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Was eine Lady im Bett nicht tut …

1. KAPITEL

Wie schmeichelhaft, meine Liebe. Du hast dir also so inständig gewünscht, mich wiederzusehen, dass du nicht einmal bis zu unserer morgigen Hochzeit warten konntest.“ Der eisige Ton, mit dem Daniel Wycliffe, Earl of Stanford, diese Worte aussprach, als er den Raum betrat, in dem Alice Fortesque auf ihn wartete, zeigte vielmehr, dass er weder geschmeichelt noch besonders erfreut über ihre Anwesenheit war. „Noch dazu zu dieser späten Stunde!“

Alice weigerte sich, sich von seiner Missbilligung einschüchtern zu lassen. „Es war noch keine so späte Stunde, als ich ankam, Mylord.“ Sie warf einen vielsagenden Blick auf die kunstvoll geschnitzte vergoldete Uhr auf dem Kaminsims, die in der Tat darauf hinwies, dass es auf Mitternacht zuging.

Es war eigentlich schon ihr Hochzeitstag …

Daniel nahm den leisen Vorwurf in ihrer Stimme gebührend zur Kenntnis, während er unter halb gesenkten Lidern die junge Frau betrachtete, die zu seiner zukünftigen Gattin und Mutter der Wycliffe-Erben zu erwählen, ihm unter den Umständen als besonders zweckmäßig erschienen war. Die Fortesques, wenn auch Mitglieder des ton, spielten zugegebenermaßen keine besondere Rolle in den Kreisen der besten Gesellschaft. Alice Fortesques Mutter allerdings war vor ihrer Heirat eine Hammond gewesen und damit die Tochter eines Dukes. Wodurch ihre eigene Tochter durchaus standesgemäß für einen Earl war.

Alice Fortesque wies außerdem den Vorteil auf, erst neunzehn Jahre alt zu sein. Jung genug, wie Daniel hoffte, um die Zweckehe zu akzeptieren, die er ihr im Tausch gegen das Privileg anbot, seine Countess zu werden. Doch der Vorwurf in den grünen Augen, die so wundervoll zu dem schimmernden dunklen Haar passten, ließ leider nicht darauf schließen, dass Alice mit dem Stand der Dinge zufrieden war. Wohl doch nicht die anspruchslose Gemahlin, die Daniel sich erhofft hatte.

Er hob die Augenbrauen. „Ihr Bruder und Ihre Stiefmutter werden sich keine Sorgen wegen Ihrer Abwesenheit machen?“

„Meine Familie glaubt, dass ich mich bereits seit drei Stunden im Bett befinde und vor Aufregung über unsere morgige Hochzeit keinen Schlaf finde“, versicherte seine Braut ihm verächtlich.

Daniel nickte nur. Ab morgen würde sie sowieso frei sein, zu kommen und zu gehen, wie es ihr beliebte. „Darf ich Ihnen ein Glas Brandy anbieten?“ Er wartete nicht auf Alices Antwort, sondern schlenderte gleich zu dem Tablett mit den Getränken hinüber, das auf der großen Anrichte stand, und füllte zwei Gläser mit einem äußerst kostspieligen französischen Cognac.

„Haben Sie nicht schon genug getrunken für einen Abend, Mylord?“, meinte Alice schneidend. Ihr war nicht entgangen, dass ihn der Geruch nach Cognac und Zigarren bereits umgeben hatte, als er hereingekommen war. Ebenso wie der etwas berauschendere Duft eines Damenparfüms …

Wie konnte Daniel Wycliffe es wagen, den Vorabend ihrer Hochzeit mit einer anderen Frau zu verbringen? Dass er es jedoch getan hatte, ließ das heutige Gespräch mit ihm sogar noch notwendiger erscheinen, damit sie ihm bewusst machen konnte, was in ihr vorging, bevor diese Hochzeit wirklich stattfand.

Daniel sog bei der unverhohlenen Zurechtweisung scharf den Atem ein. „Ist es nicht ziemlich unklug von Ihnen, mir zu sagen, was ich tun soll, noch bevor wir miteinander verheiratet sind?“

Sie lachte so bitter, wie man es von einem Menschen ihres zarten Alters nicht erwarten würde. „Ich bezweifle sehr, dass mir nach unserer Heirat die Gelegenheit dazu gegeben wird.“

Da hatte sie natürlich recht. Daniel kam zu ihr und stellte ein Glas auf den Tisch neben ihrem Sessel. Dann nahm er bedächtig einen Schluck aus seinem eigenen Glas.

Tatsächlich war er, noch bevor er von Alice Fortesques Anwesenheit in seinem Salon erfahren hatte, nicht in der besten Stimmung gewesen. Er hatte früher am Abend ein Schreiben von Teresa bekommen, die bis zu seiner Verlobung vor einem Monat noch seine Geliebte gewesen war. Darin flehte sie ihn an, ihn ein letztes Mal sehen zu dürfen, damit sie sich auf zivilisierte Weise von ihm verabschieden könnte. Angesichts der Szene, die sich abgespielt hatte, als er neulich ihre Affäre beendete, war ihm das nicht sehr wahrscheinlich erschienen. Und leider hatten seine Zweifel sich bestätigt.

Er verzog den Mund vor Abscheu, als er sich an das Treffen erinnerte. „Ich hoffe aufrichtig, dass es einen dringenden Grund für diesen unerwarteten Besuch gibt.“

Ihre dunkelgrünen Augen funkelten ärgerlich. „Ich wäre sonst ja wohl kaum hier.“

„Nun?“, forderte Daniel sie knapp auf, als Alice ihrer Bemerkung nichts hinzufügte.

„Ich … In Wirklichkeit …“

„Ja?“

„Ich bin mir ganz und gar nicht sicher, dass ich Sie zu heiraten wünsche!“ So. Sie hatte es gesagt. Alice war unendlich erleichtert, eine Sorge ausgesprochen zu haben, die sie seit einem Monat quälte.

In diesem Monat war sie dem Earl nur zwei Mal begegnet. Bei seinem ersten Besuch war er gekommen, um die Erlaubnis ihres Bruders für seine Werbung zu erbitten. Und das zweite Mal war eine Woche später und am Vorabend seiner Reise zu seinem Anwesen in Bedfordshire gewesen. Sie hatten ein Familiendinner abgehalten, um ihr Verlöbnis bekannt zu geben, und auch hierbei hatte es keine Gelegenheit zu einem persönlichen Gespräch zwischen ihr und ihrem Verlobten gegeben.

In den folgenden Wochen hatte Alice mehrere Briefe an ihn verfasst, die sie aber niemals abschickte. Die Dinge, die sie Daniel Wycliffe zu sagen wünschte, konnten nicht in einem Brief ausgedrückt werden.

„Ihre Zuneigung gehört einem anderen?“

„Natürlich nicht“, sagte sie ungeduldig.

Wie Alice nicht anders erwartet hatte, zuckte der arrogante Earl nur die breiten Schultern, die ein perfekt geschnittener schwarzer Gehrock umhüllte, den er zu einer modischen Weste aus silbernem Brokat und einem schneeweißen Hemd trug.

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