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Warum Familien streiten

Ludger Wentingmann

Warum Familien streiten

Bedürfnisse und Gefühle in den Blick genommen

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Viele Menschen leben im Heute und scheuen den Blick auf das Morgen

Glück und Zufriedenheit, eine Frage des Wohlstandes?

Familien und Gesellschaft im Mainstream

Persönlichkeit leben – Stärken und Schwächen

Menschen brauchen vertrauensvolle Beziehungen

Schicksalsschläge verändern das Leben

Produzierter Geschwisterstreit im Erbfall

Bedürfnisse und Kommunikation im Familienalltag

My home is my castle

Kinder sind eigenständige Persönlichkeiten

Menschen brauchen Bühnen der Aufmerksamkeit

„Das liebe Geld“ und immer wieder Streit

Armut ist präsent mit vielen Gesichtern und Ursachen

Gesundheit – ein Geschenk oder Lohn für Verantwortung

Religiosität und Sterben im Spiegel des Miteinanders

Demografie fragt nach dem Wohnen im Alter

Pflegebedürftigkeit im Alter kündigt sich an

Was Kinder für ihre alten Eltern leisten können

Bürgerschaftliches Engagement – ein Win-Win-Modell

Checkliste für vorsorgende Achtsamkeiten unter materiellen und emotionalen Aspekten

Vorwort

In meinem Beruf als Bankkaufmann hatte ich immer mit Zahlen und mit Menschen zu tun. Die Zahlen standen für Geld, das Kunden entweder als Guthaben anlegten oder als Kredite für irgendwelche Investitionen sich geliehen haben. Das war für mich die materielle Welt des Mammons. Nicht abwertend gemeint. Denn es ist ja die Basis für die Erfüllung so mancher Notwendigkeiten oder Wünsche.

Eine Bank lebt immer auch von ihren Kunden. Das sind Menschen mit ganz unterschiedlichen Mentalitäten, Stärken und Schwächen. Gegenseitiges Vertrauen, Respekt und Verlässlichkeit sind die Brücken zu erfolgreichen und harmonischen Beziehungen. So ist es in vielen Bereichen des Miteinanders. Menschen begegnen sich immer auch emotional mit vielfältigen und wechselnden Ausprägungen. Über Jahre betreute ich einen Kunden mit guten, finanziellen Verhältnissen. Doch die Kommunikation war durch seine cholerischen Tendenzen für mich nicht ganz einfach. Nach einer gewissen Zeit konnte ich gut damit umgehen. Ich verzichtete auf aktive Reaktionen und signalisierte Verständnis. Das war dann der Türöffner für das Gespräch auf der Sachebene.

Mit den Jahren habe ich die emotionale Ebene bewusster wahrgenommen und in der Beziehungspflege mit anderen intensiviert. Der Mensch, der hinter dem geschäftlichen Anliegen stand, war mir immer wichtig. So waren nahezu all meine Kundenkontakte vom gegenseitigen Vertrauen geprägt. Ein gutes Gefühl auch für mich und ein Mehrwert für alle Seiten.

Immer wieder bekam ich mit, dass Familien des Geldes wegen in Streit gerieten. Mal ging es um zu wenig Geld, und mal war der Vermögensreichtum der Streitauslöser. Die materiellen Motive sind meistens nur vordergründig. Im Hintergrund, in der Psyche der Menschen geht es beispielsweise um gefühlte Benachteiligung, um mangelnde Achtsamkeit, aber auch um Neid und Gier. Es sind sehr menschliche Gefühle, die in unterschiedlichen Facetten Beziehungen streitbar oder gar kämpferisch werden lassen.

Mit diesem Buch möchte ich auf eine Vielzahl von Streitmotiven aufmerksam machen. Dabei greife ich zurück auf meine Erlebnisse und Erfahrungen in vielen Bereichen des Lebens. So habe ich sehr konkrete Streitsituationen beschrieben. Die Familien, und damit alle Generationen von Jung bis Alt, stehen dabei im Fokus. Ausgehend von den streitbaren Fakten möchte ich die Blicke öffnen für die dahinterstehenden emotionalen Befindlichkeiten. Wo diese mit Weitsicht und Achtsamkeit wahrgenommen und respektiert werden, kann das Miteinander deutlich entspannter und harmonischer gestaltet werden.

Ludger Wentingmann

Viele Menschen leben im Heute und scheuen den Blick auf das Morgen

Täglich werden wir alle damit konfrontiert, dass diese Welt weder gerecht noch perfekt ist. Die Nachrichten in den Printmedien sowie in Rundfunk und Fernsehen bringen tagtäglich in einer noch nie dagewesenen Vielfalt und Transparenz das Weltgeschehen in unsere Wohnzimmer. Ein Bierchen, ein Glas Wein mit den rituellen Knabbereien schmecken uns vor dem Fernseher trotz all der negativen Schlagzeilen recht gut. Bilder von zerstörten Städten wie seit Jahren beispielsweise in Syrien oder aus anderen Kriegsgebieten dieser Erde sind uns sehr vertraut. Erst durch die intensiven Flüchtlingsströme in das erwartete Paradies Deutschland seit etwa Mitte 2015 berühren uns die Nöte der Kriegsflüchtlinge auch persönlich. Plötzlich ist das Leid nicht mehr fern von uns, sondern durch Menschen in unsere Nähe gerückt. Es geht uns zu Herzen. Sehr viele Freiwillige engagieren sich in den Flüchtlingsunterkünften. Hautnah menschliche Nöte und Schicksale zu erleben, lässt Helfer bis an ihre eigenen Grenzen gehen. Desinteressiert oder distanziert berühren menschliche Tragödien uns jedoch kaum.

