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Voll erwischt

Voll erwischt

 

Kurzbeschreibung

Ludwig will nur ein paar Tage in Florida ausspannen, da stolpert der junge Anhalter Charlie in sein Leben und mit ihm Maja, ein blonder Engel.
Aber wovor will Charlie sie warnen und vor wem ist sie geflohen? Mit einem Mal steckt Ludwig mittendrin und muss überlegen, was der Grund dafür ist, das er sich für eine völlig fremde Frau in Gefahr begibt.

 


** Sidestory zu Geheimnisse. Kann aber separat davon gelesen werden. **
*** Vorgeschichte zu Charlies Welt ***

 

 

Kapitel 1

Langsam beginne ich mich zu entspannen. Vor knapp einer Stunde bin ich in Miami gelandet, sitze jetzt in einem Chevrolet Tahoe und bin auf dem Weg zum Overseas Highway in Richtung Key West.

 

Immer wenn mir in Deutschland die Decke auf den Kopf fällt, was leider in letzter Zeit häufiger der Fall ist, setze ich mich in einen Flieger, der mich nach Florida bringt.

 

Ja, ich weiß, dass Florida als das Rentnerparadies verschrien ist und dass die Farben in ‚CSI Miami’ nur gefaked sind. Ist mir aber egal. Ich stehe total auf diesen Bundesstaat. Ich liebe die Freiheit hier, ich mag es, wenn die Leute Spanisch sprechen und dass es hier niemanden interessiert, wer oder was ich bin.

 

Nachdem ich im elterlichen Unternehmen, bedingt durch den leichten Schlaganfall meines Vaters, immer mehr Aufgaben übernehme - wir haben ein großes Antiquariat in Düsseldorf - ist mein Bekanntheitsgrad gestiegen.

Das finde ich äußerst unerfreulich, denn auf einmal treten Schnorrer, Mitläufer und immer wieder Frauen, die einen Sugardaddy suchen, der sie aushält, an mich heran.

 

Nein, ich bin noch nicht im passenden Alter dafür, aber manchmal komme ich mir dermaßen steinalt vor, als wäre ich es. Keine Sorge, so melodramatisch bin ich dann doch nicht, dass ich den letzten Satz wirklich ernst meinen würde. Eher das Gegenteil ist der Fall, denn ich finde, dass ich mit meinen dreiunddreißig Jahren super in Schuss bin, mindestens drei bis fünf Jahre jünger aussehe - wofür wohl unter anderem mein jugendlicher Charme verantwortlich ist. Mein Gesicht ist ebenmäßig mit einer reinen Haut, großen blauen Augen und einer geraden Nase. Meine blonden Haare sind immer zerwuschelt, da kann ich machen, was ich will. Darum lasse ich sie einfach tun, was auch immer sie da halt so auf meinem Kopf veranstalten.

 

Ja, ich bin ein Hingucker und nutzte das auch zur Genüge aus. Entschuldigung, hier muss ich mich korrigieren. Ich habe es bis vor kurzem ausgenutzt. Jetzt bin ich an einem Punkt angelangt, wo es mich einfach nur noch langweilt.

Ich habe fast jeden Frauentyp, den es gibt, gehabt. Sämtliche Haarfarben, Brustformen und Nationalitäten. Ich hatte die Unschuld vom Lande, zickige Teufelsweiber, elitäre Schönheiten und schüchterne Studentinnen.

 

Auch was den Sex angeht, habe ich fast jedes Metier - außer fiesen Sachen - ausprobiert. Swingerclub, Gang Bang, selbst einen Dreier, bei dem ich mir mit einem anderen Mann eine Frau geteilt habe, war schon dabei. In diesem Zuge habe ich die Gunst der Stunde genutzt und direkt mal gecheckt, was denn am Sex mit Männern so toll sein soll.

 

Mein bester Freund Andreas ist schwul, sein Freund Hugo ist bi, lebt aber mittlerweile überzeugt in einer schwulen Beziehung, also kann es ja nicht das Schlechteste sein - so mein Gedankengang. Leider - falsch gedacht.

 

Es ist nicht so, dass ich es total eklig fand, den Kerl zu küssen, aber kratzende Barthaare in meinem Gesicht, anstelle von samtweicher Haut - nein danke.

Okay, wie er mit meinem Harten umzugehen hatte, wusste er, ist ja nun auch kein Kunststück. Trotzdem fand ich ihn ziemlich grob, da ist mein geliebtes Teil sanftere Behandlungen gewöhnt. Es steht darauf, wenn es mit mehr Ehrfurcht und zarter Hand umschlossen wird. Und dann der Geruch. Natürlich war der Typ gepflegt, keine Frage, aber diese maskuline Note, als würde ich mich dauernd selbst riechen, brrrr.

Ich brauche feminine, frische Düfte, die mich an gemähtes Gras, frische Laken und Sahnebonbons erinnern.

Meine Partnerin muss das Gegenteil von mir sein. Zart, filigran, sinnlich und weich.

 

Aber ich sehe das pragmatisch. Man muss es ausprobiert haben, um sagen zu können, dass es einem nicht gefällt.

 

Mein Problem, mit dem ich mich heute noch herumschlage, hat vor einigen Monaten begonnen. Da habe ich angefangen, bestimmte Frauentypen von meiner gedanklichen Liste zu streichen. Zuerst die Gruppe der Vorzeige-Frauchen. Das waren Damen, die mich zu öffentlichen Auftritten begleiteten und danach vielleicht noch mit mir das Bett geteilt haben.

Die nächste Kategorie, die einen schwarzen Balken erhielt, waren die elitären Frauen, die sich in unserem weitreichenden Freundes- und Bekanntenkreis tummelten. Neureiches Pack, deren Kinder vor Dummheit nicht wussten, wie sie den Tag herumbringen sollten. Irgendwann war es kein Sex der Welt mehr wert, dass ich mir ihre seichten Themen antat.

Für die Studentinnen fühlte ich mich irgendwann zu alt, alleinstehende Mütter kamen gar nicht infrage und die, in Anführungszeichen, normalen Frauen, die sich nach einigen Verabredungen in mich verliebten, kippten als letzte über die Reling meines Beuteverhaltens.

 

Was jetzt noch übrig geblieben war? Ganz einfach, ich selbst und meine gesunde, rechte Hand.

 

Aus diesem Grund brauche ich diese Auszeit. Ich muss mir dringend darüber klar werden, wie es jetzt weitergehen soll, und ich muss mir eine neue Kategorie ‚Frau’ erschließen, sonst wird es in naher Zukunft nicht gut für mein armes Teil aussehen.

 

In meine Gedanken vertieft, habe ich gar nicht gemerkt, dass ich schon bis Key Largo gekommen bin. Da mittlerweile mein Magen knurrt, könnte ich eigentlich schnell beim Shoppingcenter ranfahren. Da gibt es einen leckereren ‚Subway’ und auf ein gutes Sandwich hätte ich jetzt ziemlich Lust.

 

Beschwingt und satt verlasse ich nach zwanzig Minuten den Schnellimbiss. Einen großen Eistee habe ich noch für unterwegs mitgenommen. Bevor ich in meinen Wagen einsteigen kann, spricht mich ein junger Mann an. Er kann höchstens neunzehn ode zwanzig Jahre alt sein, vielleicht täuscht der Eindruck aber auch, denn er hat ein ziemliches Milchgesicht.

„Excuse me!“, beginnt er und ich verdrehe schon die Augen. Ein Engländer, das hat mir gerade noch gefehlt.

Ich kann diesen britischen Snobismus einfach nicht leiden, darum stelle ich mich auch ein wenig dumm und sage einfältig auf Deutsch: „Ich verstehe ihre Sprache nicht.“

„Oh, that’s kein Problem. Ich spreche Deutsch ein wenig.“

Verdammt, verdammt, verdammt!

Ich lächle dünn. „Was kann ich denn für Sie tun?“

„Ich mochte nach Key West, bitte. Sie fahren dorthin?“

Bei dieser Frage strahlt er mich so entwaffnend an, dass ich gar nicht anders kann, als mit einer einladenden Handbewegung auf die Beifahrerseite meines Autos zu zeigen und zu sagen: „Seien Sie mein Gast.“

Erfreut schnappt er sich seinen Seesack und schmeißt diesen auf die Rückbank, dann ist er auch schon auf dem Beifahrersitz verschwunden und hat sich angeschnallt.

 

Was habe ich mir denn da wieder eingebrockt? Kopfschüttelnd gehe ich zur Fahrerseite, starte den Wagen, fahre los und biege wieder auf die Hauptstraße ein.

Nachdem wir eine Weile geschwiegen haben, bin ich nun doch neugierig, wieso man nach Key West trampen muss. „Darf ich fragen, warum Sie nach Key West wollen?“, beginne ich die Fragerunde.

„Bitte, Sie sagen gern du. Fühle mich sonst sehr alt“, bietet er lächelnd an.

„Gut, ich bin Ludwig, Ludwig Frömmer“, gehe ich auf seinen Vorschlag ein.

„Mein Name ist Charlie Pennyweather“, erfahre ich prompt.

„Also Charlie, was verschlägt dich in diese Gegend?“ Gespannt warte ich auf seine Antwort.

„Ich suche die Exfreundin von meine Bruder. Sie ist gegangen und wollte arbeiten in Key West.“

„Suchst du sie oder besuchst du sie?“ Verständnislos werde ich angesehen.

„Na, wenn du sie suchst, dann ist sie verschwunden, und wenn du sie besuchst, erwartet sie dich.“

„Ah, ich verstehe. Ich besuche sie, aber sie weiß nicht, dass ich da bin.“

So richtig habe ich das immer noch nicht kapiert, darum muss ich noch einmal genauer nachfragen.

„Sie weiß also nicht, dass du kommst?“

„Richtig, aber ich denke, sie wird sich erfreuen, wenn ich da bin.“

Bei seinen kleinen Grammatikpatzern muss ich Schmunzeln. Sein Deutsch klingt wirklich niedlich.

„Wo hast du die Sprache so gut gelernt?“

„Von Maja. Sie war ein Jahr zusammen mit meine Bruder und es hat Spaß gemacht, Deutsch zu sprechen mit ihr. Er hat uns nie verstanden. Sehr lustig.“

 

Dieser kleine Engländer ist wirklich ein drolliges Kerlchen. Die nächsten Stunden fliegen nur so dahin, was eindeutig an seinen Geschichten liegt, die er mit Händen und Füßen sowie skurrilen deutschen Satzformen zum Besten gibt. Als wir in Key West ankommen, weiß ich fast seine ganze Lebensgeschichte.

Charlie ist neunzehn Jahre alt – na, da habe ich doch gut geschätzt - und ist in Oxford aufgewachsen. Seine Eltern sind steinreich, irgendwas mit globaler Unternehmensberatung. Er hat einen Bruder, besagten Exfreund, der doppelt so alt ist wie er. Mason, so sein Name, wurde von Charlies Mutter zur Welt gebracht, als diese noch im Teenageralter war, und Charlie kam in zweiter Ehe zur Welt, da war die Mutter bereits Ende dreißig.

Seine Eltern hatten nie viel Zeit für ihn und überließen seine Erziehung fast ausschließlich den wechselnden Nannys. Mit seinem Bruder verbindet ihn nicht viel. Der Altersunterschied war einfach zu gravierend, um eine gute Geschwisterbeziehung aufzubauen.

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