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Versicherungslösungen für das Baugewerbe

Vorwort

Bei diesem Buch handelt es sich um ein Kompendium und somit liegt laut Wikipedia ein kurz gefasstes Lehrbuch bzw. Nachschlagewerk vor.

Dieses Werk ist für die alltägliche Anwendung im Innen- und Außendienst gedacht und soll übersichtlich zusammengestellte Informationen vorhalten.

Daher wurde bei der Erstellung bewusst auf umfangreiche Paragraphen, Gesetzestexte und Bedingungswerke verzichtet.

Erklärtes Ziel des Autoren: Eine Art Arbeitsunterlage zu verfassen, in der die Informationen aus der Praxis für die Praxis enthalten sind.

Dieses Buch hat einen rein informatorischen Zweck und kann daher nicht verbindlich zur Beurteilung von zu versichernden Risiken heran gezogen werden.

Horstmar im September 2015,

Marc Latza

Der Autor

Marc Latza

  • geboren 1974

  • seit 1994 als gelernter Versicherungskaufmann tätig

  • Haftpflicht Underwriter DVA

  • Technischer Underwriter DVA

  • vom DGSV (Deutscher Gutachter und Sachverständigen Verband e.V.) zertifizierter Sachverständiger für gewerbliche und industrielle Versicherungen

  • Fachbuchautor

  • Dozent

  • Akkreditierter Fachjournalist

Bisher sind erschienen:

  • „Handbuch für das Technische Underwriting“

  • „Versicherungslösungen für das Baugewerbe / Kompakt“

  • „Versicherungslösungen für das Baugewerbe / XXL“

Regelmäßig bietet der Autor zu diversen versicherungstechnischen Themen Seminare an.

Das Seminar zum Thema „1x1 der Architektenhaftpflicht“ wurde 2014 inhaltlich von der Architektenkammer NRW geprüft und als Fortbildungsveranstaltung für Architekten und Ingenieure anerkannt !

Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt.

Die dadurch begründeten Rechte, insbesondere die der Übersetzung, des Nachdrucks, des Vortrages, der Entnahme von Abbildungen, Tabellen oder Texten, der Funksendung, der Mikroverfilmung oder der Vervielfältigung auf anderen Wegen und der Speicherung in Datenverarbeitungsanlagen, bleiben, auch bei auszugsweiser Verwertung, vorbehalten.

Eine Vervielfältigung dieses Werkes oder von Teilen dieses Werkes ist auch im Einzelfall nur in den Grenzen der gesetzlichen Bestimmungen des Urheberrechtsgesetzes in der jeweils geltenden Fassung zulässig.

Sie ist grundsätzlich vergütungspflichtig.

Zuwiderhandlungen unterliegen den Strafbestimmungen des Urheberrechts.

Inhaltsverzeichnis

 

Kapitel 1        Technische Versicherungen

Allgemein

  • Technische Versicherungen in Deutschland und International

  • Deckungsumfang CAR, EAR, AMoB, Builders Risk

  • Vertragsformen der Technischen Versicherung

Bauleistung

  • ABN

  • ABU

  • Klauseln ABN und ABU

  • Begrifflichkeiten

  • Altbausanierung / An- oder Umbauten

  • CAR / Maintenance

  • CAR / EAR-Deckung

Montage

  • Welche Objekte können versichert werden ?

  • Montageausrüstung

  • Fremde Sachen

  • Welches Interesse kann versichert werden ?

  • Versicherungssumme

  • Beginn der Haftung

  • Was versteht man unter Erprobung ?

Maschinenversicherung

  • Stationäre Risiken

  • Mobile Risiken

    • Einsätze auf „Schwimmkörpern“

    • Innere Betriebsschäden

Elektronik

Deckungsumfang ABE, AMB, ABMG, ABN, ABU, AmoB

Baufertigstellungsversicherung

 

Kapitel 2        Betriebsunterbrechung

Allgemein

  • Gegenstand der Ertragsausfallversicherung

  • Versicherte Gefahren der Feuer-BU

  • Dauer des Unterbrechungsschadens

  • Haftzeit

  • Bewertungszeitraum

  • Wechselwirkungsschäden

  • Rückwirkungsschäden

  • Auswirkungsschäden

  • Ausfallziffern (PML / EML-Schätzung)

  • Nachhaftung

  • Betriebsertrag als versichertes Interesse

  • Gewinn und Verlustrechnung

  • Schadenminderungskosten

  • Abrechnungsverfahren

  • Was melde ich wann ?

Maschinenversicherung

Bauleistung

Montage

Elektronik

Wann wirkt sich welcher Versicherungsschutz bei Bau- / Montageprojekten aus ?

 

Kapitel 3        Betriebshaftpflichtversicherung

Allgemein

Hinweise und Tipps zu einzelnen Berufsbildern

  • Schornsteinfeger

  • Elektriker

  • Dachdecker (Zimmermann, Spengler)

  • Bautenschützer

  • Industriekletterer

  • Wohnungsbau- / Baubetreuungsunternehmen

Meisterbetriebe

  • Handwerksausübung im Reisegewerbe

  • Anlage A – Meisterpflicht

  • Anlage B1 – zulassungsfreie Handwerke / keine Meisterpflicht

  • Anlage B2 – handwerksähnliche Gewerbe / keine Meisterpflicht

  • Exkurs: Handwerker stößt auf Architekten

  • Handwerkliche Selbstverständlichkeiten

  • Schwierige und gefährliche Arbeiten

Mitversicherte Leistungen

  • Handwerksbetriebe

  • Produzierende Betriebe

  • Winterdienste

  • Echte Vermögensschäden

Erläuterung der wichtigsten mitversicherten Positionen für Handwerksbetriebe

  • Arbeits- und Liefergemeinschaften

  • Auslandsschäden

  • Container

  • Beauftragung von Subunternehmern

  • Abwasserschäden/Allmählichkeitsschäden

  • Arbeitnehmerüberlassung

  • Belegschafts- und Besucherhabe

  • Be- und Entladeschäden einschließlich Schäden am fremden Ladegut

  • Tierhaltung, Tierhüterrisiko

  • Medienverluste

  • Leitungsschäden

  • Mängelbeseitigungsnebenkosten

  • Asbestausschluss / Asbestklausel

  • Tätigkeitsschäden / Bearbeitungsschäden

  • Senkungen, Erschütterungen und Erdrutschungen

  • Unterfahrungen

  • Unterfangungen

  • Gründungsschäden

  • Erweiterung der Nachhaftung auf 5 Jahre

  • Verlängerung der gesetzlichen Gewährleistungsfrist auf 5 Jahre

  • Unterscheidung von Gewährleistung und Garantie

  • Versehensklausel

  • Verzicht auf Untersuchungs-/Rügepflichten

  • Aktive Werklohnklage

Erläuterung der wichtigsten mitversicherten Positionen für produzierende Betriebe / Handwerksbetriebe und Handelsbetriebe

  • Erweiterte Produkthaftpflicht (ePH)

  • Bausteinen:

    • 4.1

    • 4.2

    • 4.3

    • 4.4

    • 4.5

    • 4.6

  • Nicht versichert

  • Zusammenspiel zwischen BHV und ePH

  • Versicherungsfall / Schadeneintritt-Definitionen

Arbeitsmaschinen

  • Arbeitsmaschinen im Straßenverkehr

  • Zulassung oder nicht ?

  • Deutsches Versicherungsrecht

  • Baumaschinen

  • Betriebs- oder Kraftfahrzeughaftpflicht ?

Sonderfälle

  • Bürgschaftsversicherung / Kautionsversicherung

    • Zielgruppe

    • Das Prinzip

    • Bürgschaftsarten

    • Versicherungsgegenstand

    • Gewährleistungszeiträume

    • Risiko des Versicherers

    • Leistung des Versicherers

    • Bürgschaftslimit als Versicherungssumme

  • Excedent & DIC / DIL

  • D&O

    • E&O

    • Straf-Rechtsschutz

    • Spezial-Straf-Rechtsschutz

  • Vertrauensschaden

 

Kapitel 4        Bohrunternehmen / Brunnenbauer

Prinzip der Geothermie

Warum sind Geothermieprojekte (Erdwärme) so reizvoll ?

Risiken für die Sicherheit eines Geothermieprojektes

  • Oberflächennahe Geothermie

  • Tiefe Geothermie

  • Risiken seismische Ereignisse

  • Hebungen / Senkungen als Folge

Artesische Brunnen

  • Arteser-Versicherung

Minimierung der Risiken

  • Wirtschaftlichkeitsrisiken eines oberflächennahen Projekts

  • Wirtschaftlichkeitsrisiken eines tiefen Projekts

  • Fündigkeitsversicherung

Anfrage & Angebot / Beispiel aus der Praxis

  • Absicherung über Bauherrenhaftpflichtversicherung ?

  • Absicherung über Bauleistungsversicherung ?

  • Ansprüche aus Bergschäden gemäß § 114 Bundesberggesetz (BbergG)

Kapitel 5        Sprengarbeiten

Allgemein

Fachbegriffe

Aufgaben des Unternehmers

Durchführung der Sprengarbeiten

Zusätzliche Schutzmaßnahmen bei besonderen Sprengarbeiten

  • Kessel- und Lassensprengungen

  • Großbohrlochsprengungen

  • Geophysikalische Sprengarbeiten

  • Sprengungen von Bauwerken und Bauwerkteilen

  • Sprengungen für unterirdische Hohlräume

  • Sprengungen unter Wasser

  • Sprengungen in heißen Massen

  • Eissprengungen

  • Schneefeldsprengungen

Abbruch von Hand / Demontieren

Radiusklausel

 

Kapitel 6        Tunnelbau

Grundlagenwissen

  • Grundzüge

  • Voraussetzung

  • Begriffsklärungen

    • Tunnelquerschnitt

    • Untertagebau / Einteilungen

    • Tunnelbaugeräte

    • Bauweisen und Vortrieb

    • Tunnelbau in festem Gestein

Traditionelle Bauweise

Moderner Vollausbau

Tunnelbau in nicht standfestem Gestein

Kernbau / Deutsche Bauweise

Unterfangbaueise / Belgische Bauweise

Alte österreichische Bauweise

Vortrieb / Englische Bauweise

Versatz / Italienische Bauweise

Ringbau

Messerbauweise

Schildvortrieb

Gefrierverfahren

Offene Bauweise

Vertieftes Wissen

  • Hauptursachen für Tunnelbrände

    • Gibt es Sicherheitsunterschiede im Vergleich von ein- und zweiröhrigen Tunnel ?

    • Vergleich Tunnel mit Gebäude

    • Schutzziele

    • Richtlinie 3502 / Mindestanforderung Brandbekämpfungssystem

    • Branderkennung

Versicherungskonzepte

Bauphase

Gefährdungspotenzial in der Bauphase

Versicherung in der Bauphase

Die Bauleistungsversicherung

Exkurs: Deckungen für Großprojekte

Sachschaden bedingte verzögerte Inbetriebnahme

Baumaschinen

Betriebsphase

Haftung bei Tunnelunglücken

Verschuldens- und Gefährdungshaftung in Deutschland

Verschuldens- und Gefährdungshaftung in Österreich

Verschuldens- und Gefährdungshaftung in der Schweiz

Produkthaftpflicht

Deutschland

Österreich

Schweiz

Kumulrisiko Betriebs- und Produkthaftpflicht

Deckungskonkurs

Regressmöglichkeiten

  • Zusammenfassung Haftpflichtaspekte

Kapitel 7        Wasserbau

Alles fängt mit einer Baugrube an

  • Baugrubenwände

  • Grundwasserabsenkung

  • Baugrubensohlen

    • Natürliche Sohlenabdichtung

    • Unterwasserbetonsohlen

    • Injektionssohlen

    • Herkömmliche Injektionssohlen

    • Dichtungssohlen im Düsenstrahlverfahren

Exkurs: Haftpflichtrisiko von Tauchunternehmen im Bereich Wasserbau

Exkurs: Germanischer Lloyd

 

Kapitel 8        Umwelthaftpflichtversicherung

Umwelthaftpflichtversicherung

  • Zusammenspiel BHV und UHV

Umwelthaftpflicht-Modell

  • Umfang der Versicherung

    • Enumerations- und Deklarationsprinzip

  • Deckungs-/Risikobausteine

    • Ziffer 2.1

    • Ziffer 2.2

    • Ziffer 2.3

    • Ziffer 2.4

    • Ziffer 2.5

    • Ziffer 2.6

    • Ziffer 2.7

  • Allgemeine Hinweise

    • Transport

    • Einleitungsrisiko

    • Schäden vor Vertragsbeginn

    • Verfüllung und Rekultivierung von Erdaushubdeponien, Kiesgruben, Steinbrüchen und sonstigen Tagebau-Abbaugruben

    • Serienschaden

    • Ausland

Umweltschadenversicherung

  • Zusammenspiel UHV und USV

  • Deckungskonzepte

  • Grunddeckung

    • Zusatzbaustein 1

    • Zusatzbaustein 2

    • Versicherte Kosten

    • Primäre Sanierung / Ergänzende Sanierung / Ausgleichssanierung

  • Zusammenspiel der einzelnen Bausteine (ohne USV)

Anlage

Literaturverzeichnis

Kapitel 1
Technische Versicherungen

 

Allgemein

Technische Versicherungen sind eine Untergruppe der Sachversicherung, unter der Versicherungen zur Deckung technischer Risiken im wörtlichen Sinn eingeordnet werden.

