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Was bin ich für Typ?

Inhaltsverzeichnis

INHALTSVERZEICHNIS

ERLÄUTERUNG ZUM TITEL

VORWORT VON IGOR WEISBAND

EINFÜHRUNG

1 DAS STREBEN NACH GLÜCK

DER PFAD DER SELBSTERKENNTNIS

SOZIONIK

ANMERKUNGEN ZUM BUCH

ÜBERSICHT ÜBER DIE STRUKTUR DES BUCHES

2 WIE ALLES BEGANN

TYPOLOGIE IN DER ANTIKE

ENTSTEHUNG DER SOZIONIK

JUNGSCHE TYPOLOGIE

HAUPTBOTSCHAFT DER SOZIONIK

WEITERE JUNGIANISCHEN TYPOLOGIEN

AKTUELLER STAND DER SOZIONIK

SOZIONIK IN DER PRAXIS

3 VIER DICHOTOMIEN ALS GRUNDLAGE DER SOZIONIK

EXTRAVERSION-INTROVERSION

LOGIK-ETHIK

SENSORIK-INTUITION

RATIONALITÄT-IRRATIONALITÄT

WAS KOMMT DANACH?

4 ZEIT FÜR EINEN TEST

EIN PAAR HINWEISE FÜR DIE BESTIMMUNG DES SOZIOTYPS

SOZIONISCHE TESTS

Test nach V. Medved und A. Ovcharov

Test nach D. Lytov

Test nach V. Vorobjev

Test nach V. Gulenko

Zuweisungstabelle

5 BESCHREIBUNG VON EINZELNEN SOZIOTYPEN

BEZEICHNUNG VON SOZIOTYPEN

BESCHREIBUNG DER SOZIOTYPEN

Erfinder – Intuitiv-Logischer Extravertierter – ILE

Vermittler – Sensorisch-Ethischer Introvertierter – SEI

Bonvivant – Ethik-Sensorischer Extravertierter – ESE

Analytiker – Logisch-Intuitiver Introvertierter – LII

Stratege – Sensorisch-Logischer Extravertierter – SLE

Lyriker ‒ Intuitiv-Ethischer Introvertierter ‒ IEI

Mentor – Ethisch-Intuitiver Extravertierter – EIE

Pragmatiker – Logisch-Sensorischer Introvertierter – LSI

Politiker – Sensorisch-Ethischer Extravertierter – SEE

Kritiker – Intuitiv-Logischer Introvertierter – ILI

Unternehmer – Logisch-Intuitiver Extravertierter – LIE

Bewahrer – Ethisch-Sensorischer Introvertierter – ESI

Psychologe – Intuitiv-Ethischer Extravertierter – IEE

Meister – Sensorisch-Logischer Introvertierter – SLI

Verwalter – Logisch-Sensorischer Extravertierter – LSE

Humanist – Ethisch-Intuitiver Introvertierter – EII

6 KOMMUNIKATION IST ALLES – DER MENSCH ALS EIN KOMMUNIKATIVES WESEN

BESCHREIBUNG DER SOZIOBEZIEHUNGEN

Aktivierung

Dualität

Fata Morgana

Geschäft

Halbdualität

Identifikation

Konflikt

Kontrolle (Prüfer)

Kontrolle (Prüfling)

Neutralisierung

Quasigleichheit

Spiegelbild

Sozialer Auftrag (Empfänger)

Sozialer Auftrag (Sender)

Super-Ego

Verwandtschaft

SOZIOBEZIEHUNGEN SIND NICHT ALLES

7 WEITERE ANWENDUNGSFELDER DER SOZIONIK

KRITIK AN DER SOZIONIK

8 SO VIEL UND SO WENIG ÜBER DIE SOZIONIK

ÜBER DEN AUTOR

LITERATUR

Erläuterung zum Titel

Dem aufmerksamen Leser ist es bestimmt aufgefallen, dass mit dem Titel des Buches etwas nicht stimmt. Soll es grammatikalisch gesehen nicht »Was bin ich für EIN Typ?« heißen? Ist dem Autor einen Fehler unterlaufen?

Natürlich machen wir alle Fehler und der Autor ist keine Ausnahme davon. Allerdings habe ich in diesem Fall nach einer langen Überlegung den Namen des Buches bedacht so gewählt. Es ist Euch, meinen Lesern, geschuldet.

Jeder von uns ist eine Individualität, eine Einzigartigkeit, eine Besonderheit. Jeder weißt es und hat es zu schätzen. Mit dem Titel wollte ich es unterstreichen, hervorheben, dass der Leser kein EIN Typ ist, sondern DER Typ, DIE Persönlichkeit. Und da es insgesamt sechzehn Menschentypen gibt, wie die Sozionik besagt, muss der Leser erstmal selbst ermittelt, was für DEN Typ er ist. Auf jeden Fall kein EIN von vielen, sondern ein GANZ besonderer.

Um diesen zu bestimmen und besser kennen zu lernen, soll das vorliegende Buch verhelfen. Da trotz unserer Individualität und unserer Verschiedenheit haben wir Gemeinsamkeiten, die uns verbinden. Mit einigen mehr, mit den anderen wiederum weniger. Es ist vor allem die Art, wie wir die Welt um uns herum wahrnehmen und interpretieren, was das Fundament unserer Ansichten bildet. Darauf baut jeder von uns ein für ihn ganz individuelles Gebäude, in dem all seine Erinnerungen, Fantasien, Überzeugungen und vieles mehr untergebracht werden. Sie sind höchst individuell. Von der Art des Fundaments und der Struktur des Hauses allerdings gibt es, laut Sozionik, nur eine begrenzte Anzahl von Varianten. Genau genommen sechzehn. Jeder wird mit einem bestimmten, von der Natur vorgelegten Fundament geboren, worauf er lebenslang sein Haus der Gedanken aufbaut und füllt.

Es gilt diese verborgenen Strukturen zu ermittelt. Da es das Leben unheimlich bereichert und vereinfacht. Man baut nicht versehentlich etwas auf, das kein Fundament, keine feste Grundlage hat und dafür früher oder später zum Umsturz vorbestimmt ist. Sondern man gründet sein Leben auf natürlichen Vorgaben und errichtet dadurch ein solides Gebäude, was in einer voll entfalteten Individualität mündet. Ist das nicht als Lebensziel anzusehen?

Entscheidet selbst. Das Buch kann Euch die ersten Schritte vorweisen, der Rest ist Euch selbst überlassen.

Vorwort von Igor Weisband

An der Schwelle vom 19. zum 20. Jahrhundert wurden die bis heute wichtigste Entdeckung in der Psychologie gemacht. Das Licht der Wissenschaft schien damals von dem deutschsprachigen Raum aus auf die Welt. Die Pioniere in diesem Bereich waren der Österreicher Sigmund Freud (1856 – 1939) und der Schweizer Carl Gustav Jung (1875 – 1961). »Solange Unbewusstes nicht bewusst gemacht wird, lenkt es Dein Leben und Du nennst es Schicksal.«, sagte Jung. Dieses Buch ist gerade diesem Ziel gewidmet, das Leben des Lesers bewusster zu gestalten.

Warum haben die großen Ideen der berühmten Psychologen im Laufe von mehr als hundert Jahren zwar die Menschen begeistert und bereichert, aber sich so wenig weiterentwickelt? Warum ist die Sozionik – die wissenschaftliche Disziplin, die wir in diesem schönen Buch kennen lernen – so wenig dem deutschsprachigen Leser bekannt, ungeachtet der Tatsache, dass ihre beiden Wegbereiter auf Deutsch geschrieben und gedacht haben?

Es liegt an bestimmten Besonderheiten des sowjetischen Regimes, unter denen Auschra Augustinavitschute – eine Wissenschaftlerin aus Litauen und die würdige Nachfolgerin von Freud und Jung, welche die Sozionik ins Leben gerufen hat – gearbeitet hat. Die amtliche postsowjetische Wissenschaft hat die Idee nur kurzzeitig anerkannt, da zu der Zeit, als der Eiserne Vorhang fiel, zahlreiche ideologisch mit dem alten Regime verbundene »Wissenschaftler« arbeitslos wurden. Selbstverständlich war diese vermeintliche »Unterstützung« der Sozionik nicht besonders hilfreich, eher das Gegenteil.

Bei der Sozionik handelt es sich um ein sehr kurioses Phänomen. Angefangen hat sie als eine wissenschaftliche oder sogar spirituelle Massenbewegung. So wie die ersten Christen oder auch die moderne Wissenschaft selbst – bevor sie zur offiziellen Doktrin geworden ist. Selbstlos und idealistisch waren die ersten Sozioniker, wie auch die Gründerin selbst. Sehr interessant hat der deutsche Anthropologe Reinhard Landwehr diese Bewegung beschrieben. Immer noch gibt es Tausende von Laien, welche die Sozionik als intellektuelles Hobby ausüben. Außerdem gibt es auch zahlreiche Berufssozioniker, welche mit der Sozionik in der Unternehmensberatung (Teamgestaltung), Partnervermittlung oder mit Unterricht ihren Lebensunterhalt verdienen.

Eine Theorie, die erklärt, warum manche Paare zueinanderfinden und andere wiederum nicht, ist für den Erfolg im Leben sehr wichtig. Diese Theorie wird in diesem Buch dargestellt. An dieser Stelle möchte ich aber den Leser darauf hinweisen, dass das Werk von Auschra Augustinavitschute viel Größeres ist, als in diesem Buch dargestellt.

Ich habe die litauische Forscherin persönlich gekannt. Meiner Ansicht nach war sie der einzig geniale Mensch, den ich je persönlich gekannt habe (außer, möglicherweise, meiner Tochter Marina, bei der aber dies alles noch Zukunftsmusik ist ☺). »Wenn ich es bloß geschafft hätte, Informationen aus dem Unterbewusstsein zu holen…«, sagte Auschra in einem unserer Gespräche. Ich unterbrach ihre Rede mit einem Ausruf: »…wären Sie der liebe Gott gewesen, warum würden Sie dann so ein idiotisches Informationsverarbeitungssystem, wie den Menschen, erschaffen, indem die wichtigsten Informationen dem Benutzer verborgen sind?!!« Der Idiot bin jedoch ich selbst gewesen. Später habe ich als Informatiker verstanden, dass es keine andere Möglichkeit gibt, ein intellektuelles System zu konstruieren. Ich habe dafür viel Zeit gebraucht, um es gut zu verstehen und zu begründen. Zum ersten Mal wurde diese These in einer anderen Sprache als Russisch im Jahr 2014 auf der »6th International Conference on Evolutionary Computation Theory and Applications« der Öffentlichkeit vorgestellt.

Meiner Meinung nach steht die Sozionik für einen großen Durchbruch in der Wissenschaft, der mit der Kopernikanischen Wende zu vergleichen ist. Die Leser müssen sich allerdings nicht mit der Beantwortung dieser Frage beschäftigen. Genießt und nutzt einfach das praktisch anwendbare psychologische Wissen, welches das vorliegende Buch so reichlich bietet!

23.04.2015

Igor Weisband

Einführung

Es gibt ein unterhaltsames Gesellschaftsspiel, auch »Stille Post« genannt. Der Spielleiter liest dem ersten Spieler eine ausgedachte lustige Kurzgeschichte z.B. über eine Liebesbeziehung vor. Diese beinhaltet absichtlich komplizierte oder lustige Namen der Hauptfiguren oder eine ausgeklügelte Handlung. Das Vorlesen geschieht in Abwesenheit aller anderen Spieler. Danach soll der erste Spieler dem nächsten die Geschichte so detailtreu, wie möglich, nacherzählen. Der zweite Spieler muss seinerseits die Geschichte dem nächsten weitererzählen usw. Nach vier oder fünf Weitererzählungen kommen alle wieder zusammen. Der letzte Spieler erzählt seine Version. Anschließend liest der Spielleiter die Originalgeschichte vor.

Es ist wirklich sehr interessant zu hören, welche Metamorphosen die ursprüngliche Erzählung durchläuft. Mancher Spieler versucht, das Original so genau wie möglich wiederzugeben. Dies ist natürlich nur soweit möglich, wie er selbst die Geschichte erfahren hat. Der andere kann sich nur einen Teil der Geschichte merken, der z.B. die Beziehungen behandelt, ohne auf andere Details, wie Namen oder eine genaue Situationsbeschreibung zu achten. Der dritte hingegen denkt sich einige Passagen selbst aus, um die Geschichte bunter oder spannender zu gestalten. Zum Schluss bleibt nicht viel vom Originaltext übrig.

Dieses Beispiel zeigt, dass unsere Aufmerksamkeit und unsere Aufnahmefähigkeit sich nicht auf die komplette Geschichte erstrecken können, sondern nur auf bestimmte Merkmale fokussiert sind, die zusätzlich bei allen unterschiedlich ausfallen. Der eine achtet mehr auf Details und eine schlüssige Folge der Ereignisse, der andere hingegen auf die Beziehungsverhältnisse, der dritte versucht wiederum, fehlende oder unzureichende Momente spannender zu schildern. Jeder tut es auf seine individuelle Weise.

Als eine logische Schlussfolgerung daraus ergibt sich die Vermutung, dass jeder von uns nur einen Teil der Information bewusst wahrnimmt, und zwar den Teil, der ihm am interessantesten erscheint und der ihn persönlich anspricht. Zwar ist diese Wahrnehmung individuell, aber es gibt dennoch einige Gemeinsamkeiten in der Art und Weise, wie jeder von uns mit der ständigen Flut an umgebenden Informationen zurechtkommt, wie er sie aufnimmt und verarbeitet, und inwieweit diese seine Entscheidungen und Handlungen beeinflussen.

Die Sozionik, um die es sich in diesem Buch handelt, geht davon aus, dass es dafür insgesamt 16 unterschiedliche Wege gibt. Sie differenziert daraus die gleiche Anzahl von Typen der menschlichen Psyche. Das heißt, dass trotz unserer Individualität viele andere Menschen existieren, welche die Welt in etwa der gleichen Weise wahrnehmen, wie wir, und fast die gleichen Schlüsse daraus ziehen. Die Sozionik behauptet, dass deren Empfinden der gleichen Situation sowie ihre Gefühle unseren sehr ähneln. Genauso wie welche Personen geben, deren Weltbild sich gravierend von unserem unterscheidet. Erstaunlich, nicht wahr?

Diese Generalisierung geht noch weiter. Die Sozionik postuliert, dass jeder der 16 Typen, auch Soziotypen genannt, seine starken und schwachen Seiten aufweist. Jeder Soziotyp hat einerseits Eigenschaften, die er ohne viel Mühe zu seinen Gunsten einsetzen kann und solche, die deutlich weniger belastbar sind, und deren Einsatz für ihn mit großen Anstrengungen verbunden ist. Beispielsweise ist der Soziotyp »Intuitiv-Logischer Extravertierter« - der »Erfinder«-Typ - für seinen Ideenreichtum und seinen nicht zu stillendes Wissensdurst bekannt. Andererseits ist er nicht sehr gesellig, verletzt, meist unabsichtlich, durch seine unverhüllte Verhaltensweise gelegentlich die Gefühle anderer Menschen und hat nur eine vage Vorstellung von guten Manieren und dem guten Ton, was, ehrlich gesagt, ihn auch wenig interessiert.

Die Sozionik hilft uns, mehr über uns selbst zu erfahren, deckt unsere verborgenen Fähigkeiten auf und weist auf mögliche Gefahren und Stolpersteine in unserem Verhalten hin.

Die Sozionik gibt jedem ein Werkzeug in die Hand, um sein Potenzial besser abzuschätzen und zu nutzen. Außerdem weist sie auf eine mögliche Quelle seiner Probleme hin. Diese Selbsterkenntnis birgt einen Aha-Effekt, wenn der Mensch zu verstehen beginnt, dass auch viele andere, mit dem gleichen Soziotyp wie er selbst, mit ähnlichen Problemen und Zweifeln konfrontiert sind. Die Selbsterkenntnis und das Bekenntnis zu sich selbst entspannen, helfen, viele essenzielle Fragen zu beantworten, und deuten die Lösungswege von alltäglichen Problemen an. Außerdem, wer sich selbst kennt, respektiert auch die Individualität des anderen, und kann seine inneren Beweggründe besser nachvollziehen.

Ein weiterer, nicht weniger wichtiger Aspekt unseres Lebens sind die Beziehungsfragen und die Verhältnisse der Menschen zueinander. Die Sozionik deckt das grundlegende Verständnis zwischen zwei Soziotypen aufgrund ihrer »Verträglichkeit« zueinander auf. Sie besagt, dass einige Soziotypen besser interagieren können als die anderen, oder dass gewisse inneren Beweggründe unsere guten oder schlechten Beziehungen vorbestimmen. Dieses Wissen gibt uns erste Hinweise, wie wir Beziehungen zu anderen Menschen aufbauen, sodass sie dauerhaft bestehen bleiben, oder welche Gefahren bei anderen Verhältnissen auf uns lauern. Das soll uns dabei helfen, unsere persönlichen Kontakte aus einem völlig neuen Blickwinkel zu betrachten und dazu beitragen, dass diese (länger) erhalten bleiben.

Das Ziel dieses Buches ist, die Verbesserung des Verständnisses sowohl der eigenen inneren psychischen Beweggründe als auch jener der anderen. Diese Erkenntnis soll uns dabei helfen, unser Leben sowie das Verhältnis mit unserem sozialen Umfeld sinnhaltiger und glücklicher zu gestalten.

Nachweislich hat die Sozionik das Leben vieler Menschen erheblich bereichert und ihnen geholfen, ihre persönliche, berufliche, familiäre sowie Beziehungsprobleme in Griff zu bekommen. Das wichtigste Ziel der sozionischen Lehre ist, dem Menschen in allen Abschnitten seines Lebens – vom Kindergarten, über die Schule, die Berufs- und Partnerwahl, Kindererziehung u.v.m. – praktische Hilfe zu leisten.

Dieses Buch gibt den deutschsprachigen Leserinnen und Lesern die einmalige Möglichkeit, ihr Leben und ihre Beziehungen aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Es hat zum Ziel, sie mit der Sozionik bekannt zu machen und das Interesse möglichst vieler Personen an diesem Thema zu wecken. Vielleicht werden einige Leserinnen und Leser so sehr inspiriert und begeistert sein, dass sie sich für die weitere Verbreitung der sozionischen Lehre entscheiden. Wer weiß? Das ist zumindest meine Hoffnung.

Bietigheim-Bissingen, Februar 2015

1Das Streben nach Glück

Das Streben nach Glück – ein Thema, das die Menschheit seit jeher beschäftigt. Wir alle wollen es erreichen, wir alle begehren das Glück. Aber wissen wir selbst überhaupt, wonach wir streben? Was wir eigentlich suchen? Können wir das Glück in Worte fassen und es so beschreiben, dass es für andere auch verständlich wird? Ist das Glück mit unseren Sinnen und unserem Verstand zu erfassen? Welche Botschaft will man übermitteln, wenn man dem anderen viel Glück wünscht? Kann man das Glück greifen?

Jeder hat seine eigene Vorstellung davon, was er unter »Glück« versteht. Manch einer will es haben, ohne wirklich zu wissen, was das Objekt seiner Begierde ist. Sein ganzes Leben richtet er darauf aus, einem undefinierten Ziel, einem Phantom nachzujagen. Für denjenigen, welcher den Besitz von materiellen Gütern, wie teure Autos, Wohnungen, Schmuck oder Kleider, mit Glück gleichsetzt, ist die Situation noch erdrückender. Sein ganzes Leben ist darauf aufgebaut, in den Besitz von begehrten Objekten zu gelangen. Er ist, in gewisser Weise, besessen davon. Und was passiert, wenn sein langersehntes Ziel endlich erreicht scheint? Im besten Fall dauert das tatsächliche Glücksgefühl einige Sekunden, und was dann? Innere Leere und Ziellosigkeit. Allerdings, in den meisten Fällen, haben zu diesem Zeitpunkt schon längst neue Bedürfnisse Einzug in sein Bewusstsein gehalten, so dass inzwischen das vermeintliche Paradies in eine noch weitere Ferne gerückt ist. Das Glück scheint wie eine Fata Morgana am Horizont und bleibt daher immer unerreichbar. Der Mensch fühlt sich unzufrieden, unbefriedigt, unglücklich. Auf Dauer werden solch negative Einstellungen zum chronischen Normalfall und üben ihren schädlichen Einfluss auf das körperliche Wohlbefinden des Menschen aus. Das, wiederum, verstärkt das Gefühl unglücklich zu sein. Man gerät in einen Teufelskreis.

Dabei liegt die (Er)Lösung in uns selbst. Einfach und wunderschön zugleich. Das Gefühl von Glück entsteht in unserem Inneren und wir sind selbst dafür verantwortlich!

Die Selbstzufriedenheit und damit auch das Glück kommen Hand in Hand mit der Erkenntnis über sich selbst, über sein eigenes Wesen und mit der Selbstakzeptanz. Man muss sich so annehmen, wie man ist. Eigene Stärken, und vor allem Schwächen akzeptieren, um mit seinem Selbst in Frieden leben zu können. Nach meiner festen Überzeugung bewirkt nur die Akzeptanz der eigenen Unvollkommenheit jene Selbstzufriedenheit, welche die wichtigste Voraussetzung für ein glückliches Leben ist. Es muss hier aber klargestellt werden, dass dies in keiner Weise mit Egoismus oder Arroganz in Verbindung gebracht werden soll. Ganz im Gegenteil, zeigen die letzteren eher die Unsicherheit und die Selbstzweifel der Person. Durch ein entsprechendes Verhalten, versucht sie, die Bestätigung ihrer Wichtigkeit und ihrer besonderen Stellung durch die negativen Reaktionen der Betroffenen zu erhalten. Ein glücklicher Mensch braucht das nicht. Er kennt sich, er lebt mit sich in Frieden, und ist auf keine externen Bestätigungen angewiesen. Die glückliche Person teilt eher ihr Glück mit anderen. Dies wird von der Umgebung wahrgenommen und entsprechend honoriert. Hiermit findet der Mensch die wohlverdiente Anerkennung und Würdigung seitens der Gesellschaft, erlangt seinen unumstrittenen Platz in ihr. Diese wiederum tragen wesentlich zum glücklichen Leben bei. Es entsteht ein Kreis des Glückes.

Aus dieser Perspektive wirken die vergangenen, heißbegehrten Ziele und Wünsche unbedeutend und irrelevant. Sie verlieren stark an Bedeutung und Attraktivität. Ihren Platz nehmen die wahren Glücksmacher ein, wie ein gesundes Leben, eine glückliche Familie, ein friedliches Miteinander, eine für die Allgemeinheit nützliche Beschäftigung, Selbstverwirklichung und Selbsterkenntnis.

Das vorliegende Buch soll den Glücksuchenden dabei helfen, sich selbst zu erkennen und etwas Neues über sich selbst zu lernen. Vor allem solltest du, lieber Leser oder liebe Leserin, bereit sein, einen kritischen, aber dennoch positiven Blick auf dich selbst zu werfen und dich von außen möglichst unvoreingenommen und objektiv zu betrachten. Zugegeben, dies fällt nicht leicht und die Erkenntnisse aus dieser Selbstbetrachtung können ernüchternd sein. Aber es lohnt sich. Es bringt dich einen Schritt weiter zu deinem Glück und ermöglicht dir, einen Blick auf dich selbst und auf die anderen aus einer neuen, meist sehr überraschenden, Perspektive zu werfen.

Nur wer sich selbst versteht, kann auch andere verstehen. Nur wer sich selbst kennt, kann auch andere besser kennenlernen. Dies ist der Weg zu einem friedlichen Zusammenleben und mehr gegenseitiger Akzeptanz in der Gesellschaft. Nur so findest du deinen inneren und äußeren Frieden und damit auch ganz sicher dein persönliches Glück.

Der Pfad der Selbsterkenntnis

Die Selbsterkenntnis birgt die Chance in sich, die Zukunft besser zu gestalten, die eigene Bestimmung zu finden. Sie ermöglicht einen Weg der besseren Integration in die Gesellschaft zum beidseitigen Nutzen und Profit. Das Lösen dieses Rätsels macht es leichter, die Antworten auf weitere wichtige Fragen zur eigenen gesellschaftlichen Stellung und zur eigenen Nützlichkeit zu finden.

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Selbsterkenntnis ist der innere Frieden mit sich selbst, das Erlangen innerer Ruhe und Gelassenheit. Seit jeher wird sie in vielen Religionen der Welt als eine wichtige und unverzichtbare Bedingung für die Erleuchtung bzw. die Annährung zu Gott betrachtet. Und nicht ohne Grund. Es ist medizinisch erwiesen, dass unsere Psyche, unser psychischer Zustand, einen direkten Einfluss auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden hat. Ein ausgeglichener mentaler Zustand und eine positive Lebenseinstellung fördern das Immunsystem, sorgen für einen besseren Schutz gegen Krankheiten, steigern die Leistungsfähigkeit und beeinflussen auf diese Weise sowohl das physische Wohlbefinden als auch die allgemeine Gesundheit des Menschen.

In der zwischenmenschlichen Kommunikation kann man ebenfalls von »gesunden« und »ungesunden« Beziehungen und Verhältnissen sprechen. Diese wirken ihrerseits auf die Stimmung und beeinflussen somit indirekt auch die Gesundheit. Außerdem verstärken die guten, »gesunden« Verhältnisse die Selbstzufriedenheit der Kommunikationspartner gegenseitig, rufen Glücksgefühle hervor. Die negativen, »ungesunden«, hingegen, lassen die Menschen mehr an sich zweifeln, erinnern sie an ihre Unvollkommenheit, verletzen die Selbstwertgefühle. Dies sind einige der Faktoren, die in erheblichem Umfang, ähnlich zu Bakterien oder Viren, unsere Gesundheit und somit auch unsere Lebensqualität beeinflussen und uns oftmals sogar gegen unseren eigenen Willen steuern.

Die berechtigte Frage, ob du es beeinflussen kannst, lässt sich nicht einfach beantworten. Es kostet viel Zeit und Mühe, einen Weg zu sich selbst zu finden, und jede Menge Mut ihm zu folgen. Diese Kräfte musst du in dir selbst finden. Der Mutige wird mit Erfolg und Selbstvertrauen, mit Lebensfreude und Glück, mit Allem, was immer er sich wünscht, belohnt.

Sozionik

Das wichtige Werkzeug stellt dabei die Sozionik dar. Sie zeigt Wege auf, wie du die Probleme in den Griff bekommen kannst. Wie du dich besser kennen lernst, wie du Frieden mit dir selbst schließen kannst, und vieles mehr. Dabei ist die Sozionik ein Instrument, das in deine Hände gelegt wird. Der Rest bleibt immer dir selbst überlassen. Du musst den Mut und den Willen haben, in dich hineinzuschauen und deine schönen und wenig attraktiven Seiten aufzudecken, um dir selbst helfen zu können. Die Ehrlichkeit zu dir selbst ist eine der wichtigsten Voraussetzungen auf diesem Weg. Natürlich setzt all das einen gewissen Zeitaufwand und Durchhaltevermögen voraus.

Und was hast du im Endeffekt davon? Du hast schon genügend zu tun, und dich allzu sehr anstrengen willst du auch nicht.

Lass dich davon nicht abschrecken. Der Weg ist zwar beschwerlich, aber er lohnt sich. Die Perspektiven, die du mit diesem Instrument bekommst, sind enorm. Sozionik hilft dir die Antworten auf die oben erwähnten Fragen finden und vieles mehr. Besonders geeignet ist sie für den Aufbau der konstruktiven Kommunikationswege in zwischenmenschlichen Beziehungen, beispielweise bei der Arbeit oder in der Freizeit. Sie hilft psychisch belastende Kontakte zu vermeiden und gute Beziehungen zu erhalten und zu pflegen. Ihr Wissen kannst du in der Kindererziehung einsetzen, um aus deinen Kindern ausgeglichene und glückliche Menschen zu machen. Bei der Partnersuche ist Sozionik ebenfalls unersetzlich. Sobald du die Grundlagen kennst, weißt du nicht mehr, wie du ohne sie überhaupt leben konntest.

Aus allen Beziehungen, die in der Sozionik beschrieben sind, wird eine besonders für die partnerschaftlichen Beziehungen und die Ehe als am besten geeignet bezeichnet. Das ist die duale Beziehung. Bei ihr passen zwei Menschen, wie zwei Puzzlestücke perfekt zueinander und ergänzen sich gegenseitig, ohne viele Anstrengungen unternehmen oder Kompromisse eingehen zu müssen. Beide fühlen sich geborgen und geschützt. Perfektion in ihrer höchsten Form.

Sozionische Kenntnisse können sich ebenfalls als sehr hilfreich im geschäftlichen Leben erweisen. Sie helfen neue Kontakte zu knüpfen, versteckten Gefahren in der Kommunikation geschickt auszuweichen, sich im neuen Kollektiv zu behaupten und sich mit Erfolg einzugliedern. Vor allem kann sich das Wissen über deine eigenen starken und, was nicht weniger wichtig ist, schwachen Seiten bei der Suche nach einer passenden Tätigkeit als sehr nützlich erweisen. Diese Einsicht hilft dir, die für den eigenen Soziotyp ungeeigneten Beschäftigungen zu meiden, und die besser geeigneten bei der Auswahl zu bevorzugen. Nun gibt es auch einige Ausnahmen:

Du darfst die Sozionik nicht als eine Panazee gegen alle Probleme des Lebens ansehen. Unser Dasein ist so vielseitig und unberechenbar, dass es dieses Allheilmittel gar nicht geben kann. Die Sozionik stellt nur ein Werkzeug zur Verfügung, das in geschickten Händen bei einer zweckgemäßen Anwendung sehr nützlich sein könnte. Du musst nur wissen, wie du es geschickt anwenden kannst.

