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Walpurgisnacht

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KAROLINE EISENSCHENK, geboren 1975, veröffentlichte unter dem Pseudonym Katelyn Edwards bereits die Kriminalromane »Der Shakespeare-Mörder« und »Pfadfinderehrenwort« (beide 2011). Nach ihrem Studium der englischen Sprach- und Literaturwissenschaft lebt sie heute in Ottobrunn und arbeitet in München.

Erste Hexe: »Wann werden wir drei uns wiedersehen,
wenn’s donnert, wenn’s blitzt, wenn die Regen gehen?«

Zweite Hexe: »Wenn Irrewirre ist vollbracht,
wenn siegreich ist verloren die Schlacht.«

Dritte Hexe: »Bevor der Tag geht in die Nacht.«

William Shakespeare, Macbeth, Akt I, Szene 1

Prolog

Die Eichingers lassen sich nicht erpressen, und ganz bestimmt nicht von einer so dahergelaufenen Person, wie Sie eine sind«, herrschte die alte Frau ihren Besucher wütend an.

Da wurde sie plötzlich von zwei kräftigen Händen an den Schultern gepackt und durchgeschüttelt.

»So sprechen Sie nicht mit mir, haben Sie das verstanden? Wagen Sie es nicht, mich so zu behandeln!«

Der Besucher hatte sie dabei unweigerlich ein paar Schritte nach hinten in das angrenzende Wohnzimmer gedrängt.

»Aufhören, hören Sie sofort auf damit, Sie tun mir weh«, stammelte die Frau schwer atmend. Ihre Hände, die sie sich eben noch schützend vor das Gesicht gehalten hatte, griffen an ihren Brustkorb. Um ihr Herz fühlte es sich auf einmal so eng an, als ob es nicht mehr genügend Platz in ihrem Körper hätte und jeden Moment zerspringen müsste.

»Was ist?«, herrschte der Besucher sie unwirsch an und ließ ihre Schultern abrupt los.

»Mein Herz … mir geht es nicht gut. Ich … ich brauche meine Tropfen«, flüsterte sie.

Ihr Besucher blickte sie für einen Augenblick verunsichert an. »Tropfen? Welche Tropfen?«, fragte er lauernd.

Ihre Kehle war wie ausgedörrt und sie schaffte es kaum, die Worte zu formulieren. »Im Küchenschrank. Das kleine braune Fläschchen …«

»Küchenschrank! Glauben Sie etwa, ich weiß nicht, was Sie vorhaben? Aber ich lass mich von Ihnen nicht hinters Licht führen.« Und wieder packten die Hände sie an ihren schmalen Schultern und schüttelten sie so heftig, dass ihr schwindlig wurde.

Mit einem leisen Stöhnen sank sie zu Boden. »Bitte«, ihre Stimme war nur noch ein heiseres Röcheln, »bitte, ich … brauche … die Tropfen.«

Ein stahlblaues Augenpaar musterte sie mit unverhohlenem Hass und mit Entsetzen wurde ihr bewusst, dass sie keine Hilfe bekommen würde.

»Bitte …«

Eine eiskalte Hand schien in diesem Moment ihr Herz zu berühren und ihr gleichsam den Atem zu rauben.

Ihre Arme und Beine zuckten noch einmal, als ob sie sich mit letzter Kraft wehren wollten, ehe die Muskeln am ganzen Körper erschlafften und jeglicher Glanz aus ihren Augen wich.

Im Haus war es plötzlich ganz still. Nur das gleichmäßige Ticken der alten Standuhr war zu hören.

Kapitel 1

Tom, mehr nach links!«, zischte Tabea Cornelius zwischen zusammengepressten Zähnen hervor. Gleichzeitig versuchte sie, den jungen Mann mit mehr oder weniger diskreten Handbewegungen in die gewünschte Richtung zu dirigieren.

Gregor Cornelius betrachtete das Schauspiel vergnügt aus den Augenwinkeln und konnte sich ein Lächeln nur mühsam verkneifen. Tom war groß, gut aussehend, durchtrainiert, kurzum ein optischer Halbgott, von Beruf Fotomodell und, was ihn für Cornelius wirklich interessant machte, der aktuelle Freund seiner Tochter. Wie immer hatte Tabea die Zügel fest in der Hand und der arme Tom machte brav, was von ihm verlangt wurde. In diesem Fall bedeutete das, auf Zehenspitzen Richtung Podium zu schleichen und die Kamera auf den dortigen Redner zu richten, der soeben verkündete, welche Bereicherung Cornelius’ Wirken für das Institut und die gesamte Universität sei.

Cornelius’ Anflug von guter Laune verschwand so schnell, wie er gekommen war, als ihn der einsetzende Applaus auf den Boden der Tatsachen und damit in die Große Aula der Ludwig-Maximilians-Universität zurückbrachte. Dort hatten sich vor zwei Stunden unzählige Gäste versammelt, um ihn in den »wohlverdienten Ruhestand« zu verabschieden, und eine Laudatio nach der anderen war seitdem auf ihn niedergeprasselt.

Die meisten davon waren ehrliche und von Herzen kommende Reden ehemaliger Studenten und Doktoranden, die über gemeinsame Exkursionen, nerven- und kräftezehrende Archivarbeit und das stundenlange Studieren uralter Texte sprachen, aber auch vom wissenschaftlichen Eifer, den Cornelius damit in ihnen geweckt hatte, und von der Freude an der mittelalterlichen Geschichte und ihren zahlreichen Mythen und Geheimnissen. Eine leidenschaftslose Litanei des Vertreters der Universitätsverwaltung reihte sich ebenfalls in den Reigen der Lobeshymnen ein. Cornelius hatte den guten Mann bis dahin noch nie gesehen und bezweifelte, ob dieser eigentlich wusste, wen er da in den Ruhestand entließ.

Neben diversen Lehrstuhlinhabern anderer Institute, mit denen er stets ein sehr gutes Verhältnis gepflegt hatte, und seinen engsten Mitarbeitern hatten sich schließlich auch die beiden Sekretärinnen des Instituts zu Wort gemeldet und am Ende sogar einige Tränen vergossen. Cornelius war ob der ungewohnten Emotionen der Damen überrascht, hatte er die beiden doch als rechte Vorzimmerbesen im Gedächtnis, die alles wegbissen, was sich ihnen näherte. Aber er musste zugeben, dass sie ihm dadurch im Lauf der Jahre die eine oder andere unerträgliche Nervensäge vom Leib gehalten und in ihre Schranken gewiesen hatten. Beneidet hatte er sie ob dieser undankbaren Aufgaben wahrlich nie.

Den größten aller Quälgeister hatten allerdings auch sie nicht daran hindern können, seit nunmehr acht Jahren tagtäglich mit Penetranz und Beharrlichkeit auf seinen Nerven herumzutrampeln. Und er tat es unerbittlich bis zum Schluss, bis zum allerletzten Wort, das er soeben von sich gegeben hatte und wofür er den entsprechenden Applaus erwartete, der auch prompt einsetzte. Cornelius war es deshalb egal, ob Richard von Greifenberg auf dem Video, das der arme Tom von jedem Redner aufnehmen musste, zu sehen war oder nicht. Sollte er darauf sein, würde er eigenhändig dafür sorgen, dass diese Stelle gelöscht wurde.

Mochte die Münchner Universität auch groß und weitläufig sein, die Abteilung für Mittelalterliche Geschichte war es mit gerade einmal zwei Lehrstühlen nicht. Und so hatte Cornelius in den letzten Jahren das zweifelhafte Vergnügen gehabt, den direkt im Büro nebenan sitzenden von Greifenberg in unzähligen Fachsitzungen und Ausschüssen, auf dem Korridor oder in der Bibliothek ertragen zu müssen. Ein unerträglicher Besserwisser, der Cornelius ganz offen einen gutmütigen Trottel nannte, der von moderner Lehrstuhlführung nicht die leiseste Ahnung habe. Wenn diese allerdings darin bestand, den Kontakt zu Studenten aufzugeben und mehr Zeit im Büro des Dekans als im Vorlesungssaal zu verbringen und unliebsame Arbeiten mit Freuden an irgendeinen Handlanger zu delegieren, dann verzichtete Cornelius gerne auf dieses Prädikat.

Er hatte bald herausgefunden, dass von Greifenberg den Namen seiner Frau angenommen hatte und kein Tropfen blauen Bluts in seinen Adern floss. Dennoch: Hätte Deutschland noch eine Monarchie als Staatsform, wäre von Greifenberg der Nächste in der Thronfolge. Zumindest seiner Meinung nach.

Beifall heischend blickte von Greifenberg jetzt in die Menge seiner applaudierenden Untertanen, und hätte jemand erst in diesem Moment die Große Aula betreten, so wäre er wahrscheinlich nicht auf die Idee gekommen, dass eigentlich eine andere Person im Mittelpunkt des Geschehens stand.

Cornelius spürte ein unangenehmes Ziehen in seinem rechten Arm. Seine Frau Ramona hatte ihn diskret am Unterarm gezwickt, und auf seinen verwunderten Blick antwortete sie mit einer kaum merklichen Kopfbewegung in Richtung Rednerpult.

Cornelius brauchte einige Sekunden, bis er begriff. Natürlich – er musste aufstehen, sich bei seinem Laudator mit Handschlag bedanken und den überdimensionalen Blumenstrauß in Empfang nehmen, mit dem dieser bereits breit lächelnd auf ihn wartete. Wie hatte er das angesichts all der wohlwollenden Worte nur vergessen können? Leise seufzend stand er auf und ging zum Rednerpult.

»Im Alter geht es einfach nicht mehr so schnell, nicht wahr?«, schallte es ihm dort in gewohnter Lautstärke entgegen.

Spontan fiel ihm der Ausspruch eines befreundeten Kollegen aus der Archäologie ein, den dieser vor einiger Zeit so treffend geäußert hatte: »Professor von Greifenberg bewegt sich mit der Grazie einer Axt im Walde gekonnt auf dem schmalen Grat zwischen Flegel und Lümmel.«

Cornelius verspürte große Lust, dieser Gratwanderung hier und jetzt den Garaus zu machen, verbiss sich Ramona zuliebe aber jeden Kommentar.

Sie kannte Caroline von Greifenberg aus dem Golfclub und war sehr gut mit ihr befreundet und er wollte ihr ein Spießrutenlaufen beim anschließenden Sektempfang ersparen. Von Greifenberg blieb noch ein paar Sekunden hinter dem Podium stehen, offenbar nicht gewillt, seinen Platz dort kampflos aufzugeben. Aber schließlich musste er sich doch eingestehen, dass es in diesem Augenblick tatsächlich eine Person gab, die ausnahmsweise wichtiger war, und er räumte das Feld.

»Noch zwei Jahre, dann haben Sie das letzte Wort«, gab ihm Cornelius mit auf den Weg und bemerkte zu seiner Freude, dass von Greifenberg für einen Augenblick nicht zu wissen schien, wie er die Bemerkung einordnen sollte. Eine der beiden Sekretärinnen eilte Cornelius zu Hilfe und befreite ihn von der soeben überreichten Blumenpracht, indem sie diese auf seinen frei gewordenen Stuhl legte.

Und dann war es endlich Zeit für seine Rede, seinen ganz persönlichen Abschied …

*

Sascha Eichinger hatte den iPod auf volle Lautstärke aufgedreht, um damit den Lärm des Traktors übertönen zu können. Es gelang trotz der schützenden Kopfhörer nicht ganz, und so war der Bassgitarre von Sunrise Avenue ein unterschwelliges, aber stetiges Brummen des Motors beigemischt. Er wusste, dass er für den Rest des Tages wieder einen leisen Pfeifton in den Ohren verspüren würde und sich dieser doppelten Schallbelastung eigentlich nicht aussetzen sollte. Aber heute hatte er keine Lust, vernünftig zu sein und wollte auch nicht auf die gebetsmühlenartigen Reden seiner Mutter hören, die immer um ihn herumschwirrte wie eine ihrer Hennen um ein noch nicht ausgebrütetes Ei.

Außerdem half ihm die Musik, sich auf das Fahren und die Kontrollblicke in den Rückspiegel und die beiden Außenspiegel zu konzentrieren, die notwendig waren, um den mächtigen Pflug im Auge zu behalten, der hinter ihm gleichmäßige Furchen in den Ackerboden grub.

Geschickt wendete er das schwere Gefährt am unteren Ende des Felds, um anschließend wieder zurückzufahren und den Pflug eine weitere Linie ziehen zu lassen. Jetzt würde gleich das schwierigere Manöver kommen, denn der gegenüberliegende Feldrand lag nur etwa einen Meter von der Straße entfernt. Es handelte sich dabei zwar um eine nicht sehr viel befahrene Nebenstrecke, die hauptsächlich von den Bauern der Umgebung benutzt wurde und auf der nicht einmal Fahrbahnmarkierungen angebracht waren, dennoch wollte Sascha sie für seine Wende nicht mit einbeziehen.

Er wusste, was sein Vater von verschmutzten Fahrbahnen und von den Bauern, die ihre Verunreinigungen nicht entfernten, hielt. Wenn er also nicht seinen Feierabend damit verbringen wollte, die Straßenoberfläche von den Bodenresten zu säubern, musste er besonders vorsichtig umdrehen. Aber eigentlich mochte er diese waghalsigen Wendemanöver, gaben sie ihm doch das Gefühl, den tonnenschweren Traktor samt Pflug fast mühelos zu beherrschen. Und das tat er – seit ihn der Vater mit vierzehn das erste Mal hinter das Steuer gelassen hatte.

Sascha konnte sich noch immer an dieses unglaubliche Gefühl erinnern, das ihn damals überkommen hatte, so, als wäre es erst gestern gewesen. Und an die Vorwürfe, die seine Mutter seinem Vater gemacht hatte, denn natürlich war sie ihnen eines Tages dahintergekommen. Danach hatten sie versucht, es vor ihr geheim zu halten, was ihnen aber nicht immer gelungen war.

