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Verzaubert!

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Alle Rechte, einschließlich das der vollständigen oder auszugsweisen Vervielfältigung, des Ab- oder Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten und bedürfen in jedem Fall der Zustimmung des Verlages.

Der Preis dieses Bandes versteht sich einschließlich der gesetzlichen Mehrwertsteuer.

Dis Schöne und das Biest

Man nennt mich die Schöne. Möglicherweise haben Sie schon von mir gehört. Meine Geschichte wurde unzählige Male in leuchtenden Farben geschildert. Oder zumindest das, was man für meine Geschichte hält.

In Wahrheit war jedoch alles ganz anders. Aber vielleicht ist die Wahrheit einfach zu fantastisch, um sie glauben zu können. Ich versichere Ihnen: Es gab Zeiten, da konnte ich die Wahrheit selbst kaum glauben. Alles kam mir vor wie ein längst vergangener sinnlicher Traum.

Natürlich stimmt auch einiges von dem, was man sich über mich erzählt: dass ich mit einer furchterregenden Kreatur zusammengelebt habe, um meinen Vater vor dem Tod zu bewahren. Und dass ich mich in das Biest verliebt habe.

Doch dann folgt in den Märchenbüchern stets das glückliche Ende: Es wird erzählt, dass meine Liebe das Biest von seinem bösen Fluch erlöst habe. Aus dem furchterregenden Geschöpf wurde ein schöner Prinz, und wir haben noch am gleichen Tag geheiratet. Und von da an lebten wir glücklich bis an unser Ende.

Aber das ist nicht die Wahrheit.

Denn wissen Sie, es ist so: Ich vermisse mein Biest.

Manchmal wandere ich hier durch die riesigen, menschenleeren Gemächer des Schlosses und muss an den ersten Tag denken. An den Tag nach meiner Ankunft.

Ich hatte in der ersten Nacht hier nicht eine Sekunde geschlafen, war ängstlich und wusste nicht, was mich erwartete. Bei ihm, diesem Fremden, der wollte, dass ich bei ihm war. Was würde er von mir verlangen? Warum war ich hier?

Ich verbrachte diesen ersten Tag in der Fremde ganz allein. Und mir blieb nichts anderes übrig, als herumzuwandern, nachzudenken und abzuwarten.

Nein, ich wurde nicht gegen meinen Willen im Schloss festgehalten. Es war eine … Abmachung. Meine Gefühle waren gemischt. Noch nie war ich allein von zu Hause weg gewesen. Mein bisheriges Leben war völlig ereignislos verlaufen. Deshalb war ich nun ebenso ängstlich wie aufgeregt.

Bis zu diesem Tag hatte ich noch nie ein Schloss von innen gesehen. Aber das prächtige Anwesen des Biests war genau so, wie man es sich vorstellt. Aus der Ahnengalerie blickten strenge Gesichter in goldenen Bilderrahmen stumm auf mich herab. Prachtvoll gefertigte Teppiche und ausladende Ölgemälde mit seltsam exotischen Motiven zierten die Wände. Die Möbel waren ausgesucht und edel und die Teppiche ungemein weich. Kurz, alles strahlte außerordentlich vor Eleganz und Pracht.

Ich hatte das Biest nicht getroffen, als ich durchs Schloss gewandert war. Nach meiner Ankunft am Abend zuvor hatte er einen Diener angewiesen, mich unverzüglich in meine Gemächer zu führen. Mir blieb kaum Zeit, mich von meinem Vater zu verabschieden, der mit zwei voll beladenen Kisten nach Hause zurückkehrte. Der Gedanke an die Freude, die meine Familie beim Auspacken empfinden würde, stimmte mich froh und glücklich.

In dieser ersten Nacht tat ich kein Auge zu. So lag ich da und dachte nach. Über mein bisheriges Leben und über das, was nun kommen würde. Die Stunden vergingen quälend langsam, und ich traute mich auch nicht, meine Gemächer zu verlassen. Erst am nächsten Tag wagte ich es, und ich wanderte von Raum zu Raum, ohne auch nur einer Menschenseele zu begegnen.

Gegen Abend verkündete ein heller Glockenschlag, dass es nun Zeit war, sich in den Speisesaal zu begeben. Hier traf ich das Biest wieder. Trotz seiner Furcht einflößenden Erscheinung und seiner rauen Stimme war ich angenehm überrascht: Er war ein formvollendeter Gastgeber, höflich und zuvorkommend, und wir verbrachten dieses Abendessen mit angenehmer Konversation und Speisen und Getränken, die dem Gaumen schmeichelten.

Und dann, nachdem die Teller und Platten abgeräumt waren, beugte das Biest sich ein Stück nach vorn und sah mich über den Tisch durchdringend an. “Willst du mich heiraten, Schöne?”, fragte er.

Ich starrte ihn an. Was sollte ich darauf nur erwidern? Mein Herz hämmerte wild in meiner Brust. Doch obwohl ich sorgsam darauf bedacht war, das Biest nicht zu verärgern, gelang es mir irgendwie, “Nein” zu flüstern.

Das Biest nickte nur düster. “Nun gut.” Seine Stimme klang, als hätte er meine Antwort schon erwartet. Dann verließ er jäh den Speisesaal.

Erleichtert darüber, dass ich das Biest mit meiner Zurückweisung nicht gereizt hatte, verließ auch ich den Raum, um mich zur Nachtruhe zu begeben.

Habe ich etwa vergessen, mein Schlafgemach zu beschreiben? Hierfür die passenden Worte zu finden fällt mir schwer. Es ist schlichtweg märchenhaft, der allerschönste Raum im ganzen Schloss.

