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Vier Jahre Hölle und zurück

Inhalt

  1. Cover
  2. Inhalt
  3. Titel
  4. Impressum
  5. Vorwort
  6. Kapitel 1
  7. Kapitel 2
  8. Kapitel 3
  9. Kapitel 4
  10. Kapitel 5
  11. Kapitel 6
  12. Kapitel 7
  13. Kapitel 8
  14. Kapitel 9
  15. Kapitel 10
  16. Kapitel 11
  17. Kapitel 12
  18. Kapitel 13
  19. Kapitel 14
  20. Kapitel 15
  21. Kapitel 16
  22. Kapitel 17
  23. Warnung an meine ehemaligen Glaubensbrüder
  24. Nachwort
  25. Informations- und Beratungsstellen für Sektenopfer

Lukas

Vier Jahre Hölle
und zurück

Lukas, 15, gerät in die Klauen einer der
mächtigsten Satanssekten Deutschlands.
Seine erste Lektion: Wer aussteigt,
muss sterben.

Vorwort

Satanismus heute

von Pfarrer Jürgen Hauskeller

»Von dem, was in diesem Buch steht, glaube ich kein Wort. – So etwas gibt es doch in Wirklichkeit nicht, doch nicht hier bei uns in Deutschland.«

Das werden vielleicht Ihre Gedanken sein, wenn Sie dieses Buch gelesen haben.

Vor zwei Jahren hätte ich nach der Lektüre eines solchen Buches genauso reagiert. Damals, im April 1993, wurde in meinem Wohnort Sondershausen Sandro B. von drei Gymnasiasten ermordet. Die drei Täter und einige Freundinnen und Freunde hatten sich jahrelang mit satanistischem Gedankengut beschäftigt – über Videos, Literatur und Musik. Denn es gibt eine Subkultur, durch die die Ideologie des Satanismus über Bilder, Bücher und Bands transportiert und vor allem an Jugendliche herangetragen wird.

Auch die Richter haben während der Verhandlung gegen die Mörder von Sandro B. erkannt, dass der Einfluss des Satanismus in der Entwicklungsgeschichte der Jugendlichen ausschlaggebend dafür war, dass es zu Wesensveränderungen und schließlich zu der grauenvollen Tat kam. Was sich in Sondershausen gezeigt hat, war Satanismus in einem frühen Stadium.

Für die Tötung von Sandro in einem rituellen Zusammenhang, etwa im Rahmen einer schwarzen Messe, gibt es keinen Anhaltspunkt. Die Tat ist also kein Ritualmord gewesen. Aber die These, dass der Satanismus in Sondershausen eine Erfindung der Medien und der Presse gewesen sei, ist durch Fakten und Feststellungen im Gerichtssaal während des Prozesses vor dem Landgericht in Mühlhausen eindeutig widerlegt worden. Erschüttert mussten wir feststellen, was Satanismus selbst in dieser noch unterentwickelten Form, mit schwachen Organisationsformen, mit lächerlich anmutenden Ritualen, aber mit ideologischem Hintergrund und einer starken Führerpersönlichkeit, für ein Unheil anrichten kann und welche Gefahr dieses Gedankengut für die Jugendlichen darstellt.

In einer Studie des Institutes für Psychologie der Friedrich-Schiller-Universität in Jena vom Herbst 1994 wird nach einer repräsentativen Befragung von 1.367 Schülern an den Regelschulen und Gymnasien Thüringens festgestellt, dass 35,3 Prozent der Schüler Praxiserfahrungen im Bereich des Okkultismus haben. Die meisten haben dabei das Kartenlegen, Pendeln und Gläserrücken genannt. Zu Erfahrungen mit schwarzen Messen hat sich ein Prozent der Schüler bekannt. Auf die Schülerschaft in Thüringen übertragen würde das bedeuten, dass über 2.000 Schüler satanistische Erfahrungen haben. Diese Thüringer Erhebung deckt sich fast genau mit Vergleichszahlen aus Rheinland-Pfalz, und in den übrigen Bundesländern dürfte die Situation ähnlich sein. Lehrer und Jugendsozialarbeiter haben mir bestätigt, dass vor allem an Gymnasien und Berufsschulen satanistische Erscheinungen bei Jugendlichen festgestellt werden. Dabei dürfte die Dunkelziffer verhältnismäßig hoch sein.

Die Gründe dafür sind vielschichtig und nicht auf einen Nenner zu bringen. Der Reiz des Magischen, die Verfügungsgewalt böser Mächte, eine Ideologie, die Stärke verleiht, Härte abverlangt und Gewalt als Mittel heiligt, eine Sache, die einfach etwas Besonderes und ungeheuer aufregend und geheimnisvoll ist – das alles übt auf manche Jugendliche eine große Anziehungskraft aus.

