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Verruchte Gesellschaft – Shadows of Love

Inhalt

  1. Cover
  2. Über diese Folge
  3. Über die Autorin
  4. Titel
  5. Impressum
  6. Verruchte Gesellschaft
  7. In der nächsten Folge

Lust auf Liebe – Shadows of Love, in sich abgeschlossene erotische Liebesgeschichten. Jeden Monat neu, als Romanheft und E-Book. Für alle Fans von »Colours of Love«.

Über diese Folge

Die junge Geschichtsstudentin Jennifer erhält ein außergewöhnliches Jobangebot. Die Tochter des schwer erkrankten Geschichtsprofessor Doktor Hans Vermeulen bittet Jennifer darum, ihrem berühmten Vater während der Semesterferien Gesellschaft zu leisten. Begeistert nimmt Jennifer das Angebot an und zieht auf das Familienanwesen der Vermeulens. Dort trifft sie auf Gabriel, den äußerst attraktiven Sohn des Hauses. Obwohl er ihr anfänglich kühl und distanziert begegnet, entwickelt sich bald eine leidenschaftliche Affäre zwischen den beiden. Gleichzeitig verschlechtert sich der Gesundheitszustand des Professors immer mehr. Als Jennifer den Hausarzt rufen muss, kommt sie einem unglaublichen Familiengeheimnis auf die Spur. Was für ein Spiel spielt Gabriel mit ihr? Und was hat seine Schwester vor ihr zu verbergen?

Über die Autorin

Natalie Rabengut, geb. 1985, studierte Germanistik und Anglistik in Düsseldorf und lebt mit ihrem Mann am Rhein. Ihre E-Books zählen zu den Top-Bestsellern in der Erotik.

Natalie Rabengut

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Verruchte Gesellschaft

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Draußen zieht eine wunderbare Landschaft an mir vorbei. Weite Felder, gebückte Trauerweiden und endloser Horizont, so weit das Auge reicht. Je länger der Zug durch die scheinbar unberührte Natur gleitet, desto klarer wird mir, wie abgelegen das Gut der Familie Vermeulen sein muss. Bis gerade wusste ich überhaupt nicht, dass es in Deutschland noch Orte gibt, die so menschenleer sind.

Der Bahnhof, an dem ich ankomme, hat exakt zwei Gleise, und nur alle zwei Stunden fährt ein Zug. Schon allein bei dem Gedanken werde ich ganz nervös.

Noch nie war ich so lange allein von zu Hause weg. Obwohl ich nicht allein sein werde – ganz im Gegenteil, schließlich ist es ein Familiengut.

Ein Knacken in den Lautsprechern unterbricht meine Gedanken und kündigt die nächste Haltestelle an. Meine Haltestelle.

Der Angsthase in mir möchte einfach sitzenbleiben und sich nicht der neuen, ungewohnten Situation stellen. Ein fremdes Haus, mit fremden Menschen und einem Job, den ich noch nie gemacht habe.

Mein Magen verknotet sich, weil ich einfach nicht gut in solchen Dingen bin: neue Sachen ausprobieren, neue Leute kennenlernen. Ich kann mich kaum dazu durchringen, neue Gerichte in Restaurants zu probieren, deswegen brauche ich meine gesamte Kraft, um den Zug auch tatsächlich zu verlassen.

Ich versuche, mir gut zuzureden, mir zu versichern, dass ich alles schaffen kann, wenn ich an mich glaube. Spöttisch ziehe ich meine Mundwinkel hoch. Vielleicht glaube ich es eines Tages wirklich, wenn ich es nur oft genug sage.

Dabei ist die Tätigkeit an sich nicht aufregend, und ich kann mir nicht vorstellen, dass sich sonderlich viele Studenten auf den Job beworben haben. Die meisten verbringen ihre Semesterferien lieber in der Großstadt, schlagen sich die Nächte mit Partys und Alkohol um die Ohren und nicht wie ich die Tage mit staubigen Archiven, handgeschriebenen Büchern in unleserlichen Schriften.

Draußen schlägt mir der ungewöhnlich frühe Herbst entgegen, und die Nähe zum Meer wird mir bewusst, in der Luft liegt der Geruch nach Salz. Feiner Nebel hüllt den Bahnsteig ein, der von einigen wenigen Laternen beleuchtet wird.

Nur eine einzige weitere Person ist mit mir ausgestiegen und wird freudestrahlend von einem Freund in Empfang genommen. Schnell sind sie verschwunden, und ich bleibe allein in der kalten Dämmerung zurück. Mein Herz hämmert.

