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Verhängnisvolle Intrige

1. KAPITEL

Samia fühlte sich wie betäubt. Gerade hatte Felix ihr offenbart, dass Gregor sie liebte. Gregor liebte sie!

„Mehr habe ich nicht dazu zu sagen“, erklärte Felix jetzt. „Den Rest müsst ihr selbst miteinander ausmachen. Ich kann nur einfach nicht zuschauen, wie ihr beide in euer Unglück rennt. Nur weil ihr es nicht schafft, miteinander zu reden.“ Er fasste sie an den Schultern und blickte sie eindringlich an. „Bitte, klärt das!“, beharrte er. Mit einem schiefen Grinsen ließ er die Hände wieder sinken. „Ich habe keine Lust, weiter Gregors Gejammer zu ertragen, nur weil ihr beide den Mund nicht aufkriegt.“

„Er liebt mich“, flüsterte Samia fassungslos. „Und hält sich zurück, weil …“

„Er liebt dich so sehr, dass du frei sein sollst, wenn du gehst“, vollendete Felix ihren Satz.

Aber so ganz schien sie noch immer nicht zu begreifen, was das alles bedeutete.

Samia hatte sich in den Park zurückgezogen.

Gregor sagte nichts, weil er sie liebte? Sie war vollkommen durcheinander. Aber wenn er sie liebte, musste er doch versuchen, sie zurückzuhalten. Alles versuchen, damit sie nicht nach Uganda fuhr … Stattdessen schwieg er einfach. Und litt lieber selbst, als dass er sie leiden sah. Behauptete zumindest Felix. Ob das wirklich stimmte? Samia seufzte. Wohl eher nicht. Schließlich hatte Gregor genügend Gelegenheiten gehabt, um ihr zu sagen, was Sache war.

Ihr Vater riss sie aus ihren Gedanken. „Der Abschied vom ‚Fürstenhof‘ scheint dir schwerzufallen“, stellte Joshua nach einem Blick ins Gesicht seiner Tochter fest. „Du siehst traurig aus. Als ob dich etwas bedrückt …“

Stumm schüttelte Samia den Kopf.

„Noch kannst du es dir anders überlegen und hierbleiben“, setzte er hinzu. „Mir würde das natürlich sehr leidtun. Ich freue mich wirklich darauf, mit dir in Uganda zu leben.“

„Ich mich auch“, entgegnete sie und straffte die Schultern.

„Du bist sicher, dass es die richtige Entscheidung ist?“

Diesmal gelang es ihr, entschlossen zu nicken.

„Ich möchte nämlich nicht, dass du nur meinetwegen mitkommst. Es muss dein eigener, freier Entschluss sein.“

„Das ist es. Ganz bestimmt.“ Ihre Stimme klang fest.

Und über Joshuas Gesicht ging ein Strahlen.

Fiona und André waren in heller Aufregung. Der Chefkoch hatte sich endlich erinnert, woher er Hans Blankenfels – Charlottes neuen Lebensgefährten, mit dem sie im „Fürstenhof“ aufgetaucht war – kannte: Er hatte vor Jahren in Halle zum Schein eine gemeinnützige Stiftung für arbeitslose Jugendliche gegründet und war dann mit den Spendengeldern abgehauen! Damals hatte er häufig bei André im Restaurant gegessen. Allerdings hatte er da noch seinen richtigen Namen benutzt – Bernhard Meyer.

„Es gehört schon eine gewisse Kaltschnäuzigkeit dazu, sich wieder in Deutschland blicken zu lassen“, sagte Fiona. „Meyer muss doch wissen, dass er noch immer auf der Fahndungsliste steht. Nachdem er Gelder in Millionenhöhe unterschlagen hat.“

„Anscheinend hat er gute Nerven.“ André lachte leise. „Aber unsere sind besser. Die Anteile meiner Schwägerin gehören uns. Wir werden nicht zuschauen, wie sie sie einem Betrüger in den Rachen wirft.“

Fiona stimmte ihm zu.

„Du kennst doch einen Haufen Journalisten, oder?“, fuhr er fort.

„Ja, aber die schreiben über Golf …“

„Macht nichts. Hauptsache, sie haben Zugang zu Archiven, an die man nicht einfach übers Internet kommt.“

Sie verstand sofort. Archive, in denen Material über Meyer gespeichert war.

„Wir brauchen Fotos, mit denen wir nachweisen können, dass Blankenfels und Meyer ein und dieselbe Person sind“, erklärte André. „Das dürfte eigentlich kein Problem sein. Er hat sich bei der Stiftungsgründung ordentlich feiern lassen. Mit jeder Menge lokaler Politprominenz. Das stand lang und breit in der Zeitung.“

„Ich habe auch noch einen Kontakt zur Staatsanwaltschaft, über den ich unauffällig Informationen beziehen könnte“, meinte sie. „Damit wir wissen, wie der Stand der Ermittlungen ist.“

„Ausgezeichnet. Ich kümmere mich jetzt mal um meine Schwägerin. Es ist sicher nicht falsch, mein Verhältnis zu ihr etwas zu pflegen.“

Fiona nickte, doch sie wirkte wenig begeistert.

„Sie kann mir sicher einiges über ihren Liebhaber erzählen“, vermutete er. „Und vielleicht ist es auch gut, ihr ein wenig Skepsis einzuimpfen. Damit sie keine übereilten Entschlüsse fasst.“

„Du hast dich überhaupt nicht verändert.“

Charlotte wandte sich überrascht um, als sie die Stimme vernahm. Sie brauchte einen Moment, bis sie ihren Schwager erkannte. Doch dann erstrahlte ein Lächeln auf ihrem Gesicht. „André!“, rief sie. „Ich habe schon gehört, dass du hier bist …“

„Aber du konntest es nicht glauben.“ Lächelnd sah er sie an.

Sie nickte.

„Es war ja auch kaum zu erwarten, dass ich mal für meinen großen Bruder arbeiten würde …“

„Allerdings. Als ihr nach der Wende versucht habt, euch auszusprechen, endete es in einem furchtbaren Streit.“

„Tja, und jetzt …“ André wirkte auf einmal sehr nachdenklich. „Manchmal sind sie schon seltsam, die Wege des Schicksals …“

„Vielleicht war es ja vorherbestimmt, dass wir uns hier im ‚Fürstenhof‘ treffen“, überlegte sie. „Die ganze Familie …“

„Da könnte etwas dran sein“, entgegnete er. „Von deiner wiedergefundenen Nichte hast du ja wahrscheinlich schon gehört?“

„Leonie Preisinger? Gehört ja – getroffen habe ich sie allerdings noch nicht.“

„Sie ist schon ganz gespannt auf ihre Tante“, erzählte er.

„Aber sie dachte, du bist viel zu beschäftigt, um dich mit ihr zu treffen …“

„Überhaupt nicht“, widersprach Charlotte. „Für die Familie habe ich immer Zeit.“

„Sie arbeitet bei mir in der Küche.“ André lächelte sie an. „Aber jetzt erzähl mal von dir. Wie geht es dir da unten im Süden?“

„Sehr gut“, antwortete sie und sah ihn versonnen an. „Afrika ist etwas ganz Besonderes. Ich mag mein Leben dort.“

„Aber trotzdem bist du wieder hier.“ André warf ihr einen lauernden Blick zu.

„Nur für ein paar Tage. Es gibt einiges zu regeln …“ Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht. „Wie du vermutlich mitbekommen hast, bin ich nicht allein gekommen …“

Und dann erzählte sie André alles, was er sich zu hören erhofft hatte. Wie sie Hans Blankenfels in Uganda kennengelernt hatte und was für eine Stiftung sie gemeinsam planten. Charlotte strahlte vor Begeisterung – die neue Liebe und das neue Projekt taten ihr sichtlich gut.

Kurz darauf betrat Blankenfels den Salon, wo André und Charlotte noch immer gemeinsam saßen und plauderten. Er ging zu Charlotte und begrüßte sie mit einem Kuss auf die Wange. Lächelnd stellte sie die beiden Männer einander vor.

„Wir sind uns schon begegnet“, versetzte André doppeldeutig.

„Ja, im Restaurant“, entgegnete Blankenfels.

„Und auch vorher einmal.“ André ließ ihn nicht aus den Augen.

„Ach ja?“ Blankenfels wirkte nervös. „Da müssen Sie mir auf die Sprünge helfen. Ich kann mich an Sie nämlich nicht erinnern.“

„Gern“, erwiderte André mit einem breiten Grinsen. „Vielleicht reden wir dann ein wenig über die alten Zeiten.“

„Aber nicht jetzt.“ Hans reichte Charlotte die Hand und half ihr galant hoch. „Wir wollen Charlotte ja nicht mit faden Geschichten aus unserer Vergangenheit langweilen.“ Damit verabschiedeten die beiden sich und wandten sich zum Gehen.

Und André genoss den Triumph, Hans Blankenfels so aus der Fassung gebracht zu haben.

Doch Hans Blankenfels ließ die Angelegenheit nicht einfach auf sich beruhen. Schon kurz darauf suchte er André in der Küche auf und bat ihn um ein Gespräch unter vier Augen. Der Chefkoch schickte sein Team für fünf Minuten in die Pause.

„Ich sage es nur einmal“, knurrte Blankenfels, als er mit André allein war. „Lassen Sie Ihre merkwürdigen Andeutungen. Ich kenne Sie nicht. Und Sie kennen mich nicht.“

„Ich kenne Sie sehr wohl, Herr Meyer“, versetzte André. Blankenfels wurde blass. „Unter diesem Namen haben Sie jedenfalls in Halle eine Stiftung für arbeitslose Jugendliche gegründet“, fuhr Werners Bruder fort. „Und sich dann mit dem Geld aus dem Staub gemacht.“

„Machen Sie sich nicht lächerlich.“ Blankenfels, der seine Fassung wiedererlangt hatte, schnaubte verächtlich.

„Ich bin gespannt, wie Frau Saalfeld diese Neuigkeiten über ihren Lebensgefährten aufnimmt.“ Andrés Stimme klang drohend.

Doch Hans Blankenfels gab sich unbeeindruckt. „Charlotte wird Sie auslachen“, entgegnete er selbstsicher. „Und Ihnen kein Wort glauben.“ Damit ließ er den Chefkoch stehen.

Sofort machte er sich auf den Weg zu Charlotte.

Im Gästezimmer, das sie gemeinsam mit Hans bewohnte, lag Charlotte schon im Bett. Blankenfels kam herein und zog sich erschöpft und aufgewühlt die Schuhe aus.

Als Charlotte sich nach seinem Gespräch mit André erkundigte, behauptete er, Werners Bruder hätte ihn ganz offensichtlich verwechselt. Mehr wollte er zu diesem unerfreulichen Thema erst einmal nicht sagen und hoffte, dass Charlotte sich damit zufriedengab.

Abgesehen davon gab es weitaus Wichtigeres zu besprechen – die Anteile vom „Fürstenhof“ mussten so schnell wie möglich verkauft werden! Aber Charlotte wollte nichts davon wissen. Sie wollte nach wie vor warten, bis Werner zurückkam, um ihm ihre Hotelanteile zum Kauf anzubieten.

„Manchmal habe ich das Gefühl, dein Exmann ist dir wichtiger als unsere Stiftung“, beschwerte er sich.

„Du bist doch nicht etwa eifersüchtig?“

„Wenn du mir versicherst, dass ich keinen Grund dazu habe …“

Sie lachte auf. „Grund zur Eifersucht auf Werner?“ Sie schüttelte den Kopf. „Nein, das ist vorbei.“

„Gut“, entgegnete er. „Aber trotzdem – lass uns nicht zu lange warten. Ich fühle mich hier nämlich nicht sehr wohl.“

Irritiert sah Charlotte ihn an. Warum sollte er sich im „Fürstenhof“ auf einmal nicht mehr wohlfühlen? „Was ist denn plötzlich in dich gefahren?“, wollte sie wissen.

„In mich?“, gab er gereizt zurück. „Gar nichts. Aber du bist verändert, seit du hier bist. Wir hatten gesagt, wir bleiben nur kurz im ‚Fürstenhof‘, um den Verkauf der Anteile zu regeln. Und jetzt sitzen wir ewig hier fest.“

„Du übertreibst“, fand sie.

Doch er drang weiter darauf, möglichst bald abzureisen.

Charlotte war hin- und hergerissen. Auch sie wollte mit Hans wieder so glücklich sein, wie sie es in Afrika gewesen waren. Aber unter Druck setzen lassen wollte sie sich von ihm trotzdem nicht.

An diesem Nachmittag sollte Samias Abschiedsumtrunk stattfinden. Denn schon am nächsten Tag würde sie im Flugzeug nach Uganda sitzen …

Felix hatte einen schönen Bildband über Bayern für sie besorgt. Konzentriert saß er in der Mittagspause am Tisch im Personalraum des „Fürstenhofs“ und schlug das Buch in Geschenkpapier ein. Gregor zog sich gerade um. Die beiden Freunde unterhielten sich über Samias Abschied. Und Felix spürte, dass Gregor sich vor der Verabschiedung drücken wollte.

„Sie geht nur deinetwegen“, sagte er. „Das hat sie mir selbst gesagt.“

„Ja, klar“, murmelte Gregor. „So etwas wie mit mir will sie nicht noch einmal erleben.“

„Nein.“ Felix nickte. „Aber das ist noch lange kein Grund, vor dem Umtrunk zu kneifen.“

Doch Gregor blieb stur. „Grüß sie ganz herzlich“, bat er. „Aber ich muss zu einem Patienten.“ Damit nahm er seinen Arztkoffer und verließ den Personalraum.

Und Felix konnte kaum glauben, dass sein Freund das wirklich durchziehen wollte.

Kurze Zeit später hatten sich alle Kollegen versammelt und überschütteten Samia mit rührenden Abschiedsgeschenken.

Nur einer fehlte – Gregor.

Samia war unendlich enttäuscht. Als Felix ihr erklärte, Gregor wäre zu einem Hausbesuch gerufen worden, bemühte sie sich um Tapferkeit. „Schade“, sagte sie nur. „Aber vielleicht ist es wirklich besser so.“ Und obwohl ihr nicht danach zumute war, lächelte sie.

