Logo weiterlesen.de
Verrat auf Burg Brampton

Prolog

 

An der Abzweigung zügelten sie die Pferde.

"So, Josh, und nun? Bis Ludlow ist es kürzer als nach Brampton Percy, außerdem freut sich da jemand, wenn du nach Hause kommst, und behaglicher ist es auch. Willst du nach Hause?"

"Vielleicht doch lieber nicht." Sir Joshua Hopton, der älteste Sohn und Erbe einer der ersten Parlamentarierfamilien in Ludlow, versuchte erfolglos, seinen Mantel enger um sich zu ziehen. Er achtete nicht auf den Regen, der von der Krempe seines Hutes tropfte. Sein Gefährte und er waren ohnehin schon so nass, dass es darauf auch nicht mehr ankam. "Ich habe Lust zu sehen, wie du als der neue Lord willkommen geheißen wirst – also werde ich mir das, was Ludlow zu bieten hat, erst morgen gönnen."

"Gut, dann lass uns weiterreiten. Du wirst dort sicher genauso gerne gesehen sein wie ich."

Wasserdunst aus den niedrig hängenden Wolken verbarg das zynische Funkeln in den kalten Augen von Sir Joshuas Begleiter, als er die Zügel, die vom Regen schlüpfrig waren, fester umfasste. "Noch lieber sogar, wette ich."

Ohne ein weiteres Wort wandten sie ihre Pferde in Richtung Westen, wo die Festung von Brampton Percy lag, während ein neuer Regenschauer, der jetzt auch noch mit Hagel gemischt war, stechend auf Mensch und Pferd niederprasselte.

Ihre Eskorte schloss sich ihnen an.

1. Kapitel

 

Eine Stunde später ragten die beiden gewaltigen Rundtürme, die gebaut worden waren, um die Landbevölkerung rundum zu überwachen und gleichzeitig Schutz für die Zugbrücke mit dem mächtigen Tor zu bieten, unheilschwanger vor der kleinen Reisegesellschaft auf. Der Märztag mit grauen Wolken und einem eisigen Wind neigte sich dem Ende. Es war kein Tag, den man sich freiwillig zum Reisen aussuchte. Auch die Burg bot keinen anheimelnden Anblick, aber die beiden Männer ritten selbstbewusst auf sie zu, wussten sie doch, dass sie erwartet wurden und dass man sie einlassen würde.

Es war ein weiter Weg von London bis zu dieser kleinen Ansammlung von Häusern und der mächtigen Burg von Brampton Percy in den Tiefen des walisischen Marschlandes. Man schrieb das Jahr 1643. Das Wetter war schlecht, die Unterkünfte ebenfalls und die Straßen noch schlechter. Der Krieg, der nun schon im zweiten Jahr tobte, hatte allen Formen von Gesetzlosigkeit Vorschub geleistet, und unterwegs hatten sie immer wieder damit rechnen müssen, von Räubern und Dieben begehrlich beäugt zu werden, doch schließlich hatten sie ihr Ziel ohne Zwischenfälle erreicht. Vielleicht lag es an der selbstbewussten Ausstrahlung und den guten Waffen der Gruppe, dass die Verbrecher auf Abstand geblieben waren – nicht einer hatte das Risiko in Kauf genommen.

Die kleinen Gruppen bewaffneter Soldaten, die in diesen unruhigen Zeiten unterwegs waren, hatten ein größeres Problem dargestellt. Es war nicht immer leicht, Freund und Feind zu unterscheiden, Royalisten von den Parlamentariern. Für die beiden Reisenden und ihre Untergebenen hätten die Truppen der Parlamentarier Freunde bedeutet, mit denen sie Nachrichten austauschen und unter deren Schutz sie hätten weiterreisen können. Bei Royalisten hingegen hätten sie im besten Fall eine sofortige Gefangennahme mit langen und unbequemen Haftbedingungen in einer örtlichen Burg erleiden müssen, ehe man sie gegen ein gewaltiges Lösegeld ausgeliefert hätte. Im schlimmsten Fall hätte es den sofortigen Tod zur Folge gehabt. Deshalb waren sie äußerst vorsichtig gereist, hatten unscheinbare schwarze Kleidung gewählt, die weder ihre politische noch ihre soziale Zugehörigkeit verriet, und sich weitgehend unauffällig verhalten.

An diesem Spätnachmittag hatte der Regen sich schließlich verzogen, aber kein einziger Sonnenstrahl drang durch die dichte Wolkendecke, so dass der Anblick der Burg ihnen doppelt willkommen war. Die Dorfstraße lag bis auf ein paar Hühner, die im Schlamm kratzten, verlassen da, da die Bewohner sich vor den Elementen und den Unwägbarkeiten des Krieges in die Häuser geflüchtet hatten, dennoch waren die Reisenden sich sehr wohl der aufmerksamen Blicke bewusst, die ihre Ankunft verfolgten.

Langsam ritten sie an einem Fachwerkwirtshaus vorbei, dann an der eckigen Kirche des St. Barnabas mit ihrem soliden Turm, bis die Pferdehufe über die nassen Steine klapperten, die zur Zugbrücke führten. Sofort sprach sie ein Wachmann an, der bereits von ihrem Kommen unterrichtet war. Nach einem kurzen Wortwechsel wurde ein Riegel zurückgeschoben, eine Tür schwang auf und gewährte ihnen Einlass in die Sicherheit eines Innenhofes. Jemand hatte eine Laterne aufgehängt, die im Wind flackerte und nur wenig von der Umgebung enthüllte, die den Reisenden aber als ein Zeichen des Willkommens das Herz wärmte. Aus den Ställen und durch das große Tor, das zum Haupthaus führte, kamen jetzt Diener herbeigeeilt. Man hatte sie eindeutig erwartet. Ihre Pferde wurden gehalten und das Gepäck abgeladen, dann führten die Stallknechte die erschöpften Tiere davon, während die beiden Männer nun im Hof standen und sich umsahen.

"Ein eindrucksvoller Besitz." Sir Joshua, der kleiner war als sein Gefährte, blickte sich interessiert um und versuchte erfolglos, den Pfützen auf dem Pflaster des Hofs zu entkommen. "Ein bisschen mittelalterlich für meinen Geschmack, das verheißt wenig Komfort – aber ohne Frage beeindruckend. Ich nehme an, das sollte die Waliser und die Grenzräuber draußen halten. Weißt du etwas darüber?"

"Im Großen und Ganzen schon, nur war ich jahrelang nicht mehr hier. Lord Edward hat sich in letzter Zeit nicht mehr besonders gastfreundlich gezeigt." Der größere Mann setzte seinen Hut ab und fuhr sich mit der Hand durch die feuchten Locken, die unangenehm an seinem Hals klebten.

"So ist es mit der Familie. Und nun gehört das alles hier dir."

"Mhm. Aber will ich es auch haben?" Der neue Besitzer drehte sich um sich selbst und betrachtete die bedrückenden Steinmauern, die kleinen Fenster und die schmutzigen Steine im Hof voller Skepsis. "Vor Jahren hat es einen heftigen Streit gegeben. Meine Mutter hat erzählt, dass Lord Edward meinen Vater mit vorgehaltenem Vorderlader aus dem Haus geworfen und gedroht hat, dass er sofort schießen würde, falls er oder meine Mutter es wagen würden, sich je wieder dort sehen zu lassen. Oder ihre Kinder! Ich glaube, er nannte uns Höllenbrut. Was, wenn ich mich richtig erinnere, durchaus der Wahrheit entsprach." Er grinste. "Meinem Vater hat es nie viel ausgemacht, er wollte all das sowieso nicht erben. Er hat Edward gehasst wie den Teufel."

Die beiden Männer wandten sich der Treppe zu, die zum Eingang führte.

"Mittelalterlich oder nicht", fuhr der neue, wenn auch widerstrebende Lord fort, "ich bin froh, wenn ich aus dem Wind komme. Ich nehme doch an, dass du über Nacht bleibst, Josh?"

Sir Joshua Hopton lachte. "Nichts könnte mich dazu bewegen, jetzt weiterzureisen. Morgen ist noch früh genug. Diese Gegend ist eins der Zentren der Royalisten, und meine Chancen stehen nicht zum Besten, wenn ich alleine weiterreise und erkannt werde. Hier weiß jeder, auf wessen Seite meine Familie steht."

"Dann komm, ich habe dich gerne als Gast auf Brampton Percy. Sieh nicht nach rechts, die Ratte, die da gerade entlanglief, war so groß wie ein irischer Wolfshund. Willst du wirklich bleiben? In deinem Schlafzimmer ist vielleicht auch so ein Vieh."

Lachend traten die beiden Männer in die große Halle von Brampton Percy, das im zwölften Jahrhundert erbaut worden war. Die Halle war riesig und noch im Originalzustand mit einer offenen Galerie an einem Ende und vielen Zwischenwänden aus Holz, die strategisch platziert waren, um die Zugluft abzuhalten. Bis auf einen enormen Eichentisch und zwei geschnitzte Holzstühle war der Raum leer.

"Willkommen, Mylord", erklang eine ruhige Stimme hinter ihnen, und eine dunkel gekleidete Gestalt erschien und verbeugte sich respektvoll. Es war ein kleiner, zierlicher Mann mit kurzen weißen Haaren, der zielsicher sofort den neuen Besitzer ansprach. "Wir haben Sie erwartet, Sir Francis. Oder besser gesagt, Mylord Mansell. Sie werden sich wohl kaum an mich erinnern. Ich bin Foxton, Lord Edwards Verwalter. Wenn ich das sagen darf, Mylord, ich erinnere mich an Sie als Kind." Er verzog keine Miene, aber das flackernde Licht der Kerze zeigte doch ein Zwinkern in seinen dunklen Augen.

"Foxton, ja natürlich." Ein Lächeln huschte über Lord Mansells finsteres Gesicht, als er an glücklichere Zeiten zurückdachte. "Es ist lange her, nicht wahr? Ich glaube, ich habe eine schmerzliche Erinnerung." Sein Lächeln wirkte nun ein wenig gequält. "Haben Sie mir nicht eine Ohrfeige gegeben, weil ich eines von den seltenen Glasfenstern in der Kapelle zerschlagen habe?"

"In der Tat, Mylord", gab der Diener ruhig zu. "Kinder können recht ausgelassen sein. Wie Sie sagen, das ist lange her." Foxton setzte die Kerze auf den Tisch und trat näher. "Erlauben Sie mir, Ihnen Hut und Mantel abzunehmen."

"Das ist Sir Joshua Hopton", stellte Mansell seinen Freund vor. "Er bleibt über Nacht und reist morgen nach Ludlow weiter. Ich nehme doch an, dass wir ihn unterbringen können?"

"Aber natürlich, Mylord."

Sie zogen ihre Mäntel aus, setzten die Hüte ab und reichten alles dem Diener. Mansell maß seine schlammbespritzten Hosen und Stiefel mit einem düsteren Blick. "Wir sind für Gesellschaft nicht passend gekleidet, Foxton. Essen und Trinken wären uns dennoch höchst willkommen – und ein Feuer. Wir sind heute weit und schnell gereist."

"Von einer bequemen Sitzgelegenheit ganz zu schweigen." Joshua streckte stöhnend die Arme aus. "Ich dachte schon, ich wachse auf meinem Pferd fest. Alles soll mir recht sein, wenn es nur ein Kissen hat."

"Natürlich, Sir Joshua. Es ist alles vorbereitet. Robert hier wird Ihnen den Weg zeigen, falls Sie ihn vergessen haben, Mylord. Ich möchte Ihnen noch mein Beileid aussprechen. Wir alle sind froh, dass Sie trotz Sir Edwards unerwartetem Ableben und den gefährlichen Reisebedingungen heutzutage so schnell kommen konnten."

"Danke, Foxton. Es ist gut, hier zu sein", erklärte Mansell ausdruckslos, ohne seinen Freund dabei anzusehen. Er wollte nicht, dass Joshua erfuhr, was er wirklich über sein Erbe dachte.

"Ich bezweifle jedoch, dass sie noch froh sein werden, wenn sie erfahren, dass deine Ansichten allgemein und im Speziellen zur Sache Ihrer Majestät nicht mit denen Lord Edwards übereinstimmen", sagte Joshua leise zu seinem Freund und hob die Brauen. "Ich bin gespannt, was geschieht, wenn deine Nachbarn erkennen, dass sie einen Parlamentarier-Fuchs in ihren Royalisten-Hühnerstall gelassen haben."

"Wie wahr." Mansell verzog das Gesicht. "Ich denke, ich werde heute Abend nichts davon erwähnen – das sorgt nur für Streit, und jetzt will ich nur noch etwas zu essen und mein Bett. Mal sehen, wie es morgen wird." Er wandte sich wieder an Foxton. "Ist Lord Edwards Beerdigung schon organisiert?"

"Jawohl, Mylord. Reverend Gower, der Vikar der Kirche, hat alles vorbereitet. Sie wird morgen in St. Barnabas stattfinden, wenn Ihnen das passt."

"Ich wüsste nicht, was dagegen spricht."

Die beiden Männer folgten Robert zur Treppe am Ende der Halle, und ihre Schritte hallten hohl in dem leeren Raum wider.

"Du brauchst dich nicht verpflichtet zu fühlen, deswegen morgen noch dazubleiben", wandte Mansell sich an seinen Freund. Er wusste, wie sehr es Joshua drängte, sich davon zu überzeugen, dass es seiner Familie gut ging. "Es sieht ohnehin nicht so aus, als ob ich dir viel Komfort bieten könnte." Er musterte die Spinnweben über seinem Kopf und erschauerte, als die Zugluft durch seine feuchten Kleider fuhr. Trotz des riesigen Kamins an einem Ende der Halle brannte kein Feuer. "Ich glaube nicht, dass viel in dieses Gebäude investiert worden ist, seit es vor – nun, vermutlich – dreihundert Jahren gebaut worden ist."

"Ihr erster Eindruck ist höchst scharfsinnig, Mylord." Die ruhige, kultivierte Frauenstimme überraschte Mansell. Abrupt blieb er stehen und spähte in die Schatten. Niemand war zu sehen.

"Der Großteil der Burg wurde vor dreihundertfünfzig Jahren gebaut", ertönte die Stimme jetzt von rechts, "und ich kann Ihnen versichern, dass nichts je modernisiert, verbessert oder neu eingerichtet wurde – sehr zum Nachteil jeglicher Bequemlichkeit."

Mansell fuhr herum. Nun erkannte er eine Gestalt an der Nordseite der Galerie, vor dem dunklen Hintergrund waren allerdings nur Gesicht und Hände als helle Flecken auszumachen. Er wollte weitergehen und der Frau, die er für eine Dienerin hielt, lediglich kurz zunicken, aber ein Hüsteln von Foxton hinter ihnen ließ ihn innehalten.