Die Kenntnis des eigenen Soziotyps ist keine Ausrede für alle möglichen Fehler und Dummheiten, die jeder Mensch in seinem Leben macht. Diese musst du ehrlich zugestehen und dich um Wiedergutmachung bemühen. »Ich bin so, weil mein Soziotyp so ist« – ist nur eine Ausrede und sollte von intelligenten Menschen nicht in den Mund genommen werden.

Auf keinen Fall darfst du die sozionischen Kenntnisse gegen jemand anderen anwenden, indem du die dir bekannten Schwachstellen seines Soziotyps gezielt angreifst oder ausnutzt. Es ist mutwillig und inhuman. Konflikte müssen möglichst auf einer sachlichen Ebene gelöst werden. Der Klügere gibt als erster nach, wenn ein Kompromiss nicht möglich erscheint. Gewalt und Zwang lösen keine Probleme.

An dieser Stelle will der Autor dich, lieber Leser oder liebe Leserin, nicht mehr von den ersten Erfahrungen mit Sozionik abhalten. Falls du dieses Buch bis zum Ende liest, hast du hoffentlich einiges Neues für dich entdeckt und etwas Nützliches mit ins Leben mitgenommen.

Anmerkungen zum Buch

Zuerst aber einige Anmerkungen zum Schreibstil dieses Buches.

Nach langen Überlegungen und Zweifeln bin ich zu dem Schluss gelangt, das Buch in der »du«-Form zu verfassen. Meiner Ansicht nach ermöglicht es die erforderliche Nähe zum Leser oder Leserin und vermittelt ihm (oder ihr) am besten einen Eindruck meiner freundlichen Absichten.

Weiterhin wird im gesamten Buch vorwiegend die maskuline Form verwendet. Dies geschieht der Bequemlichkeit halber und um das Lesen nicht unnötig zu erschweren. Hoffentlich werden die Leserinnen mir es nicht übel nehmen und an entsprechenden Stellen nach Bedarf »er« durch »sie« ersetzen.

Das Wort »Partner« wird im Folgenden in unterschiedlichen Formulierungen und Varianten benutzt: Geschäfts-, Kommunikation-, Gesprächs-, Ehepartner gelten sowohl für männliche als auch für weibliche Personen.

Ich habe zum Teil absichtlich auf die spezifische Terminologie zugunsten eines besseren Verständnisses und besserer Lesbarkeit verzichtet. Letztendlich ist das Buch für ein breites Publikum gedacht und nicht nur für eine Handvoll Spezialisten. Natürlich sind alle Leser aufgefordert, an möglichen Diskussionen teilzunehmen, und ihre Meinungen, Anregungen und konstruktive Kritik zu diesem Buch zu äußern.

Übersicht über die Struktur des Buches

Zum Schluss einen kurzen Überblick über die Struktur des Buches.

Diesem Kapitel folgt eine kurze Einführung über die Ursprünge und die Geschichte der Sozionik: Von den ersten Ansätzen, über die Klassifikation der menschlichen Charaktere, bis hin zur Entstehung der Sozionik. Dabei wird eine kurze Übersicht über die Typologie des schweizerischen Psychologen Carl Gustav Jung, der als wichtiger Vorreiter die Grundlagen der späteren Sozionik gelegt hat, geboten. Anschließend wird der Stand der aktuellen sozionischen Lehre und der Forschung vorgestellt. Der besonders ungeduldige Leser kann das Kapitel überspringen und direkt zum nächsten Abschnitt übergehen.

Kapitel 3 beschäftigt sich mit der Darstellung der dichotomischen Aufteilung im sozionischen Modell und enthält eine ausführliche Beschreibung der vier klassischen dichotomischen Paare. Die Auswahl und Zuordnung von jeweils einer Komponente aus jedem Paar ergibt die Bestimmung eines Typs der Sozionik. Insgesamt sind 16 Varianten möglich, die 16 Soziotypen der menschlichen Psyche ergeben.

In Kapitel 4 werden einige Tests zur Ermittlung des sozionischen Typus präsentiert. Sie sollen der Verifizierung des zuvor bestimmten Typs oder dessen Ermittlung dienen. Es empfiehlt sich mehrere Tests zu absolvieren, die im Idealfall das gleiche Resultat ergeben. Andernfalls werden im darauffolgenden Abschnitt (Kapitel 5) detaillierte Beschreibungen einzelner Soziotypen vorgestellt. Dabei werden alle sechzehn Soziotypen nach ihren starken und schwachen Fähigkeiten aus der Sicht der Sozionik dargelegt. Man muss nicht jeden einzelnen Soziotyp detailliert studieren, es sei denn, man will es unbedingt. Es genügt, wenn man sich zuerst mit dem Typ (oder den Typen) beschäftigt, denen das aktuelle Interesse gilt. Besonders dann, wenn man bei den Tests unterschiedliche Ergebnisse erzielt hat, empfiehlt es sich, die entsprechenden Typenbeschreibungen einzeln zu studieren und die passendste daraus auszuwählen.

Ein besonderes Augenmerk richtet die Sozionik auf die Beziehungen zwischen den einzelnen Typen. Die Art der Beziehungen zwischen zwei sozionischen Typen kann in Kapitel 6 anhand einer Tabelle ermittelt werden. Im Folgenden werden die Muster der einzelnen Beziehungsarten umfassend und detailliert beschrieben. Hierbei ist es ebenfalls nicht nötig sich über alle Arten der Beziehungen sofort zu informieren. Es reicht vollkommen, erst einmal die Beschreibung zu studieren, die vom aktuellen Interesse ist. Zum Abschluss des Kapitels werden die Einschränkungen und Grenzen der sozionischen Betrachtungsweise dargelegt.

Weitere Anwendungsfelder sowie einzelne Vorteile, welche die Sozionik mit sich bringt, sind in Kapitel 7 zusammengefasst. All das ist nicht mehr als eine unvollständige Übersicht über die spannenden Forschungsbereiche und sollte als Anreiz für weitere Arbeiten im Bereich der Sozionik betrachtet werden. Hier kommen die Kritiker zum Wort, deren einzelne Kritikpunkte detailliert erläutert und zum größten Teil wiederlegt werden.

Das Buch wird mit einem Appell an heutige und zukünftige Generationen abgeschlossen, in dem zur Verbesserung des gegenseitigen Verständnisses und zur positiven Veränderung der Welt durch die Verbreitung und Erweiterung des Wissens über sich selbst und die Natur, deren untrennbarer Bestandteil der Mensch ist, aufgerufen wird.

Im Literaturverzeichnis finden sich Verweise zu einigen interessanten Artikeln, Büchern und Internetlinks, die allen Interessierten einen tieferen und besseren Einblick in das spannende Gebiet der Sozionik ermöglichen.

2Wie alles begann

Das Bedürfnis, den anderen zu verstehen, die Hintergründe und Ziele seiner Aktivitäten nachzuvollziehen, ist schon in der Frühgeschichte der Menschheit entstanden. Die Bildung von Gruppen und Klans hat die Entwicklung der kommunikativen Fähigkeiten gefordert und gefördert. Das richtige Verständnis untereinander war, zum Teil, überlebenswichtig, und hat wesentlich zum Fortbestehen der Gemeinschaft beigetragen. Das Wissen um die inneren Beweggründe der Handlungen anderer Gemeinschaftsmitglieder war von größter Relevanz, da eine falsche Einschätzung das eigene Leben, z.B. bei der nächsten Jagd, kosten könnte.

Typologie in der Antike

Die ersten schriftlich belegten Ansätze einer Unterteilung sind aus der Zeit der Antike bekannt. Fast wie immer, waren es die griechischen Philosophen, die über die Frage der Klassifizierung des Menschen nachzudenken begangen und ihre Überlegungen schriftlich hinterlegt haben. Die erste Unterteilung wird dem Naturphilosophen Empedokles zugeschrieben. Im 5. Jahrhundert v. Chr. behauptete er, dass die vier Grundelemente Feuer, Erde, Luft und Wasser durch ihre unterschiedlichen Mischverhältnisse sämtliche Stoffe und Lebewesen, inklusive des Menschen, hervorbringen. Jedem Element wurden besondere physische Eigenschaften zugeschrieben, die sich auf den Stoff, der das Element beinhalten sollte, übertrugen. Außerdem wurden jedem Element menschliche Charaktereigenschaften zugewiesen: Dem Feuer Zielstrebigkeit und Ehrgeiz, dem Wasser Nachgiebigkeit und Sanftheit, der Luft Flexibilität und Veränderlichkeit und der Erde Festigkeit und Beständigkeit. Das dominierende Element im Körper jedes Menschen sollte seine Fähigkeiten bestimmen und dadurch sein Erscheinungsbild entscheidend prägen.

Ein weiterer griechischer Naturwissenschaftler, Hippokrates von Kos, hat diese These mit der Theorie der vier im Körper fließenden Körpersäfte (Schleim, Blut, schwarze und gelbe Galle) vereint. Daraus ist eine Lehre entstanden, die alle Menschen in vier Temperament-Gruppen unterteilt. Je nachdem, welche Flüssigkeit im Körper einer Person dominieren sollte, wird zwischen einem heiteren und aktiven Sanguiniker (Blut), einem traurigen und nachdenklichen Melancholiker (schwarze Galle), einem passiven und schwerfälligen Phlegmatiker (Schleim), und einem leicht reizbaren und erregbaren Choleriker (gelbe Galle) unterschieden. Diese Lehre hat bis heute überdauert und findet immer noch ihre Anwendung im alltäglichen Leben.