In den letzten Jahren sind mir noch ganz andere Erscheinungsformen des Satanismus bekannt geworden. Lukas, der in diesem Buch seine Erfahrungen erzählt, habe ich persönlich kennengelernt. Mich hat seine Geschichte damals sehr aufgewühlt. Inzwischen weiß ich, dass sie wahr und beileibe kein Einzelfall ist. Auch mit Marlies, die ihn in seiner Ausstiegsphase betreut und die das Nachwort dieses Buches geschrieben hat, habe ich gesprochen. Lukas ist nicht der einzige Betroffene geblieben, der bei ihr Rat und Hilfe gesucht hat. Sie betreut inzwischen noch andere, die sich vom Satanismus lösen wollen oder gelöst haben.

Andere, die das Phänomen Satanismus in Deutschland untersuchen, haben mir das bestätigt, was in diesem Buch als Erfahrungsbericht eines Jugendlichen niedergeschrieben ist: Es gibt eine harte Satanismusszene in Deutschland, die logenartig organisiert und international vernetzt ist. Im Rahmen ihrer Riten kommt es neben anderen Vergehen auch zur Tötung von Menschen und zur Opferung von neugeborenen oder noch ungeborenen Kindern. Unabhängig davon, ob man jedes Detail des Erfahrungsberichts in diesem Buch akzeptieren kann oder nicht, die Gesamtdarstellung der satanistischen Szene mit ihrer Brutalität und Perversität entspricht der Wirklichkeit. Diese Szene ist nicht mehr nur Tummelplatz verirrter Jugendlicher, sondern Betätigungsfeld von Erwachsenen aus nahezu allen Berufsgruppen und gesellschaftlichen Schichten. Es dürfte sicher sein, dass sich der Nachwuchs und der Zuwachs aus solchen Jugendlichen rekrutiert, die in ihrer Entwicklungsphase auf der Suche nach Lebensinhalten dem satanistischen Gedankengut verfallen sind.

Die Frage, die nach der Lektüre dieses Buches im Raum steht, lautet: Wie kann so etwas mitten unter uns geschehen, ohne dass der Staat, die Polizei und die Justiz eingreifen? Da werden doch Verbrechen begangen, Frauen vergewaltigt, Menschen umgebracht! Die Strafverfolgung muss doch tätig werden! Wie kann das ungeahndet bleiben?

Die Erfahrung zeigt, dass Ermittlungen sich äußerst schwierig gestalten. Der Geheimhaltungsgrad in satanistischen Gruppen ist sehr hoch. Aussteiger sind in höchstem Maße gefährdet und müssen mit ihrer Ermordung rechnen. Das ist auch der Grund, warum in diesem Buch keine Ortsnamen genannt werden und alle anderen Namen geändert sind. Für eine gerichtliche Verfolgung solcher Untaten stellt der Rechtsstaat sehr hohe Anforderungen an das Beweismaterial, an Opfer und Zeugen. Daran scheiterten bisher Versuche einer Strafverfolgung. Die skandinavischen Länder, vor allem Norwegen, erlebten in den letzten Jahren eine Welle satanistischer Gewalt. Menschen wurden getötet, über zwanzig Kirchen brannten nieder. Die Justiz ist oft machtlos.

Das Wort »Hilflosigkeit« beschreibt die Situation in Deutschland vielleicht am treffendsten. Wenn ein Betroffener sich hier bei der Polizei meldet und Informationen über satanistische Aktivitäten zu Protokoll geben will, wird er in der Regel wieder weggeschickt, weil der Polizeibeamte dem Bericht keinen Glauben schenkt. Bestenfalls wird das Protokoll in einem Ordner abgeheftet. Nicht selten werden Leute, die Angaben über satanistische Umtriebe machen wollen, ausgelacht, weil die Beamten die Berichte als unglaubwürdige Übertreibungen abtun.

Die Ignoranz der Gesellschaft gegenüber dem Satanismus als einer okkulten Erscheinungsform mit krimineller Energie ist noch immer groß. Unkenntnis, Gleichgültigkeit und mangelnde Bereitschaft, sich mit so etwas Schrecklichem auseinanderzusetzen, gehen dabei Hand in Hand. Einzelne Fälle erregen kurzzeitig Aufsehen, so in den USA der Prozess gegen den Satanisten Charles Manson und seine Anhänger, die die schwangere Schauspielerin Sharon Tate Polanski, ihre vierköpfige Partygesellschaft und ein Ehepaar aus der Nachbarschaft abgeschlachtet haben. Das war 1969.

Vor ein paar Jahren hat es in England unter dem Druck von Betroffenen-Initiativen und der Öffentlichkeit eine Unterhausdebatte über Verbrechen und kriminelle Vergehen satanistischer Gruppen gegeben. Das Ergebnis dieser Debatte war die Einsetzung einer Sonderkommission bei Scotland Yard. Das ist bisher die einzige parlamentarische Erörterung dieses internationalen und gesellschaftlichen Problems mit einer konkreten politischen Entscheidung geblieben.