"Mylord …"

Die Dame trat jetzt neben Foxton und ließ Mansell keine Sekunde aus den Augen. Mansell erhaschte eine Bewegung neben ihr, die sich bald darauf als ein großer Hund herausstellte, der immer dicht an ihrer Seite blieb, den Blick ebenfalls auf ihn gerichtet und die Zähne mit einem leisen Knurren entblößt. Mansell betrachtete das gewaltige Tier und lächelte verhalten. Das war ja der Wolfshund schlechthin! Der Hund knurrte wieder und schwieg erst, als sich eine schlanke Hand auf seinen Kopf legte.

Mansell wandte seine Aufmerksamkeit nun der Dame zu. War sie eine Verwandte? Eine Leibeigene? Nein, ihr Stil ließ erkennen, dass sie sicher keine Dienerin war.

Still stand sie da und wartete, dass Foxton oder Mansell die Initiative ergriffen. Auch sie war ganz in Schwarz, aber ihr Kleid war aus Seide und nach der neuesten Londoner Mode gefertigt. Ihr braunes Haar war ordentlich im Nacken zusammengefasst, ohne dass ein paar Locken oder Strähnen ihre strenge Erscheinung aufgelockert hätten. Das ovale Gesicht wurde von einem Paar haselnussbrauner Augen unter hoch geschwungenen Brauen beherrscht. Ihre Haut war blass mit feinen Schatten unter den Augen, und nichts an ihrer Aufmachung hatte etwas Schmeichelndes an sich. Mansell hatte den Eindruck, als würde sie gleich vor Erschöpfung zusammenbrechen. Sie war jung, doch kein Mädchen mehr, besaß keine Schönheit, aber einen gewissen Stil, der nicht ohne Reiz war. Eine ernste Frau, dachte er, und warf einen Blick auf ihre Hände, die sie so fest verkrampft hatte, dass die Knöchel weiß hervortraten. Mansell blickte ihr wieder ins Gesicht und hob fragend die Brauen. Doch die Dame stand einfach nur schweigend da. Er hatte den Eindruck, dass sie wahrscheinlich schon seit ihrer Ankunft dort im Schatten gestanden, ihn beobachtet, ihnen zugehört hatte und zu ihren eigenen Schlüssen gekommen war.

Mansell wusste nicht, wer sie war. Und doch hatte sie etwas Vertrautes an sich … Er warf Foxton einen Hilfe suchenden Blick zu. Ehe der Verwalter allerdings etwas sagen konnte, knickste die Dame und begann wieder mit dieser ruhigen und kultivierten Stimme zu sprechen, so dass es eindeutig war, dass sie nicht die Haushälterin sein konnte.

"Wir haben Sie erwartet, Lord Mansell. Sie müssen nach Ihrer Reise erschöpft sein." Nicht die Spur eines Lächelns begleitete diese Willkommensworte. "Ich habe für Sie und Ihren Reisegefährten Wein und Essen in den Söller bringen lassen, wenn es Ihnen recht ist. Das ist der wärmste Raum."

"Danke, Foxton hat uns schon den Weg gewiesen, Mistress …?" Foxton und die Dame wechselten einen raschen Blick.

"Ich sehe, dass Lord Edward Sie nicht informiert hat, Mylord." Ohne Scheu sah sie ihm in die Augen. Es störte Mansell, dass er anscheinend der Einzige war, den die Situation verunsicherte.

"Mich informiert? Ich verstehe nicht ganz …" Ungeduldig runzelte er die Brauen, eine Geste, die gewöhnlich sofortige Erklärungen zur Folge hatte. Joshua bemerkte es und wartete voller Interesse.

"Mylord", mischte sich jetzt Foxton ein, "wenn Sie gestatten, dass ich Sie vorstelle." Er verbeugte sich vor der schweigenden Dame an seiner Seite. "Darf ich Sie mit Honoria, Lady Mansell bekannt machen? Die Frau – die junge Braut – von Lord Edward. Dieser Herr, Mylady, ist Sir Francis Brampton, ein entfernter Cousin Lord Edwards und Erbe des Titels, jetzt also Lord Mansell. Und Sir Joshua Hopton, der mit ihm reist."

Lady Mansell sank in einen tiefen Knicks, als die Herren sich verbeugten. Sir Francis nutzte die Gelegenheit, um seine Gedanken zu ordnen. Das hatte er nicht erwartet, als er die Nachricht von Lord Edwards plötzlichem Tod erhalten hatte. Möglicherweise ergäben sich daraus Komplikationen. Er zwang sich, bei all den neuen Informationen mit der verblüffendsten Enthüllung anzufangen.

"Edwards Frau? Ich wusste nicht …" Er musterte die Dame scharf, als läge die Schuld für seine Unwissenheit bei ihr. Dann runzelte er angesichts ihres offenen Blicks die Stirn. "Und doch … ich habe das Gefühl, als hätten wir einander schon einmal getroffen, Mylady."

"Das haben wir, Mylord, aber ich hätte nicht gedacht, dass Sie sich erinnern. Vor gut zwei Jahren – in London vor dem Ausbruch der Feindseligkeiten."

"Natürlich." Er konnte die Überraschung in seiner Stimme nicht verbergen. "Sie sind Mistress Ingram, die Laxton-Erbin, wenn ich mich nicht irre. Sie waren im Herbst 1640 bei Hof. In Whitehall. Ich war mit Katherine da …"

"Ja, ich bin … das heißt, ich war Honoria Ingram."

"Wir sind einander auf einem der Maskenbälle der Königin vorgestellt worden. Eine von Inigo Jones' Extravaganzen", setzte er mit leichtem Abscheu hinzu.

"Ich war mit meinem Vormund Sir Robert Denham und seiner Familie dort."

"Ich kenne Sir Robert natürlich. Aber die Frau meines Cousins! Ich wusste ja nicht …"

"Wie sollten Sie auch, Mylord?" Sie betrachtete ihn mit einer Art distanziertem Interesse.

"Lord Edward hat meinem Vater immer den Eindruck vermittelt, dass er nicht heiraten wolle. Er schien Frauen und eine Ehe nicht besonders hoch zu schätzen."

"Was das angeht, Mylord, kann ich nichts dazu sagen."

Sie wurde noch blasser, falls das überhaupt möglich war. Lord Francis stöhnte innerlich über seine Taktlosigkeit auf. Das war unentschuldbar. Joshuas unzureichende Versuche, ein Lachen hinter einem vorgetäuschten Hustenanfall zu verbergen, waren ebenfalls nicht hilfreich, und Mansell warf ihm einen wütenden Blick zu, ehe er sich wieder der Witwe seines Cousins zuwandte, um zu retten, was zu retten war.

"Verzeihen Sie, Mylady, das war unhöflich. Ich wollte Sie nicht beleidigen. Nach vier Tagen Reise unter schweren Bedingungen haben meine Manieren offenbar gelitten. Bitte verzeihen Sie."

Honoria schüttelte leicht den Kopf. "Das ist nicht notwendig, Mylord, Sie haben die Situation durchaus treffend geschildert. Ich glaube, dass Lord Edward in der Tat bis vor kurzem nicht heiraten wollte. Doch die Aussicht auf Ländereien und ein großes Vermögen kann auch den starrsinnigsten Charakter umstimmen." Ihr kurzes Schweigen fiel kaum auf. "Und Lord Edward war ohne Zweifel starrsinnig."

"Wann – wie lange waren Sie verheiratet?" Mansell war die Bitterkeit nicht entgangen, mit der sie so klar die Umstände ihrer Eheschließung darlegte.

Zum ersten Mal zögerte Lady Mansell ein wenig, ehe sie antwortete; vielleicht fiel es ihr schwer, noch mehr preiszugeben. Ganz kurz zeigte sich in ihren Augen der Anflug eines Gefühls, aber es war so schnell wieder verschwunden, dass Francis es nicht zu deuten wusste. Als sie antwortete, blieb ihr Gesicht ausdruckslos, und auch ihre Stimme verriet nichts davon, was in ihr vorging.

"Vor vier Wochen war ich seine Braut, Mylord. Jetzt bin ich Witwe. Ich glaube, Mr. Welling – Lord Edwards Anwalt aus Ludlow – möchte Ihr Erbe und meine Verbindung mit Ihnen am Donnerstag besprechen, dem Tag nach der Beerdigung." Damit wandte sie sich zur Treppe und verbarg so jede weitere Gefühlsregung. "Sie und Sir Joshua möchten diese zugige Halle jetzt vielleicht gegen einen behaglicheren Ort eintauschen. Mein Söller ist zumindest warm, und es zieht dort kaum. Ich fürchte, wie Sie auch schon vermuteten, dass Sie Brampton Percy weder besonders behaglich noch besonders bequem finden werden."

2. Kapitel

 

Auch am Mittwoch, dem Tag von Lord Edwards Beerdigung, hörte es nicht auf zu regnen und zu stürmen. Dem neuen Lord Mansell schien es höchst passend, gerade bei solchem Wetter neben einem Sarg auf einem düsteren Friedhof zu stehen. Dies entsprach genau seiner Stimmung. Mürrisch lauschte er auf den prasselnden Regen, der unerbittlich auf den Sarg von Lord Edward und die kleine Gruppe von Trauernden herniedertrommelte. Ein Aufseufzen entrang sich der Gruppe, als der Sarg schließlich in die Kirche getragen wurde, wo der Verstorbene in der Familiengruft zur letzten Ruhe gebettet werden sollte, was allen die Gelegenheit gab, endlich dem Regen zu entkommen.

Nur wenige Vertreter der örtlichen Familien waren erschienen, um dem alten Lord das letzte Geleit zu geben. Der Krieg stellte die traditionelle Loyalität auf eine harte Probe, zudem hatte Lord Edward nie zu den beliebten Mitgliedern des Landadels gehört. Als jähzorniger und geiziger Mann hatte er sich nie besonders um seine Nachbarn bemüht. Angesichts des Wetters und der gefährlichen Reisebedingungen hatten es deshalb viele vorgezogen, zu Hause zu bleiben.

Von Viscount Scudamore of Holme Lacy war nichts zu sehen. Allerdings musste man ihm bei aller Lässigkeit und seiner Verachtung für Konventionen zugute halten, dass er auch den weitesten Weg hatte. Auch ein Vertreter von Fitzwilliam Coningsby of Hampton Court fehlte. Oder Henry Lingen. Aber ein paar hatten sich die Mühe gemacht: Henry Vaughan und Sir Richard Hopton waren gekommen. Mansell war sich die ganze Zeit über Sir William Crofts Nähe bewusst, der über verschiedene Eheschließungen zu seiner Verwandtschaft gehörte. Mansell sah der drohenden Unterhaltung nicht besonders erfreut entgegen, denn der mächtige Sir William, dem viel Land und dazu noch Croft Castle gehörten, galt als strammer Royalist, der in der Gegend viel Einfluss hatte.

Von seinen eigenen Pächtern und der Dienerschaft waren natürlich fast alle da, auch wenn Lord Mansell vermutete, dass der Großteil nicht gekommen war, um den alten Lord zu verabschieden, sondern um einen ersten Blick auf den neuen zu werfen.

Reverend Stanley Gower fand bei seiner Ansprache kein Ende, und seine nasale Aussprache wurde noch durch eine Erkältung verstärkt, während die Steine Kälte ausstrahlten und die Gemeinde hustete und nieste.

Mansell seufzte, heftete seinen Blick auf das alte Chorgestühl vor sich und bemühte sich, seine eigenen Gefühle zu verbergen. Joshua saß neben ihm und hatte ihm seine Unterstützung zugesichert – er hatte seine Reise nach Ludlow nur zu gerne verschoben, weil er sich um nichts in der Welt Crofts Reaktion entgehen lassen wollte, wenn der erfuhr, welche politische Einstellung sein neuer Nachbar vertrat. Mansell hatte gedroht, Joshua hinauszuwerfen, wenn er auch nur ein falsches Wort sagte, war insgeheim aber froh, seinen Freund neben sich zu wissen.

Lady Mansell saß auf eigenen Wunsch allein in der Familienbank. Mansell musterte sie aus den Augenwinkeln, um zu sehen, in welcher Verfassung sie war – mit so einem Aspekt seines Erbes hatte er nicht gerechnet.

Honoria bemerkte nichts von seiner Sorge. Sie saß vollkommen reglos da und sah zum Altar nach vorne, und Mansell konnte keine Träne und keine Gefühlsregung bei ihr erkennen. Er runzelte die Stirn, musste aber einräumen, dass er nichts anderes erwartet hatte.

Der Gottesdienst näherte sich jetzt dem Ende, und der Sarg wurde in den Südflügel der Kirche gebracht, um dort unter manch gemurmelten Verwünschungen in den Hohlraum unter den Steinfliesen gesenkt zu werden. "… Staub zu Staub in der sicheren Erwartung der Auferstehung zum ewigen Leben …" Erleichtert bewegte sich die Gemeinde anschließend aus der Kirche.

"Nun, Mylord", sagte Croft und reichte Mansell die Hand, "das sind traurige Umstände, unter denen wir uns kennen lernen, aber willkommen in unserer Gegend. Ich kannte Ihren Vater natürlich. Bei anderer Gelegenheit werde ich Sie nur zu gerne mit meiner Familie bekannt machen."

Das bezweifle ich. Lord Mansell behielt seine Gedanken jedoch für sich und schüttelte Croft die Hand. "Danke, Sir William, mein Vater hat oft von Ihnen gesprochen, er mochte Sie sehr. Wollen Sie mich zur Burg begleiten? Dort entkommen wir dem Regen, und der Keller meines Onkels hat sicher einiges zu bieten, was uns aufwärmen kann."

"Darauf würde ich nicht wetten!" stieß Sir William hervor. "Ich bezweifle, dass Sie überhaupt ein Fass Bier finden, geschweige denn etwas Stärkeres. Lord Edward hat keinen Penny freiwillig ausgegeben. Ich fürchte, Mylord, Ihr neuer Besitz wird eine große Bürde für Sie darstellen, es sei denn, Sie scheuen weder Mühe noch Kosten, um alles auf Vordermann zu bringen."

Mansell wandte sich nach ein paar höflichen Worten ab und war sich plötzlich der Gegenwart Lady Mansells sehr bewusst, die neben ihn getreten war. Sie hatte sich die Kapuze ihres Umhangs tief in die Stirn gezogen und wirkte inmitten der Menschen allein und zerbrechlich. Als sie schwankte, ergriff Mansell rasch ihren Arm.

"Mylady", murmelte er, "geht es Ihnen nicht gut? Brauchen Sie Hilfe?"

Sie versteifte sich unter seiner Berührung, und nur ein kurzes Flattern der Lider verriet ihm, dass sie sich seiner bewusst war. Sie blinzelte und runzelte die Stirn, als müsste sie sich erinnern, wer er war, dann schüttelte sie leicht den Kopf und entzog ihm ihre Hand.

"Danke, Mylord, ich brauche keine Hilfe. Ich muss zurück zur Burg und dafür sorgen, dass es den Gästen an nichts fehlt."

Damit wandte sie sich ab und ging davon.

