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Verwechslung mit Folgen

1. KAPITEL

„Ich kann doch nicht den Platz der Wahrsagerin einnehmen!“ Lauren zitterten regelrecht die Knie unter dem lächerlich kurzen Rock der Kellnerinnenuniform. „Es tut mir leid, dass sie Sie im letzten Moment im Stich gelassen hat, aber ich flehe Sie an, bitten Sie mich nicht, für sie einzuspringen. Ich wäre völlig unbrauchbar.“

„Auch als Eventmanagerin sind Sie ja nicht gerade eine Leuchte, Lauren!“ Ihre Chefin Gillian fuchtelte wütend mit einer Handvoll Papiere vor deren Nase herum. „Die Liste, die Sie erstellt haben, stimmt hinten und vorn nicht - Sie haben die Namen ganz durcheinandergebracht!“

„Weil mich alle so bedrängten. Meine Rechtschreibschwäche habe ich Ihnen doch nicht verschwiegen“, verteidigte sich Lauren. „Und ich bat Sie ausdrücklich, jemanden die Liste überprüfen zu lassen.“

„Eben gerade habe ich einen Prinzen mit falschem Namen angesprochen“, ereiferte sich Gillian. „Wir sind in Monte Carlo, nicht in Manchester! Die Party ist das wichtigste Ereignis dieses Jahrzehnts. Mein Ruf steht hier auf dem Spiel! Können Sie das begreifen?“

„Alles wird gut gehen. Ich begrüße die Gäste und …“

„Wie können Sie denn jemanden begrüßen, wenn Sie gar nicht wissen, wer er ist? Diese Liste ist vollkommen nutzlos.“

„Gesichter kann ich mir sehr gut merken. Ich komme nur durcheinander, sobald ich etwas aufschreiben muss.“ Und wenn die Leute die Geduld mit ihr verloren und sie anschrien und alles nur noch schlimmer machten. Wie in der Schule, dachte Lauren schaudernd.

Gillian riss die Liste in der Mitte durch. „Ich will, dass Sie sich da hinbegeben, wo Sie am wenigsten Schaden anrichten können: ins Zelt der Wahrsagerin. Alles, was Sie dort tun müssen, ist, den Leuten zu versichern, dass sie glücklich und zufrieden sein werden bis an ihr seliges Lebensende. Selbst Sie werden das ja wohl hinbekommen.“

„Ich glaube nicht an Märchen“, erwiderte Lauren. „Das Leben ist hart, und ich halte nichts davon, den Menschen eine rosa Brille aufzusetzen.“

„Das Leben - Ihr Leben - wird noch härter werden, wenn Sie nicht tun, was ich Ihnen sage.“ Gillians Gesicht hatte eine ungesund rote Farbe angenommen. „Wollen Sie Ihren Job behalten?“

Lauren biss sich auf die Unterlippe. Sie hasste ihren Job. Selbst dieser einwöchige Aufenthalt in Monte Carlo, wo ihre Chefin dieses Event ausrichtete, entpuppte sich als wahrer Albtraum. Doch auch in London machte die Arbeit ihr keinen Spaß. Aber das Leben war eben kein Märchen, oder? Und es gab niemanden, an den sie sich um Beistand wenden konnte, wenn etwas schiefging - keine Verwandten oder Freunde. „Was soll ich tun?“, fragte sie also resigniert.

„Die echte Wahrsagerin nennt sich Madame Rostropov.“ Gillian zerrte Lauren regelrecht mit sich und schubste sie in ein kleines Zelt, das sich auf dem Grundstück des Hotels befand. Sie griff nach einem Kostüm auf einem Kleiderständer. „Hier. Ziehen Sie das an, während ich versuche, das heillose Durcheinander zu beheben, das Sie angerichtet haben. Und als hätte ich nicht schon genug um die Ohren, kommt heute Abend auch noch Alexandros Kozanitas her. Was bedeutet, dass es hier von Journalisten nur so wimmeln wird.“

„Wer kommt?“ Lauren hörte kaum zu, da sie entsetzt das Kostüm betrachtete. „Es fehlt die Hälfte des Stoffes.“

„Das Kostüm soll Ihnen helfen, einen geheimnisvollen Eindruck zu erwecken.“

„Es wird mir helfen, öffentliches Ärgernis zu erregen.“

„Tragen Sie es einfach, Lauren“, fuhr Gillian sie an. „Und die Tatsache, dass Sie noch nie etwas von Alexandros Kozanitas gehört haben, ist ein weiterer Grund für Sie, sich in diesem Zelt zu verstecken, bis die Party vorbei ist. Ich möchte auf keinen Fall, dass Sie wieder ins Fettnäpfchen treten.“

„Ist er ein so wichtiger Mann?“

„Er ist ein eiskalter, rücksichtsloser Frauenheld, aber auch reich und mächtig. Und wenn er auf einer Party erscheint, ist das Glück der Gastgeberin gemacht.“

Lauren zwängte sich in das knappe Kostüm und stöhnte innerlich auf. „Ich glaube, die echte Madame Rostropov muss recht flachbrüstig sein.“ Bestürzt sah sie an sich herab. „Ich sehe völlig ordinär aus.“

„Gut. Dann werden die Männer bereitwilliger Schecks ausschreiben.“ Gillian rauschte majestätisch aus dem Zelt.

Niedergeschlagen ließ Lauren sich auf den Stuhl fallen und wünschte, die Wahrsagerin wäre nicht ausgerechnet heute krank geworden. Wie in aller Welt sollte sie irgendjemandem glaubhaft eine rosige Zukunft prophezeien, wenn sie ihrer eigenen so unbehaglich entgegensah?

„Sie ist keine Betrügerin, Andros. Sie ist meine Freundin. Deswegen wollen wir zusammen verreisen. Und da sie - im Gegensatz zu mir - kein Geld hat, möchte ich sie einladen. Was spricht dagegen?“

Alexandros hörte sich die naive Frage ungläubig an, schloss kurz die Augen und fragte sich, was er verbrochen hatte, um mit der Verantwortung für seine Schwester geschlagen zu werden. „Was dagegen spricht, dass du einer Frau vertraust, die sich ihr Geld mit Wahrsagen verdient? Ich bitte dich, Eleni. Deine sogenannte Freundin ist eine Schmarotzerin und benutzt dich nur, um einen kostenlosen Urlaub in New York zu genießen.“

„Das ist nicht wahr! Und überhaupt, misch dich nicht ein. Ich bin siebzehn und kein Kind mehr. Also hör auf, mich beschützen zu wollen!“

Flankiert von seinen Sicherheitsmännern, entfernte sich Alexandros mit langen Schritten vom Hubschrauber. Eleni war seine einzige Verwandte. Selbstverständlich hatte er es sich zur Aufgabe gemacht, sie immer zu beschützen. Deswegen wusste sie auch nicht, wie grausam die Menschen sein konnten.

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