Manchmal wählen wir auch den bequemeren Weg, indem wir einfach wegschauen. Vielleicht aus der Sorge vor einer Überforderung oder auch aus gefühlter Ohnmacht. Ich erlebe jedoch auch die Haltung: „Was geht mich das an, jeder hat auch eine Eigenverantwortung.“ Hier spiegelt sich möglicherweise die eigene unbefriedigende Situation oder doch eine egoistische Grundeinstellung. Wird aber selbst eine Hilflosigkeit erfahren, ist das Geschrei recht groß.

Losgelöst von den lebhaften Diskussionen über die motivierende Botschaft der Kanzlerin Angela Merkel im Herbst 2015: „Wir schaffen das“, zeigen Bürger und Bürgerinnen ihre Verantwortung in dieser globalen Welt. Sie praktizieren ganz einfach Menschlichkeit. Ein Bedürfnis, das tief in jedem von uns verankert ist. Es geht um anerkennende Wertschätzung. Oder anders ausgedrückt, wir wollen in unserer Persönlichkeit respektiert und geliebt werden. Das gilt für jede zwischenmenschliche Beziehung. Es schmerzt schon sehr, wenn die urmenschlichen Bedürfnisse nicht erfüllt werden. Jeder Mensch ist ein Individuum mit seinen Stärken, aber auch mit seinen Ecken und Kanten. Letztere empfinden wir oft als ärgerlich, ja manchmal sind sie sehr verletzend. Stärken, die mit Arroganz und Dominanz von außen auf uns einwirken, bringen uns schon mal zur Irritation, zur Einschüchterung oder gar zur Wut.

Ich erinnere mich an das Sprichwort „Wo gehobelt wird, da fallen auch Späne“. Mir ist klar, wenn Entscheidungen getroffen, Lösungen gefunden oder etwas erarbeitet wird, dann gibt es keine Garantie für Perfektion. Der Anspruch ist da, doch wer kann ihn auch erfüllen? Kein Mensch auf dieser Erde ist vollkommen. Die menschliche Begrenztheit und das eigene Schwächeln in unterschiedlichsten Facetten erfahren wir doch irgendwie jeden Tag. Da ist der heutige, moderne Mensch weder besser noch schlechter als alle Generationen vor uns. Immer wieder sind unser Reden sowie das Tun mit dem Makel der Schwäche behaftet. Die Ursachen dafür sind vielschichtig. Menschen sind beispielsweise vergesslich und machen aus vielerlei Gründen Fehler. Eines der größten Schwächepotenziale erlebe ich in der Kommunikation mit unserem Reden, Denken und Handeln. Es sind unsere Emotionen, die unsere Kommunikation und das Miteinander wesentlich mitbestimmen. Das Reden über Gefühle ist selbst schon eine riesige Überwindung. Da begleitet mich die Angst, ich könnte missverstanden oder gar ausgelacht werden. Das möchte keiner. So werden Mechanismen genutzt wie Ausreden, Lüge, Schweigen, Thema wechseln, Belächeln oder auch das Ausmalen mit einer rosaroten Brille. Das gibt dann Schutz nach außen, zumindest in der aktuellen Situation. Die Gefühlslage nach innen mag für den Augenblick beruhigt sein. Doch alles, was unterdrückt wird, kommt früher oder später wieder an die Oberfläche und dann in stärkerer Potenz.

Unsere Unvollkommenheit wirkt sowohl nach innen als auch nach außen. Wie oft bereuen wir einen gemachten Fehler und leiden an unserer eigenen Schwachheit. Um davon abzulenken, fokussieren wir unsere Blicke permanent auf andere. In uns weckt das Gefühle wie Neid oder Missgunst, die unseren Selbstwert subjektiv erniedrigen. Daraus suggerieren wir eine Benachteiligung. Ein Arbeitskollege erzählte mir einmal, dass sein Sohn eines Tages begeistert von seinem Freund nach Hause kam und berichtete: „Papa, die Eltern von Michael, die sind richtig reich und fahren einen Porsche.“ Der Vater habe darauf erwidert: „Du siehst den Porsche und das ist ein tolles Auto. Du kannst aber nicht sehen, ob der Porsche nur geliehen oder mit Schulden gekauft wurde. Wir Menschen schauen immer zuerst auf das, was wir mit den Augen wahrnehmen können. Viele andere Dinge im Hintergrund bleiben häufig unsichtbar. Deshalb kommt es immer wieder vor, dass wir uns blenden lassen.“

