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Wage den Schritt ins Glück!

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Chantelle Shaw

Wage den Schritt ins Glück!

Der Formel-1-Pilot Rafe Santini ist fasziniert von seiner ehemaligen Geliebten Eden. Wie sehr sie sich verändert hat! Aus dem naiven jungen Mädchen, das ihn einst so enttäuschte, ist eine erwachsene Frau geworden: bildschön, selbstbewusst und erfolgreich. Rafes Verlangen ist geweckt. Doch er kann sich noch so sehr bemühen, Eden zurückzuerobern, sie zeigt ihm die kalte Schulter. Was muss geschehen, damit sie ihrer Liebe endlich eine neue Chance gibt?

1. KAPITEL

„Und nun zum Abschluss der Lokalnachrichten: Gestern erhielten Mitarbeiter und Patienten von Greenacres, der Spezialklinik für Wirbelsäulenverletzungen hier in Wellworth, unerwarteten Besuch. Formel-1-Weltmeister Rafael Santini landete mit dem Hubschrauber und plauderte einige Stunden mit allen, um dem Zentrum anschließend eine bedeutende Summe zu spenden. Jean Collins, der Geschäftsführer von Greenacres, erklärte, alle seien über den Besuch völlig aus dem Häuschen gewesen“, berichtete der Rundfunksprecher lachend. „Und ich wette, ganz besonders die Damen, denn Santini genießt nicht nur auf der Rennstrecke einen legendären Ruf … Sie wissen schon, was ich meine! Und, Kate, ehe du uns jetzt verrätst, wie das Wetter wird … was hältst du von Rafe Santini?“

„Na klar, er ist so etwas wie ein Sexgott. Bei ihm würde ich nur so strahlen, was ich vom Wetter, das uns erwartet, leider nicht sagen kann …“

Eden schaltete das Radio aus und blickte ungeduldig auf den Autostau vor sich. Die Baustelle war scheinbar über Nacht aus dem Boden geschossen, und Eden trommelte genervt auf das Lenkrad. Sie war nicht nur spät dran, weil sie verschlafen hatte, sondern innerlich auch so angespannt, dass sie Kopfschmerzen bekam, als sie endlich am Hotel ankam. Nur gut, dass sie in der Handtasche eine Packung Aspirin dabeihatte.

Ihre hohen Absätze klapperten auf den Marmorfliesen der Eingangshalle. Ein rascher Blick in einen Spiegel verriet Eden, dass sie mit ihrem langen blonden Haar, das sie zu einem dicken Nackenzopf geflochten hatte, in dem cremefarbenen Hosenanzug kühl und elegant wirkte. Ihr war nicht anzumerken, wie aufgeregt ihr Herz pochte – was sie ohnehin lächerlich fand.

Die Sicherheitsvorkehrungen am Empfang waren streng, damit hätte sie rechnen müssen. Ihre Nervosität wuchs, während sie in der Handtasche nach ihrem Presseausweis suchte. Eden konnte ihre Ungeduld kaum noch verbergen, als der Wachmann ihn sorgfältig überprüfte, bevor er sie durchwinkte. Eher könnte man in Fort Knox einbrechen, dachte Eden grimmig, als sie an der Tür zum Konferenzsaal von einem weiteren Sicherheitsposten angehalten wurde.

„Sie kommen zu spät“, informierte er sie überflüssigerweise. „Das Interview hat bereits begonnen.“

„Ich schleiche mich unauffällig hinein“, versprach Eden. „Niemand wird mich bemerken.“ Sie konnte nur beten, dass sie recht behielt. Dass jemand auf sie aufmerksam wurde, fehlte ihr jetzt gerade noch! Wenn der Morgen wie geplant verlaufen wäre, würde sie bereits unbemerkt und anonym ganz hinten im Saal zwischen den anderen Journalisten sitzen.

Der Konferenzsaal war brechend voll. Wieder fragte sie sich, was sie eigentlich erwartet hatte. Rafael Santini gab nur selten Interviews. Ihn verband eine Art Hassliebe mit den Reportern, die darauf brannten, über jeden seiner Schritte zu berichten – während er äußerst ungemütlich wurde, wenn man in sein Privatleben einzudringen versuchte. Nach dem schrecklichen Unfall seines Bruders Gianni vor drei Jahren spekulierten die Medien fieberhaft darüber, ob Rafe für den Zusammenstoß verantwortlich gewesen war. Seitdem hatte seine Beziehung zu den Paparazzi sich in fast krankhaften Hass verwandelt. Selbst jetzt, bei seinem Heldenstatus als Formel-1-Weltmeister, beschränkten seine Erklärungen vor der Presse sich stets auf wenige knappe Worte. Eden fragte sich, wie Fabrizio Santini es geschafft hatte, seinen ältesten Sohn dazu zu bringen, sich den Medien zu stellen.