Im Gegensatz zur allgemeinen Sachversicherung zeichnen sich technische Versicherungen mehrheitlich durch Versicherung spezifisch benannter Sachen gegen alle unvorhergesehenen Sachsubstanzschäden aus, soweit kein expliziter Ausschluss vorliegt (Prinzip der unbenannten Gefahren, Allgefahrenversicherung).

Dazu zählen die Versicherung betriebsbereiter technischer Anlagen gegen Sachschäden und/oder gegen Vermögensschäden, die Versicherung von Bauwerken oder sonstiger technischer Anlagen während der Errichtungsphase gegen Sachschäden, die Versicherung technischer Anlagen gegen Sachschäden aus Herstellungs- oder Ausführungsfehlern sowie während der Garantiezeit.

Technische Versicherungen in Deutschland:

-Montageversicherung

(AMoB)

-Bauleistungsversicherung

(ABN / ABU)

-Maschinengarantieversicherung

(MGar)

-Maschinenversicherung

(AMB)

-Maschinen-Betriebsunterbrechungsversicherung

(AMBUB)

-Baugeräteversicherung

(ABMG)

-Elektronikversicherung

(ABE)

Internationale Technische Versicherungen nach Münchener Rück:

- Montageversicherung

(erection all risk = EAR)

- Montage–Betriebsunterbrechungsversicherung

 

- Bauleistungsversicherung

(contractor’s all risk = CAR)

- Bauleistung – Betriebsunterbrechungsversicherung

 

- Comprehensive Project Insurance

(CPI)

- Maschinenversicherung

 

- Comprehensive Machinery Insurance

(CMI)

Weitere Deckungen:

-Builders Risk (USA)

Folgende Vertragsformen können bei den Technischen Versicherungen vorkommen:

Einzelvertrag (EV)

Ein VN schließt für eine bestimmte Maschine (o.ä.) einen durchlaufenden Vertrag ab.

Rahmenvertrag (RV)

Mit einem Rahmenvertrag wird die Vertragsform für einzelne Risiken einheitlich festgelegt. Der Versicherungsnehmer (VN) ist nicht zur Anmeldung verpflichtet. Die Vertragsform bietet sich an, wenn eine Vielzahl einzelner Risiken von Fall zu Fall versichert werden sollen. Versicherbare Objekte müssen vor Risikobeginn angemeldet werden.

Generalvertrag (GV)

Wie beim RV wird der Inhalt von Einzelverträgen einheitlich festgelegt. Anders als beim RV ist der VN beim GV zur Anmeldung sämtlicher versicherbaren Objekte verpflichtet. Auch hier erfolgt eine Anmeldung mit entsprechendem Anmeldeformular der versicherten Objekte.

Umsatzvertrag (UV)

Die Berechnungsgrundlage ergibt sich aus dem Umsatz der VN für einen festgelegten Zeitraum. Der UV dient der Vereinfachung bei der Risikoerfassung, wenn die einzelnen versicherbaren Objekte nicht wie beim RV/GV deklariert werden können. Die Zusammensetzung des Umsatzes muss zweifelsfrei definiert sein.

Lohnsummenvertrag (LV)

Anwendung wie beim UV, wenn einzelne versicherbare Objekte nicht deklariert werden können. Berechnungsgrundlage ist jedoch die Lohn- und Gehaltssumme der VN für einen festgelegten Zeitraum. LV zum Beispiel, wenn nur Monteure der VN zu De- und Remontage von Maschinen eingesetzt werden und die Maschine selbst nicht zum Bestand der VN gehört.

Zu beachten:

Da beim UV und LV keine Einzelanmeldung der Risiken erfolgt, ist es üblich, dass die Ersatzleistung für jeden einzelnen Schadenfall begrenzt wird (Haftungslimit).

 

Bauleistung

Die Bauleistungsversicherung soll das Bauvorhaben gegen unvorhergesehene Schäden an versicherten Bauleistungen absichern.

Hierbei wird zwischen 2 Produkten unterschieden.

Absicherung der Bauleistung für Auftraggeber (= ABN) oder für den Unternehmer (=ABU).

In vielen Punkten sind sowohl diese Bedingungswerke als auch die dazu gehörigen Klauseln vergleichbar.

ABN (Allgemeine Bedingungen für die Bauleistungsversicherung durch Auftraggeber)

Mit der Bauleistungsversicherung wird dem Bauherrn eine Art Vollkaskoschutz angeboten.

Versichert sind alle Bauleistungen, Baustoffe und Bauteile für Neu- oder Umbaumaßnahmen im allgemeinen Hochbau einschließlich der Einrichtungsgegenstände, soweit sie wesentliche Gebäudebestandteile darstellen, sowie die Außenanlagen.

Ingenieur- und Tiefbauten können analog zu Hochbauten versichert werden. Diese Deckung kann für Auftragnehmer und Auftraggeber unter Einschluss der am Bau Beteiligten (auch ARGE) abgeschlossen werden.

Versichert ist der zu erstellende Gebäudeneubau (bzw. die Ingenieur- oder Tiefbaumaßnahme) während der Bauzeit gegen unvorhergesehene eintretende Schäden oder Zerstörungen wie z.B. durch:

  • Höhere Gewalt und Elementarereignisse wie Erdbeben, Erdrutsch, Überschwemmung und Hochwasser

  • Ungewöhnliche Witterungseinflüsse durch Sturm, Hagel, Frost

  • Ungeschicklichkeit, Fahrlässigkeit sowie Böswilligkeit dritter Personen

  • Mutwillige und vorsätzliche Beschädigung und Zerstörung durch unbekannte Personen

  • Fehler bei der Bauausführung und mangelnde Bauaufsicht

  • Folgeschäden durch Konstruktions- und Materialfehler sowie fehlerhafte statische Berechnungen

Die Versicherungsdauer in der Bauleistungsversicherung erstreckt sich meistens bis zur Bezugsfertigkeit,

i.d.R. maximal aber 18 bis 24 Monate.

Ferner ist der Diebstahl von fest verbundenen Bestandteilen versichert.

Ein bereits montierter Heizkörper gilt als versichert, während noch nicht montierte Heizkörper nicht versichert sind.

Aber auch die Bauleistungsversicherung hat ihre Grenzen. Sie leistet keine Entschädigung bei nicht fachgerecht hergestellten Leistungen.

Versicherte Sachen

Alle Bauleistungen, Baustoffe und Bauteile für Neubau- oder Umbaumaßnahmen, einschließlich

  • Einrichtungsgegenstände, soweit sie wesentliche Gebäudebestandteile darstellen,

  • Außenanlagen mit Ausnahme von Gartenanlagen und Pflanzungen.

Nicht versicherte Sachen

  • Maschinelle Einrichtungen für Produktionszwecke

  • Einrichtungsgegenstände, die keine wesentlichen Gebäudebestandteile darstellen

  • Baugeräte, Kleingeräte und Handwerkzeuge

  • Baustelleneinrichtungen sowie Akten, Zeichnungen und Pläne

  • Sonstige Sachen, die nach den ABMG versicherbar sind

  • Fahrzeuge aller Art

Versicherte Gefahren

Unvorhergesehene Zerstörungen oder Beschädigungen der versicherten Sachen z.B. durch

  • ungewöhnliche Witterungseinflüsse

  • Einflüsse durch Dritte, kriminelle Akte

  • Böswilligkeit, Sabotage

  • Ungeschicklichkeit, Fahrlässigkeit

Zusätzlich versicherbare Gefahren und Schäden

Sofern vereinbart (!) leistet der Versicherer Entschädigung für

  • Diebstahl nicht eingebauter Teile (was sich aber in der Praxis als durchaus schwierig erweist)

  • Brand, Blitzschlag, Explosion (in der Praxis ebenfalls unerwünscht, da hier i.d.R. Abgrenzungsschwierigkeiten zu einer z.B. bestehenden Feuerrohbauversicherung entstehen können).

  • Innere Unruhen, Streik, Aussperrung.

Nicht versicherte Gefahren

Nicht versichert sind unter anderem Schäden durch

  • mangelhafte Herstellung von Bauleistungen

  • normale Witterungseinflüsse

  • Krieg, Bürgerkrieg, hoheitliche Eingriffe

Versicherungssumme

Versicherungssumme ist die vertragliche Bausumme aller Bauleistungen.

Dazu zählen auch

  • versicherte Außenanlagen

  • und der Wert aller Lieferungen von Baustoffen und Bauteilen

  • sowie Eigenleistungen und Lieferungen des Auftraggebers.

Die Versicherungssumme ist zunächst vorläufig. Die endgültige Festlegung erfolgt nach Ende der Haftung auf Grundlage der tatsächlichen Bausumme.

Ermittlung Versicherungssumme

Basis ist die vertragliche Bausumme / ggf. ohne Mehrwertsteuer, sofern der VN hierzu die Möglichkeit hat.

Darin müssen enthalten sein der Neuwert:

  • der Baustoffe und Bauteile

  • der Hilfsbauten und Bauhilfsstoffe

die sowohl vom VN als auch vom Auftraggeber geliefert / erbracht werden.

Geltungsbereich

Ausschließlich die benannte Baustelle gilt als versichert.

Schadensfallleistung

Geleistet wird der Ersatz von notwendigen Kosten, um die Schadenstelle aufzuräumen und einen Zustand wiederherzustellen, der dem unmittelbar vor Eintritt des Schadens technisch gleichwertig ist.

ABU (Allgemeine Bedingungen für die Bauleistungsversicherung von Unternehmerleistungen)

Die Bauleistungsversicherung für Unternehmer schützt vor den Folgen durch Sachschäden an versicherten Bauleistungen oder an sonstigen versicherten Sachen.

Versicherungsnehmer bzw. Versicherte können sein:

  • Bauunternehmer

  • Subunternehmer

  • Auftraggeber nach Vereinbarung

Der Versicherungsschutz entspricht i.d.R. den Gefahren, die der Bauunternehmer tragen muss, also gemäß der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB).

Besondere Vereinbarungen mit dem Bauherrn sind hier mit dem entsprechenden Versicherer individuell abzustimmen !

Auf besonderen Antrag (!) können versichert werden:

  • Schäden durch Brand, Blitzschlag oder Explosion, Anprall oder Absturz eines Luftfahrzeuges, seiner Teile oder seiner Ladung

  • zusätzliche Aufräumungskosten

  • Schadensuchkosten

  • Baugrund und Bodenmassen

  • Arbeitszeitzuschläge, Eil- und Expressfrachten

  • Innere Unruhen, Streik, Aussperrung

  • Altbauten, u. a. gegen Einsturz

  • außergewöhnliche Witterungseinflüsse

Versicherte Sachen

Versichert sind alle Baustoffe, Bauteile und Bauleistungen für die Errichtung des im Versicherungsvertrag bezeichneten Bauvorhabens einschließlich aller zugehörigen Hilfsbauten und Bauhilfsstoffe.

Zusätzlich versicherbare Sachen

Sofern vereinbart, sind zusätzlich versichert

  • Baugrund und Bodenmassen, soweit sie nicht Bestandteil der Bauleistungen sind

  • Altbauten, die nicht Bestandteil der Bauleistungen sind.

Nicht versicherte Sachen

Nicht versichert sind

  • Wechseldatenträger

  • bewegliche und sonstige nicht als wesentliche Bestandteile einzubauende Einrichtungsgegenstände

  • maschinelle Einrichtungen für Produktionszwecke

  • Baugeräte einschließlich Zusatzeinrichtungen wie Ausrüstungen, Zubehör und Ersatzteile

  • Kleingeräte und Handwerkzeuge

  • Vermessungs-, Werkstatt-, Prüf-, Labor- und Funkgeräte sowie Signal- und Sicherungsanlagen

  • Stahlrohr- und Spezialgerüste, Stahlschalungen, Schalwagen und Vorbaugeräte, ferner Baubüros, Baucontainer, Baubuden, Baubaracken, Werkstätten, Magazine, Labors und Gerätewagen

  • Fahrzeuge aller Art

  • Akten, Zeichnungen und Pläne

  • Gartenanlagen und Pflanzen

Versicherte Gefahren und Schäden

Der Versicherer leistet Entschädigung für unvorhergesehen eintretende Beschädigungen oder Zerstörungen von versicherten Sachen (Sachschaden).

Unvorhergesehen sind Schäden, die der Versicherungsnehmer oder seine Repräsentanten weder rechtzeitig vorhergesehen haben noch mit dem für die im Betrieb ausgeübte Tätigkeit erforderlichen Fachwissen hätten vorhersehen können, wobei nur grobe Fahrlässigkeit schadet und diese den Versicherer dazu berechtigt, seine Leistung in einem der Schwere des Verschuldens entsprechenden Verhältnis zu kürzen.

Zusätzlich versicherbare Gefahren und Schäden

Sofern vereinbart (!), leistet der Versicherer Entschädigung für

  • Schäden durch Brand, Blitzschlag, Explosion, Anprall oder Absturz eines Luftfahrzeuges, seiner Teile oder seiner Ladung

  • Schäden durch Gewässer und/oder durch Grundwasser, das durch Gewässer beeinflusst wird, infolge von

    • ungewöhnlichem Hochwasser

    • außergewöhnlichem Hochwasser

Nicht versicherte Schäden

Der Versicherer leistet keine Entschädigung für

  • Mängel der versicherten Lieferungen und Leistungen sowie sonstiger versicherter Sachen

  • Verluste von versicherten Sachen

  • Schäden an Glas-, Metall- oder Kunststoffoberflächen sowie an Oberflächen vorgehängter Fassaden durch eine Tätigkeit an diesen Sachen

Nicht versicherte Gefahren und Schäden

Der Versicherer leistet ohne Rücksicht auf mitwirkende Ursachen keine Entschädigung für Schäden

  • durch Vorsatz des Versicherungsnehmers oder dessen Repräsentanten

  • durch normale Witterungseinflüsse, mit denen wegen der Jahreszeit und der örtlichen Verhältnisse gerechnet werden muss

  • Entschädigung wird jedoch geleistet, wenn der Witterungsschaden infolge eines anderen entschädigungspflichtigen Schadens entstanden ist

  • durch normale Wasserführung oder normale Wasserstände von Gewässern

  • durch nicht einsatzbereite oder ausreichend redundante Anlagen zur Wasserhaltung. Redundant sind die Anlagen, wenn sie die Funktion einer ausgefallenen Anlage ohne zeitliche Verzögerung übernehmen können und über eine unabhängige Energieversorgung verfügen.

  • während und infolge einer Unterbrechung der Arbeiten auf dem Baugrundstück oder einem Teil davon, wenn diese bei Eintritt des Versicherungsfalls bereits mehr als __ Monat(e) gedauert hat

  • durch Baustoffe, die durch eine zuständige Prüfstelle* beanstandet oder vorschriftswidrig noch nicht geprüft wurden

  • durch Krieg, kriegsähnliche Ereignisse, Bürgerkrieg, Revolution, Rebellion, Aufstand

  • durch Innere Unruhen

  • durch Streik, Aussperrung oder Verfügungen von hoher Hand

  • durch Kernenergie, nukleare Strahlung oder radioaktive Substanzen

*Anmerkung:

Baustoffe können in Deutschland von mehreren Firmen oder Instituten geprüft werden. Unter anderem haben sich viele Technische Hochschulen dieser Aufgabe gewidmet. Wichtig ist, dass das geprüfte Teil neben einem CE-Kennzeichen auch über ein Ü-Zeichen verfügt.

Versicherungsort

Versicherungsschutz besteht nur innerhalb des Versicherungsortes. Versicherungsort sind die im Versicherungsvertrag bezeichneten räumlichen Bereiche.

Sofern vereinbart (!), besteht Versicherungsschutz auch auf den Transportwegen zwischen den im Versicherungsvertrag bezeichneten räumlich getrennten Bereichen.

Versicherungswert

Der Versicherungswert für die versicherte Bauleistung ist der endgültige Kontraktpreis, der sich aus dem Vertrag mit dem Auftraggeber ergibt und mindestens den Selbstkosten des Unternehmers zu entsprechen hat.

Für im Kontraktpreis nicht enthaltene Baustoffe, Bauteile, Hilfsbauten und Bauhilfsstoffe ist deren Neuwert einschließlich der Kosten für Anlieferung und Abladen einzubeziehen.

Ist der Versicherungsnehmer zum Vorsteuerabzug nicht berechtigt, so ist die Umsatzsteuer einzubeziehen.

Versicherungssumme

Die Versicherungssumme ist der zwischen Versicherer und Versicherungsnehmer im Einzelnen vereinbarte Betrag, der dem Versicherungswert entsprechen soll.

Der Versicherungsnehmer soll die Versicherungssumme für die versicherte Sache während der Dauer des Versicherungsverhältnisses dem jeweils gültigen Versicherungswert anpassen. Dies gilt auch, wenn werterhöhende Änderungen vorgenommen werden.

Zu Beginn des Versicherungsschutzes wird für die versicherten Lieferungen und Leistungen eine vorläufige Versicherungssumme in Höhe des zu erwartenden Versicherungswertes vereinbart.

Nach Ende des Versicherungsschutzes ist die Versicherungssumme auf Grund eingetretener Veränderungen endgültig festzusetzen. Hierzu sind dem Versicherer Originalbelege vorzulegen, z. B. die Schlussrechnung.

Die endgültige Versicherungssumme hat dem Versicherungswert zu entsprechen.

 

Klauseln ABN und ABU

Ohne auf die einzelnen textlichen Inhalte eingehen zu wollen, führe ich hier zumindest mal die denkbaren Klauseln zu den einzelnen Bedingungswerken auf. Es gibt folgende Unterschiede:

 

ABN-Klauseln

ABU-Klauseln

Versicherte Sachen:

 

 

Mitversicherung von Altbauten gegen Einsturz

5155

6155

Mitversicherung von Altbauten gegen Sachschäden infolge eines Schadens an der Neubauleistung sowie infolge Leitungswasser, Sturm und Hagel

5180

Nicht vorhanden

Mitversicherung von Altbauten gegen Sachschäden

5181

Nicht vorhanden

 

 

 

 

Versicherte Gefahren:

 

 

Repräsentanten

5232

6232

Innere Unruhen

5236

6236

Streik, Aussperrung

5237

6237

Radioaktive Isotope

5254

6254

Aggressives Grundwasser

5256

6256

Undichtigkeit und Wasserdurchlässigkeit; Risse im Beton

5257

6257

Baustellen im Bereich von Gewässern oder in Bereichen, in denen das Grundwasser durch Gewässer beeinflusst wird

5260

6260

Brand, Blitzschlag, Explosion, Luftfahrzeuge

5266

6266

Nachhaftung (erweiterte Deckung)

5290

6290

Nachhaftung

5291

6291

Versichertes Interesse:

 

 

Einschluss von Auftraggeberschäden

Nicht vorhanden

6364

Tiefbau-Auftraggeber als Versicherungsnehmer

Nicht vorhanden

6365

Entschädigung:

 

 

Schäden infolge von Mängeln

5761

6761

Tunnel-, Schacht-, Durchpress- und Stollenarbeiten

Nicht vorhanden

6763

Höchstentschädigungsleistung für die Naturgefahren

5793

6793

Höchstentschädigungsleistung für die Naturgefahren (Jahresverträge)

5794

6794

Begrifflichkeiten

Was versteht man unter Außenanlagen und welche sind versichert?

Außenanlagen sind Bauleistungen außerhalb des Bauwerkes einschließlich der Verbindung der Versorgungsleitungen mit den Erschließungsanlagen.

Was ist Baugrund ?

Zum Baugrund gehören die unterschiedlich gelagerten, häufig gewachsenen Schichten des Untergrundes und speziell der Teil desselben in oder auf dem das Bauwerk errichtet wird.

Was sind Bodenmassen ?

Bodenmassen sind Böden jeder Art, die zum Zwecke des Bauens abgetragen oder zum Auffüllen und Gestalten angefahren werden, wie z.B. loses Gestein, Ton, Lehm, Kies, Sand, wasserhaltiger Boden, Mutterboden.

Sind Schäden „an“ Baugrund und Bodenmassen versichert ?

Baugrund und Bodenmassen sind nur versichert, soweit sie Bestandteil der Bauleistungen sind oder wenn dies besonders vereinbart ist.

Selbst durch besondere Vereinbarungen können sie nur gegen unvorhergesehene Schäden durch Einwirkung „von außen“ versichert werden.

Ein Bedürfnis für diesen Einschluss besteht z.B. bei Hanglage der Baustelle. Falls Baugrund und Bodenmassen z.B. von außerhalb der Baustelle geliefert werden, ist ggf. beim Fortspülen derselben auch ihre Substanz zu ersetzen.

Die Substanz wird dagegen nicht schon Bestandteil der versicherten Bauleistung, wenn die Oberfläche bearbeitet wurde, wie z.B. bei Baugrubensohlen und Böschungen. Wird eine Böschung unvorhergesehen zerstört, ersetzt der Versicherer nur die Kosten der Oberflächenwiederherstellung, nicht jedoch die Kosten für nachzulieferndes Material.

Was sind Schäden „aus“ Grund und Boden ?

Ein Beispiel für einen Schaden „aus“ Grund und Boden ist die nachträgliche Schiefstellung eines Bauwerkes aufgrund von Eigenschaften oder Veränderungen des Baugrundes.

Was versteht man unter Gründungsmaßnahmen ?

Gründungsmaßnahmen sind erforderlich, um die Standsicherheit eines Bauwerkes zu gewährleisten.

Deshalb müssen die Bauwerkslasten in einen tragfähigen Untergrund abgeleitet werden. Das heißt, die Aufstandsfläche muss groß genug sein, um die vom Bauwerk übertragenen Lasten aufnehmen zu können.

 

Altbausanierungen / An- oder Umbauten

[exemplarisch nach den ABN]

Was sind Altbauten und wie können diese mitversichert werden?

Altbauten sind bereits bestehende Gebäude wie z.B. Nachbargebäude, an denen unmittelbar eine nach § 1 Nr. 1 ABN versicherte Bauleistung ausgeführt wird.

Wichtig sind hierbei vor allem 2 Fragen:

  • Wird durch die aktuelle Maßnahme in die tragende Konstruktion des bereits bestehenden Objekts eingegriffen oder nicht ?

  • Handelt es sich bei dem Altbau um ein denkmalgeschütztes Objekt ?

    Hier sind für die Versicherung der Neubauleistung und die Mitversicherung des Altbaus folgende Informationen wichtig:

  • Ist im Schadenfall die denkmalgeschützte Substanz gefährdet ?

  • Müssen bei der Schadenbehebung spezielle (ursprüngliche) Materialien verwendet werden ?

  • Ist die Materialbeschaffung möglich ? Wenn ja, zu welchen Bezugskosten ?

  • Behördliche Auflagen beim Wiederaufbau ?

  • usw.

In der Regel werden derartige Baumaßnahmen im Vorfeld durch den Versicherer besichtigt.

Wichtig:

Ausreichende Bemessung der Erstrisikosummen, da diese gerade im Altbau-Bereich schnell erschöpft sein können.

Ferner sollten die Klauseln TK 5155, TK 5180 sowie TK 5181 vereinbart werden.

 

TK 5155

Mitversicherung der Altbauten gegen Einsturz

Versicherte Sache:

Altbauten, soweit an ihnen unmittelbar nach Abschnitt A § 1 Nr. 1 ABN 2008 versicherte Lieferungen und Leistungen ausgeführt werden, durch die

  • in die tragende Konstruktion eingegriffen wird

  • oder durch die sie unterfangen werden.

Versicherungssumme:

Erstrisikosumme, die den maximal zu erwartenden Schaden (Einsturz oder Teileinsturz) durch unmittelbare Eingriffe in die tragende Substanz oder Unterfangungen abdecken sollte inkl. Aufräumungskosten.

Hinweis:

TK 5155 kann sowohl für eigene Objekte als auch für ein Nachbarobjekt, dass im Zuge der Bauarbeiten unterfangen wird, abgeschlossen werden.

TK 5180

Mitversicherung von Altbauten gegen Sachschaden infolge eines Schadens an der Neubauleistung sowie infolge Leitungswasser, Sturm und Hagel

sowie

 

TK 5181

Mitversicherung von Altbauten gegen Sachschaden

 

[Klauseln 5180 + 5181 sind inhaltlich gleichlautend, aber aufgrund der unterschiedlichen mitversicherten Gefahren werden in der Praxis abweichende Selbstbehalte vereinbart !]

Versicherte Sache:

Altbauten, soweit an ihnen nach Abschnitt A $ 1 Nr. 1 ABN 2008 versicherte Lieferungen und Leistungen ausgeführt werden.

 

Sofern vereinbart:

  • Medizinisch-technische Einrichtungen und Laboreinrichtungen

  • Stromerzeugungsanlagen (z.B. Photovoltaik)

  • Datenverarbeitungsanlagen (z.B. Server) und sonstige selbstständige Anlagen, die unabhängig von der Nutzung des Objektes funktionieren

  • Maschinelle Einrichtungen für Produktionszwecke

  • Aufwendige Ausstattung und kunsthandwerklich bearbeitete Bauteile sowie Bestandteile mit unverhältnismäßig hohem Kunstwert (z.B. stuckierte oder bemalte Decken und Wandflächen, Jugendstilfenster, Steinmetzarbeiten, künstlerisch gestaltete Geländer, Türen, Brunnen, wertvolle Vertäfelungen, Fußböden etc.)

Versicherungssumme:

Ortsüblicher Neubauwert der Altbausubstanz nach der Entkernung.

Hinweis:

Lediglich die Klausel 6155 (also analog 5155 ABN) gibt es für das ABU-Bedingungswerk auch !

Besteht über die nachfolgenden Klauseln eine Ersatzpflicht ?

 

 

TK 5155

TK 5180

TK 5181

Versicherte

 

 

 

Gefahren:

Einsturz versicherter Altbauten als unmittelbare Folge der an den Altbauten durchgeführten Lieferungen / Leistungen

Unvorhergesehene Sachschäden an Neubauten sowie Schäden durch Leitungswasser, Sturm, Hagel

Unvorhergesehene Sachschäden sowie Schäden durch Leitungswasser, Sturm, Hagel

-Einsturzrisiko:

Ja

Nein, muss separat vereinbart werden

Ja

Hinweis:

„Sturm“ in TK 5180 + 5181:

hier wird nicht Windstärke 8 vorausgesetzt, sondern lediglich eine „für die Jahreszeit unübliche Luftbewegung“.