Als ich es am Abend meiner Ankunft zum ersten Mal betreten hatte, war ich zu sehr mit mir beschäftigt gewesen, um seine prachtvolle Schönheit richtig wahrzunehmen. In dieser Nacht jedoch schweifte mein Blick über unzählige wundervolle Kleinigkeiten, die nur einen einzigen Zweck hatten: mir zu gefallen. Und schließlich verweilte mein Blick auf dem prunkvollen Bett, in dem ich von nun an schlafen würde. Entlang seiner gewaltigen Pfosten waren kunstvoll wilde Tiere geschnitzt, die sich spiralförmig nach oben wanden, wo ein wunderschöner Mann mit einer Krone abgebildet war. Ich verstand nicht, was diese Schnitzereien zu bedeuten hatten. Aber ich bewunderte ihre Schönheit.

Auf dem Nachttisch befand sich ein enorm großer Strauß von nicht weniger als hundert betörend duftenden blassrosa Rosen in einer riesigen Vase. Von diesem Tag an fand ich jeden Abend, wenn ich mein Schlafgemach betrat, einen stets aufs Neue bemerkenswerten Blumenstrauß neben dem Bett vor.

Jeder Zoll des Bettzeugs war ebenso wundervoll wie alles andere, was meine Augen an diesem Tag erblickt hatten. Und als ich zwischen die kostbaren seidenen Laken geschlüpft war, überlief mich ein wohliger Schauer. Dieses Gefühl war so aufregend, dass ich schon mein Nachthemd ausziehen wollte, um es am ganzen Körper genießen zu können. Doch stattdessen fuhr ich nur mit den Händen über den feinen Stoff. Meine Sinne schienen plötzlich wie berauscht inmitten all dieses Luxus.

Ein Lichtstrahl, der plötzlich durch die Tür meines Schlafzimmers fiel, riss mich jäh aus meiner Verzückung.

“Wer ist da?”, fragte ich leise und zog die Seidendecke bis zum Kinn hoch.

“Ich bin es, dein ergebener Diener … das Biest”, hieß die höfliche Antwort. Seine Stimme klang verunsichert.

“Komm herein”, antwortete ich.

Das Biest öffnete die Tür weiter, machte jedoch keine Anstalten, den Raum zu betreten, sondern blieb im Türrahmen stehen. Trotz des dämmrigen Lichts konnte ich seine Silhouette deutlich sehen, die furchterregend gewesen wäre, wäre er nicht ein so vollendeter Gentleman. Ich wartete darauf, dass er weitersprach.

“Ich wollte wissen, ob alles zu deiner Zufriedenheit ist”, fragte er, ohne die Türschwelle zu übertreten.

“Zu meiner Zufriedenheit?”, wiederholte ich langsam und ein klein wenig amüsiert, während ich über das Seidenlaken strich. “Gott im Himmel, nein! Dieses Quartier ist nun wirklich nicht zufriedenstellend.” Ich lachte fröhlich über meinen kleinen Schabernack, während ich die Decke zur Seite schob, um die Lampe neben meinem Bett anzuzünden.

Das Biest antwortete nicht und starrte mich stattdessen nur wie versteinert an. Als ich seines Ausdrucks gewahr wurde, erkannte ich, dass meine scherzhafte Antwort ihn beleidigt hatte. Daher beeilte ich mich, die Dinge richtigzustellen.

“Verzeihung. Was ich sagen wollte, ist … nun, natürlich ist hier alles ganz und gar nicht zu meiner Zufriedenheit – es ist viel mehr als das!”

Aber irgendetwas stimmte nicht. Fast kam es mir so vor, als hätte das Biest mich überhaupt nicht gehört. Ohne weiter darüber nachzudenken, sprang ich vom Bett, um mich ihm noch einmal von Angesicht zu Angesicht zu erklären. Aber ich kam nur ein paar Schritte weit, bevor mir das Blut in den Adern gefror.

Hatte ich ein Knurren gehört? Mein Verstand taumelte zwischen Schock und Unglauben. Das war unmöglich! Und doch, seine Augen glitzerten auf eine unnatürliche Art und Weise. Er stand vor mir wie eine Raubkatze, die kurz davor war, zum Sprung auf ihre Beute anzusetzen.

“Biest?”, wisperte ich, mehr bittend als fragend.

Und dann war er plötzlich verschwunden.

Ich blieb eine Weile stehen und versuchte die Fassung zurückzuerlangen. Ich blickte auf meine zitternden Hände, und in diesem Moment bemerkte ich mein Nachthemd. Es war ganz und gar durchsichtig, von oben bis unten! Seit ich das Licht angezündet hatte, hatte der dünne Stoff mehr hervorgehoben als verborgen – ich hatte nahezu nackt vor ihm gestanden!

Erst am nächsten Abend sah ich das Biest wieder. Er war ebenso freundlich und zurückhaltend, wie ich ihn von unserem letzten Mahl in Erinnerung hatte. Dennoch errötete und zitterte ich jedes Mal, wenn sich unsere Blicke begegneten. Doch durch sein tadelloses Verhalten nahm er Argwohn und Angst von mir, und schließlich entspannte ich mich und genoss die vergnügliche Konversation und seine zuvorkommende Gesellschaft sogar. Nach dem Essen stand er auf und stellte mir die gleiche Frage, die er mir schon am Abend zuvor gestellt hatte und von nun an jeden Abend stellen würde: “Schöne, willst du mich heiraten?”

Erneut schüttelte ich den Kopf. “Nein, Biest.”

Unsere Freundschaft erblühte. Und doch raubte mir jedes nächtliche Geräusch den Schlaf. Hellwach lag ich dann in meinem Bett und wartete atemlos auf den Lichtschein unter meiner Tür.

