Logo weiterlesen.de
Warum Männer und Frauen nicht zusammenpassen …

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.

Der Preis dieses Bandes versteht sich einschließlich der gesetzlichen Mehrwertsteuer.

Shannon Stacey

Warum Männer und Frauen nicht zusammenpassen …

aber irgendwie doch!

Übersetzung aus dem Amerikanischen von Alexandra Hinrichsen

1. KAPITEL

Alles, was es brauchte, um Cameron Mayfield die gute Laune zu verderben, war der Minivan mit einem Taxizeichen auf dem Dach vor dem Ferienhaus nebenan. Er bremste den Pick-up ab, als er sich seiner Auffahrt näherte, es war die letzte in der unbefestigten, staubigen, mit Schlaglöchern übersäten Straße, und verfluchte sich selbst, weil er den Anruf von Jim Frazier vor zwei Wochen vergessen hatte.

„Meine Enkelin Anna – also, du erinnerst dich doch noch an Anna, oder? Na ja, sie verbringt diesen Sommer in unserem Ferienhaus. Sie hat ein hartes Jahr hinter sich und muss sich ein bisschen entspannen, um auf andere Gedanken zu kommen. Würdest du mir einen Gefallen tun und ein Auge auf sie haben?“

Er wollte kein Auge auf Anna haben. Er konnte Anna Frazier nicht ausstehen. Okay, zugegeben, als er sie zum letzten Mal gesehen hatte, war er zwölf und sie zwei Jahre jünger, aber damals mochte er sie absolut nicht. Selbst als Kind war sie schrecklich anstrengend und herrisch. Es fiel ihm schwer, sich vorzustellen, dass sich daran seitdem viel geändert haben sollte. Dass sie den ganzen Sommer im Ferienhaus nebenan verbringen würde, gefiel ihm überhaupt nicht.

Da er trotz des Altersunterschieds gut mit Jim und Betty Frazier befreundet war, hatte er dennoch versprochen, etwas auf ihre Enkelin achtzugeben. Anschließend hatte er das Gespräch prompt verdrängt.

Bis jetzt.

Cam fuhr am Ferienhaus der Fraziers vorbei, während der Minivan hinter ihm ungeschickt wendete, um die Straße hinunter wieder zu verschwinden. Selbst wenn Anna vom Haus ihrer Großeltern den Bus bis ganz nach Concord genommen hatte – er ging davon aus, dass sie dort gestartet war –, musste die Taxifahrt sie ein Vermögen gekostet haben. Aber das machte einer Anna Frazier wohl nichts aus – wie er hörte, hatte sie einen tollen, blendend bezahlten Job bei einer New Yorker Bank.

Cameron hielt mit dem Pick-up vor seinem Haus und stellte den Motor ab. Er sah noch einmal hinüber zur Einfahrt des nachbarlichen Ferienhauses. Vor der Tür türmte sich bergeweise Gepäck, neben dem eine rattenscharfe Brünette stand. Sie sah aus wie das Model auf der Titelseite einer dieser Frauenzeitschriften, die sie vor der Kasse deponierten, damit normale Frauen, die dort warten mussten, sich beschissen fühlten und zum Trost zu ein oder zwei Schokoriegeln griffen. Ihr volles braunes Haar fiel ihr fast bis auf die Schultern und war zu einem geraden Pagenkopf geschnitten. Ein Tanktop aus schimmerndem, seidigem Material spannte sich über ihren Brüsten, die ihn angenehm überraschten – Anna war als kleines Mädchen sehr mager gewesen. Ihre kurze Hose lag eng an den schmalen Hüften an, darunter kamen wohlgeformte Knie und Schenkel zum Vorschein. Die Schuhe mit Keilabsatz waren nicht unbedingt passend für einen Aufenthalt am See, setzten ihre Beine aber exzellent in Szene.

Die nervige kleine Anna Frazier hatte sich zu einer heißen Nummer entwickelt. In diesen Sandalen dürfte sie sich allerdings zweifellos die Knöchel brechen, wenn sie ihr Gepäck hineinschleppte.

Cam stieg aus dem Wagen. Die zuknallende Tür übertönte den Fluch, der ihm entfuhr. Er wäre viel lieber am Steg und würde ein kühles Bier trinken, statt den Gepäckträger für eine Frau zu spielen, die zu blöd war, Turnschuhe zu tragen. Aber weil er Jim versprochen hatte, auf Anna aufzupassen, konnte er sich ebenso gut bei ihr vorstellen und ihr gleichzeitig mit den Koffern helfen.

