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Verliebt in den Millionenerben

1. KAPITEL

„Verschwinden Sie, bevor ich den Sicherheitsdienst rufe!“

Eine Frauenstimme hallte durch den großen Raum. Dominic Di Bari blinzelte in das grelle Licht, das durch die breite Fensterfront schien. Offensichtlich wusste die Frau nicht, wer er war. Er trat einen Schritt vor.

„Ich sagte …“

„Ich habe gehört, was Sie gesagt haben.“ Von weitem erkannte er nur, dass die Frau eher klein sein musste. „Ich glaube, wir sind uns noch nicht begegnet.“

„Die Vertreterschulung ist im vierzehnten Stock. Das hier ist die fünfzehnte Etage.“ Sie schritt auf ihn zu, und das Klacken ihrer Absätze auf dem Marmorboden wurde von den Wänden zurückgeworfen.

Dominic konnte immer noch nicht viel erkennen, außer dass die Frau einen weißen Laborkittel trug und der Raum mit Computern und anderen Hightech-Geräten ausgestattet war. „Ist das hier eine Art Labor?“

„Ich wüsste nicht, was Sie das angeht“, entgegnete sie streng.

„Vor einer Woche hätte ich Ihnen noch zugestimmt“, murmelte Dominic und fügte im Stillen hinzu: bevor ein einziger Anruf mein Leben auf den Kopf gestellt hat.

„Ich habe Sie gewarnt, dass ich den Sicherheitsdienst rufe.“ Sie nahm ein Telefon aus der Tasche ihres Kittels, wählte eine Nummer und tippte ungeduldig mit dem Fuß auf den Boden, während sie überall hinschaute, nur nicht in Dominics Gesicht. Nachdem sich seine Augen an das helle Licht gewöhnt hatten, betrachtete er sie. Langsam ließ er den Blick über ihre langen Beine schweifen.

Während er die Arme vor der Brust verschränkte, unterdrückte er ein Lächeln. Den Beinen nach zu urteilen, verbarg sich unter dem weißen Kittel ein atemberaubend schöner Körper. Das glatte braune Haar mit den natürlich wirkenden hellen Strähnchen fiel ihr bis auf die Schultern, als sie sich das Telefon ans Ohr hielt.

„Ja, Sylvester, hier ist ein Eindringling im fünfzehnten Stock. Ich habe ihn gebeten zu gehen, aber er weigert sich.“ Sie warf Dominic einen zurechtweisenden Blick aus ihren grauen Augen zu.

„Ja, danke.“ Sie klappte das Handy zu. „Der Sicherheitsdienst wird jeden Moment hier sein. Noch haben Sie die Möglichkeit, den Raum mit Anstand zu verlassen.“

„Anstand kann so langweilig sein.“ Amüsiert lehnte Dominic sich an den Türrahmen und sah, wie ihre Augen vor Wut regelrecht aufblitzen. „Sind Sie als Forscherin hier beschäftigt?“, fragte er gelassen.

„Zufälligerweise leite ich die Kosmetikabteilung.“

„Interessant.“ Also wählte Tarrant sogar die Frauen, die in seiner Firma etwas zu sagen hatten, nach ihrem Aussehen aus. Und seine Leiterin der Kosmetikabteilung war höchstens fünfundzwanzig. Offenbar waren hier hübsche Beine wichtiger als Erfahrung. Kein Wunder, dachte Dominic, nach allem, was ich über Tarrant Hardcastle, meinen Vater, gehört habe.

Er nahm wahr, wie sich hinter ihm die Fahrstuhltüren öffneten.

„Das ist er.“ Sofort zeigte die attraktive Frau mit einem langen, schlanken Finger auf ihn. Kein Nagellack. Müsste sie als Leiterin der Kosmetikabteilung nicht welchen tragen?

„Mr. Hardcastle.“ Der freundliche, nicht mehr ganz junge Chef der Sicherheitsabteilung, der ihm das Firmengebäude zeigen sollte, nickte Dominic kurz zu.

Dominic wusste, er sollte ihn korrigieren. Sein Leben lang war er Dominic Di Bari gewesen, und er hatte auch nicht vor, seinen Namen zu ändern, nur um einem egozentrischen Milliardär, der auf einmal einen Sohn brauchte, einen Gefallen zu tun. Aber im Augenblick passte es Dominic gut, mit „Hardcastle“ angesprochen zu werden.

Die Frau befeuchtete sich die rosigen Lippen. „Wie bitte?“ „Sie haben richtig gehört.“ Dominic verlagerte sein Gewicht. „Sylvester?“

„Miss Andrews erwähnte einen Eindringling?“

„Ich glaube, das war ein Missverständnis.“ Lächelnd streckte Dominic ihr die Hand entgegen. „Dominic.“

Sie sah ihn entsetzt an, kam auf ihn zu und schüttelte ihm dann die Hand. „Bella Andrews. Das konnte ich ja nicht ahnen! Entschuldigen Sie bitte, aber wir arbeiten hier mit ziemlich wichtigen Dingen, und es geht nicht, dass Unbefugte …“

„Ich verstehe schon.“ Ihre Haut war weich und zart. Während er ihre Hand etwas länger hielt als nötig, merkte er, wie Bella erschauerte.

Sobald er sie losließ, zog Bella die Hand zurück und wandte sich an den Mann vom Sicherheitsdienst. „Danke, Sylvester. Tut mir leid, dass ich Sie alarmiert habe.“

Schweigend warteten sie, bis Sylvester wieder in den Fahrstuhl gestiegen war. Dominic konnte Bellas Neugier fast spüren und lächelte ihr ermutigend zu.

„Sie sind mit Tarrant verwandt?“ Sie errötete.

„Ich bin sein Sohn.“ Er lächelte kühl. „Bestimmt liegt Ihnen jetzt auf der Zunge, dass Sie gar nicht wussten, dass er einen Sohn hat?“

„Ich, äh …“ Sie strich sich eine Haarsträhne hinter das Ohr.

Die Verwandtschaftsverhältnisse zu erklären war schwierig, daher entschied Dominic, sich vorerst zurückzuhalten. Manchmal bereitete es ihm auch Vergnügen, die Leute raten zu lassen. Vor allem bei einer Wissenschaftlerin könnte es ihm Spaß bringen, weil sie wohl dafür lebte, Hypothesen zu belegen.

„Mein Vater hat mich dazu ermuntert, mir die Firma anzuschauen.“ Er machte einen Schritt auf sie zu. „Also, um meine Frage zu wiederholen, ist das hier ein Labor?“

„Ja, ein Entwicklungslabor. Und bitte entschuldigen Sie mein Benehmen. Ich habe an das Wohl des Unternehmens gedacht …“

„Ich verstehe. Der Jungbrunnen muss unter allen Umständen bewacht werden.“ Dominic schaute sich in dem lang gestreckten Raum um. Er entdeckte Spülbecken und Brenner, sorgfältig getrennt von den Computerarbeitsplätzen. Becher oder Reagenzgläser sah er allerdings nirgends, sie wurden wohl in den teuren Schränken verwahrt. „Lassen Sie mich raten, in Wirklichkeit sind Sie achtundsiebzig Jahre alt?“, fragte er Bella.

Sie deutete ein Lächeln an. „Nicht ganz. Obwohl wir beachtliche Fortschritte bei den Anti-Aging-Produkten gemacht haben. Haben Sie Erfahrung auf diesem Gebiet?“ Sie schob die Hände in die Taschen ihres Laborkittels, wodurch sich der Stoff auf äußerst ansprechende Weise über ihrer wohlgerundeten Hüfte straffte.

„Leider nicht. Ich bin hier, um zu lernen.“ Und um so viel wie möglich über Tarrant Hardcastle und sein Imperium herauszufinden, in dem ich bis vor einer Woche noch höchst unwillkommen gewesen bin, fügte Dominic in Gedanken hinzu. Ihn ärgerte immer noch, dass er die insolvente Drogeriekette nicht bekommen hatte. Für ihn wäre es ein erfolgversprechendes Geschäft gewesen, neben exklusiven und ökologisch angebauten Lebensmitteln auch Kosmetik anzubieten. Aber Tarrant hatte den Zuschlag erhalten – obwohl sein Gebot niedriger gewesen war. Und mit dem Ergebnis, dass all diese Läden jetzt geschlossen waren.

Ob Tarrant wusste, dass er seinem Sohn den Deal vermasselt hatte? Wenn ja, hatte er es absichtlich getan, als eine Art Demonstration seiner Macht? Allein daran zu denken machte Dominic wütend. Aber auf die eine oder andere Art werde ich noch zu meinem Recht kommen, sagte er sich und atmete tief durch.

Er beobachtete, wie Bella Andrews ein paar Papiere zusammenschob und sie in eine Schublade legte. Irgendwie wirkte die Frau dabei nervös.

Vielleicht sollte sie das auch, überlegte Dominic.

Ich muss ihn loswerden, dachte Bella. Zum Glück hatte er die Papiere nicht gesehen, die sie gerade gelesen hatte. Das gesamte Team der Entwicklungsabteilung befand sich auf einer Konferenz in Genf, und diese Gelegenheit hatte Bella genutzt, um sich in Ruhe die Unterlagen anzuschauen. Jetzt war sie dabei fast vom Sohn des Chefs auf frischer Tat ertappt worden!

„Hier machen unsere Chemiker Experimente mit neuen Formeln und verbessern die bestehenden. Wir haben genau festgelegte Vorgehensweisen, und jedes Produkt wird gründlich getestet, bevor es auf den Markt kommt.“

„An Tieren?“ Fragend zog Dominic Hardcastle eine Augenbraue hoch.

Merkwürdige Frage, ging es Bella durch den Sinn. Trotz seines eleganten Anzugs machte dieser große und geheimnisvolle Mann auf sie eher den Eindruck, dass er Tiere jagte, statt er sich um deren Wohlergehen zu sorgen. Mit fester Stimme antwortete Bella: „Seit ich hier bin, verzichten wir auf Tierversuche. Und im Augenblick arbeiten wir an einer neuen Kosmetikreihe gegen Alterserscheinungen. In ein paar Tagen kommt das erste Produkt auf dem Markt. Tarrant hofft, dass wir es bis zum Ende des Jahres weltweit vertreiben können.“

„Ich habe keinen Zweifel daran, dass er es schafft.“ Sein harter Tonfall überraschte Bella, sie sah auf und begegnete Dominics eindringlichem Blick. „Arbeiten Sie gern für Hardcastle Enterprises?“

„Natürlich, warum?“ Ihr kam ihre Stimme beinah selbst fremd vor. Irgendwie machte dieser Mann Bella nervös. Es lag nicht nur an seinem guten Aussehen. Daran war sie gewöhnt. Tarrant Hardcastle legte Wert auf gut aussehende Angestellte – sowohl männliche als auch weibliche.

Nein, es war nicht seine große, breitschultrige Gestalt. Vielmehr lag es an seinem Gesichtsausdruck. Bella hatte das Gefühl, Dominic könnte direkt in ihre Seele blicken, und das war furchterregend.

„Ich bin nur neugierig.“

Beim Anblick seiner selbstgefälligen Miene bekam Bella das Gefühl, dass er ihre Gedanken lesen konnte. Das war zwar unmöglich, trotzdem wurde ihr mulmig zumute. „Was möchten Sie gern sehen?“

Langsam ließ er den Blick über ihren Kittel schweifen, als wollte er sagen: mehr von Ihnen. „Zunächst einmal das Labor, und dann …“ Er neigte den Kopf. Lachte dieser Mann sie etwa aus? „Wenn Sie dann noch ein wenig Zeit erübrigen können, würde ich mir gern noch die Verkaufsräume anschauen.“

Natürlich hatte sie Zeit. Alles andere war unwichtig, wenn der Sohn des Chefs sie brauchte. Aber warum suchte er sich nicht jemanden aus der Verkaufsabteilung? Klar, dachte Bella, weil er sich tatsächlich über mich lustig macht. Nachdem sie ihn hatte hinauswerfen wollen, spielte er jetzt mit ihr Katz und Maus. Bella spürte Wut in sich aufsteigen – Wut und noch etwas anderes, das sie nicht benennen konnte.

Sie ging durch das Labor und war sich bei jedem Schritt Dominic Hardcastels Nähe bewusst. „Dies hier ist ein Photonenmikroskop.“ Voll Stolz deutete sie auf das Gerät. „Wir arbeiten mit mikrofeinem Puder, der das Licht reflektiert und so die optische Illusion von perfekter Glätte erzeugt.“

Statt bewundernd das Gerät zu betrachten, richtete er den Blick auf sie. „Nanotechnologie?“

„Ja“, erwiderte sie überrascht. „Wir haben herausgefunden, dass wir dramatische Farb- und Oberflächeneffekte erzeugen können, wenn wir die Photonenschichten manipulieren.“

„Faszinierend.“ Mit dem Daumen berührte er das Mikroskop, was eine merkwürdig beunruhigende Wirkung auf Bella hatte. „Und Sie haben ein marktfähiges Produkt daraus machen können?“

„Wie ich sehe, verstehen Sie etwas vom Geschäft. Unsere größte Herausforderung bestand nicht darin, etwas zu finden, das funktioniert, sondern darin, wie man es vermarktet. Die Leute kaufen keine Dose mit weißem Puder, nur weil man ihnen sagt, es wäre ein toller roter Lippenstift, der weder schmiert noch abfärbt. Wir haben eine Verbindung gefunden, die wir ReNew nennen, weil die Haut jünger aussieht, wenn man die Verbindung aufträgt.“

„Sind Sie Chemikerin?“ Als sein Blick erneut über ihren Laborkittel schweifte, wurde Bella ganz heiß.

„Ich habe einen Abschluss in Chemie und in Wirtschaftswissenschaften. Und jetzt leite ich hier dieses Team.“ Und ich will das gestohlene Erbe meines Vaters zurückbekommen, fügte Bella im Stillen hinzu. Tarrant Hardcastle hatte ihrem Vater nie die ihm zustehende Anerkennung gezollt, auch wenn er mit dem Lebenswerk ihres Vaters Millionen verdiente. Dass Bella seine Tochter war, ahnte zum Glück niemand bei Hardcastle Enterprises. Denn wenn Tarrant es herausfand, würde er sie sofort entlassen. Genau deshalb wollte sie seinen Sohn jetzt auch so schnell wie möglich verabschieden, bevor er noch Verdacht schöpfte.

Sie begann, sich den Kittel aufzuknöpfen. „Wollen wir jetzt zu den Verkaufsräumen gehen?“

Ungeniert sah er ihr auf die Brüste, und als er wieder aufschaute und Bellas Blick begegnete, wirkten seine Augen noch dunkler. „Sicher“, meinte er leise und mit eindeutigem Unterton.

Er folgte ihr. Bei jedem Schritt spürte sie seinen Blick auf sich. Den eng anliegenden roten Rock und die Bluse hatte Bella ausgewählt, um ihrem Chef zu gefallen. Tarrant Hardcastle liebte alles, was teuer und feminin war. Gut auszusehen wurde von ihr erwartet, das wusste Bella. Und auch auf Dominic Hardcastle schien ihr Outfit seine Wirkung nicht zu verfehlen.

Sie hängte ihren Kittel an einen Haken neben der Tür, wartete, bis Dominic das Labor verlassen hatte, und schloss ab.

Geschafft!

Sie brauchten nicht weit zu gehen, da Tarrant, wohl aus einem Kontrollzwang heraus, sein gesamtes Imperium in einem ehemaligen Luxushotels am Central Park unterbrachte. In dem prunkvollen Gebäude lagen Büros, Konferenzräume und Vortragssäle, außerdem das Labor, eine private Kunstgalerie, drei Verkaufsetagen und ein erstklassiges Restaurant beieinander.

Der Duft kostbaren Parfums hing in der Luft, als Bella und Dominic im Erdgeschoss aus dem Fahrstuhl traten. Sie zeigte ihm Hardcastles exklusive Produkte, die zwischen den Artikeln von Chanel, Dior und anderen exponiert in der Kosmetikabteilung ausgestellt waren. Bella beobachtete, wie Dominic charmant mit den Verkäuferinnen plauderte und dabei mit seinem Wissen über den Verkauf glänzte. Er verbarg jedoch auch nicht seine Unwissenheit, was Kosmetik anging – oder tat er nur so, um mit den jungen Frauen ungeniert flirten zu können? Nur mühsam widerstand Bella dem Drang, die Augen zu verdrehen.

„Haben Sie es eilig?“ Er legte ihr eine Hand auf den Arm, als Bella weitergehen wollte, und sofort lief ihr ein warmer Schauer über den Rücken.

Abrupt löste sie sich aus Dominics Griff. „Es gibt noch eine Menge zu sehen.“

„Stimmt. Können Sie mir verübeln, dass ich mir die Zeit nehmen möchte, das alles zu genießen?“ Er zog eine Augenbraue hoch, doch an seinem Blick erkannte Bella, dass er nicht nur über Hardcastle Enterprises sprach. Denn obwohl Dominic ihr ins Gesicht sah, hatte sie plötzlich das Gefühl, er würde sie intensiv von Kopf bis Fuß mustern.

„Es ist schon fast sieben, und ich dachte, dass Sie zumindest noch die Designerkollektion in der Damenabteilung sehen wollen.“

„Eigentlich nicht.“ Er lächelte sie freundlich an. „Ich hatte eigentlich etwas anderes vor.“

Eine Sekunde lang fragte Bella sich, ob er damit meinte, dass er mit ihr … „Was denn?“

„Essen.“

„Oh.“ Sie wich seinem begehrlichen Blick aus, indem sie sich eine kaum sichtbare Fluse vom Ärmel zupfte. „Ist das die Branche, in der Sie arbeiten?“ Sie meinte, schon einmal etwas über ihn gehört zu haben, erinnerte sich jedoch nicht an seinen Beruf.

„Ja, aber ich dachte jetzt eher ans Abendessen.“

Bella blinzelte. Wollte er etwa mit ihr essen gehen? Sie musste dringend zurück ins Labor und die Unterlagen wieder einsortieren.

„Ich finde, das sind Sie mir schuldig. Schließlich haben Sie versucht, mich herauszuwerfen.“

Sie schluckte.

„Außerdem habe ich gehört, das Restaurant hier oben ist sehr gut.“

„The Moon. Oh ja. Fünf Sterne“, murmelte sie. Sie hatte Kritiken darüber gelesen, war jedoch noch nie dort gewesen. So viel verdiente sie nun doch nicht, dass sie es sich leisten könnte, dorthin zu gehen.

„Tarr… Mein Vater meint, ich soll auf jeden Fall dort essen. Auf seine Rechnung.“

Dass er das Wort ´Vater´ derart betonte, ließ Bella aufhorchen.

„Es wäre schön, wenn Sie mir Gesellschaft leisten“, fuhr er fort.

Er schien es tatsächlich ernst zu meinen. Sein Blick war warm, und sein Lächeln … Instinktiv wollte Bella die Einladung annehmen, auch wenn sie wusste, wie unvernünftig es wäre. „Äh, na ja.“ Sie blickte auf die Uhr und war hin- und hergerissen. „Natürlich, sehr gern.“

Es war eine interessante Erfahrung, neben Dominic durch die Verkaufsräume zu gehen. Er zog die Blicke der weiblichen Kundschaft und aller Verkäuferinnen auf sich. Von seinem leicht zerzausten schwarzen Haar bis zu den polierten Designerschuhen bot er aber auch einen Anblick, dem wohl kaum eine Frau widerstand. Dagegen kam Bella sich unscheinbar und unwürdig vor. Als wäre sie versehentlich auf den Laufsteg bei einer Haute-Couture-Modenschau geraten und müsste jetzt neben einem Topmodel herlaufen.

Man kann definitiv zu gut aussehen, dachte sie, als sie sah, wie die nächste Frau Dominic schöne Augen machte. Das scharf geschnittene Kinn, die Karibik-Bräune, die sich sicherlich nicht nur auf das Gesicht, sondern auch auf den muskulösen Körper unter dem maßgeschneiderten Anzug erstreckte. Es war alles ein wenig zu viel. Fast schon vulgär.

Wie so vieles im glitzernden Imperium seines Vaters.

„Das Restaurant ist im obersten Stockwerk.“ Bella drückte auf die Taste im Lift und versuchte zu ignorieren, wie sehr Dominic den knapp bemessenen Raum des Personalfahrstuhls ausfüllte. Ihr kam die Kabine mit einem Mal schrecklich klein vor. „Leben Sie in New York?“

„Miami. Aber vielleicht ziehe ich hierher. In letzter Zeit bin ich sowieso häufig geschäftlich hier. Und Tarr… mein Dad möchte, dass ich in der Nähe des Firmenhauptsitzes bin.“

Wieder fiel Bella auf, dass er das Wort „Dad“ merkwürdig betonte. Tarrant hatte eine Tochter, das wusste sie, aber von einem Sohn hatte Bella noch nie gehört. Sylvester hatte sich sozusagen für ihn verbürgt, also war Dominic wohl tatsächlich Tarrant Hardcastles Sohn. Aber weshalb war er auf einmal wie aus dem Nichts hier aufgetaucht?

„Ich will ja nicht neugierig sein“, platzte es aus ihr hervor, „aber ich wusste gar nicht, dass Tarrant einen Sohn hat.“ So, jetzt hatte sie es gesagt. Und es war zumindest ein wenig höflicher, als zu fragen: Wer zum Teufel sind Sie überhaupt?

„Ich bin ein Kind der Liebe.“

Entgeistert sah sie ihn an. Machte er sich über sie lustig?

„Tarrant hatte eine kurze Affäre mit meiner Mutter, damals in den Siebzigern. Sie haben sich auf der Tanzfläche im Studio 54 kennengelernt.“

„In der wilden Disco-Szene“, erwiderte Bella zögernd. Tarrant war berühmt-berüchtigt für seine Partyleidenschaft.

„Damals ist er nicht daran interessiert gewesen, Verantwortung als Vater zu übernehmen.“ Dominics Gesichtszüge wirkten plötzlich hart. „Aber wie es scheint, hat er jetzt seine Meinung geändert.“

Hatte dieser Mann ihr gegenüber gerade zugegeben, dass er der uneheliche Sohn von Tarrant Hardcastle war? Sein erstaunlich vertrauliches Geständnis hinterließ bei ihr einen seltsamen Nachgeschmack. Bella wusste nicht, was sie sagen sollte. Das entstandene Schweigen war ihr unangenehm, sodass sie erleichtert aufatmete, als der Aufzug hielt und sie ausstiegen.

Das Restaurant war bereits voll. Es genoss einen erstklassigen Ruf, und man musste mindestens sechs Monate im Voraus einen Tisch reservieren, soviel hatte Bella mitbekommen.

„Dominic Hardcastle.“

Als er seinen Namen aussprach, meinte Bella zu sehen, wie ein Muskel seiner Wange zuckte.

„Willkommen, Sir. Ich kann Ihnen den Tisch von Mr. Hardcastle anbieten.“ Der Oberkellner lächelte strahlend, als Dominic ihm zum Erfolg des Restaurants gratulierte, das erst vor zwei Jahren eröffnet worden war.

Bella konnte sich gerade noch beherrschen, um nicht den Kopf zu schütteln. Liegen diesem Mann eigentlich alle Leute zu Füßen, fragte sie sich.

Dominic rückte ihr einen der elegant bezogenen Stühle zurecht und wartete, bis sie sich gesetzt hatte. Natürlich, dachte Bella, er benimmt sich jetzt auch noch wie der perfekte Gentleman. Dahinter muss doch etwas stecken, irgendetwas will er doch damit erreichen …

„Wollen wir Champagner trinken?“, fragte er lächelnd, als er ihr gegenübersaß.

„Gern. Champagner klingt immer gut.“

Nachdem sie bestellt hatten, und der Kellner ihnen Champagner eingeschenkt hatte, hob Dominic sein Glas. Bella fiel auf, dass er drei kleine Grübchen hatte. Eins an jeder Wange und eins am Kinn. Nicht, dass sie sich irgendetwas aus Grübchen machte.

„Auf die hübscheste Frau bei Hardcastle Enterprises.“

Prompt wurde sie rot und ärgerte sich, weil sie auf ein derart plumpes Kompliment hereinfiel. „Mit Schmeicheleien können Sie es weit bringen“, erwiderte sie sarkastisch und stieß mit ihm an.

Das will ich hoffen, dachte Dominic und trank einen Schluck Champagner. Diese Frau hatte irgendetwas an sich, was er nicht recht deuten konnte. Dabei war seine gute Menschenkenntnis einer der Gründe, warum er seine Firma so schnell und so erfolgreich hatte aufbauen können.

Bella Andrews hatte jedoch eine unsichtbare Mauer um sich errichtet, und offensichtlich hatte diese Frau nicht vor, ihn hinter ihre Fassade blicken zu lassen. Ihm war nicht entgangen, wie wenig Interesse sie daran hatte, mit dem Sohn des Chefs essen zu gehen. Deshalb hatte er sie beruhigen wollen und angedeutet, dass er Tarrant nicht sonderlich nah stand.

Dass sie immer noch nervös wirkte, faszinierte ihn.

Genauso wie es ihn faszinierte, dass ihre rosafarbenen Lippen keinen Hauch von Lippenstift auf der Champagnerflöte hinterließen.

„Es überrascht mich, dass Sie gar kein Make-up tragen. In Ihrem Job.“ Er lehnte sich zurück, um ihre Reaktion zu beobachten.

Sie blinzelte, und Dominic nahm wahr, dass die Spitzen ihrer mascarafreien Wimpern heller waren, fast golden schimmerten. „Es heißt doch, man soll sich von den eigenen Produkten fernhalten.“

„Ja, eine kluge Regel für Drogendealer.“ Dominic lächelte. „Machen Ihre Produkte süchtig?“ Irgendwie hatte er die Befürchtung, dass er süchtig werden könnte, wenn er länger auf ihren Mund schaute.

Sie lachte. „Das hoffe ich. Nur wenn zufriedene Kundinnen wieder kommen, können wir Gewinn machen.“

„Hat Hardcastle vor, noch mehr Geschäfte zu eröffnen?“ Er fragte ganz beiläufig und schaffte es, die Worte, was zum Teufel will Tarrant mit dreiundfünfzig bankrotten Drogerien, nicht auszusprechen.

„Nicht, dass ich wüsste. Unsere Produkte verkaufen sich am besten in exklusiven Läden und Parfümerien. Aber Vertrieb ist nicht mein Fachgebiet.“

„Und was genau ist Ihr Fachgebiet?“

„Tarr… äh, Ihr Vater hat mich eingestellt, damit ich neue Produkte entwickele.“

„Wie hat er Sie denn gefunden?“

Zögerlich, aber überaus sinnlich befeuchtete sie sich die Lippen. „Ich habe mich hier beworben.“

Bei dem Anblick rauschte eine Welle heißer Lust durch Dominic. Sobald er sich gefasst hatte, erkannte er zu seinem Bedauern, dass Bella ihn kühl taxierte. Offensichtlich hatte Dominic ein heikles Thema angeschnitten. „Wie haben Sie ihn davon überzeugt, in die Forschung zu investieren? Diese Photonenmikroskope sind bestimmt nicht gerade billig gewesen.“

Er lehnte sich leicht vor, nachdem der Kellner die Speisen serviert hatte. „Sie müssen sehr überzeugend sein.“

„Ich habe ihm gesagt, er hätte keine andere Wahl. Der Markt verändert sich. Mit Nanotechnologie kann man eine ganz andere Art von Kosmetik herstellen. Die Zeiten, als man kleine Makel mit viel Make-up zu übertünchen versucht hat, sind vorbei, sobald die Leute unsere lichtbrechenden Produkte entdecken.“

„Vielleicht sollten Sie noch einen Schritt weitergehen und einen Umhang erfinden, der unsichtbar macht.“

Oh! Sie wurde blass. Gerade hatte sie die Gabel zum Mund führen wollen, hielt jetzt jedoch inne und runzelte die Stirn. Dominics Puls beschleunigte sich. „Ist es das, was Sie vorhaben?“

Sie lachte gezwungen. „Natürlich nicht.“ Hastig schob sie sich die Gabel in den Mund.

Irgendetwas stimmte mit Bella nicht. Sie tat irgendetwas, was sie nicht tun sollte. Die Frage war nur, ob Tarrant es wusste. Dominic griff nach einer Auster. Ohne Bella aus den Augen zu lassen, schlürfte er die Auster aus.

Ohne mit der Wimper zu zucken, hielt sie seinem Blick stand. Dominic sah allerdings, dass sie den Mund leicht öffnete. Schließlich unterbrach sie den Blickkontakt ab und griff nach dem Wasserglas.

„Dafür, dass Sie eine derart verantwortungsvolle Position haben, sind Sie noch sehr jung.“ Er nippte am Champagner. „Sie müssen clever sein.“ Vielleicht zu clever für das Wohl der Firma?

„Oh, ich weiß nicht.“ Sie zuckte mit den Schultern, wodurch der weiche Seidenstoff ihrer Bluse über den Brüsten spannte. „Sie sind ja auch nicht gerade eine Niete. Ich habe gehört, wie Sie mit dem Verkaufspersonal über Ihre Firma geredet haben. Für jemanden, der nicht innerhalb des Hardcastle-Imperiums aufgewachsen ist, haben Sie sich hervorragend geschlagen.“

„Mir geht es nicht schlecht.“

Bella beobachtete Dominic, wie er die nächste Auster aß. Es war genau, wie sie vermutet hatte, der Mann mochte sein Essen roh. Sie durfte sich nicht von seinen bewundernden Blicken täuschen zu lassen. Denn falls sie diesen Fehler beging … In ihr wuchs der Verdacht, dass Dominic Hardcastle ihr sehr gefährlich werden konnte, sollte er die Chance dazu bekommen. Und wüsste er, was sie vorhatte, hätte er mit Sicherheit kein Erbarmen mit ihr.

Sie atmete tief durch und aß ihre letzte Muschel.

Merkwürdig, kaum erntet man ein paar bewundernde Blicke von einem Mann, und schon fühlt man sich wie eine begehrenswerte Frau, dachte Bella und schüttelte den Kopf. Wahrscheinlich hatte sie zu viel Zeit im Labor verbracht – mit Wissenschaftlern, die sich mehr für Photonen als für Menschen interessierten.

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