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Was uns antreibt

Für Christine

Liebe ist in erster Linie eine Auseinandersetzung mit sich
selbst die dazu führen kann, sich zu verlieren. Nicht verloren zu
gehen gelingt aus vielen Gründen besser zu zweit, u.a. wegen
der Liebe.

Leicht veränderte 2. Auflage von Gedanken über das Menschsein Teil I Ein Anfang (4), im September 2018

Inhalt

DAS BUCH

EINLEITUNG

ANMERKUNG ZUR ZWEITEN AUFLAGE

EINORDNUNG

KAPITEL 1 ANGST

These

Die Todesangst

Die Versagensangst

Die Existenzangst

Schlussfolgerung Angst

KAPITEL 2 LUST

These

Lust und schöpferische Tätigkeit

Lust und Sport

Lust und Sexualität

Schlussfolgerung Lust

KAPITEL 3 ESSEN & TRINKEN

These

Hunger und Durst nüchtern betrachtet

Geographie von Essen & Trinken

Essen & Trinken Ein moralischer Appell

Schlussfolgerung Essen & Trinken

KAPITEL 4 GESELLIGKEIT

These

Geselligkeit als Ausdruck von Werden und Bewältigen

Schlussfolgerung Geselligkeit

KAPITEL 5 ZUSAMMENFASSUNG

LITERATUR

DANKSAGUNG

DER AUTOR

Das Buch

Warum schreibt man eigentlich Bücher, von denen man nicht sicher sagen kann, dass sie irgendjemanden interessieren? Vielleicht ist diese Frage von vielen anderen Autoren viele Male bereits beantwortet worden, ich weiß es nicht. Mir stellt sich diese Frage eigentlich nicht, denn ich schreibe nicht um damit ein bestehendes Interesse zu bedienen. Ich stelle kein Produkt her, das eine Kundschaft hat, sucht oder zu finden beabsichtigt. Ich schreibe, um mir über etwas Klarheit zu verschaffen. Was ich geschrieben habe, kann ich archivieren, kann ich wieder hervorholen und nachlesen. Darin besteht der Zweck meines Tuns, mir zu jedem Zeitpunkt in der Zukunft die Vergangenheit meiner Gedanken zurückzuholen, die sonst wahrscheinlich in dem, was die Neurologen Unterbewusstsein nennen, untergegangen, ggf. aus Gründen biologischer Zweckmäßigkeit sogar entsorgt worden wären. Ein anderer Zweck meines Schreibens ist es, bestimmte Gedanken, die durch das Beobachten meines und anderer Menschen Leben ausgelöst wurden, „ordentlich“ zu Ende zu führen. Auf diese Weise finde ich besser zu einem Neuanfang für das Aufschreiben von Gedanken über weitere Erscheinungen des Menschseins. Irgendwie imitiere ich – ungewollt, glaube ich – damit den Ablauf unseres Daseins, das ganz und gar diskontinuierlich stattfindet, weil im „realen“ Leben nicht eine Erkenntnis auf einer anderen aufbaut.

Obwohl dieses Buch also ursprünglich nicht geschrieben wurde, um von anderen gelesen zu werden, habe ich entschieden, meine Gedanken öffentlich zu machen. Andernfalls wären sie mein Beitrag zum großen Schweigen auf dieser Welt geblieben, in der von den falschen schon zu viel geschwiegen wird.

In diesem Buch stelle ich im Wesentlichen Gedanken über vier, wie ich meine, wichtige Antriebskräfte vor, die unserem Erleben zugrunde liegen und bewerte ihre Bedeutung aus meiner Sicht. Warnend möchte ich klarstellen, dass ich keine neue Gewissheit über diese Welt anzubieten habe, dass sich dieses Buch nicht als x-te Kulturkritik versteht. Es soll nicht mehr als ein Zwischenruf, jedoch ein lauter, sein. Außerdem wird dieses Buch der Versuch sein, einen Anfang zu finden für weitere heftige Einmischungen. Ich kann daher schon jetzt versprechen, dass weitere Bücher folgen werden, um die von meinen Gedanken ausgelösten neuen Gedanken „ordentlich“ zu Ende zu führen.