Die beiden Ferienhäuser trennte eine Reihe von Bäumen, um einen Rest Privatsphäre vorzugaukeln, doch die Stämme standen weit genug voneinander entfernt, sodass es kein Problem war, locker hindurchzusehen. Außerdem verband ein ausgetretener Trampelpfad die Grundstücke. Cam machte sich nicht die Mühe, zurück bis zur Straße zu gehen, sondern nahm den Pfad zwischen den Bäumen hindurch.

„Kann ich Ihnen helfen?“, fragte er. Anna hatte ihm den Rücken zugewandt und murmelte vor sich hin. Offenbar hatte sie ihn vorher nicht gehört, denn jetzt sprang sie erschrocken hoch, kreischte und wirbelte herum.

„Wo, zum Teufel, sind Sie auf einmal hergekommen?“, verlangte sie zu erfahren, und man hörte, dass sie die letzten Jahre nicht in New England, sondern in New York verbracht hatte.

„Von nebenan.“

„Und warum bitte?“

„Weil ich da wohne.“

„Was?“ Sie stemmte die Hände in die Hüften, wodurch das Tanktop an gewissen beunruhigenden Stellen noch mehr spannte. „Nein, das meinte ich nicht. Ich wollte wissen, weshalb Sie sich so heimlich an mich heranschleichen.“

„Das habe ich doch gar nicht. Du hast dich nicht besonders verändert, was?“

Anna starrte ihn an. Cameron blieb stehen und gab ihr etwas Zeit. Er sah es auf ihrem Gesicht, als es ihr wieder einfiel.

„Cameron … Dingsda. Mayfield. Wohnst du etwa hier? Ich meine, das ganze Jahr über?“

„Einfach Cam. Und ja, das ist mein fester Wohnsitz.“ Er ging an ihr vorbei und packte die ersten beiden ihrer vier riesigen Koffer, die in der Auffahrt neben ihr standen.

„Was machst du da?“

„Ich klaue deine Klamotten.“ Er stieg die Stufen zur Veranda hoch, stellte ein Gepäckstück ab und öffnete die Tür. Dann schleppte er die Koffer ins Wohnzimmer und marschierte anschließend zurück, um auch die zwei anderen zu holen.

„Danke“, sagte Anna, als er danach herauskam.

„Keine Ursache.“ Er war bereits fast zwischen den Bäumen verschwunden, als ihm einfiel, was er ihrem Großvater versprochen hatte. Also rief er über die Schulter hinweg: „Falls du irgendwas brauchst oder es Probleme gibt, weißt du ja, wo du mich findest.“

Er betrat sein Haus und ging direkt in die Küche an den Kühlschrank, um sich ein Bier zu holen. Er hatte den ganzen Tag damit verbracht, seinem Kumpel Ron dabei zu helfen, das Dach seiner Garage neu zu decken. Jetzt war ihm heiß, er hatte Durst und freute sich auf ein erfrischendes Bad im See. Morgen war Sonntag und er hatte den freien Tag genau geplant. Schlafen. Essen. Angeln. Ein, zwei Bier. Wieder essen. Schlafen.

Nachdem er ein Viertel der Dose in einem Zug ausgetrunken hatte, stellte er den Deckenventilator und den Fernseher an, um sich die Abendnachrichten anzuschauen. Er hatte eine hübsche Stange Geld dafür hinblättern müssen, damit das Digitalkabel bis zu ihren Ferienhäusern verlegt wurde, aber es hatte sich gelohnt. Schließlich wohnte er im Gegensatz zu den meisten anderen Leuten, die ein Haus am Askaskwi Lake besaßen, nicht nur im Urlaub hier, und es gab ein paar Dinge, auf die ein Mann nicht verzichten konnte.

Worauf er allerdings seit einer ganzen Weile verzichtete, war weibliche Gesellschaft. Das musste auch der Grund dafür sein, dass er nicht viel vom Wetterbericht mitbekam, sondern stattdessen immer wieder Anna Fraziers schöne Beine in den Sandalen vor sich sah. Höchstwahrscheinlich würde sie sich in denen demnächst das Genick brechen. Annas Kratzbürstigkeit und ihr erotischer Körper waren keine gute Kombination, und er befürchtete, es könnte ein sehr langer Sommer auf ihn zukommen.

Anna stand mitten im Ferienhaus ihrer Großeltern und bekam leise Panik. Sie war jedoch gut darin, sich so etwas nicht anmerken zu lassen. Wenn jetzt jemand durchs Fenster hereingeschaut hätte, hätte er nur eine perfekt zurechtgemachte junge Frau bemerkt, die offenbar ruhig ihren Gedanken nachhing. Die Wahrheit sah allerdings anders aus. Seelisch war sie am Ende. Wie war sie nur in diesem Haus voller Möbel aus den frühen Siebzigern gelandet? In der Schule war sie Klassensprecherin gewesen. Die Uni hatte sie als eine der Besten absolviert. Danach stieg sie schnell in der Bankenwelt von New York auf und schien eine glänzende Karriere vor sich zu haben – bis sie wegen des Finanzcrashs ihren Job verlor. Nach fünfzehn Jahren, in denen sie schwer geschuftet und alles für ihre Arbeit gegeben hatte, war sie nervlich vollkommen fertig, litt unter hohem Blutdruck, hatte möglicherweise ein Magengeschwür und stand vor einer Couch voller abgewetzter Kissen mit aufgestickten Tiermotiven. Und über der Tür hing ein ausgestopfter Fisch.

Sie ließ die Koffer im Wohnzimmer stehen und machte einen Rundgang durchs Haus. Mit gemischten Gefühlen stellte sie fest, dass sich seit ihrem letzten Besuch nicht viel verändert hatte. Damals war sie zehn gewesen. Dieser Raum bildete das Herzstück des Feriendomizils, links daneben befand sich das Schlafzimmer, rechts waren das Bad und die Küche, in der es einen Esstisch gab. Das war auch schon alles.

Ihr Vater hatte in Boston gearbeitet und war nur selten zum Ferienhaus seiner Eltern mitten in New Hampshire gefahren, aber ihre Mutter war früher im Sommer oft mit ihr hergekommen. Die hässliche karierte Couch ließ sich zu einem erstaunlich bequemen Bett ausklappen, auf dem zwei Leute schlafen konnten. Dort hatte sie zusammen mit ihrer Mutter übernachtet. Die Ferien verbrachte sie hier damit, zu essen und zu spielen und zu schwimmen und wieder zu essen. Doch dann hatten ihre Eltern sich scheiden lassen und danach waren sie mit ihrem neuen Stiefvater nach Connecticut gezogen. Ihren richtigen Vater hatte sie ein paar Mal im Jahr in Boston getroffen. Er hatte immer sehr viel gearbeitet und bemühte sich auch nach der Trennung nicht, mehr Zeit mit ihr zu verbringen als vorher. Ihre Großeltern besuchte sie ebenfalls in Boston, ins Ferienhaus am See in New Hampshire war sie nicht zurückgekehrt.

Okay, wenigstens war es sauber. Ihre Großmutter hatte ihr gesagt, dass eine Frau aus der Nachbarschaft einmal im Monat zum Putzen kam. Deshalb war es weder staubig, noch roch es muffig. Das gesamte Haus hätte ins Wohnzimmer ihres exklusiven Apartments in New York gepasst, das sie aufzugeben gezwungen war, nachdem sie ihren Job verloren hatte. Dennoch, sie musste zugeben, dass das kleine Ferienhaus trotz allem gemütlich und niedlich war, und tatsächlich fühlte sie sich schon etwas besser.

Sie hatte alles, was sie brauchte, Ruhe und zuverlässigen Netzempfang fürs Handy. Nach Letzterem hatte sie ihre Großmutter explizit gefragt, bevor sie das Angebot angenommen hatte, hier den Sommer zu verbringen. Sonst wäre sie gar nicht erst in New Hampshire aufgetaucht. Sie hatte an jede Bank und an jede Finanzberatung in New England eine Bewerbung geschickt und war deshalb auf ihr Smartphone mit Internetverbindung angewiesen.

Was sie allerdings derzeit nicht im Haus hatte, waren Lebensmittel. Und was noch schlimmer war, Kaffee gab es im Moment auch nicht. Dass sie keinen Wagen besaß und nicht einmal wusste, wo sich der nächste Tante-Emma-Laden befand, machte die Situation nicht besser. Google Maps schien die Gegend um den See nicht besonders gut zu kennen und war diesbezüglich leider keine Hilfe. Sie hatte kein Problem damit, zu Fuß in den Ort zum Einkaufen zu marschieren, aber das musste ja vielleicht nicht unbedingt kurz vor Sonnenuntergang passieren, zumal sie nicht einmal den Weg kannte.

Am besten fragte sie ihren Nachbarn danach, wo sich der nächste Laden befand und wie lange der Marsch hin und zurück dauern würde. Anna dachte an den verächtlichen Blick, den er auf ihre Schuhe geworfen hatte. Sie selbst hatte er allerdings ein paar Mal ziemlich interessiert von Kopf bis Fuß gemustert.

Es war zwar lange her, aber sie hatte angenehme Erinnerungen an die Ferien, die sie als Kind hier in New Hampshire verlebt hatte. Und sie hatte auch Cam Mayfield, den Nachbarsjungen, nicht vergessen, der zwei Jahre älter war als sie. Weil sie auf dieser Seite des Sees die einzigen Kinder im etwa gleichen Alter gewesen waren, verbrachten sie natürlich damals viel Zeit miteinander. Er konnte allerdings manchmal ganz schön gemein sein. Andauernd hatte er ihr gesagt, sie solle endlich die Klappe halten, weniger quatschen und zur Abwechslung mal stillsitzen.

Obwohl sie erst zehn gewesen war, hatte sie bemerkt, dass er ziemlich süß war. Seitdem hatte er sich zu einem verdammt gut aussehenden Mann entwickelt. Sein Haar brauchte mal wieder einen frischen Schnitt, und seine Klamotten – Cargoshorts und T-Shirt – waren ungefähr so rustikal wie die Innenausstattung des Ferienhauses, aber das passte irgendwie zu ihm – Cam war der Typ Naturbursche.

Aus dem Augenwinkel bemerkte sie draußen eine Bewegung und trat an die beiden großen Glasschiebetüren, die auf die Terrasse hinausführten. Nebenan ging ihr Nachbar den Steg hinunter zum See und trug dabei nichts als ein paar graue Boxershorts.

Anständigerweise hätte sie sich jetzt umdrehen müssen. Wahrscheinlich hatte er bereits vergessen, dass sie überhaupt da war, und rechnete auch ansonsten nicht damit, dass ihn jemand beobachtete, da sein Ferienhaus genau wie das ihrer Großeltern ein bisschen versteckt lag. Vermutlich schwamm er oft in Unterwäsche, weil er eben keine Nachbarn hatte.

Anna drehte sich nicht um. Cams kräftiger sonnengebräunter Rücken glänzte in der Abendsonne. Seine Arme waren nicht übertrieben muskulös, aber man sah, dass Mr Mayfield nicht den ganzen Tag am Schreibtisch saß. Wie auch immer er seinen Lebensunterhalt verdiente – ganz offensichtlich arbeitete er schwer dafür und wohl nicht selten mit freiem Oberkörper.

Vollkommen selbstvergessen beobachtete sie für ein paar gestohlene Momente, wie dieser attraktive Mann mit langen selbstbewussten Schritten den Steg entlangging. In den letzten Jahren hatte sie für Männer nur wenig Zeit gehabt, und wenn mal einer am Horizont aufgetaucht war, führte er in der Regel denselben Lebensstil wie sie. Das bedeutete, dass der Sex so gehetzt ablief wie der Rest in ihrem Leben. Und ganz gleich, ob diese Männer nun ins Studio gingen oder nicht – keiner von ihnen hatte einen Körper wie Cam Mayfield.

Der tauchte gerade nach einem perfekten Kopfsprung in den See ein, und Anna kam plötzlich zur Besinnung, als hätte sie jemand mit Eiswasser übergossen. Sie brauchte keinen Sex, sie brauchte etwas zu essen. Und wenn sie heute noch einkaufen wollte, musste sie sich ranhalten. Deshalb konnte sie auch leider nicht warten, bis er wieder aus dem Wasser stieg und zurück ins Haus marschierte – während die klitschnassen Boxershorts an seinem Körper klebten. Nein, daran durfte sie nicht mal denken, das wäre zu verführerisch.

Sie hatte noch nie viel Geduld gehabt, also schob sie die Glastür auf und ging runter ans Ufer. Beide Ferienhäuser hatten ihren eigenen kleinen Kiesstrand, teilten aber den Bohlensteg miteinander.

Unglücklicherweise hatte sie erst ein Viertel des Wegs zurückgelegt, als Cam die Hände auf den Steg stützte und sich aus dem Wasser stemmte. Dann stand er nass und fast komplett nackt vor ihr. Der graue Stoff der Shorts lag eng an.

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Warum Männer und Frauen nicht zusammenpassen … aber irgendwie doch!" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen