Logo weiterlesen.de
WANDEL MUTTER

image

Vorwort

Wie Sie dieses Buch nutzen können

Wer schreibt hier?

Unsere Geschichte

I. Realitäten – „Warum Sie bisher alles richtig gemacht haben“

1. Ausgangssituation: Wissen, wo wir herkommen

Gesellschaftliche und familiäre Prägung:

Horizonte durch (Aus-)Bildung und Ambitionen:

Realität der Arbeitswelt

Familienrealitäten und Wirklichkeitskonstruktionen:

„Disconnect“ zwischen Arbeitswelt und persönlichem Lebensentwurf:

Anwesenheitskultur vs. flexibles Arbeiten

Gender Time Gap

Quick Read: Wissen, wo wir herkommen

2. Folgen: Verstehen, was sich daraus für uns ergibt

Vermeintliche Vorbilder ohne Identifikationspotential

Abstimmung mit den Füßen: „Opt-Out“ – der Ausstieg

Versinken in der Unsichtbarkeit?

Rechtfertigung des eigenen Lebensmodells

Etabliert hat sich ein Sowohl-als-Auch

Selbstständigkeit in Form von Solopreneurtum

Quick Read: Verstehen, was sich daraus für uns ergibt

3. Chancen: Vorausschauen, was wir verändern könnten

Die demografische Entwicklung in Bezug auf die Altersstrukturen

Die technologische Entwicklung und ihr Einfluss auf die Arbeitswelt

Die wirtschaftsstrukturelle Veränderung bedingt durch Fachkräftemangel, wachsende Start-Up Szene und veränderte Führungsstrukturen

Der fortschreitende Einstellungswandel von Menschen, eng verbunden mit der Suche nach mehr „Sinn und Zufriedenheit“ im Leben

Quick Read: Vorausschauen, was wir verändern könnten

II. Inspiration – „So könnte es werden“

1. Digitalisierung

„Big Data“: Datenmengen und Algorithmen

Open Source

Smartphones, Tablets und Apps: 24/7 Always On

Social Media: vernetzte Kommunikations- und Beteiligungsformen im Internet

Bots

Youtube: kleiner Exkurs in die Welt der Jugend (es geht bei ihnen nicht ohne)

TED-Talks – „Ideas worth spreading“

E-Learning: Zugang zu Bildung und Wissen für alle

Industrie 4.0: Wie sich Unternehmensprozesse ändern werden

Internet der Dinge

Künstliche Intelligenz/Robotik

3-D-Druck: Die Revolution von Produktion

Mobile Workspace:

Coding: Die Sprache des 21. Jahrhunderts

Neue digitale Geschäftsmodelle

Quickread: Digitalisierung

2. Finanzen

Basischeck

Altersvorsorge

Absicherung

Vermögensanlage

Weiterführende Infos zur Wissensvertiefung

Quick Read: Finanzen

3. Selbstständigkeit und Gründung

Typische Hemmnisse im Kopf:

Wie können Sie es angehen?

Unser 10-Punkte-Programm der Selbstständigkeit

1) Lerne Dich selbst kennen

2) KUI – die Kleinste Umsetzbare Idee

3) Konzept, Konzept, Konzept

4) Skalierbarkeit

5) Outsourcen, Team vs. Solo

6) Online-Geschäftsmodell

7) Finanzierung

8) Umsetzung

9) Vertrieb, Marketing

10) Hilfestellungen speziell für Frauen

Quick Read: Gründung/Selbstständigkeit

III. Initiative – „So gehe ich es an“

Unsere sechs Coaching-Angebote für Sie persönlich:

Angebot 1 „Weg VON, Hin ZU“: Schaffen Sie sich neue Perspektiven!

Angebot 2: Verstehen Sie Ihr aktuelles und Ihr gewünschtes Lebensmodell

Angebot 3: Finden Sie Ihre berufliche Idee!

Angebot 4: METHODEN, THEORIEN, KREATIVITÄTS-TECHNIKEN

Angebot 6: Ihre persönliche „30-Tage–Aktivierungs-Checkliste“ Ziel: In einem Monat Ihren Zielen einen großen Schritt näherkommen!

Anhang

Buch- und Linkempfehlungen

Quellenverzeichnis

Für alle Frauen, die noch etwas vorhaben.

Vorwort

Liebe Leserin,

suchen Sie den Wandel? Zeigen Sie schon Mut oder ist er noch in Ihnen verborgen? Sind Sie Mutter? Auf der Suche nach dem nächsten Schritt im Leben? Seien Sie gespannt, wo Sie dieses Buch hinführen wird.

Sie kennen es sicherlich selbst:

Es vergeht kaum eine Woche, in der man nicht über Artikel zum Thema Frauen und Karriere, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Hausmütter und Rabenmütter, weibliche CEOs, Aufsichtsräte und Vorständinnen, Frauenquote und Gender-Pay-Gap stolpert. Manch eine denkt: interessant, diese Frauen; manch einer denkt: kompliziert, diese Frauen. Ob positiv oder negativ: „Die“ Frauen im Kontext der Arbeitswelt sind weiterhin ein Thema, das bewegt.

Wir stellten uns die Frage, warum uns viele dieser klassischen Diskussionen persönlich jedoch nicht mehr erreichten oder interessierten. Waren wir etwa zu alt? Zu weit weg von diesen Welten durch die Entscheidung, einen großen Teil unserer Zeit den Kindern gewidmet zu haben? Waren wir langweilig, spießig, zu wenig ambitioniert, zu bequem geworden in unserem Lebensalltag?

Nein, der Grund war und ist weiterhin ein anderer: Alle Diskussionen bewegen sich innerhalb des altbekannten – und für viele gesellschaftliche Gruppen sicherlich auch altbewährten – Systems. Sobald der Versuch unternommen wird, zu differenzieren, sind es oft die medienwirksamen Extreme: ,CEO, weiblich‘ versus ,Hausfrau, 4 Kinder‘. Diese präsentierten und diskutierten Beispiele besitzen für eine Mehrheit der Frauen weniger Relevanz und Identifikationspotenzial, als suggeriert wird. Sie sind zu weit weg von den jeweiligen eigenen Lebensmodellen und den damit verbundenen persönlichen Wünschen und Vorstellungen. Denn es gibt sie nicht, „die“ Frauen. Spätestens, wenn es um die berufliche Weichenstellung nach der Geburt der Kinder geht, sind sie – die Mütter – nicht mehr über einen Kamm zu scheren.

