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Waikiki Beach Storys

Waikiki Beach Storys

 

Inhalt:

 

Sonne, Strand, Meer und ein verschwundener Koffer, das sind die Zutaten, aus denen zwölf Autoren elf Spin-offs zu ihren bekannten Charakteren gemixt haben. Mal spritzig, mal witzig, romantisch und erotisch, lassen sie Leser und Protagonisten einen unvergesslichen Urlaub im Waikiki Beach Resort erleben.

Für die jeweiligen Werke sind die einzelnen Autoren verantwortlich.

 

Alle Rechte vorbehalten.

Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt und darf nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Autoren ganz oder in Auszügen vervielfältigt oder kommerziell genutzt werden.

Alle handelnden Personen wurden frei erfunden.

 

Cover © Francisca Dwaine

Unter Verwendung der Bilder von © Nemo - Pixabay.com und © PublicDomainPictures - Pixabay.com

Bianca Nias: Waikiki Beach Five - O

 

 

(Marc und Tajo, „Tajo@Bruns_LLC: Das Herz des Löwen“)

 

Vorwort

 

Marc und Tajo trafen erstmals in „Tajo@Bruns_LLC: Das Herz des Löwen“ aufeinander. Marc ist Computerexperte und erhielt den Auftrag, die Firmenzentrale der amerikanischen Sicherheitsfirma „Bruns LLC“, die sich im nordhessischen Reinhardswald niedergelassen hat, mit Hard- und Software auszustatten. Dabei verliebte er sich in den Firmenboss, Tajo Bruns (Alpha-Männchen, Marke: groß, ungeheuer attraktiv und unverschämt arrogant). Beide fühlten sich von Beginn an zueinander hingezogen. Doch erst, als Tajo in Gefahr gerät und Marcs Hilfe braucht, wird dem cleveren Informatiker offenbart, dass Tajo und seine Familie Gestaltwandler sind. Sie können zwischen ihrer menschlichen und einer tierischen Form wechseln. Tajo und seine Familie sind zu einem Teil auch Löwen und Marc wird in die fremdartige Welt der Gestaltwandler hineingezogen, die ihre eigenen Moralvorstellungen und Werte hat.

Die Kurzgeschichte „Waikiki Beach Five-O“ spielt zeitlich nach dem zweiten Teil der Buchreihe, „Jonathan@Bruns_LLC: Löwengebrüll“, der im November 2014 im Dead Soft Verlag erscheinen wird.

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„Das darf doch alles nicht wahr sein! Ein Hurrikan?“

 

Marc musste sich bremsen, um die arme Angestellte, die ihn noch immer angestrengt anlächelte, nicht frustriert anzuschreien.

Die junge Frau am Schalter der Fluglinie, die sie an ihr eigentliches Reiseziel, eine einsame und verträumte Insel bringen sollte, zuckte entschuldigend mit den Schultern und nickte gleichzeitig bestätigend mit dem Kopf. Eine höchst verwirrende Kombination, befand Marc. Bekamen das die Mitarbeiter von Fluglinien in ihrer Ausbildung beigebracht? „Es ist Hurrikan-Saison, Sir, da kann das vorkommen. Aber Ihr Reiseveranstalter hat bereits durchgegeben, dass er für Sie ein Zimmer in einem gleichwertigen Hotel am Waikiki Beach reserviert hat. Das wird Ihnen bestimmt gefallen!“

Irritiert sah Marc zu den großen Fenstern des Honolulu International Airport hinaus. Die bodentiefen Scheiben ermöglichten ihm einen Blick auf riesige Palmen, die sich leicht in einem sanften Wind wiegten. Die Sonne strahlte von einem wolkenlosen, babyblauen Himmel herab.

„Ja, mit John hat hier niemand gerechnet, aber er zieht zum Glück an Honolulu vorbei“, unterbrach die Angestellte seine nachdenkliche Betrachtung. Marc zuckte bei der Nennung des Namens unvermittelt zusammen.

„John?“, fragte er mit erstickter Stimme nach.

„Ja, Hurrikan John. Das ist sein Name“, wiederholte die Angestellte geduldig. Wahrscheinlich hielt sie ihn spätestens jetzt für ziemlich beschränkt.

Mit einem genervten Schnaufer zog Marc sich die Blumengirlande vom Hals, die ihm bei seiner Ankunft auf Hawaii von spärlich bekleideten Hula-Mädchen überreicht worden war, und warf sie in den nahestehenden Mülleimer. Er ignorierte die fragenden und abwertenden Blicke der anderen Reisenden, die hinter ihm bereits eine Schlange an dem Schalter gebildet hatten.

„Gibt´s Probleme?“, ertönte eine dunkle Stimme plötzlich neben ihm. Marc drehte sich zu seinem Partner um. „Wir können frühestens in drei Tagen weiterfliegen. Ein Hurrikan tobt nahe Maui, daher hat man uns auf Waikiki Beach umgebucht.“

Tajo zuckte gleichgültig mit den Schultern. „Macht doch nichts. Hauptsache ein Bett. Mehr brauche ich nicht.“ Er grinste anzüglich und griff mit einer Hand in Marcs Nacken, um ihn zu einem Kuss heranzuziehen. „Da macht es auch nichts, dass unsere Koffer weg sind. Ich wollte dich sowieso lieber die ganze Zeit nackt sehen“, raunte er ihm ins Ohr und platzierte einen Hauch von einem Kuss auf sein Kinn.

Marc stemmte augenblicklich seine Hände gegen Tajos breite Brust und drückte ihn von sich. „Unsere Koffer sind weg?“ Jetzt schrie er nun doch.

„Yepp. Irgendein Fehler von der automatischen Kofferabfertigung in Frankfurt. Was weiß ich. Ist doch egal. Sie werden sie uns noch irgendwie hinterher schicken. Sagte man mir jedenfalls.“ Tajo lächelte noch immer.

Marc starrte ihn ungläubig an. Hier folgte eine Katastrophe auf die andere, nichts klappte so, wie er es seit Wochen geplant hatte und sein Freund strahlte ihn mit einer Seelenruhe an, als wäre das alles nicht schlimm?

Ungehalten schnaubte er auf. „Wie kannst du bei alldem nur so ruhig bleiben?“, beschwerte er sich.

Tajo schmunzelte leise. „Warum nicht? Du bist bei mir, die Sonne scheint, wir haben ein Hotel und die restliche Familie ist weit, weit weg. Niemand stört uns. Warum sollte mir das nicht gefallen?“

„Deinen Sinn für Pragmatismus will ich haben“, murmelte Marc und schnappte sich sein Handgepäck. „Los komm, lass uns ein Taxi rufen. Nein, besser einen Limousinen-Service. Damit ich dem Reiseveranstalter wenigstens hinterher eine saftige Rechnung für diesen ganzen Mist präsentieren kann!“

 

***

 

Das gebuchte Hotel entpuppte sich als ein Hochhausklotz, der in direkter Strandnähe, dafür aber auch inmitten der belebten Uferpromenade des Waikiki Beach Resorts lag. Marc stieg aus dem Taxi und sah sich missmutig um. Diesem Massentourismus hatte er noch nie etwas abgewinnen können. Entlang des breiten Sandstrandes reihten sich hohe Hotelbunker dicht an dicht. Obwohl es erst gegen Mittag war, bevölkerten unzählige Touristen die Straße. Dickleibige Amerikaner, in schreiend bunte Hawaiihemden gekleidet, deren Füße vornehmlich in Sandalen und weißen Tennissocken steckten, prägten das Straßenbild. Tajo hatte bereits den Taxifahrer bezahlt und winkte einem Hotelboy zu, der ihr spärliches Handgepäck übernehmen sollte.