Einleitung

Tausend und ein Ding bewegen unser Leben, scheinen uns wichtig und wert, gesagt zu werden, und sind doch so schwer zu sagen, weil die Ordnung fehlt, mit der das Sagenswerte in Sätze gefasst werden kann. Wir quälen uns mit Formulierungen, aus ganz verschiedenen Gründen, und am Ende ist dann doch nur Schweigen. Das Ungesagte dominiert die Welt, die Lüge, die Resignation, die Eitelkeit und die Faulheit, Gedanken im Zusammenhang mit ihren Auslösern zu erinnern. Das viele, das gesagt (geschrieben) wird ist oft so oberflächlich, so untief, dass es Schmerzen verursacht. Aber weil es so enorme Dimensionen angenommen hat, fragt sich der Denker, ob es der Mühe wert ist, sich Gehör zu verschaffen. Deshalb - glaube ich - ist so viel Schweigen, gehen wichtige Gedanken verloren, verlieren wir etwas, was unsere Kultur ausmacht: Neugierig sein, Fragen stellen, Fakten sammeln und prüfen, antworten und handeln, in meinen Augen die Grundprinzipien kognitiver Prozesse.

Es scheint doch so einfach, so klar. Dass das auch stimmt, möchte ich mit Ihnen gemeinsam „verfolgen“. Sie werden noch merken, dass ich hier und da ungewöhnliche Wortschöpfungen benutze, um verständlich zu machen, was man vielleicht auch anders, vielleicht gebildeter, vielleicht umständlicher sagen kann. Ursprünglich wollte ich, nachdem die Entscheidung zur Veröffentlichung gefallen war, dieses Buch als Mitarbeitsbuch gestalten. Ich hatte die Idee, dass die Leser dieses Buch mitschreiben. Diesen Ansatz habe ich jedoch verworfen, weil ich finde, dass man für das Ergebnis von Nachdenken, also seine eigenen Gedanken die Verantwortung übernehmen muss. Diese Verantwortung lässt sich nicht delegieren. Einsichten als Resultat kritischen Nachdenkens sind immer abhängig von persönlichen Eindrücken und Erfahrungen. Das erlebte Leben ist sozusagen der „Bewusstseinsfilter“, der die Einmaligkeit unseres Urteils bewirkt. Ich kann es daher nicht zulassen, meine Gedanken quasi als Blaupause zur Orientierungsgrundlage für das sich-Gedanken-machen meiner Leser anzubieten. Weder neige ich zur Selbstüberschätzung noch verstecke ich mich hinter anderen Meinungen und Sichtweisen. So gesehen ist dieses Buch der Versuch einer Positionsbestimmung zwischen Resignation und Eitelkeit, ein mühevoller jedoch lohnender und zeitweise auch Freude erzeugender Prozess.

Die kapitelweise behandelten Themengebiete sind so gestaltet, dass sie mit einer These beginnen, die falsch sein kann, Kommentare beinhalten, die unangemessen oder unvollständig sein können, und Konklusionen vorschlagen, die ich für wichtig halte. Meine Konzeption lässt die Bezugnahme auf bereits publiziertes (abgesehen von ganz wenigen Ausnahmen) nicht zu. Es ist also keine „wissenschaftliche“ Auseinandersetzung mit dem Ziel, das schon einmal Veröffentlichte zu bewerten um es danach noch einmal anders zu sagen. Es geht also ausschließlich um die Überwindung der Faulheit, eigene Gedanken niederzuschreiben und dafür die „richtigen Worte“ zu finden.