Auch in der Bundesrepublik Deutschland müssen die politisch Verantwortlichen nach Wegen suchen, wie sie ihre Bürger vor den Gefahren des Satanismus schützen können. Die erste Voraussetzung dafür ist, dass Polizei- und Justizapparat mit der Ideologie und den Praktiken satanistischer Gruppen vertraut gemacht werden, um Kenntnis und Verständnis zu verbessern. Das würde auch zur Sensibilisierung und zu größerer Aufmerksamkeit für dieses Phänomen beitragen. Und es würde das Vertrauen schaffen, das notwendig ist, damit Aussteiger und Betroffene Mut bekommen, Aussagen zu machen und Erlebtes zu Protokoll zu geben.

Es ist erfreulich, dass es ein Netz von Beratungsstellen, Betroffenen-Initiativen und Sekten-Informationsstellen gibt, die für Hilfe und Information, Beratung und Begleitung zur Verfügung stehen. An sie sollten sich Betroffene und deren Angehörige zuallererst wenden, wenn es Probleme gibt. Anschriften solcher Stellen finden Sie im Anhang dieses Buches.

Doch darüber hinaus ist es die Aufgabe der Gesellschaft, die Gefahr, die vom Satanismus ausgeht, zu erkennen und zu bekämpfen. Das muss vorbeugend durch Information und Aufklärung erfolgen. Hier sind vor allem die Schulen, Jugendorganisationen, die Kirche und die Eltern gefragt. Das muss aber auch durch Strafverfolgung geschehen, und das ist Aufgabe des Gesetzgebers, der Polizei und der Justiz.

»Von dem, was in diesem Buch steht, glaube ich kein Wort. – So etwas gibt es doch in Wirklichkeit nicht, doch nicht hier bei uns in Deutschland.«

Das werden vielleicht Ihre Gedanken sein, wenn Sie dieses Buch gelesen haben.

Es ist die Wirklichkeit. Auch wenn uns so etwas unbekannt, vor uns verborgen ist und nur gelegentlich spektakulär an die Öffentlichkeit gelangt. Auch wenn es unglaublich und unfassbar erscheint: Was dieses Buch erzählt, ist ein Stück unserer Wirklichkeit.

1

Da war er wieder, der Mann mit dem Messer. Etwa zehn, zwölf Meter von mir entfernt. Ich stand auf einem weiten Platz, im Hintergrund ragten Hochhäuser in einen orangeroten Abendhimmel. Aus pechschwarzen, weit versprengten Wolkenfetzen fiel leichter Regen herab. Das Pflaster war übersät mit Leichen. Menschenleichen. Doch niemand schien sie wahrzunehmen. Leute hetzten über den Platz, so sehr mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt, dass ihnen nicht auffiel, wie der feine Nieselregen ihre Regenschirme rot färbte. Der Mann mit dem Messer steuerte langsam auf eine Frau zu. Das weiße, blutgetränkte Hemd klebte auf seiner Haut, seine dunklen, nassen Haare hingen ihm strähnig ins Gesicht. Aus seinen Haarspitzen tropfte Blut. Es war der Regen – denn es regnete Blut. Vor einer Frau im zinnoberroten Kleid mit rostroten Haaren blieb der Mann stehen. Was jetzt passieren würde, wusste ich. Aber ich konnte nichts tun. Nichts. Mein Körper versagte, ich musste zuschauen. Regungslos. Atemlos. Wie festgewachsen hafteten meine Füße am Asphalt, meine Zunge klebte am Gaumen. Ich wollte die Frau warnen, versuchte, einen Schrei aus meiner Kehle zu pressen, aber ich brachte keinen Laut hervor. Also musste das Unvermeidliche geschehen: Langsam, fast zärtlich, schob er sein Messer zwischen ihre Rippen. Lautlos sackte ihr junger Körper vor seinen Füßen zu Boden. Mit gleichgültiger Verachtung stieg der Mörder über die tote Frau hinweg. Sein letztes Opfer. Waren die anderen Menschen auf dem Platz denn blind? Sahen sie nicht, was hier geschah? Kein Lüftchen regte sich, gespenstische Stille lag über dem Platz.

Die anderen hatten nichts bemerkt. Aber ich, ich hatte es gesehen. Mir war, als müsste ich ersticken. Wegrennen wollte ich, raffte alle Kraft zusammen, aber ich kam nicht von der Stelle. Der Blick des Mörders schweifte suchend umher… Und plötzlich stand er vor mir, den Mund verzogen zu einem schiefen Lächeln, sein Blick stahlhart, kalt und leer – ich sah in die Augen eines Menschen, der keine Gefühle kennt. Er hob das Messer gegen mich. Siegessicher und überlegen. Todgeweiht und hilflos starrte ich auf die blitzende Klinge – Nein! Nein!

Schreiend wachte ich auf. Zitternd, nass geschwitzt, mit rasendem Puls.

Vorbei. Davongekommen. Ich hatte es wieder einmal geschafft aufzuwachen, bevor er mich umbringen konnte. Ich kenne ihn gut, diesen Traum. Gewöhnen werde ich mich wohl nie an ihn. Er begleitet mein Leben seit meinem fünfzehnten Geburtstag. Dem Tag, als ich Satans Jünger traf.

Aufgewachsen bin ich in diversen Heimen. Mit elf Jahren hatte ich das Jugendamt um eine Einweisung gebeten. Ja, ich. Damals wollte ich nur eins: weg von zu Hause. Von meinem sinnlos prügelnden, türkischen Stiefvater mit seiner stinkenden Alkoholfahne und von meiner mutlosen, eingeschüchterten Mutter, die keine eigene Meinung hatte. Die ihre fünf Kinder nicht einmal gegen die üblen Launen und schreienden Ungerechtigkeiten unseres Stiefvaters verteidigen konnte.

An meinem fünfzehnten Geburtstag gab’s für mich zwei Tage Heimurlaub. Zum Feiern. Als ob ich je meinen Geburtstag gefeiert hätte. Geburtstagsgeschenke und Geburtstagspartys kannte ich nur durch Mitschüler und Nachbarskinder.

Aber gut, dann hatte ich eben frei. Zwei ganze Tage, die wollte ich nutzen. Ich entschied mich, zu meiner Schwester zu fahren. Bei ihr durfte ich übernachten, wenn die Heimleitung mir Ausgang gewährte. Aber wann und ob ich dort auftauchte, war den Erziehern egal. Nachgefragt hat da keiner. Genau wie im vergangenen Jahr an meinem Geburtstag, begab ich mich in die nächstbeste Diskothek, spendierte mir ein Bier und trank auf mein Wohl. Mies gelaunt und sauer über so einen Scheißgeburtstag hing ich an der Theke. Und an meinem Bier. Ich hatte nur einen Wunsch und ein Ziel an diesem Abend: jemanden aufzumischen, zu verprügeln, irgendeinem Typen eine reinzuschlagen. Meinen Frust, meinen ganzen aufgestauten Hass und die große Traurigkeit, die sich in meinem Magen zu einem dicken Klumpen zusammengeballt hatten, herauszudreschen. Schlagen, quälen, wehtun, das tat mir gut. Wenn so ein Arschloch winselnd über den Boden kroch, dann fühlte ich mich besser. Prügeln, das hatte ich gelernt: als ich noch klein war von meinem unbeherrschten Stiefvater und später von den älteren Jungen im Heim. Man hat mich so lange verprügelt und geschlagen, bis ich groß und stark genug war, mich zu wehren.

In dieser Stimmung über meinem Bier brütend, fand mich Peter, ein Nachbarsjunge von früher. Aus der Zeit, als ich noch bei meinen »Eltern« wohnte.

»Ich weiß, was du brauchst«, meinte er, »ich treffe mich gleich mit ein paar Freunden zu einem Brettchenspiel. Komm doch mit!«

Von diesen Spielen hatte ich schon gehört: Man setzte sich an einen Tisch und rief irgendwelche Geister an. Wozu das gut sein sollte, war mir nicht klar. Aber vielleicht machte es mehr Spaß, als hier allein in der Disko herumzustehen. Also ging ich mit.

Während der Fahrt in Peters Auto merkte ich schnell, dass wir nicht zu ihm nach Hause fuhren, sondern Richtung Industriegebiet. »Lass dich überraschen«, beschwichtigte er mich. Am Waldrand vor dem Industriegebiet parkte er den Wagen.

Ausgerüstet mit Taschenlampen machten wir uns zu Fuß auf den Weg durch den Wald. Es war eine eiskalte, sternenklare Winternacht, die schmale Sichel des Mondes leuchtete nur schwach. Zunehmender Mond. Unter unseren Schritten knirschte der Schnee. Je weiter wir in den Wald hineinliefen, desto ungemütlicher fühlte ich mich in meiner Haut. Meine Fragen an Peter wurden drängender. Aber seine Antworten blieben geheimnisvoll: »Das wird dir Spaß machen. Du wolltest doch jemanden zusammenschlagen. Bei uns bist du genau richtig, glaub mir!«

Als wir aus dem Wald herauskamen, führte mich Peter weiter über Schotterwege und stillgelegte Bahngleise. Wir krochen sogar durch Rohre, bis wir endlich einen freien Platz erreichten. Wir waren plötzlich nicht mehr allein: Zehn bis fünfzehn Personen bemerkte ich, einige bildeten kleine Grüppchen. Hinter ihnen, im Dunkeln, entdeckte ich eine lang gezogene, etwa drei Meter hohe Lagerhalle. Rechts davor, etwas verdeckt, loderte ein wärmendes Feuer. Das Wasser roch ich, noch bevor ich es hörte und sah: Ein kleiner Fluss plätscherte seitlich der Lagerhalle munter vor sich hin. Als wir uns der Versammlung näherten, fiel mir die ungewöhnliche Kleidung der Leute auf: Alle trugen schokoladenbraune, bodenlange Kutten, über ihre Köpfe waren Kapuzen gestülpt. Ihre seltsame Verkleidung erinnerte mich stark an Mönche. Aber Mönche? Hier doch nicht. Obwohl es schon spät war, kamen immer mehr Leute hinzu – viele auch in ganz normalen Klamotten. Gleich nach ihrer Ankunft verschwanden sie in der Lagerhalle. Draußen unterhielten sich einige Kuttenträger mit gedämpfter Stimme, andere liefen ruhelos auf und ab. Sie schienen auf etwas zu warten. Aber worauf? Peter zerrte an meinem Ärmel, er wollte mich jemandem vorstellen. Einem Vermummten. Der löste sich aus einer der Gruppen und kam auf uns zu.

Seine beigefarbene Kutte samt einem westenähnlichen, kastanienbraunen Überwurf schleifte leicht über den Boden, nur die Hände lugten unter dem wallenden Stoff hervor. Die riesige Kapuze verhüllte sein Gesicht, lediglich zwei schmale Sehschlitze erlaubten den Blick auf das Weiße seiner Augen. Ich fühlte mich zunehmend unwohl.

»Das ist Lukas«, stellte Peter mich vor, »wir sind zusammen aufgewachsen.« Für mich unverständlich, fügte er noch hinzu: »Der Meister hat ihn als Gleichgesinnten erkannt. Er wird ihm eine große Hilfe sein beim Aufbau seines Reiches.« Und die Stimme unter der Kapuze erwiderte: »Geboren wurde er als Christ. Verbinden wird er sich heute mit dem Jenseits.« – Jenseits? Was soll das? Was soll der Quatsch? Tausend Fragen und Gedanken schossen mir durch den Kopf: Was habe ich mit dem Jenseits zu tun? Jenseits, heißt das, die wollen mich umbringen? Der muss verrückt sein! Ich muss weg hier!

Der Blick des Vermummten bohrte sich in meine Augen. Konnte er meine Panik erkennen? Doch er drehte sich um und ging weg, und ich wandte mich Hilfe suchend an Peter. »Keine Angst, ganz ruhig bleiben und abwarten. Bleib hier stehen, ich komme gleich zurück«, flüsterte er.

Da stand ich nun. Fieberhaft überlegte ich, ob ich es wagen sollte, in den nahen Wald zurückzurennen. Abzuhauen. Eigentlich waren die Bedingungen gut, denn niemand schien mich zu beachten. Trotzdem fühlte ich mich irgendwie beobachtet. Verdammt! Ein einziger Schritt auf dem knirschenden, schneebedeckten Schotterboden und alles würde auffliegen. Die anderen würden sofort mitkriegen, dass ich türmen will. Also verwarf ich diesen Gedanken, blieb stehen und fühlte mich so verlassen wie noch nie in meinem Leben.

Als Peter zurückkam, trug auch er eine braune Kutte. Genau wie die anderen unheimlichen Gestalten, die sich nun vor dem Seiteneingang der Lagerhalle in einer Reihe hintereinander aufstellten. »Wie siehst du denn aus, bin ich hier bei einer Sekte gelandet, oder was ist hier los?«, wollte ich von Peter wissen. Seine Stimme klang fremd, als er antwortete: »Wirst schon sehen. Sei still jetzt!«

Hinter der letzten Kuttengestalt reihten wir uns ein. Die Pseudomönche vor uns trugen jeder ein Buch unter dem linken Arm und etwas Ähnliches wie eine Gebetskette in der rechten Hand: Daran hing ein Kreuz aus Knochen, das auf den Kopf gestellt war. Als die Riege so in die Halle pilgerte, stimmte sie ein gebetsähnliches Raunen an – jedenfalls wurden Worte in einer Sprache gemurmelt, die ich nicht verstand. Und ich hintendran in diesem merkwürdigen Zug, ahnungslos und als Einziger in Jeans, Bomberjacke und mit wild klopfendem Herzen.

Das Innere der Halle war in das flackernde Licht unzähliger Kerzen getaucht. Ein eindrucksvolles Bild, zugegeben, aber nur auf den ersten Blick: An die dreißig Kutten, im Kerzenschein, postierten sich im Halbkreis vor einem Tisch aus mächtigen Betonplatten. Wohl eine Art Altar, nahm ich an. Denn darüber hing ein großes Kreuz aus Knochen, kopfüber, mit dem oberen Ende nach unten. Genauso verkehrt herum wie die kleinen Kreuze an den Gebetskettchen. Wir gingen um den Altar herum und schlossen einen Kreis. Ich riskierte einen vorsichtigen Blick auf die Gestalten, aber ich konnte nicht erkennen, ob sich unter den Kutten Männer oder Frauen verbargen. Plötzlich drängte mich Peter aus dem Kreis heraus vor den Altar.

