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Verheiratet mit einem Milliardär

1. Kapitel

 

"Möchtest du mir nicht noch deine Wohnung zeigen?"

Matt Watkins, sympathisch, gut aussehend und geschieden, lebte noch nicht lange in Lead, einer kleinen Stadt in South Dakota. Erst kürzlich hatte er die Leitung einer beliebten und viel besuchten Raststätte übernommen.

Es war das erste Date mit ihm und auch das letzte, dessen war sich Terri Jeppson sicher. Sie spürte genau, dass Matt nach einer neuen Ehefrau suchte, und daher war es besser, seine Hoffnungen von vornherein im Keim zu ersticken.

"Es tut mir Leid, Matt, aber ich muss morgen sehr früh aufstehen und …"

"Du hat deinen Ex immer noch nicht vergessen", unterbrach er sie, eher verletzt als ärgerlich.

Es lag ihr schon auf der Zunge, ihm die Wahrheit zu sagen, ihre Liebe zu Richard war nämlich längst erloschen. Gleich zu Anfang ihrer sechsjährigen Ehe hatte Terri begriffen, dass sie einen Fehler begangen hatte. Es wäre jedoch äußerst unklug gewesen, Matt dies jetzt zu gestehen.

"Mag sein", antwortete sie daher ausweichend. "Vielleicht musste ich erst mit dir ausgehen, um das zu erkennen." Das war eine Notlüge, mit der sie leben konnte. "Bitte verzeih mir, falls ich falsche Hoffnungen in dir geweckt habe. Es war ein sehr schöner Abend, und ich möchte mich noch einmal für die Einladung ins Kino und das Essen bedanken."

Matt betrachtete sie nachdenklich. "Wenn dein Herz endgültig frei ist, lass es mich bitte wissen."

Terri nickte, schloss die Wohnungstür hinter sich und atmete befreit auf. Endlich war sie wieder allein! Sie ging in die Küche, um den Anrufbeantworter abzuhören, so wie sie es immer tat, wenn sie nach Hause kam.

Da sie stellvertretende Leiterin der örtlichen Handelskammer war, wurden nach Dienstschluss die Gespräche auf ihren Privatapparat umgeleitet. Und jetzt im Juli gab es besonders viel zu tun. Die Urlauber kamen in Scharen, wollten den Mount Rushmore besteigen und suchten nach Ferienquartieren in der Umgebung.

Während sie darauf wartete, welche Probleme in ihrer Abwesenheit aufgetaucht waren, blätterte sie ihre Post durch.

Der erste Anruf kam von ihrer Mutter, der zweite von ihrer Schwester Beth, die mit ihrem Ehemann Tom ebenfalls in Lead wohnte. Unglücklicherweise hatte Beth von der Verabredung mit Matt erfahren und war entsprechend neugierig. Der Familie konnte es gar nicht schnell genug gehen, dass Terri endlich wieder einen Partner fand, der ihrer "würdig" war. Doch Matt Watkins war leider nicht dieser Mann, und sie würde Beth enttäuschen müssen.

Die nächste Nachricht schien geschäftlicher Art zu sein. "Mrs. Jeppson?" erklang eine Frauenstimme.

Terri warf die Reklame in den Papierkorb und hörte zu.

"Ich bin Martha Shaw, die Sekretärin von Creighton Herrick, und rufe aus der Hauptverwaltung der Herrick Corporation in Houston, Texas, an. Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass Ihr Mann Richard einen Arbeitsunfall hatte und Ihr Kommen dringend erforderlich ist. Wir haben ein Notfallvisum für Sie beantragt und hoffen, dass Sie sofort reisen können."

Ein Notfallvisum?

"Da es sich nicht um ein Dschungelgebiet handelt, sind keinerlei Impfungen erforderlich. Die Firma übernimmt die Kosten für Reise und Unterbringung. Bitte rufen Sie mich umgehend unter der folgenden Nummer an, damit ich den Flug und das Hotel für Sie buchen kann …"

Terri war fassungslos.

Richard und sie hatten sich vor achtzehn Monaten getrennt und waren seit einem Jahr offiziell geschieden. Das letzte Mal hatte sie Richard beim Scheidungstermin gesehen und war davon ausgegangen, nie wieder etwas mit ihm zu tun zu haben.

Warum hatte er bloß in seinen Arbeitspapieren angegeben, verheiratet zu sein? Sie wusste ganz genau, wie viel ihm daran gelegen hatte, endlich frei und niemandem mehr Rechenschaft schuldig zu sein.

Und warum arbeitete er nicht mehr in den USA? Verdiente ein Glaser im Ausland mehr Geld?

Die Zusammenhänge blieben ihr ein Rätsel, doch Richards Zustand schien ernst zu sein, sonst hätte sein Arbeitgeber ihr nicht ein so großzügiges Angebot unterbreitet. Sie spielte die Nachricht noch einmal ab, notierte sich die Nummer und rief zurück – sie brauchte es nur zwei Mal klingeln zu lassen, und schon hatte sie Martha Shaw am Apparat.

"Leider kann ich Ihnen auch nicht genau sagen, wie es Ihrem Mann geht", erklärte sie Terri. "Er hatte einen Unfall, das ist alles, was wir aus unserer Niederlassung in Ecuador erfahren haben."

Ecuador?

"Die Mitarbeiterin konnte mir keine Einzelheiten nennen, weil sie die Information auch nicht aus erster Hand hatte – unser Büro dort befindet sich nämlich in der Stadt Guayaquil, und die Baustelle liegt weit außerhalb.

Wenn Sie in Guayaquil ankommen, rufen Sie bitte sofort in unserem dortigen Büro an, die Nummer gebe ich Ihnen gleich. Bis dahin wird man die Details kennen und Ihnen auf alle Fälle sagen können, in welches Krankenhaus Ihr Mann gebracht wurde. Ich kann Ihnen nur empfehlen, so schnell wie möglich zu fliegen."

Terri klärte mit Martha Shaw den genauen Reiseplan ab und rief dann ihren Chef Ray Gladstone an, um Urlaub zu nehmen. Ray zeigte sich äußerst verständnisvoll, versprach dann, ihre Aufgaben bis auf weiteres mit zu erledigen, und wünschte ihr eine gute Reise.

Selbst ihre Mutter reagierte positiv. Das Mitleid für ihren ehemaligen Schwiegersohn, der allein und verletzt in einem ausländischen Krankenhaus lag, war stärker als die Vorbehalte, die sie gegen ihn hatte. Sie versprach Terri, sich gemeinsam mit Beth um die Wohnung zu kümmern.

Sofort packte Terri ihren Koffer. Das Telefonat mit Martha Shaw hatte ihr Leben auf einen Schlag umgekrempelt. War sie eben noch überzeugt gewesen, Richard gehöre ein für alle Mal der Vergangenheit an, war sie jetzt auf dem Weg zu ihm. Die Nächstenliebe erforderte es, da war sie derselben Meinung wie ihre Mutter.

Schließlich hatte Terri Richard einmal geliebt, auch wenn es schon lange her war. Richard war in Spearfish bei seinem Onkel und seiner Tante aufgewachsen, die dort eine Glaserei besaßen, und hatte auch bei ihnen gelernt. Nach dem Tod der beiden hatte er einen Job in Lead angenommen, wo er Terri kennen gelernt und sofort geheiratet hatte.

Die Schattenseiten seines Charakters hatte Terri erst nach der Hochzeit entdeckt … Richard war unstet und wechselte nicht nur häufig die Firma, sondern zog auch von einem Bundesstaat in den anderen. Stets war er auf der Jagd nach einem besseren Job und noch mehr Geld.

Schon bald vermutete Terri, dass es außer ihr noch andere Frauen in Richards Leben gab. Auf alle Fälle hatte er Alkoholprobleme, was er ihr jedoch zu verheimlichen suchte, wenn er zwischen zwei Jobs einmal nach Hause kam.

Von dem optimistischen Zweiundzwanzigjährigen mit den lachenden blauen Augen, in den sie sich damals verliebt hatte, war nicht mehr viel übrig geblieben. Wie sich herausstellte, besaß Richard mehr Charme als Charakter.

Seine Unfähigkeit, in seinem Beruf Fuß zu fassen, und die damit verbundenen langen Phasen der Trennung waren eine schwere Belastung für die Ehe. Zwei Fehlgeburten und seine Weigerung, Terri hinterher zur Seite zu stehen und sie zu trösten, führten dann zum endgültigen Bruch.

Doch das alles spielte im Moment keine Rolle. Richard, der keine Angehörigen mehr hatte, lag verletzt und allein im Ausland im Krankenhaus und brauchte Zuspruch.

 

Achtzehn Stunden später landete Terri in Guayaquil, einer Stadt mit knapp zwei Millionen Einwohnern. Als Terri das Flugzeug verließ, war sie überrascht. Das Klima war angenehm trocken und überhaupt nicht so schwül oder feucht, wie sie befürchtet hatte.

In ihrem Hotelzimmer angekommen, rief Terri die Nummer an, die Martha Shaw ihr gegeben hatte, erfuhr jedoch nichts Näheres, sondern lediglich den Namen des Krankenhauses, in das man Richard eingeliefert hatte.

In aller Eile duschte sie, zog sich um und tauschte an der Rezeption etwas Geld ein. Dann stieg sie in eines der Taxis, die vor dem Hotel warteten, und ließ sich zum Hospital San Lorenzo bringen.

Selbst sie, die New York und Los Angeles kannte, fand die Verkehrsverhältnisse unbeschreiblich chaotisch. Froh, unbeschadet das Krankenhaus erreicht zu haben, suchte sie nach der betreffenden Station. Dr. Dominguez begrüßte sie und betrachtete sie interessiert.

"Ihr Gatte wird sich über Ihren Besuch außerordentlich freuen." Er sprach Englisch, wenn auch mit sehr starkem Akzent. "Von dem Fischer, der ihn vor drei Tagen zu uns in die Ambulanz brachte, wissen wir, dass er immer wieder Ihren Namen rief, bevor er das Bewusstsein verlor. Wir hätten Sie schon viel früher benachrichtigt, doch da Ihr Gatte keinerlei Papiere bei sich trug, dauerte es eine Weile, bis wir ihn mit der Herrick Corporation in Zusammenhang bringen konnten."

"Liegt er etwa im Koma?" Vor Schreck vergaß Terri, den Arzt darüber aufzuklären, dass sie gar nicht mehr Richards Ehefrau war.

"Nein, nein", beruhigte Dr. Dominguez sie. "Als man ihn einlieferte, war er schon wieder bei Bewusstsein. Sein größtes Problem ist seine innere Unruhe, Ihre Anwesenheit wird daher einen äußerst wohltuenden Einfluss auf ihn haben."

"Doktor, wie ernst ist sein Zustand?" fragte Terri unverblümt.

"Keinesfalls bedrohlich. Einige Platzwunden im Gesicht, die wir genäht haben, und oberflächliche Verbrennungen an den Händen, die von allein heilen werden. Auch seine Schulter, die wir ihm wieder einrenken mussten, braucht zur Heilung weiter nichts als Ruhe. Das Schlimmste ist die Speiseröhre. Das Meerwasser, das er nach dem Unfall geschluckt hat, muss stark verunreinigt gewesen sein, sonst hätte er sich nicht solche Verätzungen zugezogen."

"Das ist ja schrecklich!"

"Machen Sie sich bitte keine Sorgen! Es werden keinerlei Folgeschäden zurückbleiben, im Moment sind die Schleimhäute jedoch noch so stark geschwollen, dass er die nächsten zwei, drei Tage wohl noch nicht sprechen kann. So lange werden wir auf eine genaue Schilderung des Unfalls also noch warten müssen.

Wir haben seinen Kopf und das Gesicht nur deshalb bandagiert, damit die sterile Gaze über seinen Wunden nicht verrutschen kann. Die Stiche befinden sich im Haaransatz und direkt unter dem Kinn, entstellende Narben werden daher nicht zurückbleiben. Höchstens am Kinn könnte später eine Nachbehandlung erforderlich werden, aber das ist jetzt noch nicht abzusehen."

"Darf ich jetzt zu ihm?"

"Ja, natürlich. Wir haben das Zimmer absichtlich abgedunkelt, schalten Sie also bitte nicht die Deckenbeleuchtung ein, das würde unseren Patienten im Moment nur beunruhigen."

Terri nickte.

"Schwester Angelica wird Sie begleiten." Dr. Dominguez wandte sich an die Nonne an seiner Seite und gab ihr in einem atemberaubenden Tempo Anweisungen auf Spanisch.

Zusammen mit Schwester Angelica betrat Terri Richards Krankenzimmer – und schrie unwillkürlich auf. Was da im Bett lag, ähnelte eher einer Mumie als einem lebendigen Menschen, und Mumien waren Terri schon immer unheimlich gewesen.

Richard bewegte den Kopf in Richtung Tür, und die Nonne legte den Finger auf den Mund, um Terri zu bedeuten, den Patienten nicht aufzuregen. Beschämt nickte Terri ihr zu und trat an Richards Bett.

Er war an mehrere Infusionen angeschlossen, den rechten Arm hatte man mit einer Schlinge fixiert. Seine Hände waren dick mit Mull umwickelt, und er trug eine Atemmaske. Der Anblick verursachte Terri Beklemmungen.

"Richard?" fragte sie leise und so sanft wie möglich. "Ich bin es, Terri. Als ich von deinem Unfall erfuhr, habe ich mich sofort ins nächste Flugzeug gesetzt und bin gekommen."

Er gab einen unartikulierten Laut von sich.

"Nein, bitte sprich nicht! Der Arzt hat gesagt, je mehr Ruhe du dir gönnst, desto schneller wird deine Stimme sich wieder erholen. Ich werde mich jetzt zu dir ans Bett setzen und so lange bei dir bleiben, wie du es möchtest."

Terri zog sich einen Stuhl neben den Infusionsständer und machte es sich darauf bequem. Die Nonne nickte ihr aufmunternd zu und verließ geräuschlos das Zimmer.

Richard hatte früher Fußball gespielt, war durchtrainiert und gut einsachtzig groß – der dicke Verband ließ ihn jedoch größer und muskulöser erscheinen. Allein die unverletzte Schulter war nicht unter Bandagen verborgen. Trotz der stark gedämpften Beleuchtung fiel Terri auf, wie dunkel die Haut dort gebräunt war – Richard musste also mit freiem Oberkörper gearbeitet haben, was er früher nie getan hatte, doch vielleicht war er eitel geworden. Wieder versuchte er, etwas zu sagen, und hob mühsam die linke Hand.

Einen von Natur aus so rastlosen Menschen wie ihn musste es unendlich quälen, zu keiner Äußerung oder Bewegung fähig zu sein. Voller Mitgefühl strich sie seine Decke glatt.

"Du wirst keine Narben zurückbehalten, das hat mir der Arzt versichert. Was für ein Glück, was sollten sonst die Frauen sagen?" scherzte sie.

Unruhig bewegte er die Beine – wahrscheinlich hatte er unerträgliche Schmerzen.

Wie schrecklich, Richard unter diesen Umständen wieder treffen zu müssen! In den anderthalb Jahren, die sie nun schon von ihm getrennt lebte, war er ihr fremd geworden, und sie wusste nicht, wie sie ihm seine Situation erleichtern sollte.

"Dr. Dominguez hat mir berichtet, du hättest nach deiner Rettung meinen Namen gerufen", redete sie weiter. "Außerdem verwirrt es mich, dass du in deinen Unterlagen angegeben hast, immer noch mit mir verheiratet zu sein.

Warum eigentlich? Du warst damals über die Scheidung genauso froh wie ich. Wie dem auch sei, für mich ist es selbstverständlich, dir in dieser Situation beizustehen, und auch meine Familie lässt dich grüßen. Sie wünschen dir alle gute Besserung."

Wieder hob er den Arm. Wollte er sich mit dieser Geste für ihr Kommen bedanken? Sie wusste es nicht. Wie sollte sie ihn nur unterhalten?

"Von deinem Job in Südamerika wusste ich gar nichts – anscheinend bist du schon länger hier, sonst wärst du nicht so braun. Ich freue mich schon darauf, wenn du in einigen Tagen wieder sprechen kannst, dann wirst du mir ja alles erklären. Wenn du Freunde oder deine Partnerin benachrichtigen möchtest, werde ich dir dabei helfen, so gut ich es kann."

Erneut versuchte Richard, etwas zu sagen, und bewegte sich unruhig. Statt besänftigend zu wirken, schien ihn ihre Gegenwart nur noch mehr aufzuregen.

"Du brauchst jetzt Ruhe", sagte sie und stand auf. "Deshalb werde ich jetzt gehen und erst morgen früh wiederkommen. Aber keine Angst, ich hinterlasse gleich bei der Stationsschwester meine Telefonnummer. Ich werde außerdem mein Hotelzimmer heute nicht mehr verlassen und bin jederzeit erreichbar."

Er stöhnte lauter als zuvor, und Terri verließ ihn mit einem unguten Gefühl. Auf dem Flur kam ihr Dr. Dominguez entgegen.

"Sie wollen schon gehen?" fragte er erstaunt.

"Ja, Richard scheint meine Anwesenheit nicht gut zu bekommen. Er ist unruhig und versucht zu sprechen. Ich habe den Eindruck, er möchte mir etwas mitteilen."

"Das kann ich ihm nachempfinden – bei solch einer schönen Ehefrau. Er ist bestimmt glücklich, Sie wieder an seiner Seite zu haben, und mit seiner Genesung wird es ab jetzt steil bergauf gehen."

Sie schüttelte den Kopf. "Sie irren, Dr. Dominguez, ich bin nicht seine Frau."

Verständnislos sah er sie an.

"Wir sind vor knapp einem Jahr geschieden worden", erklärte ihm Terri. "Seitdem haben wir uns nicht mehr gesehen, ich wusste noch nicht einmal, dass Richard für Herrick in Ecuador arbeitet. Das habe ich erst erfahren, als mich die Sekretärin aus der Hauptverwaltung in Houston anrief, um mich von dem Unfall zu benachrichtigen.

Ich weiß auch nicht, warum er in seinem Personalbogen angegeben hat, er sei noch mit mir verheiratet – bestimmt wird sich alles aufklären, wenn Richard wieder sprechen kann. Hauptsache, er erleidet keinen Rückfall, denn er versucht ständig, mir etwas zu sagen, und das ist bestimmt nicht gut für seinen Hals.

Ich wohne im Ecuador Inn, Zimmer 137. Sie können mich dort jederzeit erreichen, ansonsten komme ich erst morgen früh wieder."

"Gut." Dr. Dominguez nickte und sah sie nachdenklich an.

"Bekommt er auch wirklich ausreichend Schmerzmittel, Doktor?"

"Wir geben ihm die Höchstdosis. Vielleicht bereut er ja auch die Scheidung und möchte Ihnen sagen, dass er einen Fehler gemacht hat. Das würde sowohl seine Unruhe erklären als auch die Tatsache, dass er den Fragebogen nicht wahrheitsgemäß ausgefüllt hat. Manchmal muss man einen Menschen erst verlieren, um seinen wahren Wert zu erkennen. Meinen Sie nicht, die dramatischen Umstände könnten den Anstoß zu einer Versöhnung geben?"

Terri verstand die Gedankengänge des Arztes, doch Dr. Dominguez irrte sich. Richard bereute die Scheidung nicht. Seine Behauptung, verheiratet zu sein, diente ganz anderen Zwecken. Und was sie selbst betraf, so war sie sich ihrer Gefühle völlig sicher, ihre Liebe zu Richard war längst gestorben und ließ sich nicht wieder beleben.

Sie schüttelte nachdrücklich den Kopf. "Unsere Ehe hat keine zweite Chance, Dr. Dominguez, das können Sie mir glauben. Aber ich mag Richard natürlich noch und möchte, dass er möglichst schnell wieder gesund wird."

Damit verabschiedete sie sich, ging noch ins Schwesternzimmer, um die Nummer zu hinterlassen, unter der sie im Hotel zu erreichen war, dann nahm sie ein Taxi zum Ecuador Inn.

Sie ließ sich das Dinner aufs Zimmer bringen und aß im Bett, während sie mit ihrer Mutter und Beth telefonierte, um sie über den Stand der Dinge zu informieren.

Beth fand noch eine andere Erklärung für Richards Lüge: Vielleicht waren für den Auslandseinsatz in Ecuador nur verheiratete Männer angeworben worden. Das war eine Möglichkeit, an die Terri noch nicht gedacht hatte. Auf alle Fälle würde sie am nächsten Tag das Büro der Herrick Corporation in Guayaquil aufsuchen und dort einige Fragen stellen.

Obwohl Terri von dem anstrengenden Tag erschöpft war, konnte sie nicht einschlafen. Sie schaltete den Fernseher ein und sah sich die Nachrichten an. Doch ihr Schulspanisch war nicht gut genug, um alles richtig zu verstehen, so wechselte sie den Sender und landete bei einem Spielfilm, den sie bereits in der englischen Fassung kannte.

Darüber war sie offenbar eingeschlafen, denn als sie am nächsten Morgen aufwachte, lief der Apparat immer noch. Sie bestellte sich das Frühstück aufs Zimmer, machte sich zurecht und fuhr mit dem Taxi zum Krankenhaus.

Wieder fiel ihr auf, wie angenehm das Klima in Ecuador selbst im Hochsommer war. In Atlanta dagegen, wo sie auf dem Hinflug umgestiegen war, war es heiß und drückend gewesen.

Sie prägte sich den Weg genau ein, um sich wenigstens etwas orientieren zu können. Guayaquil war eine ebenso betriebsame wie faszinierende Hafenstadt. Die vorwiegend dunkelhaarigen Frauen waren auffallend schön. Richard fühlte sich bestimmt äußerst wohl hier, schade nur, dass er diesen Unfall gehabt hatte, der ihn fast das Leben gekostet hätte.

Ob Richard, der ein leidenschaftlicher Angler war, sich zu weit auf den Ozean hinausgewagt hatte und mit dem Boot gekentert war? War er allein gewesen? Waren auch noch andere bei dem Unfall zu Schaden gekommen?

Wie gern hätte sie Klarheit gehabt! Sie musste sich jedoch in Geduld fassen, bis die Schwellungen abgeklungen waren und er wieder reden konnte.

Als sie das Krankenzimmer betrat, wechselte ein junger Arzt gerade den Verband um Richards Stirn. Er lächelte ihr freundlich zu.

"Treten Sie ruhig näher, Señora Jeppson. Ich bin Dr. Fortuna. Wir haben schon auf Sie gewartet. Wenn Ihr Gatte sprechen könnte, würde er Ihnen bestimmt sagen, wie sehr er sich über Ihr Kommen freut. Ich habe gerade die Naht an seinem Kinn kontrolliert. Sie hat sich nicht entzündet und heilt hervorragend."

Erleichtert ließ sich Terri auf einen Stuhl sinken und sah Dr. Fortuna zu, der offensichtlich noch nicht wusste, dass Richard und sie schon längst nicht mehr verheiratet waren.

Richard saß aufrecht, da das Kopfteil seines Bettes hochgestellt war, und trug keine Sauerstoffmaske mehr. Dr. Fortuna wickelte den Stirnverband ab, und einige Strähnen von Richards Haar kamen zum Vorschein – er trug es ein ganzes Stück länger als noch vor elf Monaten.

Nachdem er auch die Gazeabdeckung entfernt hatte, nickte Dr. Fortuna zufrieden. "Das sieht ja bestens aus! Die Narbe wird später so gut wie unsichtbar sein. Wenn die Wunde weiterhin so gut verheilt, werden Sie morgen schon keinen Kopfverband mehr tragen müssen."

Terri freute sich für Richard, denn die festen Bandagen mussten ihn schrecklich einengen. Wie sie ihn kannte, hätte er sie sich schon längst abgestreift, wenn er zwei gesunde Hände gehabt hätte.

"Was machen die Verbrennungen, Doktor?" erkundigte sie sich.

"Auch die heilen erstaunlich schnell. Morgen werden wir einen leichteren Verband anlegen, damit die Finger frei beweglich sind, das wird Ihrem Mann große Erleichterung bringen. Seine Atemkapazität liegt auch schon wieder bei fünfundneunzig Prozent, so dass er kein Sauerstoffgerät mehr braucht."

"Und die Schulter?"

"Sie war lediglich ausgerenkt, nicht gebrochen, also keinerlei Grund zur Besorgnis. Der Arm muss zwei, drei Wochen durch eine Schlinge ruhig gestellt werden, das ist alles. Ihr Gatte hat den Unfall nur deshalb so gut überstanden, weil er so durchtrainiert ist. Wie oft geht er denn ins Fitnessstudio?"

"Früher hat er in der Schulmannschaft Fußball gespielt, doch danach hat er nie wieder Sport getrieben", antwortete sie, denn ihres Wissens hatte Richard noch nie ein Fitnessstudio von innen gesehen.

"Dann hat er ein Geheimnis vor Ihnen gehabt, Señora. Solche Muskeln bekommt man nur durch intensives Training."

Also musste Richard seinen Lebensstil in den vergangenen anderthalb Jahren doch geändert haben! Das hätte sie ihm nicht zugetraut.

"Und seine Kehle? Ist sie immer noch stark entzündet?"

"Nein, noch einige Tage, und er wird völlig beschwerdefrei sein."

"Es tut mir Leid, wenn ich so ungeduldig klinge."

"Das ist das Vorrecht der Ehefrau."

Terri ging nicht darauf ein. "Kann ich irgendetwas tun, das ihm seine Lage erleichtert?" fragte sie stattdessen.

Dr. Fortuna hatte den Verbandswechsel beendet und stellte das Bett wieder flach. "Sie könnten ihm Füße und Waden mit dem Gel massieren, das dort drüben auf dem Tisch steht. Das entspannt die Muskeln und wirkt beruhigend. Wahrscheinlich wird er anschließend sogar schlafen können."

"Ich fange sofort damit an."

"Ausgezeichnet! Von seiner schönen Frau liebevoll umsorgt zu werden wird ihm gefallen."

In diesem Punkt täuschte Dr. Fortuna sich, doch wenn sie Richard durch eine Massage Linderung verschaffen konnte, würde sie es selbstverständlich tun.

Der Arzt verabschiedete sich, drehte sich an der Tür jedoch noch einmal um. "Morgen werden wir Ihrem Mann dabei helfen, sich das erste Mal nach seinem Unfall wieder zu duschen. Das wird sein Wohlbefinden zusätzlich steigern."

Terri nickte und bedankte sich.

"Du bist hier wirklich in den besten Händen, das muss ich schon sagen", wandte sie sich an Richard, als sie mit ihm wieder allein war. "Wahrscheinlich kannst du es kaum erwarten, die dicken Bandagen endlich loszuwerden. Um dir die Wartezeit zu verkürzen, werde ich Dr. Fortunas Rat folgen und deine Füße und Waden massieren. Ich hoffe, es ist dir angenehm."

Sie holte sich die Tube, schlug Richards Decke bis auf Kniehöhe zurück, verrieb etwas Gel in den ...

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