Bernd Renner

Gevelsberg im März 2018

Anmerkung zur zweiten Auflage

Es ist Zeit vergangen, seitdem dieses Buch zum ersten Mal gelesen wurde. Die meisten Leser waren Freunde und Bekannte, die mich vermutlich mit ihrer Kritik geschont haben. Außer Verbesserungsvorschlägen für den Titel (jetzt verändert) sowie den Buchumschlag und Hinweisen auf eine ganze Reihe von Tippfehlern erreichte mich vornehmlich Lob. Damit dieses Lob mich bei der Erstellung meines zweiten Buches beflügelnd unterstützt, muss ich dieses erste mit dieser zweiten Auflage ordentlich abschließen. Am Text der Erstausgabe wurde mit ganz wenigen Ausnahmen nichts verändert. Die wenigen Ausnahmen repräsentieren hinzugefügte oder weggelassene Worte, eventuell leicht umgestellte Formulierungen, die allesamt dem Zweck dienen, die Verständlichkeit zu optimieren. Die Aussage jedenfalls ist gleichgeblieben.

Bernd Renner

Gevelsberg im September 2018

Einordnung

Die wichtigen Antriebskräfte, die unser (Er)Leben entstehen lässt und gleichzeitig eingrenzt, haben alle „Erinnerungscharakter“ an unsere evolutionäre Herkunft. Darauf müssen wir kapitelweise zurückkommen, um uns von der Illusion zu trennen, wir seien – jeder für sich und als Art auf dieser Welt – einmalig. Wenn dieser Versuch, den ich hier unternehme, etwas bewirken soll, dann vor allem zu der Bescheidenheit zurückzufinden, die so sträflich, arrogant und selbstvergessen als Relikt vergangener Zeiten abgetan wird. Ja, wir müssen alle viel bescheidener werden, der erreichte Evolutionsstand unserer Art taugt nicht für große Entwürfe einer endlichen Glückseligkeit, geschweige denn zu einer Daseinsberechtigung mit Garantie auf „Unendlichkeit“ (falls dies die Kirchen mit „ewigem Leben“ meinen).

Der Reisefahrplan für die Gedanken, die in diesem Buch vorgestellt werden, soll durch eben diese Antriebskräfte bestimmt sein.

In vier Kapiteln werde ich meine Gedanken über Angst, Lust, Essen & Trinken und Geselligkeit zusammentragen. Die innerhalb der Kapitel vorgenommene Aufteilung ist willkürlich, jedoch gewollt. Eine abschließende Gewichtung der Gedanken (Schlusskapitel) erfolgt mit der Absicht, mögliche Überlappungsbereiche zwischen den Antriebkräften sichtbar werden zu lassen. Diese Erklärung zur Struktur des Buches soll ausreichen, um meine Reise zu beginnen.

Kapitel 1 ANGST

These

Die Dimension von Angst reicht von „Urangst“ bis „ängstliche Verfasstheit“ oder Furchtsamkeit. Egal in welcher Ausprägung ist Angst immer das Gegenteil von Freude und beherrscht unsere Gedanken tiefer und nachhaltiger als Freude. Menschen sind „Angstwesen“. Freude wird immer nur kurz erlebt und kann sogar Auslöser für neue Angst sein – die Angst, keine Freude mehr zu haben. Intensität und Häufigkeit erlebter Freude unterscheidet Sanguiniker von Melancholikern. In Abhängigkeit vom Lebensalter und von Lebensumständen können beide Charaktere innerhalb ein und desselben Individuums ineinander übergehen.

Angst kann nützlich sein, uns vor folgenschweren Fehlentscheidungen bewahren. Im Großen und Ganzen jedoch beherrscht Angst unsere Gedanken, ohne nützlich zu sein und ist die vermutlich wichtigste Antriebskraft, die unser Leben bestimmt. Ob das gut oder schlecht ist, werden wir noch sehen. Auf jeden Fall ist es menschlich.

Die Todesangst

Wenn der Tod kommt

Wie er kommt und wann er kommt, weiß man nicht. Gut so! Dass er kommt jedoch, ist klar. Kann man sich darauf vorbereiten, kann man das, was kommen wird „unängstlich“ akzeptieren?

Diese Frage bewegt mich, manchmal mehr, manchmal weniger. Schließlich gehört der Tod zum Gepäck unseres Lebens ab dem Moment unserer Geburt. Seine Nähe ist für mich nicht mehr fern, jetzt mit 68 Jahren, und seine Bedrohlichkeit hat an Substanz verloren. Die „klassische Todesangst“, also die Angst, ermordet oder Opfer eines Raubtieres zu werden, bleibt Alpträumen vorbehalten, ist als Atavismus Relikt evolutionärer Prägungen, die irgendwo in unserem Nervensystem gespeichert sind. Diese Angst halte ich nicht für lebensbeherrschend.

Jeder hat den Tod in seinem Leben kennengelernt. Verwandte, Freunde, Bekannte wurden einem von ihm „fortgenommen“. Manche Tote waren jung, manche in der sogenannten Lebensmitte, manche alt. Was durch das plötzliche „Fortnehmen“ von Leben durch den Tod ausgelöst wird bei den „Überlebenden, Zurückbleibenden“, ist nie vorhersehbar.

Der Tod kann erlösendes Ende langer, krankheitsbedingter Leiden und Qualen sein. Wenn dieses Schicksal einen älter gewordenen Menschen ereilt, werden die „Hinterbliebenen“ mit Trauer von einem Menschen Abschied nehmen über dessen Erlösung von den Schmerzen sie gleichwohl Frieden finden können. Bei jungen Menschen mit vergleichbarem Schicksal werden die Länge und der Verlauf der zum Tode führenden Krankheit das Ausmaß des Schmerzes der Zurückbleibenden bestimmen. Je länger und zerstörerischer die todbringende Krankheit, desto bedeutender wird für die Angehörigen/Freunde die „Erlösungsqualität“ des Todes, bei aller tiefen Trauer. Die wohl schmerzhafteste Form, den Tod zu verarbeiten, ist immer dann gegeben, wenn der Tod plötzlich und völlig unerwartet Leben beendet. Am häufigsten sind Unfälle, also tragisches Fehlverhalten von Menschen, die Ursachen für solche Tode, immer häufiger gefolgt – wenn nicht noch häufiger heutzutage – vom plötzlichen Versagen lebenswichtiger Organe (ganz vorne an steht hier das Herz) infolge zugrunderichtender Lebensweisen.

Schmerz über den Tod anderer hat viele Gesichter, viele Qualitäten und kann für sich genommen wiederum lebensbedrohlich sein. Die Schmerzen über den Tod zu bearbeiten, mit dem Ziel, sie zu überwinden, d.h. schmerzfrei zu werden, nennt man „Trauerarbeit“. Trauern ist die Zauberformel, mit der es gelingen soll, den Tod des Geliebten, des eigenen Kindes, des besten Freundes und so weiter zu überwinden. Was man überwindet? Den Verlust und den ggf. brutalen Einschnitt ins Leben. Wer weiterleben will ohne dauernd über das verlorene weinen oder klagen zu müssen, braucht eine Strategie für das protrahierte Abschiednehmen, oder die Option, durch virtuelle Zwiesprache Verbindung zu erhalten. Persönlich bin ich der Meinung, dass es etwas von beidem ist, mit unterschiedlicher Gewichtung je nach Persönlichkeit oder Tiefe der Beziehung, die zum Toten bestand.

Nun habe ich ein Alter erreicht, das nahelegt, sich des nicht mehr fernen Todes gewiss zu sein. Auch habe ich Todesfälle miterlebt in jungen Jahren wie im fortgeschrittenen Alter, die Ähnlichkeit mit dem haben, was ich vorher darstellte. Manche trafen mich tief und eigentlich unvorbereitet, manche waren vorhersehbar. Trauerarbeit ist mir daher nicht fremd.

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