Gesenkten Kopfes ließ sie sich auf einen der letzten freien Plätze im hinteren Teil des Saales sinken. Erst nachdem sie sich nun wirklich „unsichtbar“ fühlen konnte, wagte sie es, zum Podium zu blicken. Auf diesen Moment hatte sie sich innerlich den ganzen Morgen vorbereitet. Verflixt! Wem wollte sie etwas vormachen? Seit Tagen konnte sie keine Ruhe mehr finden – seit sie erfahren hatte, dass sie Rafe wiedersehen würde. Beim Anblick seines Gesichts, seiner umwerfenden Erscheinung spielte ihr Magen verrückt, und Eden atmete tief durch, um sich wieder zu fangen.

Rafael Santini wirkte gelangweilt. Seine markanten, wie gemeißelten Züge wirkten maskenhaft starr, und mit seiner charakteristischen geraden Nase, den dichten schwarzen Brauen und den blitzenden dunklen Augen schien er jede Frau im Raum in seinen Bann zu schlagen. Doch selbst auf die Entfernung erkannte Eden, dass er ungeduldig war … an seiner Kinnhaltung, der Art, wie er einen Federhalter zwischen den Fingern rollte, dem Lächeln, das seine weißen Zähne aufblitzen ließ, ohne die Augen zu erreichen. Während sie ihn beobachtete, spannte er sich unvermittelt an, seine Augen verdunkelten sich. Er blickte durch den Saal und direkt zu ihr herüber.

Aber er kann doch gar nicht wissen, dass ich hier bin, versuchte Eden sich einzureden und drückte sich tiefer in den Sessel. Immerhin wusste Rafe jedoch, dass sie als Journalistin arbeitete und aus Wellworth stammte. Hier waren sie sich zum ersten Mal begegnet. Sicher konnte er sich denken, dass sie weiterhin Verbindung zur Klinik für Wirbelsäulenverletzungen hielt, der er soeben einen großzügigen Geldbetrag gespendet hatte. Doch hier in der Pressekonferenz wird er mich bestimmt nicht vermuten, hoffte Eden.

Ich bilde mir nur ein, dass er auf einmal seltsam verkrampft wirkt.

Hatte er sie nicht immer gleich entdeckt, sobald sie einen Raum betrat? Zwischen ihnen hatte es eine starke Verbindung gegeben. Diese urtümliche Kraft zwischen ihnen war so groß gewesen, dass sie die Anwesenheit des anderen selbst in einem überfüllten Raum instinktiv gespürt hatten. Aber diese Zeit lag lange zurück, und Eden wünschte, die Erinnerungen würden sich ihr nicht ausgerechnet jetzt wieder aufdrängen. Es war besser, sie rief sich Rafe als sachlichen Erfolgstyp ins Gedächtnis, der sich im Bett als fantastischer Liebhaber erwiesen hatte – sehr viel mehr war da nicht gewesen. Auch deshalb hatte sie die Beziehung damals beenden wollen, doch Rafe war ihr zuvorgekommen und hatte sich öffentlich von ihr getrennt. Komisch nur, dass es nach all der Zeit immer noch so wehtat.

Eine Reporterin vorn im Saal wollte wissen, was für Siegeschancen Rafe sich beim Silverstone-Rennen in zwei Tagen ausrechnete. Er entspannte sich etwas, und sein unwiderstehliches Lächeln verursachte Eden Magenflattern.

„Ich rechne mir nichts aus“, erwiderte er sorglos arrogant, wie sie ihn nur zu gut kannte. „Ich beabsichtige zu gewinnen. Der Wagen ist in Höchstform, genau wie ich“, setzte er sinnlich hinzu und zwinkerte der jungen Frau vielsagend zu, die unter seinem Charme förmlich dahinschmolz. Erheitertes Gelächter erfüllte den Saal. Nicht umsonst nannten sie ihn den italienischen Playboy. Geschichten über seine zahllosen Affären machten regelmäßig Schlagzeilen. Eden presste die Lippen zusammen und nahm ihr Notizbuch aus der Handtasche.

