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Verlobt, verliebt … und dann?

Maya Banks

Verlobt, verliebt … und dann?

1. KAPITEL

Ein Glas Wein in der Hand, stand Celia Taylor in dem vollen Ballsaal und betrachtete die vielen Menschen. Auch wenn diese Wohltätigkeitsveranstaltung ihr eigentlich Spaß machen sollte, dachte sie in erster Linie an das Geschäft.

Am anderen Ende des Raumes stand Evan Reese inmitten einer größeren Gruppe. Er wirkte entspannt und war offenbar ganz in seinem Element. Er lächelte, was den ohnehin attraktiven Mann noch anziehender machte.

Es sollte verboten sein, dass jemand so fantastisch aussieht, dachte Celia. Groß gewachsen und mit markanten Gesichtszügen entsprach er völlig dem etwas rauen Typ, dem die Sportkleidung, die sein Unternehmen herstellte, am besten stand.

Eine Aura von Selbstvertrauen und Stärke umgab ihn – und das gefiel Celia nun einmal besonders gut.

In den letzten Wochen hatte er ihr immer wieder erwartungsvolle Blicke zugeworfen, und Celia war inzwischen mehr als gespannt, wohin ihre Begegnung noch führen würde. Evan Reese war ein überaus wichtiger potenzieller Kunde, mit dem sie gerne einen Werbevertrag schließen wollte.

Ihr Boss und die Kollegen verließen sich auf sie, aber sie würde niemals mit einem Mann schlafen, nur um zu bekommen, was sie wollte.

Bevor sein Anblick sie vollständig fesseln konnte, wandte sie den Kopf ab. Seit Evan Reese den Vertrag mit seiner bisherigen Agentur gekündigt hatte, war es, als ob sie einander abwartend umtanzten. Er wusste, dass sie hinter ihm her war – natürlich in rein geschäftlicher Hinsicht.

Vielleicht ahnte er sogar, dass sie ihn auch als Mann begehrte, aber diesen Gedanken verdrängte Celia sofort. Später, wenn sie allein war, würde sie vielleicht ihrer Fantasie nachgeben.

Immer wenn ein Unternehmen dieser Größe den Vertrag mit dem Werbepartner kündigte, entfesselte sich unter den Agenturen ein unbarmherziger Kampf. In dieser Branche schenkte man sich nichts.

Celia wusste, dass sie eigentlich bei denen sein sollte, die Mr. Reese umringten, um sich in ein gutes Licht zu rücken. Aber ihr kam es so vor, als würde Evan sich im Grunde seines Herzens über die Aufmerksamkeit lustig machen, die ihm jetzt zuteilwurde. Ja, sie war sich sogar ziemlich sicher.

„Hallo, Celia, schön, dass du kommen konntest! Hast du schon mit Reese gesprochen?“

Sie wandte sich um und sah sich Brock Maddox gegenüber. Ihr Chef schien sich nicht besonders zu amüsieren – er hielt nicht einmal ein Glas in der Hand.

„Wow!“, rief Celia aus und zog anerkennend eine Augenbraue hoch. „Dein Smoking steht dir aber gut! Wie schaffst du es nur, die Damenwelt auf Abstand zu halten?“

„Lass das, Celia“, antwortete Brock abwehrend. „Ich bin zusammen mit Elle hier.“

Nut wenige Schritte hinter ihm stand seine attraktive Sekretärin, einige Kollegen neben sich. Celia winkte ihr zu und formte mit den Lippen den Satz: „Du siehst toll aus.“

Elle lächelte. Ihr war anzusehen, dass sie sich geschmeichelt fühlte.

Ungeduldig wies Brock in Evans Richtung. „Celia, warum steht du hier – statt drüben bei Reese?“ Nachdem er sich im Saal umgesehen hatte, fügte er hinzu: „War mir klar, dass der alte Fuchs sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen würde.“

Nun bemerkte auch Celia, dass Athos Koteas sich mit einigen seiner Leute in Evans unmittelbarer Nähe aufhielt. Obwohl sie sich nichts anmerken ließ, beunruhigte es sie sehr, den Konkurrenten in einer solch strategisch günstigen Position zu sehen.

Koteas war der Chef von Golden Gate Promotions und hatte Maddox Communications immer wieder wichtige Kunden abspenstig gemacht. Selbst vor einer Kampagne gegen Madd Comm hatte er nicht haltgemacht. Celia wusste, dass dieser Mann vor nichts zurückschreckte. Sie nickte. „Seine Werbefachleute reden ja lebhaft auf Evan ein.“

„Und warum tust du das nicht?“

„Vertrau mir bitte, Brock.“ Natürlich war dieser Vertrag für ihren Chef und die gesamte Agentur von größter Wichtigkeit. „Ich habe mich Evan Reese ausführlich gewidmet, und er weiß, dass wir stark interessiert sind. Am Ende wird er auf mich zukommen, da bin ich vollkommen sicher.“

„Wirklich? Du weißt ja, dass fünfzig Millionen Dollar auf dem Spiel stehen. Wenn wir einen Werbeauftrag dieser Größenordnung bekommen, sind die Arbeitsplätze erst einmal sicher. Aber wenn nicht, kann ich für nichts garantieren.“

„Ich weiß, dass es dir schwerfällt, an meine Vorgehensweise zu glauben“, sagte Celia leise. „Aber glaub mir, es bringt nichts, wenn ich jetzt hingehe und womöglich irgendwelche verführerischen Tricks anwende.“

Dabei wies sie auf die Frauen, die Evan umringten. Zum Teil ließen sie keinen Zweifel daran, wie weit sie gehen würden, nur um ihn für sich zu gewinnen. „Solche Angebote bekommt er oft. Und du weißt besser als jeder andere, dass ich das nicht kann. Ich will diesen Vertrag, weil meine Ideen richtig gut sind. Ich habe viel Zeit in das Konzept gesteckt, und es wird Evan überzeugen.“

Brock sah Celia lange an, und erneut wurde ihr bewusst, dass er viel von ihr hielt. Sie arbeitete gern für Brock, obwohl – oder gerade weil – er viel verlangte. Außerdem war er der Einzige, dem sie anvertraut hatte, was damals in New York vorgefallen war. „Ich würde nie verlangen, dass du etwas anderes einsetzt als deinen brillanten Verstand“, antwortete er sanft. „Und falls ich diesen Eindruck erweckt haben sollte, tut es mir aufrichtig leid.“

„Weiß ich doch. Und glaub mir, ich weiß dein Vertrauen sehr zu schätzen. Ich werde dich – und Madd Comm – bestimmt nicht enttäuschen.“

Brock strich sich durchs Haar und sah sich noch einmal unter den Gästen um. Er wirkte müde. Kein Zweifel, dass er hart arbeitete. MC bedeutete ihm alles. Und in den letzten Monaten schienen neue feine Linien um die Augen dazugekommen zu sein. Wie gern hätte Celia ihm zuliebe den Vertrag abgeschlossen!

Denn als alle von ihr das Schlimmste gedacht hatten, hatte Brock zu ihr gehalten.

Als sie aufblickte, sah sie, dass Evan sich einen Weg durch die Menge bahnte. „Schau nicht hin, aber Reese steuert gerade in unsere Richtung“, sagte Celia. „Am besten, du forderst Elle zum Tanzen auf.“

Brock zögerte nicht lange und war im nächsten Augenblick mit seiner Sekretärin zwischen den vielen Menschen verschwunden.

Celia trank einen Schluck Wein und versuchte, ungezwungen zu wirken.

Im nächsten Moment spürte sie, dass Evan auf sie zukam. Ihr wurde warm, als sie seinen angenehmen Duft wahrnahm. Unter den vielen Parfüms und Aftershaves im vollen Ballsaal konnte sie ihn deutlich ausmachen – ein bisschen rau, männlich und ausgesprochen sexy.

Seltsam, dachte sie, aber ich habe mich schon richtig an Evan gewöhnt. Und das lag bestimmt nicht daran, dass sie alles nur Denkbare über ihn und sein Unternehmen in Erfahrung gebracht hatte.

„Celia“, sagte er leise.

„Hallo, Evan!“, erwiderte sie und lächelte. „Gefällt Ihnen dieser Abend?“

„Leider nicht. Sie können sich ja denken, woran das liegt.“

Über den Rand ihres Weinglases hinweg sah sie ihn fragend an. Evan nahm ein Sektglas vom Tablett eines Kellners und richtete seine volle Aufmerksamkeit auf Celia. Unter seinem durchdringenden Blick wurde ihr noch heißer.

Es war, als hätte er sie vor allen Leuten ausgezogen. Ihr Herz begann zu pochen. Obwohl sie ein betont zurückhaltendes Abendkleid trug, fühlte sie sich plötzlich nackt und empfindsam.

„Sagen Sie mir eines, Celia. Warum versuchen Sie nicht wie all die anderen, mich verzweifelt davon zu überzeugen, dass Ihre Agentur Reese Enterprises an die Spitze katapultiert?“

Sie lächelte. „Vielleicht weil Sie da schon längst sind?“

„Sie schmeicheln mir.“

Sofort hörte sie auf zu lächeln. Er hatte recht: Sie flirtete! Und das wollte sie absolut nicht.

Am anderen Ende des Saales standen die anderen Werbefachleute und starrten zu ihr und Evan herüber.

„Ich bin nicht verzweifelt, Evan. Ich weiß, dass ich gut bin. Meine Ideen für Ihre Werbung sind einzigartig. Hoffentlich klingt das jetzt nicht arrogant. Jedenfalls werde ich Ihnen keinen Unsinn verkaufen. Ich brauche nur eine Gelegenheit, um Ihnen zu zeigen, was Maddox Communications für Sie tun kann.“

„Was Sie für mich tun können, Celia.“ Als sie ihn wegen dieser scheinbaren Anzüglichkeit erstaunt ansah, beeilte er sich, den falschen Eindruck zu korrigieren: „Wenn es Ihre Ideen sind und wenn mir das Konzept gefällt, interessiert mich Maddox nicht weiter. Dann möchte ich mit Ihnen ins Geschäft kommen.“

Mit leichtem Unbehagen fasste Celia ihr Weinglas fester und bemühte sich, das Zittern ihrer Hände zu unterdrücken.

Doch Evan merkte es zweifellos und versicherte: „Das ist kein Antrag, Celia. Glauben Sie mir, den Unterschied würden Sie merken.“

Mit einer gewagten Geste strich er ihr mit dem Finger über den Arm, und Celia konnte weder das angenehme Prickeln noch die deutlich erkennbare Gänsehaut ignorieren …

„Damit will ich ja nur sagen, dass Sie mich, falls wir ins Geschäft kommen, als Kunden nicht an einen anderen Mitarbeiter von Maddox abgeben sollen. Ich möchte, dass Sie jederzeit meine gesamte Werbung im Auge behalten.“

„Heißt das, Sie können sich vorstellen, Maddox den Auftrag zu geben?“, fragte Celia heiser.

In seinen grünen Augen leuchtete kurz so etwas wie Belustigung auf. Er trank einen Schluck Sekt und sah Celia nachdenklich an. „Wenn Ihre Ideen wirklich gut sind … Allerdings finde ich einige Einfälle von Golden Gate Promotions auch nicht schlecht.“

„Das sagen Sie nur, weil Sie meine noch nicht kennen.“

Er lächelte. „Ich mag gesundes Selbstbewusstsein. Falsche Bescheidenheit liegt mir nicht. Ernsthaft, ich freue mich auf Ihre Vorschläge, Celia Taylor. Sie erwecken den Eindruck einer Frau, die all ihr Engagement in die Arbeit steckt. Brock Maddox kann wirklich stolz auf eine solche Mitarbeiterin sein. Hoffentlich weiß er das zu schätzen.“

„Treten wir also in Verhandlung?“, fragte Celia leichthin. „Ehrlich gesagt hat es mir beinahe Spaß gemacht, Sie von all den Werbeleuten umringt zu sehen.“

Er stellte sein Glas auf ein Tischchen. „Tanzen Sie mit mir, dann reden wir über unser weiteres Vorgehen.“

Als Celia die Stirn runzelte, sah Evan sie herausfordernd an. „Zu Ihrer Beruhigung: Ich habe auch mit anderen weiblichen Gästen getanzt … Mitarbeiterinnen von Golden Gate Promotions, der Agentur Primrose, San Francesca Media …“

„Okay, okay, ich verstehe: Sie möchten der besten Tänzerin den Auftrag geben“, erwiderte sie scherzhaft.

Evan warf den Kopf zurück und lachte, woraufhin sich sofort die Leute nach ihnen umdrehten. Am liebsten wäre Celia davongelaufen. Zu ihrem Leidwesen zog Evan bei allem, was er tat, die Aufmerksamkeit auf sich.

Wie herrlich musste es sein, sich um die öffentliche Meinung anderer nicht zu kümmern! Einfach einen untadeligen Ruf genießen und nie unter den Feinseligkeiten anderer leiden … In zweideutigen Situationen kamen Männer in der Regel unbeschadet davon. Fast immer waren es die Frauen, an denen ihre Geschlechtsgenossinnen kein gutes Haar ließen.

Um nicht unhöflich zu sein, stellte sie ebenfalls ihr Glas ab und ließ sich von Evan auf die Tanzfläche führen. Zu Celias Erleichterung zog er sie beim Tanzen nicht eng an sich. So konnte ihr nichts nachgesagt werden.

Aber auch wenn sie nicht wie ein Liebespaar wirkten, dachten sie doch beide insgeheim daran. Als Celia Evan anblickte, sah sie die Sehnsucht in seinem Blick, und vermutlich ließen auch ihre Augen einen ganz ähnlichen Ausdruck erkennen …

Im Verheimlichen ihrer Gefühle hatte Celia wenig Übung, vermutlich weil sie als einziges Mädchen in einem reinen Männerhaushalt aufgewachsen war. In ihrer Familie ging es stets ziemlich lebhaft zu, und als einzige Tochter und Schwester erfreute sich Celia ganz besonderer Aufmerksamkeit.

Doch im Augenblick wünschte sie, sie könnte ihre Gedanken vor Evan verbergen. Gab er ihr tatsächlich eine Chance, oder wollte er nur die starke Anziehungskraft zwischen ihnen ausnutzen?

Toll, Celia, wirf ihn ruhig mit all denen in einen Topf, die dich für ein Flittchen halten, nur weil du gut aussiehst!

„Entspannen Sie sich. Mir scheint, Sie denken zu viel“, flüsterte Evan ihr ins Ohr.

Celia versuchte, sich der Musik hinzugeben. Doch dabei konnte sie einfach nicht vergessen, dass sie gerade mit einem atemberaubenden Mann tanzte.

„Wie wäre es kommende Woche? Am Freitag habe ich Zeit.“

Abrupt kehrten ihre Gedanken in die Realität zurück – und im ersten Moment begriff sie nicht, wovon er überhaupt redete. So weit zum Thema Professionalität, dachte sie belustigt und voller Selbstironie.

„Sie könnten mir bei einem zwanglosen Treffen erst einmal Ihre Ideen vorstellen. Und danach wäre es mir am liebsten, wenn wir alles Weitere im Hause von Madd Comm abwickeln. Das erspart uns Zeit und Mühe, vor allem wenn mir Ihre Vorschläge doch nicht zusagen sollten.“

„Klar. Freitag passt mir.“

Als die Musik zu spielen aufhörte, hielt Evan Celia noch einen Moment lang in seinen Armen. Aber Celia war von seinem Blick so gebannt, dass sie vergaß zu protestieren.

„Gut. Dann meldet sich meine Sekretärin bei Ihnen, um Zeit und Ort mit Ihnen abzustimmen.“

Er verabschiedete sich mit einem zarten Handkuss von Celia, und ihr lief ein angenehmer Schauer durch den Körper.

„Also bis Freitag.“

Schweigend blickte sie Evan nach. Sofort wurde er wieder von Menschen umringt. Als er sich noch einmal nach Celia umwandte, sahen sie einander einen Augenblick lang an, dann lächelte er.

Natürlich wusste er über ihre Gefühle Bescheid. Nur ein ausgemachter Dummkopf hätte übersehen, was sie empfand. Und Evan Reese war ein sehr intelligenter Mann. Außerdem verfügte er über jede Menge Ehrgeiz und wenig Skrupel – der ideale Kunde.

Celia ging Richtung Ausgang. Für heute Abend hatte sie ihre Aufgabe erfüllt. Auf den üblichen Small Talk hatte sie keine Lust, und falls wegen des Tanzes über sie und Evan geredet wurde, wollte sie das lieber nicht mitbekommen.

Als sie an Elle und Brock vorbeikam, zog ihr Chef fragend eine Augenbraue hoch. Dass Celia mit Evan getanzt hatte, hatte er bestimmt gesehen. Vermutlich hatte er den potenziellen Kunden den ganzen Abend nicht aus den Augen gelassen. Eigentlich schade, dass er Elle in ihrem schwarzen Etuikleid so wenig Beachtung schenkte.

„Wir sind für Freitag verabredet“, flüsterte Celia. „Ganz zwanglos. Er möchte sich erst einmal meine Ideen anhören. Wenn sie ihm gefallen, gehen wir in die Vollen.“

Zufrieden nickte Brock. „Gute Arbeit, Celia.“

Sie lächelte und verabschiedete sich. Bis Freitag gab es noch viel zu tun.

In seiner Hotelsuite lockerte sich Evan Reese die Krawatte und warf sein Jackett über einen Stuhl. Auf dem Weg zum Schlafzimmer zog er sich das Hemd aus und ließ es achtlos auf das Bett fallen.

Evan betrachtete sein Notebook und die Aktentasche auf dem Schreibtisch, doch seltsamerweise verspürte er an diesem Abend keine Lust zu arbeiten. Immer wieder musste er an Celia Taylor denken.

Eine wunderschöne, verführerische und unnahbare Frau …

Seit sie den Ballsaal betreten hatte, hatte er sich in einem Zustand der Erwartung befunden. Selbst nachdem sie gegangen war, hatte er noch immer ihren Duft und die Wärme ihrer Haut gespürt, die er während des Tanzes berührt hatte.

Noch immer war er angespannt. Er wollte mehr, viel mehr. Sie schmecken, sie in seiner unmittelbaren Nähe spüren. Lustvoll sollte sie sich unter ihm rekeln …

In seiner Fantasie streichelte er die Innenseite ihrer herrlich schlanken Beine.

Die ganze Nacht würde er Celia lieben. Einer Frau wie ihr musste man sich ausgiebig widmen. Am ganzen Körper wollte er sie verwöhnen und herausfinden, wo sie es liebte, gestreichelt und geküsst zu werden.

Warum faszinierte sie ihn so stark? Natürlich lebte er nicht völlig enthaltsam. An potenziellen Partnerinnen hatte es ihm nie gemangelt. Evan mochte Sex. Aber mit Celia wäre es nicht nur einfach gut, sondern geradezu atemberaubend und einzigartig. Für ein Erlebnis dieser Art würde ein Mann seine Seele verkaufen …

Celia war wirklich eine schöne Frau, schlank und groß gewachsen. Schon in dieser Hinsicht würde sie wunderbar zu ihm passen. Und sie wirkte selbstbewusst und unbekümmert. Wenn sie ihr rotes Haar hochgesteckt trug, kam es schon einmal vor, dass nicht jede einzelne Strähne genau an ihrem Platz saß.

Evan stellte sich vor, wie er die Haarspange öffnete und Celia das volle Haar über die Schultern fiel. Oder noch besser, wie es ihn berührte, während er unter ihr lag und sie miteinander schliefen.

Er merkte, wie heftig er auf diese Vorstellung reagierte, und fluchte leise. Eine kalte Dusche half nicht gegen seine Sehnsucht, das hatte er in den letzten Wochen bereits mehrfach festgestellt.

Vielleicht lag es an ihren faszinierenden Augen, die je nach Lichteinfall mal blau und mal grün erschienen.

Obwohl sie so attraktiv war, hatte sie nicht versucht, ihn zu verführen, damit er ihrer Agentur den Werbeauftrag erteilte. So etwas kam sonst durchaus vor … Tatsächlich hatte er während der Wohltätigkeitsveranstaltung zwei eindeutige Angebote erhalten.

Eigentlich wäre ihm jeder Grund recht gewesen, mit Celia ins Bett zu gehen. Aber gerade ihre Zurückhaltung nahm ihn für sie ein. Er bewunderte ihre Art, Distanz zu halten.

Celia wollte diesen Werbevertrag, das hatte sie unumwunden zugegeben. Aber sie hatte es nicht mit Überredungskunst und Verführung versucht. Sie wollte, dass er auf sie zukam, und genau das hatte sie auch erreicht.

Das Klingeln des Blackberrys riss Evan abrupt aus den Gedanken. Er versuchte die anhaltende Erregung niederzukämpfen und sah auf das Display.

Seine Mutter. Er seufzte. Nach Familie stand ihm im Augenblick ganz und gar nicht der Sinn. Aber er mochte seine Mutter und wollte sie nicht enttäuschen.

„Hallo, Mom“, meldete er sich.

„Evan! Endlich erreiche ich dich. Anscheinend hast du in letzter Zeit viel zu tun“, sagte sie leicht besorgt.

„Na ja, meine Geschäfte erledigen sich leider nicht von allein“, antwortete er.

„Du klingst schon wie dein Vater“, bemerkte sie mit gespielter Verzweiflung.

Das war nicht gerade etwas, was Evan gerne hörte.

„Ich rufe an, um sicherzugehen, dass du an das Wochenende denkst. Dein Bruder möchte so gerne, dass du kommst.“

Wie immer bemühte sich seine Mutter, Mitchell jeden Wunsch zu erfüllen.

„Du erwartest doch nicht wirklich, dass ich zu dieser Hochzeit gehe?“ Mitchell ging es doch nur darum, sich als Sieger zu sehen.

„Ich weiß ja, dass es für dich nicht leicht ist. Aber glaubst du nicht, du solltest ihm verzeihen? Bettina und er gehören nun einmal zusammen. Er wäre so schön, wenn die komplette Familie bei der Feier dabei wäre.“

„Mom, es geht nicht um leicht oder schwer. Mich interessiert das Ganze einfach nicht. Von mir aus können die beiden tun oder lassen, was sie wollen. Aber ich habe weder Zeit noch Lust, ihnen dabei zuzusehen.“

„Dann komm bitte mir zuliebe“, bat seine Mutter. „Ich möchte meine Söhne zusammen sehen.“

Evan ließ sich auf die Bettkante sinken und rieb sich die Stirn. Seinem Dad hätte er ohne Probleme absagen können, und Mitchell hätte er einfach ausgelacht. Allerdings würde sein Bruder ihn sicher nicht anrufen, nachdem Evan ihn samt seiner treulosen Braut dahin gewünscht hatte, wo der Pfeffer wächst.

Aber seine Mutter enttäuschte Evan nur ungern. Bei dem Versuch, zwischen ihm und seinem Dad oder Mitchell zu vermitteln, war sie oft genug zwischen die Fronten geraten. „Also gut, Mom. Ich komme. Aber ich bringe jemanden mit. Ich hoffe, das stört dich nicht.“

„Evan!“, rief seine Mutter erfreut. „Du hast mir ja gar nicht gesagt, dass du dich wieder mit einer Frau triffst. Natürlich bringst du sie mit! Ich freue mich schon sehr darauf, sie kennenzulernen.“

„Wärst du so nett, mit meiner Sekretärin all die Einzelheiten zu besprechen?“, fragte er.

Seine Mutter seufzte. „Habe ich mir doch gedacht, dass du die E-Mails, die die Feier betrafen, gelöscht hast.“

„Schicke sie einfach noch mal, und zwar an Vicky. Dann sehen wir uns am Freitag. Bis dann, Mom. Ich denke an dich.“

„Ich auch an dich, Evan. Freut mich riesig, dass du kommst.“

Nach dem Gespräch betrachtete Evan sein Blackberry. Freitag! Oh nein. An diesem Tag wollte er sich doch mit Celia treffen! Endlich …

Er hatte sorgfältig geplant und sich dabei nicht anmerken lassen, wie viel ihm an dieser Begegnung lag. Er hatte geflirtet, Celias Blicke gesucht – und sehr viel Zeit unter der kalten Dusche verbracht. Ein Wunder, dass er sich dabei keine Erkältung zugezogen hatte.

Und nun sollte er das vereinbarte Treffen absagen, nur um die Hochzeit einer Frau zu besuchen, die statt ihn seinen jüngeren Bruder heiratete?

Er musste unbedingt eine Begleiterin finden. Am besten eine, die so blendend aussah, dass seine Mutter gar nicht erst auf die Idee kam, er würde Bettina nachtrauern. Denn das war definitiv nicht der Fall.

Wieso sollte er auch? Sie war genau in dem Moment mit fliegenden Fahnen zu seinem Bruder gelaufen, als Mitchell Geschäftsführer der familieneigenen Juwelierkette wurde.

Offenbar sagte ihr die Glitzerwelt des Schmucks mehr zu als Sportkleidung. Pech für Bettina, dass sie sich offenbar nicht umfassend genug informiert hatte: In Wahrheit überstiegen die Einnahmen von Reese Enterprises die des Juwelengeschäfts um ein Vielfaches. Evan hatte nur wenige Jahre gebraucht, um das zu erreichen.

Auch wenn seine Mutter es nicht glauben würde – im Grunde war Evan seinem Bruder beinah dankbar. Bettina passte so viel besser zu dem geltungsbedürftigen Mitchell. Schon häufiger hatte er Evan ausgestochen, aber dieses Mal hatte er ihn damit vor einem großen Fehler bewahrt.

Doch das hieß noch lange nicht, dass Evan seine knapp bemessene Freizeit mit seinem beherrschenden Vater oder seinem verwöhnten Bruder verbringen wollte.

Leider hatte er eben zugesagt. Nun fehlte ihm noch eine Begleiterin.

Kopfschüttelnd sah er die Adressen in seinem Blackberry durch. Schließlich hatte er drei Frauen in der engeren Auswahl, als ihm plötzlich eine Idee kam.

Eine wirklich ausgezeichnete Idee sogar. Daran hätte er sofort denken sollen! All seine Probleme ließen sich damit auf einen Schlag lösen.

So schaffte er es, seine familiären Verpflichtungen zu erfüllen und dennoch Celia in seiner Nähe zu haben. Natürlich würde es dabei ums Geschäft gehen, aber gewissermaßen vor einem romantischen Hintergrund. Und wenn sie erst drei Tage mit ihm auf Catalina Island vor der Küste Kaliforniens verbrachte … Zufrieden lächelte er. Vielleicht entpuppte sich diese Hochzeit als gar nicht so schlecht.

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