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Vorsicht: Sex mit dem Ex

Kimberly Lang

Vorsicht: Sex mit dem Ex

1. KAPITEL

„Die Trauben sind so weit, Brenna. Ich rufe Marco an und sage ihm, dass er die Erntehelfer zusammentrommelt, damit wir morgen anfangen können.“

„Aber es ist zu früh.“ Brenna überprüfte die Zahl im Refraktometer noch einmal und war geschockt. Kein anderer in ganz Sonoma besaß Trauben, die schon so früh so reif waren. „Es sollte mindestens noch ein paar Wochen dauern.“

„Zweifelst du an meinem Urteil?“ Teds gekränkter Ton war nur zum Teil gespielt, weshalb Brenna ihren langjährigen Freund und Kollegen lieber sofort wieder zu besänftigten versuchte.

„Ganz im Gegenteil. Niemand kennt diese Trauben besser als du. Ich bin nur überrascht, das ist alles.“

Besänftigt steckte sich Ted eine Traube in den Mund und kaute, wobei sich ein glückliches Lächeln auf seinem Gesicht abzeichnete. „Diese Trauben mögen offensichtlich unsere warmen, trockenen Sommer. Du willst bloß nicht in dieser Hitze ernten, das ist alles.“

„Stimmt.“ Doch das war nur einer der Gründe. Die neuen Aluminiumtanks waren erst in der vergangenen Woche geliefert worden und standen noch kreuz und quer im ganzen Gebäude herum. Die Hauptpumpe hatte immer noch ihre Macken, es gab noch so viel Papierkram zu erledigen … und Brenna brauchte diese Wochen, um sich zu sammeln. Im Moment war sie einfach noch nicht bereit, mit der Weinlese zu beginnen.

Amante Verano fiel nun allein in ihre Verantwortung.

Nun ja, zumindest zu einem großen Teil.

Egal ob Brenna nun bereit war oder nicht, die Trauben mussten geerntet werden. Sie wusste, was sie zu tun hatte – im Grunde tat sie seit ihrer Geburt kaum etwas anderes. Aber sie hatte es noch nie alleine machen müssen. Diese Bürde lastete schwer auf ihr.

„Ich wünschte, Max wäre hier.“ Der Seufzer in Teds Stimme holte Brenna mit einem Ruck in die Wirklichkeit zurück.

„Ich weiß. Diese Trauben waren Max’ Ticket, um in die Oberschicht der Weinwelt aufzusteigen.“ Sie lächelte Ted schwach an. „Er sollte wirklich hier sein, um es mitzuerleben. Es ist einfach ungerecht.“ Nur mit Mühe blinzelte Brenna die Tränen fort, die sonst sicherlich wieder geflossen wären. Sie konnte es sich nicht leisten, vor Ted zusammenzubrechen – oder vor sonst jemandem. Max würde von ihr erwarten, weiterzumachen, und die Mitarbeiter in Amante Verano mussten daran glauben, dass sie alles unter Kontrolle hatte. „Ruf Marco an. Morgen Abend haben wir die ersten Trauben im Tank.“

Gemeinsam gingen Brenna und Ted den Hügel hinauf, wobei sie hin und wieder stehen blieben, um den Zuckergehalt der Trauben zu testen und sich Notizen zu machen.

„Hast du schon mit Jack gesprochen?“ Ted stellte die Frage viel zu ruhig und beiläufig.

Sofort begann Brennas Herz schneller zu schlagen. „Nicht seit der Beerdigung, und auch da nur für eine Minute.“ Es war sowohl unangenehm als auch schwierig gewesen, nicht zu vergessen, schmerzhaft in mehr als einer Hinsicht. Sie und Jack hatten Beileidsbekundungen ausgetauscht, Hände geschüttelt, und dann waren sie auseinander gegangen. Ende der Geschichte.

„Weiß er es?“

„Oh, da bin ich mir sicher. Max’ Anwalt hat mich angerufen, um mir die Partnerschaft zu erklären. Ich nehme an, dass er dasselbe bei Jack getan hat.“

„Und wie geht es jetzt weiter?“ Ted war der Erste, der es wagte, die Frage auszusprechen, die zweifellos allen durch den Kopf ging.

„Ich weiß es nicht. Ich bin sicher, Jack ist mit den Hotels und der Klage gegen den Fahrer, der den Unfall verursacht hat, mehr als ausgelastet. Von daher dürften wir ziemlich weit unten auf seiner Wichtigkeitsliste stehen.“

Ted wirkte nicht beruhigt.

„Nach der Weinlese mache ich einen Termin mit den Anwälten, und dann regeln wir alles.“ Aufmunternd tätschelte sie ihm die Schulter. „Geh nach Hause. Wir haben sehr anstrengende Tage vor uns.“

„Mit anderen Worten – ich sollte mich mit meiner Tochter beschäftigen, solange ich es noch kann?“

„Genau.“ Die Weinlese würde ihnen allen etwas geben, auf das sie sich konzentrieren konnten. Wenn die Lese vorbei war, würde Brenna allen bewiesen haben, dass sie mehr als fähig war, die Verantwortung zu tragen, die Max ihr hinterlassen hatte.

„Möchtest du zum Dinner zu uns kommen? Du weißt, dass du immer willkommen bist und Diane mehr als glücklich sein wird, dich durchzufüttern.“

Es war verführerisch, doch Brenna musste lernen, alleine klarzukommen. Diane hatte sie in den Wochen seit Max’ tödlichem Autounfall ohnehin schon viel zu sehr bemuttert, und Brenna musste jetzt stark sein. „Vielen Dank, aber nein. Gib meiner Patentochter einen Kuss von mir, ja?“

„Mach ich.“ Ted winkte noch einmal, dann war er verschwunden und ließ sie im Schatten des Haupthauses zurück, während er eilig den Weg zu dem kleineren Haus zurücklegte. Brenna sah das Licht in dem Apartment über dem Wein Shop, das er mit Diane und der kleinen Chloe bewohnte.

Auch Brenna hatte ein Licht angelassen, denn sie hatte sich noch nicht daran gewöhnt, abends in das stille und dunkle Haus zurückzukommen. Manchmal fragte sie sich, ob sie sich jemals daran gewöhnen würde. Vielleicht würde sie sich nach der Lese einen Welpen zulegen. Er konnte ihr Gesellschaft leisten, ihr das Gefühl geben, dass das Haus nicht ganz so leer war, wenn sie nach einem langen Arbeitstag zurückkehrte.

Ihre Schritte hallten im Korridor nach, als sie aus Gewohnheit den Weg zum Büro einschlug – jetzt, wo Max nicht mehr da war, nur noch ihr Büro. Dort wartete der Papierkram des Weinguts auf sie. Wie immer gab ihr die Arbeit eine Beschäftigung, um die langen Abende zu füllen.

Doch diesmal gelang es ihr nicht, sich zu konzentrieren. Teds Frage nach Jack hatte alles an die Oberfläche gespült, was sie bislang so erfolgreich unterdrückt hatte.

Amante Verano würde irgendwann in Jacks Terminkalender auftauchen, und Brenna hatte keine Ahnung, wie sie dann damit umgehen sollte.

Allein der Gedanke an Jack löste Gefühle in ihr aus, mit denen sie sich nicht auseinandersetzen wollte. Ihre gemeinsame Geschichte war zu kompliziert, als dass sie so hätte tun können, als gebe es sie nicht. Max war ihr väterlicher Freund gewesen, ihr Lehrmeister, und sie, Max und ihre Mom waren eine sehr glückliche Familie gewesen. Jack hatte nie dazugehört, was nur zum Teil seine eigene Entscheidung gewesen war. Wenn man dann noch ihre persönliche Vergangenheit hinzufügte, hatte man den Stoff für eine waschechte Seifenoper zusammen.

Doch irgendwann musste Brenna ihm begegnen. Bei dieser Erkenntnis schlug ihr Herz sofort einen Purzelbaum, und es half auch nicht, tief Luft zu holen und sich zur Ruhe zu mahnen. Himmel, sie sollte sich endlich wie eine reife Erwachsene verhalten, sich auf die Gegenwart konzentrieren und die Vergangenheit begraben.

Vor vielen Jahren hatte Jack ihr klargemacht, wie wichtig es war, Privates von Geschäftlichem zu trennen. „Lass nie zu, dass das Eine Auswirkungen auf das Andere hat“, hatte er zu ihr gesagt. Für ihn war es der Dreh- und Angelpunkt, und es schien zu funktionieren, denn seine Firma Garrett Properties wuchs und gedeihte an der ganzen Westküste.

Jack würde darauf achten, dass diese Sache rein geschäftlich blieb. Wenn Brenna selbst das auch hinbekam, würde vieles einfacher werden. Für alle, doch ganz besonders für sie und ihre eigene emotionale Gesundheit.

Brenna atmete tief ein. Sie würden es schaffen, eine Lösung zu finden, mit der alle leben konnten. Eine Lösung, die rein geschäftlicher Natur war und die die unschöne Vergangenheit ignorierte.

Die Tatsache, dass Brenna verrückt genug gewesen war, Jack einmal geheiratet zu haben, musste sie einfach ignorieren.

Jack hoffte inständig, dass der Hang zu geistigem Wahnsinn nicht in der Familie lag. Er betete, dass Max’ Testament nur ein Ausdruck frühzeitiger Altersverwirrtheit war, ausgelöst durch zu viel Wein – oder vielleicht auch nur ein merkwürdiger Scherz seines alten Herrn. Jedenfalls musste es eine Erklärung geben, und er wünschte sich, noch fünf Minuten mit seinem Vater zu haben, um zu erfahren, wo sich der Knalleffekt versteckte.

Andererseits war Wahnsinn die einzige Erklärung dafür, dass Jack nun ein halbes Weingut in Sonoma besaß. Er persönlich – nicht die Firma.

Und die andere Hälfte gehörte Brenna Walsh.

Den Großteil der Fahrt raus nach Sonoma verbrachte Jack damit, seine Entscheidung anzuzweifeln, sich persönlich um diese Angelegenheit zu kümmern. Sein Anwalt, Roger, hatte ihm angeboten, die Sache zu übernehmen, doch aus irgendeinem rätselhaften Grund hatte Jack das Gefühl gehabt, Brenna und er sollten diese Diskussion von Angesicht zu Angesicht führen. Je näher er jedoch dem Weingut und Brenna kam, desto klarer wurde ihm, dass dies vermutlich nicht gerade seine beste Idee gewesen war. Gott allein wusste, dass er mehr als genug Arbeit auf seinem Schreibtisch hatte. Er sollte sich besser auf seine Reise nach New York konzentrieren, um mit Garrett Properties weiter zu wachsen. Doch stattdessen hatte er beschlossen, erst diese Angelegenheit abzuwickeln.

Die Weinreben bedeckten inzwischen fast vollständig das Schild, mit dem man in Amante Verano willkommen geheißen wurde. Sie waren in den fünf Jahren, seit Jack zu dem Begräbnis von Brennas Mutter hergekommen war, um ein vielfaches gewachsen. Dicke, saftige Trauben hingen daran. Als er den Wagen in die Einfahrt zum Weingut lenkte, taten sich vor ihm endlose Reihen von Reben, das weiß gekalkte Haupthaus auf dem Hügel und das kleinere Holzgebäude auf, in dem sich der Wein Shop befand.

Es sah wenig anders aus als vor zwölf Jahren, als Max das Weingut gekauft hatte.

Das war noch gewesen, bevor sich das Hobby seines Vaters zu einer wahren Besessenheit entwickelte. Ehe er San Francisco ein für alle Mal den Rücken kehrte und hierher zog – um nur noch mit seinen Trauben herumzuspielen. Bevor Jack zum verantwortlichen Garrett in Garrett Properties wurde und die damit verbundenen Pflichten sein ganzes Leben umgekrempelt hatten.

Langsam fuhr Jack an dem kleinen Haus vorbei. Wo er Brenna wohl finden würde? In ihrem Labor? Dem Büro? Er wollte diese Angelegenheit so schnell wie möglich über die Bühne bringen, damit er sofort wieder in die Stadt zurückkehren konnte. Dieser Ort hing wie ein Stein um seinen Hals. Je eher er Brennas Unterschrift bekam, desto besser.

Er mochte Wein ja nicht mal, Herrgott noch mal!

Als Jack mit seinem Wagen den nächsten kleinen Hügel hochfuhr, sah er einen Traktor, der durch die Weinberge tuckerte und einen mit Trauben voll beladenen Anhänger hinter sich herzog.

Zwar hatte er sich nie dafür interessiert, doch selbst Jack wusste, dass es zu früh für die Weinlese war. Immerhin beantwortete es seine Frage nach Brennas Aufenthaltsort.

Brenna würde irgendwo in diesen verdammten Weinbergen stecken.

Jack seufzte. Entweder durchkämmte er die Weinberge nach ihr, oder er wartete im Haus, bis sie ihre Arbeit erledigt hatte.

„Bring’s hinter dich“, murmelte er.

Die ganze verdammte Situation verfluchend, parkte Jack seinen Wagen, trug Reisetasche und Laptop ins Haus, legte sie in dem Raum ab, der mal sein Zimmer gewesen war, und machte sich auf den Weg den Hügel hinunter, um seine Ex-Frau zu finden.

„Brenna, sie brauchen dich in der Kellerei. Die Pumpe spielt schon wieder verrückt“, rief Ted von dem Ende der Staudenreihe herüber, in der er arbeitete. „Rick hat ihr einen Tritt gegeben, aber es ist nichts passiert, deshalb hat er mich gebeten, dich rüberzuschicken.“

Brenna seufzte. Die neue Pumpe war noch immer nicht geliefert worden – es würde mindestens noch ein paar Wochen dauern, bis sie eintraf. Was mehr als genug Zeit für die Weinlese gewesen wäre, wenn sich Teds Trauben an ihren normalen Reifeprozess gehalten hätten. „Hat er ihr an der richtigen Stelle einen Tritt versetzt?“

Ted nickte. „Zweimal.“

Brenna richtete sich auf, steckte die Knipszange in ihre Gesäßtasche und streifte die Handschuhe ab, ehe sie sich mit dem Handrücken den Schweiß von der Stirn wischte. „Großartig. Genau das, was ich heute nicht tun wollte.“ Der Schweiß lief ihr in Strömen den Rücken hinunter, und sie fühlte sich klebrig und überhitzt. Zumindest kam sie auf diese Weise früher aus der prallen Sonne heraus. Sie würde Diane anrufen und sie bitten, ihr zusammen mit dem Mittagessen ein frisches T-Shirt zu bringen.

Brenna holte bereits ihr Handy hervor und wählte die Nummer, während sie ging, und bemerkte den Mann, der ihr in den Weg trat, erst, als sie schon in ihn hineinlief. Der Zusammenstoß war so heftig, dass ihr das Telefon aus der Hand fiel und zu ihren Füßen im Staub landete.

„Tut mir leid“, entschuldigte Brenna sich, während sich ein Paar starker Hände um ihre Arme schloss und ihr Halt gab. In dem Sekundenbruchteil, der darauf folgte, registrierte ihr Gehirn das feine Baumwollhemd, das merkwürdig vertraute Gefühl dieses Griffs und den gediegenen, wohlriechenden Duft, der in ihre Nase drang.

Und dann schaltete sich der Rest ihres Gehirns vollkommen ab, während es nur noch einen Gedanken zuließ: Jack!

„Es ist ein bisschen früh für die Weinlese, Brenna, meinst du nicht?“

Seine tiefe Stimme sandte einen Schauer durch ihren Körper und verstärkte den Schock. Doch sein unüberhörbarer Sarkasmus half ihr, sich wieder zu sammeln. Mit einer – wie sie hoffte – lässigen Bewegung schüttelte sie seine Hände ab und versuchte, sich seinem Ton anzupassen. „Die Trauben sind reif, wenn sie reif sind. Das solltest du wissen.“

Leider beging sie den Fehler, ihm während sie sprach ins Gesicht zu blicken. Das strahlende Blau seiner Augen traf sie so unvermittelt, dass sie einen Schritt zurücktrat. Rasch bückte sie sich, um ihr Handy aufzuheben. Doch als sie sich wieder aufrichtete, bemerkte sie, wie sein prüfender Blick über ihren Körper wanderte. Er betrachtet ihr schweißdurchtränktes T-Shirt, die abgetragene Jeans und die staubigen Arbeitsstiefel, ehe er ihr wieder ins Gesicht schaute.

Brenna konnte nur hoffen, dass er ihre glühenden Wangen auf die Hitze der Sonne zurückführte und nicht etwa auf seinen forschenden Blick. Jedenfalls pochte ihr Herz viel zu heftig, und ihre Handflächen waren feucht. Reiß dich zusammen. „Was führt dich nach Amante Verano, Jack?“

Die Frage schien ihn zu amüsieren. „Ich weiß, dass der Anwalt dir Max’ Testament erklärt hat. Du musstest doch damit rechnen, dass ich kommen würde.“

„Ehrlich gesagt, nein. Ich hatte mit einem weiteren Anruf deines Anwalts gerechnet, nicht mit einem persönlichen Besuch von dir.“ Das war die längste Unterhaltung, die sie und Jack seit fünf Jahren geführt hatten, und Brenna meisterte sie nicht besonders gut, wie sie fand. Dazu klang sie viel zu kratzbürstig.

„Hierfür brauchen wir keine Anwälte.“ Jack zog einen braunen Umschlag aus der Gesäßtasche seiner Jeans. „Wenn wir vielleicht an einen ungestörten Ort gehen könnten …“

Ein ungestörter Ort. Brennas Beine zitterten ein wenig, als die Worte eine Flut von Erinnerungen hervorriefen. Jener Sommer nach ihrem Schulabschluss, als die Suche nach einem „ungestörten Ort“ immer dazu geführt hatte, dass …

Rasch rief sie sich zur Ordnung und verbannte die Erinnerungen und das damit verbundene Prickeln in die Vergangenheit, wo sie hingehörten. „Falls du es nicht bemerkt hast, ich bin im Moment sehr beschäftigt. Du erinnerst dich doch noch daran, wie die Dinge hier laufen, oder?“

„Brenna …“ Jack biss nur mit Mühe die Zähne zusammen, was seine Frustration sehr deutlich zum Ausdruck brachte.

Ihr half es jedoch. Irritation und Verärgerung ersetzten die ersten, wesentlich gefährlicheren Gefühle. Sie würde nicht zulassen, dass Jack nach all den Jahren daherkam und so tat, als würde alles ihm gehören. Gut, die Hälfte gehörte tatsächlich ihm. Außerdem nagte das Schuldgefühl ein wenig an ihr, dass sie der Grund dafür war, weshalb er nie mehr hierherkam. Und dennoch …

Jack war nicht der Chef von Amante Verano. Oder von ihr. Was auch immer so ungeheuer wichtig war, dass es ihn aus dem ach so aufregenden San Francisco gelockt hatte, konnte verdammt noch mal warten. „Ich habe Trauben, die an Qualität verlieren, während ich hier stehe und mit dir rede. Und ich muss eine verfluchte Pumpe reparieren, wenn ich sie heute Abend noch in die Tanks bringen will. Du wirst dich einfach gedulden müssen.“

Zufrieden mit sich, weil sie das letzte Wort gehabt hatte, wollte Brenna an ihm vorbeigehen und ihre Arbeit zu Ende bringen. Doch Jack griff blitzschnell nach ihrem Arm und hielt sie fest. Dabei zog er sie näher an sich heran, als ihr lieb war.

Hitze, wirkliche Hitze von der Art, wie Brenna sie seit Jahren nicht mehr gespürt hatte, strömte durch ihren Körper. Er war ihr so nah, dass sie sich selbst in seinen Augen sehen konnte. Sie roch den herben Duft seines Aftershaves und schluckte schwer. „Jetzt nicht, Jack. Ich bin …“

„Beschäftigt, ich weiß. Das bin ich auch. Meinst du, ich wollte hierherkommen?“ Er zog die Augenbrauen zusammen und schaute sie finster an. „Ich verkaufe meine Hälfte des Weinguts“, erklärte er unumwunden.

Zuerst fühlte Brenna Schock, dann heißen Zorn. „Das kannst du nicht! Max hat die Partnerschaft so eingerichtet, dass …“

„Oh, ich bin mir durchaus bewusst, wie Max diese lächerliche Partnerschaft eingerichtet hat. Sie ist nur halb legal und vollkommen unsinnig. Aber ich habe einen Käufer gefunden, und alles, was du noch tun musst, ist zu unterschreiben.“

Brenna hatte nicht damit gerechnet, Amante Verano jetzt schon zu erben – geschweige denn, es mit Jack zu teilen. Doch er besaß nicht das Recht, seine Hälfte zu verkaufen. Sein Verhalten verschlimmerte alles. „Eher gefriert die Hölle, als dass ich etwas dieser Art unterschreibe. Tut mir leid, dass du das Abkommen unangenehm findest. Glaub mir, auch ich bin nicht gerade begeistert. Aber wir sitzen nun einmal im selben Boot.“

„Du bist mich sofort los, sobald du den Vertrag unterschrieben hast.“

Sein Griff um ihren Arm wurde allmählich schmerzhaft. Wütend schlug Brenna seine Hand fort. Daraufhin trat er zwar einen Schritt zurück, und ein Nerv in seiner Wange zuckte sichtbar.

Gereizt blickte sie ihn an. „An wen willst du verkaufen? Lass mich raten. Du hast jemanden gefunden, der eine gelegentliche Abwechslung vom Leben in der Stadt braucht und an den Wochenenden hier ein wenig auf Winzer machen will?“ Jacks Gesichtsausdruck sagte alles. „Meine Antwort lautet Nein.“

„Das akzeptiere ich nicht, Brenna. Ich will kein Weingut. Nicht mal die Hälfte davon.“

„Pech. Denn ich werde ganz sicher nicht die Hälfte all dessen, wofür Max und ich gearbeitet haben, mit jemandem teilen, der keine Ahnung davon hat.“

„Du würdest dich lieber mit mir rumschlagen? Ist das nicht schlimmer?“

Wie sollte sie Jack ihre Gründe erklären? Sie verstand es ja selbst kaum. Und würde es einen Unterschied machen, selbst wenn sie es täte? „Im Zweifelsfall entscheide ich mich lieber für den Teufel, den ich bereits kenne.“

Jack öffnete den Mund, um etwas darauf zu erwidern, doch in diesem Moment klingelte Brennas Handy. Ein rascher Blick auf die Nummer erinnerte sie an all die Dinge, die sie erledigen musste, anstatt hier mit Jack zu stehen und zu diskutieren.

„Ich werde jetzt eine Pumpe zerlegen, weil ich Wein herstellen muss. Das Gespräch ist beendet.“

Diesmal hielt Jack sie nicht auf – was gut war, denn mittlerweile war sie so wütend, dass sie ihm vermutlich eine Ohrfeige verpasst hätte. Dennoch hinderte es ihn nicht daran, das letzte Wort zu behalten.

„Es ist noch lange nicht beendet, Brenna“, rief er ihr hinterher. „Finde dich damit besser schon einmal ab.“

Jack ließ sie davonstürmen. Selbst nach zehn Jahren wusste er noch ganz genau, wann Brenna wütend war. Vielleicht war es ein taktischer Fehler gewesen, sich ihr auf diese Art und Weise gegenüberzustellen. Er hatte zugelassen, dass sein Bedürfnis, diese Sache so schnell wie möglich hinter sich zu bringen, sich über seinen Geschäftssinn hinwegsetzte. Zur Hölle, auch sein gesunder Menschenverstand schien sich verabschiedet zu haben – wie immer, wenn er in Brennas Nähe war.

Das war die einzig logische Erklärung.

Dabei hatte er das Gespräch so sorgfältig geplant – er kannte Brenna gut genug, um zu wissen, wie er am besten an sie herantrat. Doch als sie mit ihm zusammengestoßen war, hatte er sich an jede einzelne Kurve ihres Körpers erinnert und seinen ursprünglichen Plan prompt vergessen.

Er hätte wissen müssen, dass sie auf seine Neuigkeit so und nicht anders reagieren würde. Ihre gemeinsame Geschichte machte die Situation schon schwierig genug – wenn man dann noch Brennas aufbrausendes Temperament hinzunahm … Was hatte Max gesagt, kurz nachdem sie und ihre ebenfalls kupferrothaarige Mutter eingezogen waren? „Die einzigen Dinge, die ich fürchte, sind rothaarige Frauen und Putts, die hügelabwärts liegen.“ Da Jack kein Golf spielte – er besaß weder genug Zeit noch Geduld für dieses Spiel –, hatte er die Warnung damals in den Wind geschlagen. In der Folge musste er auf die harte Tour lernen, dass zumindest die eine Hälfte von Max’ Aussage der Wahrheit entsprach. Zu schade, dass er das schon wieder vergessen hatte, bevor er hierherkam.

Er hätte diese Sache seinem Anwalt überlassen sollen, anstatt zu glauben, er und Brenna könnten es einfach unter sich regeln. Zum Teufel, hatte er nicht vor langer Zeit gelernt, dass nichts mit Brenna einfach war?

Mit einem Stöhnen voller Selbstverachtung steckte Jack den Umschlag mit dem Vertrag wieder in seine Hosentasche. Heute Abend, wenn die Ernte des Tages sicher in den Tanks war, würden er und Brenna erneut reden. Schließlich konnte sie ihm nicht ewig aus dem Weg gehen.

Er musste ohnehin noch ein paar Akten in Max’ Büro durchsehen. Doch selbst mit dieser Verzögerung hatte Jack genug Zeit, sich mit ihr auseinanderzusetzen, das Geschäft zu besiegeln und spätestens morgen früh wieder aus Sonoma zu verschwinden.

2. KAPITEL

Duschen. Essen. Trinken. Der Gedanke an diese drei Belohnungen sorgte dafür, dass Brenna es schaffte, sich zurück zum Haus zu schleppen. Doch der schwarze Mercedes neben ihrem Jeep war eine unwillkommene Erinnerung an Jacks Anwesenheit. Nicht, dass sie eine gebraucht hätte. Den ganzen Nachmittag war er ihr nicht aus dem Kopf gegangen. Es hatte sie abgelenkt und ihren Blutdruck in die Höhe getrieben.

Sie ließ die schmutzigen Stiefel in der Eingangshalle stehen und steuerte schnurstracks auf die Sicherheit ihres Schlafzimmers zu. Jack musste sich in seinem alten Zimmer einquartiert haben, denn das Haus klang genauso still und leer wie immer in den vergangenen Wochen. Genau genommen war Jacks altes Zimmer jetzt die Gästesuite, aber Max hatte immer darauf gehofft, dass sein Sohn den Raum eines Tages wieder nutzen würde.

Und nun tat er es. Dazu hatte es nur bedurft, dass Max starb und ihm die Hälfte des Weinguts hinterließ. Während die Dusche den Schmutz des Tages abwusch, überfiel Brenna das ihr bereits bekannte Schuldgefühl. Max hatte nie etwas zu ihr gesagt, aber sie wusste ganz genau, dass er tief im Inneren ihr die Schuld daran gegeben hatte, dass zwischen ihm und seinem Sohn ein Keil entstanden war.

Seit zehn Jahren versuchte sie tagtäglich, es wiedergutzumachen – und wenn sie nur dafür sorgte, dass das Weingut zu dem wurde, ...

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