 

In der großen Halle war ein einfaches Mahl aufgetischt worden. Brot, Fleisch, Käse und Pasteten lagen auf großen Platten, und trotz Lord Williams Befürchtungen standen reichlich Wein und Bier bereit. Im Kamin brannte ein Feuer, das zu klein war, um für mehr als Atmosphäre zu sorgen, aber die Geste zählte, und die wenigen Leute, die Lord Mansell auf die Burg begleiteten, stellten sich dankbar vor den Kamin, so dass bald der Dampf aus nassen Mänteln und Stiefeln aufstieg. Die Gäste verliehen ihrer Anteilnahme in höflichen, wenn auch unehrlichen Worten Ausdruck, und allmählich entspannten sie sich bei Essen und Trinken und den üblichen Klatschgeschichten, die bei solchen Anlässen die Runde machten.

Mansell merkte, dass Foxton mit beunruhigtem Gesicht neben ihm erschien.

"Ist alles zu Ihrer Zufriedenheit, Mylord? Wir haben getan, was wir können, aber Sie müssen verstehen …"

"Ja, danke, Foxton. Es ist besser, als ich unter den Umständen erwartet habe." Mansell machte keinen Hehl daraus, dass er wusste, wie es um das einst prächtige Brampton Percy stand, denn es war ohnehin unübersehbar. Wo die Pachteinnahmen hingegangen waren, blieb ihm ein Rätsel. Und das alles, wie Joshua voller Schadenfreude erklärt hatte, gehörte jetzt Mansell. "Sie haben den Gästen das Gefühl gegeben, höchst willkommen zu sein, Foxton. Vielen Dank dafür." Ein warmes Lächeln erschien auf seinem harten Gesicht. "Ich glaube, Lord Edward wusste gar nicht, was er an Ihnen hatte."

Foxton verbeugte sich. "Es ist meine Pflicht und eine Ehre für mich, Ihrer Familie zu dienen, Mylord. Wie schon mein Vater vor mir. Aber das hier", er machte eine ausschweifende Handbewegung, "hat alles Lady Mansell veranlasst. Sie wollte den Anlass würdig gestalten. Falls jemand über Nacht bleiben möchte, auch ein paar Schlafgemächer sind vorbereitet."

Überrascht hob Mansell die Brauen. "Danke, Foxton." Sein Blick suchte die junge Witwe, die sich anmutig durch die Halle bewegte, dort ein Glas Wein anbot, hier eine Beileidskundgebung entgegennahm. Die große Wolfshündin war aus ihrer Gefangenschaft im Stall befreit worden und wich ihr nicht von der Seite, und anscheinend hatte Lady Mansell sich von ihrer kurzen Schwäche auf dem Kirchhof wieder erholt. Doch so mühelos sie sich auch unterhielt, sie lächelte kein einziges Mal, und wieder war Mansell durch ihr distanziertes Auftreten überrascht. Noch mehr staunte er über den Respekt, den ihr die Diener entgegenbrachten, die sie nicht aus den Augen ließen, um jeden ihrer Wünsche sofort zu erfüllen. Sie mochte nur ein paar Wochen die Herrin von Brampton Percy gewesen sein, aber es hatte offenbar genügt, dass die gesamte Dienerschaft sie loyal unter ihre Fittiche genommen hatte. Wie hat sie das wohl geschafft? Mansell fragte später Joshua danach, als sie bei einem Krug Bier zusammensaßen. "Sie scheint keine besondere Gabe zu haben, sich amüsant zu unterhalten, keinerlei Charme, keine Wärme. Und doch folgt ihr sogar Sir Edwards Hündin auf Schritt und Tritt. Wie kommt das?"

Joshua zuckte die Achseln. "Ich weiß es nicht. Noch kein einziges Mal habe ich sie lächeln sehen. Vorhin hat Thomas Rudhall versucht, sie in ein Gespräch zu ziehen." Er sah sich suchend nach dem Mann um.

"Oh? Noch ein Familienmitglied?"

"Ja, ein Cousin von dir. Und zwar ein sehr wichtiger, wie er denkt. Er ist Witwer. Da ist er!" Er deutete auf einen großen, unordentlich wirkenden Mann, der sich mit vollem Mund am Kamin unterhielt. "Der arme Thomas hat sich sehr bemüht, die reiche und trauernde Witwe für sich einzunehmen."

"Und?"

"Sie hat ihre Röcke an sich gezogen, als ob sie Angst vor Ansteckung hätte, und ihn angesehen, als wäre er gerade aus einer der Pfützen in deinem Hof gekrochen." Joshua grinste. "Das hat unseren Thomas sehr schnell zum nächsten Bierfass getrieben. Seine Träume von einer attraktiven reichen Witwe, die sein Bett teilt, sind schnell zerstoben."

"Zumindest beweist sie damit Geschmack." Mit spöttischem Lächeln hörte Francis zu, als sein erfolgloser Cousin sich lang und breit über die Vorteile der Royalisten gegenüber den Parlamentariern ausließ. "Die letzten Wochen dürften nicht allzu angenehm für sie gewesen sein. Die Ehe wird ihr nicht allzu verlockend erscheinen, und nur wenige Frauen dürften sich durch Rudhalls Charme angezogen fühlen. Ich erinnere mich kaum an Edward … aber die Ehe mit ihm muss … schwierig gewesen sein." Er runzelte die Stirn. "Erst recht für eine gut erzogene junge Frau. Vielleicht war das das Problem."

"Wenigstens ist sie jetzt frei. Die Dame sollte sich freuen."

"Das sollte sie. Ah, und meine Freude ist dahin, denn ich fürchte, Lord Croft hält auf mich zu. Es naht die Zeit, wo ich für meine Sünden einstehen muss." Er sah seinen Freund an. "Allerdings glaube ich nicht, dass ich mich allzu sehr entschuldigen werde."

"Wann tust du das je?" Joshua hob die Brauen. "Ich überlasse dich deinem Schicksal und werde selbst mal mein Glück bei der jungen Witwe versuchen, wenn auch nur, um Rudhall zu ärgern. Sei nicht zu harsch mit deinem neuen Nachbarn."

Sir Croft trat jetzt mit einem Bierkrug in der Hand zu ihnen, und seine Autorität umgab ihn wie ein Mantel, den er gerne trug. "Ich nehme an, ich sollte jetzt wohl sagen, wie sehr mir Lord Edwards Tod Leid tut", eröffnete er das Gespräch brüsk. "Aber der Tod Ihres Bruders letzten Monat tut mir viel mehr Leid. Es ist traurig, wenn jemand so jung sterben muss."

"Ja, ein großer Verlust", antwortete Mansell knapp.

"Und Ihr eigener tragischer Verlust. Gleich beide, Katherine und das Baby. Das war vor einem Jahr, nicht wahr? Und auch noch Ihr Vater …" Er schüttelte fassungslos den Kopf. "Eine schreckliche Zeit für Ihre Familie."

"Ja."

"Verzeihen Sie, mein Junge." Sir William legte ihm voller Mitgefühl die Hand auf den Arm. "Ich sehe, dass Sie nicht darüber reden wollen, aber ich wollte mein Beileid ausdrücken. Ihre Mutter hat der meinen geschrieben, auch wenn wir Katherine nie kennen gelernt haben."

"Nein." Mansells Antwort klang eisig.

Unbehaglich wandte Sir William den Blick ab und nahm einen ermutigenden Schluck Bier. "Ihre Mutter trifft das hart, nehme ich an?"

"Ja." Mansell entspannte sich und nahm ein Glas Wein von einem Diener an. "Sie ist zurzeit mit Ned und Cecilia in London und voller Angst, dass Ned oder ich auch von einer verirrten Kugel getroffen werden könnten."

"Das hat Ihnen eine Menge unerwarteter Verantwortung aufgebürdet. Wie kommen Sie damit zurecht?"