Entstehung der Sozionik

Die Geschichte der Sozionik beginnt Anfang der 1970-er Jahre, als die sowjetische Sozialwissenschaftlerin, Ökonomin und Pädagogin litauischer Herkunft, Aušra Augustinavičiūtė (ausgesprochen: Auschra Augustinavitschute), ihre ersten Schriften zu diesem Thema verfasst hat. In der sozionischen Gemeinde nennt man sie bis heute noch liebevoll Auschra oder Augusta. Die wichtigsten Überlegungen und Gedanken hat Auschra in ihrem Buch »Über die duale Natur des Menschen« dargelegt. Dieses Werk gilt bis heute als unangefochtene Grundlage der Sozionik.

Natürlich ist ihre bahnbrechende Arbeit nicht aus dem Nichts entstanden. Die Basis ihrer Überlegungen und Thesen bildeten unter anderem die Theorie des Informationsmetabolismus des polnischen Psychiaters Antoni Kepinski, die physische Konstitutionslehre des deutschen Psychiaters Ernst Kretschmer, und die psychologische Typologie des schweizerischen Psychiaters Carl Gustav Jung.

Antoni Kepinski hat aus seiner umfassenden Praxiserfahrung in den 1950-er und 1960-er Jahren eine Theorie entwickelt, in der jeder Mensch als ein System betrachtet wird, das sich mit seiner Umgebung in einem ständigen Informationsaustausch befindet. Einen entscheidenden Denkanstoß für seine Überlegungen haben die damals gerade entstandenen Wissenschaften der Kybernetik und der Systemtheorie gegeben. Kepinski hat die Wege und Prozesse der Informationsaufnahme, verarbeitung und -weitergabe mit den organischen Stoffwechselprozessen im menschlichen Körper verglichen. Diese Prozesse auf der Ebene der Informationsumgestaltung nannte er »Informationsmetabolismus« oder »informationellen Stoffwechsel«. Nach Kepinski werden die äußeren Reize auf der informativen Ebene mit der Nahrungsaufnahme gleichgestellt. Wie ein Organismus die Nährstoffe für seine Existenz aus der Nahrung bezieht, so filtert er die für sein Überleben notwendigen Informationen aus der Informationsflut, der er ständig ausgesetzt ist, heraus. Wie beim Verdauungsprozess wird auch bei der Bewertung von Informationen manches als »gut bekömmlich« und anderes wiederum als »schwer verdaulich« angesehen. Dabei werden die wichtigen, »gut bekömmlichen« personenspezifischen Aspekte der Information aufgenommen und »verwertet«, die unwichtigen - einfach ignoriert oder »unverdaut ausgeschieden«. Auf diese Weise stellt der informationelle Metabolismus die Prozesse der Aufnahme, Verarbeitung und Weitergabe von Informationen durch die menschliche Psyche dar.

Erst Kretschmer hat in den 20-er Jahren des letzten Jahrhunderts eine Typologie entwickelt, in der er die Zusammenhänge zwischen dem Körperbau eines Menschen und seinem psychologischen Temperament beschrieben hat. Seine Typologie hat er als Konstitutionslehre bezeichnet. In der Konstitutionslehre hat Kretschmer die empirisch gewonnenen Daten über die Abhängigkeit des Körperbaus vom Charakter der Person dargestellt und die Menschen in vier Typen unterteilt: Pykniker, Athletiker, Leptosome und Dysplastiker. In umfangreichen Studien ist es ihm gelungen, zu beweisen, dass man in vielen Fällen anhand des äußeren Erscheinungsbildes und Verhaltens eines Menschen Rückschlüsse auf die Struktur und die Funktionalität seiner Psyche ziehen kann. Somit hat Kretschmer einen Zusammenhang zwischen den psychischen Strukturen eines Menschen und seinem Körperbau aufgedeckt.

Den grundlegenden Denkanstoß hat Augusta aus den Arbeiten des schweizerischen Psychotherapeuten Carl Gustav Jung erhalten. Diese legten die Basisgrundlage für die Struktur der sozionischen Lehre. Basierend auf seiner Erfahrung als Psychotherapeut hat Jung eine bahnbrechende Theorie der menschlichen Typen entwickelt. Während der psychotherapeutischen Arbeit mit seinen Patienten ist es ihm aufgefallen, dass gewisse grundsätzliche Verhaltensmuster in der Art und Weise existieren, in der einzelne Personen Situationen beurteilen und auf sie reagieren. Dabei waren soziale Zugehörigkeit, Bildungsstatus, Geschlecht oder Alter der untersuchten Personen unerheblich. Diese Muster ließen sich nicht durch krankhafte Abweichungen von einem imaginären Standard des perfekten Menschen erklären. Ebenso wenig ließen sie sich durch die oben beschriebenen Faktoren interpretieren. Man konnte jedoch das Verhalten einigen Personen gut miteinander vergleichen und generalisieren. Der berühmte Psychologe hat entdeckt, dass einige Individuen in ihrer Interaktion mit der Gemeinschaft und der Umwelt äußere Einflüsse auf genau die gleiche Art und Weise aufnehmen, verarbeiten und auf sie reagieren. Diese Gemeinsamkeiten hat er als grundlegende differenzierende Eigenschaften des psychischen Typs, dem er die jeweilige Person zugewiesen hat, bezeichnet. D.h. einerseits, dass man alle Menschen in eine begrenzte Anzahl von psychologischen Typen unterteilen kann, und andererseits, dass die Personen des gleichen Typs in ähnlichen Situationen etwa gleiche Reaktionen zeigen.

Jungsche Typologie

Diese Überlegungen hat Jung in seiner bahnbrechenden Arbeit »Psychologische Typen« dargestellt. In seinem Werk hat er die acht unterschiedlichen Ausprägungen der menschlichen Psyche, die acht psychologischen Typen, definiert und ausführlich beschrieben.

Ursprünglich hat Jung alle Menschen nur in zwei Gruppen unterteilt: extravertierte und introvertierte Typen. Diese beiden Typen unterscheiden sich durch ihr Verhältnis zu den sie umgebenden Menschen, die als Objekte bezeichnet werden. Somit gehören andere Menschen, Kommunikationspartner, zu Objekten, im Gegensatz zum Subjekt – dem Betrachter selbst. Die Unterscheidung zwischen extravertierten und introvertierten Personen bezieht sich auf die Art, wie diese zu den anderen Personen stehen. Der extravertierte Typus orientiert sich an den Objekten (Menschen) in seiner Umgebung und leitet daraus seine psychische Einstellung ab. D.h. so wie die ihn umgebenden Menschen sich gerade verhalten, und je nachdem welche Atmosphäre gerade herrscht, so fühlt er sich, so ist seine Stimmung. Bei einer fröhlichen, freundlichen Umgebung lässt eine extravertierte Person sich von der Stimmung anstecken, fühlt sich ebenfalls glücklich und fröhlich. Eine negative, feindliche Umgebung hingegen verschlechtert ihre Stimmung und leitet die entsprechenden Gegenreaktionen ein.

Der Introvertierte dagegen versucht, sich selbst von anderen Menschen (Objekten) abzugrenzen, um deren Einfluss auf seine Gedanken und sein Handeln möglichst gering zu halten. Unabhängig von der herrschenden Atmosphäre um sich herum, versucht eine introvertierte Person, ihre eigene Stimmung davon nicht beeinflussen und sich von den anderen nicht mitreißen zu lassen. Sie baut eine imaginäre gläserne Wand zwischen sich und der Außenwelt auf. Wie durch ein dickes Fensterglas lassen sich die aktuellen externen Geschehnisse mitverfolgen, ohne einen Einfluss auf die Stimmung des Betrachters auszuüben. Sein Innenleben bleibt dadurch meist unberührt.

Anders ausgedrückt, braucht ein extravertierter Mensch die Gesellschaft anderer Individuen, da sein Selbstwertgefühl, seine Selbsteinschätzung und manchmal sogar seine ganze Existenz von der Meinung und den Ansichten der ihn umgebenden Gesellschaft abhängen. Im Gegensatz dazu baut der Introvertierte seine innere Welt auf seiner eigenen Wertschätzung auf und macht diese zur Grundlage seiner Beziehungen zu anderen Personen.

Zur Verdeutlichung der Unterschiede zwischen den beiden Typen kann man das Verhalten von Personen mit entsprechenden Charaktereigenschaften in einer Gruppe unbekannter Personen beobachten. Der Extravertierte versucht, seine Position in der Gruppe durch direkte Kommunikation und ein aktives Erforschen der Beziehungen der Gruppenmitglieder untereinander zu finden. Das kann sogar absichtlich herbeigeführte Eskalation oder direkte Ansprachen zu einer eindeutigen Klärung der Lage beinhalten. Der Introvertiertere hingegen nimmt eine passive Haltung ein, zeigt sich weniger gesprächig und versucht zuerst, sich ein Bild von seiner Position oder Stellung in der Gruppe zu machen und ein persönliches Verhältnis dazu aufzubauen. Erst danach tritt er mit anderen in Kontakt.

Allerdings stimmt die Ansicht, dass Extravertierte offene und lebhafte Persönlichkeiten sind, während Introvertierte stets zurückgezogen lebende, schweigsame und langweilige Individuen sind, nicht immer. Es hängt von einer weiteren Verfeinerung der Klassifikation ab.

Dabei unterscheidet Jung zwischen vier Grundtypen mit den dominierenden Eigenschaften: Denken, Fühlen, Empfinden und Intuieren. Jede Person kann nur eine dominante Eigenschaft besitzen, die wiederum in einer extravertierten oder einer introvertierten Form auftritt. Man unterscheidet zwischen den folgenden Typen:

Denkenden Extravertierten

Denkenden Introvertierten

Fühlenden Extravertierten

Fühlenden Introvertierten

Empfindenden Extravertierten

Empfindenden Introvertierten

Intuierenden Extravertierten

Intuierenden Introvertierten

Somit ergeben sich nach Jung aus vier Grundtypen mit jeweils einer extravertierten und einer introvertierten Form insgesamt acht psychologische Grundtypen der menschlichen Psyche, acht grundsätzlich verschiedene Charaktere.