In der Bank habe ich Kunden kennengelernt, die wirklich reich waren, die aber äußerlich sich bescheiden zeigten. Umgekehrt sind mir auch Kunden begegnet, die sich verschuldeten, nur um nach außen mit etwas Luxus angegeben zu können. Der Wert einer Person ist niemals mit dem messbar, was er ist oder was er hat. Wenn ich in den Spiegel schaue, sehe ich nur mein Gesicht. Damit kann ich zufrieden oder eben auch unzufrieden sein. Das hängt von meinen Erwartungen und Wünschen ab. Diese werden auch durch Vergleichen mit anderen Personen geprägt. Ein gewisses Maß an Bescheidenheit und Dankbarkeit für mein Leben hier auf Erden fördern eher mein Glücksempfinden. Aus einer so gewonnenen Rundumzufriedenheit kann es mir auch gelingen, insgesamt etwas gelassener zu sein. In den letzten Jahren ist mir bewusst geworden, dass viele äußerliche Wohlstandssymbole für mich nicht mehr so wichtig sind. So sehe ich das Auto nur noch als einen praktischen Gebrauchsgegenstand. Das regelmäßige Autowaschen und Polieren der glänzenden Chromleisten ist längst Vergangenheit. Beim Einkaufen frage ich mich oft, brauche ich das oder ist es für mich nicht so wichtig. Früher folgte ich allen Einladungen, weil ich meinte, dass ich dabei sein müsste. An meinem 50. Geburtstag fragte mich mein Chef in der Bank, ob sich denn für mich jetzt etwas ändere. Ich sagte mit einer inneren Gelassenheit: „Jetzt kann ich sagen, was ich denke und was mir wichtig ist.“ Ergänzend sagte ich: „Okay, ich darf natürlich niemanden persönlich angreifen oder beleidigen.“ Respektvoll und achtsam mit sich selbst sowie mit anderen umzugehen, ist ein hoher Anspruch und in der Wirklichkeit des Alltages nie perfekt zu erreichen. Schon das Wissen und das Bemühen darum ist ein guter Weg.

Mit all diesen Themen sind wir privat und beruflich unterwegs. In meinem Berufsleben als Kreditberater wurde ich nicht nur mit den Fakten konfrontiert, sondern immer auch mit den Menschen, die ich häufig über viele Jahre betreut habe. Die Zahlen für oder gegen die Bereitstellung eines Kredites waren für mich immer nur eine Seite der Medaille. Der Mensch und seine Bedürfnisse, soweit die Bank sie erfüllen konnte, standen für mich immer mit im Vordergrund. Gewiss hatte ich auch die Zielvorgaben meines Arbeitgebers stets im Auge. Mein Weg zur Zielerfüllung war nicht das rhetorische Verkaufsgespräch, sondern die offene und faire, partnerschaftliche Beziehung. Aus diesem sehr lebendigen und vertrauensvoll geprägten Miteinander konnte ich für meine Kunden und für die Bank über Jahre recht erfolgreich tätig sein. Und über Erfolge habe ich mich selbst natürlich auch sehr gefreut. Das stärkte auch meine Motivation und Zufriedenheit.

Häufig wurde ich in der Bank damit konfrontiert, dass in den Familien der von mir betreuten Kunden massiver Streit entstanden ist, der auch schon mal vor Gericht ausgetragen wurde. Auslöser dabei war des Öfteren, dass durch einen Unfall mit schweren Langzeitfolgen oder durch einen plötzlichen Tod das Leben der Angehörigen wie ein Blitz getroffen wurde. Neben dem Tod eines geliebten Menschen kamen häufig auch die finanziellen Sorgen. Dabei ging es sehr oft auch um Erbregelungen, die Angehörige so nicht erwartet hatten. Zwar gibt es eine gesetzliche Erbfolge, die immer dann greift, wenn der Erblasser selbst keine Verfügungen für den Todesfall getroffen hat. Die gesetzliche Regelung berücksichtigt jedoch nicht die individuellen Bedürfnisse und Situationen der Familie, sodass sie oft als ungerecht empfunden werden. Ärger und Konflikte infolge fehlender oder unzureichender Regelungen für den Tag X haben schon so manche Familie auseinandergebracht. Bei den Amtsgerichten finden unzählige Zwangsversteigerungen statt, wo es nur darum geht, eine ungeteilte Erbengemeinschaft aufzulösen. Mit gerichtlichen Mitteln muss dann im Nachhinein und mit vielen emotionalen Störungen für Familien nachgebessert werden. Leidvolle Wunden bleiben des Öfteren lebenslänglich. Solche Schicksale haben mich in der Bank menschlich berührt und nachdenklich gemacht. In den letzten Jahren habe ich deshalb von mir aus diese Themen auch immer wieder bei meinen Kunden prophylaktisch angesprochen. Dabei spürte ich so manche emotionale Blockade. Mit dem Gefühl der Angst vor dem eigenen Tod werden vorausschauende Erbregelungen gern unter den Teppich verdrängt. „Es ist ja noch viel Zeit.“

Für mich ist bei solchen Erlebnissen das Bedürfnis gewachsen, hier ein wenig aufzuklären und Mut zu machen. Somit ist die Idee geboren, meine Erfahrungen und Erlebnisse in diesem Buch aufzuschreiben. Die geschilderten Fälle sowie Namen und Ortsangaben wurden dabei anonymisiert und haben daher keinen Erkennungswert.

