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Wahrheit und Geist

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Tag 1: Eine beinahe fehlgeschlagene Suche nach der Wahrheit

Tag 2: Weitere Wahrheiten

Tag 3: Der menschliche Geist und die Tugend

Tag 4: Das zufriedene Leben

Schrifttum

Vorwort

Als ich den Entschluss fasste, dieses Buch zu schreiben, war meine Intention in erster Linie, meine Gedanken zu bündeln und festzuhalten. Zu oft gelangte ich bei meinen Studien der Philosophie an ähnliche Fragestellungen, und dachte den Weg zur Antwort jedes Mal neu, was nicht gerade meinem Verständnis der Ökonomie entspricht. Ich hatte aber die Hoffnung, was ich einmal schreiben würde, auch jederzeit leichter abrufen zu können. In zahllosen Diskussionen mit meinen Freunden stellte ich in der Folge aber schnell fest, dass zwar Interesse an den Erkenntnissen der Alten vorhanden ist, aber bei den wenigsten der Wille vorhanden ist, dieses durch Lektüre der ehrwürdigen Texte, geschweige denn eigenes Denken zu vertiefen. In unserer heutigen, so schnelllebigen Welt fehlt zu oft die Zeit, sich mit den wichtigen Dingen auseinanderzusetzen. Man opfert sich im Beruf oder für die Familie auf, jagt den neuesten Trends oder preiswertesten Schnäppchen nach, aber das Teuerste, was der Mensch besitzt, nämlich seine Seele und Vernunft, schenkt man am schnellsten und billigsten her. So beschloss ich denn, dieses Buch zu veröffentlichen, um dem an der abendländischen Philosophie Interessierten einen schnellen Zugang zu ihr zu ermöglichen, und um deren Erkenntnisse der letzten zweieinhalbtausend Jahre in möglichst einfacher, kurzer Form darzustellen und zusammenzuführen. Man wird schnell feststellen, dass die fernöstliche Philosophie keinen Einlass in dieses Buch gefunden hat, da mir etwa ein Konfuzius oder die chinesischen Weisheiten im Allgemeinen eher wie ein Ratgeber in wirtschaftlichen oder kriegerischen Dingen, oder Konfuzius bestenfalls noch als Poet, erscheint, denn als wahre Philosophie. Sollte ich der fernöstlichen Philosophie hiermit Unrecht getan haben, bitte ich gerne um Verzeihung. Vielleicht liegt es an den manchmal sicherlich schwierigen Übersetzungen ins Deutsche, die oft zu vage sein mögen, um den Sinn richtig einzuordnen. Ich möchte mich auch bei eventuellen weiblichen Lesern entschuldigen, dass ich durchgängig immer die männliche Form, wie etwa „Der Tugendhafte“ gewählt habe. Bereits Platon attestierte in seiner Politeia den Frauen dieselben geistigen Fähigkeiten wie den Männern, und ich bin ein unbedingter Vertreter seiner Ansicht. Meine Wahl ist der Einfachheit geschuldet, sie enthob mich der Pflicht, immer das politisch korrekte „die/der Tugendhafte“ zu schreiben, was auch im Sinne der Lesbarkeit aus meiner Sicht unzumutbar gewesen wäre. Ich hoffe, weder Leserin noch Leser nehmen hieran Anstoß. Ferner hat ein Friedrich Nietzsche hier keinen Zutritt. Ich empfinde ihn zwar als begnadeten Schriftsteller mit höchsten literarischen Begabungen und auch meist recht gut beobachteten gesellschaftlichen Anschauungen, nicht aber als wirklichen Philosophen. Es wundert mich nicht, dass er sein Leben zeitweise im Sanatorium gefristet hat. Ich habe mich auch bemüht, auf Fremdwörter weitestgehend zu verzichten, spricht doch heute bedauerlicherweise kaum noch jemand Latein oder Griechisch, die beiden Sprachen und Grundlagen jeder wahren humanistischen Bildung. Zudem habe ich als Form ein Gastmahl in Anlehnung an das platonische Gastmahl gewählt, sowie die sokratische Dialektik, da ich der Meinung bin, dass diese beiden Formen die eingängigsten Lesarten der Philosophie sind, denn viele Hauptwerke anderer Philosophen dürften manchen Lesern in ihrer Zeitnot eine zu zähe Kost sein. Bei den Fragen mag der Leser vielleicht vor der Antwort bei sich eine eigene Antwort formulieren, wie ich es immer bei der Lektüre Platons getan habe, und den Gehalt der jeweiligen gegebenen Antwort bei sich erwägen, auch zur eigenen Prüfung. Dennoch ist dies aber kein Buch für die Masse. Die Masse interessiert sich nicht für den eigenen Geist oder die Wahrheit, sondern nur für Smartphones, schnelle Autos, Flachbildschirme und die neuesten Tablet Computer. Daher wird unsere Gesellschaft auch eines Tages an der eigenen Dekadenz ersticken, wie es bisher schon so vielen Hochkulturen wie den Ägyptern, Römern, Persern, Indern oder den alten Chinesen ergangen ist. Der Leser darf sich daher privilegiert fühlen, zugehörig zu sein zu den wenigen, die das Interesse für den eigenen Geist, die eigene Seele und mithin der Wahrheit noch nicht verloren haben. Ich werde hier aber nicht alle Gedanken und Beweise der Alten wiederholen können, sondern nur deren Erkenntnisse, und einen oder zwei eigene Gedanken habe ich auch hinzugefügt. Wer sich also tiefergehend mit den Themen dieses Buches beschäftigen möchte, der lese die Originaltexte der Alten, der himmelhoch weiseren Männer, als ich es bin. Es ist - fast - alles schon einmal gedacht und geschrieben worden, wenn auch noch das eine oder andere für die nächsten Jahrhunderte zu denken und zu erkennen übrig ist. Man muss sich lediglich der reich gefüllten Schatzkammer menschlichen Denkens und des dazugehörigen Schrifttums bedienen, will man der Wahrheit auf die Spur kommen. Nur eines muss man dabei noch selbst tun: Denken, indem man seine Vernunft gebraucht.

Wulf Henning Müller, Mai 2015

Wahrheit und Geist – Ein Gastmahl

Tag 1: Eine beinahe fehlgeschlagene Suche nach der Wahrheit

„Nun weiß ich wirklich nicht mehr, was ich glauben soll!“ Ich rief es voller Empörung aus, hatten wir uns doch seit mittlerweile zwei Stunden über die neuesten politischen Entwicklungen und Krisenherde unterhalten, ohne zu einer gemeinsamen Meinung gekommen zu sein. Ich saß gerade in angenehmer Runde mit meinen liebsten Freunden zusammen, wir hatten gut gespeist und tranken einen hervorragenden Rotwein zusammen, um das Essen etwas besser verdauen zu können. Obwohl wir in vielem ähnliche Meinungen vertraten, konnten wir uns in politischen Dingen nie einigen.

„Alle Informationen, die man über die Medien erhält, sind grundsätzlich falsch oder zumindest gefärbt und von bestimmten Kräften ausgewählt, nirgends erfährt man die Wahrheit. Ich denke, ich werde ab jetzt nur noch meinen eigenen fünf Sinnen vertrauen, um die Wahrheit herauszufinden, und halte mich ansonsten nur noch an Moral, Glaube und Gesetze.“

„Und daran tust Du völlig recht.“ Sagte David1, und schob sich genüsslich ein Pastetchen zwischen seine Lippen. „Alles, was wahr ist, kann über die eigenen fünf Sinne erfasst werden, diese liefern die einzigen Hinweise auf die Wahrheit. Und irrt man einmal, weil man falsche Schlüsse fasst, so ist dieses nur auf eine unzureichende Erfahrung oder Information zurückzuführen.“

„Wie nun?“ fragte Sokrates2, mein ältester Freund, der wie sooft anderer Meinung zu sein schien: „Nur den Sinnen sollte man vertrauen können? Vielleicht sollten wir gemeinsam versuchen, herauszufinden, was Wahrheit ist und was nicht, mein lieber David?“ Prüfend schaute er in die Runde, und ein begeistertes Kopfnicken von allen Seiten war die Antwort. Wir alle liebten das Gedankenspiel der Philosophie. „Bevor wir dieses aber können, möchte ich sicherstellen, dass wir unter dem Begriff Wahrheit auch dasselbe verstehen, was meinst Du?“

David antwortete: „Das kann wahrlich nicht schwer fallen, da ich denke, wir Menschen verstehen doch automatisch alle dasselbe unter dem Begriff Wahrheit.“

„Tatsächlich? So sage es mir denn, ich selbst habe davon im Augenblick nämlich noch keine klare Vorstellung“, sagte Sokrates, was bei uns anderen ein kleines Schmunzeln hervorrief, denn er stellte sich immer unbedarfter, als er eigentlich war.

„Nun, offensichtlich ist die Wahrheit doch das, was den Tatsachen entspricht. Sage ich beispielsweise, dieser Wein ist rot, so wird dieses doch wohl jedem als Wahrheit, nicht aber als Lüge einleuchten, solange er diesen Wein mit seinen Sinnen erfassen kann.“ Antwortete David.

„Wie also? Ich wusste doch, dass wir nicht dasselbe unter der Wahrheit verstehen“, sagte Sokrates. „Würdest Du aber einen Farbenblinden fragen, welche Farbe der Wein hat, so könnte dieser sehr wohl anderer Meinung sein als wir übrigen?“

„Das schon, aber seine fehlerhafte Meinung ist doch nur auf einen Defekt seiner Sehfähigkeit zurückzuführen! Er würde die Farbe vielleicht als grün beschreiben.“

„Der Blinde würde aber doch ebenso wenig die Farbe des Weines zuverlässig richtig bestimmen können?“

„Selbstverständlich, jedoch aus demselben Grunde. Er könnte gar keine Aussage treffen, doch nur, weil er nicht das normale Sehvermögen hat.“

„Betrachte ich als mit normalem Sehvermögen ausgestatteter Mensch Dein Glas aber aus weiter Ferne, was wäre wohl meine Meinung hinsichtlich der Farbe des Weins?“

David überlegte kurz: „Es könnte wohl sein, dass Du dann die Farbe kaum noch erkennen könntest, und wohl gar zu dem Schluss gelangen würdest, er möge schwarz sein. Aus zu weiter Entfernung könntest Du das Glas wohl gar nicht mehr als solches erkennen. Aber auch dieses wäre nur der Beschränktheit Deines Sehvermögens geschuldet, also einer fehlenden Information.“

„Wenn wir aber die Wahrheit suchten, sollte diese nicht für alle Menschen gelten? Wäre die Wahrheit etwas, das für den einen gälte, für den anderen aber als unwahr? Wäre etwas, das ist, für den anderen Menschen nicht seiend, das was für den einen Menschen existiert, für den anderen nicht existent? Und wir wollen doch sicherlich weder den Farbenblinden, noch den Blinden oder mich aus der Gattung der Menschen ausschließen?“

„Natürlich nicht“, musste David einräumen.

„Dann dürfen wir als gesichert annehmen, dass die Wahrheit für alle Menschen dieselbe sein muss?“ fragte Sokrates.

„Mir wenigstens will es so scheinen.“ bekannte David schmollend. Aber Sokrates ließ ihn noch nicht in Ruhe:

„Wenn wir demnach aber heute eine Wahrheit herausfinden, kann es dann sein, dass sie morgen unwahr ist?“

„Auf keinen Fall!“

„Sollte eine Wahrheit also immer wahr sein, oder sollte ihr Wahrheitsgehalt sich jeden Tag ändern, wie man seine Unterhose wechselt?“

Ich wollte David ein wenig zur Seite stehen, und warf ein: „Mein lieber Sokrates, ich bin der Meinung, eine Wahrheit ist immer wahr, sie kann nicht einmal wahr und tags darauf wieder falsch sein!“

„Beim Zeus, dann haben wir, so glaube ich, den Begriff der Wahrheit recht gut eingegrenzt. Um die Wahrheit zu suchen, müssen wir also nach Dingen suchen, die einerseits für alle Menschen wahr und richtig sind, und nach Dingen, die zu allen Zeiten und immer wahr und richtig sind, sein werden und waren. Was wir dann als Wahrheit erkennen, sei uns aber für alle Zeiten unbezweifelbar, und wir wollen unverbrüchlich dazu halten. Irgendwelche Einwände?“ fragte Sokrates, und blickte prüfend in die Runde. Ein einhelliges Nicken war seine erwartete Antwort, und auch ich musste ihm recht geben.

„So lasst denn die Spiele beginnen“, sagte Sokrates mit einem Augenzwinkern. „Wollen wir also zunächst den Wahrheitsgehalt der durch die Sinne vermittelten Vorstellungen prüfen. Magst Du mir dabei behilflich sein?“ Sein Blick ruhte prüfend auf mir, und alle schauten mich gespannt an. Schlagartig wurde ich mir der Falle bewusst.

Ich antwortete also: „Mein lieber Sokrates, mir ist durchaus nicht entgangen, dass Du eben in Eurem Zwiegespräch den Wahrheitsgehalt des Sehvermögens bereits angezweifelt hast. Leider muss ich dann aber auch meinen sämtlichen anderen Sinnen misstrauen. Denn wie es Menschen mit Sehschwächen gibt, so auch mit Hörschwäche.

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