Die Gegenstände, die auf der Tischplatte lagen, gefielen mir gar nicht: In der Mitte, auf einem Marmorsockel, stand ein goldener Kelch, geformt wie ein Totenkopf, dem die Schädeldecke fehlt. Daneben eine kleine goldene Schale und eine offene Weinflasche, gefüllt mit etwas Dunkelrotem, Dickflüssigem. Doch nicht etwa Blut? Links und rechts an den Seiten lagen – säuberlich aufgereiht – die verschiedensten Messer und Dolche. Und unter der wuchtigen Tischplatte waren vier schwere Eisenketten angebracht, an jeder Ecke eine. Die Ketten endeten in breiten, verstellbaren Fesseln, wie man sie eigentlich nur aus Horrorfilmen mit Folterszenen kennt.

»Hier kommst du nicht mehr lebend raus!« Meine Gedanken überschlugen und verhedderten sich, meine Hände wurden feucht. Unwillkürlich ballte ich sie in den Taschen meiner Bomberjacke zu Fäusten. Angstschweiß trat mir auf Stirn und Oberlippe. »Reiß dich zusammen, lass dir bloß nichts anmerken«, hämmerte ich mir ein. Gleichzeitig überlegte ich angestrengt, was ich Peter wohl getan haben könnte, dass er mir das hier einbrockte. Aber für Fragen war es zu spät.

Hinter dem Altar wurde eine Tür geöffnet, und vier große, kräftige Männer betraten den Raum. Sie waren in schwarze Kutten gehüllt und trugen ein weißes Zeichen auf dem Rücken. Obwohl auch ihre Gesichter durch Kapuzen verdeckt waren, schienen sie mir – allein durch ihre Haltung und Statur – besonders bedrohlich. Den vieren folgte der Mann in der beigebraunen Kutte. Es war der Priester, der mich draußen so geheimnisvoll begrüßt hatte.

Er trat an den Altar, die vier Hünen – wohl seine Leibwächter – bauten sich hinter ihm auf. Jetzt stand der Priester mir genau gegenüber, nur die Betonplatte trennte uns noch. Aber er beachtete mich nicht weiter. Ungläubig starrte ich auf die dunkelrote Flüssigkeit, die er behutsam, fast liebevoll, aus der Flasche in den Totenkopfkelch laufen ließ. Dann hob er den Kelch mit beiden Händen hoch über seinen Kopf und murmelte erneut dieses unverständliche Zeug, wieder in dieser fremden Sprache. Es erinnerte mich an lateinische Gebete in der Kirche. Die ersten Worte, die ich verstand, lauteten: »Eine Geburt Christi ist in unsere Kreise gekommen und wünscht das Bündnis mit dem Jenseits. Im Namen des Satans, seiner Exzellenz…«

Seine Worte verklangen wie in einem Nebel. Ich wollte es einfach nicht glauben. Satanisten also! Ich war umringt von Satanisten. Schöne Scheiße. Von wegen Brettchenspiel! Der kalte Schweiß war mir von der Stirn in die Augen getropft, er verschleierte mir die Sicht, brannte in den Augen. Und Schiss hatte ich, mächtigen Schiss. Ich traute mich nicht, die Schweißperlen mit dem Handrücken wegzuwischen. Die Haltung der Leibwächter war zu bedrohlich.

Plötzlich war er da, der Priester, direkt vor mir: »Die Geburt Christi muss gereinigt werden«, hörte ich ihn sprechen. Ich wollte zurückweichen, aber ich konnte mich nicht rühren. Eine unbekannte Kraft hielt mich fest. Er stand so dicht vor mir, dass sich unsere Körper fast berührten, durch die Sehschlitze hindurch bohrte sich sein Blick gnadenlos durch meine Augen bis in mein Gehirn, er schien meinen ganzen Kopf auszufüllen und jeden meiner Gedanken zu erraten. Mit den Worten »Dieses Blut soll dich reinigen« brachte er den Kelch an meine Lippen. Wut stieg in mir auf, ich spürte das unbändige Verlangen, ihm meine durch die Angst bestimmt noch kräftigere Rechte voll ins Gesicht zu dreschen. Stattdessen drehte ich nur mein Gesicht zur Seite. Wenn ich schon nicht schlagen konnte, wollte ich wenigstens passiven Widerstand leisten. So gut es eben ging. Auf gar keinem Fall wollte ich aus diesem Totenkopf trinken, besonders, weil mir inzwischen klar war, dass es sich bei dieser dunkelroten Flüssigkeit nicht um Rotwein handelte.

Aber ich hatte keine Chance. Zwei seiner vier Leibwächter kamen ihm zu Hilfe. Sie hielten mich fest, einer packte mich im Genick, so kräftig, dass ich glaubte, er würde es mir brechen. Ich musste trinken.

Es war Blut. Den ersten Schluck würgte ich vor Ekel fast wieder heraus. Widerwillig trank ich den zweiten, er blieb in meinem Magen. Den Rest schluckte ich freiwillig. Ich hatte keine Angst mehr, der Ekel war verflogen, ich schmeckte nur noch Wasser.

»Er ist gereinigt, im Christentum ist er nicht mehr willkommen«, tönte der Priester, »ab sofort sollst du Satan, Luzifer, unserem Herrn, dienen.« Er drehte sich um und nahm nun die kleine, goldene, mit Blut gefüllte Schale vom Altar. Er tauchte seinen Daumen hinein, brummte beschwörende Phrasen und befahl mir schließlich, niederzuknien. Ich fügte mich, ich hatte verstanden. Widerstand war zwecklos. Mir war klar geworden, dass ich diese Nacht nur durch Vortäuschen meines Einverständnisses überleben würde. Dies war keine Gruppe leicht okkultistisch angehauchter Jugendlicher. Dies waren Erwachsene. Verwirrt, fanatisch und gefährlich. Weiter beschwörerische Formeln vor sich hin sprechend, malte mir der Priester mit seinem blutigen Daumen das umgedrehte Kreuz auf die Stirn, auf beide Schläfen, auf die Nase, das Kinn und auf meinen Kehlkopf. Dann war ich endlich erlöst. Ich durfte mich in die anonyme Masse der »Gläubigen« zurückziehen.

Wie in Trance erlebte ich die nächsten Stunden. Diese »Messe« zog sich schier endlos hin. Der Priester hielt Monologe auf Latein, Satan wurde ein ums andere Mal beschworen. Die Gemeinde betete, kniete nieder, betete und kniete erneut. Eine Ewigkeit mussten wir auf dem kalten Steinboden ausharren. Ich machte alles mit. Nur nicht auffallen. Mir war alles egal. Ich hatte jedes Zeitgefühl verloren, meine Knie und meine Beine spürte ich kaum noch. Aber ein eigentümlicher Rausch hatte meinen Körper ergriffen, ich fühlte mich leicht und schwer zugleich. Die Worte des Priesters und die leisen Gebete der anderen hallten merkwürdig in meinem Kopf wider. Eine Geräuschkulisse wie bei einem Hochamt in einer Kathedrale. Ich sah zur Decke, nur um mich zu vergewissern, dass ich nicht doch in einer Kirche mit hohem Gewölbe saß. Aber da war nur die flache Hallendecke.

Schwindelanfälle verwirrten meine Sinne, mir wurde übel. Hatten sie mich mit Drogen vollgepumpt? Wollten sie mich süchtig machen? Langsam kroch die Angst wieder in mir hoch. Krank fühlte ich mich, elend und zerschlagen, kalte Schauer liefen mir über den Rücken, ich zitterte. Vor Angst? Vor Kälte? Ich weiß es nicht mehr. Diese unglückselige Veranstaltung wollte und wollte nicht enden. Teilnahmslos registrierte ich, wie der Priester den Totenkopfkelch wieder vollgoss. Das Gefäß wanderte durch die Reihen, von Hand zu Hand. Jeder der Anwesenden hob es kurz an die Lippen und nippte. Dabei schwoll die Stimme des Priesters an, seine nächsten Worte verstand ich wieder: »Die Opferung ist nah!« Nach allem, was ich erlebt hatte, blieb mir nur ein Gedanke: Jetzt bin ich dran! Doch dann drang das verzweifelte Blöken eines Schafes an mein Ohr. Sein Schreien ging mir durch Mark und Bein. Einer der Kuttenträger schleifte das sich sträubende Tier durch die Tür hin zum Altar. Mitleid überkam mich, aber gleichzeitig war ich schrecklich erleichtert: Denn jetzt konnte ich mir ziemlich sicher sein, dass sie nicht mich als Opfer auserkoren hatten.

Die vier schwarz vermummten Muskelprotze hoben das Schaf auf den Altar und befestigten die Eisenfesseln an seinen Beinen. Mit einem Gewinde zogen sie die Ketten straff, bis sich das Tier nicht mehr rühren konnte. Sein angstvolles Blöken peitschte durch die kahle Halle, es klang wie der Schrei eines Menschen in Not.

Ich mochte Tiere. Ab und an redete ich mit ihnen. Sie hören zu und scheinen alles zu verstehen. Von türkischen Freunden wusste ich, dass Schafe besonders sensibel sind. Dieses Opferlamm auf dem Altar schien genau zu wissen, dass sein letztes Stündchen geschlagen hatte. Nur wie grausam es gleich sterben sollte, war weder ihm noch mir klar.

Ich konnte seine Schreie nicht mehr ertragen, aber den Mut, mir die Ohren zuzuhalten, hatte ich auch nicht. Und dann war da wieder diese unheimliche Kraft, ein Trieb, der mich zwang, stillzustehen und etwas zu beobachten, wogegen mein Verstand sich mit aller Macht wehrte.

Der Priester griff eines der bereitliegenden Messer und präsentierte es seinen gebannt nach vorne starrenden Anhängern. Die sichelförmige Klinge blitzte im Schein der zahllosen Kerzen, der Griff zeichnete die Form eines umgedrehten Kreuzes nach. Ein außergewöhnlich schöner Dolch für ein besonders hässliches Ritual.

Monoton hallte die Stimme des Priesters durch den Raum: »Das Opfer ist da. Nun lasst uns hochpreisen. Wir preisen Satan, wir preisen Luzifer, auf dass er zu uns kommen kann …« Während er weitersprach, beugte er sich vor und schlitzte dem blökenden Tier die Bauchdecke auf. Eine neue Welle der Übelkeit und Kälte stieg in mir hoch, als ich die Hände des Priesters in der klaffenden Wunde verschwinden sah.

Wo bin ich hier bloß gelandet, fragte ich mich fassungslos, aber ich starrte weiter nach vorne. Nun zog der Priester einen roten, fleischigen Klumpen aus dem Bauch des Tieres – sein Herz. Mit weit ausgestreckten, blutverschmierten Armen hielt er es hoch. Seine dunkle Stimme forderte jetzt energisch: »Preiset Satan!«

Er drehte sich zu seinen vier Hünen um und schien ihnen das Herz anzubieten. Aber wozu? Es war unfassbar: Jeder von ihnen biss ein Stück ab, kaute und schluckte. Ich bekam meine nächste Panikattacke. Würden sie das etwa auch von mir verlangen? Könnte ich mich dazu überwinden ohne umzukippen? Aber ich hatte Glück. Denn nun wollte der Priester selbst seinen Anteil: Er schob seine Kapuze gerade so hoch, wie es nötig war, um seinen Mund freizulegen, und aß den Rest des rohen Tierherzens. Er kaute langsam und genießerisch. Ich fragte mich, wie viel mehr ich noch ertragen können und müssen würde.

Natürlich hätte ich meine Augen zumachen oder auf den Boden richten können, aber dann hätte mich die nächste Attacke des Priesters, auf die ich ständig gefasst war, völlig unvorbereitet treffen können. Dieser Gedanke war abschreckender als alles andere.

Und noch einmal kam der Dolch zum Einsatz: für einen Stich in die Halsschlagader des Opferlammes. Das herausschießende Blut wurde im Totenkopfkelch aufgefangen. Frisches, warmes Tierblut. Mir war kotzübel. Diesmal hatten die gesichterlosen Kuttenträger die Ehre, den Kelch zu leeren. Danach gab es eine weitere Lektion, Belehrung oder Danksagung auf Latein.

Meine Augen brannten, ob vor Müdigkeit oder wegen der vielen nicht geweinten Tränen – ich wusste es nicht. Ich wollte nur noch raus aus dieser Hölle, weg von diesen Unmenschen. Bis zu dieser Nacht war ich der Überzeugung gewesen, mich könnte nichts mehr erschüttern, nichts mehr kleinkriegen. In Sachen Gewalt könnte mir niemand mehr etwas vormachen. Für stark hielt ich mich, für gefühllos und abgebrüht. Ich hatte geglaubt, ich könnte gut allein zurechtkommen, und verlachte meine Mitschüler dafür, dass sie mit lächerlichen Problemen noch zu ihren Müttern liefen. Diese Nacht hatte mich eines Besseren belehrt.

Denn als der Priester endlich seine makabre Vorstellung beendete hatte und bekannt gab, wann und wo die nächste Versammlung stattfinden würde, da wünschte ich mir nichts sehnlicher als eine Mutter. Eine Mutter zu haben, in deren schützende, beruhigende und sichere Arme ich mich jetzt flüchten könnte.

Aber draußen wartete nur Peter auf mich. Dieser Wahnsinnige, dem ich diesen Albtraum zu verdanken hatte. Die Halle hatte sich inzwischen fast geleert, ich war fassungslos in mich zusammengesunken. Saß zusammengekauert, die Arme fest um meine Knie geschlungen, mitten auf dem kalten Steinboden und starrte geistesabwesend vor mich hin. Erneut überkam mich der Ekel, ich rappelte mich auf und hetzte nach draußen, um mir endlich den Finger in den Hals zu stecken. Ich erhoffte mir dadurch Erleichterung, wenn auch nur körperlicher Natur.

Aber daraus wurde nichts. »Warte einen Moment«, hörte ich hinter mir die für mich inzwischen äußerst unangenehme Stimme des Priesters. Der kam mir wie gerufen. Ich hatte diese Nacht überlebt, und ich merkte, dass ich plötzlich nur noch wütend war, so wütend wie noch nie in meinem jungen Leben. Ich rastete völlig aus. »Was glaubst du eigentlich, wer du bist, du Schwein, du widerlicher, feiger Killer. Glaub bloß nicht, dass du mir Angst einjagen kannst. Eure widerwärtigen Spielchen könnt ihr in Zukunft ohne mich austragen, und du kannst froh sein, wenn ich dir nicht die Bullen auf den Hals hetze. Ist das klar? Ich will nichts mit euch zu tun haben. Und den Peter, den kaufe ich mir auch noch.«

Der Kapuzenkopf blieb ganz ruhig. Seine eisigen Fischaugen blitzten, als er mich aufforderte, ihm die Hand zu geben. Sein Befehlston überrumpelte mich. Ich streckte sie ihm hin. Zum Abschied, wie ich annahm. »Knack« machte es. Ich schrie auf, der Schmerz trieb mir Tränen in die ...

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