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Was in dieser Nacht geschah

1. KAPITEL

Leo Silva glaubte nicht an das Schicksal, sondern an Bildung, harte Arbeit und daran, der Konkurrenz immer einen Schritt voraus zu sein. Mit dieser Einstellung führte er die Tradition seines Großvaters fort, der als armer Mann aus Südamerika in die Staaten gekommen war. Inzwischen lag die Leitung der Firma in Leos Händen, und er galt in der Geschäftswelt als harter und verlässlicher Partner.

Leo starrte auf den kleinen Artikel, den er in der New York Times entdeckt hatte. Ein zufriedenes Lächeln umspielte seinen Mund, während er das Foto einer jungen Frau betrachtete.

Eleanor James, die für kurze Zeit das Interesse der Reporter geweckt hatte, weil es ihr gelungen war, eine Schießerei in einer Londoner Schule zu verhindern. Ob sie wohl ahnte, dass selbst jenseits des Atlantiks von ihrer mutigen Tat berichtet wurde?

Dann griff Leo zum Telefon. Es gab nur einen Menschen, der sein Geheimnis kannte und wusste, welche Brisanz es barg und wie schnell es Leos sorgfältige Zukunftsplanung zunichte machen konnte.

„Antonio, ich habe sie gefunden!“ Weitere Erklärungen waren nicht nötig. Sein Freund wusste genau, von wem er sprach.

„Wie ist dir das gelungen?“

„Nimm die heutige Ausgabe der New York Times zur Hand und schlag Seite zwölf auf. Ein kleiner Artikel, ziemlich weit unten. Sie lebt in London und hat sich als Lebensretterin einiger Kinder hervorgetan.“

„Soll ich den nächsten Flug nach London für dich buchen?“

„Ja, für morgen.“ Zum ersten Mal seit vier Jahren ließ der Druck in Leos Innerem ein wenig nach. „Und besorg mir ihre Adresse und Telefonnummer!“

„Selbstverständlich.“

„Antonio, es darf natürlich nichts von dieser Aktion nach außen dringen. In Anbetracht meiner zukünftigen Verbindung mit Caroline und ihrer Familie käme dies einer Katastrophe gleich.“ Es war seltsam, aber so sehr Leo sich auch anstrengte, erschien anstatt des immer perfekt geschminkten Gesichtes seiner Verlobten ein dunkelhaariges, natürlich aussehendes Mädchen mit strahlendem Blick vor seinem geistigen Auge.

„Aber klar doch“, versprach Antonio. „Und Leo, ich wünsche dir viel Glück.“

Der verzog den Mund zu einem grimmigen Lächeln. Jetzt war er in der Lage, die Folgen seines früheren Leichtsinns ein für alle Mal auszulöschen.

2. KAPITEL

„Ich möchte noch ein Glas Saft! Bitte!“

Ellie, die hektisch damit beschäftigt war, in ihrer kleinen Küche Ordnung zu schaffen, lächelte ihren Sohn liebevoll an. „Du stellst meine Geduld auf eine harte Probe, mein Schatz.“ Schnell hob sie ihn hoch, um ihn geräuschvoll auf beide Wangen zu küssen. Dann legte sie ein Käsebrot, einen Apfel und einen Müsliriegel in eine rote Plastikdose.

„Aber ich bin noch durstig“, klagte William mit einem hoffnungsvollen Ausdruck auf seinem kleinen Gesicht.

„Und ich habe es eilig. Wenn wir nicht gleich aufbrechen, werden wir zu spät bei Jenny sein, und dann komme ich nicht pünktlich in der Schule an. Das möchtest du doch nicht, oder?“

„Doch!“

„Das glaube ich dir nicht. Außerdem hat Jenny heute etwas Besonderes für euch drei kleinen Racker geplant.“ Die Ankündigung beruhigte William für den Augenblick.

Ellie stand schon im Flur, als das Telefon klingelte. Wenn sie noch pünktlich vor ihrer Klasse stehen wollte, wäre es besser, das Läuten zu ignorieren. Auf der anderen Seite konnte es sich auch um einen Anruf von Jenny handeln. Auch die tüchtigste Tagesmutter konnte einmal krank werden. Und wer sollte sie sonst so früh am Morgen anrufen?

„Einen Moment, Schatz“, rief sie ihrem Sohn zu und nahm rasch den Hörer ab. „Ja bitte?“

„Spreche ich mit Eleanor James?“

„Ja, das ist richtig.“ Eine seltsame Erregung stieg in ihr auf, auch wenn sie keine Ahnung hatte, wer der Mann am anderen Ende der Leitung war. Auf jeden Fall klang er nicht wie einer der vielen Reporter, die sie nach dem schrecklichen Vorfall in ihrer Schule regelrecht verfolgt hatten. Recht widerwillig hatte sie eine Pressekonferenz gegeben.

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