"Nur schwer", erwiderte Mansell ehrlich, der froh war, nicht weiter über die traurigen Ereignisse sprechen zu müssen. "Auf einmal habe ich zwei Titel geerbt, den meines Vaters und nun noch den Edwards. So hatte ich das nicht geplant."

"Nicht zu vergessen das Erbe von Lord Edwards Frau", ergänzte Sir William. "Sie erbt natürlich einen Teil der Ländereien, aber sie hat selbst beträchtliches Vermögen mit in die Ehe gebracht. Ganz Herefordshire hat darüber geredet, als Edward so unerwartet geheiratet hat. Warum hat er all seine Gewohnheiten so plötzlich über den Haufen geworfen? Und die Kosten! Er muss all sein Geld zusammengekratzt haben, um die Vormundschaft von Sir Denham zu kaufen. Sir Edward war einer der furchtbarsten Grundbesitzer. Er hat alles falsch gemacht." Ungläubig schüttelte Sir William, der seine Pflichten selbst sehr ernst nahm, den Kopf. "Sein Land hat großes Potenzial, aber er hat nie etwas daraus gemacht. Und dann bringt er eine junge Frau hierher!"

Mansell nickte. "Ich wusste weder etwas von der Hochzeit noch von der Größe des Erbes, das ich angetreten habe."

Sir William nickte, und sein Blick fiel auf die junge Witwe. "Armes Mädchen", murmelte er.

"Warum sagen Sie das?" Mansell war gespannt, mehr von Sir William zu erfahren.

"Haben Sie Ihren Cousin überhaupt gekannt?"

"Eigentlich kaum."

"Das dachte ich mir. Ich will nicht schlecht über Tote reden, aber lassen Sie mich eines sagen – es gibt nur wenige Menschen, die Edward betrauern. Und was seine Eigenschaften als sensibler, liebender Ehemann für ein junges Mädchen angeht – nun, ich denke, Denham muss verrückt gewesen sein, dass er das zugelassen hat."

Beide sahen zu, wie Lady Mansell einer alten Dame beim Aufstehen half und ihr ihren Stock in die verkrümmten Finger drückte. Mansell presste die Lippen zusammen. Er hatte sich so etwas schon gedacht.

"Sie sind hier in eine ruhige Gegend gekommen", fuhr Sir William jetzt fort. "Die meisten von uns sind treue Anhänger des Königs oder haben so viel Verstand, den Mund zu halten und ihre Zweifel für sich zu behalten. Familienbande zählen hier noch, und Ihre Familie ist mit den meisten hier durch Heirat verknüpft, wenn auch viele nicht bei der Beerdigung waren. Ihnen ist sicher aufgefallen, dass die Coningsbys nicht da waren?"

"Ja. Gibt es dafür einen Grund?"

"Eine bittere Fehde zwischen Fitzwilliam Coningsby und Edward, die Jahre zurückliegt. Sie haben nicht nur den Besitz, sondern auch viel Geschichte geerbt. Seien Sie auf der Hut, mein Junge."

"Das bin ich. Wen hat mein Cousin politisch denn unterstützt?"

"Die Royalisten natürlich. Hereford untersteht dem Kommando Coningsbys, der Gouverneur ist. Aber hier ist es relativ ruhig, denn der nächste Standort der Parlamentarier ist in Gloucester, und das ist weit weg. Wir sind es gewohnt, unsere Angelegenheiten selbst in die Hand zu nehmen, ohne dass dabei so ein Schuft mitmischt wie John Pym in London."

Mansell holte tief Luft. Er durfte jetzt nicht länger schweigen, nur um einem Konflikt aus dem Wege zu gehen. Offen sah er Sir William an. "Vielleicht sollte ich ehrlich zu Ihnen sein, Sir William. Ich selbst stehe auf Seiten der Parlamentarier. Ich kann nicht guten Gewissens einen Mann wie Charles Stuart unterstützen, der das Land zu Grunde wirtschaftet, das Parlament ignoriert und die irischen Katholiken dazu benutzt, seine eigenen Landsleute zu unterjochen. Ich bin kein Royalist und werde mich nicht damit zufrieden geben, den Kopf zu senken und den Mund zu halten – im Gegenteil, ich stehe zu meinen Ansichten."

Betretenes Schweigen folgte, so scharf wie das Kurzschwert an Sir Williams Seite.

Sir William nahm noch einen Schluck Bier. "Nun gut, mein Junge." Mit einem Anflug von Respekt betrachtete er nun Lord Mansell. "Das wird die örtliche Bevölkerung in Aufregung bringen. Ich schätze einen Mann mit einer eigenen Meinung, der keine Angst hat, sie zu äußern. Aber sind Sie sicher? Als Sohn Ihres Vaters hätte ich nie solche verräterischen Worte erwartet."

Lord Mansell lachte bitter auf. "Oh ja, da bin ich sicher. Wird die Verbindung Ihrer Familie zu einem Verräter Nachteile für Sie haben?"

"Ja, das wird es, und es hat keinen Sinn, dies beschönigen zu wollen. Meine Frau wird darauf bestehen, dass ich Sie um Ihrer Eltern willen einlade, meine Genossen werden Sie als Abkömmling des Teufels verdammen. Was soll ich also tun?" Sir William trank sein Bier aus und wischte sich den Mund ab, während Mansell auf eine Entscheidung wartete. Er hoffte, dass er diesen stolzen, aber auch ehrlichen Mann nicht vor den Kopf gestoßen hatte. Er wurde nicht enttäuscht.

"Ich will nicht vergessen, was ich Ihrer Familie schuldig bin. Aber ich hätte mir nie träumen lassen … Wusste Ihr Vater von Ihrer politischen Einstellung?"

"Ja. Und auch, wenn er als treuer Stuart mich nie unterstützt hat, hat er auch nie versucht, mich zu überreden. Die vergangenen Jahre war das Verhältnis zu ihm schwierig." Traurig dachte Mansell an das Zerwürfnis, das die letzten Tage seines Vaters überschattet hatte.

"Nun, das war jedenfalls sehr aufschlussreich", bemerkte Sir William. "Sie wissen, dass ich Sie in Gefahr bringen kann?"

"Wie das? Als Einzelner bin ich ja wohl kaum eine Gefahr für die Nachbarn."

"Mag sein, aber eine solche parlamentarische Festung in der Hochburg der Royalisten? Eine ernste Schwäche für uns, zumal Sie durch Ihr Erbe gewaltig an Reichtum und Einfluss gewonnen haben. Mancher mag denken, dass es sicherer wäre, Sie wieder zu entfernen, und zwar für immer!" Er lachte freudlos auf. "Solche wie Fitzwilliam Coningsby!"

"Sie denken doch nicht an körperliche Gewalt?" Mansell wusste nicht, ob er lachen oder entsetzt sein sollte.

"Ich hoffe nicht. Aber kümmern Sie sich um Ihre anderen Besitztümer, ehe sich die Sache herumspricht."

"Würden Sie mir die Zeit denn geben, Sir William?"

"Ja, um der Familie willen. Aber erwarten Sie nicht zu viel. Ich mag Mr. Pym nicht, der den rechtmäßigen König angreifen will. Wenn wir das zulassen, sind unser Leben und unser Besitz in Gefahr. Das gilt auch für Sie, Mylord!"

"Jetzt ist nicht die Zeit, das zu diskutieren, aber danke für Ihre Toleranz und Ihre Unterstützung, Mylord. Ich hoffe, ich kann mich irgendwann revanchieren." Er lächelte. "Und hoffentlich wird es nicht zu schwierig mit Lady Croft."

Sir William stöhnte auf und wandte sich ab, um seinen Mantel zu holen. "Ich muss gehen. Was wird aus Lady Mansell?"

"Ich weiß es nicht, aber ich nehme an, für sie ist gut gesorgt."

Sir William zog ein bedenkliches Gesicht. "Die Zeiten sind nicht gut für eine junge Frau, ihre Freiheit zu genießen, schon gar nicht, wenn sie reich ist."

"Das weiß ich. Ich werde mich darum kümmern."

"Viel Glück. Und behalten Sie Ihre Ansichten für sich, bis Sie alles geklärt haben. Passen Sie auf sich auf, die regionale Politik ist ein heikles Thema!" Freundschaftlich schlug er Mansell auf die Schulter, bevor er davonging.

 

Endlich waren alle Gäste gegangen. Honoria stand mit dem Rücken zum Kamin und genoss die Ruhe. Gedankenverloren streichelte sie Morrighan, die Wolfshündin. Was nun? Bisher hatte sie zu viel zu tun gehabt – jetzt hatte sie gar nichts mehr, außer der Besprechung mit dem Anwalt am nächsten Morgen. Niemand hatte ihre Einladung zum Übernachten angenommen, und wer könnte es ihnen angesichts des Zustands der Burg auch übel nehmen? Selbst Sir Joshua war gegangen, um zu packen, da er die kurze Reise nach Ludlow antreten wollte, ehe es dunkel wurde. Was sollte sie jetzt machen? Am liebsten hätte sie sich hingelegt und eine Woche geschlafen. Oder geweint vor Erleichterung, dass sie Sir Edwards Forderungen nicht mehr erfüllen musste. Aber Tränen halfen nie.

Die große Tür am Ende der Halle öffnete sich und ließ einen Schwall kalter Luft herein, als der neue Lord eintrat. Er zögerte kurz, als er sie sah, ging dann aber entschlossen auf sie zu. Honoria senkte den Blick. Es würde ihre Position nicht stärken, wenn sie ihm zeigte, wie verletzlich sie war.

Sie erinnerte sich gut an ihn, auch wenn er sich nur an ein kurzes Zusammentreffen entsann. Wie könnte es auch anders sein? Sie war keine Frau, die den Männern auffiel. Gut, sie sah akzeptabel aus, aber nicht herausragend, nicht gut genug, um Sir Francis Brampton aufzufallen. Aber sie erinnerte sich an ihn.

Und an seine Frau Katherine, damals noch seine Verlobte. Sie war eine lebhafte junge Schönheit mit grünen Augen und kastanienfarbenen Haaren, und ganz eindeutig waren sie sehr verliebt ineinander gewesen. Jede kleine Geste hatte die Leidenschaft zwischen ihnen verraten. Honoria schloss die Augen, um den Neid zu vertreiben, der sie damals gepackt hatte und sie immer noch quälte, wenn sie an die Szene dachte. Wie konnte ihre eigene Ehe so lieblos, schmerzhaft und erniedrigend gewesen sein?

Aber sie hatte kein Recht, sich zu beklagen. Katherine war tot. Honoria hob den Blick und sah Mansell an, der sicher kein Höfling war, sondern ein Mann der Tat, vielleicht ein Soldat. Sie wusste, dass er als der jüngere Sohn in die Armee oder in die Politik gehen sollte, aber dann war sein älterer Bruder James gestorben und hatte Sir Francis damit plötzlich zum Familienoberhaupt gemacht.

Er war groß und schlank, und seine Jacke betonte die breiten Schultern und den muskulösen Körper. Sie konnte sich ihn auf einem Pferd ebenso gut vorstellen wie mit dem Schwert in der Hand. Langsam und mit unbewusster Anmut kam er auf sie zu.

Sein Gesicht war zu markant, um attraktiv zu sein, aber er war ohne Zweifel fesselnd, kein Mann, den man ignorierte. Dunkelbraune Haare fielen ihm bis auf die Schultern, und seine Augen waren von einem bemerkenswerten hellen Grau, das im Licht fast silbern aussah – sehr schöne Augen. Bei seinem intensiven Blick erschauerte sie leicht. Seine Nase war gerade, der Mund fest und entschieden – er war kein Mann, den man so leicht betrog. Eine schmale Narbe zog sich von der Schläfe über eine Wange, und Honoria betrachtete sie fasziniert. Dieser Mann strahlte eine zuversichtliche Arroganz aus, die verriet, dass man sich besser nicht mit ihm anlegte.

Sie seufzte leise auf. Wie wäre es wohl, wenn sie Sir Francis Brampton geheiratet hätte, nein, Lord Mansell – statt Edward? Lord Mansell war nicht hübsch, aber ihr war bei Hofe nicht entgangen, wie die Frauen ihn ansahen. Auch sie war nicht gefeit gewesen … Wo kam der Gedanke jetzt her? Es hatte keinen Sinn zu träumen. Gefühle zu zeigen bedeutete, dass man sich in die Macht jener begab, die das beobachteten. Sie musste ihre Gefühle um jeden Preis für sich behalten.

 

Mansell erinnerte sich kaum an Honoria, nur an einen vagen Eindruck von einem jungen Mädchen. Wie hätte es auch sonst sein sollen, war er doch ganz in seiner jungen Liebe zu der lebensprühenden Katherine aufgegangen. Himmel, wie hatte er sie geliebt! Nein, mit ihr an seiner Seite hatte er nicht an die schwarz gekleidete Frau gedacht. Hochgeboren, ja, reich, auch attraktiv – aber nichts im Vergleich zu seiner Katherine. Fast meinte er, ihr Lachen zu hören, und voller Schmerz vertrieb er die Erinnerung. Er zweifelte sehr, dass Edwards Witwe überhaupt lachen konnte.

Lady Mansell sah ihn an. "War alles zu Ihrer Zufriedenheit, Mylord?"

"Wunderbar." Dankbar lächelte er sie an. "An all das hätte ich nie gedacht."

"Das tun Männer nie."

Mansell hob die Brauen bei der scharfen Antwort, und sein Lächeln schwand. Aber dann sah er die Müdigkeit in ihren Zügen und beschloss, nicht auf ihre Bemerkung einzugehen. "Es lief alles hervorragend, bis auf den Umstand, dass der Vikar zu lange gebraucht hat, um meinen Cousin, um den niemand getrauert hat, unter die Erde zu bringen."

Zu spät ging ihm auf, dass auch das keine taktvolle Bemerkung war, doch sie zeigte keinerlei Reaktion. "Sie sind nur entfernt mit Lord Edward verwandt?"

"Das stimmt." Mansell trat näher ans Feuer. "Wir sind nur um zwei oder drei Ecken Cousins. Ich habe mit dieser Erbschaft nicht gerechnet."

"Ich habe von Ihrem tragischen Verlust gehört, Mylord. Mein Beileid. Das muss sehr schwer für Sie sein." Echtes Bedauern klang in ihrer Stimme mit, und obwohl er nicht darüber sprechen wollte, streckte er die Hand aus, um ihre kalten Finger zu berühren. Er beließ seine Hand da, auch wenn die Wolfshündin sofort die Zähne zeigte.

Ihre Hände waren eisig.

"Ihnen ist kalt, Mylady, Sie sollten nicht hier sein."

Seine Rücksicht trieb Honoria die Tränen in die Augen. "Das macht nichts", sagte sie kaum hörbar. "Ich kümmere mich jetzt darum, dass aufgeräumt wird."

"Das werden Sie nicht." Er betrachtete ihre Hände, die schmal und zart waren und so viel Verantwortung tragen mussten. "Brennt im Söller ein Feuer?"

"Ich glaube schon."

"Dann kommen Sie. Sie waren den ganzen Morgen auf den Beinen und sollten ein wenig ruhen."