Doch das Biest wagte sich nie wieder in die Nähe meines Schlafgemachs.

Ich war es, die sich eines Abends heimlich in seine privaten Gemächer schlich.

Da ich wieder einmal nicht schlafen konnte, wollte ich mir ein Buch aus der Bibliothek borgen. Als ich auf meinem Weg durch die endlosen Gänge des Schlosses an seinem Schlafzimmer vorbeikam, nahm ich ein Geräusch wahr. Es war ein Stöhnen, das durch die Tür drang. Ich hielt inne.

Einen Moment später hörte ich es erneut. Das musste das Biest sein. Ich lauschte und war gleichzeitig besorgt. War er krank?

Ohne länger nachzudenken, klopfte ich an die Tür. Doch auf eine Antwort wartete ich vergeblich. Nach einer Weile klopfte ich erneut.

“Geh weg”, hörte ich ihn bittend sagen.

“Ich gehe nicht”, antwortete ich bestimmt, “bevor ich mich davon überzeugt habe, dass es dir gut geht.”

Er antwortete nicht.

“Bitte”, sagte ich dann und klopfte erneut. “Öffne die Tür und lass mich …”

“Geh von dieser Tür weg, Schöne!”, kam es barsch von drinnen. “Geh jetzt! Du bringst dich sonst in Gefahr!” Sein Ton war beherrscht, aber seine Stimme klang verzweifelt.

Ich habe mich oft gefragt, warum ich nicht einfach gegangen bin. Ich redete mir ein, ein Freund bräuchte meine Hilfe. Ich redete mir ein, ich wäre neugierig. Ich redete mir eine Menge ein, aber ich fürchte, Sie werden mir ebenso wenig glauben wie ich mir selbst.

Ich drehte den Knauf und öffnete die Tür zum Schlafgemach des Biests.

Tiefe Dunkelheit empfing mich. Zögernd wagte ich ein paar Schritte, während ich hoffte, dass sich meine Augen bald an die Finsternis gewöhnen würden. Hinter mir fiel die Tür ins Schloss. Meine Nackenhaare stellten sich auf.

Wo war er? Jemand zog den Vorhang beiseite, ich hörte das Quietschen der Eisenringe, die oben am schweren Stoff befestigt waren, und dann warf der Mond seinen kühlen Glanz in den Raum. Jetzt konnte ich das Biest deutlich sehen. Er kam auf mich zu. Er atmete schwer und unregelmäßig, zwischendurch keuchte er sogar.

Ich selbst bekam kaum Luft und stand einfach nur hilflos da. Das große Zimmer wirkte plötzlich erdrückend klein, als wäre es auf die Hälfte seiner Größe zusammengeschrumpft, als würde das Biest es gänzlich ausfüllen. Angst ließ mich erschauern. Ich war hellwach. Das Biest kam langsam auf mich zu und blieb so dicht vor mir stehen, dass ich seinen warmen Atem spüren konnte. Mir war, als würde ich gleichsam die Hitze seines Körpers wahrnehmen. Er war viel, viel größer als ich, und seine Schultern waren gut dreimal so breit wie meine. Seine dunklen Augen glänzten fiebrig. Trotz der Hitze, die sein Körper ausstrahlte, fror ich.

“Wenn du nicht willst, dass dein Nachtgewand zerrissen wird, solltest du es jetzt ausziehen”, sagte das Biest schließlich. Seine Worte klangen gelassen, aber er wirkte so angespannt, als könnte er sich nur mit äußerster Kraft beherrschen. Seine Stimme war ruppig und so tief, dass sie kaum noch menschlich klang. Seine Nähe verschlang und überwältigte mich. Sein Blick hypnotisierte mich. Sein Atem verbrannte mich. Nichts an ihm erinnerte noch an den gütigen Freund, mit dem ich so viele Abende verbracht hatte.

Ein neues Gefühl nahm schleichend von mir Besitz, während ich in seine dunklen, glitzernden Augen sah, die mich zu hypnotisieren schienen.

Während ich so dastand, betrachtete ich meine Lage für einen kurzen Augenblick wie die einer Fremden. Ich hatte nicht die geringste Chance. Er war mir körperlich überlegen, und er hatte gerade zu mir gesagt, dass ich mein Nachthemd ausziehen sollte, damit es nicht zerriss. Würde er es zerreißen wollen?

Während diese Gedanken durch meinen Kopf schossen, stand er weiterhin vor mir und sah mich an. Lauernd, abwartend. Was sollte ich tun? Was würde er tun, wenn ich ihm nicht gehorchte? Würde er sich auf mich stürzen, sobald ich mich bewegte? Oder würde er mich vielleicht doch gehen lassen?

Während ich dastand – und es kam mir vor wie eine Ewigkeit –, plagte mich diese quälende Erregung, die beständig in mir gewachsen war. Und mir wurde plötzlich etwas klar: Ich wollte gar nicht gehen.

Im nächsten Augenblick ließ ich mein Nachthemd entschlossen auf den Boden fallen. Ich rührte mich nicht vom Fleck und wartete atemlos darauf, was er als Nächstes tun würde, aber er starrte mich bloß an. Ich fragte mich, ob er meinen Herzschlag hören konnte, der in meinen Ohren brauste.

Das Biest hob langsam seine riesige Hand und strich sachte über meine Wange. Ich erstarrte vor Schreck, als ich seine Berührung spürte. Seine Hand war rau, es fühlte sich an, als würde Sandpapier über meine Haut gleiten.

Als ich zurückzuckte, hielt er inne. Angst flackerte in seinen Augen auf. “Ich will dir nicht wehtun, Schöne”, sagte er leise. “Du hältst unser Schicksal in deinen Händen.”

Ich konnte den Sinn seiner Worte nicht verstehen. Es schien, als wollte er mich vor irgendetwas warnen. Aber was meinte er damit? Sollte ich ihn etwa aufhalten? Konnte ich ihn überhaupt noch aufhalten? Wohl kaum. Ich fühlte mich viel zu schwach, um mich zu bewegen.

Währenddessen erkundeten seine Hände, seine riesigen Pranken, meine zarte Haut und arbeiteten sich langsam zu meinen Brüsten vor. Zu meiner Überraschung reagierten meine Brustwarzen auf ihn und versteiften sich unter seiner Berührung. Während er sie zwischen seine kräftigen Finger nahm und erst sanft, dann fester zudrückte, stöhnte ich laut auf. Dieses neue, unbekannte Gefühl brachte mich fast um den Verstand.

Seine Hände glitten weiter über meinen Körper und erreichten schließlich den empfindlichen Punkt zwischen meinen Beinen. Meine Wangen glühten vor Scham, als seine Finger über meine feuchte Mitte glitten. Mit jedem Moment, der verstrich, wurde seine tierische Natur deutlicher.

“Auf die Knie”, stöhnte er zwischen zwei tiefen Atemzügen. Sprachlos starrte ich ihn an. Plötzlich wurde mir klar, was er vorhatte. Er war nun ganz Tier, und so würde er mich auch nehmen. Bevor ich etwas sagen konnte, hatte er mich schon fest an der Taille gepackt und mich herumgedreht, bis ich die Position eingenommen hatte, die er forderte. Seine starken Arme hielten mich fest nach unten gedrückt. Selbst wenn ich es gewollt hätte – es wäre unmöglich gewesen, mich aus seinem Griff zu befreien.

Und so verharrte ich kniend vor ihm und bewegte mich auch nicht, als er mich losließ, während er sich hastig seiner Kleidung entledigte. Da ich es nicht wagte, mich umzudrehen, konnte ich mir nur ausmalen, wie er wohl unter seiner Kleidung aussah. Doch schließlich siegte meine Neugier über meine Furcht, und ich wandte den Kopf zu ihm um. Mir stockte der Atem.

Das Biest war unbekleidet bis auf sein offenes Hemd, das seinen dicht behaarten Oberkörper enthüllte. Von der Hüfte abwärts ähnelte sein Körper dem eines Löwen, mit mächtigen Tatzen anstelle von Füßen und einem langen Schwanz, der bis zum Boden reichte. Aber noch viel erschreckender als das war, was sich meinen Augen direkt unterhalb seiner Gürtellinie darbot. Ich war sicher, dass ich ihm niemals würde standhalten können.

Das Biest hörte mein Keuchen und bemerkte das blanke Entsetzen in meinem Gesicht. Er ließ ein entsetzliches Brüllen hören. “Dreh dich um!”

“Du wirst mich umbringen!”, schrie ich voller Angst, obwohl ich seinen barschen Befehl befolgte.

“Ich verspreche dir, du wirst leben”, antworte er, und seine Stimme klang wieder so freundlich wie eh und je. “Dies ist der Weg, den wir beide beschreiten müssen, bevor du uns beide von diesem Schicksal erlöst.”

Seine Worte verwirrten mich, aber mir blieb keine Zeit, zu grübeln, denn plötzlich spürte ich seinen heißen Atem direkt zwischen meinen Beinen. Doch trotz dieser Warnung war ich auf das, was passieren sollte, nicht vorbereitet.

Rauer als Sandpapier fühlte ich seine lange, nicht enden wollende Zunge an meinem feuchten, geschwollenen und bebenden Lustpunkt. Gleichmäßig und unnachgiebig saugte er an und in mir, und es machte nicht den Anschein, als wollte er je wieder damit aufhören. Es reizte ihn offenbar, mich ein klein wenig zu quälen, denn er wechselte die Geschwindigkeit, mal ließ er seine raue Zunge langsam auf und ab gleiten, dann wurde das Tempo wieder schneller. Ich konnte mich auf nichts verlassen, und das erregte mich noch mehr. Mein Unterleib brannte wie Feuer, ich schob ihn rhythmisch vor, bot mich ihm dar. Dann beugte ich mich wieder zurück, und eine Sekunde später reckte ich mich erneut seiner Zunge entgegen, wieder und wieder. Ein paarmal dachte ich, nun würde mich ein erlösender Höhepunkt befreien. Doch dieses Ungeheuer wusste anscheinend ganz genau, wie er diesen Moment hinauszögern konnte. Er ließ seine Zunge zwischen meinen Beinen tanzen, aber immer nur so lange, bis er merkte, dass ich so weit war – dann machte er eine Pause, um kurz darauf erneut mit seinem quälend lustvollen Spiel zu beginnen. Ich gab mich ganz meinen Empfindungen hin, spürte seine Pranken, die meine Hüften umschlangen und mich immer wieder näher zu sich heranzogen.

Und dann, ganz plötzlich, hörte er auf, und wieder vernahm ich dieses Knurren, das ich vor Kurzem schon einmal gehört hatte. Doch nun machte es mir keine Angst mehr, sondern steigerte meine Lust ins Unermessliche. Keuchend bemerkte ich, dass seine langen, kräftigen Finger nun ihren Weg in mein Inneres suchten. Er fuhr sanft und gleichzeitig fordernd um meine feuchte Mitte, erkundete sie zaghaft und dann mit wilder Entschlossenheit, und ich machte es ihm leicht, indem ich ihm meinen Unterleib darbot wie eine reife Frucht. Ich fühlte mich wie in einen Strudel gezogen, genoss meine heißen Gefühle wie ein kostbares Geschenk. Ich wollte mehr, immer mehr.

Inmitten dieses Rauschs verspürte ich plötzlich ein neues Gefühl, als das Biest mich dicht an sich heranzog und seine enorme Männlichkeit sich langsam, aber mit Nachdruck den Weg in mein Innerstes suchte. Ich schloss die Augen und stöhnte leise auf. Als er mich ganz nahm, brannte mein Körper wie ein Feuerball. Ich schrie laut auf.

Das Biest zwang sich, sich zurückzunehmen, und hielt inne. Er zitterte am ganzen Körper, doch er lockerte seinen eisenharten Griff nicht. “Gleich hast du dich an mich gewöhnt”, presste er mit erstickter Stimme hervor.

Doch ich hatte mich schon an ihn gewöhnt, bevor er den Satz beendet hatte. Mein Schoß glühte, meine Hände krallten sich in den Teppich. Ich hob meine Hüften hoch und spürte, dass ich noch feuchter war als vorher, dass mein Körper mehr wollte, jede meiner Faser danach lechzte, von ihm ausgefüllt zu werden. Mein Becken hob und senkte sich, und mit jedem Zentimeter, den er weiter mein Innerstes erforschte, wuchs meine Gier auf immer mehr. Ich bemerkte, dass ich schweißnass war, die kühle Luft streifte meine heiße Haut, und ein wohliges Stöhnen entrang sich meiner Kehle. Dann begann ich mich heftiger zu bewegen. Ich wollte ihn ganz und gar, wollte ihn, alles von ihm.

“Langsam, ganz langsam”, flüsterte er und begann dann, mich mit kraftvollen, rhythmischen Stößen an meine Grenzen zu bringen. Wieder musste ich schluchzen, doch innerlich glühte ich vor Verlangen und betete, er möge niemals mehr aufhören. Mit jedem Millimeter, den er mich weiter eroberte, steigerte sich meine Lust.

Niemals, wirklich niemals hätte ich geglaubt, dass er es tatsächlich schaffen würde, mich vollends auszufüllen. Doch als er es schließlich tat, loderte ich innerlich.

Seine Hände krallten sich in meine Taille, dann fuhren sie über meinen Hintern, während er nicht aufhörte, mich zu nehmen. Immer wieder zog er mich an sich heran, und bei jedem neuen Stoß flackerte das Feuer erneut in mir auf. Ich bewegte mich wie in Trance, und doch waren alle meine Sinne hellwach. Während ich ihn in mir spürte, ließ ich eine Hand zwischen meine Beine gleiten und berührte meine feuchte, heiße Knospe. Doch die Bewegungen des Biests wurden noch heftiger, noch fordernder, und dann spürte ich, wie es heiß aus ihm hinausfloss.

Ich beugte mich nach vorn und fühlte, wie es an meinen Schenkeln warm und klebrig wurde. Ein Gefühl des Triumphes machte sich in mir breit. Ich hatte ihn besiegt. Er war in mir zum Höhepunkt gekommen! Nun wurden seine Stöße langsamer und endeten schließlich ganz, und behutsam ließ er mich frei, wich vorsichtig zurück, bis ich ihn kaum noch spürte. Doch dann, ehe ich mich versah, fing er erneut an, mich auszufüllen. Und er nahm meine Hand in seine und führte sie unter mir zu meiner aufgeworfenen, beinahe wunden Mitte und bedeutete mir, daran zu reiben und so zu meiner wohlverdienten Lust zu kommen.

Ich tat, was er verlangte. Ich rieb und ließ meine Finger tanzen, während er noch immer in mir verharrte, sich ein Stück nach vorn beugte und seine Zähne in meinem Rücken und dann in meinen Schultern vergrub, was mich noch aufgeregter und wilder werden ließ. Meine Haut brannte und kribbelte unter seinen Liebkosungen, während ich meine Knospe mit immer heftiger werdenden Bewegungen streichelte und rieb. Fast war es, als sei ich aus mir hinausgetreten und beobachtete mich von außen, so unwirklich war es. Während mein Höhepunkt sich anbahnte, schrie ich vor Wollust und Begierde auf, ich nahm ihn an, ließ ihn zu, während er seine Männlichkeit immer noch in mich presste. Dann, einige Sekunden später, spürte ich, dass es nun so weit war, der Orgasmus überrollte mich in einer heftigen Woge, erbarmungslos und hart – und mit einer Intensität, dass ich glaubte, mein Herzschlag würde aussetzen. Ich schrie und tobte unter ihm, während meine Finger wie von selbst weiterkreisten und -rieben, ich warf den Kopf hin und her und fror und schwitzte zugleich, und immer noch waren seine Zähne überall an meinem Körper und spürte ich ihn hart in mir. Nach Sekunden, Minuten oder Stunden ebbte das Gefühl langsam ab, ich fand wieder zu mir selbst, konnte atmen und strich mein verschwitztes Haar aus dem Gesicht …

So begann eine Reihe von nächtlichen Besuchen in seinem Schlafgemach. Jede Nacht war unvergleichlich, jede Nacht brachte neue Lust und … verschaffte mir noch mehr Befriedigung. Oh, ich wurde verwegen. Nie wieder zögerte ich, mich hinzuknien, oder wagte es, das Biest zurückzuweisen. Nie wieder dachte ich, er könnte mich wirklich zerreißen. Und mein Mut wurde belohnt. Er nahm mich mit zärtlicher Wildheit und stillte meine Gier und mein Verlangen stets aufs Neue. Er bemerkte wohl, dass ich Gefallen an unserem Tun fand, und so fragte er mich jeden Abend erneut, ob ich seine Frau werden wollte. Doch jeden Abend gab ich ihm die gleiche höfliche Antwort.

Eines Tages, einige Monate waren ins Land gegangen, erhielt ich einen Brief von meinem Vater. Er war sehr krank. Ich wartete bis zum Abendessen, um dem Biest davon zu erzählen. Panik breitete sich auf seinem Gesicht aus.

“Bitte, Schöne, geh nicht weg”, bat er mich.

“Ich muss!” Ich weinte. “Wenn meinem Vater etwas passiert, bevor ich ihn noch einmal gesehen habe, würde ich dir das nie verzeihen!”

Er schwieg für einen kurzen Moment.

“Schöne”, sagte er dann leise. “Wenn du dieses Schloss verlässt, bedeutet das meinen sicheren Tod.”

Fragend sah ich ihn an. “Ich verstehe nicht.” Seine Worte klangen so mysteriös, wie er die ganze Zeit immer noch für mich war. Er hatte irgendein Geheimnis, das er nicht preisgeben wollte. Was konnte er nur meinen? “Würdest du mir deine rätselhaften Worte bitte erklären?”

“Das kann ich nicht.” Er schüttelte den Kopf, und fast hatte ich den Eindruck, als ob er es mir gern sagen wollte, aber tatsächlich nicht konnte oder durfte. Er sah traurig aus. Dann sprach er weiter: “Ich werde dich nicht daran hindern, das Schloss zu verlassen, wenn du mir versprichst, in spätestens einem Monat wieder zurückzukehren”, sagte er. “Wenn du länger wegbleibst, werde ich sterben.”

“Ich verspreche es.” Nochmals nachzufragen, was genau er denn meinte, würde nichts nützen. Er würde nicht mehr erzählen.

“Ich hoffe, du hältst dein Versprechen, Schöne.” Er verzog das Gesicht und lächelte schief, um dann aufzustehen und zur Tür zu gehen. Dort angekommen, drehte er sich noch einmal zu mir um. “Ich werde veranlassen, dass zwei Truhen zu dir gebracht werden. Füll sie mit allem, was dir gefällt und bring sie zu deiner Familie.”

An diesem Abend hatte ich noch mehr Lust, ihn in seinem Schlafzimmer zu besuchen, als in all der Zeit vorher. Doch zunächst musste ich packen und vieles für meine Abreise vorbereiten, doch dann, irgendwann, war ich bereit, seine Gemächer aufzusuchen, um mich auf meine ganz besondere Art von ihm zu verabschieden.

Rasch ging ich zu seinem Schlafzimmer, öffnete lautlos die Tür und trat ein. Der Raum war dunkel, doch ich konnte ihn sehen; er saß auf einem Stuhl, recht weit hinten in einer Ecke. Ohne ein Wort zu sagen, zog ich mein Nachtgewand aus, ging zu seinem breiten Bett und begab mich dort auf dem Laken auf alle viere, mein Hinterteil war ihm zugewandt. Im gleichen Augenblick, als ich so da kauerte und auf ihn wartete, schoss die Lust in großen Schüben in mich, und ich spürte, dass es in meinem Unterleib feucht wurde und ich bereit war für ihn.

Ich erschrak sehr, als ich plötzlich seine Hand auf meinem Rücken spürte. Er musste sich herangeschlichen haben wie eine Raubkatze, ich hatte ihn nicht kommen hören.

“Dreh dich um”, flüsterte er mit rauer Stimme.

Ich hielt inne und tat nichts.

“Heute Nacht möchte ich dein Gesicht sehen”, sagte er schlicht, und ich drehte mich folgsam auf den Rücken und lag schließlich vor ihm, beobachtete ihn schweigend, während er sich vor mir auszog, langsam auszog. Lange hatte ich ihn nicht mehr so gesehen. Doch nun durchlief mich ein Schauer wie damals in der ersten Nacht, als er in seiner wilden, animalischen Nacktheit vor mir gestanden hatte. Oh ja, er hatte wirklich mehr von einem Tier als von einem Mann.

Aber er ist ein Mann, rief ich mir innerlich zu. Wieder einmal – ja, ich hatte schon oft daran gedacht – flackerte in mir Panik auf. Was, wenn diese nächtlichen Begegnungen, diese wunderbaren Stunden, aus irgendwelchen Gründen einmal ein jähes Ende finden würden? Das durfte nicht sein, oh bitte nicht! Ich schloss meine Augen, als das nackte Biest näher kam.

“Öffne deine Augen, Schöne”, wisperte er.

Ich gehorchte. Seine Männlichkeit befand sich direkt vor meinen Lippen. Er umfasste meinen Kopf mit beiden Händen, aber ich wich zurück. Das Biest wartete ab.

Ich konnte nichts weiter tun, als dieses pulsierende, purpurrote Schwert anzustarren, das darauf wartete, von mir verwöhnt zu werden. Ich ließ meinen Blick über die ganze Pracht gleiten und nahm verwundert wahr, dass es vollkommen war. Es war um so vieles dicker und länger als das eines gewöhnlichen Mannes, aber ich gebe ehrlich zu, dass es mich reizte, meine Zunge nur kurz darübergleiten zu lassen. Immerhin hatte dieses wunderbare Etwas mir schon eine Menge schöner Stunden beschert und mich viele wunderbare Wonnen erleben lassen.

Langsam fuhr ich über die leicht gewölbte, zarte Haut, spürte die Wärme und die Härte und bekam Lust auf mehr. Mein geliebtes Biest schloss die Augen und stöhnte leise und begierig auf, und nun öffnete ich meinen Mund und ließ seine Männlichkeit ein Stück weit in mich hineingleiten, nicht sehr weit, nur ein wenig, doch es genügte, um ihn zu einem weiteren Aufstöhnen zu bewegen und dazu, mit seinem Unterleib ein bisschen näher zu kommen. Nun wagte ich mehr und begann langsam an ihm zu saugen, behutsam. Ich wollte ihn nicht zu sehr erregen, obwohl meine eigene Lust ständig stieg.

Plötzlich stoppte er – ganz abrupt – und entzog mir seinen Unterleib. Er drückte mich hinunter aufs Bett und spreizte meine Beine. Ich starrte wortlos in seine fast schwarzen, magischen Augen. In ihnen lag wieder dieses wilde Glitzern, diese animalische Glut. Ich wollte mich abwenden, mich diesem Blick entziehen, doch es gelang mir nicht. Seine Augen hielten meine gefangen. Ein Anflug von Angst durchzog meinen Körper, leise wie ein Windhauch.

Das Biest nahm mich daraufhin mit unendlicher Leidenschaft in Besitz. Mir stockte der Atem, als er sich über mich beugte, in meine feuchte Mitte eindrang und ich ihn vor Lust schreien hörte. Meine Beine waren bis ins Unendliche gespreizt, und ich nahm ihn auf in seiner ganzen Wildheit. Wieder gruben sich seine Zähne in meine Schultern, meine Brüste, und wieder genoss ich die Intensität dieser Begegnung so sehr, dass ich es nicht in Worte fassen kann. Niemals vorher und niemals nachher würde ich etwas Ähnliches erleben, da war ich mir sicher.

Ich spürte seinen dicht behaarten Körper auf meinem, sah sein Gesicht, dass halb Tier, halb Mensch war, seine noch dunkler gewordenen Augen blendeten mich fast, seine animalischen Laute ließen meinen Unterleib zucken, während er von ihm ausgefüllt und beglückt wurde. Seine rauen Hände fuhren über jeden Zentimeter meines Körpers und hinterließen ein Gefühl auf meiner Haut, als ob sie zerschnitten würde. Mein lautes Schreien ließ ihn noch wilder und meine sichtbare Lust noch zügelloser werden. Wir waren verschmolzen zu einem Ganzen, wir waren nicht mehr zwei, sondern eins. Die Wellen der Erregung durchfluteten mich ununterbrochen, der Schweiß rann über mein Gesicht und über meinen restlichen Körper, beide stöhnten wir so laut wie nie zuvor, und beide genossen wir den anderen. Meine Höhepunkte kamen wie eine Sturmflut, unvorhersehbar und mächtig. Ich krallte mich an ihm fest, zog ihn dichter zu mir heran, und nach einer Ewigkeit oder einer Zeit, die mir wie eine Ewigkeit erschien, und als ich sicher war, dass ein weiterer Höhepunkt mich umbringen würde, schrie er auf. Es war ein lang gezogener Schrei, der nichts Menschliches mehr an sich hatte, und wieder verspürte ich seine Hitze, die meinen Körper durchfloss …

Dann graute der Morgen. Meine Abreise stand bevor.

Zu Hause angekommen, war ich in den ersten Tagen viel zu aufgeregt und beschäftigt, um an das Biest zu denken. Mein Vater wurde nach meiner Heimkehr schnell wieder gesund, meine Familie nahm mich in Anspruch, und ehe ich’s mich versah, war der Monat um, und es war Zeit für mich, ins Schloss zurückzukehren.

Zweifellos lassen die Geschichten, die über mich geschrieben wurden, mich undankbar erscheinen, sogar als hätte ich nicht zu meinem Biest zurückkehren wollen. Nichts liegt der Wahrheit ferner als das. Ich vermisste ihn so sehr! Ich wollte nichts lieber, als ins Schloss zurückzukehren, aber meine liebe Mutter brach jedes Mal in Tränen aus, wenn ich dorthin aufbrechen wollte.

So vergingen ungefähr zwei Monate, bis ich eines Nachts aufwachte, weil ich einen schrecklichen Traum vom Schloss und meinem Biest gehabt hatte. In diesem Traum wanderte ich durch die Hallen, stets auf der Suche nach ihm, und fand ihn schließlich in seinem Schlafzimmer. Er lag im Bett, und ich dachte, er würde schlafen. Doch er war tot. Schreiend fuhr ich im Bett hoch. Mein Herz klopfte wild, und nun musste ich wieder an seine Worte denken. Er hatte mir gesagt, dass er sterben würde, sollte ich nicht rechtzeitig zurück sein.

Schneller als der Wind stürzte ich zu meinem Schrank, um meine Sachen zu packen, und noch bevor der Morgen graute, verabschiedete ich mich von meiner traurigen Familie, um meine Rückreise ins Schloss anzutreten. Zu ihm, meinem Biest, meinem Liebhaber. Auf der Reise kreisten meine Gedanken um nichts anderes.

Es war fast Abend, als ich das Schloss erreichte, und mit schnellen Schritten eilte ich durch die düsteren Gänge, bis ich vor seinem Schlafzimmer stand. Zaghaft öffnete ich die Tür und erschrak fürchterlich: Er lag im Bett, genau wie in meinem Traum die Nacht zuvor. Ich eilte zu ihm. Alles in mir war kalt. Ich hatte solche Angst.

“Nein!”, schrie ich, als ich an seine Seite hastete. “Bitte nicht! Du darfst nicht sterben!”

Er wandte seinen Kopf zu mir und sah mir in die Augen, als er meine Stimme hörte. Tränen strömten über mein Gesicht, während ich mich zu ihm hinabbeugte und ihn hingebungsvoll umarmte. “Danke, dass du nicht tot bist”, hauchte ich in sein Ohr.

“Du bist zurückgekehrt”, war alles, was er herausbrachte.

“Ja, ich bin wieder da.” Ich wusste, ich würde ihn nie wieder verlassen.

“Willst du mich heiraten, meine Schöne?”, fragte er mich.

“Ja, mein Biest, das will ich”, wisperte ich und wischte meine Tränen fort. “Ja, ja, ja!”

Im gleichen Moment erstrahlte der Raum in gleißendem Licht, und als ich es wagte, meine Augen wieder zu öffnen, saß ein Mann vor mir, den ich noch nie gesehen hatte. Mein Biest war verschwunden. Erschrocken taumelte ich einige Schritte zurück und starrte den Fremden an.

“Oh meine Schöne”, sagte er liebevoll. “Du hast mich von meinem Fluch befreit.”

In meinen Augen standen immer noch Tränen. Ich blinzelte ihn wie durch einen Schleier an und versuchte die Worte des Mannes zu begreifen. Er erklärte mir, dass er in Wirklichkeit ein verwunschener Prinz war, der durch einen Zauberspruch in das Biest verwandelt wurde. Die grausame Hexe hatte ihm die scheinbar aussichtslose Bedingung auferlegt, erst dann erlöst zu werden, wenn seine wahre Liebe einwilligte, ihn zu heiraten – obgleich sie ihn nur in Gestalt des Biests kannte.

Dieser Fremde ist also mein Biest, dachte ich verblüfft. Ich blickte in sein Gesicht und sah einen wunderschönen Prinzen. Ich konnte mir nicht erklären, warum ich einen Hauch von Enttäuschung verspürte. Mein Biest hatte nie zuvor so glücklich ausgesehen.

Wir heirateten noch am gleichen Tag.

Und jetzt muss ich meine Geschichte beenden, denn es ist schon spät und mein Ehemann, der Prinz, wird mich bald in meinem Schlafgemach aufsuchen, um mir Wonne und Lust zu spenden. Ich sollte für ihn bereit sein, wenn er zu mir kommt.

Aber ich sollte endlich aufhören, in seinen Augen nach dem wilden Glanz zu suchen.

Oder darauf zu lauschen, ob ohrenbetäubendes Gebrüll seiner Kehle entweicht.

Es ist vergebens.

Blaubart

Es war einmal ein mächtiger Mann, der über ein großes Vermögen verfügte, über beträchtlichen Grundbesitz und über Häuser, Schlösser und Burgen. Er blieb nie lange an einem Ort, sondern zog rastlos umher. Oftmals wusste man gar nicht, wo er gerade war. Der Mann hatte einen Bart, was an sich nichts Ungewöhnliches war. Nur war sein Bart leuchtend blau. Man munkelte, der Mann habe keinen guten Charakter. Wie er wirklich hieß, das hatte man schon längst vergessen. Gemeinhin wurde er “Blaubart” genannt.

Blaubarts geheimnisvolles Leben gab den Menschen eine Menge Rätsel auf. Seine Nachbarn konnten gar nicht genug über ihn tratschen. Man fragte sich, warum er so reich war und wie er diesen Reichtum ständig vermehren konnte, und man munkelte, dass er seine vielen Anwesen für seine zahlreichen Ehefrauen angeschafft hatte. Komisch war nur, dass keine der Frauen, die Blaubart geheiratet hatte, lange blieb, nein, jede von ihnen war eines Tages ganz plötzlich verschwunden, und man hatte sie nie wieder gesehen. Diese Tatsache war für einige Menschen erschreckend, doch keiner wagte es, nachzufragen. Viele Frauen fürchteten sich vor Blaubart und bekamen es mit der Angst zu tun, wenn er auftauchte.

Dann trug es sich zu, dass eine Witwe mit ihren beiden Töchtern in die Nachbarschaft zog, und als Blaubart sah, dass die beiden jungen Frauen ausnehmend hübsch waren, suchte er ihre Mutter auf und bat sie um die Hand einer ihrer Töchter. Welche ihn heiraten würde, das wollte er ihnen überlassen. Doch die Frauen lehnten Blaubarts Wunsch ab; zu viel hatte man ihnen über diesen Mann erzählt. Außerdem wollte sich keine der beiden mit einem Mann vermählen, der einen blauen Bart hatte.

Doch Blaubart wollte sie unbedingt davon überzeugen, dass er ein rechtschaffener Mann war, der ein gutes Herz hatte und nur das Beste für seine Frau wollte, und machte ihnen einen Vorschlag: Er würde sie auf eines seiner Schlösser einladen und dort ein großes Fest für sie geben, sodass sie sich davon überzeugen könnten, welch ein Gentleman er war. Die Töchter stimmten zu, weil sie neugierig darauf waren, wie Blaubart lebte.

Und so reisten sie auf eines von Blaubarts prächtigen Schlössern. Sie waren nicht allein, denn sie durften alle Freunde und Bekannte mitnehmen. Noch großzügiger und beeindruckender war allerdings der Umstand, dass das Fest einen vollen Monat andauern sollte.

Oh, es wurde großartig, pompös, eine Aneinanderreihung von wundervollen Bällen, herrlichem Essen und allem Luxus und Annehmlichkeiten, die man sich nur vorstellen konnte. Blaubart selbst war der perfekte Gastgeber und zeigte sich nur von seiner besten Seite. Er las seinen Gästen, bevorzugt natürlich den beiden jungen Frauen, jeden Wunsch von den Augen ab. Die Töchter waren geschmeichelt, und die Ältere von ihnen war geradezu angetan von Blaubarts charmantem Auftreten. Je länger sie auf dem Schloss in all dem Luxus verweilte, desto mehr dachte sie darüber nach, dass es doch schade wäre, künftig ...

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