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VON DEN AHNEN LERNEN

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DER GROSSDÖLLNERHOF IN RECHBERG

Mühlviertel / Österreich

 

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MARIANNE GIESERT´S FAMILIE HEUTE

 

Dieses Rechberger

FAMILIEN-WURZELBUCH

widme ich

meinen beiden Töchtern

Katja und Lea,

meinen Enkelkindern

Oskar, Hollie, Leo, Lilly und Ben

sowie meinen Schwiegersöhnen

Fabian und Oliver.

VORWORT

Meine eigene Geschichte ist mit dem Geburtsort meiner Mutter – Rechberg im Mühlviertel/Österreich – stark verknüpft. So habe ich als Großstadtkind aus Berlin das Leben auf dem Land, auf einem kleinen Bauernhof in Rechberg, kennen und schätzen gelernt. Einerseits konnte ich dort als Kind in der Natur nach Herzenslust spielen, andererseits hatte ich auch Arbeiten zu verrichten. Sie waren für mich Freude und Abenteuer zugleich:

– es war das Ziegenhüten, Schweine- und Hühnerfüttern,

– das Heueinfahren oder das Kornernten in der dörflichen Gemeinschaft.

Vor allem lernte ich Menschen kennen und schätzen, die emsig und ohne Verdruss, tagein, tagaus, körperlich schwer arbeiteten – und dies mit Freude taten.

Meine Mutter Maria und ihre Familie Wastler/Windischhofer prägten mich sehr mit ihrer Herzlichkeit, ihrer großzügigen Gastfreundschaft, ihrer Fröhlichkeit und Ausgelassenheit auf den kleinen und großen Festen und mit ihrer Hilfsbereitschaft, einander bei Schwierigkeiten zu unterstützen. Platz und Essen war immer für alle da, auch wenn das Haus noch so klein war und das Essen oft durch zusätzliche Lebensmitteln ergänzt oder gestreckt werden musste.

Es wurde gemeinsam hart gearbeitet, aber auch mit viel Freude und Genuss gefeiert. Dazu gehörte ein gutes reichhaltiges Essen, viele Getränke, Gesang und Tanz. Es war eine schöne Zeit! Jetzt soll dieses Büchlein dazu beitragen, die Geschichte meiner Mutter zu erzählen und damit Rechberg, ihren Geburtsort, ein Stück mit ihrem Leben und ihren Wurzeln zu füllen.

Ich war immer wieder erstaunt, durch welch tolle Ideen und Projekte das Dorf Rechberg von Jahr zu Jahr attraktiver wurde. Es entstand der Badesee, der Großdöllnerhof wurde restauriert und zu einem Heimatmuseum ausgebaut, der Naturpark eröffnet und vieles mehr. Vor allem der Großdöllnerhof hat mich fasziniert. Hier ist ein Ort der Geschichte – als Museum – konkret nachvollziehbar und fassbar gemacht. Es ist ein wunderschöner Platz für die Menschen in der Gegenwart, zum Kraftschöpfen und Regenerieren. Darüber hinaus ein besonderer Ort für mich und meine Familie, da meine Großmutter dort am 01.02.1873 geboren wurde und bis zu ihrer Hochzeit mit Josef Wastler, am 11. Februar 1896, gewohnt hat. Dadurch hat dieser Großdöllnerhof auch heute noch etwas Einzigartiges für mich. Es ist ein Geschenk, diesen Ort meinen Kindern und Enkelkindern fassbar und nachvollziehbar machen zu können. Dazu soll auch dieses kleine Büchlein beitragen.

Es war sehr wertvoll für mich, die Geschichte dieses Dorfes und seiner Menschen ein Stück des Weges begleiten zu dürfen. Teils direkt vor Ort im Miteinander, meist aber aus der Ferne, von meiner Heimatstadt Berlin.

In diesem Wurzelbuch erzähle ich aus der Perspektive meiner Mutti, Maria Wastler, verheiratete Sikorski, über die wichtigsten und bewegendsten Etappen in ihrem Leben. Grundlage dafür waren Interviews, die ich über mehrere Jahre mit ihr geführt habe. Gleichzeitig wird ein Einblick in unsere Ahnengeschichte gegeben. Sie bezieht sich hauptsächlich auf unsere Ahnen auf dem Großdöllnerhof in Rechberg.

Ich möchte mich bei allen Rechbergern und Rechbergerinnen für die Herzlichkeit und Geborgenheit bedanken, die ich mein Leben lang hier erfahren durfte. Mein Dank gilt vor allem auch Karl Weichselbaumer, der durch sein Wirken und Tun Rechberg ein besonderes Gesicht gegeben hat. Seine Klarheit, seine Herzlichkeit und sein Wille, Dinge umzusetzen, haben mich immer besonders stark beeindruckt.

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Foto: Gemeinde Rechberg

SCHWAMMERLING IN RECHBERG

Möge dieser Ort das Prädikat „besonders wertvoll“ behalten – und mit ihm die Menschen, die hier leben in ihrer Einzigartigkeit, geprägt durch ihre Herzlichkeit, ihren Gemeinschaftssinn und durch die schöne steinreiche Natur des Granits.

MARIANNE GIESERT

März 2016

DIE GESCHICHTE DER MARIA WASTLER, GENANNT „MITZI“ AUS RECHBERG

Mit ihren Wurzeln und Erfahrungen auf den Stufen der Zeit

 

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MARIA WASTLER

 

MITZI WASTLER ERZÄHLT …

… geboren wurde ich am 19. September 1909 als viertletztes Kind meiner Eltern Maria, geb. Windischhofer, und Franz Wastler in Rechberg bei Perg in Oberösterreich.

Rechberg liegt 40 Kilometer östlich von Linz und etwa 600 m hoch im südöstlichen Teil des Mühlviertels. Das Mühlviertel als Teil der Böhmischen Masse war einstmals ein mächtiges Gebirge. Durch den Einfluss von Luft, Wasser, Eis, Hitze, Kälte und Verwitterung wurde das Gestein vor ca. 250 Millionen Jahren an seiner Oberfläche soweit abgetragen, dass heute der in großer Tiefe entstandene Granit in seiner Schönheit und Vielfältigkeit frei liegt – und das Mühlviertel entstand.

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MEIN VATER

Franz Wastler

*28.08.1873 Königswiesen
†20.06.1958 Rechberg

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MEINE MUTTER

Maria Wastler, geb. Windischhofer

*01.02.1873 Rechberg

†19.08.1958 Rechberg

So wie es zu dieser Zeit üblich war, wurde ich, wie meine Schwestern und Brüder – ohne viel Aufsehen – bei uns zu Hause geboren.

Mein Vater, der Franz Wastler, war gelernter Schuster und meine Mutter, die Maria Windischhofer, war Bauerntochter vom Großdöllnerhof in Rechberg.

Insgesamt hatte ich 11 Geschwister. Vier davon verstarben gleich oder kurz nach der Geburt. Dies war vor allem für meine Mutter sehr traurig und kräftezehrend.

NOTGETAUFTES MÄDCHEN *20.05.1896 +20.05.1896
MARIA *07.06.1897 +10.10.1897
JOSEPH *12.08.1898 +07.03.1982
CHRISTINE *18.02.1901 +04.12.1990
MARIA *18.02.1901 +05.03.1901
FRANZ *20.06.1903 +14.03.1952
ERNST *22.10.1904 +15.05.1993
KARL *04.11.1906 +12.03.1915
MARIA *19.09.1909 +16.10.2001
TOTGEBORENES MÄDCHEN *17.11.1911 +17.11.1911
GOTTFRIED *01.01.1915 +28.03.2000
ANNA *27.01.1918 +17.01.2010

Die Kindersterblichkeit (Kinder bis 5 Jahre) lag damals in der Donauregion bei 35 Prozent.

Es herrschte eine große Armut. Alle in der Familie – auch die Kinder – mussten auf ihre Weise von klein auf zum Lebensunterhalt beitragen. Sie beteiligten sich an allen anfallenden Arbeiten im Haus bzw. an der Beschaffung von Lebensmitteln.

Für das Verständnis der damaligen Zeit und die weiteren Entwicklungen möchte ich einen kleinen Einblick in das Leben der früheren Generationen geben. Mittelpunkt soll dabei der Großdöllnerhof mit meinen Vorfahren sein. Skizziert werden die unterschiedlichen Arbeits- und Lebensbedingungen im Zusammenhang mit den gesellschaftlichen und politischen Gegebenheiten und Entwicklungen der jeweiligen Epoche.

 

Einblick in das Leben meiner Vorfahren

DIE GESCHICHTE LEBT!

Um einen Einblick in das Leben der früheren Generationen zu geben, möchte ich als Erstes die Familienlinie meines Vaters, Franz Wastler, nachzeichnen und dann mit besonderem Schwerpunkt die Familienlinie meiner Mutter, Maria Windischhofer.

 

DIE WASTLER-FAMILIE

Die Familie meines Vaters Franz Wastler