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Verliebt in den falschen Mann?

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PROLOG

Zwei Monate zuvor

Piper verlor förmlich den Verstand, als sein Kuss ihre Haut versengte und seine versierten Berührungen ihren Körper auf eine Weise zum Leben erweckten, die sie bislang nicht gekannt hatte. All der Schmerz und die Trauer, die sie an diesem Tag gespürt hatte, wurden ausgelöscht, als er auf Italienisch Worte flüsterte, die sie nicht verstand, die aber unglaublich romantisch klangen.

Sie genoss seine Umarmung und fühlte sich zum ersten Mal seit vielen Monaten wertgeschätzt, gewollt und gebraucht. Was danach kam, darüber wollte sie nicht nachdenken. Sie wollte sich der Leere nicht stellen. Wollte sich nur diesem Mann und seiner Leidenschaft hingeben, sich von seinen Küssen verführen lassen und den Moment ganz und gar genießen – und ihn.

Frustriert keuchte sie auf, als er aufhörte, sie zu küssen. Er zog sich ein Stück zurück und sah sie an. Seine sündigen, karamellfarbenen Augen waren voller Verlangen – nach ihr. Sie lächelte ihn an und konnte die Sehnsucht nicht verbergen, die sie wie ein Blitz traf. Sie war noch nie so von einem Mann begehrt worden, und ganz sicher hatte sie noch nie jemand so geküsst, wie er sie küsste. Sie wollte, dass er niemals damit aufhörte.

Dieser Mann war ein talentierter Liebhaber. Und so, wie er sie jetzt voll unverhüllter Lust ansah, wusste Piper, dass es kein Zurück gab – und das wollte sie auch gar nicht. Noch bevor er vorgeschlagen hatte, die Party gemeinsam zu verlassen, war die Anziehung zwischen ihnen immer deutlicher spürbar geworden.

Heute Nacht würde sie sich diesem Mann schenken. Dabei war sie sich bewusst, dass es kein Morgen geben würde. Sie mochte eine unerfahrene Frau sein, die zum ersten Mal die Berührungen eines Mannes erlebte, aber sie wusste, dass sie mehr nicht erwarten durfte. Piper arbeitete oft und viel auf Veranstaltungen der besseren Gesellschaft in Sydney und London und hatte in ihm sofort den Playboy erkannt – einen Mann, der eine ungebundene Nacht der Leidenschaft wollte, der eine Frau verführte und dann verließ. Für heute würde sie ihren Traum von einem treusorgenden Ehemann und einer Familie vergessen. Heute wollte sie den falschen Mann.

Sie wollte ihre Sorgen in der Leidenschaft vergessen, die sich nicht leugnen ließ und die sich bereits im ersten Moment, als ihre Blicke sich auf der Party getroffen hatten, entzündet hatte. Diese Leidenschaft hatte einen Lichtbogen zwischen ihnen gespannt. Als wären sie dafür bestimmt, jetzt gemeinsam hier zu sein, gefangen in einem Moment der Lust, der sie mit Sicherheit verändern würde … und ihr Leben. Wie, das wusste Piper nicht. Sie wusste nur, dass sie diesen Augenblick erleben musste.

Er berührte ihr Gesicht, strich mit dem Daumen über ihre Wange, und sie schloss die Augen, als ihre Knie unter ihr nachzugeben drohten. Er zog sie an sich, hielt sie fest, presste ihren Körper gegen seinen, ließ ihren Puls vor ungestilltem Verlangen rasant schlagen.

„Bevor wir weitermachen … brauchen wir Schutz?“

Seine raue Stimme mit dem italienischen Akzent floss geradezu über ihren Körper, und ihre Sinne waren von der Lust, die sie durchflutete, so verwirrt, dass Piper nicht klar denken konnte.

„Schutz?“ Das geflüsterte Wort klang so verführerisch, dass sie kaum glauben konnte, dass es ihre Stimme war. Wie war aus der praktischen und schüchternen Frau plötzlich eine Verführerin geworden?

„Ich habe vor, dich zu lieben, cara.“

Ihr gesunder Menschenverstand verflüchtigte sich, als sie zusah, wie er sich umdrehte und sein Jackett auf einen Sessel in der Nähe warf. In der Dunkelheit des Zimmers schimmerte sein Hemd weiß.

Als er wieder zu ihr kam, erschauerte sie vor Erwartung, war aufgeregt und zugleich verängstigt vor dem, was als Nächstes passieren würde. Bewusst langsam nahm er sie in die Arme und küsste sie. Er strich mit einer Hand an ihrem Hals entlang und über ihre Schulter, glitt unter den Träger ihres Kleids und schob ihn herunter. Als seine Lippen der heißen Spur seiner Finger folgten, ließ sie den Kopf in den Nacken fallen und gab sich ganz dem Moment hin.

„Dafür ist gesorgt …“ Sie keuchte die Worte, als er eine Reihe von Küssen auf ihren Hals setzte. Jeder dieser feurigen Küsse ließ Funken in ihr aufstieben.

„Dann gibt es nichts, was uns noch aufhält.“

Mit nervenaufreibender Leichtigkeit zog er den Reißverschluss an ihrem Kleid auf. Die schwarze Seide glitt an ihrem Körper herab. Piper beobachtete sein Gesicht, als er ihre Brust berührte. Seine Finger konzentrierten sich auf den harten Nippel – und was sie taten, ließ sie vor Lust aufkeuchen. Dann senkte er den Kopf und neckte den anderen Nippel mit der Zunge, bis sie glaubte, vor Wonne zu explodieren.

„Das ist so …“ Sie schloss die Augen, als die Hitze sie versengte. Konnte nicht mehr sprechen.

„Willst du mich, cara?“

Sein warmer Atem verstärkte das Gefühl von Schwindel, als seine Zunge um ihren Nippel kreiste.

„Ich will dich …“ Sie kämpfte darum, die Worte auszusprechen, während er mit seinen magischen Berührungen fortfuhr. Sie vergrub ihre Finger in seinem dichten Haar, wollte nicht, dass er jemals aufhörte. „Lieb mich.“

Er lachte sanft, und sie wand sich an ihm.

„Ich kann mir nichts Besseres vorstellen, du kleine Sirene.“

Sein Akzent erregte sie genauso wie seine Worte.

„Jetzt.“ Sie zog ihn an sich, weil sie seinen Körper spüren, seine Haut schmecken wollte. „Ich will dich jetzt.“

Ein leises, sexy Lachen kam über seine Lippen, und er ließ sie kurz los, um sie auf Armeslänge von sich zu halten. Ihr schwarzes Seidenkleid glitt ganz zu Boden und ließ sie in nichts als einem knappen schwarzen Slip und Riemchensandalen vor ihm stehen.

Sein Blick strich über ihren beinahe nackten Körper, und die Luft zwischen ihnen knisterte vor Lust. Kurz blitzte ihre übliche Schüchternheit auf, doch sie ignorierte sie, weigerte sich, diesen Moment zu zerstören. Piper streckte die Hand nach ihm aus. Ihr Verlangen, mehr von ihm zu sehen und ihn zu berühren, ließ sie so fest an dem Stoff ziehen, dass die Knöpfe seines Hemds absprangen.

Sein wildes, lustvolles Knurren spornte sie noch mehr an. Sie wollte ihn, und das hier wollte sie noch mehr. Sie konnte jetzt nicht mehr aufhören, konnte nicht länger vorsichtig sein und sich den Rest ihres Lebens fragen, was gewesen wäre, wenn. Heute Nacht würde sie es erfahren.

Mit einer schnellen, entschiedenen Bewegung drückte er sie rückwärts aufs Bett, zog sein weißes Hemd aus und enthüllte einen muskulösen gebräunten Oberkörper. Dann entledigte er sich mit einem sündhaften Funkeln in den Augen seiner restlichen Kleidung.

Sie sah fasziniert und aufgeregt zu. Vor Vorfreude zitternd lag sie da, und ihr Herz hämmerte so wild, dass sie sicher war, ganz London könnte es hören. Ein lustvoller Seufzer entglitt ihr, als er sich zu ihr legte. Die Härte seiner Erregung war beinahe zu viel.

Sie ließ die Hände über seinen starken Rücken gleiten, presste ihre Fingernägel in seine Haut. Doch das war immer noch nicht genug. Sie wollte mehr.

Getrieben von einem mächtigen Bedürfnis, das sie nicht länger unter Kontrolle hatte, schob sie ihre Hände zwischen ihre Körper. Er hob sich ein wenig an, damit sie ihn berühren konnte. Sie wollte ihn fühlen, ihn genauso quälen, wie er sie quälte. Und immer noch reichte es nicht. Sie wollte, dass er sie intim berührte, bevor er sie komplett in Besitz nahm.

Mit einer gewissen Dringlichkeit klammerte sie sich an ihn, hob ihm ihre Hüften entgegen. Ihr Körper flehte nach Erlösung und dem Vergessen der Leidenschaft. Sie wollte ihn so sehr. Es war, als hätte sie auf diesen Moment gewartet – auf ihn gewartet.

Dio mio. Du bist eine Göttin, die gesandt wurde, um mich zu quälen.“

Er umfasste ihre Handgelenke und hielt ihre Arme neben ihrem Kopf fest. Der wilde Ausdruck in seinen Augen war gleichermaßen beängstigend wie aufregend. Sein Atem ging hart und schnell, während er sie mit seinen dunklen, sexy Augen fixierte. Sie hob ihre Hüften und schlang die Beine um ihn, während ihr Bedürfnis, sich mit ihm zu vereinen, wuchs und wuchs.

Ein weiterer Fluch entfuhr seinen Lippen. Er ließ eine ihrer Hände los und riss ihr den Slip vom Leib. Ihr geschocktes Keuchen ermutigte ihn nur, und er hielt kaum inne, als sie ihre Nacktheit gegen ihn presste und die Hitze seiner Erektion an ihrer intimsten Stelle fühlte.

„Per dio.“

Die Worte entschlüpften ihm, während sie sich bewegte, ihm immer näherkam, ihn dorthin einlud, wo sie ihn unbedingt spüren wollte. Spüren musste. Und er gab alle Kontrolle auf und drang wild und ungestüm vor. Ihr erstickter Schrei ließ ihn innehalten. Sie blickte auf, sah einen wütenden Ausdruck auf seinem attraktiven Gesicht, doch es durfte jetzt nicht enden. Sie brauchte die totale Inbesitznahme. Sie wollte, dass er sie nahm, dass er sie zu der Seinen machte. Selbst wenn es nur für diese Nacht war.

„Hör nicht auf.“ Piper bog sich ihm entgegen, nahm ihn tiefer in sich auf, hob den Kopf und drückte Küsse auf seine Brust, die nach dem salzigen Aroma von Lust schmeckten.

„Du bist eine …“, flüsterte er rau.

Aber sie presste ihre Lippen auf seine und hinderte ihn so am Weitersprechen.

Ein weiterer wilder Fluch entschlüpfte ihm, als er in ihren fieberhaften Tanz einfiel. Es war so köstlich, so viel mehr, als sie je gehofft hatte, dass sie, als sie am Abgrund schwebte, aufschrie und ihn eng an sich zog, während Tränen über ihre Wangen liefen. Sie presste ihr Gesicht an seine Brust, atmete tief seinen Duft ein und wusste, dass er sich für ewig in ihr Gedächtnis brennen würde.

Genau wie der Moment, in dem sie ihre Jungfräulichkeit verloren hatte. In dem sie eine echte Frau geworden war – mit einem Mann, dessen Namen sie nicht einmal wusste.

Als ihr Herzschlag sich wieder beruhigte und sein Körper sich entspannte, bewegte sie sich, doch er hielt sie fest und zog sie noch einmal an sich. „Du wirst nirgendwo hingehen, cara.“

Diese sinnlichen Worte machten sie schwindelig – genau wie die Erkenntnis, was sie gerade getan hatte. Langsam durchbrachen rationale Gedanken den Nebel der Lust in ihrem Kopf. Sie hatte ihre Jungfräulichkeit verloren und ihren Job aufs Spiel gesetzt – für einen Mann, der sich nicht einmal die Mühe gemacht hatte, sich vorzustellen. Seine Küsse und schmeichelnden Worte hatten sie an einem Tag verführt, an dem sie verletzlicher als je zuvor gewesen war, an einem Tag, an dem sie spüren musste, dass sie lebte, an dem sie sich beweisen musste, dass sie eine Frau sein konnte, die selbst über ihr Leben bestimmte.

Sein Atem wurde tiefer und verriet, dass er eingeschlafen war. Obwohl er sie noch immer festhielt, wusste Piper, dass sie keine andere Option hatte, als zu verschwinden. Sie mochte die wundervollste aller Nächte erlebt haben, aber das hier war nicht sie.

Vorsichtig schlüpfte sie aus dem Bett, sammelte leise ihre Kleidung ein und zog sich in dem dämmrigen Licht an. Er rührte sich. Piper sah ihn an – sein attraktives Gesicht, den schlanken Körper, der zum Teil von dem weißen Laken zugedeckt war – und speicherte alles in ihrer Erinnerung. Denn das hier war ein Mann, der nichts anderes wollte als lockere Affären. Das wusste sie trotz ihrer Unerfahrenheit.

Leise verließ sie das Zimmer des Mannes, dessen Namen sie nicht kannte – des Mannes, den sie nie wiedersehen würde, nachdem sie sich wieder in die schüchterne Frau verwandelt hatte, die erst vor einem Jahr von Australien nach London gekommen war.

1. KAPITEL

Wütend, wie sein Leben in den letzten zwei Wochen angefangen hatte sich aufzulösen, unterdrückte Dante Mancini die Nachwirkungen von zu viel Whiskey bei dem spontanen Treffen am Vorabend. Er versuchte, nicht an die unverschämte Lösung zu denken, die Benjamin Carter ihnen vorgeschlagen hatte, um der verdammten negativen Presse entgegenzuwirken, die ein paar Klatschgeschichten in der Sendung Celebrity Spy! ausgelöst hatten.

Der skandalöse Inhalt – der Ben Carter, Scheich Zayn Al-Ghamdi, Xander Trakas und Dante als die verdorbensten Junggesellen der Welt darstellte – hatte einer ihrer Lieblingswohltätigkeitsorganisationen unerhörten Schaden zugefügt. Jetzt verlangen die Leiter der Organisation, dass sie in ihrem Leben aufräumten oder als Mäzene zurücktraten. Noch schlimmer war, dass ein geschäftlicher Deal, an dem er arbeitete, wegen der Rufschädigung durch die Sendung Gefahr lief zu platzen.

Könnte Bens Idee funktionieren? Würde eine drastische Maßnahme wie eine Heirat die ungewollte Aufmerksamkeit von der Wohltätigkeitsorganisation ablenken und seinen bisher lukrativsten Auftrag retten? Vermutlich. Aber bin ich bereit, das Risiko einzugehen?

Dante drückte die Tür zu seinem Bürogebäude auf. Er weigerte sich, sowohl die Sonnenbrille abzunehmen als auch zuzugeben, dass die Unmengen an Whiskey, die er getrunken hatte, während Ben ihnen erzählt hatte, sie müssten sich Frauen suchen, der Grund für seine hämmernden Kopfschmerzen und seine schlechte Laune waren.

Er drückte auf den Knopf für den Fahrstuhl und atmete tief ein, während er wartete und dabei weiter vor Wut schäumte, weil Bettino D’Antonio sich aus dem Deal zurückgezogen hatte, weil Dante Mancini und seine Firma die Familienwerte angeblich nicht hoch genug schätzten.

Als die Türen des Fahrstuhls aufglitten, trat er ein. Er sehnte sich verzweifelt nach einem Moment allein, bevor er die Büroräume betrat, die als Hauptquartier für seine weltweit operierende Firma für erneuerbare Energien dienten. Um sich etwas zu beruhigen und die Kopfschmerzen zu verscheuchen, atmete er noch einmal tief ein.

Die Türen schlossen sich. In der Luft lag ein Duft, der sofort alle seine Sinne aufs Höchste alarmierte. Dantes Erinnerungen flogen zurück zu einer verbotenen Nacht mit heißem Sex in einem Londoner Hotel, mit einer unbekannten Rothaarigen, die ihn seitdem nachts in seinen Träumen und tagsüber in seinen Gedanken verfolgte.

Sie war wild und leidenschaftlich gewesen, doch als er wie ein Besessener über sie hergefallen und in sie eingedrungen war, hatte er erkannt, dass sie noch Jungfrau war. Ein Fluch glitt über Dantes Lippen, als der Fahrstuhl sich in Bewegung setzte und ihn mit einer Erinnerung einschloss, die seine schlechte Laune noch mehr anfütterte. Es irritierte ihn maßlos, dass diese göttlichen grünen Augen ihn weiterverfolgten und sein Blut sich bei dem Gedanken an sie sofort wieder erhitzte.

„Maledizione.“ Er dachte niemals an eine Frau, nachdem die Affäre beendet war, und die Begegnung mit der Rothaarigen lag nun schon zwei Monate zurück.

Er ballte die Hände zu Fäusten. Jetzt war nicht der richtige Zeitpunkt, um sich in Erinnerungen an eine bedeutungslose Nacht zu verlieren. Er musste die Kontrolle behalten – sich auf das aktuelle Problem konzentrieren. Er durfte nicht zulassen, dass dieser Bericht aus Celebrity Spy! einen der größten Deals gefährdete, den er je verfolgt hatte. Oder die Arbeit der Stiftung beschmutzte, deren Gründung er unterstützt hatte. Doch genauso wenig würde er sich von Benjamin Carter irgendetwas vorschreiben lassen. Er hatte keinerlei Verlangen, sich in dem flüchtigen Zustand des ehelichen Glücks einzurichten, nur um seinen Ruf zu retten. Es musste einen anderen Weg geben – und den würde er finden.

Keinen Augenblick zu früh öffneten sich die Fahrstuhltüren wieder. Dante ließ die düsteren Gedanken zurück und marschierte auf sein Büro zu. Seine Sekretärin sprang auf, als er durch den Vorraum stürmte, doch er hatte heute keinen Kopf für die üblichen morgendlichen Freundlichkeiten. Er sehnte sich nur nach totaler Stille und Kaffee – starkem, schwarzem Kaffee.

„Ich will nicht gestört werden“, bellte er in ihre Richtung, als er an ihrem Schreibtisch vorbeiging.

Signor Mancini …“, ignorierte sie seine Anweisung. Er blieb an der Glastür zu seinem Büro stehen und sah sie an, ohne seine Sonnenbrille abzunehmen.

Das Letzte, was er wollte, war, dass seine Sekretärin sah, wie sehr er unter den Nachwirkungen des Alkohols litt. Nach seinem Treffen mit Ben und den anderen hatte er es geschafft, auf dem Rückflug nach Rom in seinem Privatjet eine oder zwei Stunden zu schlafen. Leider hatte das nicht viel geholfen. Er musste jetzt einfach nur in Ruhe gelassen werden.

„Keine Anrufe. Keine Termine. Nichts.“ Er warf ihr die Worte zu. Sie atmete ein, um zu widersprechen, doch er drehte sich um und verschwand in seinem Büro. Nachdem er die Tür hinter sich zugeknallt hatte, atmete Dante tief durch. Die Welt war verrückt geworden. Alles, wofür er so hart gearbeitet hatte, drohte einzustürzen.

Fluchend durchquerte er sein Büro mit dem Blick über die Altstadt von Rom, drückte den Knopf an der Kaffeemaschine und stellte sich ans Fenster. Finster blickte er auf die Stadt, die anfangs eine harte und fordernde Geliebte gewesen war, doch jetzt einer der zwei Orte auf der Welt war, wo er sich komplett entspannen konnte.

Als der ersehnte Duft von Kaffee sein Büro erfüllte, hörte er eine Bewegung hinter sich und erstarrte. Langsam drehte er sich um, um zu sehen, wer sein Büro betreten hatte. Dass seine Sekretärin entgegen seiner Anweisung versucht hatte, mit ihm zu sprechen, musste ein Versuch gewesen sein, ihn zu warnen, dass jemand auf ihn wartete.

Was er jedoch nicht erwartete, war, die flammenhaarige Sirene zu sehen, die ihn seit jener Nacht vor zwei Monaten verfolgte, als sie in den frühen Morgenstunden aus seinem Bett geschlüpft war, lange bevor er erwacht war. Etwas, woran er nicht gewöhnt war.

„Ich hoffe, es macht dir nichts aus, dass ich hier auf dich gewartet habe …“ Die weiche Stimme der Rothaarigen zitterte leicht. Und in Jeans und einem dunkelblauen Strickponcho erinnerte nichts mehr an die glamouröse, selbstsichere Schönheit, die er in jener Nacht mit in sein Bett genommen hatte. Andererseits war sie auch an jenem Abend nicht das gewesen, was sie vorgegeben hatte, oder? Sie war keine erfahrene Verführerin, sondern Jungfrau gewesen – und hatte ihm das verschwiegen, bis es zu spät gewesen war.

Dante nahm die Sonnenbrille ab und sah sie an. Wie hat sie mich gefunden? Woher weiß sie, wer ich bin? Die wenigen Stunden in seinem Hotelzimmer waren so leidenschaftlich gewesen, so erfüllt von lustvollem Begehren, dass sie nicht einmal ihre Namen ausgetauscht hatten, geschweige denn Telefonnummern.

Eiskalte Finger des Grauens krallten sich in ihn. War sie hier, um die Geschichte aus Celebrity Spy! für eine Erpressung zu nutzen? Wollte sie eine intime Geschichte verkaufen und war deshalb unangekündigt nach Rom gekommen? Um von ihm Geld für ihr Schweigen zu verlangen?

„Um ehrlich zu sein, doch, das tut es.“ Die wütende Bitterkeit in seiner Stimme konnte kaum die Enttäuschung über diese Erkenntnis verbergen. Er hatte sie seit jener Nacht auf eine Art Podest gestellt, und seine Gedanken waren wie die eines liebeskranken Teenagers ständig zu ihr zurückgekehrt. Sie hatte ihn auf eine Weise berührt, wie es noch keiner Frau vor ihr gelungen war.

Sie stand auf. Instinktiv ließ er seinen Blick über ihre Beine gleiten und erinnerte sich daran, wie sie sie um ihn geschlungen hatte. Energisch unterband er den Gedanken und konzentrierte sich auf die Gegenwart.

„Was willst du?“, fragte er barsch.

„Ich habe dir nur eine Sache zu sagen, dann verschwinde ich wieder.“

Ihre Stimme klang immer noch unsicher. Ihr Gesicht wirkte blass. Lag das daran, dass sie kaum geschminkt war?

Sie sah so ganz anders aus als die Verführerin, die ihn auf der Party gelockt hatte. Wie sie jetzt vor ihm stand, war sie ganz die unschuldige und unerfahrene Jungfrau, die er mit in sein Hotelzimmer genommen hatte. Aber sie war keine Jungfrau mehr. Er war ihr erster Liebhaber gewesen, und er wollte wissen, warum sie das vor ihm verheimlicht hatte. Doch die Frage kam ihm nicht über die Lippen, denn als sie ihn nun ansah, spürte Dante etwas viel Größeres und Bedrohlicheres.

„Wie viel?“, wollte er wissen und verengte die Augen, um sie genau zu beobachten. Er war wütend, dass er sich in diese Situation gebracht und nicht seine übliche Vorsicht hatte walten lassen.

Sie zog ihre schmalen Augenbrauen zusammen. „Wie viel was?“

Dante trat näher, und der Duft ihres Parfüms weckte wieder seine Erinnerungen. Er verschloss seinen Geist vor den Bildern. Die Frau, die vor ihm stand, was ganz anders als die Frau, die ihn gereizt hatte, bis er sowohl seinen Verstand als auch die Kontrolle verloren hatte.

Seufzend ging er zu seinem Schreibtisch, warf die Sonnenbrille darauf und lehnte sich gegen die Kante, von wo aus er sie mit hartem Blick fixierte. „Wie viel willst du für dein Schweigen?“

„Ich habe nicht vor, es der Welt mitzuteilen“, gab sie angespannt zurück.

Dante unterdrückte ein Lächeln. Hinter der Unerfahrenheit war kurz die feurige Rothaarige aufgeblitzt.

„Warum bist du dann hier, cara? Und wichtiger noch, wie hast du mich gefunden?“ Die Unterhaltung langweilte ihn bereits. Sein Kopf dröhnte schmerzhaft, und er wollte nichts mehr als etwas Stille. Er musste einen Deal retten und konnte es nicht gebrauchen, dass die kleine Miss Schüchternheit sich ihm nun auch noch in den Weg stellte.

„Da war ein Bericht …“, sagte sie leise, als er zum Fenster ging.

Er drehte sich um und bemerkte, wie ihr Blick jeder seiner Bewegungen folgte. Sie drehte sich leicht, um den Blickkontakt aufrechtzuerhalten. Das machte ihn misstrauisch.

„Ich bin mir sehr bewusst, dass es diesen Bericht gab“, knurrte er. Diese Unterhaltung hätte enden sollen, nachdem sie ihm ihren Preis genannt und er sie hinausgeworfen hätte. Warum hatte sie das nicht getan? Und warum hatte er sie noch nicht hinausgeworfen?

„Daher habe ich deinen Namen.“ Er hob die Augenbrauen und sie errötete, bevor sie fortfuhr. „Wir hatten nicht gerade Zeit, unsere Adressen auszutauschen.“

Das war das Letzte gewesen, woran er in der Nacht gedacht hatte. Er hatte sie nur nackt unter sich haben wollen und überstürzt und unkontrolliert gehandelt. Verdammt, er hatte ihr sogar unbesehen geglaubt, dass sie die Pille nahm. Das passierte ihm sonst nie, egal, wie verführerisch die Frau war.

„Stimmt, aber so hatten wir mehr Spaß, nicht wahr, cara?“ Er lächelte sie an.

„Piper.“ Sie funkelte ihn aus zusammengekniffenen Augen an, deren grüne Tiefen wild glitzerten.

„Piper?“, wiederholte Dante. Sein Gehirn funktionierte noch nicht wieder richtig. Verdammt, er hatte noch nicht einmal einen Espresso trinken können, um die Nachwirkungen des Whiskeys zu vertreiben.

„Ich heiße Piper. Piper Riley.“

Dante nickte. „Und nun, wo wir beide den Namen des jeweils anderen kennen, könntest du mir vielleicht sagen, warum genau du hier bist.“ Wieder durchquerte er sein Büro und sah die Frau an, die bis zu dieser Minute einfach nur die Rothaarige gewesen war. Und wie schon zuvor drehte sie sich, um ihn anzusehen. Ob sie jetzt, wo er einen Namen hatte, aufhören würde, ständig in seine Gedanken einzudringen? Er hoffte es.

„Ich musste dich sehen, weil …“ Sie brach ab.

Er verschränkte die Arme vor der Brust. Die Unterhaltung irritierte ihn immer mehr. „Dio mio. Sag einfach, was du zu sagen hast, und dann geh. Ich habe keine Zeit für Spielchen.“

„Also gut.“ Sie straffte die Schultern und reckte das Kinn. Dann sah sie ihn direkt an. „Ich bin schwanger.“

Dante hätte nie erwartet – oder gewollt –, diese Worte jemals zu hören. Er konnte kein Vater sein, denn er hatte seine Unfähigkeit, sich um jemanden zu kümmern, bereits bewiesen.

„Wie?“

Das Wort schoss aus ihm heraus, bevor er Zeit hatte nachzudenken, sich zu sammeln. Sie stand weiter entschlossen vor ihm.

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