Schauen Sie sich in Ihrem Bekanntenkreis um: Die meisten von uns leben doch viel weniger einseitig, als es gesellschaftlich, politisch und medial dargestelIt wird. Es gibt eine Vielfalt individueller Lebensentwürfe, die einzigartig und absolut erhaltenswert ist!

Wie so viele andere Frauen auch, leben wir jeden Tag den Spagat zwischen Beruf und Familie, haben unterschiedlichste Konzepte und Arbeitsmodelle ausprobiert, sie angepasst, wieder aufgegeben, dabei neue Wege entdeckt. Um festzustellen, dass der Wandel die einzige Konstante ist - und es manchmal genau diese Portion an Mut benötigt, um zu überlegen, was man eigentlich möchte, um (wieder) näher an sich heranzurücken und die eigenen Vorstellungen zu leben oder an Veränderungen zu adaptieren. Denken Sie beispielsweise an von außen provozierte Veränderungen durch einen Jobwechsel des Partners, den eigenen Jobverlust, die Pflege von Angehörigen, Umzüge, Trennungen, etc. Wir sind groß darin, uns immer wieder anzupassen, alles zusammenzuhalten und dafür zu sorgen, dass „es funktioniert und läuft“. Nur wird darüber selten ein Wort verloren. Wir wollen es mit diesem Buch tun.

Wir schreiben daher über und für diese Gruppe von Frauen, die uns nahesteht, in der wir bei aller Individualität viele Gemeinsamkeiten erkennen können. Aus unserer ganz subjektiven Sicht.

Es sind Mütter, die sich entschieden haben, meist mit der Familienphase die vorgezeichneten Wege klassischer Karrierepfade zu verlassen, um nach einem ausgewogenen Mit- und Nebeneinander verschiedener Lebensbereiche und häufig auch neuer Tätigkeitsfelder zu suchen. Das klingt jetzt erst einmal einfach – hat aber immense Folgen, die viele von uns in diesem Ausmaß nicht abschätzen konnten. Denn mit diesen Entscheidungen einher geht häufig ein ständiges Auf- und Ab der Gefühle und Wünsche, manchmal der inneren Zerrissenheit und Zweifel, die durch eine kontinuierliche Bewertung von außen und Selbstlegitimation befeuert werden. Das eigene Selbstwertgefühl ist irgendwann auf null und man selbst in der Versenkung „der gefühlten Unsichtbarkeit und Bedeutungslosigkeit“ gelandet. Zu stark ist die Devise „Du bist nur dann etwas wert, wenn Du in unserer Gesellschaft etwas zu dem wirtschaftlichen Wert beisteuerst“, tief in uns verankert – ganz gleich, wie oft uns das Gegenteil versichert wird - oder wir es uns selbst erzählen. Diese Überzeugung von innen heraus abzulegen und damit die hemmenden Dynamiken zu unterbrechen, um Neues entstehen zu lassen, braucht sicherlich etwas Zeit und Reife, auf jeden Fall eine große Portion Eigeninitiative - und sicherlich auch den einen oder anderen Im-puls, zu erkennen, „dass es auch anders sein könnte“.

Wer hat behauptet, dass ein allseits geradliniges und planbares Leben uns glücklich machen wird? Wer hat uns eingeflüstert, dass Veränderungen etwas Negatives, ja Bedrohliches sein können und mehr aus situativem Zwang als aus Lust, Neugier und Begeisterung heraus entstehen dürfen?

Wir sind viel mehr als die unterschiedlichen Rollen, die wir jeden Tag ausfüllen. Wir alle durchleben verschiedene Phasen und können diese jeweils für uns aktiv gestalten.

Wir alle wissen, dass die kontrovers laufenden Diskussionen über Frauen, ihre Berufe und ihre Lebensentwürfe weniger Polarisierungen, Ab-oder Bewertungen, dafür mehr Achtsamkeit und Verständnis, mehr Kooperation und vor allem erweiterte Perspektiven auf die Möglichkeiten in unserem Leben vertragen könnten. Und sind daher überzeugt, dass es an der Zeit ist, nicht weiter nur die Extreme zu behandeln, sondern den Blick zu ergänzen auf gerade diejenigen, die das „Sowohl-als-Auch“ suchen und im Übrigen de facto seit langem leben.

Ein erstes, uns wichtiges Ziel dieses Buches ist es deswegen, die unterschiedlichen Realitäten, Gefühlslagen und Leistungen von Frauen anzuerkennen, sie als solche überhaupt einmal sichtbar zu machen. Wertzuschätzen, was Sie persönlich jeden Tag leisten. Und gleichzeitig zu verstehen, welche Prägung, welche Werte und Motivation uns antreiben.

Wir möchten daher bewusst ein Sprachrohr sein für die bisher kaum gehörten Frauen in ihren 40ern, die „vielen Mittelfeldspielerinnen“ in jeder Hinsicht – ihnen Wahrnehmung zu verschaffen, ganz gleich was sie tun und welche Lebenswege sie eingeschlagen haben – über sie und für sie wollten wir schreiben. Informationen zusammentragen, die zum Denken und Handeln anregen. Wir sind überzeugt: da sind noch ganz viele Frauen, die schon einiges unternommen haben und noch ganz viele, die noch etwas vor haben…

Auch wenn es uns manchmal lieber wäre, können wir dabei nicht nur nach innen schauen – im Gegenteil: es braucht Impulse und Reize von außen, die Auseinandersetzung mit der sich derzeit massiv verändernden Welt, in ihrer ganzen Komplexität. Wir möchten Ihnen daher im zweiten Teil des Buches eine Öffnung zu aktuellen Themen vorschlagen, mit denen Sie sich vielleicht nicht so gerne oder häufig auseinandersetzen. Um diese im dritten Teil mit Ihren persönlichen Veränderungswünschen und Weichenstellungen in Wechselwirkung zu bringen.

Damit Sie mit neuem Selbstbewusstsein und Wissen die Möglichkeit haben, individuell Ihr eigenes Lebensmodell weiterzuentwickeln. Denn wir sind der festen Überzeugung, dass wir Frauen aus eigener Kraft weitaus mehr bewirken und bewegen könnten, als man und wir es uns selber zutrauen.

Wir plädieren dabei für ein großes Stück mehr Gelassenheit uns selbst gegenüber und weniger Ab- und Bewertung anderer Frauen. Für mehr Interesse an unterschiedlichen Lebensentwürfen. Und für mehr Offenheit und Mut zu Richtungswechseln und Veränderung im eigenen Leben.

An dieser Stelle möchten wir Ihnen ein Kompliment machen: Sie haben bisher alles richtig gemacht! Denn es gab Gründe – nämlich Ihre ganz persönlichen – warum Sie sich jeweils entschieden haben, wie Sie es taten. Niemand kennt Ihre Rahmenbedingungen zuhause oder im Beruf, Ihre persönlichen Wünsche, Ambitionen und Aversionen besser als Sie. Ihre Prägung, Ihre Glaubensmotive und Werte hatten dabei immer einen starken Einfluss auf Ihre Entscheidungen. Ob Sie sich nach der Geburt von Kindern für eine Auszeit, die Fortsetzung Ihrer beruflichen Ziele, die Verlangsamung oder einen kompletten Neuanfang entschieden haben oder gerade darüber nachdenken: alle Modelle sind möglich - und jederzeit in unterschiedlichste Richtungen wieder veränderbar. Denn nur Sie selbst entscheiden, wie Sie die verschiedenen Lebensphasen gestalten und damit, wer Sie auch in Zukunft sein werden.

Damit dies gelingt, haben wir uns in diesem Buch von dem klassischen, weiterhin sehr stark an Karriere-, Status- und Gehaltsstufen bemessenen Erfolgsbegriff gelöst, um diesen weiter zu fassen. Damit eröffnen sich Ihnen neue Perspektiven:

Welche Themen möchten Sie schon seit längerem angehen? Welche Lebensbereiche rufen nach Veränderung? Wie bleiben oder werden Sie wieder anschlussfähig? Wie könnten Sie aus der aktuellen Dynamik aus Grün dungswelle und Technologiebegeisterung für sich etwas Neues entwickeln, an das Sie bisher vielleicht gar nicht gedacht haben, weil Sie nicht wussten, dass diese Chancen existieren? Wie könnten Sie in diesem Sinne aktiv werden?

Wie kann Ihr persönlicher Wandel gelingen?

Wir sind überzeugt, dass die kontinuierlichen Entwicklungen in Technologie und Gesellschaft es uns Frauen heute ermöglichen, unser eigenes Leben zwischen persönlichen und beruflichen Ansprüchen viel besser auszubalancieren oder neu zu gestalten. Es bieten sich zahlreiche Varianten, fernab vorgegebener Strukturen in Unternehmen freier, flexibler und eigenverantwortlicher zu arbeiten und zu leben, als es je möglich war. Gerne möchten wir Ihnen hierzu Ideen und Inspirationen liefern. Ihre Neugier und Experimentierfreude wecken, vielleicht sogar ein „unternehmerisches Zucken“ entfachen.

Wir nehmen drei Themen auf, die uns Frauen oft nicht gerade liegen, um die wir – bewusst oder unbewusst – gerne einen Bogen machen: die Digitalisierung, der Umgang mit Finanzen und die eigene Selbstständigkeit. Nicht, weil wir Expertinnen auf einem dieser Gebiete wären, sondern gerade, weil wir unsere eigenen Hemmschwellen, unsere Distanz oder Ignoranz diesen Themen gegenüber kennen. Über zwei Jahre hinweg haben wir das Experiment gewagt, einzutauchen in diese Welten, um fasziniert und mit einer Vielzahl an Ideen und spannenden Impulsen zurückgekommen, die wir Ihnen in diesem Buch weitergeben.

Dabei liefert dieses Buch keine „Rezepte“ oder fertige Antworten auf Ihre Fragen und Überlegungen. Doch es kann Ihnen helfen, sie zu finden. Wenn Sie sich nach dieser Lektüre motiviert, gestärkt und in Ihrer Realität anerkannt und wertgeschätzt fühlen, Sie Lust bekommen haben, einzutauchen in bisher für Sie eher unbekannte Themenwelten, wir Sie ermutigen können, Ihre persönlich gefühlten Grenzen im Leben etwas zu erweitern und Ihr persönliches Lebensmodell für sich nach Ihren individuellen Vorstellungen weiterzuentwickeln – dann hat dieses Buch seinen Zweck erfüllt.

Wir möchten Sie darin unterstützen, sich selbst erfolgreich zu machen, im Sinne einer finanziellen, beruflichen und emotionalen Unabhängigkeit und Zufriedenheit.

Wie wäre es, wenn wir uns selbst, unseren Kindern, Partnern, Arbeitgebern – der Welt beweisen, dass es auch anders geht? Durch das, was wir machen und wie wir es machen?

Wir wissen, es ist nicht alles auf einmal möglich, aber es ist etwas möglich.

Wir müssen uns nur trauen, und wir müssen vor allem: selbst etwas TUN!

Dieses Buch ist ein Anfang.

Wir haben noch etwas vor. Sie auch?

Babette Frommeyer Cornelia Sengpiel
  im Oktober 2017

Wie Sie dieses Buch nutzen können

Dies ist ein Sachbuch. Es ist auch ein Ratgeber. Es ist auch ein persönlicher Erfahrungsbericht.

Es ist ein „Sowohl – als – Auch“ (das war lange unser Arbeitstitel)

Genau das fanden die Verlage verwirrend. Wir passen in keine Schublade. Und da Sie, liebe Leserin, vermutlich auch in keine so richtig hineinpassen, lesen und nutzen Sie das Buch doch genau so, wie Sie möchten:

Sie können ganz hinten in Kapitel 3 mit dem Workbook sofort ins „Doing“ einsteigen.

Sie können sich jeweils häppchenweise ein Sachthema aus Kapitel 2 vornehmen.

Sie können über die Prägung unserer Generation persönlich reflektieren, durch Lesen von Kapitel 1; und wenn Sie es ganz effizient wollen, dann lesen Sie einfach nur die Quick Reads…

Vorwärts und vollständig lesen macht zwar Sinn, aber vielleicht nur für uns und nicht für Sie?

Dies ist Ihr Buch…!

Wer schreibt hier?

Babette Frommeyer, *1969, studierte Kommunikationswissenschaften an der Universität der Künste in Berlin, und arbeitete 15 Jahre in internationalen Großkonzernen (Biotherm Kosmetik/L’Oréal, Universum Film/Bertelsmann) - und Beratungen (Mc Kinsey, Heidrick & Struggles), bevor sie sich als zertifizierter Life- und Business-Coach selbstständig machte. Ihre berufliche Passion ist es, Menschen und Organisationen in der Weiterentwicklung und Transformation ihrer individuellen Modelle zu begleiten. Ehrenamtlich engagiert sich Babette in diversen sozialen und Bildungsprojekten, ist aktive Pilatestrainerin und interessiert sich für ein breites Spektrum an Themen – von Spiritualität, Yoga und Ernährung bis Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und aktuelle Technologien – Bereiche, in denen sie sich kontinuierlich weiterbildet. Babette ist fasziniert von Menschen, Büchern und dem Internet, liebt unterschiedlichste Kulturgenres an Musik, Kunst, Film, Architektur und Design, die Berge als Kraftort und ist überzeugter „Foodie“. Am liebsten verreist sie mit ihrem Mann und den zwei Teenagerkindern. Sie lebt mit ihrer Familie und einer fröhlichen Tierschar in der Nähe von Frankfurt am Main.

Cornelia Sengpiel, *1967, studierte europ. Betriebswirtschaft am ICADE, Madrid und ESB, Reutlingen. Über 15 Jahre lang war sie beruflich in internationalen Großkonzernen (Procter & Gamble; Wella) und in der Beratung (McKinsey) tätig, bevor sie ein eigenes Start-up gründete, eine Online-Community und Plattform zur Vermittlung von flexiblen Arbeitsmodellen, insb. für Mütter. Nach einem mehrjährigen Familienaufenthalt in Spanien ist sie derzeit Managing Partner der Transformation Affairs GmbH, einer auf Veränderungsmanagement spezialisierten Unternehmensberatung. Ihr berufliches wie persönliches Leitthema ist ,Veränderung’, und um Menschen und Unternehmen dabei professionell zu begleiten, erwarb sie Zusatzqualifikationen als Coach und Change Manager. Cornelia liebt die Vielfalt und Abwechslung: Reisen über den gesamten Globus, Musik von Oper bis Pop, Tanzen bis spät bis spät in die Nacht und als Ausgleich Zen-Meditation. Ihre wahre Passion ist das Fliegen als Hobbypilotin. Geerdet wird sie als alleinerziehende Mutter durch ihren Sohn (17) und ihre Tochter (14), sowie das gesellige Beisammensein mit guten Freunden.

Unsere Geschichte

Wie konnte dieses Buch nur „passieren“?

Herzensangelegenheit? Experiment? „Selbsttherapie“? Von jedem etwas. Und die Faszination, dass es so vielen Frauen ähnlich geht, auch wenn es „da draußen“ nicht wahrgenommen wird.

Wir hatten das Empfinden, dass „etwas Neues sich einen Weg bahnte“ und gleichzeitig die Hoffnung, dass es andere Wege als die bisher bekannten, gelernten und übernommenen Modelle geben müsse. Und dass es einen Wandel bräuchte, der das Feld erweitern würde - und den wir alle mit initiieren könnten.

Mit diesen Hypothesen legten wir los. Doch dieses Projekt war weder strategist noch zielgerichtet geplant, nicht als Beruf, nicht als Zeitvertreib, nicht als Hobby, nicht als Wiedereinstieg gedacht. Es kam genauso auf Umwegen und „zufällig“ zustande, wie die Aufgaben, Themen und Jobs, die sich Frauen immer mal wieder so „aufhalsen“. „Typisch“ eben: begeistert, aber zu wenig fokussiert, keine klare Zielvorstellung, nicht genügend Gedanken auf die Einkommensmaximierung gelegt, zu wenig über Erfolg, Karriereschritte und Vermarktungschancen nachgedacht.

Vielmehr begann alles so, wie es uns gerne klischeehaft unterstellt wird: wir sitzen zusammen und reden. Diskutieren. Wollen verstehen, warum es „immer noch“ so ist wie es ist – warum uns Frauen trotz Emanzipation und jahrzehntelangem gesellschaftlichen Konsens der Moderne immer wieder und weiterhin das Thema Familie und Job so dominant beschäftigt, ganz gleich, wie ermüdend es für die Männer und Frauen ist.

Es gelingt uns nicht, dies zufriedenstellend und in voller Gänze zu beantworten. Also gehen wir auf Suche: bei der Gesellschaft, den Unternehmen, den Bildungsinstitutionen, unseren Eltern, Arbeitgebern, unserem sozialen Umfeld. Kommen immer wieder bei uns selbst an, unseren Selbstzweifeln, unseren Entscheidungen und persönlichen Rahmenbedingungen.

Es treten auch unsere Träume, kreativen Geschäftsideen, verrückten Einfälle hervor. Vermischen sich mit aktuellsten Themen, was bewegt sich, was gibt es zu entdecken, was ist da los, wäre dies und jenes nicht interessant… Die Gespräche finden immer wieder statt, über Wochen, Monate, … es werden tatsächlich mehrere Jahre. (Und manch einer wundert sich, wie man sich solange mit einem Thema beschäftigen kann, ohne ein „Ergebnis“ vorzuweisen.) Unser Lieblingssatz: „Es dauert solange wie es dauert.“

Es wird uns klar, dass alles mit allem zusammenhängt. Und viele Gedanken ganz unabhängig voneinander in unseren beiden Köpfen vorhanden sind. Wir schieben sie hin und her, zerpflücken sie, setzen sie neu zusammen, entwickeln sie weiter, verwerfen sie, bewerten sie: Muttersein und Arbeiten, Teilzeit und Fulltime, Großkonzerne und Selbstständigkeit. Geld/Finanzen und Sinnsuche, Gründen und Start-Ups, Digitale Welten und die wenigen Frauen in diesem Kontext, „Karriere machen“ und sonstige Lebenserfolge, Männer und Frauen, Kinder und unser Leben „davor“ und „danach“, Zweifel und Gestaltungswillen, Ambivalenzen zwischen „nichts geschafft“ und „eigentlich doch ganz viel erreicht“, „geht nur uns so“ und „geht ganz Vielen so“.

Die Gespräche finden nicht ausschließlich „terminiert“ statt, sondern wann und wo es gerade passt: zwischen Kinderfahrten, Essen kochen, selbstständiger Projektarbeit, Einkaufen, Telefonieren mit Kunden, Hausarbeit, Handwerker-Terminen, Sport, Konzepte und Exposees schreiben, Hund ausführen, Rechtsanwalts- und Arztterminen, Ehrenamt etc. etc. etc. Also, zwischen dem ganz normalen Wahnsinn einer „Sowohl-als-Auch“ Frau. Wir lachen viel, machen uns selbst über uns lustig, wir sprechen ganz ernsthaft und trocknen ein paar Tränen, wir sprühen vor Energie und hängen erschöpft auf dem Sofa. Irgendwann rauchen die Köpfe, der Mund ist fusselig geredet, das Hirn zermartert, auf dem Papier stehen -zig Ideen zu Gründung, Seminaren, Publikationen, Veranstaltungen, Gadgets usw.

Und dann gelangen wir endlich an den Punkt: jetzt reicht’s! Wir stellen jetzt daraus mindestens EIN Ding auf die Beine: Als Anfang. Denn es ist natürlich nicht bei den Zweier-Gesprächen geblieben, in ganz vielen anderen Gruppierungen und Zusammenkünften kommen im Austausch mit anderen Frauen fast alle Themen ähnlich zur Sprache: egal ob Fulltime-Corporate-Managerinnen, Teilzeit-Mom, Selbstständige, Gründerin, Aus- oder Umsteigerin. Und dann sagen wir uns: wir schreiben es auf! Einen Artikel. Nein, gleich ein ganzes Buch. Als Mutmacher, Leitfaden, Inspiration. Als Analyse: wo kommen wir her? Und als Perspektive: wo könnte es hingehen? Und als Initiative: so könnte man ins Handeln kommen!

Nach dem Reden kommt das Tun. Zeitungs- und Zeitschriftenartikel werden ausgeschnippelt (ja, wir sind noch aus der Papier-Generation) und ergeben zusammen nun einen vollen Altpapier-Container. Links zu Online-Artikeln und -Plattformen werden gespeichert. Webinare und Online-Kurse belegt und bearbeitet. Bücher und nochmals Bücher gelesen.

Und immer wieder: Veranstaltungen, Kongresse, Tagungen, Konferenzen, Vorträge, Podiumsdiskussionen etc. werden ausgewählt und besucht. Wir wählen unsere Komfortzone (Frauen-Netzwerkabende und Frauen-Kongresse) genauso wie die berufliche Zwischenzone (Innovations-, Marketing-, Personal-, Trendkongresse) sowie alles außerhalb unserer bisherigen Welten (Digitalisierungsvorträge, Start-up-Veranstaltungen, FinTech-Foren- & Pitches, Finance Weeks). Je neuer, desto spannender wird es. Und desto mehr entstehen Quer-Verbindungen zwischen dem einen und dem anderen Thema. Und zu unseren eigentlichen Ausgangs-Themen. Der Alltag läuft natürlich nebenher weiter, doch es ist eine Zeit der totalen Inspiration. Wie ein ,studium generale’ in der aktuellen Welt.

Das Papier mit den Business-Ideen für Unternehmensgründungen etc. wird durch zahlreiche weitere Blätter ergänzt. Wir könnten ein ganzes Unternehmensimperium aufbauen! Könnten, könnten … Vorsicht! Geredet, gedacht, geträumt haben wir ja schon genug … Nicht, dass wir das nicht weiterhin tun, aber wir sind ja nun schon eine Stufe weiter: wir handeln. Ganz konkret: wir schreiben. Zunächst euphorisch, von der Leber weg, alles was uns einfällt. Dann wird uns klar: das braucht mehr Struktur. Also schichten wir um, formulieren neu, ergänzen, freuen uns über Übereinstimmungen und wundern uns über Gegensätze. Wir haben Lust zu schreiben, das Buch fertig zu bekommen. Und dann wieder haben wir (Alltags-) Frust, der uns vom Schreiben abhält: die Kinder pubertieren zu viel, die Männer helfen zu wenig oder fallen ganz aus, die Seele braucht Versorgung, die Psyche braucht Balance, der Körper Erholung.

Dazu fällt uns ein Zitat Rudolf Augstein in die Hände: „Schreiben ist nicht schön. Schön ist, geschrieben zu haben.“ Ja und nein. Es ist auch schön, etwas entstehen zu sehen. Wir hoffen, dass dieser Begeisterungsfunke des Kreierens, des Gestaltens auch überspringt, denn darum geht es uns ja vor allem: dazu zu animieren, selbst die Gestalterin des eigenen Lebens zu werden. Oder zumindest des eigenen Jobs. Oder des ersten kleinen „Dingsda“. Was auch immer. Es ist nicht einfach, ins Doing zu kommen, und noch schwieriger dranzubleiben. Das geben wir gerne zu. Ein Projekt, von dem wir erst einmal niemandem erzählt haben, das keine von außen gesetzte Deadlines hatte und das absehbar auch keine Bezahlung als Gegenleistung erwirtschaften wird, landet natürlich als Priorität schnell mal ganz hinten auf der To-Do-Liste. Aber wenn es um Herzensthemen geht, findet sich immer mal wieder dafür eine Lücke. Daher möchten wir gerne diese Erfahrung hier teilen: machen Sie etwas, was Ihnen wirklich am Herzen liegt, für Sie Sinn macht, Sie weiterbringt oder Spaß macht, irgendwie wird es gehen. Aber machen Sie es!

Und so ist auch unser zweiter Buchteil gedacht: zusammengetragene, von uns subjektiv ausgewählte Informationen aus unserem Streifzug durch etliche Veranstaltungen, Bücher und das Internet – als Inspiration, Denkanstoß, Aufforderung über den Tellerrand zu schauen. Und ganz nebenbei ergibt sich noch etwas Anderes: es wird einem immer klarer, was man interessant findet, wie man „tickt“, was einen hineinzieht, was man nicht mehr braucht, was man vermisst und wiederhaben möchte.

Probieren Sie es selber einmal aus. Auch bei uns vollzieht sich während des Erkundens und Schreibens dieser Prozess: es wird klarer, was jede von uns als nächsten Schritt sieht bzw. braucht.

In diesem Zusammenhang gefällt uns ein Zitat von H. Scherer, den Sie noch einmal in diesem Buch finden werden: „Die Entfernung zwischen Traum und Realität nennt man Aktivität“. Nun denn. Sie sind dran.

Das ist unsere Geschichte. Welche Geschichte haben Sie? Und welche Kapitel möchten Sie noch „schreiben“ in Ihrem Leben?

I. Realitäten – „Warum Sie bisher alles richtig gemacht haben“

„Die Realität ist in der Wirklichkeit eine ganz andere.“

Die obige Aussage brachte uns zum Schmunzeln und erfuhr viel Zuspruch durch andere Frauen: viel lesen und hören wir über allgemeine Frauenthemen, Vorbilder als Karriere-Frauen und als Mütter, die Auswirkungen der Frauenquote und anderer Gender-Maßnahmen, über Chancen und Hindernisse für Frauen etc. Um uns dann umzudrehen, unser Leben zu betrachten und zu denken: ja, alles richtig, aber mein Leben sieht ganz anders aus …!

In unseren Diskussionen, weiterverfolgten Gedanken, Analysen und auch Hypothesen kamen wir in sich wiederholenden Kreisen doch immer wieder darauf zurück, wo alle Erkenntnisse über unsere Frauen-Generation ihren Ursprung haben: in der eigenen Prägung in der Kindheit, in Ausbildung und ersten Berufsjahren und durch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und Einstellungen, denen wir täglich begegnen. Im Grunde das einfache Prinzip Ursache – Wirkung. Um zu verstehen, warum in der ganzen „Frauen-Thematik“ die Dinge so stehen wie sie stehen, ist es sehr hilfreich, einfach noch einmal zu rekapitulieren, woher wir kommen … Daraus leiten sich die für viele von uns spürbaren Folgen ab. Erfahren Sie im Anschluss, welche aktuellen Entwicklungen Chancen für unsere Zukunft darstellen.

1. Ausgangssituation: Wissen, wo wir herkommen …

Gesellschaftliche und familiäre Prägung:

Unser heutiger Rucksack wurde vor einigen Jahrzehnten gepackt

Nichts ist so schwer, wie die Verhaltensweisen zu ändern, die aus der eigenen kulturellen und familiären Prägung resultieren. Denn im Kleinkindstadium wird unser Verhalten, unser individuelles ,Reaktionsspektrum‘, später unser Verständnis von Werten und Rollenbildern durch die Vorbildfunktionunserer Eltern und unseres Umfeldes angelegt. So haben das Rollenvorbild unserer Mütter, der Erziehungsstil unserer Eltern, der Umgang mit Emotionen und Bedürfnissen in der Familie etc., uns von klein auf mit Kategorien versorgt: richtig/falsch; erwünscht/unerwünscht; normal/außer der Reihe usw. Unsere späteren Ziele im Leben, die Ausprägung von Ehrgeiz und Leisstungswillen, die persönliche Vorstellung des ,richtigen‘ Lebensmodells etc., all diese Dinge sind neben der angelegten Persönlichkeit eines Menschen auch eine direkte Folge der Prägungen in unserer Kindheit.

Die (Schul-) Erziehung von Mädchen war in den 1960er-1980er Jahren auf dem Weg in die Moderne, jedoch noch im Übergang: zum einen tradiert – es gab Handarbeiten und Hauswirtschaft als Unterrichtsfächer und Attribute wie Ehrgeiz und Durchsetzungsvermögen waren noch nicht positiv besetzte Beschreibungen einer Frau. Man hörte eher, dass man „ein braves Mädchen“ zu sein hatte, „nett angezogen“, „Zuvorkommen“, hilfsbereit, respektvoll, zurückhaltend. Im Gegensatz dazu waren andere Aspekte in der Erziehung bereits durchaus ,progressiv‘: Abitur oder einen anderen guten Schulabschluss zu machen war für Mädchen erstrebenswert und wurde unterstützt. Seit dem Anfang der Achtziger-Jahre gibt es mehr Abiturientinnen als Abiturienten, dieser Trend hat sich überproportional fortgesetzt. Die Außerdem setzten sich die Botschaften der Emanzipationsbe wegungen und Gleichberechtigungsdiskussionen wurden öffentlich geführt, in der Breite durch, die Pille wurde war längst eine Selbstverständlichkeit –, und damit die Möglichkeit, den Zeitpunkt für etwaige eine Familiengründung zurückzustellen, bis eine Ausbildung bzw. der eigene Berufswunsch entsprechend abgeschlossen oder auf den Weg gebracht erfüllt waren.

Doch obwohl in unserer Jugend ein moderneres Frauenbild aufkam, wurden wir weiterhin durch unsere größtenteils nicht-berufstätigen Mütter großgezogen. Viele Mütter waren mittags zuhause (schließlich existierten Ganztagesschulen praktisch gar nicht), empfingen die Schulkinder mit selbstgekochtem Essen (oder der aufkommenden und sehr erfolgreichen Tiefkühlkost, „mit dem Blubb“), gaben ein paar Ermahnungen zum Erledigen der Hausaufgaben, überließen aber ansonsten die Gestaltung des nachmittäglichen ,Programms‘ den Kindern selbst. Diese trafen sich dann oft mit Nachbarskindern auf der Straße oder radelten zur Freundin, ins Freibad oder auf den Sportplatz. Das durchgetaktete „pädagogisch fördernde Freizeitprogramm“ inklusive Mami-Taxi der heutigen Kinder-Generation war noch nicht einmal Zukunftsmusik. (Fluch oder eher ein Segen für damalige Mütter?)

Die Mütter waren damit oft noch stark in der Rolle der ,Versorgerin vor Ort‘ ihrer Kinder, weniger Förderer und Gesprächspartner. Sie legten ihr Augenmerk mehr auf ihre „hausfraulichen Pflichten“ wie Kochen, Wäsche machen, Haus sauber und ordentlich halten, Traditionen aufrechterhalten (Plätzchen backen, Oster- und Weihnachtsdekoration, Ausrichtung von Geburtstags- und anderen Familienfeiern) und lebten ihren Töchtern oft eine Abhängigkeit (insbesondere finanzieller Art) von ihren Ehemännern vor. Diese erschienen als Väter nach der Arbeit, rückten vermeintlich zu „Iaxe“ Erziehungsmethoden der Mütter gerade, sprachen das eine oder andere „Machtwort“ und forderten Disziplin sowie ein gewisses Maß an Unterordnung der Kinder unter die Erwachsenenbedürfnisse ein. Bedürfnisse, „Befindlichkeiten“ oder gar psychologische Probleme der Kinder wurden oft nicht wahrgenommen oder schlicht nicht zugelassen. Man lehrte sich durchzubeißen, Gefühle für sich zu behalten und sich ,vernünftig‘ zu verhalten. Akzeptanz und Zuneigung der Eltern erhielt man vor allem durch Anpassung, „gutes Benehmen“ und vor allem Leistungserbringung.

Es fehlte das heute oft breiter vorhandene Bewusstsein und Handwerkszeug der Psychologie - und auch bei den Eltern selbst fand wenig Selbstreflexion über die eigene Rolle, die eigenen Gefühle und Verhaltensweisen statt.

Natürlich skizzieren wir hier ein sehr grobes Bild, das nicht auf jede persönliche Familiensituation von Ihnen zutreffen mag, doch ist es in vielen deutschen Familien zu dieser Zeit so oder so ähnlich zugegangen. Wenn Sie das weiter vertiefen möchten schauen Sie doch mal nach den vielen Büchern über diese Zeit, z. B. „Generation Golf“?

Gerade in der Pubertät kam es zu einer vehementen Abgrenzung (nicht nur der Mädchen, auch der Jungen) gegenüber der Elterngeneration, die die normale pubertäre Emanzipation im Vergleich zur heutigen Jugend deutlich übertraf. Man denke an frühe „Ökos“, Teds oder die Punkszene als extremere Beispiele dieser Neu(er)findung. Insbesondere die Mädchen erlebten immer deutlicher eine Diskrepanz wie sie als Mädchen zu sein hatten (in den Augen ihrer Eltern) und wie sie als junge Frau gerne wären. Einige „brachen aus“, doch bis heute tobt diese Zerrissenheit in vielen Frauenköpfen und –herzen unserer Generation.

Horizonte durch (Aus-)Bildung und Ambitionen:

Erste Weichenstellungen als junger Erwachsener in Richtung Karriere und Erfolg

Die Chance, eine eigene „Karriere“ anstreben zu dürfen und den beruflichen Erfolg in den Lebensmittelpunkt zu stellen, faszinierte die jungen Frauen.

Die Frau mit Abi gehörte damit zunächst einmal an die Uni und nicht an den Herd. Und da ging sie dann auch hin. Studierte, machte super Abschlüsse (in den 80ern waren rund 40 % der Hochschulabsolventen Frauen) und startete mit großen Ambitionen ins Berufsleben. Als Vorbild in der Berufswelt wirkten dabei eher die Rollenvorbilder der arbeitenden Väter: männliche Verhaltensmuster und Denkweisen wurden mangels weiblicher Rollenbilder kopiert, es ging um Erfolg, Karriere, Zielorientierung, Durchhaltevermögen, Leistungsbereitschaft, Einsatz und Kompetenz. Sogar die Mode der ausgehenden 1980er, frühen 1990er Jahre trugen dem Rechnung. Frauen kleideten sich männlich: eher im Hosenanzug als im Kleid, mit weiten Oberteilen und überdimensionierten Schulterpolstern.

Und sie waren damit erfolgreich! Selbstzweifel wurden durch Erwerb von Fachwissen und anderen beruflichen Kompetenzen kompensiert, eigene Bedürfnisse wurden hintenangestellt und durch ein enormes zeitliches und emotionales Engagement für den Arbeitgeber ersetzt, der Spaß an der Arbeit kam durch starke Identifikation mit den Kollegen, der Unternehmensmarke, den Anreizen durch Gehaltserhöhungen und Beförderungen – also eher von außen motiviert als intrinsisch. Die Arbeit und das dort Erreichte war prägend, verschafften der jungen Frau erstes Ansehen und finanzielle Freiheiten, die entsprechend in Statussymbolen und Urlauben ausgelebt wurden. Begriffe wie Yuppies (Young Urban Professionals) oder DINKS (Double Income, No Kids) gehen auf diese Zeit zurück. Erfolg maß sich innerhalb des Unternehmens an der Anzahl der Deckenlampen oder wahlweise der Fenster des eigenen Büros (ja, Einzelbüros!), des Firmenwagenmodells oder in welcher Flugzeugklasse bei Business Trips gereist werden durfte. Work-Life-Balance war noch gar kein genutzter Begriff und nicht einmal als Konzept präsent, genauso wenig wie Sinnsuche in der Arbeit, Passung zur eigenen Persönlichkeit, Gesundheitsvorsorge am Arbeitsplatz etc.

Es sah ganz so aus, als ob einem als Frau endlich alle Türen genauso offen standen wie den Männern, bis ganz nach oben, und alles nur eine Frage der eigenen Einsatzbereitschaft, des eigenen Könnens und Fleißes war.

Realität der Arbeitswelt:

Karriereentwicklung von jungen berufstätigen Frauen stößt auf „think manager = think male“

Nun, es sah alles so leicht aus. Und für einige war es das auch, sie starteten durch und kamen weiter oben oder sogar ganz weit oben an. Doch bei näherem Hinschauen sahen sich viele der berufstätigen Frauen nach einer ersten Karriereentwicklung doch mit bestimmten Realitäten konfrontiert, die sie so nicht für sich persönlich erwartet hatten oder nicht wahrnehmen wollten: die Kultur der meisten Unternehmen war eine – oft über Jahrzehnte – männlich geprägte. Kriterien für Erfolg und weiteres Potenzial wurden an „typisch männlichen Verhaltensweisen“ und Parametern festgemacht. Gerade die in der Führungsetage oft noch sitzende „alte Herrenriege“ hatte wenig Verständnis für weibliche „Besonderheiten“ und sprachen Frauen zwar nicht zwangsläufig die fachliche, wohl aber die Führungskompetenz ab.

Einige Frauen stießen plötzlich an die begrifflich geprägte „gläserne Decke“, je näher sie diesen männlich dominierten Führungsetagen kamen. Eine ehemalige Kollegin formulierte es treffend: „Die Männer in der Geschäftsführung kannten damals die Frauen nur in der Rolle der Schwester, Tochter oder Mutter. Wenn sie sie plötzlich als Geschäftspartnerin in der Führungsriege oder gar als Chefin akzeptieren sollten, konnten sie damit nichts anfangen.“

Über das Phänomen dieses sogenannten ,unconscious bias‘, einer „unbewussten Voreingenommenheit“ hinsichtlich manifestierter Geschlechter-Stereotypen wurde und wird weiterhin viel geforscht und diskutiert. Die Ergebnisse zeigen unter anderem: „Typisch Mann“ erhält sehr ähnliche Zuschreibungen wie die Begriffe „Manager/Karriere-Mann“, also zum Beispiel hohe Kompetenzwerte. Bei Frauen hingegen klaffen die Zuschreibungen von „Typisch Frau“ und „Managerin/Karriere-Frau“ diametral auseinander: Frauen sind demnach typischerweise Hausfrauen, Sekretärin oder gar Mauerblümchen. Die Kongruenz zu „Manager-Attributen“ ist da weit weg.1 Als Fazit bleibt: ‘Think manager = think male“. Denken wir an Führungskräfte, sind wir automatisch im Kopf beim „typischen Mann“, die Sonderposition der Frau bleibt in der Wahrnehmung bestehen.

War das nur „damals“ so und sieht heute die Situation schon ganz anders aus? Wir fragen uns auch heute: Wie stark unterstützen wir bereits in der Kindheit und Jugend die bekannten Stereotypen? Sind es nicht auch hier die vermeintlichen Vorbilder der Familie, die Frauen immer wieder in „typisch weibliche Berufe“ abtauchen lassen? Oder ist es eine natürliche Affinität? Eine Hol-Schuld der Frauen? Eine Bring-Schuld der Unternehmen? In welche Berufe gehen unsere Töchter?

Wie schwerfällig und langsam ändert sich der Bildungsapparat hinsichtlich der Thematik, junge Mädchen gezielter und frühzeitig an Technik und MINT2 heranzuführen…Wo sind dafür die Vorbilder, die „Role Models“? Denn, auch das sagen Experten: Frauen haben eine Sogwirkung auf andere Frauen. Es gibt in Teams die „kritische Masse“ von 2-3 Personen – diese Frauen ziehen automatisch andere mit hinein, …daraus kann eine Eigendynamik entstehen.

Bezogen auf unsere eigene Prägung und die beruflichen Erfahrungen in den 1990er Jahren bleibt in diesem Kontext festzuhalten, dass diese Verhaltensmuster nicht nur ebenfalls existierten, sondern sicherlich weitaus stärker verbreitet und gesellschaftlich akzeptierter waren, als dies heute der Fall ist – gerade, weil sie noch nicht Gegenstand von Untersuchungen waren. Für viele der damals jungen, berufstätigen Frauen galt es, sich im Arbeitsalltag diesen männlichen Strukturen zu stellen und damit klar zu kommen, sich anzupassen oder …eben auszusteigen, um sich andere Alternativen zu suchen.

Familienrealitäten und Wirklichkeitskonstruktionen:

Wenn der Traum in der Rush-Hour des Lebens nicht aufgeht

Und während die Frauen in dieser Zeit ihre ersten Karrierestufen durchlaufen, beginnt ein weiterer prägender Lebensabschnitt: die Familiengründung.

Und mit der Familie kommen plötzlich trotz Planungen,Überlegungen und Vorstellungen völlig neue persönliche, familiäre und berufliche Realitäten auf alle zu - und darüber hinaus eine Fülle an Erwartungen: wie es sein sollte, wie es gehen könnte, wie es tatsächlich läuft, wie andere das (vermeintlich) schaffen, usw.

Einige Phänomene und „Wirklichkeiten“ haben wir uns dazu näher angeschaut:

a) Mangelnde Vorbereitung auf die Realitäten hinsichtlich Mutterschaft, Ehe und Familie

b) „Regretting motherhood/enjoying motherhood“

c) Verteilung der Hausarbeit und Kinderbetreuung

d) Was gewinnen Mütter hinzu? Studienerkenntnisse

e) Konstruktionen: Teilzeit, Zuhause bleiben, Komplettbetreuung oder

f) Berufsumfelder für männliche Erwerbsbiografien

g) Gender Time Gap

Mangelnde Vorbereitung auf die Realitäten hinsichtlich Mutterschaft, Ehe und Familie

Märchen enden meist damit, dass die Prinzessin mit ihrem frisch angetrauten Prinzen in ein Leben voller Glück fährt, Kinder bekommt und „…wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.“ Doch da, wo das Märchen aufhört, fängt für moderne „Prinzessinnen“ die Herausforderung erst an.

Basieren unsere weiblichen Träume und Vorstellungen nicht auch irgendwie auf den Grimm’schen Märchen? Jedenfalls haben wir ein hochidealisiertes Bild, wie ein Leben in der Familie und mit Kindern auszusehen hat. Keiner sagt uns, was wirklich passiert, wenn Kinder da sind. Was es bedeutet für alle Beteiligten. Die Märchen erzählen nichts von zu wenig Schlaf, Kleinkinderkrankheiten, pubertierenden Teenagern, körperlichen Erschöpfungen, Konflikten, Wünschen, (Über-) Forderungen.

Natürlich lieben wir unsere Kinder und Familien über alles. Aber mit dem Prinzessinnentraum der Märchen hat der damit eingezogene Alltag trotzdem wenig bis nichts zu tun. Wir werden weder in unserer Jugend noch durch die Schule oder unser persönliches Umfeld auf die Realität von Mutterschaft/Familie/Ehe vorbereitet, d. h., dass es anstrengend ist, nicht nur glücklich macht, Verzicht von uns erfordert und uns zeitweise an die Grenzen unserer Leistungsfähigkeit und Einsatzbereitschaft – psychisch wie physisch – bringt.

Trotz vielfacher Diskussionen in Öffentlichkeit, Medien und im Privatem sind viele auf die tatsächliche Realität in dieser Form nicht gefasst. Das bedeutet, dass wir erst mit den auf uns zukommenden Veränderungen durch Mutterschaft und ihren Auswirkungen auf uns selbst, die Partnerschaft, den Beruf, das Umfeld und den veränderten Alltag verstehen, welchen „Impact“ dies alles hat: nicht, weil wir naiv oder idealistisch sind, sondern weil intuitiv das Bild unseres Glückes und damit die Erwartungen anders geprägt wurden - und niemand uns etwas Gegenteiliges je gesagt hatte (oder es zu dem Zeitpunkt für uns nicht relevant oder nachvollziehbar war?).

Und womit viele erst recht nicht rechnen: dass sich die Mutterschaft auf die eigene Einstellung zum Beruf auswirkt. Dass entweder rein physisch die Energie für den Turbo-Karriere-Job nicht mehr ausreicht oder, dass plötzlich doch der Wunsch da ist, viel mehr Zeit mit dem Nachwuchs zu verbringen, ihn in seiner Entwicklung zu begleiten. Für viele verschieben sich schlicht die Prioritäten – was mal wichtig erschien, ist plötzlich Nebensache. Selbst wenn man weiter im Beruf aktiv bleibt oder sich auch für die Vollberufstätigkeit weiterhin entscheidet: die Überlegungen und teilweise auch Zweifel dazu bleiben ab diesem Moment ein ständiger Begleiter.

Wir haben immer wieder gehört, dass Frauen vor Antritt ihres Mutterschutzes noch ganz überzeugt angekündigt haben, so bald wie möglich nach der Geburt wieder arbeiten gehen zu wollen… und dann doch erst einmal eine längere Familienpause eingelegt ...

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "WANDELMUTter" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen






Teilen