Hauptbotschaft der Sozionik

Auschra hat die Arbeiten von Kepinski, Kretschmer und Jung als Grundlage für ihre eigenen Überlegungen genommen und durch ihre persönlichen Beobachtungen und Gedanken erweitert. So ist die Sozionik entstanden. Das ambitionierte Ziel der Autorin war die Verbesserung des Verständnisses und der Toleranz zwischen den Menschen durch eine tiefere Einsicht in die persönlichen Motive und Beweggründe einzelner Individuen. Ihrer Ansicht nach sollte das bessere Verständnis der inneren Triebkräfte anderer Gesellschaftsmitglieder das Konfliktpotenzial in der zwischenmenschlichen Kommunikation erheblich reduzieren und ihnen den Weg zu einer gegenseitigen Akzeptanz wesentlich erleichtern.

Das Begriffssystem und die entsprechende Unterteilung der menschlichen Typen in die Sozionik hat Auschra größtenteils von Jung übernommen. Nur wird die bei Jung dominierende Denkweise durch eine Hilfsfunktion erweitert, welche die bevorzugte Art der Umsetzung der inneren Belange abbildet. Somit entsteht eine Unterteilung, bestehend aus jeweils zwei dominierenden Funktionen. Die erste Funktion bestimmt die führende Denkweise der Person und die zweite die bevorzugte Art der Umsetzung ihrer Vorhaben. Dabei stehen die beiden Funktionen in einem besonderen Bezug zueinander, so dass sich zusammengenommen jeweils zwei zusätzliche Möglichkeiten für jeden der acht Typen nach der Jungschen Typologie ergeben. Somit hat sich die Anzahl aller möglichen psychologischen Typen auf 16 erhöht. Diese 16 Soziotypen bilden die Basis der sozionischen Theorie und nach Auschra eine soziale gesellschaftliche Einheit, genannt Sozion. Erst die Präsenz aller Typen der Sozionik, der Soziotypen, ermöglicht die Bildung einer funktionierenden gesellschaftlichen Einheit, des Sozions. Nur ein Sozion ist in der Lage, sämtliche Aspekte des Lebens umfassend abzubilden und darauf adäquat zu reagieren. Jeder einzelne Soziotyp sieht die Geschehnisse aus seinem eigenen Betrachtungswinkel, und ist dementsprechend nur befähigt, einen Teil des Problems zu erfassen. Jeder Soziotyp sieht die Welt anders. Nur gemeinsam können die Menschen aller Soziotypen ihrer Probleme Herr werden und sie erfolgreich bewältigen. Das ist die Hauptbotschaft der Sozionik.

Weitere jungianischen Typologien

Die Sozionik ist nicht die einzige Theorie, die aus der Typologielehre von Carl Gustav Jung entstanden ist. Weniger bekannt und weniger verbreitet ist die Jungsche Typologie, welche die reinen Jungschen Definitionen und Interpretationen der Typen der menschlichen Psyche propagiert. Dabei handelt es sich um eine klassische Betrachtungsweise der Unterteilung der Menschen in 8 Typen ohne die zusätzlichen Interpretationen und Erweiterungen, die in der Sozionik üblich sind. Das Verfahren zur Bestimmung des jeweiligen Typs eines Probanden wird als Jungian Personality Profile (JPP) bezeichnet. Es gibt einige Institute und Einrichtungen, die ihre Dienste auf diesem Gebiet für Privatpersonen und Unternehmen anbieten. Allerdings ist der Bekanntheitsgrad dieser Typologie in der Bevölkerung relativ gering.

Wesentlich besser bekannt ist eine der Sozionik ähnliche, ebenfalls auf den Arbeiten von C.G.Jung basierende Typologie, die in den USA in den 1940-er und 1950-er Jahren, also noch lange vor der Entstehung der Sozionik, von Jung‘s Schülerin Katharine Briggs und deren Tochter Isabel Myers entwickelt wurde. Beide Autorinnen haben ihrer Arbeit den Namen Myers-Briggs-Type-Indicator (MBTI) verliehen.

Wie die Sozionik unterteilt MBTI alle Menschen in 16 Typen. Obwohl sich einige Parallelen und Ähnlichkeiten feststellen lassen, weisen beide Lehren (Sozionik und MBTI) erhebliche Unterschiede in den Basisdefinitionen auf. Auf Seiten der Sozioniker wird immer wieder betont, dass die Sozionik zwar später, aber vollkommen unabhängig, ohne das Wissen um die Existenz der anderen Theorie, entstanden ist. Grund dafür ist der ungenügende Informationsaustausch zwischen sowjetischen und westlichen Wissenschaftlern während des kalten Krieges. Außerdem unterscheiden sich die beiden Theorien fundamental in Hinsicht auf die von ihnen angestrebten Ziele. Während der MBTI seinen Schwerpunkt auf die Bestimmung der individuellen Eigenschaften und deren Eignung für das berufliche Leben und die vorgegebenen Tätigkeiten in Abhängigkeit von dem zu ermittelnden persönlichen Typ legt, rücken bei der Sozionik die zwischenmenschlichen Beziehungen und die Weltanschauung des Individuums (abhängig vom jeweiligen Soziotypus) in den Mittelpunkt. Aus diesem Grund, sowie wegen der unterschiedlichen Betrachtungsweisen, ist ein unmittelbarer Vergleich von Typen aus der Sozionik und dem MBTI kaum möglich.

Aktueller Stand der Sozionik

Bedingt durch den Verlauf der Geschichte in den letzten vierzig Jahren hat die Sozionik ihre meisten Anhänger im post-sowjetischen Raum, vor allem in der Ukraine, in Litauen und in Russland. In vielen Städten haben sich Zentren, Institute und Vereine gebildet, die sich mit der Weiterentwicklung der Sozionik und ihrer praktischen Anwendung beschäftigen. Allerdings sind alle Einrichtungen durch private Initiative ihrer Gründer entstanden, da es an dieser Stelle an staatlicher Unterstützung mangelt. Einige dieser Einrichtungen verfolgen kommerzielle Ziele, die meisten sind aber gemeinnütziger Natur.

Würdige Nachfolger und Schüler von Auschra Augustinavitschute erweitern und entwickeln ihre Ideen weiter. Meist wird die Sozionik in den von ihnen gegründeten Einrichtungen unterrichtet.

Einige davon sind:

Schule der humanitären Sozionik in Kiev (Ukraine), geführt von Viktor Gulenko, einem der bedeutendsten Nachfolger von Auschra und führenden Forscher auf dem Gebiet der Sozionik − https://socioniks.net/

Schule der Systemsozionik in Kiev (Ukraine), geführt von Irina Eglit, der wesentlich zur Systematisierung und Bereinigung der Sozionik beigetragen hat − https://socionicasys.org/

Internationales Institut der Sozionik in Kiev (Ukraine), geführt von Alexander Bukalov, welcher jährliche Konferenzen über Sozionik veranstaltet und einige Zeitschriften zu sozionischen Themen verfasst − https://socionic.info/socint.html

Schule der angewandten Sozionik in Moskau (Russland), geführt von Elena Udalova, die viele Bücher, vor allem in Zusammenarbeit mit Ljubov Beskova, verfasst und somit wesentlich zur Popularisierung der sozionischen Lehre beigetragen hat − https://www.socion.ru/

Zentrum der angewandten Sozionik in Moskau (Russland), geführt von Ljubov Beskovahttps://www.terra-socionika.ru/

Forschungsinstitut der Sozionik in Moskau (Russland), geführt von Tatjana Prokofjeva, welche umfangreiche Schulungen (auch Fernschulungen) und Beratungen anbietet und somit einen wesentlichen Beitrag zur Verbreitung der Sozionik leistet − https://socionics.ru/

Schule der Sozionik Vilnius (Litauen), geführt von Sergej Filimonov

Außerdem existieren viele weitere Institute, Schulen und Vereine (Klubs), verstreut über die gesamte Fläche der ehemaligen Sowjetunion, mit vielen aktiven Anhängern. An dieser Stelle sind namentlich die Personen zu nennen, die ebenfalls einen wesentlichen Beitrag zur Weiterentwicklung und Verbreitung der sozionischen Lehre geleistet haben: Vladimir Ermak, Dmitrij Lytov, Igor Weisband, Grigoriy Reinin, Nikolaj Medvedev, Ekaterina Filatova, Vera Stratievskaya und viele andere. Zwar gibt es auch in anderen Ländern Anhänger der Sozionik, vor allem in russischsprachigen Gemeinden in den USA und in Deutschland, doch handelt es sich meist um einzelne Personen, die eine eher unbedeutende Rolle in der sozionischen Gemeinschaft spielen.

Zwischen den einzelnen Schulen und Vereinen herrscht bis heute Uneinigkeit über verschiedene Interpretationen und Ansichten zu einigen von Auschras Theorien. Die zum Teil widersprüchlichen Interpretationen wirken nachteilig auf das Gesamtbild der Sozionik in der Öffentlichkeit und stellen einen berechtigten Kritikpunkt dar. Es fehlt an einem gemeinsamen Ansatz und an Engagement, die es ermöglichen würden, das Wissen einzelner Schulen zu systematisieren und eine gemeinsame Grundlage für die Weiterentwicklung und eine breite Anwendung zu schaffen. Diese Uneinigkeit kann man als ein Paradox der Sozionik bezeichnen, deren Hauptanliegen die bessere Verständigung unter den Menschen ist. Das Einzige, was all diese Schulen vereint, ist die Anerkennung der Arbeiten von Carl Gustav Jung und von Auschra Augustinavitschute. Es bleibt zu hoffen, dass in der Zukunft die Vernunft triumphiert, und eine gemeinsame Basis für weitere Forschungsaktivitäten geschaffen wird. Dabei sollen alle Alternativinterpretationen untersucht werden. Als eine ernstzunehmende Theorie muss die Sozionik in der Zukunft gemeinsam weiterentwickelt werden.

Sozionik in der Praxis

Bedauerlicherweise findet die Sozionik bisher immer noch wenig Anerkennung seitens der offiziellen Wissenschaftsgemeinschaft, obwohl erste ernstzunehmende Ansätze und Anwendungen schon existieren und dabei hervorragende Ergebnisse erzielen:

Im russischen Weltraumprogramm werden bei Kosmonauten deren Soziotypen bestimmt und auf die Eignung für die vorgesehenen Aufgaben hin untersucht. Außerdem werden die Beziehungen der Kosmonauten zueinander auf der Basis von deren soziotypischen Verträglichkeit untersucht, um mögliches Konfliktpotenzial frühzeitig aufzudecken. Es werden nur solche Gruppen zusammengestellt, die gut miteinander harmonieren und aus sozionischer Sicht eine konstruktive und konfliktarme Zusammenarbeit ermöglichen

Viele sozionische Zentren bieten ihre Dienste bei der Aufdeckung von Konfliktpotenzialen in Unternehmen an. Mit Hilfe des sozionischen Wissens werden Gruppen zusammengestellt, die eine vorgegebene Aufgabe erfolgreich lösen sollen, z.B. zur Generierung neuer Ideen, zur gezielten Produktoptimierung, zur Etablierung eines neuen Produkts auf dem Markt oder zum Lösen akuter Serviceprobleme

Für junge Menschen wird Eheberatung angeboten, die deren Beziehung aus sozionischer Sicht hinterfragt und den Grad der Eignung für das Eheleben darlegt. Außerdem gibt sie wertvolle Verhaltenstipps, um mögliche Konflikte in der zukünftigen Familie zu vermeiden

Viele sozionische Einrichtungen bieten, meist kostenpflichtige, Schulungen an, die alle Interessierten das sozionische Wissen beibringen und somit den Erkenntnishorizont der Menschen über sich selbst und über die anderen wesentlich erweitern

Die aus der Sozionik gewonnenen Erkenntnisse über den Menschen können als zusätzliche Informationsquelle für Entscheidungen herangezogen werden, dürfen aber nicht als einzige entscheidungsrelevante Quelle betrachtet werden. Andere, nicht weniger wichtige Aspekte, wie zum Beispiel, professionelle Eignung und Erfahrung, soziale Kompetenzen, Erziehung, Bildungs- und gesellschaftlicher Status spielen ebenso eine wichtige Rolle bei der Entscheidungsfindung. Sie alle müssen im Zusammenhang betrachtet und ausgewertet werden, um ein adäquates Bild der Situation abzubilden.

Die Sozionik liefert wertvolle Ansätze, die sowohl im Alltagsleben als auch im Beruf ihre Anwendung finden. Ein wichtiger Aspekt ist die bessere Entfaltung der verborgenen Potenziale der Menschen, sowie die Ermöglichung eines stressarmen Lebensstils, der einen wichtigen Beitrag zum allgemeinen Wohlbefinden und zur individuellen Gesundheit leistet.

Somit ist es der jungen Generation der Sozioniker überlassen, die Barrieren und Missverständnisse, welche die einzelnen Schulen trennen, aus dem Weg zu räumen, und eine ernstzunehmende, wissenschaftlich untermauerte Basis der Sozionik zu schaffen. Der Anfang ist gemacht, weitere Schritte sollen folgen.

3Vier Dichotomien als Grundlage der Sozionik

Aus allem, was ein Mensch sieht, hört, schmeckt, riecht und ertastet, entsteht seine individuelle Wahrnehmung der unmittelbaren Umgebung. Seine Sinnesorgane sind ständig unzähligen externen Reizen ausgesetzt. Sie wandeln diese Reize in elektrische Impulse um und leiten sie an die Schaltzentrale, das Gehirn, weiter. Hier werden die Impulse empfangen und nach ihrer Relevanz ausgewertet. Diese Auswertung stellt die Grundlage für die individuellen Reaktionen dar, die anschließend von den entsprechenden Organen, wie z.B. den Muskeln, in Tat umgesetzt werden. Erst die Bewegung der Muskeln lässt Gedanken und Absichten der Person wahr werden und macht diese für Außenstehende ersichtlich.

Durch das Zusammenspiel von mehreren Muskeln werden Zunge, Kiefer und Mund in der Weise bewegt, dass Laute produziert werden. Der Mensch spricht und kann dadurch seine Überlegungen und Absichten seinen Mitmenschen mitteilen. Er kommuniziert.

Normale Menschen ohne körperliche Behinderungen nehmen Sinneseindrücke in etwa derselbe Art und Weise auf. In einer alltäglichen Situation hören und sehen zwei Menschen, die sich am selben Ort befinden, das Gleiche, zumindest aus physikalischer Sicht. Ihre Sinnesorgane bekommen die gleichen Reize und leiten diese ans Gehirn weiter. Erst im Gehirn wird die Abfolge dieser elektrischen Impulse als Information erfasst, verarbeitet und interpretiert. Und genau hier passiert es!

Die Aufnahme der Information im Gehirn sowie deren Weiterverarbeitung sind stark personenbezogen. Was zwei Menschen, die sich am selben Ort befinden, tatsächlich wahrnehmen, hängt von der Art und Weise ab, in der die Signale in ihren Gehirnen interpretiert werden. Das heißt, nach welchen Präferenzen der Informationsgehalt beurteilt wird. Welche Signale werden als wichtig angesehen und welche komplett ignoriert. Diese Auswahl findet in den meisten Fällen autonom statt, ohne dass der Mensch dies bewusst wahrnimmt oder beeinflusst.

Die Sozionik bildet unser Bewusstsein mit einem vereinfachten Modell ab. Die Grundidee basiert auf der Annahme, dass nach einer externen Reizung der Sinnesorgane die dabei entstandenen Signale nur über eine vordefinierte und begrenzte Anzahl von Kanälen aufgenommen, verarbeitet und weitergegeben werden. In Analogie zu sensorischen Organen, deren Sensibilitätsbereich ebenfalls nicht unbegrenzt ist, werden die informationstragenden Reize der Außenwelt zuerst vorgefiltert, bevor sie zur Weiterverarbeitung in die entsprechenden Regionen des Gehirns geleitet werden. Diese internen Filter sowie die informationsverarbeitenden Funktionen in den zuständigen Gehirnarealen sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich stark ausgeprägt. Entsprechend stark oder schwach sind die Reaktionen dieser Funktionen auf die eingehenden Informationsinhalte.

Das sozionische Modell definiert insgesamt acht Kanäle der Informationsverarbeitung, die in zwei Gruppen von jeweils vier stark und vier schwach ausgeprägten Funktionen, eine Art Platzhalter, unterteilt werden. Dabei können diese Platzhaltefunktionen unterschiedliche Filter, eine Art Füllmaterial, enthalten. Diese Filter bewerten die ankommenden Informationen auf eine für sie typische, exakt definierte Weise und sind zum größten Teil für die individuelle Wahrnehmung und die Ausarbeitung der personenbezogenen Reaktionen zuständig.

Diese Struktur kann man mit einem Baukasten mit acht Steckplätzen (Funktionen) vergleichen, in die man acht auf eine bestimmte Weise geformte Holzklötze (Filter) stecken kann. Nach vorgegebenen Regeln sind insgesamt nur 16 Kombinationen erlaubt, wie die Klötze in die Steckplätze gesteckt werden können. Einerseits müssen die Klötze ein Muster ergeben, andererseits sind per definitionem nicht alle möglichen Varianten zulässig.

Somit ergeben sich insgesamt 16 Varianten, welche Filter sich in welchen Funktionen befinden und damit 16 Typen der menschlichen Psyche, die Soziotypen, abbilden.

Die von einem Menschen ausgehenden Reaktionen auf Reize der Außenwelt entstehen also aus einer Zusammenwirkung seiner Funktionen und den in diesen enthaltenen Filtern. Dabei spielen viele weitere sozionisch irrelevante Faktoren, wie Bildung, gesellschaftlicher Status, innere Werte, kulturelle und soziale Erziehung, durchaus eine wichtige Rolle. Diese Einflussfaktoren sind so zahlreich und zum Teil unberechenbar, dass sogar die gleiche Situation von der gleichen Person an zwei unterschiedlichen Tagen komplett anders bewertet wird, und somit unterschiedliche Reaktionen hervorruft. Dennoch kann man, mit einer gewissen Abstraktion, einen Leitfaden, ein allgemeines sozionisches Verhaltensmuster darin erkennen.

Zwei Personen, die gemeinsam einen Bahnhof betreten, werden im ersten Moment unterschiedliche Dinge wahrnehmen. Einer schaut direkt auf die große Uhr und sucht nach der Tafel mit dem Fahrplan. Dem anderen fällt sofort die große Zahl an Menschen und die hektische Stimmung auf, die dort herrscht.

Das sind die ersten Eindrücke, die automatisch entstehen, ohne dass man sie bewusst auslöst. Die Schwerpunkte, die das Gehirn dabei setzt, sowie die Menge der zu verarbeitenden Informationen, sind, wie bereits erwähnt, von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Dementsprechend unterschiedlich sind ihre Reaktionen.

Diese Tatsache ist dem österreichischen Psychotherapeuten Carl Gustav Jung aufgefallen und hat ihn dazu bewegt, die Menschen in unterschiedliche Gruppen (nach der Art, wie sie Informationen verarbeiten) zu unterteilen. Daraus hat Jung den Schluss gezogen, dass die Prozesse in unserem Gehirn, welche die Art und Weise bestimmen, wie wir mit einer Information umgehen, unsere Entscheidungen und somit unser Verhalten grundlegend beeinflussen. Aus seiner umfangreichen Praxiserfahrung ist eine neue Lehre – die Jungsche Typologie – entstanden. Dabei hat der weltbekannte Psychologe zuerst zwischen den introvertierten und extravertierten Individuen unterschieden. Er hat erkannt, dass es sich bei den beiden Typen um grundlegende Verhaltensmuster handelt, so dass die Präsenz von einem das andere komplett ausschließt. Deswegen spricht man in diesem Zusammenhang von einer Dichotomie.

Bei einer Dichotomie handelt es sich um ein komplementäres Mengenpaar, bei dem ein beliebiges Element entweder der einen oder der anderen Teilmenge zugeordnet ist, und bei dem es keine Elemente gibt, die zu den beiden Teilen gehören. Kurz gesagt: Entweder so oder anders, aber nie beides zusammen.

Zusätzlich zu der Dichotomie Extraversion-Introversion unterscheidet man in der Sozionik zwischen drei weiteren dichotomischen Paaren: Logik-Ethik, Sensorik-Intuition, Rationalität-Irrationalität. Aus jedem Paar wird nur ein Element, das die entsprechende Eigenschaft der Person am besten wiedergibt, ausgewählt. Somit lässt sich das sozionische Modell jedes Menschen eindeutig durch vier Eigenschaften beschreiben und zu einem der 16 möglichen Verhaltenstypen (Soziotypen) zuordnen.

Es ergeben sich im Modell der Sozionik 16 unterschiedliche Arten, wie die Menschen Informationen über ihre Umgebung interpretieren und verarbeiten. Dabei soll jeder Mensch nur der Variante zugeordnet werden, die seine inneren informationsverarbeitenden Strukturen am besten widerspiegelt.

Im Folgenden wird auf jede Dichotomie einzeln eingegangen und die spezifischen Verhaltensmuster der dazugehörigen Menschengruppen detailliert beschreiben.

Man muss dabei immer beachten, dass es sich bei der Zuordnung im Sinne der Sozionik in erster Linie um ein bevorzugtes Verhaltensmuster, die sogenannte Komfortzone, handelt. Sie soll die Verhaltensweise beschreiben, mit der ein Mensch dauerhaft sein Dasein gestaltet, ohne sich dabei unwohl zu fühlen und ohne einen ständigen inneren Widerstand oder das Gefühl, gegen sich selbst kämpfen zu müssen, zu verspüren.

Zuallerletzt noch eine kurze Erklärung zu den sozionischen Fachbegriffen. Da die Sozionik sich mit Menschen und deren zwischenmenschlichen Beziehungen befasst, werden die Menschen aus dem näheren Umfeld der zu betrachtenden Person als Objekte bezeichnet. Eine Anzahl von Objekten stellt die Umgebung oder das Umfeld dar, in dem das Individuum verkehrt, das seinerseits als Subjekt betrachtet wird. Durch sein Verhalten tauscht das Subjekt ständig Informationen und Energie mit den Objekten um sich herum aus. Die Informationen können sowohl einen verbalen als auch einen nonverbalen Charakter besitzen. Als Energie werden die emotionalen Reaktionen bezeichnet, die zwischen den Objekten (anderen Menschen) und dem Subjekt (der betrachtenden Person) ausgetauscht werden.

Extraversion-Introversion

Die erste Dichotomie unterteilt alle Menschen in zwei große Gruppen: die Extravertierten und die Introvertierten.

Beides sind Begriffe, die allgemein bekannt sind. Allerdings ist die weitverbreitete Meinung, dass extravertierte Personen offene, gesellige und ständig kontaktsuchende Zeitgenossen sind, im Gegensatz zu den Introvertierten, die als verschlossene, sich von der Gesellschaft abkapselnde, meist schweigsame Menschen gelten, nicht ganz korrekt oder zumindest nur bedingt zutreffend. Jeder von uns war schon einmal in einer Situation, in der er auf die eine oder andere Art Menschen aktiv kontaktiert hat oder andererseits nach Ruhe und Abgeschiedenheit, zumindest für eine bestimmte Zeit, gesucht hat. Außerdem gibt es Individuen, die zwar im Sinne der Sozionik extravertiert sind, sich trotzdem beim ersten Kontakt mit Fremden eher zurückhaltend, distanziert und wenig gesellig zeigen, wie z.B. die logischen Soziotypen. Im Gegensatz dazu gibt es auch Introvertierte, die auf andere Menschen aktiv zugehen, sich kontaktfreudig und kommunikativ verhalten, wie z.B. die ethischen Soziotypen. Auf die Unterschiede zwischen logischen und ethischen Soziotypen in der Dichotomie Logik-Ethik wird im Folgenden detailliert eingegangen. In der Sozionik sucht man vergebens nach simplen Konzepten und Klischees.

Ein Extravertierter orientiert sich in seinem Verhalten an den Objekten in seinem Umfeld, wozu im sozionischen Sinne vor allem Menschen gehören. Für seine Aktivitäten benötigt er die Reaktionen seiner Umgebung, also anderer Menschen. Erst aus diesen Reaktionen entsteht in seinem Bewusstsein eine Meinung über sich selbst. Ohne diese Rückkopplung verliert der Extravertierte die Orientierung, kann die Informationen über sein Umfeld nicht mehr eindeutig zuordnen. Er fühlt sich verwirrt und ist irritiert. Im Grunde stellt er sich in den Vordergrund, um nicht sich selbst darzustellen, sondern um sich einerseits eine Meinung über die eigene Persönlichkeit bilden und andererseits die Situation für sich besser einschätzen zu können. Generell gibt er mehr Energie und Informationen ab, als er aufnimmt.

Der Introvertierte hingegen zieht eine klare Grenze zwischen dem Subjekt, also sich selbst, und der Außenwelt. Eine introvertierte Person kann sich selbst gut einschätzen und braucht dafür keine Rückmeldung, bzw. keine Reaktionen von anderen. Sie nimmt mehr Energie und Informationen auf, als sie abgibt. Aus diesem Grund ist es für den Introvertierten problematisch, einen direkten Einfluss auf eine andere Person auszuüben, im Gegensatz zum Extravertierten, der ständig versucht, auf andere Menschen einzuwirken, ihnen etwas vorzuschreiben oder sie für die Erfüllung seiner Bedürfnisse einzusetzen. Dies erreicht er mehr durch die Gestaltung seiner Beziehungen zu Mitmenschen und weniger durch den Willen, andere Individuen zu verändern. Der Introvertierte passt sich lieber den aktuellen äußeren Verhältnissen an, anstatt sie aktiv zu beeinflussen. Er nimmt die Verhältnisse um sich herum als gegeben an und versucht nur dann, wenn es unbedingt nötig ist, die entsprechende Person zu beeinflussen und ihre persönliche Wertschätzung zu beeinträchtigen. Generell ist ein introvertierter Mensch der Ansicht, dass jeder für sich selbst zuständig ist. Er passt sich lieber selbst einer gegebenen Situation an. Somit baut der Extravertierte sein Selbstvertrauensgefühl auf der Verbesserung seines Ansehens in der Gesellschaft auf, während der Introvertierte sein Selbstwertgefühl aus der Arbeit an sich selbst bezieht.

Wenn eine Gruppe von Freunden darüber abstimmt, wie sie ihr gemeinsames Skiwochenende verbringen sollten, findet sich immer jemand, der seine eigene Vorstellungen darüber hat und mit dem ursprünglichen Vorschlag nicht einverstanden ist. Die Reaktion einer extravertierten Person aus der Gruppe besteht dann darin, den Abtrünnigen zu überreden, ihm die Gefährdung der Beziehung zu den anderen vor Augen zu führen und ihm, im schlimmsten Fall, mit Ausschluss aus der Gruppe zu drohen. Ein introvertierter Mensch hingegen versucht, die Argumentation des anderen zu wiederlegen und ihn durch die Darlegung der Vorteile zum Revidieren seiner Meinung zu bewegen. Oder er nimmt respektvoll seine Meinung als unveränderlich an und sieht keine weiteren Möglichkeiten den Konflikt zu lösen.

In Gesellschaft ist der Extravertierte an seiner expansiven Art zu erkennen. Er macht nicht Halt vor einem fremden oder unbekannten Terrain, bevorzugt Konkurrenz und die direkte Konfrontation. Seine Impulse und Aktivitäten sind, von seiner Person aus betrachtet, nach außen gerichtet, expansiv. Ganz im Gegensatz zum Introvertierten. Dieser erschließt die von einem Extravertierten eroberten Territorien. Fremde, ferne Gebiete und Einflusssphären interessieren den Introvertierten weniger. Sein Anliegen ist die Verbesserung und optimale Ausnutzung der vorhandenen Ressourcen, eine mögliche Vermeidung direkter Konflikte und jeglicher Konkurrenz. Die extravertierte Person meidet Pflichten und Verpflichtungen, die sie mit Zwang und Nötigung assoziiert. Verantwortung übernimmt sie hingegen gerne. Diese wird als Ehre betrachtet und liefert ständig neue Anreize für weitere rege Aktivitäten. Ganz umgekehrt ist es bei einem introvertierten Menschen. Er setzt sich aktiv mit Aufgaben auseinander, die, seiner Meinung nach, zu seinen Pflichten gehören. Verantwortung hingegen versucht er, soweit wie möglich, zu meiden. In seinen Augen ist sie eher eine Strafe. Er kann nur seine eigenen Handlungen verantworten, nicht aber die der anderen Menschen. Jeder soll nur für sich selbst zuständig sein.

Sollte ein Führungsposten im Unternehmen frei sein, schlägt ein Extravertierter sich selbst für den Posten vor und nimmt bewusst die Herausforderung und die Verantwortung für die Mitarbeiter an. Sofort versucht er, seine eigenen Regeln aufzusetzen und die Verhältnisse in der ihm unterordneten Gruppe seinen Vorstellungen anzupassen. Falls er nach einer Weile feststellt, dass die Stelle doch nicht seinen Vorstellungen entspricht, äußert er dies offen und sucht aktiv nach einer anderen Beschäftigung oder bittet um eine Versetzung.

Der Introvertierte hingegen wartet, bis seine Leistungen in ihrem wahren Wert anerkannt werden, und der Posten ihm angeboten wird. Die damit verbundene Verantwortung nimmt er als unvermeidliches Übel und eher wider Willen an. Die bestehenden Verhältnisse in der Gruppe akzeptiert er fraglos und vermittelt seinen Mitarbeitern seine Werte und seine Einsichten. Über die Jahre versucht er dann eine Stellung zu erreichen, für die er als unersetzlich gilt.

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