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Verführt von einem Millionär

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Michelle Celmer

Verführt von einem Millionär

Eine flüchtige Affäre? Niemals! Doch dann begegnet Ben Adams, Fernsehproduzent und Millionär, in einem Hotel der hübschen Serviererin Tess McDonald. Es knistert vor erotischer Anziehungskraft, und noch in derselben Nacht wird er seinem strengen Vorsatz untreu: Er verbringt mit Tess lustvolle Stunden in seiner Suite. Aber am nächsten Morgen erwacht er allein. Nur eine süße Erinnerung bleibt –bis Tess ihn einige Monate später überraschend aufsucht. Mit einer Neuigkeit, die Bens Leben für immer verändern wird ...

1. KAPITEL

Während ihres vierundzwanzigjährigen Lebens war Tess McDonald schon oft ins Fettnäpfchen getreten, aber diesmal hatte sie allem die Krönung aufgesetzt. Sie war fest entschlossen, nicht wie ihre Mutter zu werden, und doch beging sie die gleichen dummen Fehler wie sie. Langsam fragte sie sich, ob es ihr Schicksal war.

Oder ganz einfach Pech.

Staunend stand sie vor dem imposanten Gebäude und starrte an den Mauern aus Marmor und Granit hinauf. Das eigentümliche Haus türmte sich wie ein Schloss aus einem modernen Märchen über ihr auf, dunkel und grimmig unter dem bewölkten, finsteren Himmel – ein verwunschenes Schloss, in dem nichts war, wie es schien. Wo Ungeheuer auf der Lauer lagen, um nichts Böses ahnende Jungfrauen zu verschlingen. Und welches Märchen wäre vollständig ohne einen verbitterten, verschlossenen Prinzen, einen Einzelgänger, der durch einen bösen Fluch gequält wurde und nur durch die wahre, reine Liebe davon befreit werden konnte?

Tess hatte den Glauben an Märchen schon vor langer Zeit aufgegeben. Sie hielt sich an die Realität. Märchen gehörten nun einmal in die Welt der Fantasie. Es gab keine Prinzen, ob nun verflucht oder nicht, und keine verwunschenen Schlösser. Und das einzige Ungeheuer, das sie kannte, lebte bei ihrer Mutter in Utah.

Sie stieg die breiten Marmorstufen zur Eingangspforte hinauf, hob widerstrebend eine Hand – und zögerte.

Nun mach schon, Tess, tu es einfach, sagte sie sich und zwang sich zu klingeln. Das hohle Läuten drang durch die massive, mit verschlungenen Schnitzereien geschmückte Flügeltür, und Tess zuckte erschrocken zusammen. Es vergingen nur Sekunden, in denen sie darauf wartete, dass ihr jemand öffnete, aber sie kamen ihr vor wie Stunden. Als sie schon fast davon überzeugt war, dass niemand zu Hause war, ging die Tür doch noch auf.

Tess hatte ein Hausmädchen erwartet oder einen Butler, selbstverständlich in passender Livree, der am besten noch aussah wie Lurch, der riesige, totenblasse Butler aus der TV-Serie „Die Addams Family“. Ironischerweise hieß auch der Hausherr Adams. Zu ihrer Überraschung öffnete ihr Ben Adams persönlich, und er sah fast genauso aus wie damals, als sie sich das erste Mal trafen. Geheimnisvoll und ein bisschen unheimlich.

Sein rabenschwarzes Haar reichte ihm bis zum Kragen, und er sah sie unter schweren Lidern mit seinen faszinierenden dunkelbraunen Augen an. Alles an ihm, vom teuren schwarzen Kaschmirpullover und der maßgeschneiderten Hose bis zum feinen Duft seines Rasierwassers, machte deutlich, dass dieser Mann reich und angesehen war und es genoss.

Tess spürte wieder denselben erregenden Schauer wie damals in der Bar, als sie Ben dabei ertappt hatte, wie er sie anstarrte. Nicht dass es ihm peinlich gewesen wäre, als er es bemerkte. Dazu war er ein viel zu selbstbewusster Mann. Ihre Blicke hatten sich getroffen, und die wilde Leidenschaft in seinen dunklen, unergründlichen Augen hatte ihr Herz vor atemloser Erwartung wild schlagen lassen.

Genauso wie jetzt.

Er hatte kein Wort gesagt, sondern nur in stummer Aufforderung die Hand ausgestreckt, und sie hatte sie genommen. Er führte sie auf die Tanzfläche, und als er sie in die Arme nahm und an seinen schlanken Körper presste, schmiegte sie sich instinktiv an ihn. Und dann hatte er sie geküsst.

„Es gibt solche und solche Küsse“, hatte ihre beste Freundin immer gesagt. Nun wusste Tess, dass sie recht hatte. Einige ließen einen kalt, andere wieder nicht.

Als Ben sie küsste, hatte sie das Gefühl, als fänden sich zwei Puzzleteile, die perfekt zusammenpassten. Die Knie waren ihr weich geworden, und alles schien sich um sie zu drehen, als säße sie in einem wild kreisenden Karussell. Im gleichen Moment wusste sie, dass sie mit Ben schlafen würde. Es war keine bewusste Entscheidung, es war etwas, das sie einfach tun musste, eine Gelegenheit, die sie sich nicht entgehen lassen durfte, denn sie würde es sonst für den Rest ihres Lebens bedauern.

Sie wusste allerdings auch, dass Ben nicht mehr als eine gemeinsame Nacht im Sinn hatte. Zwischen heißen Küssen im Aufzug und auf dem Weg zu seinem Hotelzimmer machte er keinen Hehl daraus, dass er an keiner festen Beziehung interessiert war. Sie hatte nicht erwartet, ihn je wiederzusehen. Und nach dem Ausdruck auf seinem Gesicht zu urteilen, war es ihm nicht anders gegangen.

Tess wusste, dass sie etwas sagen sollte, aber sie brachte kein Wort hervor. Sie konnte Ben nur anstarren und fragte sich, ob er überhaupt wusste, wer sie war. Ob er überlegte, wie sie ihn gefunden hatte. Sie las nie die Boulevardpresse, die über Berühmtheiten aus der Filmbranche berichtete, und sie hatte auch kein Kabelfernsehen. Es hatte Wochen gedauert, bis sie zufällig von den Mädchen im Büro erfuhr, wo Ben sich aufhielt und dass er ein bekannter Filmproduzent war.

Ben lehnte mit vor der Brust verschränkten Armen am Türrahmen und betrachtete Tess von oben bis unten.

„Ich hatte schon befürchtet, Aliens hätten dich entführt“, sagte er schließlich mit seiner samtweichen dunklen Stimme.

Immerhin erinnerte er sich noch an sie.

Tess war gespannt, ob er beabsichtigte, ihr den Schwarzen Peter zuzuschieben und so tun würde, als hätte sie ihn in irgendeiner Weise ungerecht behandelt. Wenn sie in jener Nacht bis zum Morgen geblieben wäre, hätte sie das Unvermeidliche nur unnötig hinausgezögert. Sie hatte keine Lust darauf verspürt, sich von ihm wegschicken zu lassen. Männer wie er waren schließlich für ihre Einstellung berüchtigt. Kaum hatten sie ihren Spaß gehabt, suchten sie schon das Weite.

Tess hätte es nicht ertragen zu sehen, dass er sie so schnell wie möglich loswerden wollte. Sie hatte den größten Fehler von allen begangen, hatte den dicksten Fettnapf erwischt. Sie hatte sich in jener Nacht hoffnungslos in Ben Adams verliebt.

„Du wolltest doch keine feste Beziehung“, erinnerte sie ihn.

Er sah sie abschätzend an. „Das tue ich immer noch nicht“, sagte er kühl.

„Ich bin nur gekommen, um mit dir zu reden. Darf ich reinkommen?“

Obwohl er zu zögern schien, hielt er doch die Tür weit auf und trat zurück, damit sie an ihm vorbei in die dunkle Halle treten konnte.

Die Gummisohlen ihrer Arbeitsschuhe quietschten auf dem Marmorboden. Dunkelheit schien sie zu verschlucken wie ein hungriges Ungeheuer. Als ihre Augen sich schließlich an das schwache Licht gewöhnt hatten, hatte Tess den Eindruck, es schwebten seltsam geformte unheimliche Schatten um sie herum wie ruhelose Geister.

Reiß dich zusammen. Du glaubst nicht an Gespenster, sagte sie sich hastig.

Die Tür hinter ihr knallte mit einem dumpfen Schlag zu, der von den dicken Mauern widerhallte. Ben stand reglos da, hochgewachsen und fast bedrohlich, das Gesicht halb im Schatten. Gerade seine beeindruckende Größe und sein durchtrainierter Körper hatten Tess an jenem ersten Abend fasziniert. Dabei hätte sie aus den Fehlern ihrer Mutter lernen sollen. Finstere, innerlich gepeinigte Männer brachten einem nur Ärger ein, das war ihr doch bekannt.

Dennoch, für kurze Zeit, ein oder zwei Nächte, waren sie wundervoll. Tess hatte noch nie einen so aufmerksamen, aufregenden und fantasievollen Liebhaber gehabt wie Ben. Nur zu gut erinnerte sie sich daran, dass er ihr das Gefühl gegeben hatte, wunderschön und begehrenswert zu sein.

Genau aus diesen Gründen war sie mitten in der Nacht davongelaufen, als wäre der Teufel hinter ihr her.

Was er nicht wusste, war, dass er ihr ein Geschenk gemacht hatte, etwas, das ihr immer gefehlt hatte, auch wenn sie es vorher nicht gewusst hatte. Zum ersten Mal in ihrem Leben hatte sie ein Ziel, gab es einen Sinn. Sie war nicht mehr allein, und dafür schuldete sie ihm viel.

Zum Beispiel eine Erklärung.

Der Zeitpunkt hätte zwar kaum schlechter sein können, und sie war sehr unsicher, aber das bedeutete nicht, dass sie nicht im Grunde genommen glücklich war. Die Folgen dessen, was geschehen war, würden ihr ganzes Leben auf den Kopf stellen.

Tess hatte mit dem Gedanken gespielt, es Ben nicht zu sagen, denn nach allem, was er im vergangenen Jahr durchgemacht hatte, wie sie inzwischen wusste, wäre es vielleicht besser für ihn, es nicht zu wissen.

Leider brauchte sie seine Hilfe. Sosehr sie auch versucht hatte, allein mit allem fertig zu werden, sie schaffte es nicht. Und da es nun einmal keine sanfte Art gab, ihm die Wahrheit zu sagen, keinen Weg, ihm die bittere Pille zu versüßen, beschloss sie, es kurz und schmerzlos hinter sich zu bringen.

Sie holte tief Luft und hob instinktiv das Kinn. „Ich dachte nur, du solltest wissen, dass ich schwanger bin und dass du der Vater des Kindes bist.“

Ihre Worte trafen Ben wie ein Schlag in die Magengrube.

Vier Monate lang spielte er jetzt schon mit dem Gedanken, wieder die Bar aufzusuchen, in der er die kleine Tess kennengelernt hatte, in der Hoffnung, sie könnte dort sein.

In jener Nacht mit ihr hatte sich etwas in ihm verändert. Er hatte wieder begonnen zu leben.

Mit einer solchen Entwicklung der Dinge hatte er jedoch nicht gerechnet.

Tess hatte zwar so getan, als würde sie ihn nicht kennen, aber offensichtlich war er hereingelegt worden. Sie musste von Anfang an gewusst haben, dass er reich und berühmt war. Wie hatte er nur so dämlich sein können?

Ben wusste genau, warum er noch nach Monaten diese Sehnsucht nach Tess empfand. Sie war die erste Frau, mit der er seit dem Unfall zusammen gewesen war, und sie hatte ihn seinen Schmerz vergessen lassen.

Bis zu jenem Abend hatte er geglaubt, sein Herz sei zusammen mit seiner Frau und seinem ungeborenen Sohn gestorben. Aber zwischen ihm und Tess war etwas gewesen, das er noch bei keiner Frau vorher empfunden hatte.

Vielleicht lag es daran, dass sie so anders war als Jeanette. Tess war schlank und mädchenhaft hübsch, während seine Frau sinnlich und exotisch schön gewesen war. Tess hatte so zart ausgesehen wie eine Fee, so süß und unschuldig.

Was für eine Ironie!

Inzwischen wünschte er, er wäre in jener Nacht auf seinem Zimmer geblieben. Es hätte ihm klar sein müssen, was es bedeutete, als er am nächsten Morgen allein in seinem Bett aufgewacht war. Er hatte Tess zwar gesagt, dass er keine feste Beziehung wollte, aber er hatte sie nicht gebeten zu gehen. Er hatte tatsächlich geglaubt, dass sie sich in dieser wundervollen Nacht nicht nur körperlich nähergekommen waren.

Offenbar war das nur seine Meinung gewesen.

Er fragte sich, wie viele Männer sie außer ihm in der Bar aufgegabelt und ausgenutzt hatte. Warum hatte sie ausgerechnet ihn für ihren Betrug ausgewählt? Weil er verletzlich war? Oder weil er reich war?

Er durfte gar nicht daran denken, dass er kurz davor gewesen war, sich in sie zu verlieben.

„Du hast vergessen zu erwähnen, dass du in dem Hotel arbeitest“, sagte er. Sie hatte ihm sowieso kaum etwas von sich erzählt. Er hatte allerdings auch nicht gefragt. Er hatte keine Konversation mit ihr machen wollen, sondern nur ihren süßen warmen Körper gebraucht. Sie war wie eine Art Weihnachtsgeschenk für ihn gewesen. Als ihm klar wurde, dass er mehr als Sex von ihr wollte, war sie schon verschwunden gewesen.

Tess sah Ben direkt in die Augen. „Wir waren nicht lange genug zusammen, um uns besser kennenzulernen.“

„Ich finde, dass wir uns sogar sehr intim kennengelernt haben.“

Ben beobachtete, wie Tess sich auf die Unterlippe biss und rot wurde. Wirklich rührend, wenn er glauben könnte, dass es echt wäre.

„Vielleicht erinnerst du dich nicht, aber wir benutzten jedes Mal ein Kondom“, fuhr er fort. Sie hatten sich in dieser Nacht mehrmals geliebt, weil er einfach nicht genug von ihr bekommen konnte. Jetzt war er neugierig, wie sie erklären wollte, dass sie doch schwanger geworden war.

Tess machte sich nicht die Mühe, irgendetwas zu erklären. „Glaube mir, ich bin genauso überrascht wie du. Ich habe es schließlich auch nicht geplant.“

„Nehmen wir einmal an, es ist meins. Was willst du von mir?“ Als wüsste er das nicht schon längst. Sie hatte wahrscheinlich eine lange Liste von Forderungen. Würde sie von ihm verlangen, sie zu heiraten? Glaubte sie, er würde sich zwingen lassen, mit ihr Mann und Frau zu spielen? Oder vielleicht wollte sie eine Chance beim Film. Sie wäre nicht die Erste, die ihn wegen seiner Beziehungen auszunutzen versuchte.

Tess stand mit gesenktem Blick vor ihm und wirkte tatsächlich demütig. Vielleicht verdiente sie sogar diese Chance, ihr Schauspieltalent war bewunderungswürdig.

„Ich brauche deine Hilfe“, sagte sie leise. „Ich dachte, ich schaffe es allein, aber die Arztrechnungen und all die Dinge, die ich für das Baby brauche …“

Wie er es sich gedacht hatte.

„Ich bestehe auf einem Vaterschaftstest“, sagte Ben hart. „Bevor ich dir auch nur einen Penny gebe, muss ich wissen, ob es wirklich mein Baby ist.“

Tess nickte. Sie war dankbar, dass er sie nicht zwang zu betteln. Ihre Mutter hatte Jahre gebraucht, bevor ihr reicher Erzeuger seine Verantwortung anerkannt und für sie, Tess, Unterhalt gezahlt hatte. Sie hatte damit gerechnet, dass Ben sich mit Händen und Füßen wehren würde.

„Das habe ich mir schon gedacht, und ich habe mit meiner Ärztin gesprochen. Sie sagt, sie könnte den Test nächste Woche durchführen, wenn ich sowieso wegen einer Ultraschalluntersuchung in die Praxis muss.“

„Gut. Ich setze mich mit meinem Anwalt in Verbindung.“

„Wenn du willst, könntest du mitkommen.“ Es war das Mindeste, was sie ihm anbieten konnte. Es war schließlich genauso sein Kind wie ihres.

„Wohin?“

„Zur Ultraschalluntersuchung. Um das Baby zu sehen.“

Bens Miene wurde düster. Er baute sich drohend vor Tess auf, und seine Augen blitzten vor Wut. „Lass uns hier etwas klarstellen. Wenn es wirklich mein Kind ist, sorge ich dafür, dass es ihm an nichts fehlt, aber ich will nichts mit ihm zu tun haben.“

Tess wich unwillkürlich einen Schritt zurück und stieß dabei gegen die Tür. Ben kam noch näher auf sie zu. Wenn er sie einschüchtern wollte, dann gelang ihm das mühelos.

„Warum so nervös?“, fragte Ben und stützte sich mit den Händen auf beiden Seiten ihres Kopfes an der Tür ab. Sein Blick war so kalt, dass Tess ein unangenehmer Schauer über den Rücken lief. „In jener Nacht in meinem Hotelzimmer hat es dir nichts ausgemacht, mir so nahe zu sein. Ich glaube, du hast es sogar ziemlich genossen.“

Tess weigerte sich, vor ihm zu kuschen, und sah mutig zu ihm auf. Und wie an jenem Abend in der Bar wurden ihr die Knie weich. Sie hatte fast vergessen, wie unglaublich attraktiv er war. Ben war der Spross zweier Schauspieler, beide Oscar-Gewinner und beide hinreißend gut aussehend, daher sollte sein attraktives Äußeres sie eigentlich nicht überraschen. Er duftete auch gut, so sinnlich und männlich.

Du lieber Himmel, dachte sie, lasse ich mich wirklich von diesem Macho antörnen? Es musste an der Schwangerschaft liegen. Ihre Hormone spielten verrückt, und sie war nicht mehr sie selbst.

Nach der Nacht mit Ben hatte sie Männern wie ihm endgültig abgeschworen. Sie brachten nur Ärger ein. Falls sie sich überhaupt wieder mit einem Mann einlassen sollte – was sie sehr bezweifelte –, dann würde sie sich einen ruhigen, durchschnittlichen, langweiligen Typ aussuchen. Lieber sicher und unaufregend als prickelnd und sexy, dafür aber ungewiss.

Ben hatte kein Recht, sie so herablassend zu behandeln. Tess straffte ihre Schultern, hob eine Hand und stieß mit ihrem ausgestreckten Zeigefinger kräftig gegen Bens Brust. Sie freute sich fast diebisch über den erstaunten Ausdruck auf seinem Gesicht.

„Du musst sehr von dir eingenommen sein, wenn du glaubst, ich wäre an einer festen Beziehung mit dir interessiert. Genau wie dir ging es auch mir nur um diese eine Nacht. Schieb mir ruhig die Schuld zu, wenn du so dein schlechtes Gewissen beschwichtigen kannst, aber du bist genauso verantwortlich wie ich. Es gehören immer zwei dazu. Wenn ich mich recht erinnere, hast auch du es ziemlich genossen. Und offensichtlich muss ich dich ja nicht erst daran erinnern, dass du dich um die Kondome gekümmert hast. Woher soll ich wissen, dass nicht du diese Schwangerschaft geplant hast? Vielleicht bereitet es dir ja eine Art bösartige Freude, nichts ahnende Frauen zu schwängern. Wer weiß, vielleicht wimmelt es überall nur so von deinen illegitimen Kindern.“

Sein Gesichtsausdruck veränderte sich schlagartig. Er sah jetzt bestürzt aus. War es möglich, dass sie seine Gefühle verletzt hatte? Hatte er überhaupt welche?

Ben ließ die Arme sinken und wich zurück, das Gesicht starr. Er wirkte traurig, und Tess’ Anflug von Zufriedenheit verflüchtigte sich schlagartig.

„Zieh deine Jacke aus und mach es dir bequem“, sagte Ben. „Wir haben viel zu besprechen.“

Ben saß an seinem Schreibtisch und öffnete den Brief, den sein Anwalt ihm geschickt hatte. Ihm war bange vor dem Ergebnis des Vaterschaftstests, dem er sich in der vorangegangenen Woche unterzogen hatte.

Tess hatte die Wahrheit gesagt. Das Kind war von ihm.

Der Schmerz über den Tod seines Sohnes vor einem Jahr, der langsam nachgelassen hatte, überkam ihn erneut mit aller Macht. Wieder quälte ihn sein schlechtes Gewissen. Wenn er es geschafft hätte, Jeanette die Reise nach Tahoe auszureden, zumal er sie nicht begleiten konnte, weil er noch an einem Film gearbeitet hatte, dann wären sie und sein ungeborener Sohn noch am Leben. Er hätte darauf bestehen sollen, dass sie blieb, da auch ihr Arzt ihr geraten hatte, wegen ihrer fortgeschrittenen Schwangerschaft besser nicht zu fliegen. Aber wenn Jeanette etwas wollte, dann hatte sie es in der Regel auch durchgesetzt.

Er würde es sich nie verzeihen, dass er sie im Stich gelassen hatte, und er würde so etwas nie wieder zulassen. Dieses Kind war seins, ob er es wollte oder nicht. Er würde dafür sorgen, dass man sich darum kümmerte und es angemessen großzog. Schon aus Liebe zu seinem Sohn würde er nicht erlauben, dass Tess’ Baby etwas zustieß.

„Ich nehme an, es sind keine guten Nachrichten.“

Ben sah auf. Mildred Smith, seine Haushälterin, stand in der offenen Tür und beobachtete ihn. Jeder andere Angestellte seines Haushalts wäre für diese freche Neugier gefeuert worden, aber Mildred hatte schon für seine Familie gesorgt, als er noch nicht einmal geboren war. Es war nur natürlich gewesen, dass sie zu ihm kam, als seine Eltern vor drei Jahren nach Europa übersiedelten. Mildred war bei ihm gewesen in jenen fürchterlichen Monaten nach dem Unglück und hatte ihm geholfen, die schlimmste Zeit durchzustehen. Im Grunde war sie eher so etwas wie eine Familienangehörige für ihn als eine Angestellte und mehr eine Mutter, als seine leibliche Mutter es je gewesen war.

„Es ist von mir“, sagte er.

„Und was wirst du jetzt tun?“

Das einzig Richtige. „Ich werde dafür sorgen, dass es ihr und dem Baby an nichts fehlt. Sie wird bis zur Geburt hier bei uns wohnen.“

„Du weißt doch gar nichts über dieses Mädchen.“

Der Ton der Haushälterin war zwar streng und kühl, aber Ben wusste, dass sie große Zärtlichkeit für ihn empfand. Das letzte Jahr war auch für sie sehr schwer gewesen. Obwohl sie seine Frau nie besonders gemocht hatte, hatte sie der Verlust tief getroffen.

„Ich kenne sie nicht, aber genau aus dem Grund möchte ich sie in meiner Nähe haben. Immerhin erwartet sie ein Kind von mir.“

Ben dachte an Tess. Er konnte einfach nicht begreifen, warum sie so lange damit gewartet hatte, ihn über das Kind zu informieren. Sie musste schon in der sechzehnten Woche sein, also wusste sie seit Längerem, dass sie schwanger war. Seit der vergangenen Woche hatte er sich nur über seinen Anwalt mit ihr in Verbindung gesetzt, aber jetzt war es an der Zeit, ihr persönlich seine Absicht klarzumachen.

„Und wenn sie nun nicht hier wohnen will?“, fragte ihn Mildred. „Was dann?“

Er sah sie ungläubig an. „Du glaubst wirklich, dass ein Mädchen wie sie, das anstrengende Arbeit in einem Hotel leisten muss und so gut wie gar nichts besitzt, sich die Gelegenheit entgehen lassen würde, im Luxus zu leben? Ich kenne solche Frauen. Sie wird mit Freuden alles nehmen, was ich ihr anbiete.“

2. KAPITEL

„Auf keinen Fall! Ich ziehe nicht zu dir.“ Der Hollywoodruhm musste Ben Adams zu Kopf gestiegen sein, wenn er glaubte, er könnte sie herumkommandieren. Tess schüttelte entrüstet den Kopf. Er hatte sie nicht einmal gefragt, sondern gleich befohlen.

Ben saß gelassen hinter seinem riesigen Schreibtisch wie ein König auf seinem Thron, der gnädig das Wort an seine Untertanen richtete. Es fehlten nur noch ein Zepter und eine Krone. Und strumpfhosenartige Beinkleider, dachte Tess ärgerlich, was sicher kein schlechter Anblick gewesen wäre, wie sie zugeben musste. Stattdessen trug er wieder Schwarz – schwarzes Hemd, schwarze Hose. Besaß er überhaupt Kleidung in anderen Farben?

Tess drehte sich um, um zu sehen, ob die strenge Frau, die sie hereingelassen hatte, noch an der Tür stand und lauschte.

Zum Glück nicht.

Mit Ben würde sie schon fertig werden. Bei seiner Haushälterin – der Zwillingsschwester des Furcht einflößenden Butlers aus der Serie „Die AddamsFamily“ – lief es ihr allerdings eiskalt den Rücken hinunter.

„Ich habe eine Wohnung“, sagte sie. „Ich brauche nicht hier zu leben, und ich will es auch nicht.“

„Ich brauche kein Kind und will es auch nicht, aber es wird mir trotzdem aufgezwungen.“

„Ich habe dieses Kind nicht allein gemacht. Und was hat das überhaupt damit zu tun, wo ich wohne?“

„Du lebst in einem sehr heruntergekommenen Viertel. Dort ist es nicht sicher für dich und das Baby.“

„Wenn das Thema dir so wichtig ist, können wir einen Kompromiss schließen. Wenn du mir finanziell hilfst, suche ich mir eine Wohnung in einem Teil der Stadt, den du für sicherer hältst. Dann sind wir beide glücklich.“

„Nein, das geht nicht. Ich will dich hier haben.“

„Wie ich schon sagte, ich möchte nicht hier wohnen.“

„Soll ich jemanden schicken, der dir beim Packen hilft?“, fragte Ben seelenruhig, als hätte Tess sich gerade nicht ausdrücklich geweigert, zu ihm zu ziehen.

Tess hatte normalerweise einen unendlichen Vorrat an Geduld, aber dieser Mann machte sie rasend. „Bist du schwerhörig? Ich sagte, ich ziehe nicht zu dir. Und das ist endgültig.“

„Ich glaube außerdem, dass du deinen Job aufgeben solltest“, fuhr er fort, als hätte sie nichts gesagt. „Als Zimmermädchen kommst du wahrscheinlich mit gefährlichen Reinigungsmitteln in Kontakt, vielleicht musst du ab und zu auch schwere Dinge heben. Das könnte alles dem Baby schaden.“

Tess war sekundenlang sprachlos.

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