Sie brauchte nur einige wesentliche Einzelheiten, Informationen, die sie den Antworten auf Fragen anderer Journalisten entnehmen konnte. Mehr durfte Cliff, ihr alter Freund und Chefredakteur der „Wellworth Gazette“, von ihr nicht erwarten. Sonst würde sie ihn enttäuschen, denn sie dachte nicht daran, Rafe Santini um ein Exklusivinterview zu bitten.

Eden wusste, dass Cliff sich ein tiefschürfendes Bekenntnis des vergötterten Formel-1-Helden erhoffte. Früher hätte sie sich von seinem überwältigenden Charme einwickeln lassen wie die junge Reporterin, die immer noch verklärt zu ihm aufblickte. Doch Eden war längst nicht mehr das leicht zu beeindruckende Mädchen, das sich Hals über Kopf in den großen Don Juan verliebte.

„Komm schon, Eden, du bist doch das Goldmädchen, die draufgängerische Vollblutreporterin, die für ihre gewagten Eskapaden in Afrika bekannt ist“, hatte Cliff sie geneckt. „Wenn jemand eine gute Story aus Santini rauskitzeln kann, dann du.“

„Rafe Santini hasst die Medien“, hatte Eden ihm vorgehalten. „Und auf Exklusivinterviews lässt er sich bestimmt nicht ein. Ich kann mir vorstellen, dass er sich zu der Pressekonferenz nur bereit erklärt hat, um für die Übernahme des Oxforder Sportwagenherstellers durch die Santini-Gruppe zu werben. Nach den Skandalen, von denen das Santini-Team in den letzten Jahren gebeutelt wurde, wäre es ein geschickter Schachzug, um den Schaden zu begrenzen.“

„Mag sein, aber du bist den anderen gegenüber im Vorteil, weil du Rafe intim kennst.“ Cliff grinste süffisant, und Eden schoss das Blut in die Wangen. Oh ja, sie hatte Rafe wirklich intim gekannt, war so vertraut mit jedem Zentimeter seines Körpers, dass sie selbst jetzt noch, vier Jahre später, seine breite gebräunte Brust, die harten, muskulösen Schenkel und seinen kraftvollen Körper förmlich vor sich sah.

„Meine Freundschaft mit Rafe ging vor langer Zeit in die Brüche“, hielt sie Cliff vor, ohne auf seine Anspielung einzugehen. Aber leider hatte er recht. Freundschaft hatte sie nicht unbedingt mit Rafael Santini verbunden. Sie war seine Geliebte gewesen, seine Sexgespielin, die er genommen und beiseitegeschoben hatte, wie es ihm gerade passte. Er hatte sich mit ihr gern in der Öffentlichkeit geschmückt, tiefere Gefühle waren bei ihm jedoch nie im Spiel gewesen.

„Na ja, jedenfalls brauche ich eine Story mit Tiefgang“, fuhr Cliff fort. „Ich will Einzelheiten, Einblicke in Santinis Seelenleben, wie ihm unmittelbar vor einem Rennen zumute ist, einen Knüller, der den Mann hinter der Legende zeigt …“

„Du willst wissen, mit wem er schläft“, unterbrach Eden ihn ironisch. Vor fünf Jahren hatten sie bei der „Gazette“ gemeinsam als Jungreporter angefangen, doch seit Langem entwickelten ihre Karrieren sich völlig unterschiedlich. Cliff war in Wellworth geblieben, hatte seine Jugendliebe geheiratet und sich zum Chefredakteur emporgearbeitet. Eden hingegen verfügte über einen Ruf als angesehene, furchtlose Auslandskorrespondentin und berichtete als Krisenreporterin aus dem Unruheherd der Elfenbeinküste. In den letzten drei Jahren hatte Eden sich irgendwie durchgeschlagen, jetzt brauchte sie eine Atempause und Zeit, um neue Kräfte zu sammeln.

Ihren Eltern hatte Eden versprochen, zu Hause im Garten zu entspannen. Doch nach einem Monat Nichtstun hatte sie es einfach nicht mehr ausgehalten und war dankbar für Cliffs Angebot gewesen, wieder für die „Gazette“ zu arbeiten. „Schräge Sachen mache ich nicht“, hatte sie ihn gewarnt. „In dem Jahr mit Rafe habe ich erfahren, wie es ist, wenn man sich in den Schlagzeilen der Sensationspresse wiederfindet und aller mögliche Mist über einen geschrieben wird.“

Eden verbannte die unerfreulichen Erinnerungen und notierte sich, dass Rafe in nächster Zeit weiter Formel-1-Rennen fahren wollte. Gerüchten zufolge stand es um die Gesundheit seines Vaters Fabrizio Santini nicht zum Besten. Er könne es nicht verkraften, dass sein jüngerer Sohn Gianni seit dem Unfall gelähmt war, hieß es. Auch wurde gemunkelt, Fabrizio wolle Rafael die Leitung der Santini Corporation übertragen, aber Eden nahm diese Vermutungen nicht ernst. Rafe würde das Rennen nie aufgeben. Es lag ihm einfach im Blut, er brauchte die Geschwindigkeit, den Nervenkitzel, den Wettkampf. Nicht umsonst hatte er sich seit zehn Jahren immer wieder erfolgreich auf der Siegertreppe behauptet.

Rafe war nun mal nicht wie andere Männer. Er hatte etwas Wildes an sich, das ihn Risiken eingehen ließ, die andere für Wahnsinn hielten. Doch stets schaffte er es irgendwie, glücklich davonzukommen. Viele hatten versucht, es ihm nachzutun, nicht zuletzt sein jüngerer Bruder Gianni, bis die Rivalität zwischen den Brüdern jedes vernünftige Maß gesprengt und schließlich zu Giannis schrecklichem Unfall geführt hatte.

Im Konferenzsaal war es warm. Ein dicker Journalist neben Eden jonglierte schwitzend seinen Notizblock und einen Plastikbecher Kaffee. Dann fiel ihm der Schreiber aus der Hand, er beugte sich vor, um ihn aufzuheben, und goss dabei heißen Kaffee über Edens Schoß.

„Ach, verflixt … tut mir leid, meine Liebe“, brummelte er, als Eden mit einem kleinen Schrei aufsprang und verzweifelt versuchte, dem sich ausbreitenden Fleck mit einem Papiertaschentuch Einhalt zu gebieten.

„Ja, die junge Dame in der Ecke“, entschied Rafes Agent auf dem Podium.

Langes Schweigen folgte.

„Er meint Sie“, flüsterte ein anderer Reporter Eden zu.

Ihr schoss das Blut ins Gesicht, und sie setzte sich rasch wieder. „Ich habe keine Frage“, wehrte sie ab.

Der Reporter seufzte ungeduldig. „Dann lassen Sie sich was einfallen, ehe Santini genug hat und das Interview abbricht. Er ist nicht der Allergeduldigste.“

Eden merkte, dass sie durch ihr Schweigen neugierige Blicke auf sich zog, und atmete tief ein. Ihr blieb nichts anderes übrig, als irgendetwas zu sagen, deshalb fragte sie das Erstbeste, das ihr in den Sinn kam: „Mr. Santini, sind Sie besonders am Wellworther Zentrum für Wirbelsäulenverletzungen interessiert und unterstützen Sie es finanziell, weil Ihr Bruder beim Großen Preis von Ungarn schwer verunglückt ist?“

Ein Raunen ging durch die Menge, weitere Reporter drehten sich zu Eden um. Sie drückte sich tiefer in den Sessel und konnte nur hoffen, ihre Stimme so gut verstellt zu haben, dass Rafe sie nicht erkannte. Es ist vier Jahre her, versuchte sie sich einzureden. Wenn ich Glück habe, speist er mich mit einer kurzen Antwort ab und macht weiter.

„Wie konnten Sie!“, stöhnte der Reporter neben ihr. „Haben Sie nicht gehört, was Santinis Agent gleich zu Anfang der Pressekonferenz zur Bedingung gemacht hat? Es dürfen keine Fragen nach seinem Privatleben gestellt werden, schon gar nicht nach seinem Bruder!“

„Ich bin zu spät gekommen“, versuchte Eden sich zu verteidigen. „Das wusste ich nicht.“

Oben auf dem Podium beugte Rafe sich zu seinem Begleiter, und die beiden debattierten heftig, dann blickte der Agent in Edens Richtung. „Mr. Santini bittet Sie, die Frage zu wiederholen. Vorher stehen Sie aber bitte auf und stellen sich vor.“

Und ich wollte anonym bleiben! Rettung suchend blickte Eden zum Seitenausgang und erwog zu fliehen. Doch dafür war es zu spät. Alle Blicke richteten sich jetzt auf sie, und sie konnte nichts tun, als langsam aufzustehen. Selbst jetzt noch klammerte sie sich an die schwache Hoffnung, dass Rafe sie auf die Entfernung nicht erkennen würde.

Als sie endlich den Mut fand, zum Podium zu blicken, schienen nur noch Rafe und sie da zu sein.

Ungeniert betrachtete er sie, bis sie sich nackt und preisgegeben vorkam und das Gefühl hatte, er könnte bis auf den Grund ihrer Seele blicken. Unvermittelt änderte sich der Ausdruck in seinen dunklen Augen, und die Verachtung, die Eden darin las, ließ sie erschauern.

„Eden Lawrence von der Wellworth Gazette“, brachte sie mühsam hervor, weil ihre Kehle sich wie zugeschnürt anfühlte. Sinnlos, sich jetzt noch verstellen zu wollen. Rafe hatte sie erkannt. „Ich habe mich nur gefragt, ob Mr. Santinis Interesse an Greenacres als Spezialzentrum für Wirbelsäulenverletzungen auf den Unfall zurückzuführen sein könnte, durch den sein Bruder gelähmt wurde.“ Ihre Wangen brannten, Halt suchend tastete sie nach ihrer Stuhllehne, als Rafe sie nur kalt ansah.

„Mr. Santini möchte Sie darauf hinweisen, dass er vielen wohltätigen Organisationen Spenden zukommen lässt“, erklärte der Agent scharf. „Aber wie zu Beginn der Pressekonferenz ausdrücklich betont wurde, ist er nicht gewillt, Fragen zu beantworten, die sein Privatleben berühren.“

So zurechtgewiesen, wollte Eden sich wieder setzen, doch Rafe hielt sie davon ab. Selbst jetzt noch, nach all den Jahren, machte seine Stimme sie schwach.

„Miss Lawrence, ich finde Ihr Interesse an meinem Privatleben schmeichelhaft, und es stimmt, ich habe sehr … persönliche Gründe, das Wirbelsäulenzentrum finanziell zu unterstützen, das so Hervorragendes leistet.“

Eden sah keine Möglichkeit, seinem Blick auszuweichen, der sie zu hypnotisieren schien. Sie konnte Rafe nur hilflos ansehen, obwohl ihr bewusst war, dass die anderen Journalisten aufgeregt tuschelten.

„Eden Lawrence … hat sie nicht für eine große überregionale Zeitung gearbeitet? Vor zwei Jahren war sie bei einem Militärschlag in Afrika dabei …“

„Ja. Aber hatte sie nicht eine Affäre mit Santini …?“

Ich muss hier raus!, dachte Eden verzweifelt. Unvermittelt tauchten rechts und links von ihr zwei Sicherheitsleute auf. Unter den Augen des Mannes, dem sie nie mehr hatte begegnen wollen, musste sie die entsetzliche Demütigung über sich ergehen lassen, aus dem Konferenzsaal geführt zu werden.

„Hier entlang.“

Das war ein Befehl, keine Bitte. Eden erschien es leichter, den Männern freiwillig zu folgen, als eine Szene zu machen. Wie konnte ich mich dazu verleiten lassen, Rafael Santini auch nur aus der Ferne zu sehen?, fragte Eden sich benommen. Dennoch ging sie hoch erhobenen Hauptes neben den Sicherheitsleuten her. Hätte sie sich doch nur nicht von Cliff überreden lassen, an der Pressekonferenz teilzunehmen!

Aber eigentlich durfte sie ihn nicht dafür verantwortlich machen. Sie hatte der Verlockung nicht widerstehen können, Rafe nach all den Jahren wiederzusehen. Es war verrückt, sich auf dieses Wagnis einzulassen, musste Eden sich nun eingestehen. Sie betrat die Hotelhalle und wollte zum Ausgang gehen, als einer der Sicherheitsleute sie zurückhielt und höflich, aber bestimmt zum Aufzug führte.

„Was soll das?“, fragte sie eisig. „Sie haben Ihren Auftrag erfüllt, ich möchte gehen.“

„Bitte?“ Der Mann zuckte die Schultern, aber sie war sicher, dass er sie verstanden hatte. Ehe sie sich befreien konnte, manövrierte er sie geschickt in den Aufzug. Der andere Mann folgte. „Signor Santini möchte Sie in seiner Suite sprechen.“

„Zum Teufel mit ihm!“ Die Lifttür glitt auf, und sie befanden sich in der obersten Etage. Der Sicherheitsmann, der Eden am Arm festgehalten hatte, trat zur Seite, um sie hinauszulassen. Eden blieb stehen und sah ihn kampflustig an. Ihre Begleiter waren groß und Furcht einflößend, aber sie ließ sich nicht einschüchtern. „Sagen Sie Signor Santini, dass ich keine Lust habe, ihn zu sehen.“

„Wie bitte?“ Es war fast schon komisch, wie dumm der Mann dreinblickte.

Eden wurde wütend. „Sagen Sie Signor Santini …“

„Warum sagen Sie’s ihm nicht selbst?“

Ihr war entgangen, dass ein weiterer Aufzug auf der Etage gehalten hatte. Groß und unverschämt gut aussehend stand Rafe vor ihr im Gang. Bei seinem Anblick begann ihr Herz zu rasen, und aus einem reinen Selbsterhaltungstrieb heraus tastete Eden nach dem Schließknopf. Doch Rafe schob einfach einen Fuß in die Kabine und lächelte so siegessicher, dass Eden sich an die Wandpaneele drückte.

„Sieh mal an, Eden Lawrence. Die interessantesten Geschöpfe kriechen überraschend aus dem Unterholz!“, bemerkte Rafe liebenswürdig. Der verächtliche Unterton in seiner Stimme war nicht zu überhören. Hinter ihm wartete ein älteres Paar, und er lächelte den beiden freundlich zu. „Komm raus, Eden. Du hältst diese netten Leute auf“, setzte er hinzu.

Er schaltet seinen Charme ein wie andere das Licht, dachte Eden verärgert. Jetzt musste sie auch noch den Aufzug verlassen, flankiert von den Sicherheitsleuten.

Sobald die Lifttür sich hinter dem älteren Paar geschlossen hatte, wirbelte Eden zu Rafe herum. „Du kannst deine Muskelmänner zurückpfeifen! Es ist traurig genug, dass du mich aus der Pressekonferenz geworfen hast. Hierher hättest du mich wirklich nicht schleppen lassen müssen.“

Rafe blickte zu den Sicherheitsleuten und sprach auf Italienisch so rasch mit ihnen, dass sie nur wenig verstand. „Du übertreibst, Eden“, sagte er dann zu ihr. „Paolo und Romano versichern mir, dich äußerst respektvoll behandelt zu haben.“ Das Funkeln in seinen dunklen Augen verriet ihr, dass er diesen Respekt für unverdient hielt. Sie schwieg, als er ihr die Tür zu seiner Suite aufhielt, um sie eintreten zu lassen.

Doch Eden blieb stehen und warf stolz den Kopf zurück. „Ich komme nicht mit hinein. Ich gehe.“

Gespielt erstaunt zog Rafe die Brauen hoch. „Aber bist du nicht extra meinetwegen ins Hotel gekommen?“

Immer noch dieses übersteigerte Selbstbewusstsein!, dachte Eden. Aber warum sollte er sich ändern? Die Frauen hatten sich ihm an den Hals geworfen, solange sie zurückdenken konnte. Ganz bestimmt würde Eden den gleichen Fehler nicht zweimal machen. „Arrogant wie eh und je“, bemerkte sie kühl. „Tut mir leid, aber ich bin nur gekommen, weil Cliff Harley mich gebeten hat, an der Pressekonferenz teilzunehmen, um einen Artikel für meine frühere Zeitung zu schreiben.“

„Ich verstehe“, erwiderte Rafe, und Eden konnte nur hoffen, dass er es nicht tat. Früher hatte er verteufelt gut gewusst, was in ihr vorging. Damals war sie jedoch jünger gewesen und konnte ihre Gefühle nicht gut verbergen. „Nachdem du schon mal hier bist, darf ich dir doch wenigstens etwas zu trinken anbieten. Dir dürfte warm sein. Außerdem scheinst du dir etwas über die Hose geschüttet zu haben.“

Ein Blick auf ihre cremefarbene Hose verriet Eden, dass der Fleck sich dunkel über das halbe Bein ausgebreitet hatte. „Das ist Kaffee“, erklärte sie. „Den Fleck verdanke ich dem Tölpel, der neben mir saß. Wenn er mir das heiße Zeug nicht über den Schoß gegossen hätte, hättest du mich gar nicht bemerkt.“

„Ich wusste, dass du da bist.“ Rafe bedeutete ihr, auf einem der eleganten Ledersofas Platz zu nehmen. „Was möchtest du trinken? Wein? Saft? Tee?“ Er hatte also nicht vergessen, dass sie gern Tee trank.

„Also gut, Orangensaft“, erklärte Eden schnell. Heißen Tee zu trinken dauerte zu lange, sie wollte so schnell wie möglich fort. Und mit Rafe Alkohol zu trinken war entschieden zu gefährlich. Sie musste einen klaren Kopf behalten. „Wie meinst du das … du wusstest, dass ich da bin? Woher wolltest du das wissen?“

„Ich habe es gespürt“, erwiderte er. „Wenn du nicht aufgestanden wärst, hätte ich den Saal nach dir abgesucht.“

Drückendes Schweigen folgte Rafes Bekenntnis. Eden blickte angestrengt auf das kunstvolle gold-beige Muster des Teppichs, weil ihr das Herz bis zum Hals schlug. Rafe war ein toller Mann, und sie hatte sich so lange nach ihm gesehnt.

„Du solltest nachsehen, ob der heiße Kaffee dir nicht das Bein verbrüht hat“, riet er und reichte ihr ein Glas herrlich kalten Orangensaft. „Im Bad hängt ein Reservebademantel, den du anziehen kannst, während ich deine Hose reinigen lasse.“

„Nein danke, es geht schon.“ Beim bloßen Gedanken, mit Rafe in der Suite zu sitzen – und das wer weiß wie lange, bis die Hose gereinigt war –, hätte Eden sich fast an dem Saft verschluckt.

„Wenn du zu lange wartest, geht der Fleck vielleicht nicht mehr raus.“

„Dann kaufe ich mir eine neue Hose. Vergiss es, Rafe“, wehrte sie bestimmt ab, als er etwas erwidern wollte. „Wir haben uns vier Jahre nicht gesehen, und ich beabsichtige nicht, mich schon in den ersten fünf Minuten auszuziehen.“

„Wie lange brauchst du dann, Eden? Zehn Minuten? Fünfzehn? Ich erinnere mich gut an die Zeit, als du deine Kleidung nicht schnell genug loswerden konntest“, setzte Rafe bedeutsam hinzu. Gelöst lehnte er sich auf dem Sofa ihr gegenüber zurück, legte die Arme auf die Lehne und schlug die Beine übereinander.

Die Fotos in der Presse wurden ihm nicht gerecht, seine überwältigende Ausstrahlung verdrängte auch das Bild, das Eden sich von ihm bewahrt hatte. Nichts hatte sie auf seinen herausfordernden Sex-Appeal vorbereitet, auf diese Anziehungskraft, die sie völlig in seinen Bann schlug. Auf einmal war alles wieder wie damals, und sie sah Rafe fest an, um die Erinnerungen zu verdrängen.

„Das liegt lange zurück. Damals war ich noch naiv und unschuldig, aber du hast mir die Unschuld ziemlich schnell genommen – war es nicht so, Rafe?“ Ein Blick in seine gluterfüllten dunklen Augen, und sie war verloren gewesen. „Gegen den großen Rafael Santini hatte ich keine Chance“, setzte sie verbittert hinzu. Nur zu gern war sie in seine Arme und in sein Bett gesunken.

„Du warst eine gelehrige Schülerin“, bemerkte Rafe kühl. „So gelehrig, dass du zu meinem Bruder gewechselt bist.“ Die Schärfe seines Tons traf sie. Diese Idee schwelte also immer noch in ihm, die Wunde war nicht verheilt. Der ungerechte Vorwurf schmerzte.

„Das ist nicht wahr …“

„Ich habe euch mit eigenen Augen gesehen.“ Seine Augen funkelten erregt, er sprang auf und schien sie mit seinem Blick durchbohren zu wollen.

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