"Aber Sir Joshua …"

"Kommt wunderbar alleine zurecht. Haben Sie schon etwas gegessen?"

"Das ist unwichtig."

"Also nein. Kein Wunder, dass Sie so dünn und blass aussehen." Sanft, aber entschieden ergriff er sie beim Arm und führte sie zur Treppe. Die Hündin folgte ihnen.

Wenig später saß Lady Mansell in einem gepolsterten Stuhl vor einem warmen Feuer.

"Bleiben Sie", befahl der neue Lord, "ich bin gleich zurück."

Honoria gehorchte, auch wenn sie einem Gespräch mit dem neuen Besitzer von Brampton Percy gerne aus dem Weg gegangen wäre. Er kam mit einem Teller voll Fleisch und Käse und einem Glas Wein zurück, stellte alles neben ihr ab und nahm ihr gegenüber Platz. Morrighan streckte sich mit einem zufriedenen Seufzen vor dem Feuer aus, behielt ihn aber wachsam im Auge.

Honoria saß reglos da.

"Ich kann Sie nicht zum Essen zwingen", bemerkte Mansell scharf.

"Ich habe keinen Hunger." Sie zuckte die Achseln.

Mansell entschied, das Thema vorerst ruhen zu lassen. "Wollen Sie mir von Ihrer Ehe erzählen?" fragte er abrupt. "Ich liege sicher richtig damit, dass es keine Liebesheirat war?"

"Nein, das war es nicht."

"Ich verstehe." Was sollte er als Nächstes sagen?

"Sie dürfen nicht vergessen, Mylord, dass ich eine Erbin war. Das Gericht hat mich der Vormundschaft Lord Denhams unterstellt, bis eine vorteilhafte Ehe für mich arrangiert werden konnte."

"Gewiss. Und Lord Edward hat Sie Sir Robert abgekauft."

"Genau. Er sagte mir, dass er genug Geld von seinem Besitz dafür zusammengekratzt habe, weil er es für eine gute Investition halte. Es hat ihn ganze zweitausend Pfund gekostet, und er hat jedem Penny nachgeweint, wie er nicht müde wurde zu erwähnen."

Sie sprach kühl und gleichgültig, aber Mansell hörte dennoch den gequälten Unterton. War es Schmerz? Erniedrigung? Sie tat ihm Leid.

"Das kann nicht schön für Sie gewesen sein."

"Das ist das Los aller Erbinnen, denke ich. Ich darf nicht klagen."

"Ich will nicht persönlich werden, aber hätte Ihr Vormund keinen besseren Ehemann finden können?" Mansell war immer für den direkten Weg. "Lord Edward war fast sechzig, und Sie waren zwanzig und hätten sicher vorher heiraten können."

"Vor meinem hohen Alter?" Eindringlich sah sie ihn an. "Ich bin dreiundzwanzig, Mylord."

Sein Schuldgefühl färbte Mansells Wangen rot. Sie war sehr freimütig. "Ich wollte nicht unhöflich sein, Mylady. Aber normalerweise haben Erbinnen keinen Mangel an Verehrern. Es muss deutlich anziehendere Männer gegeben haben als meinen Cousin."

"Es bestand kein Mangel." Sie sprach sehr kühl. "Als ich noch sehr jung war, wurde ich mit George Manners, dem Erben des Stafford-Besitzes, verlobt. Ich habe ihn nur einmal getroffen, er war sehr jung – fast noch ein Kind und jünger als ich – und wirklich nett. Ich weiß noch, dass er auf die Bäume im Park klettern wollte … er starb an einem Fieber."

"Das tut mir Leid."

Sie zuckte die Achseln. "Dann war ich mit Sir Henry Blackmore verlobt, Cousin des Earl of Sunderland. Wir haben uns ein paar Mal getroffen und gut verstanden. Er starb vor einem Jahr an einer Kugel, die in seinem Kopf stecken geblieben war."

"Ich verstehe. Und dann kam Edward."

"Und dann kam Edward", flüsterte sie. "Und da er bereit war, den Preis zu zahlen, war mein Vormund zufrieden, mich loszuwerden."

"War er freundlich zu Ihnen?"

"Sir Robert? Natürlich. Es war seine Pflicht, und er und seine Frau haben sie sehr gut erfüllt. Sie haben mich wie ein Kind aufgezogen und mir die beste Erziehung zukommen lassen. Ich glaube, er wollte mich vor dem Krieg untergebracht wissen. Und er wollte den Royalisten eine Schenkung machen."

Aber sie haben dich nicht geliebt. Lord Mansell hätte sie am liebsten gefragt, ob Edward nett zu ihr gewesen war, aber das durfte er nicht. Es war ohnehin zu bezweifeln. Aber nun war sie ihre Pflichten los und konnte eine glücklichere Zukunft erhoffen.

"Was werden Sie jetzt tun, Mylady? Sie wollen sicher nicht zu Ihrem Vormund zurück?"

"Nein, eine Vormundschaft währt nicht ewig. Aber ich habe Pläne. Keine Angst, ich werde Ihnen nicht zur Last fallen, Mylord. Ich weiß, dass mein Vormund mit Lord Edward einen Ehevertrag ausgehandelt hat, so dass ich versorgt bin. Ich brauche nichts von Ihnen."

"Das habe ich nicht gemeint." Verärgert sah er sie an. "Wo werden Sie hingehen? Sie können kaum alleine bleiben, schon gar nicht in diesen Zeiten."

"Ich werde nicht ohne Schutz sein. Sir William Croft hat mir eine bewaffnete Wache angeboten für die Reise, und in meinem Haushalt kann ich bestimmt allein leben. Als Witwe in fortgeschrittenem Alter brauche ich kaum eine Anstandsdame. Ich denke, Sir William hat Recht. Sie sollten lieber um Ihre eigene Sicherheit besorgt sein, Mylord." Ihre Lippen verzogen sich zu einem Lächeln.

"Ich sehe, dass Sie gut Bescheid wissen!" Aber woher? dachte er ärgerlich. "Ich muss lernen, dass in diesem Haus nichts ein Geheimnis bleibt."

"Das stimmt." Sie holte tief Luft. "Ich werde nach Leintwardine Manor gehen, nicht weit von hier. Dort ist es sehr schön."

"Übereilen Sie nichts", mahnte Mansell. "Nehmen Sie sich Zeit für eine Entscheidung."

"Ich werde so schnell wie möglich von hier weggehen, am Freitag, falls das möglich ist." Wieder erschauerte sie, aber sicher nicht vor Kälte.

"Das klingt, als ob Sie es hassen, hier zu sein."

"Das habe ich nie gesagt." Für einen Moment blitzten ihre Augen goldgrün auf, ehe sich ihre Wimpern senkten.

"Sie unterschätzen die Gefahr", warnte Mansell, merkte aber, dass er das Wortgefecht verlor. "Es ist meine Pflicht, dass Sie in Sicherheit sind."

"Warum?" Sie sah ihn herausfordernd an. "Sie schulden mir nichts. Bis gestern wussten Sie nicht einmal, dass ich zu Ihrer Familie gehöre. Übermorgen werde ich abreisen."

Damit erhob sie sich und verließ mit der Hündin auf den Fersen den Raum, während Mansell zurückblieb und im Stillen alle Frauen verfluchte, die dickköpfig nur ihre eigenen Interessen verfolgten.

 

"Das Problem ist", vertraute er Joshua Stunden später an, "dass ich sie ja alleine entscheiden lassen will, es aber einfach nicht kann. Der Himmel bewahre mich vor starrsinnigen Frauen!"

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Verrat auf Burg Brampton" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen