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Vergangenheit und Gegenwart

Henry Wolff

Vergangenheit und Gegenwart

Aus der Reihe: Der letzte Kampf um die Welt / 1.Teil





BookRix GmbH & Co. KG
81669 München

Titel

Henry Wolff 

Vergangenheit und Gegenwart

 

aus der Reihe:

Der letzte Kampf um die Welt

 

(Erster Teil)

 

 

 

Version 1.04

 

353 Taschenbuchseiten bei 32 Zeilen

71.767 Wörter

Altersempfehlung: ab 16 Jahren

Belletristik

Genre: Fantasy, Abenteuer

Meta: Fantasy, Liebe, Verrat, Mord, Sex, Gewalt, Zwerge, Riesen, Elfen, Zauberer, Magie, Kobold, Drachen, Wolf, Werwolf, Götter, Druide, Götterdämmerung, Abenteuer, Odin, Walküre, Walhalla, Asgard, Norne, Fenriswolf, Hel, Thor, Kampf, Schwert, Nibelungen, Wikinger, Alberich, Alben, Midgard, Langschiff, Folter, Räuber, Geister, Troll, Burg, Ritter, Rüstung, Krieg, Tarnkappe, Bogen

Klappentext

Eine Liebe. Ein Mord. Ein Fehlurteil. Ein neuerlicher Mord.

Eine Reise. Eine Wiederkehr.

Krieg in der Vergangenheit. Krieg in der Gegenwart.

Liebe und Hass. Treue und Verrat.

Die neun Welten der nordischen Götter. Wenn Heimdall sein Horn bläst und die Riesen die Götterburgen erstürmen, dann gürten die Helden in Walhall ihre Schwerter.

Und es begann in Midgard.

Marcus

 „Tiefer!“, befahl Ragnar.

Drago nickte versonnen und tat wie verlangt.

„Ja, tiefer!“, kicherte Wulf und haute dem neben ihm stehenden Ingolf voll Begeisterung auf die Schulter.

Der strahlte mit leuchtenden Augen und gab den Schlag ohne große Umstände zurück.

„Noch tiefer!“, bellte Ragnar.

Und wieder folgte Drago dem Befehl. Ganz wie ein überzeugter Gefolgsmann. Oder ein besserer Diener. Oder ein vollkommener Sklave. Mit so wenig eigenem Willen, wie man es sich nur wünschen konnte.

„Oh ja, noch tiefer!“, kicherte Wulf und begann voller Freude zu tanzen.

„Viel tiefer!“, forderte Ragnar. „Hinein in den Dreck!“

„Hi, hi!“, feixte Wulf und tanzte um Ingolf herum. „Immer hinein in den Dreck, diese Sklavenschlampe!“

„Sklavenschwein, Sklavenhure“, stimmte Ingolf mit ein und begann nun seinerseits ein paar Tanzschritte zu erproben.

Während Drago drückte wie ein Mann. Und das war er. Nicht geistig. Körperlich aber allemal.

So presste Drago ganz fest und stetig zu. Drückte den schmalen Kopf des Sklaven dem Boden entgegen. Hinein in den Dreck. Hinein in Urin und Scheiße. Hinein in jene Abfälle, welche die Schweine hinterließen oder bislang verschmähten.

Ja genau, diese ganze Aktion fand in dem großen Schweinepferch statt. Welcher alle Tiere des Dorfes beherbergte. Die nun, teils gelangweilt, teils interessiert, zuschauten. Wohl in der Hoffnung, einen Nachtisch außer der Reihe zu ergattern.

Nicht zum ersten Mal. Und schätzungsweise auch nicht zum letzten Mal. Denn menschliches Fleisch stand eigentlich nicht auf dem Speiseplan. Dafür war der tägliche Spaß zu groß. Es sei denn, die Handlung mündete in einen Unfall.

Marcus, so hieß der Sklave, konnte da schon so einiges berichten. Einige Erlebnisse zum Besten geben. Die in schöner Regelmäßigkeit und relativ kurzen Abständen über ihn hereinbrachen. Immer wieder.

Er war nicht der einzige Sklave hier im Dorf. Bei Weitem nicht. Und auch nicht der Einzige, den man der grünen Insel im Westen entriss. Landsleute gab es zuhauf. In diesem Dorf, in den Nachbardörfern. In diesem ganzen verdammten kalten Land!

Die Auswahl war also groß. Daran konnte es nicht liegen. Warum also war er nur, mit einigen wenigen anderen, der Liebling dieser Menschen hier?

Nicht, dass man ihn mit Liebe im herkömmlichen Sinne bedachte. Dafür aber umso mehr mit Aufmerksamkeit. Und nicht im Guten, sondern nur im schlechten Sinne.

Marcus wurde gequält. Geistig und körperlich. Geschlagen und erniedrigt. Mit Worten und der Peitsche. Und noch so manch anderem.

Fast alle hatten sich gegen ihn verschworen. Als gäbe es ein Wettstreit der Fiesheiten.

„Friss Scheiße!“, stieß Ragnar gerade hervor.

„Oh ja, Scheiße!“, freute sich Wulf und tanzte noch wilder.

„Na, wie schmeckt das?“, wollte Drago wissen.

Und stupste Mund und Nase immer wieder schmerzhaft in die stinkende Masse. Griff nebenbei selbst herzhaft hinein. Und schmierte das Zeug in die schulterlange Mähne des Opfers. Bis die feuerrote Haarpracht sich in eine schwarzbraune Masse verwandelte.

Was Wulf und Ingolf über alle Maßen inspirierte. Schon rissen sie dem hageren Kerlchen die zerfledderten Klamotten vom Leib. Bis nur noch schneeweiße Haut zu sehen war. Die aber ebenso schnell, genau wie das Haar, mit Kot und Urin behandelt wurde.

„Dreh ihn um!“, verlangte Ragnar. Und als er Dragos fragenden Blick bemerkte: „Dreh das Stück Scheiße auf den Rücken! Ja, gut so. Reiß ihm sein widerliches Sklavenmaul auf!“

Und wieder tat Drago wie verlangt. Obwohl er dieser elenden und kraftlosen Made doch noch so gern die Nase gebrochen hätte. Wie schon einmal. Aber aufgehoben war nicht aufgeschoben.

Zudem war er voller Vorfreude. Denn er wusste, was jetzt kam. Auch dieses halbe Hemd von Sklave wusste es. Genau wie die anderen. Es war nicht das erste Mal und es kam immer wieder gut.

Eigentlich kümmerte sich Ragnar nicht um die Leibeigenen. Höchstens, wenn er Langeweile hatte. Oder aber seine Kampftechnik zu verfeinern gedachte. Etwas Training brauchte. Ach ja, natürlich auch, wenn er die Laune seiner Gefolgsleute heben wollte oder musste.

Aber mit diesem Sklaven, fast noch ein halbes Kind, hatte es eine besondere Bewandtnis. Zum einen war der wahre Name des Burschen nicht Marcus, sondern Trotz. Immer und überall.

Zum anderen stand dieser Weichling seinem Bruder Leif ziemlich nahe. Kein richtiger Bruder, um genau zu sein. Eher ein Halbruder. Oder besser noch, der Ziehsohn seiner Eltern, ein Findelkind. Behütet, geliebt, umsorgt.

Widerlicher verschissener Bastard!

Und dieses Hassobjekt kümmerte sich bei jedem Aufeinandertreffen um diesen Feuerschopf. Beschützte ihn sogar streckenweise. Warum auch immer. Vielleicht, weil Sex im Spiel war, wie manche Zungen behaupteten.

Unwichtig. Zumindest für den Moment. Wichtiger aber, dass Ragnar den Fremdling in seiner Familie hasste. Aus vollem Herzen. Dieses Findelkind! Ein Geschenk der Götter, wie seine Eltern gern behaupteten. Dieses Miststück, welches ihm etwas wegnahm. Etwas, das ihm nicht zustand!

Und so versuchte Ragnar dem Eindringling überall dort wehzutun, wo er nur konnte. Versuchte ihn zu ärgern, ihn in Misskredit zu bringen. Ihm etwas wegzunehmen, ihm etwas vorzuenthalten. Selbst von heftigen Schlägereien, bis aufs Blut, konnte das Dorf mittlerweile berichten.

Dieses Verhalten bestimmte Ragnars Tagesablauf. Aber es war nicht nur Hass. Es war auf Freude. Ein Grund dafür, warum er diesen elenden Sklaven jetzt nicht einfach umbrachte. Denn damit hätte er sich um den Spaß am nächsten Tag gebracht.

„Ich hab ihn! Du kannst seinen Durst stillen!“, griente Drago triumphierend seinen Anführer an.

Der nickte nur wie selbstverständlich. Stellte sich breitbeinig über Marcus. Nestelte an den Lederbändern seiner Hose herum. Schlug die Klappe zurück, die den Schritt verdeckte. Zerrte sein stolzes Glied heraus. Legte an, zielte und traf.

Gelber Urin gurgelte aus dem Mund des Sklaven. Der wie wild versuchte, seinen Kopf hin und her zu werfen. Bei Dragos Schraubzwingengriff allerdings ohne Erfolg. Und so schluckte Marcus schließlich das, was ihn über alle Maßen ekelte. Zwangsweise, denn ersticken war keine Alternative.

Ragnar grunzte und schüttelte den letzten Tropfen ab. Viel war es heute nicht. Morgen musste er daran denken und vorher etwas mehr trinken! Nun ja, morgen war auch noch ein Tag!

„Jetzt ihr!“, lud Ragnar seine Kameraden ein und trat beiseite.

Und noch während er seinen Hosenstall schloss, öffneten die anderen den Ihrigen. Und deckten den Sklaven mit der warmen dampfenden Flüssigkeit ein, welcher sich zu ihren Füßen wand.

„Kommt zum Schluss“, drängte Ragnar. „Ich muss los. Mein Vater hat die Krieger zur Beratung gerufen. Es geht um die Besetzung der Langschiffe. Um die Reiseroute. Mein Vater wird bald in See stechen und ich will wieder dabei sein.“

„Och, jetzt schon?“, schniefte Wulf. „Ich hätte gern noch ein wenig Spaß!“

„Natürlich, du Blödmann! Jetzt! Ihr müsst dabei sein! Ich will, dass ihr diesmal mit aufs Schiff kommt! Ich will, dass ihr während des Rates neben mir steht. Dass mein Vater euch sieht und nicht vergisst!“

„Ja, gut. Schon klar. Aber wir haben doch noch Zeit! Bevor die Alten so richtig in Fahrt kommen, wird doch noch gefressen und gesoffen. Bestimmt stundenlang. Bitte! Ich bin noch nicht fertig! Bitte! Nur noch ein kleines Weilchen! Ich komme auch nach“, bettelte Wulf.

„Du willst doch nicht etwa wieder diese Inselratte besteigen? Echt? Schon wieder?“, wunderte sich Ragnar. Und als Wolf und Drago strahlend nickten: „Ihr beide auch? Hier? Mitten in der Scheiße? Die Tiere dort hinten sind sauberer, als dieses Vieh hier! Wollt ihr etwa, dass die Schweine zusehen? Leute, ich werde nie begreifen, was ihr an vollgeschmierte Sklavenärsche findet! Wirklich nicht! Aber gut. Von mir aus. Macht nur, wenn ihr das braucht. Aber haltet euch nicht allzu lange damit auf. Spätestens mittags will ich euch in der großen Halle sehen! Sauber, gewaschen! Und du, Drago? Was ist mit dir?“

Der knurrte etwas Unverständliches in seinen Bart. Riss sich dann aber von der Szene los. Zwar hätte auch er sich nur zu gern erleichtert, aber seinen Anführer ließ er nie lange allein. Ohne diesen konnte er nicht. Wollte er nicht.

„Ich komm ja schon“, stieß Drago hervor.

Und schlich Ragnar hinterher. Der seinen Kopf unterdessen mit wichtigeren Sachen füllte. Wichtigere Dinge als ein Sklave. Wichtiger als ein Leben.

Lea

„Thoralf? Wirklich?“, stöhnte Leif und japste nach Luft. „Komm her du! Sag mir, dass dies nicht wahr ist!“

Sprach's und machte sich an die Verfolgung. Was nicht ganz so einfach war. Das Mädchen vor ihm war schnell. Und wendig.

Sogar ihr langer dicker Rock war hier im Wald nur wenig hinderlich. Und ihre Barfüßigkeit kein Nachteil. Während Leifs hohe Wildlederstiefel sich immer wieder im feuchten Morast festsaugten.

Lea dagegen schien mit Leichtigkeit über Stock und Stein zu schweben. Durch das Gestrüpp, über die Wurzeln, die Böschung hinauf.

Doch Leif war ebenso jung und kraftvoll und gab nicht so leicht auf. Auch war seine Hartnäckigkeit begründet, da er in ihrer Nähe jedes Mal reinweg verrückt wurde.

Da, Lea schlug einen Bogen. Ein Fehler! Instinktiv wählte Leif die Abkürzung und streckte die Hand aus. Ein, zwei Schritte noch, dann würde sie in seinen Armen liegen.

Doch das Schicksal lachte und warf ihm einen Ast zwischen die Beine. Noch im Fallen wagte Leif einen letzten Sprung. Bekam Lea tatsächlich doch noch an ihren Kleidern zu packen und riss sie mit zu Boden.

Die beiden fielen weich. Die Moospolster waren feucht und prall aufgepumpt. Leif schaltete schnell. Bevor Lea noch in den Zappelmodus verfiel. Schob sich, von ihren Knöcheln an, auf sie. Mit seinem ganzen Körper. Packte ihre Handgelenke und hielt sie fest.

Sein Mund suchte und fand süße Lippen. Üppig und rosig. Sehnsuchtsvoll. Verlangend.

Und so spielten sie miteinander, während das Blättergrün der Birken über ihren Köpfen mit den Schatten rang.

„Thoralf?“, fragte Leif noch einmal und ganz außer Atem.

„Ja. Warum nicht. Er ist süß. Er ist lieb. Er ist zärtlich und besitzt Ausdauer. Was man von dir noch nicht zu berichten wusste“, neckte ihn Lea und pustete Leif in die Nase.

„Na hör mal! Bislang schienen alle Mädels zufrieden. Du solltest sie mal fragen. Und es waren nicht wenige, die in meinen Armen um Gnade winselten! Kannst du glauben!“, versuchte Leif sich zu wehren.

Er meinte es nicht ernst. Ein Zwinkern verriet ihn. Aber unterm Strich hatte er recht. Die Frauenwelt hier im Dorf lag ihm zu Füßen. Ebenso die aus den Nachbardörfern. Von den Töchtern der Gaukler und fliegenden Händler ganz zu schweigen.

Und es lag nicht nur daran, dass er der Sohn des Häuptlings war. Denn zum Leidwesen anderer konnte Leif nämlich eine beneidenswerte Erscheinung sein eigen nennen. Exotisch sah er aus, lang und kraftvoll. Alles an seinem Platz und ausreichend vorhanden. Wie ein Herz es sich nur wünschen konnte.

„Ja, genau!“, feixte Lea. „Ist mir auch schon zu Ohren gekommen. Sehr viele. Aber vielleicht bist du ja auch deshalb so schnell! Ich meine beim Sex. Damit du alle schaffst.“

„Ja, ja“, knurrte Leif. „Mach dich nur lustig! Wir Männer sind nun mal so. Wir sehen euch, wir riechen euch. Dann kommt es über uns. Entzieht sich unserer Kontrolle. Unser Kopf dreht durch, unser Herz spielt verrückt. Und unser Unterleib geht eigene Wege. Und wenn wir unsere Last los sind, dann werden wir müde. Die Lust in den Armen einer Frau ist die Belohnung der Götter. Sie haben uns so gemacht. Also, worüber beschwerst du dich?“

„Blödsinn!“, kicherte Lea und saugte an seinem Kehlkopf herum. „Das redest du dir nur ein, weil es dir gerade so in den Kram passt. Du solltest mal Thoralf fragen. Der hält stundenlang durch. Sogar ganze Nächte.“

„Bist du nicht ganz richtig? Ich frage doch nicht meinen besten Freund! Was soll der von mir denken! Stundenlang? Echt? Glaub ich nicht“, pumpte sich Leif auf und knabberte an ihrem Ohrläppchen.

„Ach, wieso nicht? Nur, weil du nicht mehr als das Karnickelgehopse drauf hast, können es andere nicht besser? Und wieso nicht fragen? Ist das wieder so ein Männerding? Ja? Irgend so eine dämliche Angst, sich lächerlich zu machen? Wirklich? Nur gut, dass Mädchen schlauer sind“, schüttelte Lea den Kopf, umarmte den auf ihr liegenden Körper heftig und suchte erneut nach den Lippen.

„Blödsinn!“, versuchte Leif das leidige Thema zu beenden. „Aber sag, liebst du ihn?“

„Nein, keine Angst. Er mich übrigens auch nicht. Wir mögen uns nur. Wie Freunde. Wie Kumpel, wie Kampfgefährten. Schon von klein auf an. Und befriedigen tun wir uns nur so zum Spaß. Als Zeitvertreib, gewissermaßen.“

„Deswegen treibt ihr es miteinander? Aus Zeitvertreib?“

„Schwachsinn! Wir treiben es nicht miteinander. Was du dir wieder einredest!“

„Aber sagtest du nicht ...“

„Komm, beruhige dich. Er benutzt nur seine Lippen, seine Zunge und seine Finger. Mehr nicht.“

„Wirklich? Echt?“

„Echt!“

„Und du? Was benutzt du?“, wollte Leif ein wenig verzagt wissen.

„Ich? Na, was meinst du? Mund und Hände benutze ich. Mehr nicht. Außer, wir sind beide kurz vor dem Durchdrehen. Dann verhaken wir uns auch schon mal.“

„Oh. Na dann!“

„Was heißt das nun schon wieder?“, rätselte Lea und stülpte ihren Mund über seine Oberlippe.

„Na ja. Dann eben. Dann können wir doch endlich heiraten! Sag endlich ja und lass mich nicht mehr warten! Und hör auf, an meinem Freund herumzufummeln!“

„Warum beschwerst du dich eigentlich? Du selbst lässt doch auch nichts anbrennen. Außerdem hast du ja deinen Sklaven, der es dir besorgt. Schon viele Jahre lang, wie man hört.“

„Das war die Idee meines Vaters“, wehrte sich Leif. „Ragnar und ich sollen nämlich nicht zu früh in die Fänge böser Hexen geraten. Jedenfalls solange nicht, bis wir verheiratet sind. Was Ragnar und ich insgeheim treiben, dies darf mein Vater nie erfahren. Also ist lügen angesagt.“

„Na kommt schon, ganz so schlimm ist es ja wohl auch nicht“, kicherte Lea und massierte seinen Hintern. „Ich habe dich schon ein paar Mal erwischt, wie der rote Teufel gerade seine Hand in deiner Hose hatte. Dein Gesicht! Also, wirklich! Selbst die Götter hätten nicht seliger lächeln können.“

„Ja, schon. Der Bursche macht seine Sache ganz gut. Hat Talent. Warum auch nicht, dafür ist er ja da“, gab Leif zu. „Wenn sich nichts anderes findet, dann muss er ran. Aber es ist nicht das Gleiche wie mit dir. Nicht mal annähernd.“

„Und deinen Bruder Ragnar versorgt dieses spacke Ding auch?“

„Nein, wo denkst du hin! Ragnar platzt lieber. Oder macht es sich selber. Übrigens, viel öfter als ich. Letzte Nacht sogar dreimal. Und der Kerl glaubt tatsächlich, ich kriege nichts mit.“

„Er stöhnt wohl zu laut?“, wollte Lea wissen und schob ihre Hände Leif hinten in die Hose.

„Ja, genau! Woher weißt du das? Hast du es mit ihm auch schon getrieben?“, stöhnte Leif und begann sich ausgiebig mit Leas Busen zu beschäftigen.

Begann schon bald darauf die Bänder von ihrem Leinenhemd am Halsansatz zu entknoten. Zog anschließend das Hemd so weit auseinander, bis er Leas Köstlichkeiten ganz für sich hatte.

Was für eine Haut! So rein und so weiß! Klein waren die Brüste, aber fest. Vielleicht würden sie noch größer werden, Lea war noch jung. Und wenn nicht, Leif war es egal. Er mochte es lieber eine Nummer kleiner, etwas schlanker. Während die meisten im Dorf dagegen die Fülligkeit anhimmelten.

„Was ist denn nun? Wollen wir nicht endlich ein Paar werden?“, fragte Leif noch einmal nach, bevor seine Zunge zärtlich die halb aufgerichtete Brustwarze umkreiste.

Lea lehnte den Kopf ein wenig zu Seite. Schloss die Augen. Und genoss das sanfte Spiel.

„Ich weiß nicht“, antwortete sie nach einer kleinen Ewigkeit.

„Wieso?“, fragte Leif verwirrt nach und unterbrach sein Spiel. „Ich dachte, du magst mich. Dachte, es ist alles klar!“

„Du meinst es wirklich ernst, oder?“

„Aber ja. Ich habe dich doch schon so oft gefragt! Schon vergessen? Dachtest du, dies wäre Spaß? Ich mochte dich vom ersten Augenblick an, als ich dich sah. Ehrlich. Wir waren noch Kinder. Damals.“

„Stimmt“, erinnerte sich Lea. „Du hattest Maulsperre und ich habe dir eine runtergehauen.“

„Ja, genau. Wenn ich bloß daran denke! Wie oft du mich verdroschen hast! Ist es das? Zögerst du deshalb? Weil ein gutes Weib nicht mehr Hand an ihren Mann legt? Und du mich weiter treten, kratzen und schlagen kannst?“

„Ha! Das glaubst auch nur du! Ich würde dich schon erziehen, kannste glauben. Und wenn ich dich dazu jeden Tag verjachten müsste. Nein, das ist es nicht. Ich glaube nur nicht, dass es mit uns gut geht.“

„Verstehe ich nicht“, brummte Leif und ließ seine Zunge wieder kreisen.

„Nicht? Erstaunlich. Nun, ganz einfach. Ich glaube nicht, dass du ein Mann bist, der in Ruhe ein Haus baut und Kinder groß zieht. Du bist anders als wir. Es gibt ein paar Stimmen, die sagen, dass die Götter dich hierher geführt haben. Dass du vielleicht sogar in Asgard geboren wurdest. Andere behaupten, du bist Lokis Blendwerk. Und nur hier, um uns zu verwirren. Ach, ich weiß auch nicht.“

„Was für ein Blödsinn!“, schnaufte Leif und nahm jetzt seine Lippen zur Hilfe.

„Wirklich? Ich weiß nicht. Du denkst anders als wir. Größer, weiter. Außerdem wohnt in dir eine Unruhe nach der Fremde.“

„Na ja“, schmatzte Leif, während Leas Hände seinen Rücken heraufwanderten. „Etwas von der Welt möchte ich schon gerne sehen. Aber mehr auch nicht.“

„Wirklich? Ich weiß nicht“, zweifelte Lea und kehrte zu seinem festen kleinen Hintern zurück. „Pass auf. Ich mach dir einen Vorschlag. Dein Vater bemannt doch heute das Langschiff für die nächste Reise. Sprich mit ihm. Vielleicht nimmt er dich diesmal mit. Schau dir ein Stück von der Welt an. Und wenn du zur Ruhe kommst, dann kehre zu mir zurück. Und erst dann sollten wir weiterreden.“

„Und wenn nicht? Was, wenn ich mehr sehen möchte?“, wollte Leif wissen und versuchte sich an einem Zungenkuss.

„Ganz einfach. Dann ziehe weiter. Wohin dich deine Beine tragen. Suche nach deinem Glück. Die meisten finden es zwar nie, aber wer weiß.“

„Und bis dahin? Willst du lieber Thoralf?“

„Du bist ein großes Kind! Und ziemlich dämlich! Deinen Kumpel zieht es doch genauso in die Ferne. Wusstest du das nicht? Ihr seid doch Freunde?“

„Wir kommen also nicht zusammen?“, spann Leif den Faden weiter.

„Na ja, verwöhnen können wir uns schon ein wenig. Ich wüsste da schon etwas“, lachte Lea.

Und griff in seinen Schritt. Unter die Hose. Zog erstaunt die Wimpern nach oben.

„Was? Du bist schon gekommen?“

„Ja, klar doch. Ich komme immer, wenn wir miteinander spielen. Ich habe nicht gelogen, als ich sagte, dass du mich verrückt machst.“

„Hm, das ist unfair. Ich will auch“, stellte Lea fest und schubste den Blondschopf von sich herunter.

Lehnte sich gegen die große stämmige Buche und winkte Leif zu sich heran.

„Auf die Knie!“

„Was?“

„Nun mach schon! Oder soll ich nachhelfen?“, befahl Lea.

Was Leif dann auch nach kurzem Zögern tat. Mit Leas Hilfe. Denn sie packte kurzerhand seinen Kopf und zwang ihn auf die Knie. Hob anschließend ihren Rock. Packte Leif an beiden Ohren und schob seinen Kopf zwischen ihre Beine. Mund und Nase genau auf das wollige und duftende Dreieck.

„Los jetzt! Zeig, was du kannst! Ich brauche es jetzt lange und gut. Mindestens zweimal möchte ich kommen. Schaffst du das?“

Leif holte noch einmal ganz tief Luft und machte sich dann ans Werk.

Ein Bündel Schmutz

Die Gelegenheit war günstig! Fast der gesamte Stamm hatte sich im großen Langhaus des Jarls zusammengefunden. Um die Frage über die anstehende Fahrt zu entscheiden. Raubzug oder Handel? Unabhängig davon, wohin es ging.

Es war ruhig. Fast wirkte die Ansiedlung verlassen. Nur aus dem riesigen Langhaus des Jarls hörte man noch Stimmen.

Gut so. Man würde seine Abwesenheit also nicht bemerken. Und wenn doch? Egal. Die Pause außer der Reihe konnte ihm später keiner mehr nehmen. Hiebe würde es setzen, dass ja. Und nicht zu knapp. Aber was waren schon Hiebe, wenn man ohnehin nichts mehr spürte. Vorausgesetzt, man erwischte ihn.

Und dieser Lärm? Die Belange des Stammes? Die Sorgen der Menschen, mit denen er lebte? Nun, auch dies war nichts, was Egbert interessierte. Oder auch nur berührte. Nichts, was ihn überhaupt kümmerte. Als ginge ihn sein eigenes Leben und das der anderen überhaupt nichts an.

Außer, dass er in naher Zukunft noch länger und härter arbeiten musste. Dann, wenn die Männer erst weg waren.

Egbert war ein Sklave. Einer von vielen. Von den Inseln im Westen oder dem Land im Süden. Und er lebte schon lange hier. Im Land des Windes. Wo die Winter so lang waren. Und immer ein rauer Ton herrschte.

In der Nacht kamen sie. Damals. Drei Langschiffe fuhren auf den Strand in der Nähe seines Dorfes. Dann brannten Hütten und Speicher. Und noch ehe Egbert sich den Schlaf aus den Augen reiben konnte, fand er sich auf einem der Schiffe wieder. Gefesselt. Auf dem Weg in ein neues Leben.

Lang war es her. Heute wusste er nicht einmal mehr zu sagen, wer damals als Erstes von den Nordmännern geschlachtet wurde. Das Vieh oder die Alten und Überflüssigen, für die sich kein Platz mehr auf den Schiffen fand. Damals.

Langsamen Schrittes schlich sich Egbert zu der halb verfallenen Hütte, die man ihm zugewiesen hatte. Ihm und etlichen anderen. Es herrschte großes Gedränge in den wenigen Räumen. Und zuweilen stank es erbarmungswürdig. Dafür war es im Winter warm. Dringend nötig, denn durch die Ritzen pfiff der ewige Wind.

Egbert war müde. So unendlich müde. Zwar lebte sein Körper. Aber alles, was er tat, das tat Egbert mechanisch. Wohl spürte er Licht und Wärme. Und konnte die Helligkeit von der Dunkelheit unterscheiden. Aber sein Hirn schien mit einer Unmenge von Bretterwänden verbaut zu sein.

Und wenn sich seine Neuronen schon einmal aufmachten, respektable Gedanken zu bilden, dann wurde ihnen der Weg versperrt. So suchten sie sich andere Pfade. Und kamen deshalb zu spät und gänzlich gewandelt an ihr Ziel. Wenn sie sich denn nicht gleich in einer Windung verloren. So lebte er dahin wie in einer Blase, wie in Trance.

Seufzend drückte Egbert gegen die windschiefe Tür, die knarrend aufschwang. Und vernahm sofort das leise Schluchzen aus der Dunkelheit.

Egbert seufzte erneut. Marcus! Wieder einmal. Adieu, du schöne Pause! Adieu, du erholsamer Schlaf!

Egbert schlurfte zum fast erloschenen Kochfeuer. Schob einen Span in die glühenden Kohlen und wartete, bis dieser sich entzündete. Das Licht vertrieb die Dunkelheit bis auf ein paar Schatten. Zumindest für eine kurze Zeit.

Der alte Sklave setzte sich auf den wackeligen Stuhl und stützte den Kopf mit den Händen. Sah hin zu dem dreckigen Bündel Mensch. Welches in der Ecke hockte und unter den eigenen Tränen erzitterte.

Marcus sah furchtbar aus. Voller blauer Flecke, vermischt mit verkrustetem Blut. Kraftlos und stinkend.

Wieder einmal hatte der junge Bursche sein Päckchen mit in ihren Unterschlupf gebracht. Mit allem, was dazugehörte. Dabei sollte dies doch der Ort sein, an dem man der Wirklichkeit entfliehen konnte. Um neue Kraft und neuen Mut zu finden. Zumindest für einen Augenblick.

Jeder von den Sklaven trug hier sein Päckchen. Aber Marcus seins war größer. Weil der Trotz in ihm steckte. Der immer eine Gegenreaktion hervorrief. Und alles noch schlimmer machte.

Ein Grund dafür, dass dieser schmächtige rothaarige Bengel fast jeden Tag gejagt wurde. Und erniedrigt. Und vertrümmt. Und vergewaltigt.

Auf der einen Seite bewunderte Egbert jene Kraft, diesen Trotz solange aufrechtzuerhalten. Auf der anderen Seite allerdings wünschte er Marcus Dämonen an den Hals. Denn der Bursche brachte Ungemach. Leerte sein Päckchen in der Gemeinschaft. Während seins kleiner wurde, wurde das Ihrige größer.

Das Hauptproblem. Dachte der Bursche doch, ihm allein widerfahre Unrecht. Selbstverliebt, egoistisch und arrogant war der Bursche. Und dennoch mochte Egbert ihn. Wenn er es auch nicht lange in seiner Nähe aushielt.

„Ragnar?“, fragte Egbert höflich nach.

„Auch“, schniefte Marcus, ohne sein Schluchzen groß zu unterbrechen. „Wulf und Ingolf. Sie sind die Schlimmsten.“

„Ich dachte, der junge Sohn vom Jarl beschützt dich.“

„Nur wenn er in der Nähe ist. Aber meistens ist er woanders. Außerdem glaube ich nicht, dass Leif mich allzu oft bemerkt.“

„Nanu? Ich dachte, du wärest sein Liebessklave! Der berühmte, unwiderstehliche?“, hänselte Egbert nicht ganz ohne Neid.

„Selbst dann denkt er nur an andere. Meistens an diese Lea“, antwortete Marcus und schluchzte weiter.

Sein schmächtiger Körper wurde von Krämpfen geschüttelt. Dicke Tränen hinterließen tiefe Furchen in dem Gesicht, welches augenscheinlich voller Scheiße war.

Egbert schüttelte den Kopf. Wenn nur dieser Trotz nicht wäre! Diese Selbstverliebtheit! Dann würde auch der Junge ein besseres Leben haben. Nicht in Freiheit, oh nein. Aber mehr zu essen, weniger Schmerzen.

Denn nur wer es verstand, sich unsichtbar zu machen, wurde in Ruhe gelassen. Und durfte nach getaner Arbeit tun, was ihm beliebte. Außer zu fliehen, natürlich. Es war kein Leben, wie man es sich erträumte. Aber man kam unter diesen Umständen wenigstens einigermaßen zurecht.

Begriff Marcus dies nicht? Oder wollte er es nicht? Diese Antwort blieb Egbert versagt.

Egal, jedenfalls tat der Junge nichts, um sich anzupassen. Oder sich einzufügen. Geschweige denn, der Gemeinschaft seinen Wert zu beweisen. Ganz im Gegenteil.

Marcus klaute, was das Zeug hielt. Stänkerte, verbreitete Lügen. Und spielte jedem einen Streich, ob verdient oder unverdient.

Egbert fielen die Augen zu. Oh, was war er müde! Als hätte er monatelang nicht geschlafen. So rückte er den Stuhl bequemer an den Tisch. Faltete die Hände und legte den Kopf auf dieses Kissen.

Scheiß Marcus! Es würde sich ohnehin nichts ändern, ob der Stinker nun heulte oder nicht. Und es würde sich auch nichts ändern, ob er nun zuhörte oder im Regen tanzte.

Der Schlaf kam und Egbert entspannte sich. Wie konnte so etwas Selbstverständliches nur so schön sein!

Als er endlich die Augen wieder mit einem Blinzeln öffnete, sah er Marcus vor sich am Tisch. Genau so dreckig, genauso stinkend. Zum Glück hatte wenigstens das Gejammer aufgehört!

Ein weiterer Blick und Egbert richtete sich erschrocken auf. Wie ein Katapult. Es war nicht die hasserfüllte Fratze des Jungen, welche ihm Angst einjagte. Sondern das, was der Bursche tat.

„Bist du wahnsinnig! Schmeiß sofort das Messer weg! Wir dürfen keine Waffen haben! Wenn man dich erwischt, dann tötet man dich!“, hauchte der alte Sklave.

„Und dich ebenfalls!“, antwortete Marcus gefühlsarm. „Wenn du mich verrätst, dann werde ich sagen, dass du mir das Messer besorgt hast.“

Und schärfte die Klinge weiter auf dem Wetzstein. Was andere dazu dachten, war ihm ziemlich egal. Egbert begriff es, als er diesen kalten Blick und die gespannte Körperhaltung bemerkte.

„Das würdest du tun? Ich habe dir doch nichts getan!“

„Klar würde ich das tun! Du hängst mir schon lange zum Halse heraus! Deine ewigen Belehrungen! Deine ewige Besserwisserei!“

Egbert schluckte. Das war hart. Und ungerecht. Außerdem fürchtete er sich.

„Was hast du vor?“

„Na, was wohl? Stellst du immer solche dummen Fragen? Ich werde mich rächen. Das hätte ich schon längst tun sollen.“

„Und an wen?“

„Ingolf. Ragnar. Wulf oder Drago. Was weiß denn ich! Den ich zuerst erwische, der ist dran.“

„Und wann?“

„Mann, Alter! Was stellst du bloß für bescheuerte Fragen! Bist du nicht mehr ganz richtig? Heute noch. Einige von den Arschlöchern schleichen hinter Lea her.“

„Lea? Die Tochter der Kräuterfrau? Ist sie nicht gerade mit dem Jüngsten vom Jarl zusammen?“

„Und? Schau mich doch an! Glaubst du, das kümmert diese Schweinehunde?“, stieß Marcus wütend hervor. „Aber ich weiß, wo ich sie finde. Ich weiß, was sie tun. Ich weiß es immer! Ich brauche nur noch zu warten. Diese Dreckskerle sind nicht annähernd so schlau, wie sie denken!“

Die Wut ließ den hageren Körper erzittern. Und so schnitt sich Marcus in den Finger, als ihm die Klinge wegrutschte. In seinen Augen stand der Hass. Und der Irrsinn.

Egbert schauderte es. Vergessen war die Müdigkeit. Vergessen die Erschöpfung. Der Junge war außer Kontrolle. Er musste hier raus. So schnell als möglich.

Was tun? Stillhalten? Oder jemanden warnen? Den Jungen abhalten? Womöglich stürzte der sie alle ins Unglück. Was tun?

Thorsfelsen

„So, los geht's!“, rief Ragnar und reichte Leif das Holzschwert.

Die Bruchstelle am Heft hatte er geschickt mit Harz und Erde unkenntlich gemacht. Es war nicht das erste Mal, dass er zu solch einem Schwindel griff. Ragnar war zwar fast einen ganzen Kopf größer und in den Schultern weitaus breiter, aber gegen seinen schlanken und wendigen Bruder kam er trotzdem nicht an. Kraft war eben nicht alles! Und Ragnar hasste es, zu verlieren.

Und von wegen Bruder! Ein sehr eigenartiger Bruder! Urplötzlich war Leif aus dem Nichts aufgetaucht. Vor vielen Jahren. Eines Morgens lag der Balg im Bett zwischen seinen Eltern. Und die waren, wie es schien, noch nicht einmal erstaunt. Hatten irgendwas von einem göttlichen Befehl gefaselt. Was für ein Blödsinn!

Seit diesem Tag hatte sich für Ragnar und seine Geschwister so einiges verändert. Denn so nach und nach hatte sein Vater Hafnar und seine Mutter Maike immer mehr Zeit mit Leif verbracht. Diesen Scheißkerl in allem bevorzugt.

Nicht, dass diese Ratte ihr Lieblingssohn wurde, das nicht. Zumal sich Leif ohnehin nicht selbst in den Vordergrund schob. Absolut nicht. Berechnung? Taktik? Vielleicht.

Egal. Jedenfalls war es so, dass der schleimige Blondschopf fast alles besser konnte. Alles fiel ihm leichter. Der Umgang mit Waffen. Der Bestimmung der Kräuter. Landwirtschaft. Zeichnen und Rechnen. Sogar lesen konnte das unwillkommene neue Familienmitglied.

Und dieses erstaunliche Wissen bewegte den einen oder anderen dazu, den Jungspund um Rat zu fragen. Sogar jene, welche um ein Vielfaches älter waren. Und den Stamm, gemeinsam mit Hafnar als Häuptling, anführten. Selbst diese waren sich dafür nicht zu schade. Schande! Was war man selbst da noch wert?

Leif beherrschte mit seinen jungen Jahren die Waffenkunst fast schon so wie die stärksten und erfahrensten Männer des Stammes. Ragnars Vater hatte ihn zum Krieger gemacht. Seine Mutter hingegen weihte den Burschen in die Geheimnisse der Heilkunst, des Waldes und des Geistes ein. Auch ein paar Zaubersprüche wusste sie ihm zu vermitteln. Dazu war sie im Messerwerfen eine Meisterin. Und konnte dem Jungen so den einen oder anderen Kniff verraten. Am Ende blieb immer weniger Zeit für die eigenen Kinder. Schande!

Und Geschichten wusste Leif zu erzählen! Der Bursche kannte jede Menge und keine entsprach der Unwahrheit. Woher? Keiner konnte es sagen. Nicht mal der Prahlhans selber. Angeblich stammten sie aus seinen Träumen. Träume, in denen er mit Raben und Wölfen sprach. Träume, nur zu bestimmten Zeiten und an ganz besonderen Orten. Wo diese über ihn kamen und in eine Art Trance versetzten. Was für ein Schwachsinn!

So wurde das neue Familienmitglied immer wieder gebeten, die zahlreichen Feste mit Erzählungen zu schmücken. Selbst bekannte und weit gereiste Sänger saßen dann andächtig um das Feuer in der Häuptlingshalle und vergaßen ihr Trinkhorn zu leeren.

So kam es, dass Leif mittlerweile eine angesehene Stellung im Stamm einnahm. Eine, die ihm für sein Alter nicht zukam.

Zum Glück schlug Leif selten über die Stränge. Oder besser, er wurde selten erwischt. Und wenn doch, so sah man meistens über seine Schwächen hinweg. Schande!

Neuerdings kam eine innere Unruhe hinzu. Welche mehr und mehr von ihm Besitz ergriff. Oft saß er dann allein auf den Klippen über Thorsfelsen. Und träumte seine Träume. Er träumte von fernen Orten. Spannenden Abenteuern und gewaltigen Schätzen.

Und dennoch war es nicht dieses berühmt berüchtigte Fernweh, welches so gut wie jeden Menschen einmal im Laufe seines Lebens befällt. Nein, bei Leif war es anders. Er träumte nämlich immer den gleichen Traum. Einen Traum mit einem Ziel. Und er wusste sogar, wie dieses aussah. Zudem lockte dieses Ziel mit leisen wispernden Stimmen.

Leif wurde klar, dass er schon bald hinaus in die Welt gehen musste. Auf Wanderschaft gewissermaßen. Seine lieb gewonnene Heimat in Richtung Süden verlassen, einer unbekannten Zukunft entgegen.

Warum er dies tun musste und was ihn dort am Ende seiner Reise erwarteten würde, dies wusste er nicht. Aber Zweifel kamen nicht auf. So sicher, wie die Nacht und der Tag sich abwechselten. So sicher war es, dass er gehen würde.

So ist es eben, wenn eine innere Unruhe den Körper quält. Ist das Bestimmung?

Leif war keiner dieser Menschen, die versuchten, gegen ihr Schicksal anzukämpfen. Sein Lebensfaden war schon vor langer Zeit gesponnen. Er brauchte ihm nur noch zu folgen.

Der Zeitpunkt rückte immer näher. Leif wusste es und ließ dies seine Umgebung spüren. Und weil er so war, wie er war, hatte er sich einige Feinde geschaffen. Merkwürdigerweise nicht bei den Jüngeren und Älteren. Erstaunlicherweise nur bei seinen gleichaltrigen Spielgefährten, deren ungewählter Anführer er war.

„Träum nicht!“, brüllte Ragnar.

Aber Leif ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Denn wer ruhig blieb, der machte weniger Fehler! Und der Preis für Fehler war nicht gerade niedrig. Er hieß Schmerz. Blaue Flecken. Platzwunden und hin und wieder ein gebrochener Knochen gehörten dazu. Auch wenn sie nur mit Holzschwertern kämpften.

Eiserne Übungsschwerter gab es nicht. Ohnehin für die meisten unerschwinglich. Darüber hinaus waren Waffen knapp im Dorf. Und gute allemal.

Leif wog das Schwert in der Hand. Schwang es durch die Luft. Und vollführte einen Handwechsel. Irgendetwas stimmte nicht. Das Schwert hatte eine Unwucht und ließ sich deshalb schlecht führen.

„Was sich der Flachwichser wohl diesmal wieder ausgedacht hat?“, sinnierte Thoralf, der dicht neben ihm stand.

„Nenn ihn nicht so!“, schalt Leif. „Schließlich ist auch er ein Sohn Hafnars. So wie ich.“

Er drückte beruhigend den Oberarm seines Freundes und wandte sich dann seinem Gegner zu.

Ja, Thoralf könnte durchaus recht haben. Ragnars stärkste Waffen waren die List und die Tücke. Noch nie hatte der Fiesling sich ehrsam verhalten. Und die ungeschriebenen Regeln des Kampfes geachtet. Was hatte er also diesmal im Sinn?

Die beiden Kämpfer umrundeten sich lauernd. Jeder auf eine Schwäche des anderen wartend.

Es war wieder mal so weit. Der Sieger würde das Jungvolk das ganze nächste Jahr über führen. Bislang hatte Ragnar den Titel des Jungwolfes errungen. Jedes Jahr. Zwar immer mit irgendwelchen hinterlistigen Tricks, aber er hatte gewonnen. Dem Sieger stellt man keine Fragen!

Die letzten drei Jahre war Leif der Gegner. Genau wie heute.

Kämpfer im Ausscheidungsverfahren. Zwei blieben übrig. Ein Kreis. Die Mädchen und Jungen des Dorfes. Und aus der Umgebung. Dicht gedrängt, als menschlicher Zaun gewissermaßen.

Und sie alle begannen jetzt, mit ihren dicken kurzen Knüppeln, rhythmisch auf die hölzernen Übungsschilde zu schlagen. Schubsten sich gegenseitig. Brüllten und johlten. Feuerten ihren Favoriten an.

Ragnar versuchte einige Ausfälle. Er täuschte an und schlug Finten. Die Leif leise lächelnd abfing. Aber das Lächeln gefror schon bald.

Lauter krachten die schweren Schläge auf sein Schild. Trotzdem blieb er ruhig. Und wartete auf seine Gelegenheit. Die würde kommen, das sah er ganz deutlich.

Die Schlagfolge erhöhte sich. Der Atem wurde schwerer. Mancher Streich unterlief die Deckung. Traf Fleisch und Knochen. Die Haut platzte auf, Blut floss. Heftige Schläge gegen den Kopf. Gegen das Schienbein und die Kniescheibe. In einem Übungskampf unehrenhaft. Im wahren Leben aber höchst effektiv.

Die Zuschauer tobten. Scheiß auf die Ehre! Schmerz wollten sie sehen. Ein jammervolles Quieken hören. Umso mehr Blut, desto besser!

Leif biss die Zähne zusammen. Mangelnde Konzentration hieß Niederlage. Und die Frage, ob er kommende Nacht vor Schmerzen schreien würde, half ihm im Moment ohnehin nicht weiter.

Der Kampf dauerte an. Zog sich in die Länge. Ragnar schlug zu, Leif wehrte ab. Die Begeisterung der Zuschauer näherte sich dem Irrsinn. Erstes Gelächter. So manche schmähten Leif schon als Feigling. Warum nur schlug der nicht zu? Selbst Ragnar schien irritiert. Lief etwas nicht nach seiner Vorstellung?

Ragnar wurde wütend. Und somit unvorsichtig. Sein Schild hatte er schon die ganze Zeit viel zu niedrig gehalten. Und damit die Deckung entblößt. Schließlich warf er es ganz weg. So sparte er Kraft und wurde noch schneller. Hatte er den Sieg schon vor Augen?

Und schon traf er Leif an seinem Standbein. Der verlor den Halt und kippte seitlich weg. Ein heftiger Treffer! War der Knochen durch?

Stöhnend und noch im Fallen sah Leif, wie Ragnar mit beiden Armen zu einem weiteren fürchterlichen Hieb ausholte. Leif ließ sein Schild los, um den Sturz zu mildern. Mit der anderen Hand hob er das Schwert zum Schutz. Hoch über den Kopf. Um den herniedersausenden Schlag abzufangen. Doch sein Schwert hielt nicht stand.

Schwer getroffen brach es splitternd am Heft und ließ Ragnars Hieb geradewegs, wenn auch ein wenig abgeschwächt, durch. Das Holz traf Leifs Stirn und fügte ihm eine heftig blutende Platzwunde zu. Ihm wurde schwarz vor Augen und er sackte mit einem ungläubigen Seufzer nach hinten. Rührte sich nicht mehr.

Auf dem Kampfplatz herrschte Totenstille. Eine kleine Weile. Was war das? Was war geschehen? War der Hieb zu mächtig oder das Material zu schwach?

Triumphierend hob Ragnar sein Schwert. Nur jubeln wollte keiner. Anfänglich.

Während sich einige der Zuschauer um Leif kümmerten, der leise stöhnend wieder zu sich kam, hielt Thoralf den großen grauen Wolf mit allerletzter Kraft fest. Der tobte wie verrückt und fletschte grimmig seine Zähne. Die Wölfin, selbst eine große Kriegerin, gehörte zu Leif. Und war überhaupt nicht erfreut.

Mit fremder Hilfe richtete sich Leif schließlich wieder auf. Das Raubtier beruhigte sich.

Die Blutung auf Leifs Stirn färbte sein Gesicht rot. Ihm schwindelte. Immer wieder wurde der Körper schlaff und er sackte nach hinten weg.

Lea, Tochter der Dorfhexe und vor Kurzem selbst Jungwölfin geworden, begann die Wunde zu säubern. Mit einer gekrümmten Nadel und einem langen Faden nähte sie anschließend geschickt die Wundränder zu. Und strich eine Kräutermischung drauf. Bevor sie einen dicken Verband um die Verletzung wand.

Auf Leifs fragenden Blick hin antwortete sie lächelnd: „Ich habe mir schon so etwas gedacht. Steck dir mal sicherheitshalber alles ein, hab ich mir gedacht. Jungwolfkämpfe sind noch nie ohne eine Verletzung abgegangen! Außerdem: Du und Ragnar! Das konnte nicht gut gehen! Nur deine vierbeinige Hauskatze hat dir das Leben gerettet. Wieder einmal. Jede Wette! Ragnar sucht schon lange einen Grund, um dich um die Ecke zu bringen!“

„Blödsinn! Erzähl keine Märchen!“, schniefte Leif.

„Keine Märchen“, entgegnete Lea nachsichtig. „Wart`s nur ab. Wenn er eines Tages keine Angst mehr vor deinem Wolf hat, dann lauf! So schnell du kannst!“

Leif nahm dankbar ihre Hand und strahlte sie mit seinen blauen Augen unter den blutverschmierten Brauen an. Wie schon erwähnt, die beiden kannten und mochten sich schon lange. Da bedurfte es oft keiner Worte mehr.

Nach einem kurzen Moment der Dankbarkeit entwand ihr Leif wieder seine Hand. Erhob sich mit Thoralfs Hilfe und humpelte auf den unsicher und gar nicht so sieghaft aussehenden Ragnar zu.

Er nahm dessen Hand, hob diese mitsamt dem Arm in die Höhe und rief: „Ehrt den Jungwolf! Ehrt den Jungkrieger!“

Die bis dahin herrschende Stille machte einem lauten und ausgelassenen Jubel Platz. Ragnar strahlte vor Selbstzufriedenheit und Glück. Durfte der Gewinner doch, mit einigen Gefährten seiner Wahl, mit auf die nächste alljährliche Reise. Diesmal bis dicht an die Grenzen des sagenumwobenen Albenreiches. Dort, wo auch die berühmten Nibelungen wohnten. Ein Versprechen seines Vaters. Und Beschluss der Versammlung.

„Ein Fest! Jetzt gleich! Nur für den Jungbund!“, kündigte Ragnar an.

Beifälliges Nicken.

„Ich spendiere einen Hammel. Und ein paar Hühner“, ergänzte er schnell.

Applaus.

„Met und Freibier, soviel ihr wollt!“

Begeisterung pur. Lachen und Jauchzen. Schon wurde Ragnar emporgehoben und auf den Schultern davongetragen. Die ersten im Gefolge begannen zu tanzen. Während Leif ohnmächtig erneut in den Dreck stürzte.

So glücklich, wie Ragnar war, so finster blickte Thoralf drein. Noch lange, nachdem schon alle gegangen waren, stand er allein unter den alten Eichen und grollte. Schließlich hob er Leifs zerbrochenes Schwert auf und untersuchte es sorgfältig.

„Hab ich es mir doch gedacht!“, murmelte er und Hass trübte seinen Blick.

Marcus 2

 

„Mist, verdammter“, stöhnte Marcus.

Und ging flink wie eine Eidechse hinter dem nächsten Busch in Deckung.

Keine Chance! Sie waren zu zweit. Wulf und Sigurd. Ebenfalls in Deckung hinter einem Busch. Die Tochter der Kräuterfrau im Visier. Lea, Leifs neue und alte Flamme.

Was nun? Die Zwei konnten kämpfen, nicht mal schlecht. Er dagegen nicht. Er war nur oberschlau. Ansonsten ein Nichts! Keine Chance! Es sei denn, er sprang freiwillig auf die Schlachtbank.

Vor Wut schnürte es Marcus die Luft ab.

Du Vollidiot!, schalt er sich selber mit Tränen in den Augen.

Warum lief er eigentlich hier herum? Mit dem Messer in der Hand? Als ob diese schartige Klinge die beiden Fleischberge beeindrucken würde! Ganz bestimmt nicht! Spielzeug, das Teil.

Mit Dreck hatte Marcus sich unkenntlich gemacht. Haut und Haar. Einen Sack, Löcher für Kopf und Arme, übergestreift. Damit das Blut ihn später nicht verriet. Denn er hatte nur einen Kittel. Soweit gut durchdacht. Wofür?

Was also? Wieso war er hier? Was hatte sein Hass für einen Plan? Gar keinen? Na toll!

Glaubte sein Unterbewusstsein etwa, die Arschlöcher würden wie die Hühner auf der Stange hocken? Reglos? Um auf ihn zu warten? Gerade auf ihn? Und sich dann lächelnd und ohne Gegenwehr abstechen zu lassen? Ihm vielleicht noch die Hand mit dem Messer führen? Ihm helfen, dies in ihr Fleisch zu stoßen?

Trottel! Doppeltrottel!

Was hatte er sich nur dabei gedacht? Die Wahrheit? Gar nichts!

Wieder stiegen die Tränen empor. Die pure Verzweiflung. Gab es denn keine Möglichkeit, wie er sich rächen konnte? Ohne sein eigenes armseliges Leben zu gefährden?

Dabei fühlte er sich doch unsterblich. Vor Stunden noch. Als er aufbrach, um die Welt ein wenig besser zu machen. Auf dem Weg zu den Schweinepferchen abbog, in Richtung Wald. Um wenigstens mit dem Blut eines seiner Feinde den Boden zu tränken.

Wie war er stolz, als er Wulf und Ingolf folgte. Gleich nach der Zusammenkunft des Jungvolkes. Still und leise. Unerkannt. Stunde um Stunde. Sie beobachtete. Und nun dicht hinter ihnen herschlich. Fast in Reichweite. Schon konnte er ihren stinkenden Atem riechen.

Um was zu tun? Um heulend unter einem Busch zu sitzen? Was war er nur für ein Feigling! Nichts konnte er. Außer die Schweine versorgen und seinen Hintern hinhalten. Schwach und kränklich war er. Dumm dazu. Und so unendlich feige!

„Willst du nun oder willste nicht?“, hörte er da Ingolf schnaufen.

„Nun warte doch. Wenigstens ein bisschen. Ich warte nur auf eine günstige Gelegenheit“, flüsterte Wulf.

„Blödsinn!“, knurrte Ingolf. „Günstiger wird es nicht!“

„Dräng mich nicht!“, beschwerte sich Wulf. „Wir haben doch Zeit!“

„Du vielleicht, ich aber nicht. Im Dorf gibt es Freibier. Und ich spüre schon, wie die Bastarde mir alles wegsaufen!“

„Nur ein wenig noch. Bitte! Ich brauche dich“, bettelte Wulf.

„Wozu? Wozu brauchst du mich? Soll ich sie oder deinen Pimmel festhalten? So langsam glaube ich, du traust dich nicht!“

„Und ob ich mich traue!“, kam die verschnupfte Antwort. „Ich brauche eben ein bisschen, bis ich heiß werde. Außerdem sind die Umstände noch nicht optimal.“

„Schweinekacke! Du erzählst Schweinekacke! Seit Tagen! Sie ist doch ganz allein! Schon eine ganze Weile. Du traust dich nicht! Gib es nur zu. Entscheide dich jetzt, oder ...“

„Oder was?“

„Oder ich gehe.“

„Ich dachte, du bist auch scharf auf sie!“, vermutete Wulf.

„Na ja, schon. Jedenfalls ein bisschen. Aber in erster Linie geht es mir darum, Leif eins auszuwischen. Wenn ich aber jetzt zurückgehe, dann habe ich Bier und ein Mädel auf dem Schoss. Ich kann saufen, ich kann huren. Stundenlang. Außerdem läuft Lea mir nicht davon. Morgen ist auch noch ein Tag.“

„Du bist der, welcher sich nicht traut, oder?“, höhnte Wulf.

„Wenn du`s genau wissen willst, nein. Aber nicht heute, nicht jetzt. Ich habe vorhin diesen verdammten Wolf im Wald rumschleichen sehen. Wer weiß, wo das Vieh jetzt ist. Sitzt vielleicht im Gebüsch und belauert uns. Nein, ich gehe jetzt.

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