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Verlieb dich nie in einen Playboy

1. KAPITEL

Charmant lächelnd schlenderte er durch die Schar exquisit gekleideter Gäste, deren Glückwünsche er nonchalant entgegennahm. Er war groß, muskulös und so attraktiv, dass fast alle Frauen ihm fasziniert hinterhersahen. Er schien allerdings überhaupt nicht zu bemerken, was für einen Aufruhr er verursachte, als er sich einen Weg durch das Gedränge auf der erlesenen Weinauktion bahnte.

Den meisten Menschen wäre vermutlich gar nicht aufgefallen, dass Roark Black angespannt war. Elizabeth Minerva hingegen besaß einen siebten Sinn für gefährliche Typen, und ihr entging nicht, dass er trotz seiner angeblichen Gelassenheit sehr aufmerksam war.

„Die Shrimps sind alle!“

Der Ausruf ihrer Assistentin – Brenda Stuart, die äußerst leicht aus der Fassung zu bringen war – riss sie abrupt aus ihren Träumereien um den attraktiven Abenteurer.

„Eben sind aber noch genügend Shrimps da gewesen“, erwiderte sie leicht gereizt. Außerdem gab es noch ausreichend Champagner, Kanapees sowie eine Reihe anderer Dinge, wegen deren Brenda sich in der vergangenen Stunde gesorgt hatte. „Warum nehmen Sie sich nicht etwas zu essen und entspannen sich hinten ein bisschen?“, schlug sie vor, in der Hoffnung, auf diese Weise die andere Frau loswerden zu können. Elizabeths Chefin Josie Summers hatte sie ihr für den heutigen Abend zugeteilt, weil Josie wie immer an Elizabeths Fähigkeiten zweifelte. Dabei war es nicht das erste Event, das Elizabeth als Hauptverantwortliche beaufsichtigte. Brenda hingegen besaß eindeutig noch nicht genügend Routine im gelassenen Umgang mit den Reichen und Mächtigen Manhattans.

„Ich kann aber nicht entspannen“, widersprach Brenda heftig, woraufhin sich zwei Damen, die in ihrer Nähe standen, zu ihnen umdrehten und sich vielsagende Blicke zuwarfen.

Elizabeth bemühte sich um ein gelassenes Lächeln, während sie Brendas Arm oberhalb des Ellbogens entschlossen umfasste. „Ich habe hier alles unter Kontrolle. In einer halben Stunde beginnt die Auktion. Warum gehen Sie nicht einfach nach Hause?“ Während sie sprach, schob sie die Frau auf den Ausgang zu.

„Ich kann aber nicht“, protestierte Brenda.

„Doch, sicher können Sie. Sie haben diese Woche schon so viele Überstunden gemacht, dass Sie sich einen freien Abend verdient haben. Ich komme auch allein zurecht.“

„Meinen Sie wirklich?“

Elizabeth hatte schon wesentlich größere Partys in den drei Jahren geplant, in denen sie seit dem Collegeabschluss bei Josie Summer’s Event Planning arbeitete. Zugegeben – heute Abend hatte sie es zum ersten Mal mit VIPs zu tun und war dementsprechend aufgeregt gewesen. Doch nur so lange, bis die ersten Gäste eingetroffen waren und sich bewundernd über den geschmackvoll ausstaffierten Veranstaltungsort geäußert hatten, in den Elizabeth das langweilige, leere Loft verwandelt hatte.

„Ganz sicher“, sagte sie. „Gehen Sie nach Hause und bringen Sie Ihre hübsche Tochter ins Bett.“

Es war zwar bereits nach zweiundzwanzig Uhr, und Brendas sechsjährige Tochter schlief vermutlich schon tief und fest. Aber Elizabeth hatte sehr schnell herausgefunden, dass Brenda alles für ihren kleinen Liebling tun würde. Das war das Einzige, was Elizabeth an der anderen Frau mochte – und um das sie Brenda beneidete.

„Okay, vielen Dank.“

Elizabeth wartete, bis Brenda ihre Tasche genommen und den Flur betreten hatte, der zu den Fahrstühlen führte. Erst dann wandte sie sich um, um zur Party zurückzukehren.

„Ähm, hallo.“

In den letzten zehn Minuten, in denen sie mit Brenda beschäftigt gewesen war, hatte sie überhaupt nicht mehr an Roark Black gedacht, aber jetzt stand er hier, nur wenige Schritte von ihr entfernt, mit der Schulter gegen eine der Deckensäulen gelehnt.

Verdammt! Aus der Nähe betrachtet, war die Ausstrahlung dieses Mannes sogar noch faszinierender. Ihn umgab eine beinahe greifbare Aura von Männlichkeit und Gefahr. Er trug einen Frack, hatte jedoch auf die übliche Fliege verzichtet und stattdessen das weiße Hemd nicht ganz zugeknöpft. Er sah so verführerisch verwegen aus, dass Elizabeth das Gefühl hatte, ihr Pulsschlag beschleunigte sich rasant.

Denk daran, du hast den bösen Jungs ein für allemal entsagt, ermahnte sie sich im Stillen.

Und Roark Black war der Inbegriff des Bad Boy. Selbst beim Klang seines Namens erschauerte sie ahnungsvoll. Eben noch hatte sie sich Tagträumen hingegeben, in denen sie sich vorgestellt hatte, wie es sich wohl anfühlen mochte, mit den Fingern durch sein braunes gewelltes Haar zu streichen. Das Braun ließ sie unwillkürlich an den Pelzmantel ihrer Großtante denken und daran, wie sehr sie es geliebt hatte, ihn auf der nackten Haut zu spüren.

„Kann ich etwas für Sie tun?“, fragte sie.

Er lächelte. „Ich habe schon befürchtet, Sie würden niemals fragen.“

Zweifellos versuchte er mit ihr zu flirten, und mit seinem Blick schien er sie dazu auffordern zu wollen, das schwarze Kleid herunterzustreifen und zu enthüllen, was darunter verborgen lag.

Sie schluckte hart. „Brauchen Sie etwas?“, erkundigte sie sich und wünschte sofort, sie hätte es nicht getan. Sie spielte ihm ja regelrecht in die Hände!

„Sweetheart …“

„Elizabeth.“ Unbeirrt professionell streckte sie ihm die Hand entgegen. „Elizabeth Minerva. Ich bin Ihre Eventplanerin.“

Sie erwartete, dass er ihre Hand mit festem Händedruck umschloss, doch stattdessen umfasste er sie, drehte ihre Handfläche nach oben und strich mit dem linken Zeigefinger darüber. Augenblicklich hatte sie das Gefühl, völlig unter Strom zu stehen.

„Roark.“ Eingehend betrachtete er ihre Handfläche. „Roark Black. Sie haben eine äußerst kurvige …“ Er sah ihr in die Augen, und Elizabeth erwiderte fasziniert seinen unergründlichen Blick. „Kopflinie.“

„Was?“, war das Einzige, was sie hervorbrachte. Ihr Mund war plötzlich wie ausgetrocknet.

„Eine Kopflinie.“ Wieder strich er ihr verführerisch über die Handinnenfläche. „Sehen Sie hier. Eine kurvige Linie bedeutet, dass Sie neuen Ideen gegenüber äußerst aufgeschlossen sind. Stimmt das, Elizabeth?“

„Was denn?“ Mit einem Mal schien es kaum noch Luft in diesem Raum zu geben.

„Dass Sie neue Ideen mögen.“

Bad Boy. Bad Boy.

Elizabeth räusperte sich und zog rasch ihre Hand weg, was Roark zu amüsieren schien, denn er lächelte.

„Ich habe Freude daran, einzigartige Locations für Partys zu schaffen, falls Sie das meinen“, erklärte sie und spürte zu ihrer Verärgerung, wie ihre Wangen vor Verlegenheit warm wurden.

Wie sie aus seinem unverfrorenen Lächeln schloss, hatte er das offensichtlich nicht gemeint.

„Sie haben hier heute Abend einen tollen Job gemacht.“

„Ja, wenn man bedenkt, dass es hier nur Betonböden und weiße Wände gegeben hat. Und natürlich diese herrlichen Bogenfenster, aus denen man einen großartigen Blick hat.“ Sie deutete auf die Fensterfront und hoffte dadurch, Roark dazu zu bewegen, seine Aufmerksamkeit von ihr abzuwenden und aufzuhören, sie mit seinem Blick aus der Fassung zu bringen.

„Wie ich gehört habe, ist es Ihre Idee gewesen, eine Diashow zu Ehren von Tyler zu veranstalten.“

Tyler Banks war vor einem Jahr gestorben. Niemand hatte ihn leiden können, und niemand ahnte auch nur im Geringsten, dass er zu den größten Wohltätern New Yorks gezählt hatte.

„Zu Lebzeiten hat er vielleicht nicht gewollt, dass jemand davon erfährt, was für wunderbare Dinge er mit seinem Geld ermöglicht hat. Aber er hat so vielen Menschen durch seine Großzügigkeit geholfen, dass er eine angemessene Ehrung verdient hat.“

„Schön und intelligent.“ Bewundernd sah er sie an. „Okay, Sie haben mich am Haken.“

Ihr erging es genauso mit ihm. Natürlich. Bad Boys waren schon immer ihr Verhängnis gewesen, wenn es um ihr Liebesleben ging. Je schlimmer sie waren, desto mehr fühlte sie sich zu ihnen hingezogen.

Sie stellte sich Roark Black – wenn man den Dingen Glauben schenken konnte, die über ihn geschrieben wurden – als arroganten und gewissenlosen Kerl vor. Einer, der zwar umwerfend sexy war, jedoch fragwürdige moralische Vorstellungen vertrat. Genau die Sorte Mann, in die sie noch vor einem Jahr Hals über Kopf verliebt hätte.

Doch am Grab ihrer Schwester hatte sie im vergangenen Oktober geschworen, auf immer und ewig mit den Bad Boys dieser Welt fertig zu sein.

Bedauerlicherweise hatte das zur Folge gehabt, dass ihr Liebesleben in den letzten zwölf Monaten kaum noch existent gewesen war, da Bad Boys anscheinend die einzigen Männer zu sein schienen, die Elizabeth in ihr Leben zog. Diese lange Enthaltsamkeit war vermutlich der Grund dafür, dass ihre Hormone beim Anblick von Roark Black dermaßen in Wallung gerieten.

„Ich schlage vor, dass Sie sich wieder vom Haken lösen, Mr Black“, erwiderte sie fest und hoffte, dadurch darüber hinwegtäuschen zu können, wie sehr sie sich in Wahrheit zu ihm hingezogen fühlte. Was für eine beschämende Vorstellung, wegen eines Mannes – selbst, wenn es sich um einen so verführerischen und attraktiven wie Black handeln mochte – wie Eis in der Sonne dahinzuschmelzen!

„Haben Sie vielleicht etwas gegen mich?“ Er schien allerdings keineswegs besorgt, dass das tatsächlich der Fall sein könnte. Ganz im Gegenteil – er wirkte eher so, als würde er die Herausforderung in vollen Zügen genießen.

„Ich kenne Sie nicht.“

„Und trotzdem haben Sie sich bereits eine Meinung von mir gebildet. Das ist doch nicht fair.“

Fair? Er wollte also Fair Play? Das nahm sie ihm nicht eine Sekunde lang ab. Vielmehr glaubte sie, dass sie sich mit nach oben geschobenem Rock im nächsten Bad wiederfinden würde, falls sie ihm auch nur das geringste Anzeichen von Interesse zeigte.

Verärgert bemerkte sie das erregte Pulsieren zwischen ihren Schenkeln. „Ich habe gewisse Dinge über Sie gelesen“, entgegnete sie zynischer, als sie es eigentlich beabsichtigt hatte.

„Was für Dinge denn?“

Er war der Grund dafür, dass diese Party überhaupt stattfand. Wenn er nicht Tylers Enkelin dazu überredet hätte, die kostbare Weinsammlung ihres Großvaters im Auktionshaus Waverly versteigern zu lassen, hätte es dieses Event nicht gegeben, und folglich wäre Elizabeth nicht mit der Planung desselben beauftragt worden.

Mit einem Mal wünschte sie, den Mund gehalten zu haben. Dieser Mann war einfach viel zu selbstbewusst und überzeugt von seiner Ausstrahlung. Außerdem hatte sie ihre Befugnisse als Eventplanerin überschritten, indem sie sich, wenn auch nur für einen winzigen Moment, von seinem Flirtversuch hatte betören lassen. „Schlechte Dinge.“

Er hob die schön geschwungenen Augenbrauen und betrachtete Elizabeth neugierig mit seinen grüngrauen Augen. „Jetzt seien Sie mal nicht so schüchtern. Schließlich haben Sie mir den Fehdehandschuh hingeworfen.“

Noch nie hatte sie jemand als schüchtern bezeichnet. „Also, wissen Sie, eigentlich geht es mich auch überhaupt nichts an. Ich muss mich jetzt wieder um die Party kümmern.“

Doch er stellte sich ihr in den Weg. „Vorher beantworten Sie aber noch meine Frage.“

Er war ungefähr eins neunzig groß und versperrte mit seinem imposanten Rücken den neugierigen Gästen aus dem Saal den Blick auf sie. Leider musste Elizabeth feststellen, wie positiv ihr Körper auf diesen Ausbund an Männlichkeit reagierte, denn das erregende Prickeln, das sie durchströmte, wurde noch drängender.

„Sie haben offenbar eine Meinung.“ Er legte eine Hand auf die Säule oberhalb ihres Kopfes. „Und ich würde sie gerne hören.“

„Ich wüsste nicht, warum.“

Sie hatte gehört, dass er sich normalerweise nicht um die Gedanken anderer Menschen kümmerte, sondern einfach tat, wonach ihm der Sinn stand. Ihrem festen Vorsatz zum Trotz, nie wieder auf diese Art Mann hereinzufallen, fand sie sein Selbstbewusstsein jedoch ziemlich aufregend.

„Ich denke nämlich, dass Sie nicht nur so tun, als wären Sie schwer zu haben.“ Er beugte sich dichter zu ihr herüber. „Und ich wüsste gerne, wieso.“

Seine Nähe schien ihren Herzschlag zu verdoppeln, weswegen sie verwirrt das Erste erwiderte, was ihr in den Sinn kam. „Waverlys ist in Schwierigkeiten. Und Sie sind möglicherweise der Grund dafür.“ Als ihr bewusst wurde, was sie soeben gesagt hatte, hielt sie entsetzt den Atem an und wartete auf Blacks Zornesausbruch.

„Und wo haben Sie das gelesen?“, fragte er und schien keineswegs überrascht oder verärgert zu sein.

„Tut mir leid“, stieß sie leise hervor. „Es geht mich gar nichts an. Ich gehe jetzt besser zur Party zurück.“

„Nicht so schnell.“ Er betrachtete sie misstrauisch, und mit einem Mal schien jeglicher Charme verschwunden. „Ich finde, Sie schulden mir eine Erklärung.“

„Vergessen Sie einfach, was ich gesagt habe. Es war völlig unpassend.“

„Trotzdem scheinen Sie ja ziemlich überzeugt davon zu sein.“ Der charmante Abenteurer war dem berechnenden Jäger gewichen.

Elizabeth erschauerte, aber nicht vor Furcht. Die unberechenbare Seite in ihr, die sie so hartnäckig zu unterdrücken versucht hatte, reagierte auf Roarks betörende Ausstrahlung. „Sehen Sie …“

Doch bevor sie sich eine Entschuldigung einfallen lassen musste, wurde sie von Kendra Darling gerettet, die nicht nur eine alte Schulfreundin von ihr, sondern auch die Assistentin von Ann Richardson, der Chefin von Waverlys, war.

„Mr Black, Ann hat mich gebeten, Sie ausfindig zu machen.“

„Kann das nicht warten? Elizabeth und ich unterhalten uns gerade.“

Kendras haselnussbraune Augen weiteten sich vor Erstaunen hinter den Brillengläsern, als sie erkannte, wen Roark da in die Enge getrieben hatte.

„Es ist ziemlich wichtig“, beharrte sie. „Ein paar Herrschaften möchten mit Ihnen sprechen.“ Sie begann zu zittern, als sie erklärend hinzufügte: „Sie sind vom FBI.“

Verärgert nickte Roark Anns errötender Assistentin zu. „Sagen Sie ihr, dass ich gleich da bin.“

„Ich fürchte, sie wünscht Sie sofort zu sehen.“

Mit anderen Worten – die Assistentin hatte nicht vor, ohne ihn zu ihrer Chefin zurückzukehren. Sie war den Umgang mit reichen und gelegentlich etwas schwierigen Kunden, jedoch nicht Besuch von Agenten des FBI gewohnt. Offensichtlich wusste sie nicht, dass das FBI immer dann mit Roark zu reden wünschte, wenn es um Antiquitäten aus dem Nahen Osten ging. Roark war sowohl schon selbst Verdächtiger als auch Sachverständiger gewesen, der dem FBI dabei geholfen hatte, internationale Kunstdiebe zur Strecke zu bringen.

Bevor er zur Party zurückkehrte, warf er Elizabeth einen letzten Blick zu. Die bezaubernde Blondine hatte sich während seines Gesprächs mit Anns Assistentin nicht von der Stelle gerührt. Vielmehr erweckte sie den Eindruck, als würde sie am liebsten in den Boden versinken.

Er musste daran denken, wie oft er schon ein Relikt in den Händen gehalten und augenblicklich gewusst hatte, ob es echt oder lediglich eine geschickte Replik war. Sein Gespür hatte ihn noch nie betrogen. Als er eben Elizabeth begegnet war und ihre Hand in seiner gehalten hatte, hatte er dasselbe untrügliche Gefühl gehabt. Keine Tricks. Keine Spiele. Lediglich pure Anziehungskraft. Und er war fest entschlossen, diese Frau zu erobern.

„Wir setzen unser Gespräch später fort“, sagte er zu ihr.

Ihr Blick schien zu sagen, dass er nicht zu fest damit rechnen sollte.

„Mr Black?“

Er riss sich von der zierlichen Eventplanerin mit den sinnlichen Rundungen und unvergesslichen blauen Augen los, um Kendra zu folgen. Sie führte ihn zu Ann, die von einem Mann und einer Frau flankiert wurde, die offensichtlich nicht zu den geladenen Gästen gehörten. Doch im Gegensatz zu ihrer Assistentin wirkte Ann wegen der Anwesenheit der beiden Agenten nicht im Geringsten verstört. Diese Fähigkeit, auch in den schwierigsten Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren, bewunderte Roark an der Chefin von Waverlys am meisten.

Sie begrüßte ihn mit einem leichten Lächeln. „Roark, das sind die Special Agents Matthews und Todd. Sie würden uns gerne ein paar Fragen stellen.“

Roark betrachtete Todd, den er zwar vom Sehen her kannte, zu dem er bisher jedoch nie persönlichen Kontakt gehabt hatte. Agentin Matthews hingegen schien neu bei der Truppe und dem Blick nach zu urteilen, mit dem sie ihn musterte, versessen darauf zu sein, die Karriereleiter möglichst rasch zu erklimmen.

„Wir können draußen ungestört sprechen“, schlug Roark vor, und gemeinsam traten sie auf die romantisch beleuchtete Terrasse. Nach drei Monaten im Dschungel wusste er die kühle Luft des Novemberabends in Manhattan zu schätzen. Auch die Aussicht auf das hell erleuchtete Manhattan war atemberaubend schön, obwohl die Stadt für Roarks Geschmack die meiste Zeit zu zahm war. „Was können wir für Sie tun?“, fragte er, sobald die Tür hinter ihnen verschlossen war.

„Es geht um eine gestohlene Goldherz-Statue aus Raya“, erklärte Todd. „Uns liegt ein Bericht von Prinz Mallik Khouri vor, der behauptet, dass ein maskierter Mann mit Mr Blacks Körperbau das Kunstobjekt aus seinen Räumen im Königspalast entwendet hat.“

„Sie denken doch nicht wirklich, dass Roark die Statue gestohlen hat“, protestierte Ann, doch Roark wusste, sie überraschte es nicht im Geringsten, dass man ihn des Diebstahls bezichtigte.

„Wir sind darüber informiert worden, dass er sich zur fraglichen Zeit in Dubai aufgehalten hat“, erwiderte Agentin Matthews. „Für einen Mann mit seinen Talenten wäre es sicher nicht schwer, nach Rayas zu gelangen, in den Palast einzudringen und die Statue zu stehlen.“

„Selbstverständlich“, sagte Roark ironisch, doch Anns grimmiger Blick ermahnte ihn, ihr das Reden zu überlassen.

„Das würde er nie tun“, erklärte sie.

„Ich könnte auch tausend andere illegale Dinge tun“, fuhr Roark unbeirrt zu sprechen fort und starrte Matthews herausfordernd an. „Aber ich tue sie nicht.“

„Verzeihen Sie bitte, wenn uns Ihr Wort nicht genügt“, mischte Special Agent Todd sich ein.

„Es gibt keine Beweis dafür, dass Roark in die Sache verwickelt ist.“ Ann schien entschlossen, ihn weiterhin in Schutz zu nehmen, was er ihr hoch anrechnete.

„Es hat ein Handgemenge gegeben, und der Dieb hat versehentlich dabei geflucht“, entgegnete Matthews und sah Roark unverwandt in die Augen. „Der Prinz behauptet, Ihre Stimme erkannt zu haben, Mr Black.“

„Wir sind uns bisher nur einmal begegnet, und das ist vor Jahren in Dubai gewesen. Ich bezweifle, dass er meine Stimme wiedererkennen kann.“

Doch Roark ahnte, dass er der perfekte Sündenbock war. Außerdem hatte Mallik einen weiteren Grund anzunehmen, dass Roark in den Palast einbrechen wollte. „Warum erfahren wir eigentlich jetzt erst von dem Verbrechen?“

„Weil es Mallik zunächst peinlich gewesen ist, seinem Neffen, dem Kronprinzen, zu gestehen, dass es ihm nicht gelungen ist, den Dieb aufzuhalten“, sagte Matthews. „Aber er ist fest davon überzeugt, dass Sie es gewesen sind.“

„Er irrt sich aber“, widersprach Roark heftig.

Beschwichtigend legte Ann eine Hand auf seinen Arm. „Ich bin Prinz Mallik bereits begegnet. Er scheint ein ehrlicher und liebenswürdiger Mann zu sein. Aber vielleicht hat er im Eifer des Gefechts nur versehentlich geglaubt, Roarks Stimme wiederzuerkennen. Hatten Sie nicht erwähnt, der Dieb habe eine Maske getragen?“ Ann wartete die Antwort nicht ab. „Vielleicht hat der Stoff seine Stimme verfälscht.“

Roark gelang es nur schwer, seine Wut zu zügeln. „Haben Sie auch schon Dalton Rothschild wegen des Diebstahls befragt?“ Der Boss des rivalisierenden Auktionshauses war für Waverlys schon seit Jahren ein Stachel im Fleisch. „Er hat noch ein Hühnchen mit Waverlys zu rupfen. Ich würde ihm durchaus zutrauen, dass er jemanden mit dem Diebstahl der Statue beauftragt hat und den Verdacht auf mich zu lenken versucht.“

„Dalton Rothschild teilt aber nicht Ihre Vorliebe für kontroverse Methoden, wenn es darum geht, wertvolle Artefakte zu beschaffen, Mr Black“, widersprach Agentin Matthews. „Daher haben wir keine Veranlassung gesehen, ihn in dieser Angelegenheit zu befragen.“

Natürlich nicht. Es würde Roark nicht wundern, wenn der schmierige Rothschild das Interesse des FBI auf Waverlys gelenkt hatte.

Während Ann die Agenten wieder hinausbegleitete, blieb Roark auf der Terrasse stehen, um sich in der kühlen Luft wieder abzuregen. Durch das große Bogenfenster sah er nach innen und suchte unter den Partygästen nach Elizabeth Minerva. Unauffällig bewegte sie sich zwischen den anderen Menschen, das blonde Haar zu einem Knoten im Nacken zusammengesteckt, die sündige Figur verhüllt von einem schlichten schwarzen Kleid mit langen Ärmeln.

Seine Wut verwandelte sich innerhalb von Sekunden in wilde Begierde. Seitdem er sie vor einer Stunde das erste Mal gesehen hatte, war er fasziniert von ihr gewesen. Dabei entsprachen zierliche, kurvenreiche Blondinen eigentlich gar nicht seinem Beuteschema. Normalerweise bevorzugte er große dunkelhaarige Frauen mit braunen Augen und exotischem Teint. Wenn es um Antiquitäten und das andere Geschlecht ging, war Roark ein äußerst leidenschaftlicher Mann.

Seine ungehemmte Leidenschaft wäre vielleicht zu heftig für so eine zierliche und anmutige Person wie Elizabeth.

„Roark, wohin starrst du?“

Von ihm unbemerkt war Ann auf die Terrasse zurückgekehrt, und er ärgerte sich über seine Unaufmerksamkeit, die ihn bei einer anderen Gelegenheit leicht das Leben hätte kosten können.

„Wie komme ich an deine Partyplanerin heran?“, fragte er.

„Meine Assistentin hat alles abgewickelt“, erwiderte sie überrascht. „Ich kann sie bitten, dir ihre Kontaktdaten zu mailen.“

„Großartig. In ein paar Wochen haben wir nämlich einen Grund zum Feiern.“

„Du meinst wegen der Goldherz-Statue?“ Unruhig schritt Ann auf und ab. „Und du bist sicher, dass es sich bei der, die du von diesem Scheich gekauft hast, nicht um die aus Rayas handelt?“

„Willst du damit andeuten, ich hätte sie gestohlen?“ Langsam war er es leid, dass sie ihm nach all den Jahren immer noch nicht vertraute.

„Natürlich nicht“, erwiderte sie beschwichtigend. „Aber bist du sicher, dass die Statue auch aus einer legalen Quelle stammt?“

„Vollkommen.“ Er berührte ihren Arm. „Du kannst mir vertrauen.“

Etwas von ihrer Anspannung schien sich aufzulösen. „Ich weiß, aber wir müssen jetzt noch vorsichtiger sein, da man uns des Diebstahls beschuldigt.“

Vorsicht war nicht unbedingt Roarks Stärke.

„Du musst mir unbedingt die Statue bringen“, sagte sie. „Wir können die Sache am schnellsten aufklären, wenn ich sie nach Rayas bringe und mir vom Scheich bestätigen lasse, dass es nicht die gestohlene aus dem Palast ist.“

„Das ist sie auch nicht.“

„Aber weder das FBI noch der Prinz Raif geben viel auf dein Wort“, erwiderte Ann ernst. „Du bist drei Monate fort gewesen, Roark. Waverlys steckt in ernsten Schwierigkeiten.“

Er mochte zwar in der Wildnis gewesen sein, das hieß aber nicht, dass er nicht auf dem Laufenden war. Selbstverständlich wusste er von dem Skandal, der Waverlys erschüttert hatte und in den Ann Richardson verwickelt war. Sein Halbbruder Vance Waverly war fest davon überzeugt, dass Ann niemals eine Affäre mit Dalton Rothschild gehabt hatte, weswegen die Gerüchte völlig aus der Luft gegriffen waren, dass es zwischen den beiden Auktionshäusern zu Preisabsprachen gekommen war. Zwar vertraute Roark der Überzeugung seines Bruders, dass Ann in keinerlei illegale Geschäfte verwickelt war. Doch die geplante feindliche Übernahme von Waverlys durch Rothschild betrachtete er keineswegs als Produkt der Gerüchteküche. Außerdem war er auch nicht sicher, ob Ann in Dalton verliebt war. Was wiederum bedeutete, dass er nicht wusste, inwiefern er Ann trauen konnte.

„Es ist wichtig, dass die Sache mit der Statue möglichst schnell geklärt wird“, sagte Ann.

„Das sehe ich auch so, allerdings ist es problematisch, die Statue schnell hierherzubekommen.“

„Was meinst du damit?“

„Dass wir einen erhöhten Sicherheitsaufwand benötigen, da wir zurzeit im Fokus der Öffentlichkeit stehen – und Rothschild offenbar darauf aus ist, uns Probleme zu bereiten.“

„Schaff sie so schnell wie möglich her. Ansonsten ist es vielleicht zu spät, Waverlys zu retten.“

Nachdenklich begleitete er Ann nach drinnen, als er sich plötzlich beobachtet fühlte. Als er aufsah, bemerkte er den aufmerksamen Blick von George Cromwell, einflussreiches Vorstandsmitglied von Waverlys. Etwas in dem Ausdruck des anderen Mannes erweckte seine Neugier, also nahm er sich ein Glas Champagner vom Tablett einer vorbeigehenden Kellnerin und ging zu dem Mann hinüber, um ihm die Hand zu schütteln.

„Nette Sammlung, die Sie da sichergestellt haben“, meinte Cromwell. „Ich hatte ja keine Ahnung, dass Tyler so ein Weinkenner war.“

„Er war ein Mann mit vielen Geheimnissen.“

Cromwell hob sein Glas. „Dann lassen Sie uns hoffen, dass er die meisten davon mit ins Grab genommen hat.“

Obwohl Roark freundlich lächelte, war er innerlich aufgewühlt. Hatte er etwa Gefahr gewittert, wo gar keine war, und irrtümlich etwas in das Verhalten des Mannes hineingedeutet?

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