Doch trotzdem konnte sie es nicht lassen, nach dem Umtrunk noch einmal in der Praxis vorbeizuschauen.

Tatsächlich war Gregor kurz zuvor von seinem Hausbesuch zurückgekommen. Er wirkte bedrückt und müde.

„Störe ich?“, fragte Samia.

Stumm schüttelte Gregor den Kopf.

„Ich wollte Auf Wiedersehen sagen. Nachdem du eben nicht da warst …“

„Tut mir leid“, seufzte er. „Aber du weißt ja, wie es ist …“

Die beiden schwiegen einen Augenblick.

„War es denn schön?“, wollte er schließlich wissen.

„Kurz und schmerzlos“, gab sie zur Antwort. „Viele nette Abschiedsgeschenke …“

„Ich hätte dir auch etwas kaufen sollen. Aber …“ Achselzuckend brach er ab.

„Nicht nötig“, entgegnete sie. „Ich werde dich auch so nicht vergessen.“

„Ich dich auch nicht.“

Sehnsüchtig sahen sie einander in die Augen. Doch keiner von ihnen brachte es fertig auszusprechen, was sie wirklich empfanden.

„Ich wünsche dir alles, alles Gute für Uganda“, sagte Gregor, nachdem er den Blick wieder von ihr gelöst hatte, und reichte ihr die Hand.

„Danke.“ Samia schluckte schwer. „Jetzt, kurz vor dem Abflug, frage ich mich, ob ich es richtig mache.“ Einen letzten Versuch musste sie noch unternehmen.

„Wieso denn nicht?“, wollte er wissen.

„Na ja … Ich habe mich hier gut eingelebt. Aber ich schätze, das allein ist kein Grund hierzubleiben.“

„Das allein nicht …“, erwiderte er leise.

„Was meinst du?“ Sie blickte ihn eindringlich an. „Gibt es sonst noch einen Grund, warum ich meinen Vater im Stich lassen und bleiben sollte?“

Er rang mit sich – sollte er ihr die Wahrheit über seine Gefühle sagen? Doch schließlich entschied er sich dagegen. „Du hast einen Entschluss gefasst. Und dass man noch mal zweifelt, bevor es wirklich losgeht, ist normal.“

Sie nickte enttäuscht. Ihr blieb nichts mehr, als sich von ihm zu verabschieden. „Leb wohl.“

„Halt die Ohren steif.“

Es brach ihnen beinahe das Herz, so auseinanderzugehen …

Und dann verbrachte Samia den letzten Abend bei Vera und Johann.

Johann konnte noch immer nicht begreifen, dass seine Adoptivtochter einfach so nach Afrika aufbrechen wollte. Er hätte alles dafür getan, um sie zurückzuhalten. „Ich kann dich nicht verstehen. Du hast hier doch alles: ein Heim, Familie, Arbeit …“ Fast verzweifelt blickte er sie an.

„Ich möchte tanzen“, erwiderte Samia. „Und mein Leben nicht als Masseurin verbringen.“

„Aber dazu hast du hier doch viel bessere Möglichkeiten als in Uganda“, beharrte er. „Hier gibt es Akademien, Hochschulen, was weiß ich noch alles.“

„Ich vermisse Afrika“, verteidigte sie sich. „Die Gerüche, die Natur … Das ist meine Heimat.“ Die wahren Gründe für ihre Abreise konnte sie Johann nicht erklären – so lieb sie ihn auch hatte. „Ich weiß, das kommt sehr plötzlich“, fuhr sie fort und sah ihn liebevoll an. „Besonders für dich. Doch ich bin wirklich froh, dass ich hier eine zweite Familie habe. Zu der ich jederzeit zurückkehren kann.“

„Wir sind immer für dich da“, brummte er. Etwas verlegen holte er dann sein Abschiedsgeschenk. Es war ein Engel aus Holz, den er selbst geschnitzt hatte.

„Ich wusste gar nicht, dass du an Engel und so etwas glaubst“, sagte Samia gerührt.

„Tu ich auch nicht“, entgegnete er. „Aber vielleicht funktioniert es ja trotzdem. Er soll dich jedenfalls beschützen …“

Am nächsten Morgen gab André Leonie frei, damit sie Charlotte kennenlernen konnte.

Ein bisschen mulmig war Leonie schon zumute. Nur allzu gut erinnerte sie sich an ihre ersten Begegnungen mit Werner, der sie anfangs für eine Erbschleicherin gehalten hatte.

Aber kurz darauf stellte sie fest, dass sie sich umsonst gesorgt hatte: Charlotte begegnete ihr voller Wärme und Herzlichkeit. Plaudernd spazierten die beiden durch den Park.

„Der ‚Fürstenhof‘ ist ein ganz besonderer Ort“, sagte Charlotte versonnen und blickte ihre Nichte an, die das Schicksal so unverhofft zu ihr geführt hatte. „Wo alle immer wieder zusammenkommen. Selbst die Familienmitglieder, von denen keiner etwas wusste.“

„Vielleicht ist es wirklich kein Zufall, dass ich hier gelandet bin“, entgegnete Leonie lächelnd. „Auf jeden Fall habe ich hier ein neues Leben gefunden. Ein neues Zuhause.“ Sie berichtete von ihren Schwierigkeiten am Anfang. Doch das war inzwischen längst vergessen. Zuversichtlich konnte sie in die Zukunft schauen. Neugierig erkundigte sie sich nach Charlottes Plänen.

„Ich werde in Afrika eine neue Stiftung gründen“, erklärte Charlotte. Unwillkürlich straffte sie die Schultern. „Ich bin nur hier, um mit allem abzuschließen. Für dich bedeutet der ‚Fürstenhof‘ einen Neuanfang. Für mich ist er Vergangenheit.“ Aber in Wirklichkeit fiel es ihr alles andere als leicht, das Hotel, das ihr Leben lang ihre Heimat bleiben würde, hinter sich zu lassen.

Vera klopfte noch einmal an Joshuas Tür – sie wollte sich von ihrem Exmann verabschieden.

„Mit dir habe ich nicht gerechnet“, gab er überrascht zu. „Immerhin sind wir geschieden … da ist das nicht selbstverständlich.“

„Aber trotzdem können wir miteinander umgehen wie zivilisierte Menschen“, entgegnete sie. „Wie … Freunde.“

„Ist es das, was du mir sagen willst?“ Er seufzte leise und sah sie an. „Wir können Freunde bleiben?“

„Ich weiß, das klingt schal“, erwiderte sie. „Aber ich meine es ernst.“

„Ich würde mich sehr freuen. Freunde …“ Intensiv blickte er ihr in die Augen. „Oder auch mehr.“

„Nein, mehr nicht“, widersprach sie entschlossen. „Ich gehöre zu Johann.“

Joshua nickte. Dann ergriff er ihre Hand. „Du sollst wissen: Meine Tür steht dir immer offen“, erklärte er ernst.

„Du gibst wohl nie auf, was?“ Ein kleines Lächeln umspielte ihre Mundwinkel.

„Die Hoffnung, dass du deine Liebe für mich wiederentdeckst? Niemals.“

Samia stand derweil im Roten Salon und sah sich wehmütig um.

Das war es dann also. Nie mehr würde sie hier tanzen. Nie wieder durch den Park gehen. Gregor nie wiedersehen … Morgen würde sie schon in Uganda sein und ein neues Leben anfangen. Und die Zeit im „Fürstenhof“ würde sie ganz schnell vergessen. Das versuchte sie sich zumindest einzureden.

„Hier bist du.“ Charlotte trat ein. „Ich wollte dir Auf Wiedersehen sagen.“

„Was ja hoffentlich bald sein wird.“ Samia lächelte tapfer. „In Kampala – oder wo auch immer du die Zentrale deiner Stiftung einrichten willst.“

Charlotte nickte. Forschend musterte sie Samia, die ihren Blick traurig durch den Salon schweifen ließ. „Ganz leicht scheint dir der Abschied aber nicht zu fallen“, bemerkte sie vorsichtig.

„Nein“, antwortete Samia einsilbig.

„Doktor Bergmeister bedeutet dir immer noch viel.“

Mit ihrem unfehlbaren Instinkt hatte Charlotte ins Schwarze getroffen.

Und Samia bestritt es nicht. „Es ist sinnlos“, seufzte sie. „Gregor liebt mich nicht.“

Sie ahnte nicht, wie falsch sie damit lag …

Gregor hatte die ganze Nacht kein Auge zugetan. Die Vorstellung, dass Samia tatsächlich fortgehen würde, quälte ihn, ließ ihn nicht zur Ruhe kommen. Irgendwann hatte er schließlich eingesehen, dass er ihr die Wahrheit über seine Liebe zu ihr sagen musste. Sie musste erfahren, was er für sie empfand – damit sie die richtige Entscheidung treffen konnte.

Aber als er am Morgen auf den Hotelvorplatz hinausgelaufen kam, war das Taxi mit Joshua und Samia gerade losgefahren. Atemlos starrte Gregor dem Wagen hinterher, der sich schnell entfernte. Was sollte er jetzt tun?

Ohne noch mehr Zeit zu verlieren, fasste er sich einen Entschluss …

Ein Auto überholte den Wagen, in dem Samia und ihr Vater saßen, bremste mit quietschenden Reifen ab und kam quer vor dem Taxi zum Stehen. Der Taxifahrer hupte und schimpfte empört. Aber ihm blieb nichts anderes übrig, als anzuhalten.

Die Wagentür ging auf, und Gregor sprang heraus. Er rannte zum Taxi, riss die hintere Tür auf und ergriff Samias Hand. „Wir müssen reden!“

Überrascht starrte Samia ihn an. Doch schließlich stieg sie wie in Trance aus.

„Samia, du musst hierbleiben!“, sagte Gregor eindringlich. „Bitte, fahr nicht nach Afrika. Ich liebe dich!“

Ein ungläubiges Strahlen erschien auf ihrem Gesicht. „Jetzt? Auf einmal?“, flüsterte sie.

„Ich konnte dich nicht gehen lassen … Ohne … ohne dir das gesagt zu haben. Ich liebe dich. Wie ich noch nie jemanden geliebt habe.“

„Und das sagst du mir jetzt?“ Sie war überwältigt und wütend zugleich. „Jetzt, da ich schon auf dem Weg nach Afrika bin?“

„Ist es zu spät?“ Angst lag in seiner Frage.

„Du bist so ein Idiot!“, hauchte sie. Dann fiel sie ihm um den Hals.

„Ja, ich bin verrückt!“, rief er und zog sie überglücklich an sich.

Joshua reichte es langsam. „Samia!“ Ungehalten stieg er aus dem Taxi. „Ihr hattet Zeit genug, euch zu verabschieden.“

Doch Samia ließ sich nicht stören und küsste Gregor voller Zärtlichkeit.

„Samia?“ Fassungslos blickte Joshua die beiden an. „Was soll das?“

„Herr Obote …“ Gregor wandte sich ihm zu. „Ich glaube, Sie werden ohne Samia fliegen müssen.“

„Kommt nicht infrage!“, versetzte Joshua.

„Papa, warte!“, ergriff Samia das Wort. „Ich erkläre dir alles.“ Sie drehte sich zu Gregor um und bat ihn, die beiden allein zu lassen und im Hotel auf sie zu warten.

Nachdem Gregor davongefahren war, fragte Joshua wütend: „Was soll der Zirkus?“

Samia atmete tief durch. „Ich bleibe hier. Ich kann nicht weg. Und ich will nicht weg. Gregor liebt mich. Und ich ihn.“

„Du willst mich allein fliegen lassen?“

„Nein. Bitte, verschiebe deinen Flug!“ Als Joshua sie nur stumm ansah, fuhr sie fort: „Wir können doch so nicht auseinandergehen. Wir müssen reden. Lass uns zu Fuß zum ‚Fürstenhof‘ zurückgehen.“

Joshua konnte nur den Kopf schütteln, so unglaublich fand er die ganze Situation. Aber seine Tochter wirkte zu allem entschlossen. Was blieb ihm übrig? Er wies den Taxifahrer an, das Gepäck zurück ins Hotel zu bringen, und machte sich mit Samia auf den Weg.

„Also?“ Ärgerlich sah er Samia an.

Und sie erzählte ihm die ganze Geschichte über ihre unglückliche Liebe zu Gregor …

„Du wolltest also nur weg von hier, weil du unglücklich verliebt warst“, stellte Joshua fest, nachdem er alles gehört hatte.

„Das stimmt so nicht“, widersprach sie. „Ich hatte wirklich mit allem abgeschlossen und wollte nach Hause fahren.“

„Und warum sitzen wir dann nicht im Flugzeug?“, wollte er wissen.

„Weil ich hierher gehöre. Zu Gregor.“

Ihr Vater sah das anders. „Du gehörst nach Afrika. Das ist deine Heimat.“

„Aber meine Liebe ist hier!“, beharrte sie. „Bitte, Papa, mach nicht wieder alles kaputt …Versuche, mich zu verstehen.“

Ihre Worte klangen so flehentlich, dass Joshua schließlich weich wurde. „Ich wünsche dir viel Glück“, sagte er seufzend.

Voller Freude umarmte Samia ihren Vater.

„Aber, wenn du bleibst, werde ich auch bleiben. Und zwar bis ich überzeugt bin, dass dieser Doktor der Richtige für dich ist.“

„Du wirst sehen, das ist er.“ Samia war sich ihrer Sache ganz sicher. „Bestimmt.“

Nachdem Samia und Joshua den „Fürstenhof“ erreicht hatten, verabschiedete sie sich von ihrem Vater. Sie wollte einen kurzen Spaziergang durch den Garten unternehmen, bevor sie sich auf die Suche nach Gregor machte. Sie brauchte jetzt einfach einen Moment für sich, um ihre Gedanken zu ordnen.

Versonnen ging sie durch die winterliche Landschaft. In Uganda war jetzt Sommer … Es war warm, alles blühte. Joshua hatte am nächsten Tag eigentlich mit ihr zum Viktoriasee fahren wollen – und jetzt war sie hier. Es war Winter, die Bäume waren kahl, nichts blühte. Ihr war kalt. Und trotzdem war sie glücklich. Gregor hatte sich für sie entschieden!

Auf einmal hörte sie jemanden ihren Namen rufen und drehte sich um. Gregor kam auf sie zugestürmt.

„Samia!“ Er zog sie in seine Arme. „Ich dachte schon, du bist doch geflogen.“

„Wie könnte ich …“

Die beiden küssten sich.

„Ich lasse dich nie wieder los“, flüsterte sie. „Gehen wir zu dir?“

„Nein, ich entführe dich.“ Gregor lächelte. In der Zwischenzeit hatte er eine Überraschung für sie vorbereitet, die er ihr nun unbedingt zeigen wollte. „Komm!“

Verliebt und glücklich zog er Samia mit sich Richtung Wald.

2. KAPITEL

Fiona hatte Post bekommen. Ein befreundeter Journalist hatte ihr einige Artikel herausgesucht, die damals über Bernhard Meyer in den Lokalzeitungen erschienen waren. Und die Fotos, die veröffentlicht worden waren, ließen keinen Zweifel daran: Hans Blankenfels war der gesuchte Betrüger! Er war zwar älter geworden, hatte einen anderen Haarschnitt – aber es handelte sich eindeutig um ein und dieselbe Person.

André rieb sich die Hände, als er die Zeitungsausschnitte sah. „Ich bin sehr gespannt, was es ihm wert ist, wenn meine Schwägerin das nie zu Gesicht bekommt.“

Sofort machte er sich auf den Weg zu Blankenfels’ Gästezimmer und klopfte an die Tür.

Verdutzt sah Hans Blankenfels ihn an, ließ ihn jedoch eintreten.

„Jetzt habe ich Beweise.“ Triumphierend legte André Kopien der Zeitungsberichte auf den Tisch. „Erkennen Sie sich wieder, Herr Meyer?“

Hans Blankenfels presste die Lippen aufeinander. „Was wollen Sie?“, fragte er schließlich heiser.

„Ich nehme an, meine Schwägerin weiß nichts über Ihre ‚menschenfreundlichen‘ Aktivitäten von damals?“

„Was wollen Sie?“, wiederholte sein Gegenüber.

„Na, was wohl?“

„Wie viel?“

André konnte kaum fassen, dass alles so einfach ging. „Ich nehme mal an, dass der Haftbefehl von damals noch läuft?“, wollte er wissen.

Blankenfels nickte. „Es war ein Fehler, nach Deutschland zurückzukommen“, seufzte er. „Ich hätte nicht gedacht, dass man sich sogar in der bayrischen Provinz an mich erinnert.“

„Wie lange haben Sie gebraucht, um meine Schwägerin von der neuen Stiftung zu überzeugen?“, bohrte André weiter.

„Es war ihre Idee.“ Blankenfels grinste. Er hatte seine Fassung inzwischen wiedergewonnen. „Sie ist eine sehr engagierte Frau, wenn es um humanitäre Hilfe geht.“

„Und sobald sie ihre Anteile am ‚Fürstenhof‘ verkauft hat, stecken Sie die Millionen ein und legen sich eine neue Identität zu“, vermutete André. „Glauben Sie denn, dass Charlotte Sie gehen lässt?“

„Das wird sie müssen“, antwortete Blankenfels kalt. „Also, wie sieht’s aus? Fifty-fifty?“

Dieses Angebot wunderte den Chefkoch nun doch. Mit so viel hatte er nicht gerechnet. „Die Hälfte von Charlottes Vermögen, damit ich schweige?“

„Das ist ein faires Angebot“, sagte Blankenfels.

„Gut.“ André grinste zufrieden.

Trotzdem war er sich bewusst, dass Hans Blankenfels alias Bernhard Meyer nicht zu trauen war.

Als er sich am Mittag mit Fiona in der Wohnung traf, erzählte er ihr, wie seine Unterhaltung mit Blankenfels gelaufen war. Aber er brachte auch seine Zweifel zum Ausdruck. „Es ging zu glatt. Er ist zu schnell eingeknickt.“

„Weil er weiß, dass er gegen deine Beweise keine Chance hat“, sagte sie. Sie selbst war allerdings ebenfalls erstaunt darüber, wie leicht die Erpressung zum Erfolg geführt hatte.

„Oder, weil er noch ein Hintertürchen offen hat“, wandte André ein. „Wahrscheinlich glaubt er, uns prellen zu können. Sobald er das Geld hat, sitzt er im Flugzeug und verschwindet ins Ausland.“

Fiona nickte. Plötzlich begann sie zu lächeln. „Dazu braucht er doch seinen Pass, nicht wahr?“

André verstand sogleich. „Kannst du den vielleicht irgendwie beschlagnahmen?“

„Diebstahl ist kriminell!“

„Das ist eine reine Sicherheitsmaßnahme“, gab er im selben Ton zurück. „Immerhin besteht akute Fluchtgefahr.“

Hans Blankenfels verstärkte zur selben Zeit auch den Druck auf Charlotte.

Er wollte sie davon überzeugen, am Telefon mit ihrem Exmann über den Verkauf der Anteile zu sprechen. Anschließend – so sein Vorschlag – könnte sie im „Fürstenhof“ bleiben, um auf Werner zu warten. Er selbst würde nach Uganda zurückfliegen, um dort schon einmal den Startschuss für das erste Stiftungsprojekt zu geben.

„Das würde dir nichts ausmachen?“, fragte Charlotte.

Er schüttelte den Kopf und gab ihr einen Kuss. „Ich will, dass unser Projekt jetzt endlich vorankommt“, behauptete er.

Und Charlotte erklärte sich schließlich tatsächlich dazu bereit, Werner anzurufen.

Werner war noch immer in Frankfurt auf der Messe. Und er fiel aus allen Wolken, als Charlotte ihn davon in Kenntnis setzte, dass sie ihre Hotelanteile veräußern wollte. Er hatte nicht das Geld, um sie auszuzahlen. Immerhin hatte er vor Kurzem erst Leonies Anteile erworben.

„Wenn du nicht kannst, muss ich die Anteile einer Bank anbieten“, sagte Charlotte zu Werners Entsetzen. „Ich brauche das Geld dringend.“

„Das kannst du nicht machen!“, entgegnete der Senior am anderen Ende der Leitung. „Der ‚Fürstenhof‘ ist ein Familienunternehmen! Warte bitte, bis ich wieder zurück bin. Wir werden eine Lösung finden, mit der wir beide leben können.“

Charlotte stimmte zu. Denn im Grunde hatte sie von Anfang an vorgehabt, die Angelegenheit in Ruhe und gemeinsam mit Werner zu regeln.

Nur Hans hatte Mühe, sich zusammenzureißen, als er erfuhr, dass er weiterhin warten musste …

Samia und Gregor hatten einen langen Spaziergang gemacht. Schließlich hatte er ihr die Augen verbunden und sie zurück ins Hotel geführt. Samia hatte keine Ahnung, was er vorhatte.

Endlich nahm er ihr die Binde von den Augen.

Sie fand sich im Roten Salon wieder, der von unzähligen Kerzen beleuchtet war. Hildegard hatte sich die größte Mühe gegeben und afrikanische Speisen auf den Tisch gezaubert. Champagner stand bereit. Gregor schaltete den CD-Player ein – leise erklang ihr Lied.

„Darf ich bitten?“, flüsterte er.

Samia schmiegte sich in seine Arme und tanzte mit ihm. Mit der Liebe ihres Lebens …

Irgendwann löste Gregor sich leicht von ihr und sah sie an. „Das Essen wird kalt …“ Die beiden hielten einander noch immer fest umschlungen. Sie konnten gar nicht genug bekommen von der Nähe des anderen.

„Ich habe totalen Hunger …“, sagte Samia leise. Doch die Köstlichkeiten auf dem Tisch würdigte sie keines Blickes. „Auf dich!“

Gregor schmunzelte.

Langsam begann Samia, sein Hemd aufzuknöpfen, bevor die beiden schließlich in leidenschaftlicher Umarmung aufs Sofa sanken.

In seiner Ungeduld hatte Hans Blankenfels die Dinge selbst in die Hand genommen.

Doch Charlotte zeigte sich wenig begeistert, als sie ihn am Abend an einer Vollmacht für den Verkauf ihrer Anteile arbeiten sah.

„Ich habe alles überprüft“, rechtfertigte Blankenfels sich nervös. „Du brauchst nur zu unterschreiben – und morgen geht die Arbeit in Uganda los.“

„Die Verträge sind schon fertig?“, fragte sie und blickte ihn überrumpelt an.

„Ich habe heute mit der Bank geredet. Sie haben den Höchstpreis sofort akzeptiert.“

„Aber ich habe doch gesagt, dass ich warten möchte, bis Werner wieder da ist“, hielt sie dagegen.

„Charlotte … Der Fall ist doch klar. Dein Exmann kann nicht zahlen, also springt die Bank ein. Du machst nichts verkehrt, wenn du gleich unterschreibst.“ Er hielt ihr den Stift entgegen.

„Tut mir leid, Hans.“ Charlotte schüttelte den Kopf. „Aber du setzt mich dermaßen unter Druck … Ich will das nicht.“ Damit verließ sie überfordert das Zimmer.

„Verdammt!“

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