Auf dem Büchermarkt gibt es unzählig viele Ratgeber für Erbregelungen und Vorsorge, die sich sehr intensiv mit den juristischen und steuerlichen Fragen beschäftigen. Ich möchte hier verstärkt den Fokus auf die menschliche Emotionalität und das Beziehungsgeflecht „Familie“ richten. Wobei ich im weiteren Sinn hier auch Frau und Mann in der Ehe und in Lebenspartnerschaften sehe.

Immer dann, wenn Menschen eine sogenannte Haushaltsgemeinschaft leben und diese auch durch gegenseitiges Geben und Nehmen funktioniert, gibt es ein Bedürfnis der Vorsorge für den Tag X, das individuell sehr unterschiedlich sein kann. Es versteht sich daher von selbst, dass meine Ausführungen und Anregungen nicht für alle und jeden passend sein können. Das Grundbedürfnis nach Sicherheit und Verlässlichkeit ist in unserer Gesellschaft sehr ausgeprägt vorhanden. Für die konkrete Umsetzung bei sich selbst fehlt oftmals der Mut oder der ernsthafte Wille. Vorsorge möchte ich hier nicht so sehr unter materiellen Aspekten ansprechen. Erdenbürger streiten immer wieder über Äußerlichkeiten, Macht und Besitz. Das Grundmotiv für Streit liegt jedoch tiefer auf der emotionalen Ebene.

Vorsorge ist immer auch eine Vorausschau auf die menschlichen Bedürfnisse und beschäftigt sich mit den möglichen Folgen, wenn falsch oder gar nicht gehandelt wird. Den Blick möchte ich auch auf die Persönlichkeit der Kinder und ihre ganz eigenen Fähigkeiten und Bedürfnisse richten. Das kann Mütter und Väter so manche Auseinandersetzung ersparen. Das Zusammenleben in einer Familie ist immer ein emotionales Spannungsfeld. Meine diesbezüglichen Beschreibungen erheben nicht den Anspruch auf Vollständigkeit und sind auch keine psychologischen Abhandlungen. Es sind subjektive Erlebnisse und Wahrnehmungen, mit denen ich für das Thema „Familienstreitigkeiten infolge fehlender Achtsamkeit und Vorsorge“ sensibilisieren möchte.

Zum Blick auf das Morgen gehört immer auch das gedankliche Loslassen des uns vielbeschäftigenden Heute und eine gewisse Weitsicht. Zwar können wir alle nicht die Zukunft vorhersagen, doch sind so manche Entwicklungen durch die Gegebenheiten in der Gegenwart vorprogrammiert. Die Veränderungen auf Grund der demografischen Entwicklung sind vielfältig und werden uns, egal ob wir in einer Familie oder als Single leben, künftig auch persönlich berühren. Wer den Zukunftsfragen ausweicht, wird früher oder später damit unvorbereitet konfrontiert.

Der moderne Fortschrittsglaube für verschiedene Gesellschafts- und Lebensräume beginnt hier und da zu bröckeln. Das muss uns keine Angst machen, zumal der Mensch zu ungeahnten Leistungen fähig ist, wenn die Situation es erfordert. Auch stellt sich die Frage: „Was können oder müssen wir künftig wieder verstärkt in Eigenregie und Eigenverantwortung übernehmen, weil die Finanzierbarkeit des weitgespannten sozialen Netzes nicht mit einer Ewigkeitsgarantie versehen ist?“ Neue kreative Wege wachsen hier und da bereits durch bürgerschaftliches Engagement mit guten Erfolgen. Was mit Begeisterung gelingt, macht auch zufriedener und glücklicher. Selbstbestimmt und in Eigenverantwortung können Erdenbürger für sich selbst und ihre Zukunft eine Menge vorsorgen. Beim Thema „Gesundheit und Essgewohnheiten“ ist unsere Gesellschaft schon auf gutem Wege.

Wir können natürlich auch alles gelassen durch die rosarote Brille betrachten und uns in Sicherheit wiegen. Doch das sicher geglaubte Gewohnte ist, wie alles auf dieser Erde, auch der Veränderung unterworfen. Die Uhr läuft, ob mit uns oder ohne uns. Im Sprachgebrauch ist oft die Rede davon: „Es ist bereits 5 vor 12.“ Es ist ein Symbol zum Wachrütteln und eine Einladung zum Handeln. Heute ist noch Zeit, morgen kann es zu spät sein. Das gilt auch für die individuelle Vorsorge mit ihren vielfältigen Facetten. Die Zukunft ist nicht gewiss, aber sie wird zumindest im Heute mitgeprägt. Der Hl. Franziskus sagte: „Tue das Notwendige, dann das Mögliche, und plötzlich schaffst du das Unmögliche.“

Glück und Zufriedenheit, eine Frage des Wohlstandes?