Mit einem lauten Zischen schließen sich die Türen der Bahn hinter mir. Etwas zögerlich, wo ich nun hinsoll, sehe ich dem Zug so lange hinterher, bis er vollkommen im diesigen Grau verschwunden ist. Jetzt gibt es wohl wirklich kein Zurück mehr – ich weiß nicht, ob mich dieser Gedanke aufmuntert oder ängstigt.

Unschlüssig schultere ich meinen schweren Rucksack und beginne, an meiner Zungenspitze zu nagen – eine schlechte Angewohnheit, wenn ich mich unwohl fühle. Die meisten Sachen, die ich in den nächsten drei Monaten brauchen werde, sind bereits mit dem Kurier zum Anwesen der Familie gebracht worden, worüber ich gerade sehr froh bin, da ich das Gefühl habe, als wollte mich mein Rucksack nach unten zu Boden ziehen.

Weil ich stets übertrieben panisch bin, etwas zu vergessen, und auf jede Eventualität vorbereitet sein muss, ist mein Rucksack bis zum Bersten mit Kleidung und meinen geheiligten Büchern gefüllt. Außerdem habe ich noch eine Umhängetasche dabei, in der sich meine Technik verbirgt, die ich zum Arbeiten brauche, vor allem mein treuer Laptop. Beim Laufen schwanke ich daher wie ein Pinguin.

Ich kann mich noch genau erinnern, wie aufgeregt ich war, als ich den Aushang in der Uni entdeckte. Ein Angebot, wie für mich gemacht – zu gut, um wirklich wahr zu sein.

Jeder Student an der Universität Kiel kennt Professor Doktor Hans Vermeulen – zumindest jeder Geschichtsstudent. Der Mann ist eine lebende Legende.

Laut der Ausschreibung bot sich die Möglichkeit, ihm auf dem Familiensitz dabei zu helfen, die Familienchronik zu digitalisieren.

Gleichzeitig bin ich klug genug, um zu wissen, wie ich aus diesem lukrativen Nebenjob zusätzlichen Gewinn schlagen kann. Immerhin beginne ich im Oktober offiziell mein letztes Semester, und wenn jemand mir dabei helfen kann, meine Abschlussarbeit in Geschichte zu schreiben, dann wohl Professor Vermeulen.

Außerdem bin ich mir nicht zu schade dafür, mich durch Spinnweben und alte Kellergewölbe zu wühlen. Das ist mir jedenfalls sehr viel lieber, als die üblichen Studentenjobs. Mein Verlangen, als überdimensionierte Bierflasche verkleidet gratis Kostproben an andere Studenten zu verteilen, hat sich seit dem letzten Versuch im Sommer verflüchtigt. Ich niese lieber durch den Staub, als noch einmal meinen eigenen Schweiß in die Augen zu bekommen, während ich versuche, Bier mit Traubengeschmack an den Mann zu bringen. Die meisten Leute, die ich angesprochen habe, wollten das Zeug nicht einmal umsonst haben – und das, nachdem ich meinen ganzen Mut brauchte, um überhaupt so viele Fremde anzusprechen.

Je länger ich auf dem Bahngleis stehe, desto klarer wird mir, dass ich wohl nach unten gehen sollte. Dort wird sich vermutlich ein Parkplatz befinden, und wahrscheinlich wartet jemand auf mich, um mich zu dem Anwesen zu bringen, das noch einmal 25 Kilometer von hier entfernt irgendwo im Nirgendwo liegt. Aber zumindest im Nirgendwo am Meer – eine Vorstellung, die ich ziemlich verlockend finde. Doch die Kälte, die unter meinen leichten Anorak kriecht, lässt mich kurz zweifeln.

Um mir selbst Mut zuzusprechen, räuspere ich mich und laufe tapfer los. Meine Schultern protestieren gegen die Tasche und den Rucksack, außerdem sind meine Beine vom langen Sitzen im Zug steif.

Mein Räuspern verhallt auf dem leeren Bahnsteig, und meine Schritte sind laut, als ich die schmalen Bahnhofstreppenstufen hinuntersteige.

Kaum stehe ich unten, flammen die Scheinwerfer eines silbernen Mercedes auf, und sofort werden meine Wangen rot. Was bin ich nur für eine Idiotin, oben stehenzubleiben, wenn ich doch weiß, dass ich erwartet werde?

Verlegen gehe ich auf den Wagen zu, und die Fahrertür öffnet sich. Ein dunkelblonder Haarschopf erscheint, gefolgt von einem attraktiven Gesicht. Das muss Christopher Vermeulen sein, der Ehemann von Professor Vermeulens Tochter Christine. Sie selbst ist eine erfolgreiche Galeristin und viel für ihre Galerie und wohltätige Zwecke unterwegs. Kurz bevor ich mich auf den Weg in den Norden gemacht habe, habe ich mit ihr telefoniert, um die Details meiner Ankunft zu klären. Bedauernd hat sie gesagt, dass sie es nicht einrichten kann, selbst da zu sein, hat mir aber versprochen, bei ihrem Mann in guten Händen zu sein.

Christopher Vermeulen ist durchaus anziehend, aber in seinen Augen liegt eine gewisse Distanziertheit, die mich erschauern lässt, was ich glücklicherweise auf das kühle Herbstwetter schieben kann.

Seine Augen sind blau und der Mund ist eine Spur zu breit, um dem gängigen Schönheitsideal zu entsprechen, aber gerade das verleiht ihm ein energisches Aussehen.

»Du musst Jennifer sein«, begrüßt er mich, und seine Stimme ist viel heller, als ich es erwartet hätte.

»Nennen Sie mich doch Jenny.« Mit meinem vollen Namen angesprochen zu werden, macht mich immer nervös, was andererseits nicht verwunderlich ist, immerhin ist Nervosität mein Normalzustand.

»Nun gut. Hallo, Jenny, ich bin Christopher. Hattest du eine angenehme Reise?«

Ich überlege kurz, dann nicke ich. Die Zugfahrt war angenehm und ich kann mich über nichts beklagen. Außerdem will ich nicht gleich den Eindruck erwecken, empfindlich oder gar undankbar zu sein. Immerhin hat die Familie Vermeulen mein Zugticket bezahlt und mich den weiten Weg hierhergeholt. Darüber hinaus ist es eine einmalige Chance und ich habe mich selbst dazu entschlossen, hierherzukommen. Niemand hat mich zu irgendetwas gezwungen.

Er kommt mir entgegen und bleibt unangenehm nah vor mir stehen. So nah, dass ich überlege, ob es unhöflich wäre, wenn ich einen Schritt zurücktrete. Deutlich kann ich sein Aftershave riechen, das eine Minz-Note enthält, die in meiner Nase kratzt und die etwas unangenehme Situation betont.

Bevor ich mich entschieden habe, wie ich mich verhalten soll, nimmt er mir den schweren Rucksack ab. Sofort fühle ich mich wie eine Idiotin. Der Mann ist zuvorkommend und hilfsbereit, und weil ich eine naive Person bin, denke ich direkt das Schlimmste. Unsere Hände berühren sich kurz, als er nach dem Träger greift, und ich bin schockiert, wie kalt seine ist. Ich fröstele selbst schon ständig, aber ihm muss permanent kalt sein.

Zaghaft lächele ich und ermahne mich, mich nicht wie der letzte Depp zu benehmen. »Danke«, murmele ich und streiche mir eine widerspenstige Haarsträhne hinters Ohr.

»Kein Problem«, gibt er lässig zurück, und wieder bemerke ich, wie wenig seine Stimme und das Äußere zusammenpassen. Um nicht noch länger herumzustehen, öffne ich die Beifahrertür und setze mich nach einigem Zögern auf den ledernen Beifahrersitz.

Das teure Auto gibt mir einen ersten Vorgeschmack darauf, wie das Anwesen der Vermeulens wohl aussehen wird. Obwohl der Professor nur ein Dozent ist, hat die Familie in der Vergangenheit ein großes Vermögen angehäuft, um das sich der Sohn Gabriel inzwischen kümmert. Seine Vorfahren waren erfolgreiche Kaufleute und ihr Talent scheint auf ihn übergegangen zu sein.

So viel zumindest hat mir das Internet verraten. Ich mag zwar aufgeregt sein, aber ich bin nicht unvorbereitet.

»Ich bin immer noch beeindruckt, dass Christine jemanden für diese überaus langweilige Aufgabe gefunden hat. Ist es nicht Verschwendung, wenn so ein hübsches Mädchen wie du die Tage in Bibliotheken und Kellern verbringt?«

Mir gefällt weder sein Ton noch die merkwürdige Andeutung, aber ich will ihn nicht gleich vor den Kopf stoßen, vielleicht hat er es nur unglücklich formuliert.

»Keine Sorge, ich mache das gerne, und es ist mir eine Ehre, den Professor kennenzulernen.«

Christopher konzentriert sich auf die dunkle Landstraße vor uns. »Ich bin jedenfalls froh, dass der alte Herr eine Gesellschafterin bekommt, die sich für Geschichte interessiert. Uns langweilt er damit zu Tode.«

Ich ringe mir ein Lächeln ab, als er über seinen eigenen Witz lacht. Gesellschafterin? Das stand nun wirklich nicht in der Stellenbeschreibung.