 

 

TK 5155

TK 5180

TK 5181

Nicht versichert

 

 

 

sind Schäden durch:

-Rammarbeiten
-Veränderung der Grundwasserverhältnisse
-Risse und Senkungsschäden

-Rammarbeiten
-Veränderung der Grundwasserverhältnisse
-Risse und Senkungsschäden

-Rammarbeiten -Veränderung der Grundwasserverhältnisse
-Risse und Senkungsschäden

 

 

Brand, Blitz, Explosion Diebstahl
Schönheitsreparaturen Reinigungskosten

Brand, Blitz, Explosion Diebstahl
Schönheitsreparaturen Reinigungskosten

Nicht versichert

 

 

 

sind Schäden an:

-Sachen, die eingebaut oder untergebracht sind
-künstlerische Ausstattung (Stuck, Fassadenfiguren)
-Reklameeinrichtungen

 

 

Entschädigungsleistung:

Wiederherstellungskosten

Wiederherstellungskosten

Wiederherstellungskosten

 

ohne Abzug „neu für alt“, die zwangsläufig eintretenden Verbesserungen (moderne Baustoffe) bleiben unberücksichtigt.

ohne Abzug „neu für alt“ beim Rohbau und mit Zeitwert beim Altbau

ohne Abzug „neu für alt“ beim Rohbau und mit Zeitwert beim Altbau

 

Subsidiäre Haftung ! Haftpflichtversicherungen gehen vor.

 

 

 

 

 

 

Besteht über die nachfolgenden Klauseln eine Ersatzpflicht ?

 

 

TK 5155

TK 5180

TK 5181

Altbau wird um 2 Stockwerke aufgestockt. Eine Neubauwand stürzt ein und beschädigt die Decke des Altbaus.

Nein, wenn kein Eingriff in die tragende Substanz vorgenommen wurde.

Ja

Ja

Altbau wird aufgestockt, stürzt ein, da Neubau zu schwer

Nein, wenn kein Eingriff in die tragende Substanz vorgenommen wurde.

Nein

Ja

Altbau wird bei Sturm zerstört. Windstärke unter 8, die in den letzten 10 Jahren nur 2-mal gemessen wurde.

Nein

Ja

Ja

Im Altbau wird eine tragende Zwischenwand entfernt, dadurch Teileinsturz.

Ja

Nein

Ja

Misslungene Unterfangung am Altbau, Giebelwand des Altbaus stürzt ein.

Ja

Nein

Ja

Neuverlegte Wasserleitung wird beschädigt oder bricht bei Druckprobe, Altbau und Neubau werden nass.

Nein

Ja

Ja

Wasserleitung aus Altbau, die noch nicht erneuert wurde, wird beschädigt oder bricht bei Druckprobe und setzt Altbau unter Wasser.

Nein

Nein

Ja

 

CAR / Maintenance

Die CAR (contractor’s all risk) ist die internationale Variante der Bauleistungsversicherung.

Sie beginnt mit der Aufnahme der Bauarbeiten, endet mit der Abnahme/Inbetriebnahme und kann durch eine Maintenance Deckung erweitert werden.

Der Deckungsschutz umfasst auf All Risk-Basis alle Schäden, die plötzlich und unvorhergesehen an den versicherten Sachen eintreten, sowie an:

  • Hoch- und Industriebauten

  • Straßen, Eisenbahnanlagen und Flughäfen

  • Brücken, Dämme, Tunnel usw.

Montagen von Maschinen, Anlagen und Stahlkonstruktionen können mitversichert werden, soweit deren Anteil weniger als 50% der Gesamtversicherungssumme ausmacht.

Maintenance-Periode

Die CAR Deckung ist erweiterbar auf eine zu definierende Deckung für den Zeitraum der (Garantie) Instandhaltung (i.d.R. 2 Jahre).

Hierbei unterscheidet man hinsichtlich der Maintenance Deckung zwischen:

  • Visite Maintenance (Standard)

    Haftung des Versicherers ist beschränkt auf Verlust/Schäden, die der Versicherungsnehmer während der Maintenance Periode bei der Ausführung seiner vertraglichen Pflichten an der versicherten Sache verursacht

  • Extended Maintenance

    In Erweiterung zur Maintenance Visits werden auch Schäden ersetzt, deren Ursache aus der Bauzeit herrührt.

 

CAR / EAR-Deckung

Die internationale Variante einer Bauleistungsversicherung für (Groß)Projektdeckungen

CAR = Contractor’s All Risk
Bauleistungsversicherung

EAR = Erection All Risk
Montageversicherung

Bautätigkeit

Montage, Test und Inbetriebnahme von Anlagen und Maschinen

Allgefahrenversicherung mit spezifisch genannten Ausschlüssen

Allgefahrenversicherung mit spezifisch genannten Ausschlüssen

 

- Erweiterung durch Einschluss von Wartungsarbeiten (Visite Maintenance) Versicherungsschutz wird auf zu definierende Wartungsarbeiten ausgedehnt, wobei lediglich Verluste oder Schäden an der Bauleistung gedeckt sind, die von dem versicherten Bauunternehmer bei der Durchführung von Arbeiten im Rahmen der Wartungsklausel des Vertrages verursacht werden.

 

- Erweiterung durch Einschluss von Wartungsarbeiten (Extended Maintenance) Versicherungsschutz wird auf zu definierende Wartungsarbeiten ausgedehnt, wobei lediglich Verluste oder Schäden an der Bauleistung gedeckt sind, die

 

- von dem versicherten Bauunternehmer bei der Durchführung von Arbeiten im Rahmen der Wartungsklausel des Vertrages verursacht werden;

 

- während der Wartungszeit eintreten, vorausgesetzt, dass diese Verluste oder Schäden während der Bau- bzw. Montagezeit auf der Baustelle verursacht wurden.

 

- Erweiterung durch Garantiedeckung Versicherungsschutz wird ausgeweitet auf die aufgeführte Garantiezeit, wobei jedoch nur Schäden an den versicherten Sachen durch Montage- und Planungsfehler, Material-, Guss- und / oder Ausführungsmängel gedeckt und die Kosten ausgeschlossen sind, die der Versicherungsnehmer für die Behebung des ursprünglichen Fehlers zu zahlen gehabt hätte, wenn der Fehler vor Schadeneintritt erkannt worden wäre.

 

Montage

Versichert werden können Konstruktionen aller Art (Maschinen, maschinelle Anlagen und elektrische Einrichtungen) während der Neu-, De- oder Remontage und bei Umbauten.

Eine Erweiterung des Versicherungsschutzes auf Montageausrüstung, sowie fremde Sachen im Gefahrenbereich, ist möglich.

Versicherungsschutz besteht für unvorhergesehene Schäden an diesen Konstruktionen und Maschinen insbesondere durch:

  • Fehler in der Berechnung und Konstruktion

  • Höhere Gewalt und elementare Naturereignisse (Feuer, Blitzschlag, Sturm, Hagelschlag, Frost, Hochwasser, Erdrutsch, Erdbeben)

  • Fahrlässigkeit, Ungeschicklichkeit, Böswilligkeit und Handlungen Dritter

Montage ist eine Tätigkeit, durch die bewegliche Sachen miteinander oder mit Grundstücken verbunden werden.

Welche Objekte können versichert werden ?

Als Montageobjekt - neu oder gebraucht - können versichert werden:

  • Konstruktionen aller Art

  • Maschinen, maschinelle und elektronische Einrichtungen

  • Zugehörige Reserveteile

Hinweis:

I.d.R. bekommen Versicherer „kalte Füße“, wenn es um die De- und Remontage von gebrauchten Maschinen geht. Das Risiko, dass die „alte“ Maschine am neuen Standort nicht mehr läuft, ist recht hoch. Grund: Schon leichte Abweichungen im Millimeterbereich können zu Undichtigkeiten oder zu einer Unwucht führen.

Montageausrüstung

Montageausrüstungen sind die für die Durchführung einer Montage erforderlichen Sachen, mit Ausnahme des eigentlichen Montagegenstands.

Montageausrüstung ist nur dann versichert, wenn dies vereinbart ist und Versicherungssummen (Neuwert) gebildet sind.

 

Fremde Sachen

Fremd sind Sachen, die nicht Teil des Montageobjektes oder der Montageausrüstung und außerdem nicht Eigentum des Versicherungsnehmers oder des Schadenverursachers sind.

Fremde Sachen sind nur im Rahmen der Klauseln 2a und 2b versichert, sofern der VN haftbar gemacht werden kann.

Fremde Sachen können auf „Erstes Risiko“ versichert werden.

Welches Interesse kann versichert werden ?

Das Interesse aller Unternehmer, die an dem Vertrag mit dem Besteller (Bauherr) beteiligt sind, einschließlich der Subunternehmer.

Das Interesse des Bestellers kann auf Antrag mitversichert werden.

Versicherungssumme

Versichert werden sollte der volle Kontraktpreis / Auftragswert, Neuwert der Maschinen zuzüglich aller Nebenkosten wie Montage, Transport, Verpackung, Zoll, Leistungen, die nicht im Auftragswert enthalten sind, aber von einem anderen Unternehmen oder Auftraggeber selber erbracht werden.

Der Kontraktpreis wird zwischen Unternehmer und Besteller eines Montageobjektes im Kauf- bzw. Liefervertrag vereinbart.

Er muss sämtliche Lieferungen und Leistungen enthalten und ist der am besten nachvollziehbarste Maßstab für die Bemessung der Versicherungssumme.

Beginn der Haftung

Die Haftung beginnt mit dem vereinbarten Zeitpunkt, frühestens nach dem Abladen der versicherten Sachen vom Montageplatz.

Tipp:

An dieser Stelle bietet sich an, mit dem VN über das Thema Transportversicherung zu reden. Wie ist die anzuliefernde Ware auf dem Weg zu der Baustelle gegen Transportschäden versichert ?

Was versteht man unter Erprobung ?

Die Erprobung ist die am meisten schadenanfällige Phase in der Montage. Hierbei wird das Objekt (oder Teile davon) nach erfolgtem Zusammenbau zum ersten Mal in der tatsächlichen Funktionsfähigkeit getestet.

Aufgrund des erhöhten Risikos ist es unerlässlich, den Beginn der Erprobung zu definieren, um entsprechend höhere Selbstbehalte und Prämien einkalkulieren zu können.

Anlagentyp

Die Erprobung (der Probebetrieb etc.) beginnt mit

Kessel, Müllverbrennung (Kessel, Gasturbine)

dem ersten Zünden

Chemieanlagen, Raffinerien, Zuckerfabriken, Papiererzeugung, Papiermaschine

dem ersten Zünden von Rohstoff

Schmelzöfen, Hochofenanlagen, Koksofenanlagen

dem ersten Befüllen mit Rohstoff bzw. Kohle

Silo, Tank, Rohrleitung

der ersten Befüllung mit Lagergut bzw. Transportgut

Kraftmaschinen (Verbrennungsmotoren)

dem ersten Drehen aus eigener Kraft

Scheren, Pressen, Stanzen, Walzwerk, Arbeitsmaschine, Stranggussanlage

der ersten Zuführung des Rohmaterials

Turbogenerator

der ersten Beaufschlagung mit Dampf

Wasserkraftanlagen, Kühlwasserpumpen

dem ersten Betrieb mit Wasser

Elektrische Einrichtungen wie Freileitungen, Kabel, Schaltanlagen, E-Motoren, Trafos

dem ersten Anlegen von Spannung

Schienenfahrzeuge

der ersten Fahrt mit eigenem Antrieb

Ein paar wichtige Details zur…

Montageversicherung:

Versicherungssumme = Kontraktpreis

 

Ist die ideale Ergänzung zu jeder Betriebshaftpflicht in Punkto „Bearbeitungsschäden“.

 

Bei Großprojekten mit 2 oder 3 Jahren Bauzeit unbedingt individuelle Vereinbarung mit dem Versicherer treffen, dass im Schadenfall kein Abzug für die zuerst (und somit am ältesten) montierten Teilen vorgenommen wird.

Tipp:

Greift eine Firma aufgrund des Montageumfanges auf Geräte (z.B. Hallenkran) des Auftraggebers zu, sollte man dies auch in der Angebotserstellung entsprechend berücksichtigen !

Die Versicherungssumme wird wie oben beschrieben gebildet, aber zusätzlich sollte man auch eine Erstrisikosumme für „Fremde Sachen“ / Sachen im Gefahrenbereich berücksichtigen.

Ein vorhandener Hallenkran wird als „Hilfsmittel / Werkzeug“ für die Montage genutzt, d.h. es spielt für die Deckung keine Rollen.

Wenn aber durch ein Montageschaden an den versicherten Sachen der Hallenkran mit beschädigt wird, ist dieser nur im Rahmen von „Fremden Sachen“ mitversichert.

Derartige Schäden werden sich nur schwer (wenn überhaupt) über die Betriebshaftpflicht decken lassen (Ausschluss: „geliehen, gemietet, gepachtet“).

Ergänzend zu den versicherten Sachen (Montage) sind auch fremde Sachen versichert.

Fremd sind Sachen, die nicht Teil des Montageobjekts oder der Montageausrüstung und nicht Eigentum des Versicherungsnehmers oder desjenigen Versicherten sind, der den Schaden verursacht hat.

Ist der Besteller Versicherungsnehmer oder Mitversicherter, so gelten seine Sachen trotzdem als fremde Sachen.

Ergänzend zu den versicherten Gefahren leistet der Versicherer Entschädigung für Schäden an fremden Sachen,

a)

wenn sie innerhalb des Versicherungsortes durch eine Tätigkeit beschädigt oder zerstört werden, die anlässlich der Montage durch den ...

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