Marc seufzte innerlich auf, straffte sich dann aber und folgte Tajo zum Eingang des Hotels. Okay, es war ja nur für ein paar Tage. Mal sehen, vielleicht konnten sie einen Mietwagen organisieren und wenigstens die Insel erkunden, bis endlich der Flug zu ihrem eigentlichen Urlaubsziel starten konnte.

In der Hotelhalle angekommen, lehnte er sich erschöpft gegen den Tresen der Rezeption und sah Tajo zu, der die Anmeldeformulare in seiner großen, schwungvollen Handschrift ausfüllte und sie der Angestellten wieder zuschob. Diese reichte ihnen lächelnd zwei Schlüsselkarten. „Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Aufenthalt im Waikiki Beach Grand Hotel“, flötete sie. „Sie werden gleich zur Honeymoon-Suite hinaufbegleitet.“

Marc rollte mit den Augen. „Honeymoon-Suite?“, krächzte er entsetzt. Oh Mann, solchen Kitsch hatte er schon immer zutiefst verabscheut.

„Hey, Süßer, wo ist dein Sinn für Romantik geblieben?“ Tajo grinste ihm verschmitzt zu. Dann fiel sein Blick auf irgendetwas hinter Marc und seine Augen verengten sich. Überrascht über Tajos grimmige Miene, drehte Marc sich um. Seine Augen wanderten über die Menschenmenge in der Lobby, aber er konnte nichts Außergewöhnliches feststellen. „Was ist los?“, fragte er daher leise.

„Nichts“, antwortete Tajo schnell. Zu schnell, als dass Marc es ihm abkaufen würde. Er blickte sich daher erneut suchend um. In den Ruhesesseln der Lobby saßen einige ältere Männer und lasen Zeitung, manche Urlauber strömten nach draußen auf die Straße, andere hingegen suchten wohl zum Mittagessen das angeschlossene Hotelrestaurant auf. Eine einzelne Frau fiel ihm ins Auge, wahrscheinlich, weil sie mit ihrem feuerroten kurzen Haaren und ihrer schlanken, hochgewachsenen Gestalt wie ein Leuchtturm aus den übrigen Urlaubern herausragte. Die Frau trug lässig ein Surfboard unterm Arm und war gerade dabei, das Hotel zu verlassen, so dass Marc nur einen Blick auf ihren Rücken werfen konnte.

Marc sah Tajo forschend an. „War das eine … du weißt schon was?“, fragte er eindringlich. Tajo zuckte mit den Schultern.

„Ich denke schon“, erwiderte er verhalten, wandte sich dann aber ohne weitere Erklärung dem Hotelpagen zu, der sie zur Suite begleiten sollte.

Im Fahrstuhl, der sie in das oberste Stockwerk des Hotels brachte, konnte es sich Marc nicht verkneifen, das Thema erneut anzusprechen. „Kennst du sie?“

Tajo schüttelte lediglich den Kopf. Der Angestellte brachte sie zu einer großen, in weißlackierten Holz gehaltenen Flügeltür, schloss auf und bedankte sich mit einer Verbeugung artig für das saftige Trinkgeld, das Tajo ihm in die Hand drückte.

Müde schlurfte Marc hinter Tajo her, der mit großen Schritten den Wohnbereich der Suite durchquerte, die riesige Glastür zur Seite schob und auf den Balkon hinaus trat. Mit einem strahlenden Lächeln auf dem Gesicht drehte er sich zu Marc um. „Komm her, das musst du dir ansehen!“

Marc trat neben ihn, wurde aber sofort in eine heftige Umarmung gezogen. „Isch kann nisch gucken, wenn du misch nisch loslässt“, nuschelte er an Tajos breiter Brust.

„Äh – stimmt. Tschuldigung“, murmelte Tajo, senkte aber seinen Kopf und küsste ihn stürmisch, bevor er sich widerstrebend löste. Er packte Marc an seinen Schultern und drehte ihn zur Balkonbalustrade herum. „Ist das nicht fantastisch?“

Der Ausblick über den Strand und das tiefblaue Meer, das sich vor ihm auftat, war wirklich beeindruckend. Riesige Wellen türmten sich unaufhörlich auf, bevor sie kippten und mit ihren weißen Schaumkronen dem Strand entgegen rollten. Ihr pausenloses Donnern übertönte sogar den Verkehrslärm, der von der Straße zu ihnen hinauf schallte. In der Ferne ragten einige grünbewachsene Inseln aus dem Wasser, deren hohe Klippen ihren vulkanischen Ursprung erahnen ließen. Vereinzelt waren große Kreuzfahrtschiffe am Horizont erkennbar, daneben wirkten ein paar Yachten wie Spielzeuge.

„Oh, das ist echt schön.“ Marc atmete ein wenig auf und lehnte sich gegen seinen Mann, der sofort die Arme um ihn schlang und seinen Kopf auf seiner Schulter abstützte. Ein warmer Wind umschmeichelte sie beide und Marc war sich plötzlich wieder bewusst, wie zerknautscht und verschwitzt er sich nach der langen Reise fühlte. Nach 16 Stunden in einem Flugzeug war er alles andere als taufrisch.

„Ich muss mal kurz ins Bad“, murmelte er daher. Verdammt, er hatte außer den Sachen, die er am Leib trug, nichts anzuziehen. Bis ihre Koffer wieder auftauchten, musste er sich wohl noch Klamotten zum Wechseln besorgen. Schöner Mist. Hoffentlich gab es hier außer diesen fürchterlichen Hawaiihemden noch andere, normale Kleidung zu kaufen.

Tajo löste sich wieder von ihm. „Ich geh‘ als Erster ins Bad“, rief er fröhlich und war schneller im Zimmer verschwunden, als Marc es mit seinen menschlichen Augen wahrnehmen konnte.

Marc betrat mit einem tiefen Seufzer wieder die Suite und sah sich kurz in dem nobel ausgestatteten Wohnraum um, der – zu seinem Glück – nicht ganz so kitschig eingerichtet war, wie es der Name der Suite vermuten ließ. Mit schleppenden Schritten steuerte er die nächste Tür an, die wohl zum Schlafzimmer führte.

Lächelnd betrachtete Marc den Sektkübel mit einer Flasche Champagner, der auf einem kleinen Tisch vor dem Fenster stand. Nachlässig wischte er mit einer Handbewegung ein paar Rosenblätter von dem runden, mit unzähligen weißen Kissen bedeckten Monstrum von einem Bett, bevor er sich so, wie er war, darauf sinken ließ. Müde schloss er seine Lider. Im Bad hörte er Wasserrauschen, Tajo schien zu duschen. ‚Nur mal kurz die Augen zumachen‘, dachte er noch, bevor er umgehend einschlief.