Im Frühjahr 2009 war ich erstmals auf dem afrikanischen Kontinent. Mit einer kleinen Delegation einer Kolpingfamilie waren wir zu Gast bei der Kolpingfamilie St. Joseph Bujumbura in Uganda, die am Palmsonntag in der Stadt Hoimar ihr 25-jähriges Vereinsbestehen feierte. Mit dieser zum internationalen Kolpingwerk gehörenden Kolpingfamilie besteht seit einigen Jahren eine Partnerschaft, die erstmals auch mit einem persönlichen Kennenlernen intensiviert werden sollte. Die Stadt Hoimar liegt etwa 200 km nordwestlich von der Hauptstadt Kampala. Uganda ist, wie viele afrikanische Länder, materiell sehr arm. Doch es gibt dort nach meinen Erlebnissen einen anderen Reichtum, den wir durch unseren Wohlstand gelegentlich überdecken oder durch die Art unserer Lebensweise aus unserem Blick verloren haben. Es ist die Zufriedenheit und die Fröhlichkeit der Menschen, die ich bei all den persönlichen Begegnungen immer wieder intensiv erleben durfte. Diese Werte der Herzlichkeit, der Gastfreundschaft und der Menschlichkeit gewinnen in unserem Land auch wieder zunehmend an Bedeutung. Nicht nur junge Leute haben auf ihrer Werteskala „Familie, Treue und füreinander Zeit haben“ einen wichtigen Platz für ihr Leben eingeräumt. Menschen spüren zunehmend, dass Wirtschaftswachstum und Wohlstand nicht alles ist und für das wirkliche Leben auch seinen Preis hat.

Der alte Spruch „Hast du was, bist du was“ verliert aus meiner Sicht zu Recht immer mehr an Bedeutung. Gewiss lebt unsere Wirtschaft davon, dass wir konsumieren und für wachsende Umsätze sorgen. Die Werbung soll den Umsatz beflügeln und wird wie ein Jäger auf uns Konsumenten angesetzt, unabhängig von der Art der Bilder und Texte. Sie haben alle nur ein Ziel, unsere Bedürfnisse zu wecken und uns zum Kaufen zu animieren. Ja, die meisten von uns (Männer eher weniger) gehen gerne Shoppen. Frauen interessieren sich mit großer Aufmerksamkeit und Freude für Textilien und Mode, wobei Schuhe ein besonderer Anziehungspunkt sein kann. Männer dagegen halten sich gern in Elektronik- und Baumärkten auf und schauen nach den neuesten Produkten. Unsere Konsumtempel bieten uns heute nahezu alles und mit einer Fülle an technischen Möglichkeiten. Bei der Vielfalt der Angebote ist es nicht immer leicht, das ganz persönlich Passende zu finden. Ältere suchen beispielsweise auch schon mal nach einem einfach zu bedienenden Smartphone mit großen Tasten. Letztlich bleibt ihnen oft keine Wahl und sie kaufen ein hochtechnisches Gerät mit allem Schnickschnack, eben wegen der gewünschten Grundfunktionen. Die Intention der Hersteller ist doch die, neue Angebote, neue Technik kann mehr und fördert das Kaufinteresse. Und das genießen die meisten Menschen ja auch ergiebig. Andererseits ist es nachvollziehbar, dass wie beim Autokauf Extrawünsche immer teuer zu bezahlen sind. Alles, was serienmäßig vom Hersteller in ein Produkt eingebaut wird, kann wegen der Massenproduktion häufig für wenige Euro für das Einzelstück angeboten werden.

Wenn daheim das neue Gerät ausgepackt und ausprobiert wird, fangen die ersten Probleme an. Die vielen Funktionen und Einstellmöglichkeiten und zudem noch eine kaum verständliche Bedienungsanleitung sorgen für Ärger. Da kommen Anspielungen „Ja, Frauen und Technik“ oder „Papa, was machst du da?“ teilweise sehr emotional zum Ausdruck. Der Familienfriede kann in solchen Situationen arg strapaziert werden. Wie so oft, weil jeder seine ganz persönliche Note lebt. Wer gibt schon gerne zu, dass er in der konkreten Sache eigentlich keine Ahnung hat. Selbst wer sich überfordert fühlt, wird dieses offen nur ungern eingestehen. Es ist die Angst vor vorwurfsvollen Fragen: „Wie, das kannst du nicht? Hast du das nicht gelernt? Da steht es doch, kannst du nicht lesen?“ Keiner hört gern solche Vorwürfe und möchte als Versager oder Schwächling dastehen. Das Selbstwertgefühl könnte so angekratzt werden. Damit dieser Eindruck ja nicht aufkommt, flüchten wir gern mit Worten und Taten in eine Scheinwelt. Die gefühlte Unzulänglichkeit lässt sich aber nicht dauerhaft verstecken. Auf die Frage: „Wie geht es dir?“ antworten die meisten mit einem selbstverständlichen: „Gut.“ Auch wenn es nicht so ist, es müssen andere ja nicht mitbekommen. Mehr Schein als Sein. Wie im Karneval verstecken sich Menschen gern hinter Masken. Das kann in bestimmten Situationen auch ein guter Schutz sein. Doch die Körpersprache zeigt sich wahrhaftiger als das gesprochene Wort. Wenn es unangenehm oder sehr peinlich ist, beginnt das Gesicht zu erröten. Blicke, Gesichtsausdruck, Körperhaltung und Bewegungen haben ihre ganz eigene Sprache, die nicht verborgen bleibt. Der Mensch ist so wie er ist. Mal stark und auch schwach, freudig und auch mal traurig, mutig und auch ängstlich. Und jeder ist den vielfältigen Wechselspielen seiner Gefühlslagen ausgesetzt. Doch wenn die Balance zwischen Außenwirkung und Innenleben dauerhaft gestört ist, dann kann das krank machen. Unser „Ich“ bleibt in der Beziehung niemals allein. Situationen und Emotionen haben immer auch eine Strahlwirkung nach außen. Egal ob sie negativ oder positiv sind.

Der Philosoph und Buchautor Richard David Precht sagte in einem WDR-Talk:

„Der Mensch ist ein unglaublich anpassungsfähiges Tier. Aber er ist auch in der Lage, sich selbst unglaublich gut in die Tasche zu lügen. Das ist eine Fähigkeit, die den Menschen von allen Tieren unterscheidet. Kein Tier beherscht die doppelte Buchführung in Sachen Moral so gut wie der Mensch. Das heißt, wir krücken (lügen) und räumen uns die Welt zurecht, indem wir uns mit anderen immer wieder vergleichen und wir sie für schlechter halten als uns selbst. Und dann sind wir auf einmal wieder sehr viel besser als andere.“1

Menschen leben in und von Beziehungen und die Kommunikation ist für das Funktionieren des Miteinanders eine Grundvoraussetzung. Das ist auch in Afrika so und deshalb werden dort die modernen Kommunikationsmittel mit Begeisterung angenommen. Handy und Internet habe ich in Uganda häufig gesehen. Der Aufbau von Funknetzen war auf dem schwarzen Kontinent eben deutlich preiswerter als eine wie bei uns über viele Jahrzehnte gewachsene Verkabelungstechnik. Die Erdverkabelung war für die westliche Welt ein großer Entwicklungsschritt, den Länder wie Uganda einfach überspringen konnten. Die Handynetze sind in Uganda besser als die Stromnetze. Ein junger Mann erzählte mir, dass er ein paar Kilometer zu Fuß laufen müsse, um am Stromnetz sein Handy wieder aufzuladen.

Von der ugandischen Stadt Hoimar aus sind wir weiter in den Norden des Landes gefahren. Die Straßen, wenn ich sie so bezeichnen darf, waren in einem extrem schlechten Zustand mit tiefen Löchern und nicht immer geteert. So brauchten wir für eine Strecke von 200 km eine Zeit von 4-5 Stunden über staubige Buckelpisten. Unserem Fahrer wurden hier schon einige Leistungen im Slalomfahren abverlangt, damit wir nicht mit den Rädern in den Löchern steckenblieben oder einen Achsenbruch bekamen.

Ein Tagesziel war eine Schule im Landesinneren zwischen einer Vielzahl von kleineren Dörfern mit strohgedeckten Lehmhütten. Die Kinder gehen hier mehrere Kilometer zu Fuß zu ihrer Schule. Früh morgens hin und am Spätnachmittag zurück zu ihren Familien. In Deutschland werden lebhafte Diskussionen mit manchen Eltern ausgetragen, weil der Schulweg für die Kinder zu lang sei, um hier zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Schule zu gelangen. Ich wohne unmittelbar an einer Grundschule und bekomme fast täglich mit, dass Grundschüler wie selbstverständlich von Mutter oder Vater mit dem Auto bis direkt vor die Schule gefahren werden, obwohl die Entfernung vom Elternhaus nur einige 100 Meter beträgt. Afrikanische Verhältnisse können uns die Augen öffnen und unsere Blicke wieder auf das Wesentliche, auf das Menschliche richten.

Auf dem großen Platz vor den sehr einfachen Schulgebäuden wurden wir von rd. 1.600 Kindern mit einer Freude begrüßt, die ich nie vergessen werde. Alle Kinder tragen gleiche Kleider als Schuluniform. An den Kleidern, die zum Teil geflickt sind, sah ich, dass hier abseits der ugandischen Städte die Armut noch größer ist, als in der Bernadetta Primary School in der Stadt Hoimar, die wir einige Tage vorher besucht hatten. Bei dem vielen Schütteln der Hände und dem Wunsch der Kinder, uns zu berühren, kam mir angesichts der dürftigen Hygieneverhältnisse die Sorge: „Heute hole ich mir hier eine Krankheit.“ Doch die Freude und das Lachen der vielen Kinder haben mich mitgerissen und meine Angst, mich hier anzustecken, war verflogen. Übrigens, nicht einer der Mitreisenden hat hier irgendeine Krankheit bekommen.

Beim Besichtigen der Klassenräume dachte ich nur an den Komfort in unseren Schulen, auch wenn wir deren Zustände manches Mal beklagen. Es gab hier nur 11 Klassen für 1.600 Schüler; ein unvorstellbares Gedränge in der Klasse. Nein, „Gedränge“ ist ein falscher Ausdruck, denn die Kinder wollen lernen und sind diszipliniert im Unterricht dabei. Bildung wird in Uganda auch von den Eltern als Chance für ihre Kinder gesehen, um in Staat und Gesellschaft zu besseren Verhältnissen zu kommen.

In Deutschland ist fast alles ordentlich und sehr detailliert geregelt, was in Afrika nach unseren Kriterien als chaotisch und unsauber gilt. Selbst die Uhren scheinen hier langsamer zu gehen. Die Menschen in Uganda habe ich gelassener und nicht so gehetzt erlebt. Sicherlich haben uns Deutsche die sogenannten Preußischen Tugenden und die christlichen Werte wohlstandsmäßig zu dem gebracht, was wir heute sind. Doch wo Sonne ist, da gibt es auch immer Schattenseiten. Mit offenen Augen können wir in unserer Gesellschaft durchaus einiges erkennen. Vieles wird in der europäischen Welt durch Reglementierungen in unterschiedlichsten Varianten stark übertrieben. Etwas weniger Bürokratie und stattdessen mehr Eigenverantwortung, Spontanität und Menschlichkeit täte allen gut. Wir beklagen die vielen unverständlichen und teils nicht praktikablen Gesetze und Verordnungen auf allen Ebenen der Politik. Würde jeder ehrlich, gerecht und respektvoll im Miteinander der Gesellschaft sich verhalten, so bräuchten wir nur wenige Gesetze. Doch so ideal ist die menschliche Kreatur nicht gestrickt. Mit dem Egoismus rückt der eigene Vorteil in den Fokus. Deshalb sind verständliche und allgemein gültige Regelungen wie Gesetze und Verbote für das Miteinander auf allen Beziehungsebenen unverzichtbar.

Der Kontinent Afrika stand bis Anfang des 21. Jahrhunderts für Europa nicht so sehr im Fokus, weil das Blickfeld primär von den wirtschaftlichen Interessen bestimmt wurde. Und hier dominieren seit vielen Jahren die europäischen Nachbarn, die USA, der starke expandierende asiatische Raum und seit der Wiedervereinigung auch die osteuropäischen Länder. Positiv für den schwarzen Kontinent wurde weltweit 2010 die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika wahrgenommen. Und für Touristen ist eine Safari in einem der schönen Tierreservate mit Elefanten, Giraffen, Krokodilen und Löwen ein besonderes Erlebnis.

In den Tagesnachrichten kam der afrikanische Kontinent viele Jahre fast nur mit Bürger- und Stammeskriegen sowie Hungerkatastrophen vor. Die Massendemonstrationen der zur Freiheit drängenden nordafrikanischen Bevölkerung im Jahre 2011 waren immer wieder Thema und ein Symbol zum Aufbruch in eine gerechte und demokratische Gesellschaft. Wo durch Unterdrückung oder Gewalt Zukunftsperspektiven fehlen, da suchen Menschen Auswege und beginnen zu fliehen. Europa und insbesondere Deutschland werden durch die mediale Präsenz als Länder der Hoffnung und des Wohlstandes wahrgenommen. Das ist ein urmenschliches Verlangen. Losgelöst von den Flüchtlingen gilt es, offen zu sein für jeden in Not und Bedrängnis.

Menschliche Notlagen existieren auch in unserer Gesellschaft, in unseren familiären Gemeinschaften vor Ort in unseren Städten und Gemeinden. Und es gibt viele Facetten von Leid, Schmerz und Hilflosigkeit. Äußerlich sehen wir sie, wenn wir wirklich schauen, zunächst im materiellen Sinne. Doch hinter einem lächelnden oder schweigsamen Gesicht verbirgt sich so manche emotionale Not.

In Uganda sind mir die vielen Kinder und Jugendlichen aufgefallen, die nach Bildung und Fortschritt streben. Trotz ihrer materiellen Armut wirken sie fröhlich und zufrieden. Am Palmsonntag 2009 habe ich hier eine Palmprozession und einen Gottesdienst in der Kirche von Hoimar mitgefeiert, der mich stimmungsmäßig begeistert und berührt hat. Die bei mir angekommene Botschaft: „Ein vertrauensvoller, hoffnungsvoller Glaube mit Lebendigkeit und Fröhlichkeit.“ Wertschätzende Elemente des Lebens, die wir Christen in Europa schon ein Stück verdrängt haben. Eine Feier mit Tanz und Trommel ist mehr als rhetorisch gut ausgedrückte Worte. Und die Zeit spielte dabei auch keine Rolle, denn der Gottesdienst dauerte rund 2 ½ Stunden. Vielleicht braucht es auch eine gewisse Zeit, damit das Gemeinschaftserlebnis und das Miteinander-Feiern im Inneren ankommen, ja, zu Herzen gehen. In einer schnelllebigen Zeit, wie wir sie in Europa kennen, bleibt oftmals keine Zeit für das wirkliche Ankommen. Mit Worten wollen wir etwas ausdrücken, etwas mitteilen und dabei überfluten wir unser Gegenüber häufig wie bei einem Starkregen. Das gesprochene Wort, das von weiteren Worten überlagert wird oder das durch Ablenkungen abdriftet, schafft es nicht, wirklich beim Zuhörer anzukommen. „Ich habe dich nicht verstanden, was hast du gesagt?“ Eine solche Frage ist seltener als das Entstehen von Missverständnissen. Zwischen Tür und Angel bleibt so manches gesprochene Wort hängen und geht verloren.

Texte, die aber mit Musik und Gesang vermittelt werden, haben beim Zuhörer ihren ganz eigenen Zugang. Einerseits berührt die Musik, wenn sie den Geschmack des Hörenden trifft, seine Gefühlslage. Andererseits sind Lieder nicht zu lang und der Wiederholungstext im Refrain hat dabei eine verstärkende Funktion. Diese Art der Kommunikation pflegen die Menschen in Uganda gepaart mit farbenfrohen Tänzern. Das ist für Augen und Ohren und damit für die innere Berührung sehr wohltuend. In der Lebendigkeit von Musik und Tanz wird Freude und damit Hoffnung ausgestrahlt. Damit sind die Menschen in Afrika trotz ihrer materiellen Notlagen unterwegs. Vielleicht auch ein Vorbild, um hierzulande das viele Jammern und Klagen zu wandeln.

Familien und Gesellschaft im Mainstream

Eltern und Kinder sind tragende Säulen unserer Gesellschaft. Ein Kind wird geboren und wächst bei Mutter und Vater oder zunehmend auch nur bei einem alleinerziehenden Elternteil auf. Das Erwachsenwerden eines Kindes ist geprägt von Vertrauen und Liebe, von Geborgenheit und auch von Freiheit. Es gilt der Grundsatz: „Mütter und Väter wollen stets das Beste für ihr Kind.“ Bei der Umsetzung eines solchen Anspruches entzünden sich häufig die ersten Meinungsverschiedenheiten. Es lässt sich wohl nie ganz eindeutig für alle Lagen des Lebens erkennen, was denn nun wirklich das Beste oder das Richtige ist. Das Leben ist heute sehr vielfältig und kompliziert. Sich darin zurecht zu finden und für sich selbst stets den allerbesten Weg zu gehen, ist mehr Wunsch als Wirklichkeit. Die Erkenntnis kommt sehr häufig erst im Nachhinein. Mancher Zweifel entpuppt sich in der Rückschau als unbegründet. Aber auch optimistische Sichtweisen können rückwirkend betrachtet eine Sackgasse sein. Wenn selbst Erwachsene das für sich nicht 100%ig hinbekommen, wie sollen es dann junge Menschen perfekt schaffen? Eltern begleiten ihre Kinder und werden dabei als Vorbild wahrgenommen.

Wie Kindererziehung gelingt, hängt teilweise auch von den gesellschaftlichen und staatlichen Rahmenbedingungen ab. Über die Höhe des Kindergeldes können die materiellen Bedürfnisse des Kindes mehr oder weniger erfüllt werden. Die Kindertagesstätte mit unterschiedlichen Nutzungszeiten ermöglicht dem Kind eine intensive Sozialisierung mit Gleichaltrigen. Gruppenstärke und personelle Besetzung haben dabei Einfluss. Sie hängen aber auch am Tropf der staatlichen Ausgabenbudgets. Gleiches gilt für den Lernort Schule. Und gutes Personal verdient auch eine entsprechende Entlohnung. In den Tarifverhandlungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in sozialen Berufen, wie beispielsweise für Erzieherinnen, werden immer wieder von den Arbeitgebervertretern die begrenzten Finanzmittel vorgetragen. Ich frage mich, ob eine Tätigkeit mit und am Menschen weniger wert ist als beispielsweise am Fließband eines Produktionsbetriebes? Ein Produktions- oder Handelsunternehmen macht Umsätze und erzielt in der Regel auch gute Gewinne. Folglich ist es dann leichter, bei Tarifverhandlungen für Arbeitnehmer etwas mehr drauf zu legen. Kann das aber ein gerechtes Kriterium für die Höhe einer Entlohnung sein? Bei einer Umfrage, da bin ich mir sicher, würden große Teile der Bevölkerung zustimmen, dass Arbeit in sozialen Dienstleistungsbereichen sehr wertvoll ist. Vielleicht brauchen wir bei den staatlichen und sozialen Ausgabenstrukturen ein Umdenken. Ein Mehr für die urmenschlichen Bedürfnisse und ein Weniger für komfortable Bauvorhaben und verzichtbare Prestigeprojekte.

In den Familien haben die Themen „Kindergarten“ oder „Schule“ mehr oder weniger ihren Stellenwert. Je nach verfügbarer Zeit und dem eigenen Bildungs- und Lebensniveau interessieren sich Väter und Mütter ganz unterschiedlich dafür, wie es ihrem Kind in der Schule geht.

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