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Versteckspiel

ÜBER DIE AUTORIN

Friederike Schmöe wurde 1967 in Coburg geboren und lebt heute in Bamberg.

Neben ihrer Tätigkeit als Dozentin an den Universitäten in Bamberg und Saarbrücken schreibt sie seit dem Jahr 2000 Krimis und Kurzgeschichten.

Sie gibt Kurse in „Kreativem Schreiben“ für Kinder und Jugendliche und veranstaltet zahlreiche Literaturevents, auf denen sie in Begleitung von Musikern und Schauspielern aus ihren Werken liest.

Internet: www.friederikeschmoee.de

DIE HAUPTPERSONEN

Maj …

… ist 16 Jahre alt und lebt bei ihrer Mutter. Sie mag finnischen Symphonic-Metal und hasst Schrebergärten. In den Ferien jobbt sie manchmal in einem griechischen Imbiss, weil sie eigentlich ständig pleite ist.

Mats …

… ist etwas älter als Maj. Er ist von zu Hause abgehauen, weil er keinen Bock auf Schule und Ausbildung hat, und lebt nun auf der Straße. Er bezeichnet sich selbst als „den begabtesten Langfinger im Viertel“, was er Maj gleich mehrfach vorführt.

Darüber hinaus tauchen auf:

Majs Mutter

Sie ist geschieden und kümmert sich seither alleine um Maj – viel zu viel, wie diese meint.

Kelly

Eine Klassenkameradin von Maj, mit der sie im Imbiss gearbeitet hat. Auf sie kann man sich verlassen, wenn’s drauf ankommt.

Gila und Lars

Gila ist eigentlich Majs beste Freundin.

Aber seit sie mit Lars zusammen ist, kennt sie kein anderes Gesprächsthema mehr als ihn.

Und außerdem:

Ein unbekannter Messerstecher, das Opfer der Attacke, eine geheimnisvolle Unbekannte mit Dreadlocks, Erato vom Imbiss, Mats’ Freundin Erna, Kommissar Weber und noch einige Menschen mehr.

KAPITEL 1

Maj sah sich um. Lange Schlangen an den Kassen. Stau am Kühlregal. Am späten Nachmittag traten sich die Kunden im Supermarkt immer gegenseitig auf die Zehen. Bei dem ganzen Stress wollte jeder nur so schnell wie möglich hier raus.

Maj griff nach einer Flasche Whisky und schob sie unter die Jacke. Ging weiter, ganz cool. Gerade wurde eine neue Kasse geöffnet. Maj drängte sich vor und legte eine Packung Kaugummi aufs Band, zahlte und verließ den Markt.

Draußen war es dunkel. Die Straßenlaternen tauchten nur den Parkplatz vor dem Supermarkt in fahles Licht. An der Längsseite zur Hauptstraße stauten sich die Autos. Doch als Maj auf die kleinere Kanalstraße zuging, schien alles wie ausgestorben. Echt nicht der Hit, im November Geburtstag zu haben. Majs Party würde bei Lars im Keller stattfinden. Sie hätte lieber draußen gefeiert, mit Lagerfeuer und allem Pipapo. Wie Gila im letzten Juni. So eine Fete konnte Maj sich abschminken. Sie sah die Regenfäden im Licht der Laternen über den Parkplatz wehen.

Die Neonleuchte über dem Eingang flackerte. „He!“, rief jemand hinter ihr her. Erschrocken drehte sie sich um. Jetzt nur nicht in Panik geraten. Maj zog die Schultern hoch und hastete weiter. Drüben bei der Bushaltestelle warteten Lars und Gila.

Nun freute Maj sich doch auf die Party.

Man wird ja nur einmal 16, dachte sie und ging schneller.

Aber es kam alles anders.

Fast schon am Gehsteig angekommen, hörte Maj Zweige knacken. Sie fuhr herum, sah zu den wenige Meter entfernten Altglastonnen hinüber. Kurz dahinter begann das Wäldchen.

