Logo weiterlesen.de
Wagner E. Steins Erzählungen: Erotische Kurzgeschichten Band 2

Inhalt

Hausmädchen Sieben

Die seltsam anmutenden Methoden der Svetlana Schewzcenko

Der alte Mann und der Swingerclub

Textsplitter: Das erste Mal

Die Verlagsassistentin: Bryndon Keller

Textsplitter: Schachmatt

a cinq

Textsplitter: Nightwatch…

Die Siegerin

Mister Dabbeljuh

Nachwort

Hausmädchen Sieben

Janina von Bredenhorst, ihres Zeichens die dritte und an Lebensjahren bisher jüngste Ehefrau von Thorsten-Oliver von Bredenhorst, dem erfolgreichsten Baulöwen in der Region, führte ihre Teetasse mit spitzen Fingern an die Lippen und schlürfte vernehmlich. Wie erwartet hatte sie sofort die volle Aufmerksamkeit ihres Gatten. „Jannimaus, Du sollst doch nicht so geräuschvoll trinken. Ein solches Benehmen gehört sich einfach nicht in unseren Kreisen.“

Der nachsichtig-väterliche Tonfall, der knappe, aber vorwurfsvolle Blick über die Zeitung und das anschließende, schwere Seufzen erzeugten einen kurzen und vertrauten Krampf in ihrem Magen, aber sie zwang sich zu einer vollum-fänglich-entspannten Haltung, innen wie außen. „Ich habe ein neues Hausmädchen eingestellt, schon wegen den Feiertagen.“

Das Nicken hinter der Zeitung wurde von einem zustimmenden Brummen begleitet. Sie schloss kurz die Augen und dachte sich ein schnelles „Yes!‘‘ -- dieser Teil des Planes hatte schon mal geklappt.

„Es heißt übrigens ‚wegen der Feiertage’, Jannimaus. Gewöhn Dir bitte endlich diese Gossensprache ab.‘‘ Seine Stimme blieb monoton und unbeteiligt und die Zeitung bewegte sich kaum, als er sie belehrte, dennoch täuschte Janina einen Hustenanfall vor, um die kleine Essecke im Wintergarten schnell verlassen zu können. Im oberen großen Bad angekommen trommelte sie vor Wut gegen die Wand und schrie ihren angestauten Frust heraus.

~

Thorsten-Oliver fuhr auch am Vorabend des Weihnachtsfestes unermüdlich die Baustellen ab, führte endlose Telefonate mit Lieferanten und Subunternehmern und kam wie gewohnt erst weit nach acht Uhr zurück in die feudale Villa, die er mit einer Menge Schwarzgeld, nicht verbuchtem Material und illegalen Arbeitskräften in einem der bevorzugten Viertel der Stadt hatte bauen lassen. Seine nicht unattraktive Ehefrau räkelte sich in einem fast durchsichtigem Hausanzug auf dem ausladenden Büffelleder-Sofa im kleinen Salon und langweilte sich vor dem TV. Als er eintrat, richtete sie sich auf, freudig und mit einem ansatzweise lüsternen Blick.

„Willst Du lieber hier essen oder im kleinen Esszimmer? Oder im Großen? Oder im Büro oben?‘‘ Sie klang sehr diensteifrig und Thorsten-Oliver lächelte erfreut. „Ich esse hier.‘‘

Er ließ den Blick über den jungen, wohlgeformten Leib seiner Angetrauten schweifen und nickte ihr zu. „Isst Du mit?“ Sie lächelte. „Nee, ich ess nix mehr. Ich werd’ ma’ duschen, dann husch ich vielleicht noch inne Sauna oder schwimm n’ paar Runden im Innenpool.“

Ihr Ehemann räusperte sich. „Wie heißt das richtig?“ Janina sog die Luft geräuschvoll durch die Nase ein, beruhigte sich aber sofort und bemühte sich um eine deutliche Aussprache. „Nein, ich esse nicht mehr zu Abend. Ich werde duschen, dann gehe ich vielleicht noch in die Sauna oder schwimme ein paar Runden.“

Thorsten-Oliver senkte wohlwollend den Blick. Janina fuhr fort. „Die Neue ist seit heute Vormittag da, ich habe sie eingewiesen und sie kennt sich schon gut aus. Sie wird das allein auf die Reihe krie…, äh, entschuldige, ich meine sie wird alles zu Deiner Zufriedenheit erledigen.“

Die Dame des Hauses erhob sich mit elegantem Schwung, streckte ihren grazilen Körper und präsentierte auf diese Weise all ihre weiblichen Vorzüge, die sich unter dem dünnen Hausanzug deutlich abzeichneten. Thorsten-Oliver runzelte die Stirn. „Die Neue?“

Janina seufzte theatralisch. „Na, das neue Hausmädchen, ich habe Dir doch beim Frühstück von ihr erzählt. Sie heißt Ana, ist zweiundzwanzig und stammt aus Ungarn. Deutsche kriegt man leider nicht mehr.“

Janina kam unwillkürlich der Termin vor wenigen Tagen in den Sinn. „Sie kenn’ das ja jetzt: jung, schlank, zierlich, nicht zu groß, ne Püppi, wie immer. Mein Alter hat sein Geschmack noch nich geändert.‘‘

Die ältliche Agenturleiterin hatte ihren Mund verzogen und den Kopf geschüttelt. „Und die Zähne müssen gesund sein, ich weiß. Hier, sehen sie, das sind die Mädchen, die in Frage kommen.“ Sie hatte den Bildschirm so gedreht, dass Janina ebenfalls die Fotos sehen konnte. Ana war ihr sofort ins Auge gestochen, sie war schon rein optisch die Richtige, sie erfüllte auf Anhieb die Mindestansprüche.

Danach hatte die Agenturleiterin ein sofortiges Treffen arrangiert, und auch das Gespräch mit dem Mädchen überzeugte Janina. Obwohl sie erst seit einem halben Jahr für die Agentur arbeitete, sprach sie passabel deutsch, zudem schien sie reinlich zu sein und sich in die bevorstehende Aufgabe gut hineindenken zu können.

Die letzten Details hatte sie an diesem Vormittag mit dem Mädchen geklärt und ihr die Dienstkleidung ausgehändigt. Kurz darauf war Ana in ihren durchaus ansprechenden Hausmädchendress geschlüpft: Weiße Spitzenbluse mit langem Arm, hochgeschlossen, aber figurbetonend, dazu ein schwarzer, glatter Rock, der ein wenig an Leder erinnerte und ihr bis deutlich über die Knie reichte, schwarze Seidenstrümpfe und Lacklederpumps in der gleichen Farbe.

Ihre lange, schwarz glänzende Mähne trug sie jetzt hoch gesteckt, sie war dezent geschminkt, zudem hatte sie ihre Fingernägel deutlich zurückgeschnitten und wie besprochen in einem unaufdringlichen Perlmuttton lackiert. So sah sie nobel genug für den feudalen Haushalt der von Bredenhorsts aus und auch Thorsten-Oliver würde sie in kürzester Zeit mehr als anziehend finden.

Und jetzt war es soweit: Das Spiel ging in die letzte Runde. Janina trat zu ihrem Gatten, umarmte ihn innig, gab ihm einen langen, beinahe schon unzüchtigen Kuss und seufzte dann. „Mir ist nicht so gut, mein Lieber. Ich geh nach der Sauna gleich in’n Bett.“

Thorsten-Oliver verzog leidvoll sein Gesicht. „Zuuu Bett, Jannimaus, zu Bett heißt es. War der Sprachtrainer heute gar nicht da?‘‘

Janina biss sich auf die Lippen und dachte mit Grausen an den knatteralten Professor der Germanistik, Herrn Dr. Wohlrath, der sie zweimal pro Woche in ‚gehobener Konversation‘ unterrichtete. „Doch, doch, er war da und hat mich über eine Stunde lang trainiert. Deshalb hab ich auch Kopfweh und gehe nachher gleich ‚zuuu Bett’.‘‘ Thorsten-Oliver konnte seine Enttäuschung nicht verbergen. „Also wirst Du nachher nicht mehr herunterkommen, nach der Sauna?‘‘

Sie schüttelte energisch den Kopf. „Es ist wieder die blöde Migräne, ich spüre sie jetzt schon. Und morgen haben wir so viele Gäste, da muss ich ausgeruht sein. Ach, und geh Du bitte ebenfalls rechtzeitig zuuu Bett und schlaf Dich aus. Du arbeitest immer soviel, Du Armer.‘‘

Er ließ den Kopf hängen und leckte sich über die Lippen. Sein Sinn stand ihm offensichtlich nach etwas Körperlichkeit, doch er kannte seine junge Frau inzwischen gut genug, um sich für den heutigen Abend keine weitergehenden Hoffnungen zu machen. ‚Nein’ hieß bei ihr ‚Nein’, das hatte er in der jüngeren Vergangenheit häufiger leidvoll erfahren müssen. Sie gab ihm einen letzten Kuss, der seinen Erregungszustand nicht gerade dämpfte, dann schwebte sie aus dem Raum.

Er klingelte nach dem Hausmädchen und war einigermaßen gespannt auf die Neue. Das musste die Sechste oder Siebte sein, in diesem Jahr. Sie alle waren von seiner Frau ausgesucht worden und sie alle hatten gepasst.

~

Die meisten Honorigen waren der von Bredenhorstschen Einladung gefolgt, zumindest diejenigen, die keine Kinder hatten oder deren Kinder bereits ein Weihnachtsfest mit der eigenen Familie feierten. Der Vorsitzende des Gemeinderates und seine Gattin, zum Beispiel. Und Herr Dr. Urbart aus dem Bauausschuss, von dem es hieß, er würde mit einem Mann zusammen leben (immerhin hatte er den Anstand besessen, diesen nicht zum Weihnachtsessen mitzubringen).

Dann Heinke Hansen, der Inhaber des Baumaschinen-Verleihs nebst Angetrauter, der Erfolgs-Architekt Wilhelm-Heinrich Dörrenbrink und Ehefrau, Karl-Friedrich und Katja Dinkhofen, die als Zwischenhändler für Baustoffe an jedem Projekt von Thorsten-Oliver mitverdienten, der junge Anwalt Benno Staffenhagen, der als Syndikus des Unternehmens tief in die Geschäfte eingebunden war sowie Graf Harro zu Wildenberg, den eine junge Dame namens Chantal begleitete, von der niemand genau wusste, in welcher Gosse er sie aufgelesen hatte.

Janina von Bredenhorst seufzte entrückt, als sie die lange Reihe der Gäste Platz nehmen sah. Dieses Weihnachten würde ihr ein Fest sein, das wusste sie jetzt schon. Als die Hors Deuvres serviert wurden, beugte sich ihr geliebter Ehemann zu ihr herüber. „Wo ist denn die Neue, die Ana?“

Janina hob die Schultern und lächelte in die Runde, als sie flüsternd antwortete. „Ach, die Schlampe hat verschlafen, gleich am zweiten Tag, da hab ich sie rausgeschmissen. Aber es sind zwei Mädels vom Notservice gekommen, die kriegen das schon gebacken.“ Thorsten-Oliver nickte gequält, verzichtete aber auf eine Aussprachekorrektur hier im Beisein aller Gäste. Schade. Die Ana wäre ja schon nach seinem Geschmack gewesen, aber wenn sie so unzuverlässig war…

Kaum, dass der erste Gang serviert war, erhob sich Janina von Bredenhorst, nahm ihr Weinglas und schlug mit einem Silbermesser mehrfach dagegen. Thorsten-Oliver zuckte zusammen, das war ein Fauxpas, über den man sich in diesen höheren Kreisen noch im kommenden Jahr den Mund zerreißen würde.

Seine Gattin gab sich indes ungerührt, sie wartete, bis sie Gehör fand. Dann sprach sie, laut und weithin vernehmbar. „Liebe Freunde, schön, dass ihr zu uns gefunden habt an diesem heiligen Abend.“ Sie wartete brav die zaghaften Beifallsbekundungen ab und ignorierte die teilweise empörten Blicke der Gäste. Fröhlich fuhr sie fort. „Wir ham uns zwar geeinigt, uns nix zu schenken, mein Männe und ich, aber ich hab trotzden was für ihm!‘‘

Sie lächelte und hob ihre Hände, so als wollte sie Thorsten-Oliver umarmen. Neben entsetztem Gemurmel wurde auch ein einzelnes Klatschen laut, das aber sofort wieder verstummte. Ihr Gatte erhob sich ebenfalls und bewegte sich düsteren Blickes auf sie zu. Sie ergriff seinen Arm, zog ihn zu sich heran und flüsterte ihm ins Ohr. „Ins Büro, sofort. Da erwartet Dich Dein Geschenk“. Sie machte auf dem Absatz kehrt und erklomm die Treppe ins Obergeschoss mit ausladenden Schritten. Thorsten-Oliver hob entschuldigend die Hände und beeilte sich, ihr zu folgen. Seine junge Frau schien den Verstand verloren zu haben.

