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Verliebt in einen Prinzen

PROLOG

Kerry Lynn Jacks zog den blauen Bademantel enger zusammen und versuchte verzweifelt, die sie schon seit Wochen quälende Übelkeit zu ignorieren. Blass und mit dunklen Augenrändern ging sie an die Tür. Hoffentlich hatte der unerwartete Besucher einen guten Grund, sie um diese Tageszeit zu stören. Kerry Lynn war kein Morgenmensch, und dieser Umstand hatte sich noch verschlimmert, seit der Teststreifen ihr das schockierende Ergebnis präsentiert hatte: Schwanger.

Trotz des heißen texanischen Sommers fühlte sich der Fliesenboden in der Diele unter ihren nackten Füßen kühl an. „Wehe, wenn das nur der Postbote ist“, murmelte sie und blickte mürrisch durch den Spion.

Einen kurzen Moment lang glaubte sie, ihr Herz würde stehen bleiben. Entweder trug ihr guter Freund Hank McCauley mittlerweile Maßanzüge, oder sie bekam Besuch von einem Prinzen.

Nervös zog sie die Tür auf und betrachtete den beeindruckend attraktiven Mann, der sie finster musterte.

Eindeutig der Prinz.

„Hallo, Alex“, sagte sie leise.

„Wieso hast du es mir verheimlicht?“

Kerry schluckte. „Ich wollte es dir ja sagen. Wusste nur noch nicht, wann und wie. Außerdem ist es nicht gerade einfach, dich zu erreichen.“

„Es ist schon drei Monate her!“

„Stimmt, aber ich bin mir erst seit ein paar Wochen sicher.“

Alex seufzte. „Könnten wir vielleicht drinnen über alles reden?“

„Natürlich.“ Kerry Lynn bat ihn mit einer übertrieben höflichen Handbewegung herein. „Mach es dir bequem.“

Während sie ihm folgte, strich sie sich durch das zerzauste blonde Haar und verfluchte innerlich ihren desolaten Zustand.

„Wenn du Kaffee möchtest, musst du ihn dir selbst machen. Mein Magen …“, stammelte sie entschuldigend und ließ sich in einen Sessel sinken. „Sagen wir, ich verzichte vorerst auf meine morgendliche Koffeindosis.“

„Ich bin nicht Tausende Kilometer wegen eines Kaffees geflogen, obwohl du den sicher ausgezeichnet machen kannst.“

„Dazu hatte ich ja auch oft genug Gelegenheit“, bemerkte sie und erinnerte Prinz Alexander von Belegovia damit daran, dass sie zum Zeitpunkt des Kennenlernens Kellnerin in einer Raststätte gewesen war … Dass sie in verschiedenen Welten lebten und auch immer leben würden.

„Du hättest mich sofort anrufen müssen, Kerry!“

„Was für einen Unterschied hätte es denn gemacht? Ich bekomme dieses Kind, ob du willst oder nicht.“ „Dann gibst du also zu, dass ich der Vater bin?“ „Ja. Es ist dein Kind“, beteuerte sie und legte ihre Hand

auf den bereits leicht gewölbten Bauch. „Ich verdanke es zwar nur einem unglücklichen Zufall, aber ich will es behalten. Dafür brauche ich weder von dir noch von sonst jemandem eine Erlaubnis.“

„Denkst du, ich möchte nicht, dass du das Baby bekommst? Das ist doch absurd. Ich würde niemals …“

„Ich dachte, ich würde dich kennen“, unterbrach sie ihn. „Jetzt bin ich mir aber nicht mehr sicher. Wir waren schließlich nur kurze Zeit zusammen und haben vor allem nicht

über dieses Thema gesprochen.“

„Aber über so gut wie alles andere“, entgegnete er.

Kerry holte tief Luft und versuchte, die aufsteigenden Tränen zu unterdrücken. Ihre Nerven lagen blank, und durch die Aufregung wurde ihr wieder flau im Magen.

„Wahrscheinlich hast du es von Gwendolyn erfahren“, mutmaßte sie enttäuscht. Kerry hielt sich eigentlich für eine gute Menschenkennerin und hatte ihre Freundin für verschwiegen gehalten. Allerdings war Gwendolyn mit Alex schon lange eng befreundet und hatte jahrelang für ihn gearbeitet. Eine erst drei Monate dauernde Freundschaft hielt da wohl doch nicht mit.

„Sie hat dein Geheimnis nicht ausgeplaudert“, beruhigte Alex sie. „Ich habe es eher zufällig erfahren.“ Als er Kerrys verständnislosen Blick sah, fuhr er fort: „Ich telefonierte gestern gerade mit ihr, als du angekommen bist.“

Kerry dachte kurz über den Besuch bei ihrer Freundin nach. „Jetzt erinnere ich mich. Sie sagte, sie habe jemanden in der Leitung.“

„Genau. Offenbar dachte sie, dass sie die Verbindung unterbrochen hätte. Das stimmte aber nicht. Ich habe jedes Wort zwischen euch mitgehört und bin dann sofort nach Texas geflogen, um das Problem zu lösen. Deine Mutter hat mir verraten, wo du wohnst.“

„Mein Kind ist kein Problem!“

„So habe ich das auch nicht gemeint“, versicherte er hastig. „Ich möchte mit dir über die neue Situation sprechen. Charlene hat sich jedenfalls über das Wiedersehen gefreut.“

„Das kann ich mir lebhaft vorstellen. Schließlich hat sie dein Foto samt Autogramm einrahmen lassen.“ Ihre Mutter, Charlene Jacks, hatte eine Schwäche für die Mitglieder sämtlicher europäischer Königshäuser und Fürstentümer. Allerdings ahnte sie vermutlich nicht, warum Prinz Alexander von Belegovia zum zweiten Mal nach Texas gekommen war.

„Warum hast du es Gwendolyn erzählt, mir aber nicht?“

„Ich war durcheinander und wusste nicht, an wen ich mich wenden sollte“, verteidigte Kerry sich. „Nicht einmal meine Mutter weiß Bescheid.“

Sie holte erneut tief Luft und sehnte sich nach Zwieback und Pfefferminztee gegen das immer stärker werdende Unwohlsein. Während des Gesprächs mit Alex wollte sie jedoch nicht in die Küche gehen. Früher oder später mussten sie schließlich diese Diskussion führen.

„Ich brauchte einen Rat“, gestand sie zögernd und fing einen mitfühlenden Blick auf. „Ich wusste nicht, was für alle Beteiligten das Beste wäre, für dich, mich und das Kind.“

„Und Gwendolyn hat dich über die Thronfolge in Belego-via informiert“, stellte er fest. „Du weißt also, dass mir dieses Kind eines Tages auf den Thron nachfolgen könnte, ob es nun ein Junge oder ein Mädchen ist.“

„Ja“, bestätigte Kerry, „aber nur, wenn du es zu deinem Erben erklärst. Ansonsten wären die Kinder, die du mit …“ Sie stockte. „… die du mit der Contessa nach eurer Heirat bekommst, deine gesetzlichen Erben. Mein Kind würde dann als Halbbruder oder Halbschwester nicht in der Thronfolge auftauchen.“

„Erstens“, entgegnete er heftig, „werde ich die Contessa di Giovanni nicht heiraten!“

„Meine Mutter hat gesagt, dass am Wochenende eure Verlobung verkündet werden soll.“ Charlene Jacks war bestens über sämtliche den Adel betreffenden Klatschgeschichten informiert. Sie hatte Kerry auch alles Wissenswerte über Belegovia erzählt. Damit hatte sie erst aufgehört, als sie merkte, dass ihre Tochter hoffnungslos in den zukünftigen Fürsten des kleinen Landes verliebt war.

Alex winkte ungeduldig ab. „Und zweitens wird es keine Halbgeschwister geben.“

Kerry war nur zu gut bekannt, dass er als Kronprinz mindestens zwei Kinder haben sollte, um die Thronfolge zu sichern. Fürst Wilhelm von Belegovia, sein Vater, hatte Alex’ dreißigsten Geburtstag als spätesten Termin für eine Heirat festgelegt. Genau deshalb war Alex während seiner Reise durch Texas im Mai untergetaucht.

Er war mit ihr untergetaucht …

„Wieso sagst du das?“, fragte sie verunsichert.

Er griff nach ihren Händen und blickte sie zärtlich an.

Bei seiner Berührung fing Kerrys Herz wild an zu pochen. Drei Monate hatte sie ihn nicht gesehen, doch jetzt kam es ihr vor, als wären nur drei Tage verstrichen.

„Weil wir beide heiraten werden“, erklärte er sanft und zärtlich. „Ich werde dafür sorgen, dass die Hochzeit so bald wie möglich in der Kathedrale von Belegovia stattfindet. Dann wird unser Kind der legitime Thronanwärter sein.“

Jetzt blieb keine Zeit mehr für Zwieback und Pfefferminztee. Kerry sprang auf und floh ins Bad.

1. KAPITEL

Drei Monate zuvor

„Hank McCauley!“, rief die junge Frau begeistert und umarmte Alexander überschwänglich. „Du hast es nicht vergessen und bringst mir ein Geschenk?“

Alex war völlig überrascht, doch die Fremde presste sich fest an ihn, ihr seidiges blondes Haar strich ihm über die Wange, und ihr frischer Duft stieg ihm zu Kopf. Er konnte nichts weiter tun, als die Arme um ihren schlanken, gut geformten Körper zu legen.

Natürlich musste er ihr sagen, dass er nicht dieser Hank McCauley war, wer immer das sein mochte. Bevor er jedoch dazu kam, lächelte sie ihn strahlend an und küsste ihn mitten auf den Mund.

Ihre Lippen waren weich und warm und schmeckten nach Zimt und Minze. Alex begehrte diese Frau auf der Stelle.

Doch sie zog sich zurück, hörte zu lächeln auf und ließ die Arme sinken. Atemlos und verwirrt standen sie einander in der Raststätte gegenüber.

„Sie sind nicht Hank“, stellte sie fest.

„Nein, der bin ich nicht.“

„Aber Sie sehen genau wie er aus“, fuhr sie fort. Auf der niedlichen Nase hatte sie einige Sommersprossen. „Die kleine Narbe oberhalb der Lippen fehlt“, fuhr sie nach eingehender Betrachtung fort.

„Das stimmt.“ Alex rechnete mit Vorwürfen. „Ich wollte Sie bestimmt nicht täuschen. Sie haben mich einfach überrumpelt.“

„Kommen Sie aus England? Ihr Akzent …“

„Ich bin dort geboren und aufgewachsen, lebe aber jetzt in Belegovia.“

„Belegovia? Woher kenne ich den Namen?“

„Vielleicht aus den Nachrichten?“

„Aber ja. Jetzt weiß ich, woher ich Sie kenne. Sie sind der Prinz!“, rief sie und schüttelte lächelnd den Kopf. „In der Zeitung habe ich nur ein ziemlich unscharfes Bild von Ihnen gefunden. Sie sehen in echt ganz anders aus.“ Sie griff nach der Zeitung neben der Kasse. „Hier ist es. Auf dem Foto wirken Sie viel strenger.“

Diese junge Frau faszinierte ihn. Seine Stellung schien sie gar nicht zu beeindrucken. Schon wollte er sie nach ihrem Namen fragen, als Lady Gwendolyn Reed zu ihnen kam. Bestimmt hatte sie alles gesehen. Gwendolyn entging so gut wie nichts.

„Ich meine, Sie sehen in Wirklichkeit viel besser aus“, fuhr die schlanke Blondine fort und warf einen Blick auf Gwendolyn. „Wie Hank McCauley. Wir waren mal ineinander verliebt, aber nicht lange. Zwischen uns war eigentlich nie etwas Ernstes. Wir sind eben gute Freunde. Darum dachte ich, er würde mich hier in der Raststätte besuchen.“

„Und Ihnen ein Geschenk bringen“, fügte Alex hinzu.

„Ich mag Überraschungen“, versicherte sie lachend.

„Ich auch“, entgegnete er lächelnd. Vor allem dermaßen hübsche Überraschungen …

„Wir sollten aufbrechen“, sagte Gwendolyn. In dem dunklen Kostüm, mit den schwarzen Schuhen und dem streng zurückgebundenen Haar war sie das genaue Gegenteil der Kellnerin, deren blondes Haar in hübschen Löckchen das Gesicht umrahmte.

„Ich würde gern die Vorstellung übernehmen“, sagte Alex zu seiner persönlichen PR-Referentin, „aber ich kenne den Namen unserer neuen Freundin noch nicht.“

„Tut mir leid.“ Die Kellnerin legte die Zeitung auf die Theke und reichte ihm die Hand. „Ich bin Kerry Lynn Jacks aus Ranger Springs.“

Alex gab ihr einen Handkuss. „Freut mich sehr, Kerry Lynn Jacks. Ich bin Prinz Alexander von Belegovia. Darf ich Ihnen Lady Gwendolyn Reed vorstellen, die mich gnadenlos zu etlichen langweiligen öffentlichen Auftritten in San Antonio drängt?“

„Das klingt nach einer schwierigen Aufgabe“, sagte Kerry lachend. „Sie haben ja keine Ahnung“, bestätigte Gwendolyn und warf ihm einen eindringlichen Blick zu.

Er mochte es grundsätzlich, Kinder zu küssen und Hände zu schütteln, doch Gwendolyn übertrieb es mit derartigen Terminen. Viel lieber hätte er den Tourismus und die Wirtschaft seines Landes angekurbelt, wie er das soeben in Dallas getan hatte. Seiner Meinung nach war der Zweck der Reise nach Texas erfüllt. Gwendolyn bestand jedoch darauf, dass er noch einige Tage lang Termine wahrnahm, bis er erfuhr, ob er am Samstag den Präsidenten auf dessen texanischer Ranch treffen würde.

„Dann halte ich Sie nicht länger auf“, meinte Kerry Lynn Jacks. „Tut mir leid, dass ich mich Ihnen an den Hals geworfen habe. Es passiert bestimmt nicht oft. Das heißt, die Frauen würden das sicher gern machen, aber man verwechselt Sie kaum mit jemandem.“

„Das ist noch nie geschehen“, erwiderte Alex lächelnd. Allerdings hatte es ihm gefallen.

„Hat mich gefreut, Lady Gwendolyn“, fuhr Kerry fort. „Ich wünsche Ihnen beiden einen angenehmen Aufenthalt in Texas.“

Alex sah ihr nach und dachte an den Kuss und daran, wie sich ihr Körper angefühlt hatte.

„Wir müssen aufbrechen“, mahnte Gwendolyn. „Durch das Unglück im Land Rover und diese Verwechslung hinken wir fast eine Stunde hinter dem Zeitplan her.“

Bei diesem Unglück war es um eine Colaflasche gegangen, die Alex gekauft hatte. Er mochte amerikanische Softdrinks, weil sie anders als die europäischen schmeckten. Diese Flasche hatte jedoch jemand fallen lassen oder absichtlich geschüttelt. Jedenfalls war ihm der Inhalt beim Öffnen auf Hemd, Gesicht und Haar und sogar auf den Sitz gespritzt.

Die Raststätte hatte sich für eine Säuberung und zum Umziehen angeboten. Zu seiner Überraschung gab es hier sogar Duschen, und man konnte Kleidung, CDs, Lesestoff und Essen kaufen. Die Duschen und Toiletten trennten den Laden vom Restaurant, das ungefähr ein Drittel des Gebäudes einnahm.

Alex kaufte Jeans, ein bunt gestreiftes Hemd im Western-Stil und einen nietenbeschlagenen Ledergürtel, der ihn stets an Texas erinnern würde. Nach dem Duschen hatte er die Sachen angezogen und war deshalb von Kerry Lynn Jacks für einen anderen gehalten worden.

Jetzt beobachtete er, wie sie zwei Kellnerinnen umarmte und sich Tränen aus den Augen wischte. „Eine interessante junge Frau“, urteilte er.

„Für solche Feststellungen haben wir keine Zeit“, mahnte Gwendolyn.

„Du verdirbst mir jeden Spaß“, hielt er ihr vor, weil sie nur an Termine dachte. Bei diesen Terminen ging es stets nur um Pflichten und nie um Unterhaltung. Er warf noch einen letzten Blick zu Kerry, die nach einer Reisetasche griff und ihren Freundinnen zuwinkte. „Also schön, fahren wir weiter“, entschied er.

„Du solltest nicht so enttäuscht klingen“, tadelte Gwendolyn. „Diese Reise war deine Idee.“

„Die Auftritte in Dallas waren meine Idee. Die Fototermine fanden nur auf deinen Wunsch und auf Verlangen meines Vaters statt.“

Der inzwischen gesäuberte Land Rover stand vor dem Ausgang. Der texanische Fahrer Pete Boedecker und Alex’ Kammerdiener Milos Anatole warteten.

„Auf nach San Antonio, Mr. Boedecker“, verkündete Gwendolyn und blieb stehen, damit Alex vor ihr einsteigen konnte. Es fiel ihm noch immer schwer, hier in Amerika an seine Stellung zu denken. Fünf Jahre lang hatte er in Boston studiert und sich Frauen gegenüber stets höflich gezeigt. Allerdings hatten ihn die meisten auch nur als Alex gekannt.

Als er gerade einsteigen wollte, hielt neben ihnen ein rostiger blauer Kleinwagen. Milos stellte sich sofort schützend vor seinen Herrn, doch Alex erkannte die Fahrerin und lächelte.

„Schon gut, Milos, die junge Dame wird mich bestimmt nicht entführen.“ „Prinz Alex!“, rief Kerry. „Ich hätte beinahe vergessen, Sie um einen großen Gefallen zu bitten.“

„Was kann ich für Sie tun, Miss Jacks?“

„Meine Mutter ist ein Fan aller europäischen Königshäuser und Fürstentümer.“ Sie stieg aus und ging um ihren alten Wagen herum. „Würde sie von unserem Treffen erfahren und hätte ich ihr kein Autogramm besorgt, würde sie mich übers Knie legen.“

Sofort stellte er sich Kerry Lynn Jacks’ hübschen festen Po vor. Selbstverständlich wollte er sie nicht übers Knie legen, aber ein Blick auf die verborgenen Reize unter der Jeans wäre nicht schlecht.

„Was soll ich denn unterschreiben?“, fragte er, ohne eine Miene zu verziehen. Sie reichte ihm einen Briefumschlag der Raststätte und einen Stift. „Für Charlene Jacks, bitte.“ „Gern. Fahren Sie jetzt nach Hause?“, erkundigte er sich, während er schrieb.

„Nein, ich muss nach Galveston.“

„Nach Galveston!“ Er hatte die Insel vor Antritt der Reise auf der Landkarte gesehen. „Aber doch nicht in diesem alten …“

„Sagen Sie nichts über Delores“, warnte Kerry lachend. „Sie mag alt sein, aber sie hält seit acht Jahren treu zu mir. Wir haben viel gemeinsam erlebt.“

„Tatsächlich?“ Alex hätte gern gewusst, ob sich auch etwas auf den Rücksitzen dieses geradezu antiken Fahrzeugs abgespielt hatte. Allerdings war die hintere Sitzbank für einen normal gebauten Mann viel zu klein. „Ich möchte Delores nicht schlecht machen, aber die Fahrt ist lang. Sie sind doch nicht allein unterwegs?“

„Doch. Meine Mutter arbeitet, und meine Schwestern haben keine Zeit. Am Samstag muss ich zur Abschlussfeier an meinem College wieder zurück sein. Ich besuche meine Tante und meinen Onkel, weil ich den Wagen der Mutter meiner Tante bekomme. Der ist in gutem Zustand, hat nur ungefähr vierzigtausend Kilometer auf dem Tacho und keinen einzigen Kratzer.“

„Verstehe“, erwiderte er. Abschlussfeier am College? Wie alt war Kerry? „Um was für ein Diplom handelt es sich?“

„Betriebswirtschaft. Ich habe zehn Jahre gebraucht, aber jetzt bin ich endlich fertig.“

Alex atmete erleichtert auf. Sie war mindestens siebenundzwanzig, nur wenig jünger als er mit seinen dreißig Jahren.

„Hoheit“, sagte Gwendolyn, und es war eine deutliche Warnung, dass sie ihn so anredete. „Wir müssen fahren.“

„Lady Gwendolyn, ich habe soeben erfahren, dass diese junge Dame die weite Strecke nach Galveston allein in diesem wenig zuverlässigen Wagen zurücklegen möchte. Das kann ich nicht einfach übergehen.“

„Sie müssen …“, drängte sie.

Alex schüttelte bloß den Kopf. „Wie lange werden Sie unterwegs sein?“, fragte er Kerry Lynn.

„Etwa sechs Stunden.“

„Sechs Stunden in Delores.“ Er wandte sich erneut an Gwendolyn. „Das klingt nicht gerade günstig, oder?“

Gwendolyn beugte sich zu ihm. „Kauf ihr meinetwegen ein Ticket für die nächste Maschine, damit wir endlich aufbrechen können“, raunte sie ihm zu.

„Man kann nicht alles mit Geld lösen, Gwennie“, erwiderte er amüsiert.

„Alexander“, flüsterte sie in dem Ton, den sie stets anschlug, wenn sie eingeschnappt war, „komm bloß nicht auf Gedanken.“

„Ich weiß gar nicht, wovon du sprichst.“

„Sie sind offenbar unter Zeitdruck“, warf Kerry ein. „Vielen Dank für das Autogramm. Meine Mutter wird sehr stolz sein.“

„Einen Moment, Kerry“, bat Alex.

„Alex, nein!“

Er lächelte Gwendolyn zu. „Das ist doch Schicksal, findest du nicht auch? Zuerst ist die Flasche explodiert, und darum haben wir ausgerechnet hier gehalten.“

„Das Schicksal hält sich stets an deinen Zeitplan. Wer weiß, was in San Antonio auf dich wartet.“

„Ich war noch nie in Galveston.“

„Du warst auch noch nie in San Antonio!“

„Stimmt, aber Galveston besitzt einen Strand. Das stimmt doch, oder?“, fragte er Kerry.

„Ja.“ Sie war sichtlich verwirrt. „Galveston ist eine Insel.“

„Na bitte, eine Insel. Gwennie, du weißt, wie sehr ich Inseln liebe. Außerdem habe ich schon alle wichtigen Termine hinter mir. Entspann dich für einige Tage. Du brauchst genau wie ich Urlaub.“

„Alex, nein!“

„Ich muss, liebste Gwendolyn.“ Er nickte Kerry zu. „Als Gentleman kann ich nicht zulassen, dass Sie diese Reise allein antreten. Es wäre mir eine Ehre, Sie in Ihrem treuen Streitross namens Delores nach Galveston zu begleiten.“

Kerry glaubte zu träumen. Sie war mit einem echten Prinzen unterwegs. Er saß neben ihr auf dem Sitz mit dem billigen Bezug mit Leopardenfellmuster und schien sich auch noch großartig zu amüsieren. Der Fahrtwind blies ihm das braune Haar in die Stirn und drückte das Western-Hemd gegen die Brust – eine sehr ansehnliche muskulöse Brust.

Eigentlich konnte sie Menschen gut einschätzen, doch seit dem Kuss funktionierte ihr Denken wahrscheinlich nicht mehr richtig. Du lieber Himmel! Sie hatte einen Prinzen geküsst! Unglaublich.

Als Entschuldigung konnte sie nur anführen, dass heute ihr letzter Tag als Kellnerin gewesen war. Sie hatte sich von Kolleginnen und Stammgästen verabschiedet. Dieser Abschied und die bevorstehende Feier am Samstag rührten sie tief. Und dann war auch noch ein Prinz in ihrem Leben aufgetaucht, darüber hinaus nicht irgendein Prinz, sondern ein besonders gut aussehender.

Am liebsten hätte sie den Blick auf ihn und nicht auf die Straße gerichtet. Vor allem aber hätte sie ihn gern wieder geküsst. Das war verrückt. Sie durfte nicht vergessen, wer er war.

Wieso saß er in ihrem alten Wagen neben ihr? Um Galveston zu sehen, hätte er in ein Flugzeug oder in seinen tollen Land Rover steigen können. Was machte es ihm schon aus, dass sie mit Delores allein unterwegs war? Er kannte sie doch gar nicht.

„Was für Musik mögen Sie?“, fragte er und tastete nach dem Radio.

„Fast alles außer Rap“, erwiderte sie. „Überland ist es wahrscheinlich schwer, einen Sender zu empfangen, aber ich habe einen CD-Spieler. Die CDs finden Sie auf dem Rücksitz.“

„Sie haben tatsächlich einen CD-Spieler?“

Kerry warf ihrem Beifahrer einen flüchtigen Blick zu. „Finden Sie vielleicht, Delores hätte keine gute Stereoanlage verdient?“

„Ich bin lediglich überrascht.“

„Den CD-Spieler und das Stereoradio hat mir meine Mutter vor zwei Jahren geschenkt. Ich fahre oft … nein, ich bin bisher oft zwischen zu Hause, College und Arbeitsstätte hin und her gefahren.“

„Wo liegt Ranger Springs?“, fragte er und griff nach den CDs.

„Ungefähr eine halbe Stunde westlich von der Raststätte.“ Kerry lächelte. „In Texas geben wir Entfernungen meistens nach der Fahrtdauer und nicht in Kilometern an.“

„Ich kenne Texas nicht genauer und war lediglich in Dallas, um Geschäftsbeziehungen zu knüpfen.“

„Ich dachte, Ihr Geschäft sei es, Prinz zu sein.“

„Ich habe auch andere Interessen.“

„Tatsächlich?“ Aus dem Augenwinkel beobachtete sie, wie er die CDs durchsah – Garth Brooks, alte Nummern der Bee Gees und diverse Mix-CDs.

„Investitionen“, sagte er knapp. Offenbar wollte er nicht über sich reden.

„Also sind Sie nicht nur ein attraktiver Prinz, sondern auch Geschäftsmann?“ Vielleicht lenkte es sie ab, wenn sie über sein gutes Aussehen scherzte.

„Danke für das Kompliment“, antwortete er lachend. „Wahrscheinlich sieht man in Texas so den Adel. Hier legen schließlich alle Menschen größten Wert auf Unabhängigkeit.“

Kerry nickte. „Unabhängigkeit ist für uns absolut wichtig, aber alles Besondere fasziniert uns. Reiche, Filmstars und Königshäuser gehören dazu. Meine Mutter ist der größte Fan des englischen Königshauses. Sie ist allerdings nicht einseitig und wird vor Freude über Ihr Autogramm tanzen.“ Kerry lachte, weil sie sich schon jetzt die Begeisterung ihrer Mutter ausmalte. „Ich werde den Bezug aufheben, auf dem Sie jetzt sitzen.“

„Nehmen Sie mich doch mit nach Hause, um Ihrer Mutter eine besondere Freude zu bereiten“, schlug er vor und schob ihre Lieblings-CD der Dixie Chicks ins Gerät.

Kerry schüttelte den Kopf. „Das wäre vielleicht zu viel für ihr Herz.“ Und vielleicht für mein eigenes, dachte sie.

„Ist sie krank?“, fragte er besorgt.

„Nein“, wehrte sie vergnügt ab, „kerngesund, und sie ist auch noch nicht sonderlich alt. Sie ist gerade erst fünfzig geworden. Ich habe übertrieben.“

„Das ist auch typisch für Texaner, nicht wahr?“

„Aber nur, wenn wir mit Yankees aus den Nordstaaten sprechen.“

Lachend drehte er die Musik lauter. „Ich unterhalte mich großartig, Kerry Lynn Jacks.“

„Freut mich, Hoheit …“

„Nennen Sie mich Alex.“

„Das kommt mir nicht richtig vor. Wir sind zwar gemeinsam unterwegs, aber Sie sind trotzdem ein Prinz.“

„Könnten Sie das nicht für eine Weile vergessen?“

„Weiß ich nicht“,

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