Da lief ein Mann weg! Unerwartet drehte er sich um und sah in Majs Richtung. Der Lichtkegel einer Laterne fiel auf sein Gesicht. Maj blickte direkt in seine Augen. Sie standen ungewöhnlich eng zusammen. Er trug eine Mütze und einen dicken Schal um den Hals. Unsicher taumelte er rückwärts auf die Tonnen zu. Als die Finsternis jenseits des Parkplatzes ihn beinahe verschluckt hatte, hob er den rechten Arm und streckte Maj seine Hand entgegen. Als zielte er mit einer Pistole auf sie. Majs Herz machte einen Satz.

Irgendwie kam ihr der Typ bekannt vor. In seiner Hand sah sie etwas aufblitzen. Ein Messer? Blödsinn. Konnte gar nicht sein.

Schulterzuckend wandte sich Maj wieder um – und stolperte über etwas Weiches, Unförmiges. Sie keuchte auf und suchte Halt an der Ladefläche eines Pick-ups. Die Flasche Whisky rutschte ihr unter der Jacke raus und zerbrach auf dem Asphalt. Vor Schreck machte Maj noch einen Schritt vorwärts und stürzte. Ihre Hand fasste in etwas Nasses, Warmes. Entsetzt kroch sie einen Meter zurück und sah auf ihre Finger. Blutverschmiert! Vor ihr lag ein Mann zusammengekrümmt auf dem Boden. Er stöhnte leise. Majs Herz hämmerte wie verrückt. Was sollte sie jetzt tun? Drüben an der Bushaltestelle sah sie Gila und Lars ungeduldig von einem Fuß auf den anderen treten. Sie wollte hinüberrufen, aber aus ihrer Kehle kam kein Laut.

Der Verletzte röchelte. Maj rutschte noch ein Stück von ihm weg. Ausgerechnet jetzt waren kaum Leute auf dieser Seite des Parkplatzes.

„Wir müssen die Polizei rufen!“, schrie eine Frau, die plötzlich neben Maj auftauchte. „Und einen Krankenwagen!“

Maj fing an zu zittern. Die Frau kniete neben ihr nieder und fummelte an der Kleidung des Verletzten.

„Bist du fit in Erster Hilfe?“, fragte sie.

Maj schüttelte den Kopf. Als sie noch einmal einen Blick zu den Altglastonnen warf, war der Mann weg.

KAPITEL 2

„So, du bist also zufällig über das Opfer gestolpert.“ Der Polizist, der sich als Theo Weber vorgestellt hatte, musterte Maj aufmerksam. Sie saß mit ihrer Mutter auf der Polizeiwache. Hatte sich die Hände gewaschen, aber das Blut des Mannes spürte sie immer noch an den Fingern.

„Ist er tot?“, fragte sie leise.

„Nein.“ Der Polizist seufzte. Er war untersetzt, hatte eine Glatze und kratzte mit seinen Wurstfingern das Schwarze unter seinen Fingernägeln hervor. „Aber schwer verletzt.

Du hast heute Geburtstag, wie ich deinem Ausweis entnehme. Und du hast geklaut.“

„Habe ich nicht.“

„Sondern? Wo kam die Whiskyflasche her, die auf dem Parkplatz zu Bruch gegangen ist, hm?“

Maj zuckte die Achseln. „Vielleicht hat der Typ die Flasche fallen lassen.“

Sie hoffte, Weber würde nicht merken, wie sie innerlich zitterte. Ihre Mutter rutschte unruhig auf dem Stuhl herum. Auf ihrer Stirn bildete sich die typische, senkrechte Falte. Bis zur Nasenwurzel. Ein Zeichen dafür, dass sie sauer wurde.

Weber nahm eine Fernbedienung zur Hand und schaltete einen Fernseher an. Maj sah die Regalreihen des Supermarktes vor sich.

„Weißt du, was das ist?“

Maj verzog das Gesicht.

„Ein Überwachungsvideo“, half ihr der Polizist auf die Sprünge. „Da sieht man, wie du dich am Regal für die harten Sachen bedienst.“

Maj wurde heiß. Ihre Wangen glühten.

„Wussten Sie, dass Ihre Tochter klaut?“

Mit einem Seitenblick auf Majs Mutter drückte Weber auf ‚Stopp‘.

Die Mutter sog scharf die Luft ein. „Maj!“

„Mom, bitte“, stöhnte Maj.

„Das war nicht das erste Mal, oder?“ Weber trommelte mit einem Bleistift auf den Tisch.

Maj schwieg. Nein. Es war nicht das erste Mal. Zu Lars’ letzter Party hatte sie auch eine Flasche beigesteuert. Es war nicht so schwierig, etwas mitgehen zu lassen, wenn man sich erst mal überwunden hatte. Maj hatte zusammen mit ihrer Klassenkollegin Kelly im letzten Sommer als Aushilfe in einem griechischen Imbiss gejobbt. Doch das Geld war aufgebraucht. Ihre Mutter stand auf Sparsamkeit. Über mehr Taschengeld brauchte man mit ihr gar nicht zu diskutieren. Vor allem dann nicht, wenn Maj das Geld für Alkohol ausgeben wollte. Das hätte sofort einen Riesenkrach gegeben.

„Maj, das darf doch nicht wahr sein“, rief ihre Mutter. Die Falte auf ihrer Stirn wurde immer tiefer. Gleich würde sie ein paar Tränen abdrücken, damit Maj auch merkte, wie viel Kummer sie ihrer Mutter machte. Meine Güte, das ging ihr wirklich auf den Geist.

„Du kriegst eine Anzeige.“ Der Polizist raschelte mit mehreren Papieren. „Und Hausverbot im Supermarkt. Immerhin wissen wir, dass du den Mann auf dem Parkplatz nicht niedergestochen haben kannst.“

„Ich muss Sie aber sehr bitten!“, regte Majs Mutter sich auf.

„Lass, Mom“, sagte Maj.

„Hast du etwas gesehen oder gehört, als du aus dem Markt rausgelaufen bist?“, fragte Weber. „Nein.“ Maj schob die Hände unter den Po.

Ihr war kalt. Ihr Haar war noch feucht. Auf dem Parkplatz hatte sie eine halbe Ewigkeit herumgestanden, bis ihre Mutter kam und sie im Streifenwagen zur Polizeiwache fuhren.

Lars und Gila waren abgehauen. Hatten die beiden den Mann bei den Mülltonnen auch gesehen? Der auf sie gezeigt hatte? Und woher hatte sie nur das Gefühl, ihn zu kennen?

„Wirklich nicht?“ Weber sah Maj aus kalten, blauen Augen an.

„Da war ein Mann“, antwortete sie widerwillig. „Der lief zu den Altglastonnen.“

„Altglastonnen?“

„Die stehen am Rand vom Parkplatz. Richtung Kanalstraße.“ Maj überlegte blitzschnell.

Sollte sie sagen, dass der Mann sich umgedreht hatte, sodass sie sein Gesicht sehen konnte? Lieber nicht. Der Polizist würde sie nur weiter mit Fragen bombardieren.

„Ja? Wie sah der aus?“

„Groß und schlank.“

„Kannst du ihn beschreiben? Gesicht?

Kleidung?“

Maj krümmte sich innerlich zusammen.

Es war dunkel gewesen. Alles war ihr ganz unwirklich vorgekommen auf dem Parkplatz.

Sie hatte sogar einen Augenblick gedacht, der Mann auf dem Boden wäre tot.

„Er hatte dunkle Sachen an“, flüsterte Maj.

Er hatte auf sie gezeigt, ihr direkt in die Augen gesehen. „Trug eine Mütze. So eine mit Bommel.“

„Na gut. Es gibt noch eine Zeugin, die jemanden weglaufen sah. Die kann ihn besser beschreiben. Wir lassen eine Phantomzeichnung anfertigen. Du hörst von uns.“ Weber reichte ihr eine Visitenkarte. „Falls dir noch was einfällt.“

Er wandte sich ab und begann, auf einem Laptop zu schreiben.

„Ich nehme an, Sie brauchen uns nicht mehr?“, fragte Majs Mutter.

„Sie können gehen!“ Er ...

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