 

***

 

Ein sanfter Kuss auf seinen Lippen weckte Marc, viel zu früh für seinen Geschmack. Unwillig knurrte er leise, drehte er sich um und kuschelte sich in die Kissen.

„Aufwachen, Dornröschen“, raunte eine tiefe Stimme an seinem Ohr und eine Hand streichelte langsam an seinem nackten Bauch hinab.

Moment mal. Stopp. Wann hatte er sich ausgezogen? Nur langsam kam Marc zu sich und öffnete die schweren Lider. Er blinzelte, es dauerte ein paar Sekunden, bis sich seine Augen an das dämmerige Licht im Zimmer gewöhnten.

„Wach auf, Schatz, sonst wirst du den Jetlag nie los“, murmelte Tajo hinter ihm und schmiegte sich an seinen bloßen Rücken. Etwas Hartes rieb sich eindeutig und auffordernd an seinem nackten Hintern. Verdammter Mistkerl. Hatte ihn einfach ausgezogen, ohne dass er etwas davon mitbekam. Verschlafen richtete sich Marc auf.

„Wie spät ist es?“ Seine Stimme klang noch rau vom Schlaf und er räusperte sich kurz.

„Halb acht. Du hast sechs Stunden geschlafen, das sollte fürs erste genügen.“ Tajo streckte sich neben ihm genüsslich. „Hast du Durst?“, fragte er nun lächelnd, langte auf den Nachttisch neben sich und reichte Marc ein Glas Champagner.

Dankend nahm Marc es ihm ab und trank vorsichtig einen Schluck. Der frische, herbe Champagner prickelte in seinem Mund und er bemerkte, wie gierige Augen den Weg seine Kehle hinab folgten, als er schluckte. Er grinste und trank das Glas genüsslich in einem Zug aus. „Champagner, ein Bett voll Rosenblätter … was kommt jetzt noch? Geigenspieler?“, frotzelte er gut gelaunt. Der Champagner war ihm anscheinend sofort ins Blut gegangen und hatte seinen Kreislauf auf Touren gebracht.

Tajo lachte vergnügt auf. „Nein, bloß nicht. Hier auf Hawaii würden es wahrscheinlich eher halbnackte Hula-Tänzerinnen sein. Auf die kann ich echt verzichten.“ Seine Miene änderte sich und wurde zu einem verschlagenen Grinsen, ohne, dass das Funkeln aus seinen Augen verschwand. „Aber habe ich dir nicht schon einmal gezeigt, was man mit Champagner alles anstellen kann?“ Tajo langte neben das Bett und holte die ganze Flasche hervor. Mit einer fließenden Bewegung schob er sich über Marc, nahm ihm das leere Glas aus der Hand, drückte ihn in die Kissen zurück und setzte sich auf seine Schenkel.

Ein glucksendes Lachen entkam Marc. „Nein, das war Bier. Berliner Weiße, wenn ich mich recht erinnere. Scheiße, was hat das Zeug geklebt!“

Er keuchte überrascht auf, als Tajo den kühlen Champagner auf seine Brust träufelte und interessiert zusah, wie sich die wenigen Tropfen ihren Weg hinab zu seinem Bauchnabel bahnten. Himmel, er spürte jeden einzelnen Zentimeter, den das prickelnde Zeug auf seiner Haut zurücklegte. Mit einem angeregten Knurren senkte Tajo seinen Kopf und begann, der Spur des Champagners mit seiner Zungenspitze zu folgen. Marc keuchte, ein unwillkürliches Stöhnen entkam seiner Kehle. Nun rutschte Tajo tiefer, setzte die raue Seite seiner Zunge ein und umspielte seinen Bauchnabel.

Erneut stöhnte Marc dunkel auf, seine Hände krallten sich automatisch in Tajos dichte Löwenmähne, sein Becken ruckte nach oben. Er spürte, wie sich sein Schwanz füllte und langsam aufrichtete, bis seine empfindliche Eichel an Tajos Kehle lag, der seinen Mund noch immer fest auf seinen Bauch presste.

„Mmmmmh, du schmeckst gut“, brummte Tajo. Die Vibrationen aus seiner Kehle übertrugen sich ungefiltert auf Marcs Schwanz. Verzweifelt schnappte Marc nach Luft. Scheiße! Tajo hatte sich nicht rasiert und die rauen Bartstoppeln reizten sein empfindliches Fleisch zusätzlich. „Schaaatz, hör auf zu spielen! Bitte!“, flehte er atemlos.

Ein glucksendes Lachen antwortete ihm. Tajo hob endlich den Kopf und hörte auf, ihn mit der Zunge in den Wahnsinn zu treiben. „Ts, ts, da will ich dich langsam und genüsslich verführen und was machst du? Betteln?“ Aufreizend gelassen zog sich Tajo ein Stück von ihm zurück. Sein Blick wanderte über Marcs Körper. Sonst tat er nichts. Aber allein sein liebevoller, gleichzeitig wissender Gesichtsausdruck, was gleich folgen würde, seine funkelnden gelben Löwenaugen, die durch ihre Verwandlung deutlich seine Erregung zeigten, fachten den Heißhunger in Marc noch weiter an. Oh Mann. Jetzt waren sie schon fast ein Jahr zusammen, waren mittlerweile ein eingespieltes Team, aber Tajo brachte ihn noch immer zum Kochen. Manchmal nur mit einem solchen, einzigen Blick.

„Wenn du warten willst, bis ich als wimmerndes Häufchen Lust vor dir auf die Knie sinke – dann sag es einfach“, keuchte Marc leise. „Aber das halte ich nicht länger aus!“

Tajo schmunzelte verhalten. „Auf die Knie – keine schlechte Idee.“ Blitzschnell packte er Marcs Schultern, drehte ihn erstaunlich sanft auf den Bauch und schob seine Arme unter seinen Körper. Marc konnte gar nicht anders, als dem leichten Druck nachzugeben und die Knie anzuziehen. Sein Oberkörper ruhte unvermindert in den weichen Kissen, sein Hintern presste sich nun aufreizend gegen Tajos Ständer. Starke Arme stützten sich neben seinem Kopf ab und Marc spürte, wie Tajos Zähne sich zärtlich in seine Halsbeuge gruben. Der leichte Schmerz schoss flammend in seine Eingeweide und er drückte stöhnend den Rücken durch. Plötzlich merkte er, wie Tajo nochmals sein Gewicht verlagerte und hörte ihn neben sich herumkramen.

„Was suchst du?“, raunte er leise.

„Gleitgel“, antwortete Tajo und stieß einen Fluch aus. „Sag bloß, das war auch im Koffer?“

„Was denkst du denn? Flüssigkeiten über 100 ml sind im Handgepäck verboten!“ Marc hätte gerne darüber gelacht, wenn die Situation nicht geradezu tragisch gewesen wäre.

Trotzdem hörte er Tajo neben sich leise auflachen. „Na dann – gibt es eben nur die gute alte Methode ...“

Marc spürte erneut, wie sich die Matratze unter Tajos Gewicht bewegte und keuchte erschrocken auf, als er dessen Lippen an seinem Hintern spürte. Tajos liebkosende Zunge leckte eine Spur hinunter bis zu seiner Rosette, befeuchtete ihn sanft und gefühlvoll. Ein schwaches Wimmern stieg in ihm hoch und er unterdrückte es mühsam. Marc krallte seine Hände in das Bettzeug und erstickte seinen Schrei in den Kissen, als die Zunge ihren Weg fand und in ihn eindrang.

Abermals ließ Tajo sich Zeit und strapazierte Marcs Geduld und Stehvermögen damit bis aufs Äußerste. Endlich nahm er auch seine Finger zu Hilfe, dehnte und weitete ihn behutsam. Marcs Atem ging stoßweise. „Jetzt … bitte …“, wimmerte er atemlos und spürte erleichtert, dass Tajo dieses Mal seiner Bitte umgehend nachkam. Der Druck auf seine Rosette wurde ungleich stärker und er biss die Zähne unwillkürlich zusammen. Wohl wissend, dass der erste Schmerz sich gleich in ein Feuerwerk der Lust verwandeln würde, schob er sich Tajo entgegen und spürte schließlich, wie sein Muskel nachgab. Das tiefe Stöhnen hinter ihm feuerte ihn an und er bog erneut den Rücken durch, um Tajo ein weiteres Stück in sich aufzunehmen.

Sein Löwenmann hinter ihm grollte dunkel. „Scheiße, bist du eng … mach langsam … ich kann sonst nicht … aaah!“

Mit einem festen Ruck schob sich Tajo ganz in ihn hinein, hielt dann aber wiederum inne. Marc hörte den keuchenden Atem seines Liebsten und merkte, wie sehr sich Tajo zurückhielt, um ihm nicht weh zu tun. Kurzentschlossen stemmte sich Marc auf seinen Armen in die Höhe, bis er aufrecht kniete und seinen Rücken an Tajos Brust schmiegen konnte. Oh, wow, die Stellung raubte ihm erst einmal fast den Atem. Schnell hob er beide Arme über seinen Kopf, umklammerte mit den Händen Tajos Nacken und zog ihn dicht an sich heran. Er drehte den Kopf ein wenig und sah in das angespannte Gesicht seines Mannes.

„Ich liebe dich“, raunte er leise. „Aber wenn du dich jetzt nicht bewegst … mache ich das eben!“ Langsam ließ Marc seine Hüfte kreisen und spießte sich genüsslich auf Tajos Schwanz auf. Gott, war das gut! Nicht nur der süße Schmerz in seinem Inneren, der heiße Schwanz, der nun stetig gegen seine Prostata drückte und ihn innerlich folterte, auch Tajos entrückter Gesichtsausdruck, der ihm zeigte, dass er sich kurz vor der Explosion befand, machte Marc wahnsinnig vor Lust. Sie bewegten sich nun beide äußerst behutsam gegeneinander, in einem aufeinander abgestimmten Rhythmus, ohne die Blicke voneinander zu lösen.

„Marc … ich liebe dich so sehr“, keuchte Tajo plötzlich, zog ihn noch ein weiteres Mal dicht an sich heran, bevor er die Augen schloss und sich mit einem heiseren Stöhnen in ihm entlud. Ruckartig fiel seinen Kopf in Marcs Halsbeuge und er biss unvermittelt zu. Marc schrie auf, der scharfe Schmerz durchzuckte ihn und er drückte sich fest Tajos Schwanz entgegen, der noch immer seinen heißen Saft in ihn pumpte. Augenblicklich ließ er los, die aufgestauten Gefühle stiegen nun ungebremst in ihm hoch, bis sie in einem erschütternden Orgasmus gipfelten und er nur noch Sternchen sah. Er spürte, wie Tajo ihn umklammerte, ihn stützte und hielt, als sein Körper kraftlos in die feste Umarmung sank.

Lange noch hielt Tajo ihn so in seinen Armen, bis ein lautes Knurren beide zum Lachen brachte.

„Ich hab‘ Hunger“, kommentierte Tajo vollkommen überflüssig.

 

***

 

Eine halbe Stunde später schlenderten sie die Uferpromenade entlang. Hier war es jetzt, am Abend, so voll, dass sie kaum nebeneinander laufen konnten. Tajo kaufte daher eine große Pizza, die sie problemlos mit hinunter an den Strand nehmen konnten.

Dort angekommen, zogen sie ihre Schuhe und Socken aus und suchten sich ein weniger belebtes Fleckchen. Marc ließ sich aufatmend in den weichen Sand sinken, der noch immer von der Sonne leicht gewärmt war. Tajo setzte sich hinter ihn und zog Marc an seine Brust heran. Beide schwiegen eine Weile und sahen den stetigen Wellen zu, die nun etwas ruhiger zu sein schienen, aber immer noch mit Kraft gegen den Strand wogten, bevor sie brachen und letztendlich sanft ausrollten.

Der Mond schien hell und das von der Uferpromenade herüber flutende Licht ermöglichte eine gute Sicht. Zahlreiche Menschen spazierten auch jetzt noch den Strand entlang.

„‘Sex on the Beach‘ können wir hier wohl vergessen“, flachste Marc.

Tajo schmunzelte leise und drückte ihm ein Stück Pizza in die Hand. „Ach, das war also deine Fantasie? Ich hatte mich schon gefragt, warum du ausgerechnet eine einsame tropische Insel als Urlaubsziel ausgesucht hast.“

„Ja, klar. Hat nicht jeder diese Fantasie? Wir zwei, die sanften Wellen des Meeres, ein einsamer weißer Sandstrand ...“

„... und jede Menge Sandflöhe, gefährliche Tiere im Wasser, auf die man treten kann, vom Sand, der einem in alle Ritzen dringt, ganz zu schweigen“, wehrte Tajo ab.

„Tja, vielleicht bin ich doch romantischer veranlagt, als ich dachte“, brummte Marc enttäuscht und biss genussvoll in seine Pizza. Mit keinem Wort hatte Tajo erwähnt, dass er mit dem Urlaubsziel nicht einverstanden war. „Sag schon: wie sieht deine Vorstellung von einem perfekten Urlaub aus?“

Tajo schwieg einen Moment, aß in aller Seelenruhe sein Pizzastück auf, bevor er die Hände im Sand abwischte und die Arme um Marc herum legte. „Ich weiß es nicht. Eigentlich ist es mir egal, solange du bei mir bist und wir ungestört sein können. Ein einsames Haus im Wald würde mir schon genügen. So einsam, dass ich mich auch mal verwandeln und vielleicht ein wenig jagen gehen kann.“ Er seufzte leise auf. „Manchmal vermisse ich Südafrika. Da fällt man nicht so auf, wenn man als Löwe durch die Wüste oder Savanne streift.“

Nachdenklich sah Marc zu ihm hinauf. Tajo schaute blicklos über das Meer und Marc spürte dessen Sehnsucht, sich in seine Löwengestalt zu verwandeln. Das letzte Mal, als ihm dies möglich war, lag bereits mehr als zwei Wochen zurück. Sie waren gemeinsam durch den hessischen Reinhardswald gewandert, immer darauf bedacht, keinem fremden Menschen über den Weg zu laufen. Dort hatte Marc bereits bemerkt, wie Tajo es genoss, seine andere Gestalt anzunehmen, wie sehr er dies brauchte, um sich wohl zu fühlen. Dann begann es in Deutschland, unaufhörlich zu regnen und sie hatten sich richtig auf ihren geplanten Urlaub in der tropischen Sonnenhitze gefreut. Und nun das. Missmutig malte Marc mit den Zehen einige Kreise in den Sand.

„Ich glaube, die rothaarige Frau ist eine Tigerin“, wechselte Tajo abrupt das Thema. „Genau kann ich das nur sagen, wenn ich vor ihr stehe und sie am Geruch erkennen kann.“

Marc sah ihn erstaunt an. An die Rothaarige hatte er nicht mehr gedacht. Man schien wirklich überall auf der Welt auf Gestaltwandler zu treffen.

„Wow. Tiger sind echt schöne Katzen. Da würde ich sie gerne mal in ihrer wirklichen Gestalt sehen“, überlegte Marc laut.

Mit einem gespielt entrüsteten Schrei warf Tajo ihn urplötzlich in den Sand, rollte sich auf ihn und fing an, ihn durchzukitzeln. „Du findest Tiger toll? Du Verräter! Na warte!“

Marc schrie auf, lachte und versuchte, sich gegen den Angriff zu wehren, war aber seinem Freund in dieser Hinsicht hoffnungslos unterlegen. Seine einzige Waffe gegen diesen Mann war sein Verstand. Er grinste schelmisch, hörte auf sich zu wehren und umschlang Tajo fest mit Armen und Beinen, um ihn zu einem Kuss herab zu ziehen. Tajo stöhnte sofort erregt auf und ging augenblicklich darauf ein. Stürmisch eroberte er Marcs Mund, ließ dann aber den Kuss langsam ausklingen.

„Gleich werden wir verhaftet“, murmelte er an Marcs Lippen.

„Wegen einem Kuss? Wohl kaum“, erwiderte Marc atemlos.

„Nein. Nicht wegen einem Kuss. Aber wenn wir so weitermachen, wird dein Traum vom ‚Sex on the beach‘ früher wahr, als es dir lieb ist!“

Marc schmunzelte leise, als er die Härte spürte, die sich auffordernd an seinen Schritt drückte. Frustriert stöhnte Tajo auf und löste sich von ihm. „Los komm. Wir müssen noch ein paar Klamotten einkaufen gehen, bevor die Geschäfte zumachen. Wie lange haben die hier eigentlich auf?“

 

***

 

Zum Glück schienen die Geschäfte an der Strandpromenade bis spät in die Nacht hinein für die Touristen geöffnet zu haben. Marc entdeckte schließlich einen Laden, in dem es nicht die typischen Hawaiihemden, sondern ganz normale Kleidung zu kaufen gab. Er durchsuchte gerade einen der Ständer nach einem passenden Hemd, als hinter ihm eine helle, angenehme Stimme ertönte.

„Nimm das blaue Hemd. Das passt hervorragend zu deinen Augen!“

Überrascht drehte sich Marc um. Die rothaarige Frau lehnte lässig an einer der verspiegelten Säulen des Ladens und schaute ihm interessiert zu.

„Ich habe aber braune Augen“, erwiderte er automatisch.

Die Frau lachte hell auf. „Sag ich doch! Da passt das blaue Hemd wirklich gut!“

„So eine blöde Anmache habe ich selten gehört“, entfuhr es Marc, aber er entspannte sich ein wenig und lächelte der Frau freundlich zu. Sie schien nicht älter als Keyla zu sein, vielleicht Anfang Zwanzig und ihre Aussprache hatte einen breiten, amerikanischen Slang.

Die Frau lachte vergnügt und streckte ihm ihre Hand entgegen. „Sarina Kaldeira. Ich habe euch heute in der Lobby des Grand Hotels gesehen und wollte mich kurz vorstellen. Es ist immer wieder schön, auf Seinesgleichen zu treffen.“

Marc nickte verhalten. „Marc Nowack“, erwiderte er, „mein Partner Tajo Bruns ist ...“

„ ...immer in deiner Nähe“, unterbrach ihn die tiefe Stimme seines Freundes. Tajo war unbemerkt hinter ihn getreten, aber Marc war sich bewusst, dass Sarina ihn längst hatte kommen sehen.

Tajo reichte der Tigerin nun ebenfalls seine Hand. „Freut mich, Sarina. Machst du hier Urlaub?“

„Ja. Meinem Onkel gehört das Grand Hotel und ich verbringe meistens einen Teil der Semesterferien hier auf Hawaii. Ich studiere in Oxford“, fügte sie erklärend hinzu.

„Oh, deinem Akzent nach stammst du aber aus den USA, nicht wahr?“, hakte Marc neugierig nach.

„Ich bin in Dallas, Texas, aufgewachsen, das stimmt. Hört man es immer noch so sehr?“ Sie grinste etwas verschämt.

„Nein, überhaupt nicht“, wehrte Tajo mit einem sarkastischen Unterton in seiner Stimme ab und lächelte freundlich.

„Also, hat mich gefreut, euch kennen zu lernen“, verabschiedete sich Sarina nun. „Vielleicht trifft man sich ja mal am Strand. Wir könnten zusammen surfen gehen!“

„Ich kann leider nicht surfen“, wehrte Marc verlegen ab.

„Das macht nichts. Ich kann es dir beibringen, wenn du möchtest, Marc“, bot sie höflich an.

„Mal sehen. Die Brandung scheint mir für Anfänger aber viel zu gefährlich zu sein“, gab Marc zu bedenken.

„Jetzt, Anfang September, ist sie gar nicht so wild. Die wahren Surfer warten auf den November oder Dezember, da sind die Wellen mehr als doppelt so hoch. In Strandnähe kann man jetzt trotzdem ein paar Moves üben, das macht viel Spaß. Also, man sieht sich!“

Tajo und Marc sahen der Tigerin nach, die das Geschäft wieder verließ und auf die Straße trat.

„Na, die scheint wirklich nett zu sein“, meinte Marc fröhlich. Plötzlich ertönte von draußen ein schrilles Quietschen und Marc sah, wie eine dunkle Limousine mit einer Vollbremsung vor dem Geschäft zum Stehen kam. Sarina war auf dem Bürgersteig wie angewurzelt stehen geblieben. Die Wagentüren öffneten sich und zwei stämmige Männer sprangen heraus, die zielgerichtet auf die Tigerin zustürzten und sie packten.

Sarina gelang es nicht einmal, zu schreien, so schnell wurde sie in den Wagen gezerrt. Die Reifen des Autos drehten durch, als der Fahrer den Wagen sofort anfuhr, wie wild beschleunigte und davon schoss. Die ganze Sache hatte nur wenige Sekunden gedauert und während Marc sich zunächst von seiner Schockstarre lösen musste, war Tajo bereits aus dem Laden und auf die Straße gesprintet. Doch auch er war zu spät und konnte dem davonbrausenden Wagen nur noch hinterher sehen.

Fluchend kehrte Tajo in das Geschäft zurück. „Die haben das Kennzeichen zugeklebt. Mann, da stehen hunderte Leute auf der Straße, aber alle gaffen bloß und keiner rührt sich!“, regte er sich auf.

Marc sah aus den Augenwinkeln, dass ein Angestellter des Ladens bereits dabei war, die Polizei zu rufen. Schnell packte er die ausgesuchten Kleidungsstücke zusammen. „Komm, lass uns zahlen und dann hier verschwinden. Ich habe keine Lust, die Nacht auf der Polizeiwache zu verbringen, um irgendeine Zeugenaussage zu machen, die sowieso nicht weiter hilft.“

„Äh, du willst Sarina nicht helfen? Egal, ob wir das Kennzeichen der Limousine gesehen haben, wir können doch zumindest die Männer beschreiben, die sie entführt haben!“, wandte Tajo sofort ein.

„Natürlich will ich ihr helfen“, entgegnete Marc. „Aber auf unsere Weise. Ich habe bereits eine Idee!“

Tajo gab brummend nach. Sie bezahlten ihre Einkäufe und verließen das Geschäft, noch bevor von der Polizei irgendetwas zu sehen war.

 

***

 

In ihrer Hotelsuite angekommen nahm Marc sofort seinen Laptop aus dem Handgepäck. Er verband sich mit dem WLAN-Netzwerk des Hotels, wählte sich dann aber über einen anderen Server in das Internet ein. Tajo hatte sich neben ihm auf der Couch des Wohnraumes niedergelassen und sah gespannt über seine Schulter.

„Was hast du vor?“, fragte er nach einer Weile, da Marc nichts weiter tat, als rasend schnell irgendwelche Zahlen und Zeichen auf einer leer anmutenden Internetseite einzugeben.

„Hast du die Kameras an den Gebäuden der Promenade gesehen? Die müssten doch etwas aufgezeichnet haben“, murmelte Marc geistesabwesend.

„Du hackst dich in die Überwachungskameras ein?“, fragte Tajo verwundert. Marc schaute nur kurz auf. Warum verblüffte seinen Freund noch immer, dass keine einzige Stelle des World Wide Web praktisch unangreifbar war? Man musste nur verstanden haben, wie man Zugriff bekam. Bei manchen Hackerangriffen half es, zu wissen, wer das System programmiert hatte, in das man hinein wollte. Beim Verlassen des Geschäftes hatte er daher genau darauf geachtet, welche Kameras von welcher Firma dort installiert waren. Seitdem er mit Tajo zusammen war und in dessen Sicherheitsfirma, der Bruns LLC, mitarbeitete, waren ihm die gängigen Überwachungssysteme mehr als vertraut.

„Sie benutzen hier die ‚SX-Follower 1500‘, soweit ich es gesehen habe. Das System ist also mehr als drei Jahre alt. Dürfte kein Problem sein, dort hinein zu kommen“, erklärte Marc. Zufrieden schnaufte er auf. „Siehst du – ich bin drin!“

Auf dem Bildschirm erschienen mehrere, aneinandergereihte Bilder von Kameraeinstellungen. Marc ließ den Curser auf der Suche nach der Waikiki Strandpromenade über den Bildschirm gleiten. „Ah ja, da haben wir es.“ Er klickte auf die Kamera, die den Straßenbereich vor dem Bekleidungsgeschäft zeigte und erhielt deren Livebild. Danach gab er die gewünschte Uhrzeit ein und eine Aufzeichnung der Szene spulte sich ab, die sie aus dem Geschäft heraus beobachtet hatten, diesmal jedoch aus einem anderen Blickwinkel.

„Da! Der Wagen hat in der Parklücke auf sie gewartet! Also hatten sie es gezielt auf Sarina abgesehen!“ Sie verfolgten das Geschehen, bis der Wagen davonbrauste. „Am Ende der Straße sind sie rechts abgebogen.“ Marc rief zusätzlich einen Stadtplan auf. „Das ist der Waikiki Beach Drive. Mal sehen, ob es dort auch eine Verkehrsüberwachung gibt.“

In kürzester Zeit fand Marc heraus, dass der Wagen der Entführer die Stadt in Richtung der Waianae Range, der Gebirgskette im Nordwesten der Insel, verlassen hatte.

„Dort scheint es jede Menge einsamer Täler zu geben, kaum Tourismus“, murmelte er nachdenklich. „Wie sollen wir sie dort finden?“

Tajo zuckte mit den Schultern. „Das sehen wir, wenn wir vor Ort sind. Allerdings müssen wir bis morgen warten, bevor wir etwas unternehmen können“, meinte er. Als Marc protestieren wollte, gab er sofort zu bedenken: „Marc, wir werden einen Mietwagen brauchen, um dorthin zu kommen. Und den können wir nicht vor morgen früh buchen.“

Marc gab sich geschlagen. Auch wenn es ihn wurmte, jetzt nicht gleich nach Sarina suchen zu können, sah er doch ein, dass sie keine andere Möglichkeit hatten.

„Nun gut. Dann gehen wir jetzt am besten schlafen“, lenkte er widerwillig ein.

 

***

 

„Guten Morgen, Mr. Magnum“, wurde Marc geweckt, wiederum mit einem sanften Kuss auf seinen Lippen.

„Hä?“, murmelte er verschlafen. Verdammt, die morgendliche Munterkeit seines Liebsten würde ihn irgendwann einmal ins Grab bringen. Mann, Tajo wusste doch genau, dass er ohne einen Kaffee kaum ansprechbar, geschweige denn aufnahmefähig war. Der verheißungsvolle Duft nach Kaffee, der jetzt seine Nase umschmeichelte, weckte dann aber doch seine Lebensgeister. Schlaftrunken wühlte er sich unter der Decke hervor und setzte sich langsam auf. Tajo saß am Bettrand und hielt ihm bereits eine Tasse Kaffee entgegen.

„Danke“, murmelte Marc, nahm sie ihm ab und trank vorsichtig einen Schluck. Oh, super, für amerikanische Verhältnisse war das ein ziemlich starkes Gebräu, genau richtig für ihn.

„Wie hast du mich eben genannt?“, fragte Marc nach einem weiteren Schluck. Langsam fühlte er sich gesprächsbereit.

„Mr. Magnum. Thomas Magnum, um genau zu sein. Dein Ferrari steht unten vor der Tür. Du fährst.“ Tajo lächelte ihn verheißungsvoll an und hielt ihm einen Autoschlüssel entgegen.

„Du hast einen Ferrari gemietet? Auffälliger geht es wohl kaum. Und hast du vergessen, dass wir in die Berge fahren wollen?“, moserte Marc etwas ungehalten.

Sein Freund ließ sich von seiner Laune jedoch nicht aus der Ruhe bringen. „In die Berge fahren bedeutet hier, auf maximal 1.200 Höhenmeter zu kommen. Ich habe nachgefragt, die Straßen sind gut ausgebaut. Außerdem sind wir im Urlaub – wo bliebe denn da unser Spaß? Los, hör auf, hier rumzumotzen und geh duschen.“

Immer noch vor sich hin grummelnd, verschwand Marc gehorsam im Bad. Eine halbe Stunde später saßen beide in dem roten Flitzer und fuhren aus der Stadt hinaus. Marc genoss das Gefühl des PS-starken Motors unter der Haube nun doch und trat beschwingt aufs Gas, als sie die wenig befahrene Landstraße erreichten, die in die Berge führte. Ringsum schien es nichts als dichten Dschungel zu geben. Tajo hatte eine Landkarte auf sein Smartphone geladen und gab ihm die vermutete Richtung durch.

„Okay, gleich kommt der erste von drei größeren Parkplätzen in dieser Gegend. Dort werden wir anhalten und uns umsehen“, meinte er. Wie angewiesen bog Marc einige Kilometer später auf einen größeren Parkplatz ein, von dem aus man geführte Touren in die Umgebung buchen oder gut beschilderten Wanderwegen folgen konnte.

Doch kaum überblickten sie die dort wartenden Busse voller Touristen und die Vielzahl der parkenden Autos, waren sie sich sofort einig: hier würden Entführer wohl kaum ihre Geisel ausladen.

Sie fuhren daher weiter und folgten der serpentinenreichen Straße hinauf in eine entlegenere Bergregion. Oftmals tat sich, neben der Straße, ein beeindruckender Blick in ein tiefes, dicht bewaldetes Tal auf, das von schroffen schwarzen Vulkanklippen umgeben war.

Jetzt begegneten sie keinen anderen Autos mehr und Tajo lotste Marc zu einem weiteren ausgewiesenen Parkplatz. Schon von weitem sahen sie, dass dort nur ein einziges Fahrzeug abgestellt war – eine schwarze Limousine mit getönten Scheiben.

Marc hielt direkt neben dem Wagen. Tajo sprang sofort aus dem Ferrari und umrundete das Fahrzeug. Am Heck der Limousine angekommen ging er kurz in die Hocke.

„Hier sind noch Reste der Klebstreifen am Nummernschild. Außerdem kann ich Sarina riechen, sie war hier.“ Er sah Marc nachdenklich an. „Kannst du über das Kennzeichen etwas herausfinden?“

Sofort zog Marc sein Handy hervor. „Nein, verdammt, ich habe hier keinen Empfang. Das Internet können wir wohl vergessen. Aber wie sollen wir nun navigieren? Ohne das verlaufen wir uns bloß!“

Tajo schnaubte verächtlich auf und begann, sein Hemd auszuziehen. „Also wirklich, Marc, bist du denn ohne dein Smartphone total hilflos? Ich werde uns führen. Außerdem kann ich durchaus riechen, in welche Richtung sie gegangen sind.“

Er zog nun auch seine Hose aus, warf seine Anziehsachen auf den Rücksitz ihres Ferraris und verwandelte sich umgehend. Marc war abermals von der Schnelligkeit der Wandlung beeindruckt. In nicht einmal einer Sekunde stand der große Löwe vor ihm und schüttelte befreit seine Mähne. Prüfend hob Tajo seine Nase in die Luft und wandte sich in östliche Richtung. Nach wenigen Metern blieb er stehen und drehte sich um. Ungeduldig schien er zu warten, bis Marc zu ihm aufschloss.

„Ist ja gut, Lassie, ich folge dir“, frotzelte Marc gut gelaunt. „Zeig mir, wo Timmy in der Mine verschüttet wurde!“

Tajo rollte entsetzt mit den Augen, stieß dann aber ein tiefes Grunzen aus, das man mit viel Fantasie als „Wuff, wuff“ deuten konnte und lief voraus. Marc lachte vergnügt. Er konnte die Anspannung seines Freundes deutlich spüren. Sarinas Entführung war zwar traurig und er machte sich größte Sorgen um die junge Tigerin, sah aber auch seinem Freund an, dass er genau das gebraucht hatte: eine wilde Jagd, ein gefährliches Abenteuer. Das war natürlich ganz nach dem Geschmack des Löwen. Ein einfacher Strandurlaub hätte da nicht mithalten können – Tajo wäre wahrscheinlich vor Langeweile eingegangen.

Aufgeregt trabte der Löwe voran auf einen am Parkplatz beginnenden Wanderweg, um dann alle paar Meter anzuhalten und einen Blick zurück zu werfen. Marc stapfte hinter ihm her, genoss dabei aber auch die atemberaubende Umgebung. Jede Wegbiegung gab einen neuen Blickwinkel auf die grandiose Berglandschaft frei, in der sich dichter Urwald und schroffe Felsen um die Vorherrschaft bemühten. Der Pfad, dem Tajo folgte, war nicht mehr als zwei Meter breit, aber gut befestigt und führte an der Baumgrenze der Hügelkette entlang. Hin und wieder schaute Marc auf die im Smartphone gespeicherte Karte. Er konnte ohne ein Navi jedoch nur vermuten, wo genau sie sich befanden. Weit und breit von ihrem Ausgangspunkt waren zumindest keine Häuser oder Straßen aufgezeichnet, sie befanden sich mitten im Nirgendwo.

Oftmals stürzten kleine Bäche und Wasserfälle mitten über den Weg in die Tiefe hinab. Außer ein paar Vögeln in den dichten Baumkronen, die Marc zwar hören, aber nicht sehen konnte, war kein Lebewesen auszumachen. Sie waren vollkommen allein. Marc war froh, festes Schuhwerk auf ihrem Flug nach Honolulu angezogen zu haben, so dass er ohne große Mühen die Hindernisse überwinden und einigermaßen mit Tajo mithalten konnte.

Plötzlich zogen Wolken über den Bergkamm und ergossen sich in das unten liegende Tal. Sie waren jetzt von einem wabernden Nebel eingehüllt, dessen Feuchtigkeit sofort bis auf die Haut vordrang und Marc völlig durchnässte. Die Sicht betrug nur noch wenige Meter und Marc schloss zu Tajo auf, um ihn in dieser unwirklich anmutenden Nebellandschaft nicht zu verlieren. Marcs Zeitgefühl löste sich bald vollkommen in Luft auf. Wie lange waren sie nun schon unterwegs? Ein Blick auf seine Uhr verriet ihm, dass es nun Mittag war, sie waren also bereits mehr als vier Stunden diesen Weg entlang gewandert.

An Tajos langsamer werdenden Schritten erkannte er, dass dieser durch die Feuchtigkeit Probleme hatte, dem Geruch von Sarina und ihren Entführern zu folgen. An einer Weggabelung hielt Tajo an.

Der nach links abzweigende Weg schien in das Tal hinab zu führen, der rechte Weg setzte sich dagegen auf dem Bergkamm weiter fort. Mit einem leisen Ächzen ließ sich Marc einfach auf den Boden sinken. „Ich brauche eine Pause“, flüsterte er. Irgendwie erschien es ihm inmitten des Nebels ratsamer, nicht laut zu sprechen.

Sein Löwe nickte und setzte sich neben ihn. Marc lehnte sich an seine Schulter an. Er ahnte, dass Tajo sich jetzt nicht zurückverwandeln wollte, um nahende Gefahren früher erkennen zu können.

„Welchen Weg sollen wir nehmen? Du hast wegen dem Nebel die Spur verloren, stimmt`s?“ Der besorgte Blick aus den gelben Löwenaugen, den Tajo ihm zuwarf, bestätigte Marcs Vermutung.

„Na dann – müssen wir uns einfach auf unser Bauchgefühl verlassen“, murmelte Marc leise. Zweifelnd betrachtete er die beiden Wege, die sich vor ihnen auftaten.

„Wenn ich ein Entführer wäre, würde ich doch irgendeine Hütte oder andere Behausung aufsuchen, in der ich meine Geisel einsperren kann, wo sie weder gehört noch schnell gefunden wird“, dachte Marc laut nach. „Weit genug abseits jeglicher Dörfer sind wir bereits. Ich denke, wir sollten den Weg hinunter ins Tal nehmen. Hier oben auf dem Bergkamm kann ich mir keine derartige Hütte vorstellen.“

Tajo nickte zustimmend. Nach wenigen Minuten spürte Marc, wie die Feuchtigkeit sich nun, wo er nicht mehr in Bewegung war, klamm auf seine Haut legte. Er seufzte leise und stand auf. „Komm, gehen wir weiter.“

Der Weg, dem sie nun hinab folgten, war oftmals so steil, dass Marc sich an Baumwurzeln festhalten musste, um nicht auf dem Hosenboden zu landen. Bald waren sie von dichtem Regenwald umgeben, dafür verschwand der Nebel und die Sicht wurde wieder besser. An Tajos zielstrebigen Schritten erkannte Marc, dass dieser die Fährte anscheinend wieder gefunden hatte.

Der Abstieg nahm mehr Zeit in Anspruch, als Marc vermutet hatte, aber er kam auf dem steil abfallenden Weg mit dem tückischen, oftmals feuchten Waldboden nur langsam voran. Endlich schienen sie das Tal erreicht zu haben, der schmale Waldpfad wurde wieder ebener.

Plötzlich hielt Tajo inne und lauschte. Seine großen, stehenden Ohren zuckten und auch Marc blieb wie angewurzelt stehen. In der Ferne war ein schwaches Rauschen und Donnern zu hören.

„Das Meer?“, fragte er seinen Freund verwundert. Der Löwe nickte. Marc zog das Smartphone aus der Tasche. Mist, er hatte immer noch keinen Empfang. Leise setzten sie den Weg fort, der nun immer breiter wurde. Doch nach wenigen Metern wurde Tajo erneut langsamer, verließ plötzlich den Pfad und schlich behutsam in das angrenzende Unterholz. Marc folgte ihm vorsichtig in das Dickicht. Vor ihnen tat sich eine kleine Lichtung auf, an deren Rand ein Haus stand. Verwirrt betrachtete Marc das große Blockhaus, das auf dicken Holzpfählen ruhte. Den Unterschlupf von Entführern hatte er sich irgendwie anders vorgestellt.

Eine Hollywoodschaukel stand auf der Veranda und bodentiefe Glasscheiben waren an der gesamten Front des Hauses eingelassen. An einem nahe stehenden Baum schaukelte eine riesige Hängematte. Eine Verandatür stand offen und weiße Vorhänge bewegten sich leicht im Wind. Wenn nicht Tajo durch seinen Geruchssinn bis hierher geleitet worden wäre, würde Marc kaum vermuten, dass sie an ihrem Ziel angekommen waren.

Sein Löwe war sich jedoch seiner Sache offenbar vollkommen sicher. Marc sah, wie er prüfend die Nase in den Wind hob. Plötzlich stutzte Tajo und erstarrte. Marc schaute ihn verwundert an. Er konnte mittlerweile die Gesichtszüge seines Löwen ganz gut deuten und diese waren ihm soeben vollkommen entglitten.

Mit einem wütenden Fauchen stürzte Tajo unvermittelt aus ihrer Deckung heraus und sprang in langen Sätzen direkt auf das Haus zu.

Verblüfft starrte Marc ihm nach. Er hatte sich zwar auf dem Weg bereits Gedanken gemacht, was sie tun sollten, sobald sie den Unterschlupf der Entführer erreichten – aber einfach stürmen? Hatte Tajo denn einen Knall?

Marc zögerte jedoch nicht lange, arbeitete sich aus dem Unterholz wieder heraus und rannte hinter Tajo her. Schon von weitem hörte er Kampfgeräusche im Haus. Zwei Raubkatzen brüllten und fauchten sich an. Ein Poltern und Krachen ließ Marc wissen, dass der Kampf quer durch das Haus tobte.

Er sprintete die hölzerne Treppe hoch - und blieb an der Verandatür, durch die Tajo verschwunden war, wie angegossen stehen. Tajo kämpfte gegen einen großen Löwen, der ihm jedoch nicht unbekannt war. Das war Jon! In dem Wohnraum war ihre ganze Familie versammelt. Marc starrte verwundert auf die Szene vor ihm. Keyla und ihre Zwillingsschwester Anna, Tajos Vater Alexander, die beiden Jüngsten der Löwenfamilie, Tess und Carla, und sogar Hank, der Kodiakbär, sahen sich das Schauspiel amüsiert und vollkommen entspannt an.

„Hallo Marc! Da bist du ja!“ Keyla winkte ihm fröhlich lächelnd zu und wich gleichzeitig elegant einem umstürzenden Sessel aus. Neben ihr stand Sarina und die beiden jungen Frauen kicherten, als Jon schmerzhaft aufheulte. Tajos kräftiger Prankenschlag hatte ihn voll am Kopf erwischt.

„Marc, mein Lieber, geh‘ da besser nicht rein, bis die zwei miteinander fertig sind“, riet nun eine bekannte Stimme hinter ihm. Linda! Na klar, Tajos Mutter durfte hierbei nicht fehlen.

„Kannst du mir das bitte erklären?“, fragte Marc fassungslos. Die blonde Löwin lachte und legte einen Arm um seine Schultern.

„Herzlichen Glückwunsch zu deinem Jahrestag!“, erwiderte sie und strahlte über das ganze Gesicht. „Jonathan´s Überraschung für euch ist ihm ja wirklich gelungen!“

„Hurrikan Jon. Das hätte ich mir denken können.“ Marc stöhnte entgeistert auf. „Er hat eine Entführung vorgegaukelt, um uns hierher zu locken? Spinnt der denn? Die Polizei wurde informiert!“

„Nein, das ist alles geregelt. Die Polizei war vorab von Filmarbeiten zu ‚Hawaii Five-O‘ unterrichtet worden, die haben sich nichts dabei gedacht. Das hat Jonathan toll eingefädelt, nicht wahr?“ Stolz sah Linda zu ihren beiden Söhnen hinüber, die sich noch immer prügelten.

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