Erst im letzten Augenblick sah er die Fahrradfahrerin, die plötzlich wie aus dem Nichts im rechten Außenspiegel aufgetaucht war. Abrupt bremste er ab und schaltete die Musik aus. Er hatte vor der Wende mehrmals nach links und rechts geblickt, aber niemanden gesehen. Was zum Teufel hatte sie dort zu suchen? Sascha hupte mehrmals energisch, aber die junge Frau bewegte sich nicht von der Stelle. Erst jetzt erkannte er sie. Wütend stieg er aus der Fahrerkabine.

»Verdammt noch mal, Tanja, warum fährst du denn so nah an den Pflug ran?«, herrschte er sie an. »Du hast doch gesehen, dass ich gerade umdrehe. Was glaubst du, was passiert, wenn ich dich beim Rückwärtsfahren erwische?«

Tanja Rohrbach blickte Sascha nur erschrocken an. Als er sah, dass sie leichenblass war, begann seine Wut zu schwinden. »Was machst du denn hier draußen?«, fragte er etwas versöhnlicher, obwohl er sich die Antwort darauf schon denken konnte.

Tanjas Augen begannen sich sofort mit Tränen zu füllen. Sie ließ das Fahrrad zu Boden fallen, rannte auf ihn zu und schlang beide Arme wie eine Ertrinkende um seinen Hals. »Bitte lass es uns noch einmal miteinander versuchen. Ich will nicht, dass es vorbei ist.«

Sascha erwiderte die Umarmung nicht, sondern stand einfach nur stocksteif da, unfähig, einen Muskel zu bewegen. »Es geht nicht«, sagte er schließlich leise.

»Warum denn nicht?«, schluchzte sie. »Du weißt doch, dass ich dich liebe.«

»Tanja«, begann er und versuchte, sich nicht zu grob aus ihrer Umarmung zu lösen. »Ich hab dir von Anfang an gesagt, dass ich nichts Ernsthaftes will. Also hör auf, Dinge hineinzuinterpretieren, die es nie gegeben hat.«

»Aber Menschen ändern sich, wenn sie anderen Menschen begegnen. Wir hatten eine so wunderbare Zeit zusammen. Die kannst du doch nicht einfach wegwerfen.«

Sascha trat unvermittelt einen Schritt zurück. »Ich hab mich aber nicht geändert. Sieh das doch endlich ein. Es ist vorbei.«

»Wie kannst du nur so eiskalt sein? Wie kannst du mir das nur antun?«

»Ich bin nicht eiskalt, sondern nur ehrlich. Das war ich von Anfang an. Und jetzt lass mich endlich in Ruhe und fahr nach Hause.« Die anfängliche Wut war zurückgekehrt, und ohne eine Antwort von Tanja abzuwarten drehte er sich um und ging zum Traktor zurück.

»Doch«, hörte er sie plötzlich schreien, »du bist eiskalt! Sonst würdest du mich hier nicht so stehen lassen.« Sie sank wie ein Häufchen Elend neben ihrem Fahrrad auf die Straße und vergrub ihr Gesicht schluchzend in beiden Händen.

Sascha schüttelte resigniert den Kopf. »Geh nach Hause, Tanja. Ich muss weiterarbeiten.« Er wollte sie nicht in den Arm nehmen, weil er wusste, dass sie die Geste falsch verstehen würde.

Als er ins Führerhaus zurückgeklettert war, hob Tanja langsam den Kopf und blickte ihn aus tränenüberströmten Augen an. »Fahr du nur weiter«, stieß sie verzweifelt hervor. »Überfahr mich doch am besten gleich. Dann ist es wenigstens ganz vorbei. Eine hast du doch schon auf dem Gewissen.« Sie wusste genau, womit sie ihn am meisten treffen konnte, und sie wollte ihn verletzten, wollte ihm so wehtun, wie er ihr wehgetan hatte. Aber Sascha reagierte nicht auf ihre Worte, sondern knallte die Tür des Führerhauses zu.

*

Amelie Hartmann warf einen kurzen Blick auf ihre Armbanduhr und begann, schneller in die Pedale zu treten. Der Pflegedienst würde in zwanzig Minuten kommen. Außerdem wollte sie Anna nicht so lange mit Laura alleine lassen.

Der April war ungewöhnlich warm und trocken. Auch heute schien die Sonne wieder kräftig vom tiefblauen Himmel und Amelie spürte, wie sich unter ihrem T-Shirt die ersten Schweißtropfen bildeten. Ihr Vater war schon seit den frühen Morgenstunden auf den Feldern und wollte bis zum Nachmittag durcharbeiten. Sie hatte ihm deshalb eine Brotzeit vorbeigebracht.

»Papa, du musst etwas essen«, hatte sie ihn eindringlich ermahnt, nachdem er die drei kleinen Plastikbehälter wortlos entgegengenommen hatte.

Wolfgang Hartmann hatte zuerst nur ein rüdes »Jaja« von sich gegeben, sich dann aber doch neben seine Tochter auf die ausgebreitete Picknickdecke gesetzt. Obwohl er anfangs keinen großen Appetit verspürt hatte, musste er zugeben, dass sich Amelie zu einer ausgezeichneten Köchin gemausert hatte und ihm die Pause gut tat. Auch wenn er am liebsten bis zum Umfallen gearbeitet hätte. Dann wäre es wenigstens vorbei und er müsste sich das Leid nicht jeden Tag von Neuem ansehen. Aber er hatte seiner Frau auf dem Sterbebett ein Versprechen gegeben und das durfte er nicht brechen – ganz egal, wie elend er sich selbst dabei fühlte. Verstohlen betrachtete er seine jüngere Tochter, die jetzt das Besteck und die Teller einsammelte.

Sie war schon immer sehr zierlich gewesen, aber in den letzten Wochen war sie regelrecht schmal geworden. Und so ruhig, so in sich gekehrt. Auch wenn seine Frau immer diejenige gewesen war, zu der die Mädchen kamen, wenn sie Kummer hatten, Hilfe in der Schule brauchten oder sich etwas kaufen wollten, wofür das Taschengeld nicht ganz ausreichte, hätte er nie gedacht, dass jemals so eine emotionale Distanz zwischen ihm und seiner Tochter entstehen würde. Er stellte plötzlich fest, dass Amelie seit Lauras Unfall kein einziges Mal vor ihm geweint hatte. Und dabei musste man sie nur anschauen, um zu spüren, wie zerbrechlich die Fassade war, die sie mühsam versuchte aufrechtzuerhalten. Er hätte sie so gerne getröstet, so gerne etwas Aufmunterndes gesagt, aber er fühlte wieder nur diese unglaubliche Leere und Müdigkeit.

»Gut hast gekocht«, hatte er deshalb unbeholfen versucht zu loben.

Amelie hatte ihn zaghaft angelächelt. Aber so gut wie bei der Mama wird es trotzdem nie schmecken, hatte sie in Gedanken hinzugefügt, es aber nicht gewagt, die Worte laut auszusprechen.

»Mama, du fehlst mir so.« Jetzt, alleine auf dem Fahrrad, durfte sie es sagen. Jetzt – da keiner sie hören konnte. Für einen kurzen Moment schloss sie die Augen, um den kühlenden Fahrtwind ganz bewusst wahrzunehmen. Anna hatte gesagt, dass die Liebe ihrer Mutter wie der Wind sei – immer zu spüren, auch wenn sie sie nicht sehen konnte.

Amelie war so in Gedanken versunken, dass sie die auf der Straße sitzende Gestalt erst bemerkte, als sie schon beinahe an ihr vorbeigefahren war. Sie bremste das Fahrrad scharf ab.

»Ist Ihnen etwas passiert? Brauchen Sie Hilfe?«, fragte sie besorgt.

Zu ihrem großen Widerwillen erkannte sie in diesem Augenblick Tanja Rohrbach. Sofort spürte sie, wie der vertraute Zorn in ihr aufstieg, und am liebsten hätte sie auf der Stelle kehrtgemacht und Tanja einfach dort sitzen gelassen. Aber irgendetwas war heute anders. Vielleicht war es Tanjas Gesicht, das sonst immer perfekt geschminkt, jetzt aber verquollen und mit Wimperntusche verschmiert war. Oder das verzweifelte Weinen, das ihren schmalen Körper regelrecht durchschüttelte.

»Nein«, schluchzte sie, »mir kann niemand helfen.«

Amelie folgte Tanjas Blick und wusste sofort, wer der Auslöser für ihre Stimmungslage war. Sascha Eichinger hatte den Traktor mittlerweile am unteren Ende des Felds gewendet und kam jetzt direkt auf sie zu. Ihre Blicke begegneten sich für den Bruchteil einer Sekunde und Amelie spürte plötzlich Übelkeit in sich aufsteigen. Sie zwang sich, ein paarmal tief durchzuatmen.

»Komm, Tanja, steh auf«, sagte sie dann. »Lass uns zusammen nach Hause fahren.« Amelie wunderte sich selbst, wie ruhig und beherrscht sie klang.

»Aber ich kann ohne ihn nicht mehr leben«, flüsterte Tanja, ehe sie langsam aufstand und sich mit einer unbeholfenen Geste die Tränen aus dem Gesicht zu wischen versuchte.

»So etwas darfst du nicht einmal denken! Das ist dieser Typ nicht wert. Sag so etwas nie wieder, hast du mich verstanden?« Amelie hätte sie am liebsten an den Schultern gepackt und kräftig durchgeschüttelt.

»Aber warum behandelt er mich denn nur so?«

»Weil er ein verdammter Scheißkerl ist, der ohne nachzudenken auf den Gefühlen anderer herumtrampelt«, stieß Amelie heftig hervor. »Hier hast du ein Taschentuch.«

Tanja schien einen Moment mit sich zu ringen, nahm dann aber doch das angebotene Taschentuch und schnäuzte sich geräuschvoll die Nase. Amelie hatte plötzlich das Gefühl, einem kleinen Mädchen gegenüberzustehen, das sich beide Knie aufgeschlagen hat, und eine ungewohnte Welle des Mitleids überkam sie.

»Jetzt nimm dein Fahrrad und komm mit mir nach Hause«, sagte sie sanft.

Amelie wollte eine Konfrontation mit Sascha unbedingt vermeiden. Außerdem sagte ihr ein Blick auf die Uhr, dass sie sich beeilen musste. Das Geräusch des Traktors wurde immer lauter. Tanja umklammerte den Lenker des Fahrrads so fest, dass ihre Knöchel weiß hervortraten. Aber sie riss sich zusammen und schaffte es tatsächlich aufzusteigen und loszufahren.

Amelie eilte zu ihrem eigenen Fahrrad, drehte sich aber noch einmal kurz zu Sascha um. Ihre Augen trafen ungewollt die seinen, und der Hass drohte sie für einen Augenblick zu überwältigen.

»Eines Tages wirst du dafür büßen«, murmelte sie leise.

*

Sascha hatte eigentlich nicht hinsehen wollen, aber Amelies graugrüne Augen zogen ihn wie ein Magnet an. Er spürte ihren hasserfüllten Blick wie tausend kleine Nadelstiche auf der Haut. Die Verachtung, die sie ihm entgegenbrachte, ging ihm durch Mark und Bein. Er wandte sich ab.

Ich bin nicht schuld …

Kapitel 2

Das dunkelblaue Cabriolet stand mit ausgeschaltetem Motor auf der kleinen Anhöhe. Von hier hatte man einen wunderbaren Ausblick auf die Wiesen und Felder der Umgebung. Alles stand in voller Blüte und die Vögel zwitscherten regelrecht um die Wette. Dort, wo Spargel angebaut wurde, tummelten sich bereits zahlreiche Erntehelfer, denn bis zur Hauptsaison dauerte es nicht mehr lange. In der Ferne konnte man sogar noch die Kirchtürme und die Rathausgiebel von Altenberg, der nächsten Kreisstadt, erkennen. Rechter Hand lag Neukirchen, aber eine kleine, dicht bewachsene Waldfläche versperrte die ungehinderte Sicht auf das Dorf.

Annabelle Rehberg schenkte ihrer malerischen Umgebung und dem allgemeinen Frühlingserwachen jedoch keine Aufmerksamkeit. Wie hypnotisiert blickte sie durch das kleine Fernglas, das direkt auf den Acker der Eichingers gerichtet war.

Seit fast einer Stunde stand sie nun neben ihrem Auto und beobachtete den Traktor und seinen Fahrer. Sogar von hier oben war zu erkennen, wie selbstgefällig er hinter dem Steuer saß. Als ob ihm die ganze Welt gehören würde und er nur mit den Fingern schnippen müsste, damit alle nach seiner Pfeife tanzten.

Wie hatte dieses kleine Nichts, das wahrscheinlich sein ganzes Leben noch nicht aus diesem elenden Nest herausgekommen war, sie nur so bloßstellen können? Sie wusste in diesem Augenblick nicht, wen oder was sie eigentlich mehr verabscheute. Das Höllendorf, das Klaustrophobie bei ihr auslöste, oder den gut aussehenden jungen Mann auf dem Traktor, der diesen mit Leichtigkeit zu beherrschen schien. Ihm fiel so vieles leicht: Er konnte ein nervös tänzelndes Pferd reiten, in Rekordgeschwindigkeit Holz hacken, ohne dass dabei auch nur eine Spur Anstrengung in seinem Gesicht zu lesen war, und seine Gegner so geschickt ausspielen, dass alle Zuschauer auf dem Fußballplatz ungewollt applaudierten.

Und er kriegt alle Frauen herum, die sich nicht zu schade sind, mit diesem Dorf-Gigolo ins Bett zu steigen.

Benedikts Worte dröhnten immer noch in ihren Ohren, als hätte er sie ihr gerade erst entgegengebrüllt.

Du warst es doch, der mich hierher gebracht und mich in dieser grauenhaften Einöde dann allein gelassen hast, hatte sie zurückgeschrien, aber das Ganze damit nur noch schlimmer gemacht. Er hatte am Ende nur noch Geringschätzigkeit für sie übrig gehabt. Und Mitleid – sie glaubte sogar einen Funken Mitleid in seinen Augen zu erkennen.

Wie konnte dieses Nichts es nur zulassen, dass sie so erniedrigt wurde? Hatte es ihm nicht gereicht, sie einfach abzuservieren? Musste er vor Benedikt auch noch den entsprechenden Kommentar fallen lassen?

Sie löste sich für einen Augenblick von ihrem Fernglas und sah auf den Gegenstand, der die ganze Zeit auf dem Beifahrersitz gelegen hatte. Mut, sie brauchte nur ein kleines bisschen Mut, um sich zu überwinden. Danach würden sie von hier wegziehen und alles würde wieder gut werden. Wenn sie nur den Mut aufbrächte …

Plötzlich stand eine Frau mit ihrem Fahrrad gefährlich nahe hinter dem Pflug. Sie schien wie aus dem Nichts gekommen zu sein. Durch das Fernglas war das, was sich dort unten abspielte, jedoch gut zu beobachten. Zu ihrem großen Missfallen erkannte Annabelle in der Frau Tanja Rohrbach. Sie arbeitete in einem Friseursalon in Altenberg und hatte zudem mit ihrer Mutter zusammen ein kleines Kosmetikstudio in Neukirchen. Erst gestern war sie zur Maniküre dort gewesen. Mit ihr hat er also auch etwas angefangen, dachte sie. Wut stieg in ihr hoch. Wenn sie das gewusst hätte, hätte Annabelle diesen Laden bestimmt niemals betreten. Tanja Rohrbach war gertenschlank, bildschön und, was weitaus schwerer wog, bestimmt fünfzehn Jahre jünger als sie selbst.

Allerdings verlief ihr Zusammentreffen mit Sascha nicht unbedingt harmonisch, wie Annabelle mit einem Anflug von Genugtuung feststellen konnte. Steh doch auf, du dummes Ding. Steh doch auf und mach dich nicht so klein vor ihm. Aber ihre Gedanken vermochten Tanja nicht dazu zu bewegen, von der Straße aufzustehen. Die zweite junge Frau auf dem Fahrrad hatte da schon mehr Glück. Die hellroten langen Haare kamen Annabelle ebenfalls bekannt vor, aber sie konnte der Person im Moment keinen Namen zuordnen.

Sie richtete das Fernglas nochmals auf Sascha Eichinger und drehte es unweigerlich schärfer. Das selbstgefällige Grinsen war verschwunden. Verzweiflung – in seinen Augen, die starr auf die junge Frau mit den hellroten Haaren gerichtet waren, stand die pure Verzweiflung. In diesem Augenblick wusste Annabelle, um wen es sich handelte und was sie selbst zu tun hatte. Mit einer resoluten Handbewegung packte sie das Jagdgewehr auf dem Beifahrersitz und sperrte es in den Kofferraum. Der Motor heulte laut auf und kleine Erdklumpen und Kieselsteine spritzten, während der Wagen mit Vollgas zurück nach Neukirchen fuhr.

*

Der Applaus wollte schier kein Ende nehmen. In Ramonas Augen glitzerte es verdächtig und sie wischte sich verstohlen mit der Hand über das Gesicht. Tom hatte ihn die ganze Zeit gefilmt und winkte jetzt fröhlich mit der Kamera. Tabea sah für einen Moment tatsächlich so aus, als wollte sie ans Podium stürmen, um ihn zu umarmen. Cornelius musste sich eingestehen, dass es ihm nichts ausgemacht hätte – ganz im Gegenteil. Aber sie scheuchte nur Tom, der sich nach vermeintlich getaner Arbeit endlich setzen wollte, samt Kamera energisch zurück auf seinen Posten.

Von Greifenberg hatte ein paar Sekunden huldvoll in die Hände geklatscht und Cornelius dann mit einem fast schon väterlich anmutenden Lächeln zugenickt, das ihm wohl sagen sollte, dass er seine Sache zwar nicht brillant, aber immerhin ganz akzeptabel gemacht habe. Cornelius fackelte nicht lange, sondern erklärte den Sektempfang spontan für eröffnet. Er brauchte jetzt dringend etwas zu trinken, und nach Möglichkeit nicht in der Nähe des von Greifenbergschen Duos. Der Hut der werten Frau Baronin hatte in seinem leuchtenden Pink und der vogelnestähnlichen Aufmachung während seiner ganzen Rede wie ein Fixpunkt auf Cornelius gewirkt und ihn an die abenteuerlichen Hutkreationen der englischen Adelsdamen beim Pferderennen in Ascot erinnert. Warum hatte sich Ramona vergangenes Jahr nur im Golfclub anmelden müssen?

Nachdem Tom gefühlte fünfhundert Fotos von ihm und den anderen Gästen gemacht hatte, er unzählige Hände geschüttelt und mit ebenso vielen Sektgläsern angestoßen hatte, gab es kein Entrinnen mehr. Von Greifenberg gab ihm genau fünf Sekunden, dann …

»Was muss ich da von Ihrer reizenden Gemahlin hören? Sie wollen uns nicht auf die Kreuzfahrt begleiten?«

Also hatte Ramona es ihnen schon gesagt. Man hätte auch eine bessere Gelegenheit wählen können, aber ein Blick in ihre Augen sagte Cornelius, dass ihr das Duo keine Chance gelassen hatte.

Und in der Tat …

»Ich habe gerade zur lieben Ramona gesagt, dass Sie und Richard unbedingt am Tontaubenschießen teilnehmen müssen, wenn wir an Bord sind, als sie uns doch tatsächlich von Ihrer Absage berichtete«, ereiferte sich das Vogelnest in diesem Augenblick. »Wollen Sie es sich denn nicht noch einmal überlegen?«

»So leid es mir auch tut, aber ich muss auf diese Reise verzichten. Notorische Seekrankheit, die mich spätestens in der stürmischen Biskaya in die Knie zwingen würde.« Cornelius war selbst erstaunt, wie freundlich seine Antwort klang.

Was aber noch viel besser war: Er hatte nicht einmal lügen müssen, um diesem zweifelhaften Urlaubsvergnügen zu entgehen, in das ihn Ramona mit einer Buchung hinter seinem Rücken hineinzumanövrieren versucht hatte. Ihm wurde schon schlecht, wenn er an das Wort »Schiff« nur dachte, und mit Schaudern erinnerte er sich an sein bisher einziges Seeabenteuer, das ihn einst als jungen Studenten von Calais nach Dover gebracht hatte. Er hatte danach sein letztes Erspartes investiert, um von England aus zurückfliegen zu können – und wäre notfalls auch durch den Ärmelkanal geschwommen. Nichts und niemand hätten ihn damals noch einmal auf eine Fähre gebracht. Und kein noch so geschickter Schachzug seiner Frau brachte ihn jetzt auf ein Kreuzfahrtschiff, das sich drei Wochen auf hoher See befinden würde. Da mochte die Gesellschaft an Bord noch so illuster und Ramona in ihrer Überzeugung, er bilde sich die Seekrankheit nur ein, noch so standhaft sein.

»Tja, mein Lieber. Da braucht man eben etwas Mumm in den Knochen«, hallte es in diesem Augenblick durch die Aula.

Cornelius’ Hand, die das Sektglas hielt, zuckte kurz, und er war drauf und dran, in derselben Lautstärke kundzutun, was er von Professoren hielt, die Teile ihres Forschungsfreisemesters auf einem Luxusdampfer verbrachten, anstatt sich eben jener Forschung zu widmen. Aber er dachte einmal mehr an Ramona und begnügte sich schließlich mit einem knappen: »Dann kann ich Ihnen meine Frau ja guten Gewissens anvertrauen!«

»Was machen Sie eigentlich in der Zeit, in der wir an Bord sind?«, fragte Caroline von Greifenberg entgeistert und ganz so, als ob es außerhalb dieses Schiffs keine Überlebensmöglichkeit geben würde. Cornelius sah, wie auch ihr Mann plötzlich neugierig die Ohren spitzte.

»Das, Gnädigste«, flüsterte er deshalb geheimnisvoll, »ist zu delikat, um es auszusprechen.«

*

»Du willst aufs Land ziehen? Wie kommst du denn auf diese unmögliche Idee?«

Tabea starrte ihren Vater entsetzt an. Sie hatte so laut gesprochen, dass sich die Gäste an den anderen Tischen nach ihnen umdrehten, aber obwohl sie sonst auf ihre Etikette und ihr Auftreten sehr viel Wert legte, störte sie sich in diesem Augenblick kein bisschen daran. Ihre kunstvoll hochgesteckten blonden Locken bebten bei jeder Bewegung und schienen ihrer Empörung nur noch mehr Nachdruck zu verleihen. Ihre Wangen glühten fast vor Aufregung.

»Was heißt hier ›aufs Land ziehen‹. Ich werde nicht umziehen, sondern lediglich ein paar Wochen im Haus von Lukas und Sandra verbringen. Das ist alles«, versuchte Cornelius sie zu beruhigen.

Es war zwei Tage nach seiner Verabschiedung. Cornelius hatte Tabea zu einem gemeinsamen Mittagessen abgeholt, um ihr seine vor einigen Tagen gefassten Pläne mitzuteilen. Ihre Reaktion war wie erwartet und er verstand plötzlich, warum Ramona ihm diese Unterhaltung gerne alleine überlassen hatte.

»Das macht Mama niemals mit. Die hält das in diesem Dorf doch keine fünf Minuten aus. Außerdem wolltet ihr doch eine Kreuzfahrt machen!«

»Deine Mutter will eine Kreuzfahrt machen, nicht ich. Deshalb werde ich auch alleine nach Neukirchen fahren. Wir werden eine Art kleine Auszeit nehmen …« Weiter kam er nicht.

»Auszeit?« Die Locken seiner Tochter bebten dieses Mal so stark, dass er beinahe Angst bekam. Die Aufmerksamkeit des halben Restaurants war ihnen mittlerweile sicher, denn Tabea hatte nicht viel leiser gesprochen – ganz im Gegenteil.

Er lächelte den beiden älteren Damen am Nebentisch entschuldigend zu, was allerdings nicht die erhoffte Wirkung hatte. Für sie schien das Ganze jetzt erst richtig interessant zu werden, denn sie starrten das ungleiche Vater-Tochter-Paar weiter unverhohlen an.

»Was soll das heißen, ihr werdet eine Art Auszeit nehmen? Ihr wollt euch scheiden lassen, nicht wahr?« Und nach einer kurzen Pause: »Aber ihr seid doch meine Eltern – das geht nicht!« Tabea hatte manchmal eine sehr einfach konstruierte Logik, der nicht viel entgegenzusetzen war.

»Unsinn, mein Schatz. Niemand spricht hier von Scheidung. Wir brauchen einfach beide ein bisschen Ruhe und Erholung und das dort, wo sich jeder von uns am wohlsten fühlt. Deine Mutter auf einem Kreuzfahrtschiff und ich eben auf dem Land.«

»Aber dieses Getrenntsein habt ihr doch bisher auch nicht gebraucht. Warum denn jetzt auf einmal? Könnt ihr denn nicht irgendwo Urlaub machen, wo es euch beiden gefällt?«

Er musste zugeben, dass diese Frage durchaus ihre Berechtigung hatte. Das Schwierige an der Sache war, dass Cornelius die Antwort darauf selbst nicht wusste. Das heißt, er wusste sehr wohl, dass er nicht mit dem von Greifenbergschen Duo auf eine Kreuzfahrt gehen würde – auch Ramona zuliebe nicht. Deswegen hatte er nicht gezögert, als sein Patensohn Lukas ihn gefragt hatte, ob er für vier Wochen sein Haus in Neukirchen hüten wolle. Lukas hatte die einmalige Chance bekommen, mit seiner Frau eine Griechenlandexpedition zu leiten, wollte aber ihr neu gebautes Haus samt diverser Handwerker nur ungern so lange alleine lassen.

Lukas’ Erleichterung nach seiner Zusage entnahm Cornelius, dass sie wohl auch nicht wussten, wen sie sonst mit dieser heiklen Aufgabe hätten behelligen können. Ramona hatte genau zwei Sekunden gebraucht, um über seinen Vorschlag, die nächsten Wochen gemeinsam in Niederbayern auf dem Land zu verbringen, nachzudenken. Er brauchte ungefähr ebenso lange, um sein Urteil über die von ihr geplante Kreuzfahrt zu fällen. Und da sie sich selten so schnell so uneins waren, stand weitere vier Sekunden später fest, dass – ausnahmsweise – jeder seinen Urlaub so verbringen würde, wie er wollte. Moderne Ehepaare machten so etwas nun einmal, hatte Ramona hinzugefügt. Und da er zwar offensichtlich nichts von moderner Lehrstuhlführung verstand, sich aber nicht nachsagen lassen wollte, ein unmoderner Ehemann zu sein, willigte er ein. Dies versuchte er nun seiner Tochter zu erklären, erntete dafür allerdings keine Anerkennung.

»Mama und du, ihr seid beide über sechzig! Wozu willst du denn plötzlich modern sein? Du warst noch nie modern, Papa. Natürlich fährst du mit Mama auf die Kreuzfahrt. Gegen deine Seekrankheit gibt es doch Tabletten.«

Und damit war für Tabea das Thema offensichtlich erledigt, denn sie widmete sich wieder ganz der Speisekarte. Cornelius musste sich eingestehen, dass es ihm im Grunde genommen egal war, ob er ein moderner Ehemann war oder nicht. Die Wahl zwischen Ruhe und Frieden in einem kleinen malerischen Dorf oder einem nervtötenden Urlaub mit Baron von und zu stellte sich ihm nicht wirklich.

*

Zu Tabeas großem Entsetzen ging es dieses Mal ausnahmsweise nicht nach ihrem Kopf. Ihre Eltern ließen sich von ihren Plänen nicht abbringen.

»Irgendwie rührt mich Tabeas Sorge um unsere Ehe. Ich konnte ihr nur mit Mühe ausreden, dass sie kein Scheidungskind werden wird«, sagte Cornelius lächelnd. Er stand an der Tür des gemeinsamen Schlafzimmers und sah seiner Frau beim Packen ihres mittlerweile vierten Koffers zu. Für ihn grenzte es jedes Mal an ein Wunder, wie man erstens überhaupt einen so großen Kleiderschrank haben konnte und zweitens so viel davon in den Urlaub mitnehmen musste.

Als Ramona auf seinen Kommentar nichts erwiderte, sondern schweigend eine ihrer Seidenblusen faltete, verspürte Cornelius eine plötzliche Unruhe. Vielleicht wusste Tabea ja viel mehr als er selbst. Die Hauptbetroffenen erfuhren es ja meistens erst als Allerletzte, das hörte man doch immer wieder.

Ramona hielt mitten in der Bewegung inne und blickte ihn verwirrt an. »Scheidung? Was redest du denn da für einen Unsinn. Ich habe nicht vor, mich von dir scheiden zu lassen. Auch wenn ich wirklich nicht weiß, was du in diesem Provinznest willst«, sagte sie dann mit einem lauten Seufzer und ließ sich erschöpft auf der Bettkante nieder. Das Einpacken des halben Kleiderschranks forderte offensichtlich erbarmungslos seinen Tribut. »Jetzt sind schon vier Koffer voll und dabei habe ich die Schuhe und Taschen noch nicht eingepackt«, murmelte sie und blickte zwischen ihrem Kleiderschrank und dem bedrohlich wachsenden Kofferberg hin und her.

»Bist du sicher, dass du alles brauchst, was du bisher eingepackt hast?«, versuchte er ihr seine Hilfe anzubieten, womit er sich jedoch nur einen weiteren vorwurfsvollen Blick einhandelte.

»Also Gregor, davon verstehst du nun wirklich nichts. Wie sehen denn eigentlich deine eigenen Vorbereitungen aus? Du wirst mir doch nicht im Ernst weismachen wollen, dass du bereits für vier Wochen gepackt hast?«

Cornelius kam nicht mehr dazu, ihr seine – mit wesentlich weniger Aufwand verbundenen – Reisevorbereitungen zu erklären, denn in diesem Augenblick eilte sie auch schon aus dem Schlafzimmer und rief nach Maria. So gerne Cornelius ihre Perle im Haushalt, wie Ramona und er sie liebevoll nannten, auch mochte – sie wollte er im Moment wirklich nicht sehen. Maria hatte sich regelrecht mit Tabea verbündet, kaum dass sie durch seinen entsetzten Nachwuchs von seinen Plänen erfahren hatte – fest davon überzeugt, dass er, auf sich alleine gestellt, innerhalb kürzester Zeit verhungern und verdursten würde.

»Haben Sie mal nachgeschaut, was mein Mann alles eingepackt hat?«, wurde sie in diesem Moment auch gleich von seiner Frau begrüßt, als sie, mit einem überdimensionalen Staubwedel bewaffnet, in der Tür stand.

»Natürlich, Frau Professor (Maria nannte Ramona schon immer »Frau Professor«, obwohl Cornelius derjenige in der Familie war, dem dieser akademische Titel offiziell verliehen worden war, aber das störte hier niemanden wirklich), ich habe schon darauf geachtet, dass er sich die richtigen Sachen einpackt. Obwohl mir ja schon wohler wäre, wenn ich mitfahren würde. Er kann sich alleine doch überhaupt nicht richtig versorgen.«

»Meine Worte, liebe Maria, aber er ist nun einmal davon überzeugt, dass ein niederbayerisches Dorf seine wahre Bestimmung ist.«

Cornelius fiel plötzlich auf, dass die beiden miteinander sprachen, als ob er gar nicht im Raum wäre. Jetzt fehlte eigentlich nur noch, dass Maria ihn »einen armen Mann« nannte und sein Rang in diesem Haushalt wäre endgültig klar.

In diesem Moment hörte er Tabeas Stimme auf dem Treppenabsatz und er suchte schleunigst einen Fluchtweg aus dem Schlafzimmer – vorbei an sich türmenden Kofferbergen und einem protestierenden Fräulein Tochter.

»Wir machen uns doch nur Sorgen um dich, Papa«, war das Letzte, das er hörte. Mit einem erleichterten Seufzen ließ er die Tür zu seinem Refugium, in anderen Haushalten auch Büro oder Arbeitszimmer genannt, zufallen.

Kapitel 3

Zwei Tage später war es so weit. Nachdem er allen haushälterischen und töchterlichen Einwänden widerstanden und es – nach dreimaligem Umpacken – auch geschafft hatte, den Kofferberg seiner Frau und seine eigenen zwei Reisetaschen im Auto zu verstauen, hieß es Abschied nehmen. Cornelius würde Ramona zum Flughafen und von dort weiter in sein eigenes Urlaubsdomizil fahren. Davor musste er Maria hoch und heilig versprechen, sofort anzurufen, wenn er sich »in diesem fremden Haushalt mit all den unbekannten Geräten« nicht zurechtfinden sollte. (Cornelius musste an dieser Stelle insgeheim zugeben, dass er sich auch in seinem eigenen Haushalt mit all den bekannten Geräten nicht besonders gut zurechtfand, aber dies laut zu äußern hätte eine sofortige Vernichtung seiner Pläne bedeutet.) Er konnte Maria auch so gerade noch davon abhalten, ihm einige Brote für die – knapp zweistündige (!) – Fahrt zu schmieren und Notfallkonserven in eine seiner Reisetaschen zu packen.

»Ruf mich bitte sofort an, wenn du dort angekommen bist, Papa. Und am Wochenende besuche ich dich natürlich«, sagte Tabea.

Cornelius wusste nicht recht, ob dies eine Drohung oder ein Versprechen sein sollte. »Ich komm schon zurecht. Kümmere du dich lieber um dein Studium.«

Tabea grinste nur.

Nachdem sie den Großstadtverkehr hinter sich gelassen hatten, ging es auf der Autobahn Richtung Flughafen zügig voran. Jetzt, Ende April, war noch keine Urlaubszeit und mit ein bisschen Wehmut musste er daran denken, dass in wenigen Tagen das Sommersemester an der Universität beginnen würde.

»In Neukirchen wird am ersten Mai bestimmt ein Maibaum aufgestellt«, sagte Ramona. »Vielleicht wirst du ja die nächsten Tage zum Wachdienst abkommandiert, damit ihn niemand klauen kann. Das macht man doch auf dem Land so, nicht wahr?«

»Ja, mein Schatz, das wird dort durchaus noch so gehandhabt. Ich erinnere mich sogar daran, dass Lukas etwas in der Art erwähnt hat. Allerdings glaube ich nicht, dass sie einem Ortsfremden gleich so eine heikle Aufgabe anvertrauen werden. Ein Maibaumdiebstahl ist schließlich eine ernste Sache.«

»So ein Unsinn. Wie kann man nur wegen eines angemalten Holzstücks so ein Theater verursachen. Bin ich froh, dass ich das nicht mitmachen muss.«

Cornelius fand die Aussicht auf eine feierliche Maibaumeinweihung mit einem richtig zünftigen Dorffest im Anschluss eigentlich sehr vielversprechend.

»Wer weiß, vielleicht versucht Neukirchen sogar, den Maibaum eines anderen Dorfs zu stehlen und ich werde zum Schmiere stehen eingeteilt.« Er lachte. »Das wäre ja was.«

Ramonas sorgfältig geschminkten Brauen wanderten nach oben. »Gregor, ich hoffe doch sehr, du lässt dich dort nicht in irgendwelchen Unsinn mit hineinziehen. Auch wenn du jetzt im Ruhestand bist, denk bitte daran, dass ich auch einen Ruf zu verlieren habe.«

Er wusste zwar nicht, ob der Diebstahl eines niederbayrischen Maibaums es bis in die Münchner Boulevardpresse schaffen würde, dennoch gelobte er an dieser Stelle feierlich, sich von allem fernzuhalten, das nach Ärger oder – wie sie es nannte – Unsinn aussah, um ihre gesellschaftliche Position, um die es ihm selbst noch nie besonders bange war, nicht zu gefährden.

An der nach wie vor hochgezogenen Augenbraue erkannte Cornelius, dass seine Frau von seinen Beteuerungen alles andere als überzeugt war. Zum Glück hatten sie in diesem Moment den Flughafen erreicht und sie musste ihre Aufmerksamkeit notgedrungen den unzähligen Taschen und Koffern schenken, die es nun aus dem Auto zu bugsieren und auf einen Gepäckwagen zu hieven galt. Dies war natürlich seine Aufgabe, aber irgendjemand musste das Ganze ja auch dirigieren.

Es dauerte eine Weile, bis sie der entgeisterten Angestellten am Schalter erklärt hatte, dass der voluminöse Kofferberg ihr Gepäck sei, das selbstverständlich abgefertigt werden müsse. Nachdem sie eine – in seinen Augen – horrende Summe für Übergepäck bezahlt hatte, wandte sie sich ihm lächelnd zu. »Jetzt heißt es Abschied nehmen.«

Obwohl sie ihn mit dieser Kreuzfahrt hätte jagen können, verspürte er plötzlich eine Art Trennungsschmerz. Tabea hatte recht: Ramona und er waren, seit sie sich kennengelernt hatten, noch nie wirklich lange ohne den anderen gewesen – und schon gar keine vier Wochen. Er bemerkte, dass es ihr genauso ging. Umständlich nestelte sie an seiner – von ihr am Morgen ohnehin tadellos gebundenen – Krawatte herum.

»Und wenn du es gar nicht aushältst, dann fahr nach Hause – oder komm hinterher, und wir gabeln dich in einem der Häfen auf«, sagte sie ungewohnt sanft.

*

Neukirchen war genau das, was man sich unter einem idyllischen Motiv für einen Postkartengruß aus Bayern vorstellte. Es lag knapp dreißig Kilometer von Landshut entfernt in einem ebenen Landschaftsabschnitt mit nur einigen sanften Hügeln im Hintergrund und gehörte auch unter den Dörfern zu den eher kleineren Vertretern dieser Spezies. Doch immerhin besaß es neben zahlreichen Bauernhöfen einen eigenen Gemischtwarenladen und – genau gegenüber der schmucken Kirche mit ihrem markanten gotischen Turm – ein stattliches Gasthaus. All das nahm Cornelius aufmerksam wahr, als er nach zwei Stunden Fahrt die dörfliche Hauptstraße entlangrollte, die sich gleichsam L-förmig an den Häusern vorbeizog. Von ihr gingen nur drei weitere Straßen ab – eine direkt neben dem Gasthaus, das sich in etwa der Ortsmitte befand, und zwei weitere am westlichen Dorfende. Diese Beobachtung hatte er jedoch nicht seinem aufmerksamen Auge zu verdanken, sondern Tabea, die alles, was sie über Neukirchen im Internet finden konnte, für ihn ausgedruckt hatte. Er musste zugeben, dass es nicht gerade viele Seiten waren – genau genommen zwei –, die sie ihm schließlich mit einem Da-siehst-du-mal-was-das-für-ein-kleines-Nest-ist-Blick präsentiert hatte.

Die Tatsache, dass er momentan nur sehr langsam fuhr, lag daher nicht an dem undurchdringbaren Straßendschungel Neukirchens, in dem er sich nur mühsam zurechtfand, sondern an einem Traktor mit Anhänger, der seit etwa dreihundert Metern vor ihm her zockelte und in regelmäßigen Abständen etwas von dem Mist verlor, den er auf seinem Anhänger transportierte. Da aber das Haus von Lukas und Sandra gemäß telefonischer Beschreibung jeden Moment auf der linken Seite auftauchen musste, verzichtete Cornelius darauf, ihn zu überholen.

Hauptstraße 22 – er war am Ziel angekommen. Vorsichtig bog Cornelius in die kiesbedeckte Einfahrt des zweistöckigen Neubaus. Den Baugrund hatte Sandra von ihrer Großmutter geerbt, die sich beharrlich geweigert hatte, ihn der Gemeinde zu verkaufen. Sandra war im Nachbardorf aufgewachsen und liebte – genau wie Lukas – das Landleben. Also hatten sie sich nach fast zwanzig Jahren in der Großstadt entschlossen, nach Neukirchen umzuziehen. Das Haus, das schließlich entstanden war, war zweifellos ein Neubau, dennoch passte es sich mit seinem verwinkelten Baustil, den Holzbalken und grünen Fensterläden wunderbar der ländlichen Umgebung an.

Als Cornelius durch den kleinen Vorgarten auf die Eingangstür zuging, fiel ihm ein, dass der Schlüssel im Gasthaus für ihn hinterlegt war, da Lukas und Sandra bereits seit zwei Tagen in Griechenland waren. Das hatte er vollkommen vergessen.

Er beschloss spontan, das Auto stehen zu lassen und die kurze Strecke zu Fuß zu gehen. Vielleicht lernte er ja gleich seine zukünftigen Nachbarn kennen. Direkt nebenan stand ein stattlicher Bauernhof. Ein gepflegtes und mit zahlreichen Holzverkleidungen versehenes Wohnhaus befand sich auf der zur Nummer 22 angrenzenden Seite. Der große Innenhof mit einem wunderschönen Brunnen trennte es von den Wirtschaftsgebäuden und den Stallungen auf der anderen Seite. Cornelius vernahm das gedämpfte Wiehern von Pferden und entdeckte eine schwarze Katze, die sich vor dem Brunnen in der warmen Nachmittagssonne räkelte. Davon abgesehen war jedoch niemand zu sehen.

In diesem Augenblick hörte Cornelius hinter sich ein energisches Hupen und ein schwarzer Sportwagen, dessen Fahrer ohrenbetäubend laute Musik hörte, donnerte haarscharf an ihm vorbei und raste in den Innenhof. Direkt vor dem Eingang des Wohnhauses kam das Auto mit quietschenden Reifen zum Stehen.

Cornelius war erschrocken zwei Schritte zurückgestolpert und dabei unweigerlich vom Gehsteig auf die Straße getreten, auf der sich soeben ein weiterer Wagen von hinten näherte. Dessen Fahrer wich im letzten Moment aus, versuchte gleichzeitig zu bremsen, kam aber auf der Mistspur, die der Traktor hinterlassen hatte, ins Schleudern und rammte beinahe ein Toilettenhäuschen, das für eine Baustelle am gegenüberliegenden Haus aufgestellt war. Nur wenige Zentimeter davor hielt der Wagen schließlich an.

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