♡♡♡

»Willkommen in der Familie Vermeulen.« Christopher deutet eine spöttische Verbeugung an und zwinkert mir zu, bevor er den Raum verlässt.

Erstaunt sehe ich mich in dem luxuriösen Zimmer um und kann es trotzdem nicht so richtig glauben. Natürlich war mir klar, was der Begriff »Landgut« bedeutet und dass die Familie mich wohl kaum in einem Zelt im Garten schlafen lassen würde, aber mit solchem Prunk habe ich nicht gerechnet.

Mit den Fingerspitzen streife ich über den auf Hochglanz polierten Kaminsims und frage mich, ob er wirklich aus Marmor ist oder nur so aussieht. Der rötliche Holzfußboden unter meinen Füßen glänzt genauso, und ich tippe darauf, dass es Holz des Elsbeerbaums ist – teuer so weit das Auge reicht.

Mitten im Zimmer thront ein großes Bett mit einem gesteppten Kopfteil. Meine Schuhe versinken in dem weichen Teppich, der den Boden um das Bett herum bedeckt, und sofort habe ich Angst, die kostbaren Fasern dreckig zu machen.

Auch die Bettwäsche fühlt sich edel an. Mit einem Seufzen setze ich mich auf das Bett und ziehe meine Schuhe aus. Mein Rücken knackt hörbar, als ich mich nach hinten sinken lasse. Die lange Reise hat mich doch steif werden lassen.

Umso glücklicher bin ich, dass Christopher mir gesagt hat, dass ich heute nichts mehr machen muss. Ich kann in Ruhe auspacken, ein Bad nehmen und ein wenig lesen. Heute Abend wird mir ein kleines Abendessen aufs Zimmer gebracht, und danach gehe ich ins Bett.

Morgen früh um zehn Uhr werde ich mich zum ersten Mal mit Professor Vermeulen zusammensetzen. Zweimal am Tag soll ich ihm für jeweils zwei Stunden zur Hand gehen, die restliche Zeit steht zu meiner freien Verfügung. Natürlich darf ich für meine Arbeit das legendäre Vermeulener Archiv benutzen, die berühmte Sammlung wertvoller Primärliteratur, die Hans Vermeulen in jahrelanger Arbeit zusammengetragen hat – zumindest den Teil, der sich nicht ohnehin schon in Familienbesitz befand.

Allein der Zugang zum Archiv ist für mich von unschätzbarem Wert, und es kribbelt in meinen Fingern, schon jetzt mit der Arbeit zu beginnen.

Doch das ist Unsinn, denn ich bin viel zu müde. Vor lauter Aufregung habe ich letzte Nacht kein Auge zugetan, und die lange Bahnfahrt hat mich erschöpft.

Ich ziehe den Reißverschluss meines Rucksacks auf und stapele meine liebsten Bücher auf den Nachttisch. Der große Karton, den ich vorausgeschickt hatte, steht neben dem Schreibtisch, ihn werde ich später auspacken. Darin sind fast nur Kleidungsstücke. Was sagt es über mich aus, dass ich problemlos auf hübsche Kleidung verzichten würde, aber meine alten, staubigen Bücher nicht eine Sekunde aus den Augen lasse?

Lächelnd streiche ich über die dicken Buchrücken, bevor ich den Rest auspacke. In dem großen Zimmer wirken meine wenigen Habseligkeiten fast verloren.

Meinen Laptop, das dicke Notizbuch und das Federmäppchen mit dem alten Tintenfüller lege ich auf den Schreibtisch, der mit seinen schlanken Beinen zierlich wirkt, obwohl er mehr als doppelt so groß ist wie mein Schreibtisch zu Hause.

Wieder klopft mein Herz schneller. Drei Monate werde ich in diesem Haus verbringen – so lange war ich noch nie fort.

Unwillig schüttele ich die Gedanken an zu Hause ab und durchquere das Zimmer. Das Bad lässt meinen Atem stocken. Weißes Porzellan, Glas und goldene Armaturen – alles vom Feinsten und poliert.

Die große Badewanne mit den Klauenfüßen fasziniert mich sofort und ich beschließe, Christophers Rat anzunehmen und mir ein Bad einzulassen.

Als ich schließlich im heißen Wasser liege und meine Muskeln sich entspannen, bin ich froh, über meinen Schatten gesprungen und der Einladung gefolgt zu sein.

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