~

Er trat schwer atmend in das protzige Büro ein. Janina stand neben dem Schreibtisch, an dem ein fremder Mann in Anzug und Krawatte saß. Benno Staffenhagen, sein Firmenanwalt, lehnte auf der anderen Seite des Tisches an der Wand. Seine Ehefrau hielt eine CD oder DVD in der Hand und legte diese in das Abspielgerät unterhalb des großen LCD-Monitors ein.

Es dauerte nicht lange und Thorsten-Oliver erschien auf dem Bildschirm, stoßseufzende Liebesflüstereien von sich gebend, die nackte Ana auf seinem ebenso nackten Schoß reitend. Das offenbar von einer an der Decke installierten Überwachungscam aufgenommene Video lief weiter und die vier Zuschauer verbrachten einige Schweigeminuten, in denen sie den teilweise akrobatischen Variantenreichtum des Bauunternehmers bestaunten.

Endlich schaltete Janina den Monitor aus und wandte sich an ihren Gatten. „So, das ist die Siebte, die Du hier in den Haus gefickt hast. Jede verdammte Putzschlampe, die ich in dies Haus geholt habe, hast Du gefickt und von jeder hab ich so’ne Videos. Sie sind alle bein Herrn Hallhuber in’n Safe.“

Sie deutete auf den Mann im Anzug, der sich daraufhin erhob und eine Verbeugung andeutete. „Hallhuber, von Hallhuber und Partner, Rechtsanwälte.“

Janinas Stimmlage veränderte sich, sie klang plötzlich kalt. „Jetzt wird abgerechnet, Du Arsch. Ich will die Scheidung! Herr Hallhuber, ihre Show!“

Der Angesprochene nickte kurz und griff nach einem Papier auf dem Schreibtisch. „Nun, ich bin von ihrer Gattin offiziell als Rechtsbeistand mit der Wahrnehmung ihrer Interessen beauftragt worden. Wir sehen hier den Paragraphen 4 des gemeinsamen Ehevertrages aufs Schwerste verletzt. Sie erinnern sich: fortgesetzte Untreue? Die Beweislage ist wohl eindeutig. Ich würde meiner Mandantin aber von einer Klage abraten, wenn sie jetzt hier unterschreiben, im Beisein von zwei Advokaten, die als Zeugen gegenzeichnen. Sie verstehen: All die unerwünschte Publicity bei einer Gerichtsverhandlung bliebe ihnen erspart, Herr von Bredenhorst.“

~

Janina tänzelte winkend aus dem Haus, so dass nun die Mehrheit der Anwesenden an ihrer Zurechnungsfähigkeit zweifelte. Ihr folgte der Anwalt Hallhuber, der die Gesellschaft knapp grüßte, bevor er der Hausherrin nach draußen folgte.

Am Ende schlich Thorsten-Oliver, begleitet von seinem Hausanwalt Staffenhagen, die Treppe herunter, presste die Lippen zusammen und stützte sich mit geballten Fäusten auf den mächtigen Tisch. Die Gäste waren still und warteten ab. Endlich atmete er tief ein und dann wieder aus und erklärte anschließend: „Meine Frau Janina und ich lassen uns einvernehmlich scheiden. Das soll aber ihre Laune nicht verderben, bitte fahren sie mit dem Weihnachtsmahl fort. Ich ziehe mich kurz zurück, wofür ich sie alle um Verständnis bitte.‘‘.

~

Janina schob die Sonnenbrille auf die Stirn und umarmte die dunkelhaarige, exotisch wirkende zierliche Frau. „Danke, Ana, hast’n echt super Job durchgezogen.“

Die Angesprochene lächelte und hielt die Hand auf. „Ein Nacht Overnight und zehntausend Euro wie Du hast gesagt.“

Janina zog zwei Briefumschläge hervor. „Hier die zehn Scheine für Dich, wie abgemacht. Und nochmal zwo Mille für die Agentur. Das ist ne Masse für’n Escort-Mädel, oder?“

Ana zählte die Scheine routiniert durch, steckte sie ein und nickte. „Isch bin gudd, weiß Du? Und jung. Männer zahlen viel für jung Frau.“

Janina lachte. „Ja, Du bist megageil, das hab ich auf’m Video gesehn, und sehr gelenkig.‘‘

Die junge Ungarin sah ihre Auftraggeberin fragend an. „Thorsten jetzt muss viele Gäld zahlen an Disch?“

Janina grinste. „Ja, er muss Halbe-Halbe mit mir machen. Schätze, da krieg ich mehr für’ne Nacht zusammen als Du.‘‘

Das ungarische Escort-Mädchen hob die Schultern. „Is jetzt bittere Weihnacht für ihm, odär?‘‘

Janina winkte ab. „Wohl eher zartbitter. Er hat mich das ganze letzte Jahr mit sechs von Dein Kolleginnen betrogen und wer weiß, wen er noch alles gefickt hat.‘‘

Sie zwinkerte dem jugendlich wirkenden Escort-Mädchen zu und wollte in ihr Mercedes-Cabrio steigen, als sie innehielt und sich noch einmal umdrehte. „Du, Ana, magste nich für mich arbeiten?“

Die Ungarin grinste kurz und schüttelte verlegen den Kopf. „Also, isch mach schon auch so mit Frauen, aber nisch so gerne…“

Janina lachte hell auf. „Ach was, doch nich als Nutte. Als Haushälterin!“ Ana hob fragend die Hände. „Äh, warum jetzt?“

„Weil ich’s einfach affengeil find, wie Du sprichst. Deutsch, meine ich.“

~

Die seltsam anmutenden Methoden der Svetlana Schewzcenko

Es muss um die Jahrtausendwende gewesen sein, als Svetlana in Berlin eintraf. Sie schien Anfang zwanzig zu sein oder -- wenn überhaupt -- war sie nur wenig älter. Wie viele Mädchen, die aus der Ukraine in die Hauptstadt des seinerzeit stabilsten westlichen und zudem unverschämt wohlhabenden Landes einreisten, meldete sie sich persönlich bei einem der Oberhäupter der großen Familien.

Nicht, dass sich jedes Mädchen aus der Ukraine bei einem Anführer gewisser Organisationen angemeldet hätte, es gab ja viele, die vorhatten, einem normalen Beruf nachzugehen, doch für das Betätigungsfeld, welches Svetlana im Sinn hatte war es obligatorisch -- und letztlich gesünder -- sich des Schutzes eines Paten zu versichern.

Schon lange vor ihrer Ankunft in Berlin hatte sie Erkundigungen eingezogen -- sie war die letzten drei Jahre in Moskau tätig gewesen, sie wusste, wie die Sache lief -- und die meisten ihrer Informanten hatten den Namen von Igor Borotschew genannt. Sie benötigte zwei Tage, um eine Audienz bei ihm zu bekommen.

Igor war ein bestens gekleideter, gebildeter Mittvierziger mit vollendeten Manieren, doch sie gab sich keinen Illusionen hin: Er würde eine Probezeit vereinbaren und einen üppigen Anteil von ihren Einnahmen fordern. Hervorragende Einkünfte in der Probezeit bedeuteten, dass dieser Anteil sank und anders herum. Somit war sie interessiert daran, schon im Vorgespräch einen guten Eindruck zu machen. Außerdem hatte sie keine Lust, lange in irgendeinem Billig-Haus oder gar auf der Straße beweisen zu müssen, was sie wert war.

Igor erhob sich, als sie vor seinen Tisch trat und deutete auf den Sessel, der dort für Besucher bereit stand. „Bitte! Nimm Platz. Ich muss sagen, dass ich einigermaßen gespannt auf Dich bin…“

Sie lächelte. Natürlich hatte er sie auf Russisch begrüßt. Er konnte nicht wissen, dass sie neben Deutsch und Französisch auch Polnisch, Spanisch und Englisch fließend beherrschte. Sie ließ sich in das schwere Ledermöbel gleiten und antwortete in der Muttersprache des mächtigen Mannes. „Danke, Igor Borotschew. Auch ich bin gespannt: Ich höre Euren Namen überall in Berlin mit Ehrfurcht ausgesprochen. Und ich sehe, dass der Mann, der dazu gehört, einen guten Eindruck macht.“

Er konnte nicht anders, als sich geschmeichelt fühlen. Auch er nahm wieder Platz, beugte sich vor und bedeutete den beiden kräftigen Männern, die mit ernsten Gesichtern direkt hinter Svetlana standen, etwas zurückzutreten. Dann faltete er die Hände, schloss die Augen und seufzte tief. „Ein hübsches Mädchen, soweit ich das sehen kann. Doch auf gewisse Weise kannst Du einem auch Angst machen: Ich habe hier drei Briefe -- Briefe! In der Zeit von E-Mail und SMS! Und sie wurden deinetwegen geschrieben!“

Er schob die drei Schriftstücke -- allesamt handgeschrieben, auf edlem Büttenpapier mit Wasserzeichen -- zu ihr hinüber. Sie machte sich nicht die Mühe, auch nur einen Blick darauf zu werfen, stattdessen schlug sie die Beine übereinander und lehnte sich zurück.

Sie trug lange, helle Weichlederstiefel, die unter einem edlen Pelzmantel verschwanden. Ihr Gesicht -- umrahmt von dunkelroten Haaren, die ihr in Wellen bis über die Schulter fielen -- hatte den gesunden gebräunten Teint einer Südeuropäerin, obwohl man Mitte Januar schrieb. Die großen dunklen Augen, in deren Form sich eine teilweise asiatische Ahnenlinie erkennen ließ, waren mit dezentem Kajal betont, die hohen Wangenknochen und die zarte, beinahe zu kleine Nase dagegen wiesen keine Spur irgendeiner Kosmetik auf, die vollen, annähernd symmetrisch geformten Lippen glänzten ein wenig, doch auch an dieser Stelle hatte Svetlana auf eine aufdringliche Farbe verzichtet.

Da sie offenbar nicht gewillt war, sich die Briefe näher anzusehen, sondern einfach weiter lächelte, ergriff Igor eines der Papiere und hielt es ihr unter die Nase. „Der ist von Dimitrij Boskodan! Er bittet mich darum, Dich zu unterstützen, wenn es mir möglich ist. Sagt: Unter alten Freunden -- und nein: kein Befehl -- eine Bitte, schreibt er ausdrücklich! Kannst Du mir das erklären?“

Sie hob kurz ihre Schultern. „Wirklich, Igor Borotschew: Ich habe keine Ahnung. Es mag sein, dass er sich für mich verwendet, weil ich ihm einst einen Gefallen tat. Aber ich habe nichts mit diesem Brief zu tun.‘‘

Ihre Stimme hatte einen sanften, aber dennoch überzeugenden Klang. Der seinerzeit mächtigste Mann in Berlins Rotlichtmilieu kniff ein Auge zu. „Der Pate der größten Familie Moskaus schreibt mir aus freien Stücken und bittet mich -- Moment: hier steht wörtlich ‚freundschaftlich‘? -- bittet mich um Unterstützung als alter Freund! Und bietet mir seine Hilfe an, sollte ich… ach egal: Wer zum Teufel bist Du, Mädchen?“

Sie erhob sich, legte ihre Handtasche auf den Sessel und löste den Gürtel ihres Pelzmantels. „Seht selbst, Igor Borotschew!“ Sie ließ den Mantel zu Boden fallen und stand nackt bis auf die hellen, ledernen Stiefel vor ihm, hob die Arme anmutig über den Kopf und drehte sich langsam um ihre Achse. Dabei versuchte sie, Blickkontakt zu halten. Und sie behielt ihr Lächeln bei.

Igor Borotschew, der in eingeweihten Kreisen einen gewissen Ruf und sehr großen Respekt genoss, und zu dessen Alltag es gehörte, junge Nachwuchsnutten aus dem Osten Europas zu begutachten, schluckte trocken. Er musste widerwillig zugeben: Das hier war eine besondere Frau.

Vollendet gewachsen, eine Haut wie Samt, ebenmäßig, ohne jede Spur von Rötungen oder anderen Störungen, ja selbst ihr komplett enthaarter Schambereich wirkte wie mit einem Weichzeichner bearbeitet. Ihre Beine: Glatt und sehnig, aber nicht übertrieben muskulös, keine Anzeichen von Fettpölsterchen oder schlaffer Haut, ihr Bauch: flach, trainiert, der Nabel: niedlich, mit einem dezenten Piercing, die Brüste: Offenbar C-Cup, die berühmte volle Hand, stehend, fest und wohl gerundet, die Brustwarzen: Klein, mittelhell, unaufdringlich, fast genau so glatt wie der Rest ...

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Wagner E. Steins Erzählungen II" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen