Logo weiterlesen.de
Vorsicht, Casanova!

Anne Oliver

Vorsicht, Casanova!

1. KAPITEL

„Sag mir noch mal, warum ich dich zu dieser Hochzeit begleitet habe, obwohl ich genauso gut im Bett liegen und meinen Jetlag ausschlafen könnte?“

Mariel Davenport schaute ihre Schwester Phoebe über den Rand des Champagnerglases hinweg an – nur dass sich in ihrem Glas Mineralwasser befand. Nach dem Stress des Packens und der Flucht vor der Presse, ganz zu schweigen von dem anstrengenden Langstreckenflug von Paris hierher, konnte sie jetzt wirklich keinen Alkohol gebrauchen.

Ihr Blick überflog die elitäre Gästeschar, die nur so vor Diamanten und teurer Designerkleidung strotzte. Einige kannte sie, doch die meisten waren Fremde. Zehn Jahre waren eben eine lange Zeit.

Phoebe warf ihr ein Lächeln zu, wobei ihre braunen Augen funkelten. „Weil du meine große Schwester bist und mich liebst, und weil wir uns seit dieser Mittelmeerkreuzfahrt vor drei Jahren nicht mehr gesehen haben.“

Mariel hob eine Augenbraue. „Nicht etwa, weil dein Freund dich sitzen gelassen hat?“

Ex-Freund“, korrigierte Phoebe, der plötzlich nicht mehr zum Lachen zumute war. Sie schenkte sich aus der Champagnerflasche nach, die auf dem Nachbartisch stand. „Kyle ist Vergangenheit.“ Sie nahm einen großen Schluck. „Männer. Wer kann ihnen schon vertrauen?“

Die Worte durchbohrten den dünnen Schutzschild, den Mariel sich mühsam angelegt hatte, seit sie aus Paris geflohen war. „Ja, wirklich, wer könnte das?“

Phoebes Augen weiteten sich. „Oh, Mari, es tut mir leid …“

„Das muss es nicht. Ich war eine Närrin; es wird mir nicht noch mal passieren.“ Sie biss sich auf die Unterlippe. Hatte sie diesen Schwur nicht schon einmal geleistet? Gerade hier in ihrer Heimatstadt?

„Das ist die richtige Einstellung.“ Phoebe nickte so entschieden, dass ihre blonden Locken auf und ab wippten. „Komm, wir mischen uns unter die Leute.“ Das glückliche Brautpaar war zwar bereits verschwunden, doch die Party hatte gerade erst so richtig begonnen. „Oder wir könnten tanzen“, schlug sie vor. „Es würde dich ablenken.“

Mariel schüttelte den Kopf. „Du weißt, dass ich eine gute Party wirklich schätze, aber nicht heute Abend.“ Welcher halbwegs klar denkende Mensch wählte ausgerechnet Silvester, um zu heiraten? Sie hob ihr Glas und deutete auf die Menge, die sich mittlerweile auf der provisorischen Tanzfläche dieses alten Landguts in den Adelaide Hills versammelt hatte. „Geh du nur. Ich bleibe einfach noch eine Weile hier.“

„Bist du sicher?“

„Absolut.“ Sie setzte ein Lächeln auf und scheuchte Phoebe davon. „Nun geh schon.“

Mariel beobachtete, wie ihre Schwester sich einen Weg durch die bunte Menge bahnte, wobei Seide und Diamanten unter dem Licht des schweren Kristalllüsters schimmerten. Erst jetzt gestattete sie sich einen tiefen Seufzer. Phoebe ahnte nichts von dem Chaos, das sie, Mariel, in Paris hinterlassen hatte. Sie wusste nur, dass es zwischen ihr und dem französischen Modefotografen Luc Girard aus war. Sieben Jahre lang war Girard ihr Geschäftspartner gewesen, davon fünf Jahre ihr Liebhaber.

Vermutlich war er auch der Grund, warum sie sich zweimal übergeben hatte – irgendwo über China. Verstohlen massierte sie ihren Magen. Der Organzastoff ihres neuesten Designerkleids knisterte leicht.

Mariel wandte der Menge den Rücken zu, nippte an ihrem Wasser und betrachtete die Gäste durch den goldgefassten Spiegel über dem Kaminsims.

War das der kleine Johnny …? Wie war noch mal sein Nachname? Mariel runzelte die Stirn, während sie den blonden Mann ins Auge fasste und ihr Gedächtnis durchforstete. Mit einem Anflug von Nostalgie bemerkte sie, dass er gar nicht mehr so klein war. Und sie mochte nichts lieber als einen Mann in einem gut geschnittenen Anzug. Als ihr Blick weiterwanderte, erkannte sie, dass mehrere Männer in gut geschnittenen Anzügen sie musterten. Und der gar nicht mehr so kleine Johnny machte sich auf den Weg zu ihr. Großartig, genau das, was sie jetzt nicht brauchte.

Natürlich wusste sie, dass sie anziehend auf Männer wirkte. Da ihr Gesicht auf unzähligen europäischen Titelseiten abgebildet gewesen war und auch in Australien immer bekannter wurde, war das unvermeidlich. Doch an diesem Abend wäre es ihr lieber gewesen, keine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen …

Nun, Überraschung, Überraschung. Daniel Huntington der Dritte, der ausschließlich auf den Namen Dane hörte, lehnte mit einer Schulter gegen den Türrahmen und beobachtete, wie Mariel Davenport Hof hielt. Eine ganze Schar männlicher Bewunderer hatte sich um sie versammelt und hing scheinbar an jedem Wort, das von ihren sinnlichen roten Lippen perlte.

Sie war die letzte Person, die er bei dieser Hochzeit anzutreffen erwartet hätte. Genauso wenig hätte er mit dem Stich in der Magengrube gerechnet, als er seinen Blick über ihr verführerisches schwarzes Neckholderkleid mit dem tiefen Ausschnitt und dem kurzen Rock gleiten ließ. Wäre er ihr nah genug, würde er wahrscheinlich ihren Nabel erkennen können.

Nicht, dass er beabsichtigte, ihr so nah zu kommen. Mit seinen eins neunzig war er groß genug, um sie sehr gut von hier aus sehen zu können. Ja, er sah alles – von ihrem nachtschwarzen Haar, das sie zu einer eleganten Hochsteckfrisur aufgetürmt hatte, bis zu den Sohlen ihrer perfekt pedikürten Füße in den sexy wirkenden Pumps.

Sie hatte ihn noch nicht bemerkt, dennoch hob er in spöttischem Gruß sein Bierglas, nahm dann einen großen Schluck des bitteren Gebräus und genoss, wie es seine urplötzlich staubtrockene Kehle hinabrann.

Ob sie in Begleitung hier war? Mit ihrem französischen Liebhaber? Merkwürdig, wie sich seine Fingernägel bei diesem Gedanken ganz von selbst in seine Handflächen gruben. Noch bis vor einer Minute hatte er mit dieser Vorstellung kein Problem gehabt.

Bis er sie wiedergesehen hatte.

Aber, nein, sie musste allein gekommen sein – wenn ihr Partner dabei wäre, da war Dane sicher, würde dieser Mann wie ein Accessoire an ihrer Seite kleben.

Er spreizte die Finger seiner freien Hand ab und beobachtete, wie sie ihren Bewunderern dieses millionenschwere Coverlächeln schenkte. Wenn es eine Sache gab, die Mariel wirklich liebte, dann Aufmerksamkeit, sei es persönliche oder die einer Kamera. Und was er so in den vergangenen Jahren über ihre Karriere gehört und auch selbst gesehen hatte, liebte die Kamera Mariel.

Die Modedesignerin, aus der ein Fotomodell geworden war.

Einen kurzen Moment dachte er daran, mit ihr zu sprechen, aber Dane verspürte keine Lust, sich in die Schar ihrer schmeichlerischen Fans einzureihen. Er konnte warten.

„Ah, da ist ja unser frisch vom Babe Magazine gekürter Junggeselle des Jahres.“ Justin Talbot stand urplötzlich neben ihm. „Ich hatte mich schon gefragt, wo du steckst, mein Freund.“

„Sieht so aus, als hättest du mich gefunden.“ Dane schaute zu ihm herüber und schüttelte innerlich den Kopf, als er die schicke taubengraue Weste mit der passenden Krawatte und dem spitz zulaufenden Hemdkragen registrierte, die Justins frisch angetraute Frau vermutlich für ihn ausgesucht hatte. Er selbst hielt nichts von formellem Dresscode – es sei denn, es handelte sich um eine Beerdigung.

„Wir sind sehr stolz auf dich“, versicherte Justin und klopfte Dane auf die Schulter.

„Du hast leicht reden“, brummte Dane, dessen Blick sich sofort wieder auf Mariel richtete. „Schließlich hast du mich vorgeschlagen.“

Als wenn er noch mehr Frauen brauchte, die ihm hinterherliefen. Seit er den Titel gewonnen hatte, versuchte eine endlose Parade an Starlets, seine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

„Betrachte es als deinen Beitrag für die gute Sache“, entgegnete Justin.

„Es gibt bessere Methoden, um Spenden zu sammeln“, versetzte Dane. „Und für die Presse ist es ein gefundenes Fressen.“

„Was hast du erwartet? Millionenschwerer Geschäftsmann, Gründer von OzRemote und begehrter Junggeselle. Hey … ist das nicht Mariel Davenport?“

Dane hörte, wie Justins Stimme nicht mehr jovial, sondern leicht atemlos klang. „Ja, scheint so.“

„Wow, sie sieht wirklich gut aus“, bemerkte Justin anerkennend. „Sogar noch besser als auf diesem Titelbild, das Phoebe uns gezeigt hat. Wie lang war sie schon nicht mehr hier? Und was macht sie jetzt bei Amys und Carls Hochzeit?“

„Zehn Jahre.“ Und fünf Monate. „Ich habe genauso wenig eine Ahnung wie du“, erwiderte Dane und starrte dabei stirnrunzelnd auf sein Bier.

„War sie nicht mit irgendeinem Franzosen zusammen?“

„Ja.“

„Hast du schon mit ihr gesprochen?“

„Nein.“ Schweiß rann Danes Rücken hinab. Himmel, es war viel zu stickig hier drin.

„Warum nicht?“, erkundigte sich Justin. „Ihr zwei standet euch doch mal ganz schön nahe. Ich erinnere mich, dass …“

„Das ist lange her.“

Ein halbes Leben … Die Nacht, bevor sie nach Europa abreiste. In ihrem Schlafzimmer, der Vollmond, der durch das offene Fenster fiel, und ihre milchweiße Haut in silbriges Licht tauchte. In ihren Augen lag so viel Staunen. Sie blickte ihn an …

Dane trat von einem Fuß auf den anderen und räusperte sich, während sein gesamtes Blut in seine Lenden zu fließen schien. „Hast du Lust auf einen Drink?“

„Wir wollen gleich fahren. Cass muss morgen früh raus. Ich sage noch schnell Mariel Hallo, ehe wir aufbrechen. Willst du mitkommen?“

Dane schüttelte den Kopf. „Ich geselle mich später zu ihr.“ Damit wandte er sich ab und steuerte auf den nächsten Kellner zu.

Doch, verdammt, er wurde von irgendeiner inneren Kraft beherrscht, die ihn dazu trieb, den Kopf genau in dem Moment zu drehen, als Justin Mariel einen Kuss mitten auf den lächelnden Mund gab. Natürlich wusste er, was diese Geste zu bedeuten hatte – ein Willkommensgruß –, trotzdem überfiel ihn eine plötzliche Anspannung, sodass er die Zähne zusammenbiss und das Bierglas fester umklammerte.

Er beobachtete, wie sein Freund ihr etwas ins Ohr flüsterte, worauf Mariel sich ganz langsam umdrehte und zu Dane herüberblickte. Genau genommen tat sie es so langsam, dass er Zeit hatte, die Wirkung ihres Gesichts, die Aufmerksamkeit, die ausschließlich ihm galt, voll und ganz auszukosten.

Auf ihren hohen Wangenknochen breitete sich eine leichte Röte aus. Sie hatte unglaublich lange Wimpern, mit denen sie jetzt einmal blinzelte, doch dann richtete sich der Blick aus diesen jadegrünen Augen frei und unverwandt auf ihn. Sie registrierte sein Haar, von dem einige behaupteten, es sei zu lang. Ihre Augenbrauen hoben sich ein wenig, als ihr Blick zu seinem leicht offen stehenden Hemd hinunterwanderte. Sein Hals kratzte; sein Adamsapfel hüpfte. Himmel, war er froh, dass er keine Frau hatte, erst recht keine Ex-Modedesignerin, die ihm vorschrieb, wie er sich kleiden sollte.

Dank Justins Einmischung blieb ihm keine andere Wahl – die Höflichkeit verlangte, dass er zumindest kurz mit ihr sprach. Er stellte sein Glas ab und setzte sich in Bewegung.

Mariel beobachtete, wie Dane Huntington auf sie zukam – seine lässige, beinahe arrogante Art war ihr wohlvertraut. Was auch immer Justin gerade redete – falls er überhaupt etwas sagte – trat in den Hintergrund.

Phoebe, wo bist du? Bring mich hier weg, flehte sie innerlich. Natürlich hatte sie gewusst, dass sie ihm früher oder später über den Weg laufen würde, aber Dane war der letzte Mann, dem sie ausgerechnet jetzt begegnen wollte. Wenn sie ihm schon gegenübertrat, dann wollte sie absolut perfekt aussehen – wollte ihm zeigen, was er all die Jahren verpasst hatte, nachdem der junge Dane Huntington von ihr als damals naiven Siebzehnjährigen für den Inbegriff der Welt gehalten worden war.

Nun, so naiv war sie heute nicht mehr, selbst wenn sie zehn Jahre gebraucht hatte, um an diesen Punkt zu gelangen. Zwar waren es nur Sekunden, die verrannen, doch sie kamen ihr wie Minuten vor. Der kühle Blick aus diesen grauen Augen blieb unverwandt auf sie gerichtet, nicht mal die Andeutung eines Lächelns umspielte seinen Mund. Mariel reckte das Kinn vor, holte tief Luft und blickte ihm herausfordernd entgegen, während er näher kam.

Manche Dinge änderten sich nie, dachte sie. Er widersetzte sich immer noch dem üblichen Dresscode, trug keine Krawatte, sondern nur ein kragenloses schwarzes Hemd mit weißen Nähten, das oben offen stand und seine gebräunte Haut erkennen ließ.

Die Modedesignerin in ihr zuckte zusammen. Schwarze Jeans zur schicksten Hochzeit des Jahres? Doch zu ihrem eigenen Bedauern führte der vollkommen unpassende Anblick dazu, dass sich ihr Puls beschleunigte.

Rasch drückte sie den Rücken durch und umklammerte ihr Glas ein bisschen fester, damit niemand sah, dass ihre Finger zitterten. „Hallo“, grüßte sie, ehe er auch nur den Mund öffnen konnte. „Frohes neues Jahr.“

Sie beugte sich nicht vor, um ihm einen Kuss zu geben.

„Mariel. Auch dir ein Frohes neues Jahr. Seit wann bist du wieder hier?“

„Ich bin gestern gelandet.“

„Gerade rechtzeitig zu Amys und Carls großem Tag.“

Seine tiefe, männliche Stimme löste ein Kribbeln in ihr aus. Endlich lächelte er, worauf ihr Herz einen Purzelbaum schlug.

„Dane hat dich zufälligerweise gestern erwähnt“, schaltete sich Justin ein, und Mariel sah, wie ein Nerv in Danes Wange zu ticken begann.

„Oh?“ Dane hatte von ihr gesprochen? „Warum das?“

„Meine Frau Cass und ich, wir wollen im Oktober nach Europa fliegen, und da du in Paris lebst, meinte er, du könntest uns vielleicht ein wenig die Stadt zeigen.“

„So, meinte er das?“ Sie warf Dane einen vielsagenden Blick zu. „Als er dort war, kam er nicht auf die Idee, mich zu kontaktieren. Wann war das – vor fünf Jahren, Dane? Mum erwähnte es in einer E-Mail.“

„Es war eine reine Geschäftsreise, Mariel“, entgegnete er. „Ich hatte keine Zeit für Sehenswürdigkeiten oder dergleichen. Kurz hin und gleich wieder zurück. Was führt dich nach Hause?“

„Die Familie. Ich brauchte eine Pause.“

„Wenn du Zeit mit der Familie verbringen wolltest, sollte man doch meinen, du würdest eine Woche früher kommen und Weihnachten mit ihnen feiern.“

Oh. „Ich muss leider gestehen, dass ich zu lange gewartet habe, und dann waren alle Flüge bereits ausgebucht.“ Sie weigerte sich, seinem prüfenden Blick auszuweichen. Wenn sie das tat, wusste er sofort, dass sie log.

„Wie schade.“

„Jetzt bin ich ja hier.“

„Offensichtlich“, erwiderte er gedehnt und hielt ihren Blick immer noch fest.

Justin, der augenscheinlich die merkwürdige Spannung, die in der Luft lag, bemerkte, wechselte das Thema. „Unser Dane hat gerade den Babe Magazine-Wettbewerb zum Junggesellen des Jahres gewonnen.“

„Tatsächlich?“ Mariel hob ihr Glas und nahm einen Schluck, denn ihr Hals war plötzlich wie ausgetrocknet. Sie bemerkte, dass Dane seinem Freund einen düsteren Blick zuwarf.

„Du erinnerst dich sicherlich“, fuhr Justin fort. „Das Babe Magazine veranstaltet diesen Wettbewerb jedes Jahr. Die Kandidaten haben Dates mit zehn verschiedenen Babes.“

„Ach, ja, dieses Magazin“, erwiderte sie trocken und legte so viel Sarkasmus in ihre Stimme, dass Dane tatsächlich ein wenig rot wurde. Wer hätte das gedacht?

„Oh, ich sehe, dass meine Frau bereits Ausschau nach mir hält“, bemerkte Justin. „Dann lass ich euch beide mal allein. Es war schön, dass wir uns mal wiedergesehen haben, Mariel.“

„Ja, fand ich auch.“ Mariel lächelte einer attraktiven Brünetten zu und beobachtete, wie Justin sich auf den Weg zu ihr machte. Dann drehte sie sich wieder zu Dane um. „Also … Junggeselle des Jahres, ja? Wie funktioniert das noch mal?“

„Es ist für einen guten Zweck“, versetzte er knapp. „Es geht darum, Spenden zu sammeln. Ich brauche einen neuen Drink – was ist mit dir?“ Energisch drängte er sie von einigen interessierten Beobachtern fort in Richtung eines Tisches, auf dessen Mitte eine Karaffe Punsch stand.

Rasch füllte er die orangefarbene Flüssigkeit in zwei bereitstehende Gläser und reichte ihr eins. „Vielen Dank“, sagte sie, wobei sie sorgsam darauf achtete, seine Hand nicht zu berühren.

„Du meinst, dass diese Babes …“, Mariel betonte das Wort mit besonderem Vergnügen, „… wo auch immer sie herkommen, die Kandidaten bewerten, und wer das beste Ergebnis erzielt, gewinnt? Auf welcher Basis bewerten sie dich, das frage ich mich.“ Sie konnte sich das Lächeln nicht verkneifen … doch irgendwo tief im Inneren schmerzte ein Gefühl, das sie beinahe vergessen hatte. „Ich kann es gar nicht abwarten, dich auf dem Cover dieses Magazins zu sehen.“

Dane schüttelte den Kopf. „Es ist nicht so schlimm, wie du denkst.“

„Was denke ich denn Schlimmes?“

„Das Date endet an der Haustür.“

Es gelang ihr nicht recht, die Verbitterung hinunterzuschlucken, von der sie eigentlich geglaubt hatte, sie schon vor Jahren überwunden zu haben, und so sagte sie: „Das wäre aber ganz was Neues für dich. Wie ich hörte, bist du mittlerweile ein regelrechter Casanova.“

Um seine Mundwinkel spielte ein nachsichtiges Lächeln, das seine Augen nicht ganz erreichte. „Glaub nicht alles, was du hörst.“

Sein lässiger Ton ging ihr durch und durch. Rasch schlug sie die Augen nieder, wobei sie den engen Sitz seiner Jeans bemerkte und die Art und Weise, wie das teure Hemd seinen Oberkörper umschmeichelte, auch wenn es für seine breiten Schultern etwas zu schmal war. „Wenn du deiner Rolle als Junggeselle des Jahres allerdings gerecht werden willst, dann solltest du mehr Wert auf deine Garderobe legen oder dir einen anderen Schneider zulegen.“

„Ah, immer noch die Modeexpertin. Dafür sieht dein Kleid ziemlich teuer aus“, konterte er, wobei sein Blick ein wenig länger auf ihrem Körper verweilte als es unter den gegebenen Umständen schicklich war. „Einer deiner Entwürfe?“

Sie begegnete seinem Blick, lächelte innerlich und nippte an ihrem Drink. „Nein.“ Ha. Offensichtlich wusste er gar nichts über ihre Karriere.

„Stimmt – du bist ja mittlerweile ein Fotomodell. Ich habe dein Bild vor ein paar Monaten hier auf einem Cover gesehen. Phoebe hat es uns gezeigt. Sehr hübsch.“

Erneut glitt sein Blick über ihren Körper. Verglich er sie etwa mit seinen Freundinnen? Wenn man nach Phoebes regelmäßigen E-Mails urteilte, hatte er mehr als genug davon.

„Ich bin kein Model mehr.“ Sie trank einen weiteren großen Schluck, um den bitteren Geschmack hinunterzuschlucken, den Lucs Verrat in ihrem Mund hinterließ.

„Oh?“

„Da bist du ja, Mari“, rief eine völlig atemlose Phoebe, die ihr Handy an die Brust presste und Mariel davor bewahrte, über ihre zerstörte Karriere reden zu müssen.

„Hi, Dane.“ Sie schenkte ihm kaum einen Blick, was Mariel den Eindruck vermittelte, dass das Leben hier seinen Gang gegangen war, während sie sich im Ausland aufgehalten hatte. Phoebe beugte sich zu ihr vor und wisperte: „Kyle hat gerade angerufen. Er will mich treffen. Jetzt.“

Mariel starrte ihre Schwester ungläubig an. „Und du hast zugestimmt? Was ist mit …“

„Ich weiß, ich weiß.“ Phoebe biss sich auf die Lippe.

„Lass nicht zu, dass er das Heft in der Hand hält, Pheebes.“

„Das werde ich nicht. Aber ich muss ihm doch zumindest ein Stück entgegenkommen, oder?“

Mariel hob eine Augenbraue, als sie das übermäßige Funkeln in den braunen Augen ihrer Schwester wahrnahm. „Und wo wäre das?“

„Oh … an einem Ort, an dem wir gerne sind. Ach, und falls ich dich später nicht mehr sehe, morgen früh werden wir uns nicht über den Weg laufen. Ich nehme einen ganz frühen Flug nach Melbourne. Da findet ein Musikfestival statt. Deshalb habe ich Brad Johnston gebeten, dich nach Hause zu bringen. Du erinnerst dich doch an Brad? Er ist schon ganz begierig, dich wiederzusehen.“

„Ah …“ Mit sinkendem Herzen blickte sie über Phoebes Schulter und sah einen ihr bekannt vorkommenden Typen mit struppigen Haaren, der sich bereits einen Weg durch die Menge zu ihr bahnte. Mehr als begierig, wenn Mariel sich nicht täuschte.

„Ihr zwei seid zusammen gekommen?“, fragte Dane.

„Ja, meine wundervolle Schwester hat mich begleitet … ähm … weil Kyle es nicht geschafft hat. Es macht dir doch nichts aus, Mari, oder?“

„Natürlich nicht, aber ich finde, du solltest daran denken, dass …“

„Kein Grund, Brad zu behelligen“, schaltete sich Dane ein. Seine Stimme klang beunruhigend tief und nah. „Es ist bereits alles geregelt. Ich bringe Mariel nach Hause.“

2. KAPITEL

„Oh? Okay … aber …“ Phoebes Blick schnellte zwischen den beiden hin und her.

„Ich kläre das mit Brad“, versicherte Dane.

„Okay. Danke, Dane. Wir sehen uns dann später, Sis.“ Phoebe hauchte einen Kuss auf Mariels Wange und verschwand in einer Wolke aus pinkfarbener Seide und französischem Parfum.

Geregelt?“, echote Mariel, während sie Dane ungläubig anstarrte.

„Warte einen Moment“, entgegnete er und setzte sich bereits in Bewegung, ehe sie nur ein Wort erwidern konnte.

Wohl kaum. Dennoch stand sie wie angewurzelt da und beobachtete, wie er Brad in ein paar Sekunden abfertigte. Warum konnte sie sich nicht vom Fleck rühren? Wieso floh sie nicht, solange noch Zeit dazu war?

Als Dane zurückkehrte, erkannte er, dass Mariel von der abrupten Wende des Geschehens ein wenig erschüttert war. Immerhin hatte sie die Gelegenheit nicht genutzt, um in der bunten Schar der Gäste zu verschwinden.

„Ich hatte gehofft, früh gehen zu können“, erklärte sie, sobald er wieder an ihrer Seite war. Sie stellte das Punschglas ab und öffnete ihre Abendhandtasche. „Genau genommen, jetzt sofort. Ich möchte dir den Abend nicht verderben. Wahrscheinlich bist du in Begleitung hier …“ Demonstrativ holte sie ihr Handy aus der Tasche. „Ich werde mir ein Taxi rufen.“

„Ich habe dir doch gesagt, dass ich dich nach Hause bringe. Und es ist kein Problem; ich bin allein hier.“

„Oh …“ Als sich ihre Blicke begegneten, sah er, wie sie diese Information abspeicherte.

Kein Problem? Dane schüttelte innerlich den Kopf. Es lag noch verdammt viel Unausgesprochenes zwischen ihnen, was zehn Jahre zurückging. Zum Beispiel eine Nacht voll jugendlicher Leidenschaft, in einem Mädchen-Schlafzimmer, das in silbriges Mondlicht getaucht war.

Die dann ein sehr hässliches Ende vor der Garage seines Vaters fand.

Keine Angelegenheit, die sie an diesem Abend klären konnten, das wusste Dane, doch ein Blick auf Brad genügte, und schon stellte sich ein unerklärlicher Besitzanspruch in ihm ein.

„Also gut“, versetzte Mariel sehr förmlich. „Dann würde ich jetzt gerne gehen, falls das okay ist. Ich habe meinen Jetlag noch nicht richtig überwunden.“

„Wir sollten uns nur noch kurz verabschieden.“ Er legte eine Hand auf ihren Rücken. Dummerweise hatte er nicht mit der Hitze gerechnet, die ihn aufgrund des elektrisierenden Körperkontaktes durchfuhr. Mariel zuckte zusammen, als habe sie sich verbrannt. Also spürte sie es auch. Interessant. Hatten sie und ihr französischer Liebhaber sich getrennt? Sie war allein zurückgekehrt, und in ihrer Stimme hatte definitiv eine gewisse Kälte gelegen, als sie von Paris sprach.

Etliche Paparazzi, die nach prominenten Hochzeitsgästen Ausschau hielten, lagen an der Einfahrt zu dem Anwesen auf der Lauer. Ein Sicherheitsmann winkte Dane durch das Tor. Sofort blitzten Fotokameras auf und zahlreiche Gesichter pressten sich gegen die Fensterscheiben.

„Bist du an so etwas gewöhnt?“, fragte Dane, während er den Wagen vorsichtig durch die Schar der Fotografen lenkte. „Ich hätte dich vorher fragen sollen, ob du damit klarkommst.“

„Allerdings. Aber in diesem Fall sind sie nicht an mir interessiert.“

„Das ist nicht gesagt. Mittlerweile bist du selbst sehr bekannt.“

„A ...

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Vorsicht, Casanova!" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple Books

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen