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Vorsicht, süß und sinnlich!

1. KAPITEL

Was sollte daran so komisch sein?

Daniel Warren, der mit drei seiner Mitarbeiter das Modell schleppte, bemerkte die belustigten Blicke der attraktiven Blondine. Zugegeben, das Gebäude fiel nicht gerade klein aus. Aber es musste schließlich auch nach Texas passen, dem zweitgrößten Bundesstaat der USA.

Und das neue Clubhaus des renommierten Texas Cattleman’s Club sollte richtig etwas hermachen. Darum wies die Architektur auch markante stilistische Merkmale auf. Wie zum Beispiel das über sechs Meter hohe, mit Rindsleder bespannte und von Stierhörnern geschmückte zweiflügelige Tor, das keineswegs übertrieben wirkte.

Oder vielleicht doch?

„Boss, dieses Ungetüm wiegt ja eine Tonne!“, beschwerte sich sein Stellvertreter Rand Marks.

Auch die beiden anderen Assistenten wirkten nicht gerade begeistert, als ihr Chef stehen blieb. In geschäftlichen Dingen galt Daniel als ebenso talentiert wie entschlossen. Daher konnte er sich auch nicht erinnern, jemals eine seiner Entscheidungen im Nachhinein angezweifelt zu haben.

Bei dieser Ausschreibung hatte er seine gesamte fünfzehnjährige berufliche Erfahrung in die Waagschale geworfen, um die Mitglieder der Jury zu beeindrucken – und zwar sowohl die traditionsbewussten als auch die fortschrittlicher gesinnten.

Und doch schien der zweifelnde Blick dieser umwerfenden blonden Frau heißer als ein Brandzeichen auf seiner Haut zu brennen.

Wer war sie überhaupt?

„Sorry, ich möchte Sie nicht aufhalten, aber Sie müssen Abigails Bekannter aus New York sein.“

Beim angenehmen Klang ihrer sinnlichen Stimme, die einen leichten Südstaatenakzent aufwies, überlief Daniel ein wohliger Schauer.

Aus der Nähe betrachtet wirkte sie sogar noch anziehender. Sie trug eine Pelzjacke, enge Jeans und sah aus, als käme sie direkt aus einem mondänen Wintersportort.

Sie hatte feine Gesichtszüge und strahlend grüne Augen mit dichten Wimpern. Aber am meisten beeindruckten Daniel ihre langen Haare: Deutlich spürte er den Impuls, sie zu berühren.

Ihr beeindruckendes Erscheinungsbild änderte allerdings nichts an der Tatsache, dass ihre Reaktion auf sein Modell ihn zutiefst irritierte. Immerhin war er ein überaus erfolgreicher Architekt, dessen Arbeit sehr geschätzt wurde. Ihr … Amüsement sollte sie sich daher besser schenken. Auf unmaßgebliche Meinungen wie ihre war er glücklicherweise nicht angewiesen.

Endlich gelang es Daniel, den Blick von ihren wunderschönen Lippen zu lösen. Er räusperte sich und antwortete: „Ja, richtig. Ich bin Abigail Langleys Bekannter …“

„Daniel Warren“, vollendete sie den Satz. Dabei klang ihre Stimme so süß, als hätte die Blondine gerade heiße Schokolade getrunken. „Sie sind der Stararchitekt aus New York.“

Daniel zögerte. Machte sie sich über ihn lustig? Oder flirtete sie mit ihm? Wer konnte das bei Südstaatenschönheiten schon sicher sagen?

„Ob Star oder nicht … Sagen wir mal so: Man kennt mich.“

Die Schöne trat von einem Bein auf das andere und schob den Träger ihrer Designertasche höher auf die Schulter.

„Sind Sie auch eine Bekannte von Abigail?“, erkundigte er sich.

„Ja. Abigail kennt hier eigentlich jeder. Ihr verstorbener Mann war der Urururenkel von Tex Langley, dem Gründer des Clubs.“

Sie beugte sich näher zu ihm hinüber, und er nahm ihre angenehm süße Duftnote wahr – verführerisch und gefährlich zugleich.

„Ich wette, dass sie die Wahl gewinnt und Präsidentin des Clubs wird“, vertraute sie ihm an. „Egal was der rückständige Brad Price dazu sagt.“

In diesem Moment trat ein Mann Mitte vierzig zu ihr. Er sah Daniel beiläufig an und wandte sich dann in lang gezogenem Texanisch an die Blondine: „Meine Liebe, man erwartet uns drinnen.“

„Ich begrüße gerade einen Gast unserer Stadt“, erwiderte sie, wies mit dem Kopf in Daniels Richtung und lächelte.

„Boss?“

Ach ja, an seine Mitarbeiter hatte Daniel gar nicht mehr gedacht!

„Unsere Arme werden immer länger“, stöhnte Rand. „Stört es dich, wenn wir mit dem Modell schon vorgehen?“

„Kein Problem“, sagte Daniel und trat einen Schritt zurück. Dann gab er der Blondine die Hand. „Daniel Warren“, stellte er sich vor.

„Elizabeth Milton.“ Ihre Hand war zierlich, aber ihr Händedruck ausgesprochen fest. „Und das ist Chadwick Tremain.“

„Mr Warren.“ Chadwick Tremain übersah absichtlich Daniels ausgestreckte Hand und nickte nur kurz. Dann legte er den Arm um Elizabeth. „Komm, wir gehen rein.“

Elizabeth drehte sich um und sah, wie Daniels Mitarbeiter in den Club gingen. Dabei fielen ihr die langen Haare in weichen Wellen über die Schulter. „Geh schon voraus“, sagte sie zu Chadwick. Ich komme nach.“ Dann wandte sie sich wieder Daniel zu.

„Aber ich habe zu Mr Michaels gesagt …“

„Chad“, unterbrach sie ihn und löste sich aus seiner Umarmung. „Wir treffen uns drinnen.“

Chad gab einen unwilligen Laut von sich, zog seine Krawatte zurecht und ging in den Club.

„Ihr Lebensgefährte scheint mich nicht besonders zu mögen“, stellte Daniel amüsiert fest.

Sie lachte, und die grünen Augen funkelten vor Vergnügen. „Lebensgefährte? Chad ist mein Finanzberater. Er hat ein Auge auf mich geworfen.“

„Brauchen Sie denn jemanden, der auf Sie aufpasst?“

Sie zog die Brauen hoch. „Wie man’s nimmt.“

Nebeneinander gingen sie langsamen Schrittes auf die Eingangstür zu.

„Sie klingen wie ein Yankee“, sagte sie. Mit einem Blick auf seinen schwarzen Wollmantel fügte sie hinzu: „Und Sie sehen auch aus wie einer. Typisch Nordstaaten eben. Aber in Ihrer Stimme höre ich einen Hauch von South Carolina heraus, oder täusche ich mich da?“

Überrascht sah er sie an. Sein Wegzug, seine Flucht, lag Jahre zurück. Kaum jemandem fiel noch sein leichter Südstaatenakzent auf.

„Ich wohne schon lange nicht mehr in Charleston.“

„Und vermissen Sie nicht …“

„Nein“, unterbrach er sie und lächelte. „Gar nicht.“

New York lag gerade weit genug weg vom Süden und den damit verbundenen Erinnerungen. Und dieser Aufenthalt hier in Texas war rein beruflicher Natur. Sobald alles erledigt war, würde er sofort zurückfliegen in das Leben, das er sich aufgebaut hatte und das er liebte.

„Ich hoffe, Sie werden sich das eine oder andere ansehen, solange Sie hier sind?“, sagte Elizabeth, während sie neben ihm herging.

„Ich weiß, Texas, der Lone Star State – so genannt, weil er einen einzelnen Stern in seiner Flagge führt –, ist berühmt für Fort Alamo, riesige Cowboyhüte und … Langhornrinder.“

Sie lachte. „Oh, Sie wissen gut Bescheid. Ich glaube, ganz so schlecht ist Ihr Entwurf gar nicht.“

Daniel fragte sich, was sie wohl für einen guten Entwurf hielt. Aber erstens war er der Fachmann und nicht sie. Und zweitens wollte er nicht seine kostbare Zeit mit einer Frau verschwenden, deren Horizont nicht über Ölfelder und Erinnerungen an den Wilden Westen hinausreichte.

Jedenfalls war das ganz und gar nicht seine Welt.

Sie betraten das Foyer des Clubs, das mit dunklem Holz vertäfelt war und den Charme längst vergangener Tage versprühte. Daniel wollte sich von seiner neuen Bekannten verabschieden, aber Elizabeth Milton hatte ihre Aufmerksamkeit auf eine Tafel über der Tür gerichtet.

„Hat Ihnen Abigail hiervon erzählt?“, fragte sie.

Daniel betrachtete die geprägten Buchstaben. Verantwortung. Gerechtigkeit. Frieden, las er.

„Der Wahlspruch des Texas Cattleman’s Club“, erklärte sie fast ehrfürchtig. „Starke Worte, selbst wenn man die Legende um ihre Entstehung nicht kennt.“ Sie sah ihn so unschuldig an, dass ihm warm ums Herz wurde. „Fragen Sie mal Abigail nach der Geschichte“, schlug sie vor. „Wird Sie sicherlich interessieren. Eine gute Arbeitsgrundlage.“

Daniel biss die Zähne zusammen. Lag in dieser Äußerung womöglich eine verborgene Kritik? Doch er entschied, seinen Stolz beiseitezulassen. Wenn es tatsächlich eine Anekdote gab, die ihm als Inspiration dienen konnte, umso besser. Und wie konnte er einer attraktiven Frau wie dieser Elizabeth Milton überhaupt böse sein?

Gerade zog sie ihre teure Jacke aus und sah in Richtung des Restaurants, wo Mr Tremain auf sie wartete.

„Vielleicht sehen wir uns mal wieder“, sagte Daniel hoffnungsvoll.

Ihr ironisches Lächeln sah wunderschön aus. „Gut möglich. Ich bin nicht gerade selten hier.“

Als sie ihm zum Abschied zunickte, hätte er sie am liebsten festgehalten. In vergangenen Tagen hätte der Held die Heldin jetzt zu einem Drink eingeladen, aber diese Zeiten waren leider unwiederbringlich vorbei.

Daher lächelte er nur, als sie sagte: „Dann viel Glück, Mr Warren. Und einen schönen Aufenthalt hier in Royal.“

Er sah ihr nach, wie sie in ihren sündhaft engen Jeans durch den massiven dunklen Türrahmen ging.

Kein Zweifel, sie war eine Texanerin durch und durch, aber egal ob sie ihr ganzes Leben im Sattel verbracht hatte oder nicht: Sie bewegte sich so elegant wie ein Topmodel auf dem Laufsteg.

Er spürte, wie er den Mund zu einem anerkennenden Lächeln verzog: Diese Elizabeth Milton war ohne Zweifel eine ganz besondere Frau.

Im letzten Moment, ehe sie ganz aus seinem Blickfeld verschwunden war, rief er ihr nach: „Miss Milton!“

Sie wirbelte herum.

Daniel zog seinen Mantel aus und fragte so beiläufig wie möglich: „Sie wissen doch sicher, wo man hier gut essen kann. Ich meine, abgesehen vom Restaurant hier im Club.“

Aus ihren großen grünen Augen sah sie ihn aufmerksam an. „Aber sicher, Mr Warren.“

„Wenn es so ist, würden Sie mit mir zu Abend essen? Dann können Sie mir gleich die Geschichte des Wahlspruchs erzählen.“

Sie knabberte an der Unterlippe und schob die Hand in die Gesäßtasche ihrer Jeans. „Unter einer Bedingung.“

„Dass wir nicht über Baupläne reden?“

Sie lachte – ein angenehmes, helles Lachen. „Ganz im Gegenteil. Ich würde sehr gern mit Ihnen über Ihren Entwurf sprechen.“

„Ja dann … müssen wir uns sogar unbedingt treffen.“

„Ungefähr fünfundzwanzig Kilometer von hier, auf der linken Seite der Main Road. Sagen wir, um sieben?“

„Kein Problem. Und wie heißt unser Treffpunkt?“

„Milton Ranch.“

Daniel hielt überrascht den Atem an. „Sie laden mich zu sich nach Hause ein?“

„Keine Sorge, Sie können mir vertrauen, Mr Warren.“ Die Hand immer noch in der Gesäßtasche wandte sie sich zum Gehen.

Über die Schulter warf sie ihm nochmals einen Blick zu. „Ich bin mir sicher, Sie werden diese neue Erfahrung genießen.“

Als Elizabeth das Restaurant des Texas Cattleman’s Club betrat, sahen viele der Gäste auf und lächelten ihr zu. Sie kannte fast jeden hier, schließlich war sie in Royal aufgewachsen.

Es hatte eine Zeit gegeben, in der sie sich gegen die Vorstellung gewehrt hatte, ihr ganzes Leben hier zu verbringen. Jetzt schien das lange her zu sein. In Wahrheit waren ihre Eltern erst vier Jahre zuvor gestorben.

Inzwischen war Elizabeth ihnen fast dankbar dafür, dass sie sie von einem Weg abgebracht hatten, der wahrscheinlich doch nicht zu ihr gepasst hätte.

In ihrem Testament hatten die Eltern festgelegt, dass sie jedes Jahr mindestens zehn Monate zu Hause verbringen musste, wollte sie ihr Erbe nicht verlieren. Und die Ranch – das hatte sie inzwischen erkannt – machte einen Großteil dessen aus, was sie war und sein wollte.

Dennoch musste sie sich eingestehen, dass die Begegnung mit Daniel Warren ihr Interesse wieder auf eine Welt außerhalb Royals kleinstädtischer Grenzen gelenkt hatte. Während sie dem Kellner ihre Jacke gab, ging ihr durch den Kopf, wie sehr sich Daniel von den Menschen hier unterschied. Er war gebildet und strahlte die Coolness und Souveränität eines echten New Yorkers aus.

Abigail hatte erzählt, welch großen Erfolg er als Architekt hatte. Er war viel herumgekommen – ein Mann von Welt eben.

Elizabeth ging zu ihrem Lieblingstisch am Fenster. Sie schätzte die typisch texanischen Werte. Und wenn sie eines Tages eine Familie gründete, würde sie mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Partner von hier wählen. Er würde ihre ganz besondere Situation verstehen und zu hundert Prozent hinter ihr stehen. Mit ihm zusammen würde sie es schaffen, die Milton Ranch zu erhalten. Architekten aus dem Norden kamen für diese Aufgabe wohl kaum infrage.

Aber bei Gott, süß war dieser Daniel Warren schon!

Chad erhob sich und zog höflich ihren Stuhl zurück, damit sie Platz nehmen konnte. „Ich wollte gerade nachschauen, wo du bleibst“, sagte er.

„Keine Angst, ich laufe schon nicht weg“, gab sie freundlich, aber bestimmt zurück.

„Ich meinte nur …“

„Schon gut“, unterbrach sie ihn leicht gereizt, setzte sich und schlug die Speisekarte auf.

Aber Chad ließ es nicht dabei bewenden. „Elizabeth, ich sehe es als meine Pflicht an, auf dich aufzupassen.“

„Ich bin doch kein Kind mehr“, erinnerte sie ihn. Seit ihrem einundzwanzigsten Lebensjahr beriet er sie aufgrund der testamentarischen Bestimmungen in Finanzdingen. Aber inzwischen war sie älter geworden, vernünftiger und verantwortungsbewusster.

„Deine Eltern wollten nur dein Bestes, als sie die Klausel in ihr Testament aufgenommen und mich zu deinem Berater bestimmt haben.“ Er beugte sich zu ihr hinüber und wollte noch mehr sagen. Aber in diesem Moment kam der Kellner, um die Bestellung aufzunehmen: ein Steak für Chad und Salat mit Pecannüssen und Avocado für sie. Nachdenklich trank Chad von seinem Eistee. Dann sagte er: „Der Mann da gerade eben, dieser Mr Warren …“

„Er ist Abigail Langleys Architekt.“ Sie lächelte und griff nach ihrem Glas. „Ich bin schon sehr gespannt, wie die Wahl im Dezember ausgeht.“

Chad lachte spöttisch. „Dieser höchst … seltsame Entwurf wird ihr dabei kaum helfen. Falls sie das denkt, ist sie naiver, als ich bisher geglaubt habe.“

Elizabeth vermied es, etwas zu dem Modell zu sagen. „Ich denke, nach dem Tod von Abigails Mann steht die Mehrheit hinter Abigails Ehrenmitgliedschaft. Und als Mitglied steht es ihr ebenso wie jedem anderen zu, für die Präsidentschaft zu kandidieren. Ohne die Vorfahren ihres Mannes gäbe es den Cattleman’s Club heute gar nicht.“

„Bei allem Respekt“, wandte Chad ein. „Wie der Name schon sagt: Es ist eben der Texas Cattleman’s Club – nicht der Texas Rancher Club. Das Ganze ist eine reine Männerdomäne.“

„Vielleicht ist gerade das das Problem“, gab Elizabeth zu bedenken.

„Nicht alle Veränderungen führen zu etwas Gutem. Manchmal entstehen daraus Zerwürfnisse und Chaos.“

Ja, und manchmal konnte gerade das notwendig und spannend sein. Aber um sich ihre zunehmende Verärgerung nicht anmerken zu lassen, schwieg Elizabeth und nahm einen großen Schluck Eistee.

„Hast du diesen Mr Warren schon mal gesehen?“, wollte Chad wissen.

„Nein.“ Sie setzte das Glas ab.

„Ein gewandter Typ scheint mir.“

Elizabeth lächelte. „Ja, kann man so sagen.“

„Vielleicht ein bisschen zu gewandt. Aalglatt kommt er mir vor. Ich traue ihm nicht.“

Jetzt reichte es. Geradewegs sah sie Chad Tremain in die Augen. „Chad, du bist ein guter Freund meiner Familie. Aber hör auf, dir ständig Sorgen um mich zu machen.“ Sie schaffte es, freundlich zu lächeln. „Okay?“

„Es ist nur so … Du liegst mir eben sehr am Herzen, Elizabeth.“

Leicht unbehaglich betrachtete sie ihn. Nur zu gut wusste sie, dass er recht hatte. Immer erschien er ihr ein wenig zu bedacht, zu ernst. Er war so gar nicht ihr Typ. Merkte er denn nicht, dass er sich vergeblich Hoffnungen machte?

Am liebsten hätte sie auch auf seine Hilfe als Finanzberater verzichtet, aber in dieser Hinsicht waren ihr durch den Wunsch ihrer Eltern die Hände gebunden. Zumindest bis zu ihrem dreißigsten Geburtstag. Nur der lag leider noch in weiter Ferne.

Sie entschloss sich, das Thema zu wechseln, und sah sich in dem gut besuchten Restaurant um. „Wo ist denn eigentlich Mr Michaels?“, erkundigte sie sich nach dem Bankdirektor, mit dem sie verabredet waren.

Chad sah auf sein Handy und nickte. „Er hat eine Nachricht geschickt, dass er aufgehalten wurde. Aber vielleicht können wir die Zeit nutzen, um noch mal alle Zahlen durchzugehen, die sich aus dem höheren Zinssatz ergeben.“

Elizabeth nippte an ihrem Tee, während sie Chad zuhörte. Aber schon bald verblasste seine Stimme für sie zu einem bloßen Nebengeräusch, so wie das Tellerklappern und die Unterhaltungen der anderen Gäste.

Am Fenster stand der Krug mit Eistee, und darüber war die Fensterscheibe etwas beschlagen. Elizabeth stutzte, als sie draußen einen Mann vorbeigehen sah. Ein dunkler Typ mit glänzenden schwarzen Haaren und grünen Augen voller Geheimnisse. Er strahlte Selbstvertrauen aus – und wenn sie nicht alles täuschte, auch etwas wie … Sensibilität.

Obwohl sie Daniel Warren erst seit ein paar Minuten kannte, schien er doch bereits zu ihrem Leben zu gehören. Bei seinem Anblick klopfte ihr das Herz bis zum Hals.

Was wohl Chad dazu sagen würde, dass sie Daniel zum Abendessen eingeladen hatte?

„Elizabeth?“, riss Chad sie aus ihren Gedanken.

„Sorry, Chad, ich war einen Augenblick abgelenkt. Was hast du gerade gesagt?“

„Dass wir wieder ein Kaufangebot für die Ranch bekommen haben. Natürlich auch diesmal von einer Gesellschaft mit ehrgeizigen Plänen. Ich habe den Herrschaften bereits gesagt, dass wir nicht verkaufen.“

Elizabeth unterdrückte ein Seufzen. „Danke, Chad, aber das kann ich selbst. Denn selbst wenn ich verkaufen dürfte – ich weiß, wofür mein Herz schlägt.“

Im Moment stimmte das mehr denn je.

Wieder sah sie aus dem Fenster. Abigail und Daniel gingen über den gepflegten Rasen.

Beim Gedanken, dass Daniel ihre Blicke bemerken könnte, wurde Elizabeth nervös. Schnell senkte sie den Blick, aber ihr Lächeln konnte sie nicht unterdrücken.

„Alles klar, meine Liebe?“, fragte Chad.

Elizabeth zerknüllte die Serviette und sah ihren Berater an, der sie neugierig – oder misstrauisch? – musterte.

„Wie gesagt, ich weiß, wofür mein Herz schlägt.“ Sie atmete tief durch und verdrängte alle Gedanken an Daniel Warren. „Für die Ranch. Und für Royal.“

2. KAPITEL

Abends steuerte Daniel seinen gemieteten SUV die letzten Meter über den Kiesweg zur Milton Ranch … und stutzte.

Normalerweise betrachtete er bei allen Gebäuden als Erstes die baulichen Besonderheiten: Lage, Umgebung, Ausrichtung, Stil, Größe …

Aber im Augenblick interessierte er sich kaum für die Ranch mit den ausgedehnten Nebengebäuden, denn seine Aufmerksamkeit wurde voll von der beleuchteten Rasenfläche in Anspruch genommen.

Er stieg aus und rieb sich ungläubig die Augen.

Waren das etwa … Flamingos?

Unter einer malerischen Magnolie standen tatsächlich weiß-rosa Kunststoffvögel! Nachdenklich rieb Daniel sich den Nacken.

„Sie kommen genau rechtzeitig.“

Daniel drehte sich um.

Im Rahmen der Haustür aus Massivholz lehnte Elizabeth. Anstelle der Cowboystiefel trug sie jetzt schwarze High Heels, die wunderbar zu ihrem engen schwarzen Kleid passten. Die blonden Haare hatte sie locker hochgesteckt, was ungekünstelt und chic zugleich aussah.

Im Schein der Verandalampe stand sie mit verschränkten Armen da und lächelte Daniel leicht belustigt und interessiert zu.

Nur die zwei Fuchsschwänze an ihrem Gürtel wirkten leicht irritierend.

Daniel überlegte und bezog dabei auch die Flamingos mit ein. Waren solche Gürtel ein neuer Trend oder einfach nur eine Art Cowgirl-Look?

„Wollen Sie den ganzen Abend hier draußen herumstehen, Mr Warren? Wir haben zwar erst Oktober, aber nachts wird es schon ziemlich kühl.“

„Ich habe gerade Ihre … Landschaftsgestaltung bewundert.“

„Die Flamingos meinen Sie? Sehen gut aus, oder?“ Als sie merkte, dass er nicht wusste, was er erwidern sollte, richtete sie sich zu voller Größe auf und lachte. „Das ist doch nur eine Leihgabe, Sie Dummkopf. Damit werden Gelder für einen guten Zweck gesammelt. Eines Morgens sind sie da, und erst wenn man gespendet hat, verschwinden sie wie von Zauberhand – um bald darauf im Garten ihres nächsten ‚Opfers‘ aufzutauchen.“

Er schloss die Wagentür und stieß einen Seufzer der Erleichterung aus. „Wenn es so ist – dann sollten Sie nicht zu lange mit Ihrer Spende warten.“

Im Näherkommen nahm er ihren süßen Duft wahr, der ihm schon bei ihrer ersten Begegnung angenehm aufgefallen war.

Doch noch etwas anderes roch köstlich – es kam aus der Küche.

Daniel hatte gar nicht gemerkt, welch großen Hunger er anscheinend hatte.

„Haben Sie etwa gekocht?“, fragte er.

Sie trat einen Schritt zur Seite, um ihn hereinzulassen.

Jetzt stand er in der großen Eingangshalle und sah sich um: viel Eichenholz und eine auffällige Natursteinwand.

„Ich habe die strenge Anweisung, das Kochen dem Fachpersonal zu überlassen“, erklärte sie lachend. Sie nahm ihm den Mantel ab und hängte ihn in einen Wandschrank. „Nita ist schon bei uns, seit ich denken kann. Sie gehört regelrecht zur Familie. Ich weiß gar nicht, was ich ohne sie täte.“

Sie führte ihn in einen Empfangsraum mit rot-grün gemusterten Vorhängen und eindrucksvollen dunklen Stilmöbeln – die Daniel nicht halb so sehr interessierten wie Elizabeths atemberaubende Figur … und ihre schlanken Beine in den schwarzen Nylonstrümpfen.

Wie benommen schaffte er es kaum, den Blick davon zu lösen – Fuchsschwänze hin oder her.

„Möchten Sie vor dem Essen etwas trinken?“, erkundigte sie sich höflich und trat hinter die Bar.

Im Schein der darüber angebrachten Lampen sah Daniel, dass in ihrem Haar viele kleine Strasssteinchen funkelten und glitzerten.

Sie hielt eine Flasche Whiskey hoch und schlug augenzwinkernd vor: „Wie wäre es mit einem Manhattan?“

Daniel lächelte und trat an den Bartresen. „Danke, sehr nett, aber ein Bier wäre mir lieber.“

Denn wie sagte ein altes Sprichwort? Wenn du in Rom bist, verhalte dich wie ein Römer … Und liebten nicht alle Texaner Bier?

„In diesem Fall …“, sie holte eine gut gekühlte Flasche unter dem Tresen hervor, „… haben wir hier dieses Bier einer örtlichen Brauerei.“

„Trinken Sie auch eins?“, fragte Daniel.

„Ich stehe mehr auf Prickelndes.“ Sie griff nach einer bereits geöffneten Flasche Champagner in einem silbernen Sektkühler.

Daniel betrachtete das Etikett. „Ein guter Jahrgang“, stellte er anerkennend fest.

„Sie kennen sich mit Weinen aus?“ Es klang mehr wie eine Feststellung als wie eine Frage.

„Ich weiß nur, was gut ist.“ Und Elizabeth Milton wusste das ohne Zweifel ebenfalls.

„Also dann? Zwei Gläser?“, fragte sie.

„Ich gieße uns ein.“

Sie stellte ein Paar elegante Champagnerkelche hin.

Daniel goss eines der Gläser ein und reichte es ihr, dann füllte er seins.

Als sie den Kopf zur Seite neigte und ihr Glas hob, funkelten ihre Augen fast ebenso sehr wie die Strasssteine in ihrem Haar.

„Trinken wir darauf, dass Abby mit Ihrer Hilfe die Wahl gewinnt“, sagte sie.

Daniel wollte gerade den ersten Schluck trinken, hielt aber inne. „Dazu muss ich meinen Entwurf aber noch mal gründlich überarbeiten.“

Verständnisvoll sah Elizabeth ihn an. „Hat er Abigail denn nicht gefallen?“

„Sie hat höflich geschwiegen, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass sie ihn scheußlich fand. Sieht so aus, als hätte ich etwas übertrieben. Ich möchte ihren Gegnern nicht auch noch Vorschub leisten.“

„Brad Price hält sich nicht immer an die Spielregeln. Manchmal ist ihm jedes Mittel recht.“ Sie gab einen Laut von sich, der mehr an das Maunzen einer Katze als an eine Unmutsäußerung erinnerte.

Trotzdem zweifelte Daniel keinen Moment daran, dass diese Frau bei all ihrer Grazie jede Menge Mut besaß.

„Hat Abby irgendwas gesagt?“

Daniel wollte sich einen genauen Bericht ersparen. „Schon ihr Blick hat mir genügt.“

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