weißt schon, wie viele Gefangene damals ihren Kerkeraufenthalt überlebt haben?“ konterte ich. „Aber dieser vollkommen verrückte Plan hat was. Wahrscheinlich, weil der genauso durchgeknallt ist wie du und ich.“ Ich war die ganze Nacht wach und wälzte mich von einer Seite auf die andere. Ich vergaß diesen Abend sogar das Trinken und das wollte was heißen. Am nächsten Tag konnte ich das Ende der Sprechstunde gar nicht erwarten und war froh, keine Hausbesuche machen zu müssen. Ich stürzte mich aus der Praxis, was Doris wieder eine Zornesfalte mehr auf ihrer Stirn einbrachte und klinkte mich zuhause sofort ins Internet ein. Unter dem Suchwort „Jakobsweg“, explodierte mein Bildschirm geradezu. Ich suchte nach Literatur und meine Wahl fiel auf Shirley MacLaine, einen Spanier namens Paolo Coelho und einen deutschen Komiker. Ich war fasziniert, was einen berühmten Star wie Shirley MacLaine auf so eine Idee brachte, so einen Blödsinn zu machen.

Ich bestellte mir die Bücher der drei Protagonisten und stöberte noch ein bisschen im Internet. Die Meinungen zum Thema Jakobsweg gingen sehr weit auseinander und man konnte an manchen Eintragungen schon erkennen, dass da sicherlich auch Menschen unterwegs waren, die tatsächlich glaubten, von allen Sünden befreit zu werden, wenn sie in Santiago ankommen. Wie blöd kann man sein? Dieses Angebot war so typisch für die katholische Kirche, dass ich gute Lust hatte, diesen Weg nicht weiter zu verfolgen. Ich musste aber auch aufhören, alles persönlich zu nehmen und fing praktisch hier damit an. Ich mag die große Literatur nicht besonders. Ich musste mich mit Goethe, Shakespeare und Konsorten herumschlagen, solange ich lernte und studierte, aber an sich lag mein Interesse mehr an der Trivialliteratur. Harry Potter habe ich verschlungen, nachdem mich mein damals 10-jähriger Jake, zu 50 Seiten des ersten Bandes überredete. „Du musst nur 50 Seiten lesen, dann weißt du, ob du ein Buch magst oder nicht“, meinte mein kleiner Philosoph. Er hatte Recht. Seit der Zeit machte ich es immer so, bevor ich ein Buch in die Ecke warf. Ich las 50 Seiten von Harry Potter und war begeistert. Ab der Zeit musste ich die Neuerscheinungen a. mit 24 Std. Service bestellen und b. immer drei Stück pro Band, sonst hätte es Mord und Totschlag im Hause Spooner gegeben. Also hatte ich auch kein Problem, die Wegbeschreibungen von drei so unterschiedlichen Menschen ein paar Tage später zu lesen. Shirley McLain machte mir Angst mit ihrer Darstellung und auch etwas befangen, weil ich erkannte, dass sie auch nicht alle Semmeln in der Box hatte. Paolo Cohelo war der eher transzendente Wanderer, auf einem ganz anderen Weg, den ich zu keinem Zeitpunkt auch nur ansatzweise verstand.

Da war es mit dem deutschen Komiker, Hape Kerkeling, was ganz anderes. Der hätte im Laufe des Buches nicht erwähnen müssen, dass er schwul ist. Jeder Leser hat das nach den berühmten 50 Seiten erkannt. Ich muss aber sagen, dass sein Buch das unterhaltsamste von allen war. Am Anfang hatte ich Mitleid, und er erzählte voll Gefühl und Humor. Schlussendlich wurde er aber mit der Zeit albern und respektlos. Kurzum, ich wusste, von wo nach wo ich gehen müsste, aber ansonsten war ich nicht schlauer nach der Lektüre. Mein Spanisch war nicht mal rudimentär vorhanden. Holla und Ole gingen mir akzentlos über die Lippen, aber beim Buenos Dias hörte man schon den Inselaffen. Jetzt hatte ich nur noch das wichtige Gespräch mit Mary vor mir. Mitte Juni nahm ich sie dann zur Seite, setzte eine bitterernste Miene auf und begann mit der größten Lüge, die ich ihr jemals aufgetischt hatte. Nicht mal übertroffen von dem Lackschaden am Auto, den ich ihr unterschob, obwohl ich die Garage nicht getroffen hatte. „Mary, ich muss mit dir sprechen!“ „So ernst? Was ist denn los?“ Sie schaute mich erstaunt an. Ich hatte mir jedes Wort eingeprägt, das ich sagen wollte und trotzdem schlotterten mir die Beine wie beim Staatsexamen. Meinen angekündigten Urlaub nahm sie damals erfreut auf. „Ich brauche eine Auszeit!“ Ihre Augen weiteten sich und ich fügte schnell hinzu, „nicht von dir, Dummerchen, ich muss weg von der Praxis und den Patienten!“ Sie erwiderte etwas erstaunt: „das verstehe ich, aber das können doch wir beide zusammen machen!“ Jetzt verschlug es mir die Sprache, wie sollte ich hier jetzt argumentieren? „Versteh mich nicht falsch“, stotterte ich nun herum, „aber ich fühle mich ausgebrannt. Ich muss meinen Weg wiederfinden und ich glaube, das kann ich nur alleine“.

„Das verstehe ich nicht, Jaden, willst du sagen, du hast ein Burn Out?“ Sie wusste, ich hasste das Wort, weil es missbraucht wurde und die wirklich Betroffenen vollkommen falsch erscheinen lässt. Trotzdem nutzte ich ihren Steilpass und machte das Tor. „Ich fürchte ja!“ Ihre Augen wurden groß und feucht. „Wieso hast du nie etwas gesagt? So etwas muss eine Ehefrau wissen!“ Ich duckte mich etwas unter ihrem Blick, log aber tapfer weiter. „Ich habe es selbst erst erkannt und möchte mir selbst helfen, indem ich pilgern gehe.“

„Du gehst was?“ Ich war mir sicher, dass sie sich zusammenreißen musste um nicht los zu prusten. „Ja pilgern! Hier habe ich die Möglichkeit meine Gedanken zu sammeln und meinen weiteren Weg zu finden“, kam es pathetisch aus meinem doch normalerweise so unpathetischen Mund. „Und jetzt meinst du, wenn du, absolut unkirchlicher Mensch, nach Jerusalem rennst, dann lösen sich deine Probleme in Luft auf?“ „Wer sagt denn etwas über Jerusalem? Ich bin doch nicht lebensmüde,“ schoss es aus mir heraus. „Nein! ich möchte nach Spanien auf den Jakobsweg.“ „Tut mir leid Schatz, aber jetzt kapiere ich gar nichts mehr.“ Mary war wirklich perplex und ich erzählte ihr von Terences Idee, natürlich ohne die eigentlichen Fakten, aber den Büchern die ich gelesen hatte. Besonders hob ich das Buch des Deutschen hervor, den Mary seltsamerweise kannte, „der wurde von einer Engländerin begleitet, ich habe ein Interview mit ihr gesehen“. Ich erzählte ihr von der Krankheit des Entertainers und seine Lösung. Und tatsächlich! Dank diesem linksdrehenden Deutschen, konnte ich sie tatsächlich überzeugen und Terence bekam kein Hausverbot.

Am folgenden Wochenende weihten wir unsere Söhne samt Anhang in meine Pläne ein. Nachdem meine Söhne sich genug am Boden gewälzt hatten, waren sie der Vernunft wieder zugänglich. Ich muss aber zugeben, dass es mir nicht anders ergangen wäre. Ich, der außer zu Hochzeiten oder Taufen bzw. Beerdigungen, nie in die Kirche ging, auf einem Pilgerpfad zu wähnen, trieb auch mir die Tränen in die Augen. Nun, jetzt war es mal so, da musste ich durch. Meine Söhne waren auch erstaunt, hinsichtlich der Aussage über meinen Burn-out. Auch sie wussten ganz genau, wie kritisch ich zu dieser Diagnose stand. Gott sei Dank, musste ich mich nicht erklären. In dem Fall hätte ich wenige Argumente gehabt. Ich erklärte den 14. September zum Antrittsdatum, damit wenigstens das mal feststand. Die Suche nach einer Vertretung war da schon schwerer. Letztendlich konnte ich über den Hausärzteverbund einen älteren Kollegen als Vertretungsarzt gewinnen. Groß, hager und mürrisch stellte sich Dr. Souther im Juli in der Praxis vor. Er war uns allen vom ersten Augenblick unsympathisch und im Stillen war ich ganz froh, weil sich meine Belegschaft und Patienten dann wieder auf mich freuten. Ich weiß das ist sehr egoistisch, aber man wird gerne vermisst und Altruist konnte ich später wieder werden. Sogar Doris, meine Vorzimmerfee, war wieder ganz fürsorglich. Sie dachte wohl, mit der neuen Vorgehensweise könnte sie meine Reisepläne zu Fall bringen. Ich genoss diesen Zustand und verlor ab da keinen Ton mehr bezüglich meines Vorhabens. Drachen, die schlafen, spucken kein Feuer. Mary überraschte mich mit einem Geschenk. Ein riesiger Rucksack stand in der Küche und ich schluckte schwer, als mir bewusst wurde, was da reinpasst. „Glaubst du wirklich, dass ich so einen Riesen brauche?“

Mary lachte: „Was glaubst du eigentlich, was man braucht, wenn man 4 Wochen durch die Gegend watschelt?“

„Was heißt hier „watscheln“? Du meinst wohl „schweben?“ feixte ich. „Nein mein Schatz, du watschelst wirklich wie eine Ente. Deine Plattfüße lassen eine andere Gangart gar nicht zu“. Jetzt war ich wirklich beleidigt. „Du bist gemein. Jeder Mensch hat Plattfüße, mehr oder weniger.“ „Bei dir eher mehr,“ setzte sie noch einen drauf und lachte. Sollte ich mir sicherheitshalber noch Einlagen mitnehmen? Nein! Bin doch kein Waschlappen. Ich kann Schmerzen ertragen! Gehört wahrscheinlich sogar dazu. „Leicht gedacht, schwer gemacht“ konterte mein Unterbewusstsein. Seid jetzt beide still, befahl ich Weib und Unterbewusstsein ohne Worte. Tatsächlich reichte für Mary mein wütender Blick. Mir selbst aber hallten meine eigenen Gedanken noch lange durch den Kopf. Ich schnappte mir den Rucksack und betrachtete seine vielen Außentaschen einschließlich Flaschenhalterungen. Das waren alleine schon zwei Kilo, wenn ich auf beiden Seiten Trinkflaschen steckte. Ich nutzte wieder mal das Internet und schaute nach, was man so alles mitnehmen sollte. Erstaunlich, an was man alles denken muss. Die Liste war ellenlang und manches erschloss sich mir nicht. Tapfer folgte ich aber der Liste und stopfte alles, was empfohlen wurde in dieses bodenlose Gefäß. Die Waage zeigte 13 kg. Das ist ja gar nichts, sinnierte ich vollkommen falsch, da sich dieser Gedanke in einem gotteslästerlichen Fluch auflöste, als ich den Rucksack auf meinen Rücken hievte. Wie weit war gleich wieder die Strecke? 800km! Auf-oder abgerundet? „Ab Morgen wird trainiert“! War meine erste Reaktion auf diesen Schock. Getan habe ich das natürlich nicht.

Ich versteckte nur den Rucksack. Es reichte, wenn ich ihn am Reisetag finden würde. „Du brauchst noch ein Credencial,“ teilte mir Mary vier Wochen vor Reisebeginn mit. „Ein was?“ „Einen Pilgerpass!“ „Mit Foto?“ „Mach dich nicht lustig darüber! Ohne das Ding kommst du in keine Unterkunft.“ Das war mir jetzt vollkommen neu. „Und, Miss Schlaumeier, wie komme ich an das Ding?“

„Miss Schlaumeier war im Internet und hat dir das Ding bestellt! In ein paar Tagen wird es hier sein, dann kannste ja dein Foto reinkleben,“ konterte sie elegant und machte mich im Handumdrehen zum vollkommenen Deppen. Auch mein Kumpel Terence ließ es nicht an guten Tipps mangeln. „Du musst dir noch einen Stein suchen.“ Jetzt war ich wirklich verwirrt, „einen Stein? Was soll ich denn damit?“

„Den legst du am Cruz Ferro ab, der symbolisiert deine Last, die du mit dir herumschleppst!“

„Wie dramatisch! Stell dir vor, das würde jeder machen, dann hätten die einen Berg voll Steine bei, wie heißt das Ding gleich wieder?“

„Cruz Ferro, eisernes Kreuz, und da ist tatsächlich schon ein beträchtlicher Berg entstanden!“ „Die spinnen, die Pilger“ zitierte ich etwas verzerrt meinen Lieblingsgallier.

„Du meinst also, ich soll mir zu den 13 Kilo in meinen Rucksack auch noch einen Stein legen“ „Ja, das meine ich. Wenn schon dieses Programm, dann das Volle!“

„Das macht dir Spaß, oder?“ Ohne Ohren hätte er rundum gegrinst.

„Und wie! Ich glaube, das hast du dir verdient. No pain, no glory!“

Wie ich seinen Sarkasmus hasste. „Hast du dir eigentlich schon Wanderschuhe gekauft?“ Verdammt! Das hatte ich total vergessen. „Ne, aber das werde ich heute noch nachholen!“ War aber gar nicht so einfach, die richtigen Schuhe zu finden. Nach eingehender Beratung und einem meilenweiten Marsch durch das Schuhgeschäft, mit 20 verschiedenen Tretern, hatte ich nach zwei Stunden endlich ein Paar gefunden das mich nicht nach 10 Metern drückte. Blasenpflaster!! Ich muss dringend Blasenpflaster besorgen. Die guten Ratschläge in meinem neuerworbenen Pilgerführer hinsichtlich der Vorsorge oder Behandlung von Marschblasen, waren nicht nur vollkommen dämlich, sondern teilweise gefährlich. „Ziehen sie mit einer Nadel einen Faden durch die Blase und belassen sie diesen darin, so kann die Flüssigkeit langsam entweichen“ Das hieße, ich öffne eine sterile, geschlossene Läsion und baue den Keimen eine schöne Leiter! Geht’s noch? Und ich werde mir meine Füße auch nicht mit Melkfett einschmieren. Ich bin mir sicher, die stinken auch ohne Unterstützung. Ich stellte mir also meine Pilgerapotheke selbst zusammen. So! Mein Rucksack war jetzt zum Bersten voll. Zudem hatte ich außen noch eine Isomatte geklemmt. Die nahm ich nur mit, weil Mary darauf bestand. Ich hatte nicht vor, draußen zu übernachten. Ihr Argument hierzu überzeugte mich.

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