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Verbotene Liebe im Land der roten Sonne

Margaret Way

Verbotene Liebe im Land der roten Sonne

PROLOG

Der Anlass für ihre Rückkehr nach Djinjara war ein trauriger. In der Nacht vor ihrer Abreise träumte Skye lebhaft von ihrer Kindheit auf der großen Ranch, die der Mittelpunkt ihrer Welt gewesen war und die sie nun schon so lange gemieden hatte. Sie hatte dort ein friedliches Leben geführt, bevor die McGoverns, die zu den reichsten Rinderbaronen des Landes gehörten, für ihre weitere Zukunft die Weichen gestellt hatten.

Damals war Broderick McGovern noch Herr auf Djinjara gewesen, ein Mann mit vielfältigen Verpflichtungen und großer Verantwortung, der weithin Respekt genoss. Keefe war sein ältester Sohn und Erbe. Der zwei Jahre jüngere Scott hatte einen schwierigen Charakter, litt an krankhafter Eifersucht auf seinen Bruder und sorgte ständig für Unruhe. Rachelle, die Jüngste, war ein streitsüchtiges Kind. Nur Keefe erfüllte alle in ihn gesetzten Erwartungen – ein wahres Glück für die Familiendynastie.

Sie war erst fünf Jahre alt gewesen, als sie in seinen Bann geriet, und konnte sich ein Leben ohne Keefe fortan nicht mehr vorstellen. Ihre Mutter war bei der Geburt ihrer ersten Tochter gestorben, und Skye hatte Liebe und Fürsorge stets entbehrt. Doch Keefe wurde für sie zur Quelle immerwährenden Trostes, kindlicher Freude und übergroßer Bewunderung.

Keefe herrschte in ihrer Welt. Ihr Vater, der schwer arbeitete und unablässig trauerte, hatte diese Rolle damals nicht übernehmen können. Jack McCory war nie darüber hinweggekommen, dass er seine schöne junge Frau bei Skyes Geburt verloren hatte. Das wäre nie passiert, klagte er immer wieder, wenn Cathy nicht darauf bestanden hätte, ihr Kind auf der Ranch und nicht im Krankenhaus zur Welt zu bringen.

In den ersten Jahren hatte Skye den tiefen Kummer ihres Vaters nicht verstanden, aber sie hatte sich immer bemüht, ihn zu trösten, indem sie brav war und den Schulunterricht ernst nahm. Wie peinlich war es ihr immer gewesen, wenn Mrs. Lacey sie ihren Mitschülern, Kindern einfacher Rancharbeiter, als Vorbild hinstellte. In den Augen der Lehrerin konnte sie nichts falsch machen.

„Warum soll sie dich nicht loben?“, hatte Keefe auf ihre Klagen erwidert. „Du bist ein kluges Mädchen … und sehr, sehr hübsch.“

Dabei hatte er sie scherzhaft an den blonden Locken gezogen. Er war sechs Jahre älter als sie und besuchte seit seinem zehnten Lebensjahr ein exklusives Internat in Sydney. Die Ferien, die er zu Hause verbrachte, waren daher immer eine besonders kostbare Zeit für Skye.

Inzwischen war sie vierundzwanzig Jahre alt. Sie stand auf eigenen Füßen, obwohl sie sich den McGoverns immer noch stark verpflichtet fühlte. Sie hatten die teure Ausbildung finanziert und ihr damit eine glänzende Zukunft gesichert. Erst Jahre später hatte Skye von ihrem Vater erfahren, dass es Lady Margaret McGoverns ausdrücklicher Wunsch gewesen war, diese Tatsache geheim zu halten.

„Skye darf nichts davon erfahren“, hatte sie erklärt. „Aber sie ist so begabt, dass man ihr alle Möglichkeiten eröffnen muss.“

Überhaupt hatte die Großmutter der drei McGovern-Geschwister – eine erhabene Erscheinung von königlicher Würde – ungewöhnliches Interesse für die Tochter eines einfachen Rancharbeiters gezeigt. Das war Grund genug gewesen, eine tiefe Kluft zwischen Skye und Rachelle aufzureißen. Rachelle hatte eine eifersüchtige Ader. Sie liebte ihre Brüder und vergötterte besonders Keefe. Sie kämpfte unablässig um seine Anerkennung. Es gibt Mütter, die ihre Söhne nicht für eine andere Frau aufgeben können, hatte sie gehört, und Schwestern, die bei ihren Brüdern die erste Stelle einnehmen wollen. Das galt auch für Rachelle, die darüber wachte, dass Skye nicht in die Familie aufgenommen wurde.

„Du bist nur die streberhafte Tochter eines kleinen Herdenaufsehers“, hieß es dann etwa. „Warum versuchst du, dich in unsere Familie zu drängen?“ Mit der Familie war natürlich Keefe gemeint. Sie schoss diese Beleidigungen wie Giftpfeile ab, und mit der Zeit nahm die Wirkung des Giftes zu.

„Man muss wirklich Mitleid mit dir haben. Oberflächlich betrachtet bist du vielleicht ganz hübsch, aber wie erbärmlich ist deine Herkunft! Du wirst in unserer Welt niemals Anerkennung finden. Gib dir bloß keine Mühe.“

Rachelle sagte das in einem so beißendem Ton, dass Skye sich grausam bloßgestellt fühlte. Sie lernte früh, was es bedeutete, Opfer von Eifersucht zu sein. Dass sie sich davon nicht unterkriegen ließ, bewies ihre Stärke. Statt zu zerbrechen, lernte sie, für sich selber einzustehen.

Es dauerte Jahre, bis sie herausfand, dass die McGoverns ihre ganze Ausbildung bezahlt hatten, das noble Mädcheninternat ebenso wie die Universität. Sie hatte alle Energie eingesetzt, um ihren Vater stolz zu machen, und die Highschool mit besten Noten absolviert. Dadurch war ihr der Zugang zur Universität und einem Jurastudium möglich geworden. Frauenrecht hatte sie am meisten interessiert. Ihr Ziel war es, Frauen in rechtlichen Schwierigkeiten zu unterstützen, besonders alleinstehende Frauen, die sonst bei niemandem Hilfe fanden.

Die Nacht vor ihrer Abreise war warm und schwül. Skye träumte, sie wäre wieder ein Kind. Im Traum hielt sie Keefes Hand und sah wie verzaubert auf ein Meer wilder Blumen. Noch nie hatte sie in ihrem kurzen Leben etwas so Herrliches gesehen! Es war so schön, dass es schmerzlich in die Seele schnitt.

„Jahrelang fällt kein Regen, und dann ereignet sich dieses Wunder“, sagte Keefe beinahe stolz. „Die Wildblumen bedecken wieder die Wüste, Kleines.“

So nannte er sie damals oft. Zwischen ihr und dem Prinzen des australischen Outbacks herrschte tiefe Zuneigung. In dem Sommer, als Skye fünf Jahre alt gewesen war, waren die Blumen zu Millionen aufgeblüht. Im tropischen Norden Australiens hatte ein gewaltiger Wirbelsturm gewütet. Die ablaufenden Wassermassen verteilten sich auf die Flüsse im Landesinnern und erreichten über ein weit gespanntes Netz kleinster Rinnsale schließlich das Rote Zentrum, das unter häufiger Trockenheit leidende Land, wo sie Jubel auslösten, obwohl manche Ranch zu einer Insel in der endlosen Wasserwüste wurde.

In ihrem Traum überstrahlten die Blumen das goldgelbe Spinifex-Gras, erklommen die Hänge der tiefroten Sanddünen und reichten bis an die fernen Hügel, die in ihrer kindlichen Vorstellung immer geheimnisvollen Burgruinen glichen, in denen einst ein glanzvolles Leben geherrscht hatte. Die Blumen waren leuchtend weiß und hellgelb. Sie prangten in allen Rosa- und Rottönen, in Orange oder Violett und wiegten sich im warmen Wind. Sie gehörten zum Wunder der Schöpfung und offenbarten ihre Schönheit nur im goldenen Sonnenlicht der Wüste.

„Ich wusste, dass die Blumen dir Freude machen würden.“ Keefe sah lächelnd zu Skye hinunter. Er teilte ihre Begeisterung, und das beglückte ihn.

„O Keefe … es ist wie Zauberei!“ Skye schlug vor Begeisterung die Hände zusammen. „Vielen Dank, dass du mich mitgenommen hast.“

Nachträglich wunderte sie sich, dass er sie so liebevoll „Kleines“ nannte, aber damals hatte sie ihm dafür ihr unschuldiges Kinderlächeln geschenkt. Es war so aufregend, dass er überhaupt an sie gedacht hatte! Sie war nur eines von vielen Ranchkindern, aber er hatte sie gesucht und vor sich auf seine reinrassige Stute Noor gesetzt, eines der schnellsten und kostbarsten Tiere aus Djinjaras Pferdeställen. Keefe wurde spielend mit ihr fertig. Er wurde mit allem fertig, sah gut aus und war klug. Er war groß für sein Alter und würde als Mann bestimmt einen Meter fünfundachtzig erreichen.

Im Traum hielt er Skye fest an der Hand, damit sie sich von der Blumenpracht nicht fortlocken ließ. In dem Blütenteppich konnte sich leicht eine Echse verbergen und unfreundlich auf die Störung reagieren. Keefe wollte ihr alles zeigen und sie gleichzeitig beschützen. Er war nicht wie andere elfjährige Jungen. Er sah auch nicht so aus und sprach auch nicht so. Schon früh gehörte er zu den Menschen mit Charisma. Aber er war schließlich auch Keefe McGovern, der zukünftige Erbe von Djinjara.

Ihre kleinen Finger verschwanden fast in seiner großen, starken Hand. „Ich liebe dich, Keefe.“

Er lächelte, seine silbergrauen Augen leuchteten wie Diamanten in dem gebräunten Gesicht. „Ich weiß, Kleines.“

„Wirst du mich heiraten, wenn ich groß bin?“

An dieser Stelle fuhr Skye aus dem Schlaf auf. Tränen liefen ihr über das Gesicht.

1. KAPITEL

Skye nahm den Inlandsflug nach Longreach, wo Scott sie abholen und mit dem Hubschrauber nach Djinjara bringen sollte. Nicht gerade die ideale Lösung, denn sie konnte Scott immer noch nicht vergeben, sosehr sie sich auch bemüht hatte.

Ihr Vater, ein treuer Angestellter seines Chefs, hatte sie über Broderick McGoverns Tod informiert. Wenig später wurde die Nachricht auch über Radio, Fernsehen und Internet verbreitet. Der milliardenschwere Rinderbaron war bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben gekommen – auf dem Weg zu einer Außenstation der McGoverns, nahe der Grenze zum Northern Territory. Bei ihm waren der Pilot, ein erfahrener Mann, und ein verwandter Politiker gewesen, als die Maschine plötzlich „vom Himmel herabgefallen war“, wie der einzige Augenzeuge berichtete.

Niemand hatte mit einem solchen Schicksalsschlag gerechnet. Der dreißigjährige Keefe, Broderick McGoverns ältester Sohn, war jetzt Herr auf der traditionsreichen Outback-Ranch. Zu einer offiziellen Stellungnahme war er nicht zu bewegen. Die ganze Familie stand unter Schock. Broderick war erst fünfundfünfzig Jahre alt gewesen und hatte nicht nur zu den reichsten, sondern auch wohltätigsten und erfolgreichsten Männern des Landes gehört.

„Wir werden ihn schmerzlich vermissen“, hatte der Premiermi-nister sichtlich bewegt geäußert.

Nun stand Skye unter einer breiten Markise und wartete auf Scott. Keefes jüngerer Bruder spielte in ihrer Erinnerung eine starke Rolle. Ob er inzwischen reifer geworden war und die hartnäckige Eifersucht auf seinen Bruder überwunden hatte? Für Scott und Rachelle war es nicht leicht, einen Bruder wie Keefe zu haben. Anstatt sich jedoch ihr eigenes Leben aufzubauen, standen sie immer noch unter dessen Einfluss. Scott war zum Rancher ausgebildet worden, aber ihm fehlte Keefes Talent und noch mehr die Fähigkeit, ein Unternehmen dieser Größenordnung zu leiten. Die Erkenntnis, dass er nie wirklich zum Zug kommen würde, nagte beständig an seinem Selbstbewusstsein.

Rachelle hatte sich gar nicht erst um eine Ausbildung bemüht, durch die sie freier und unabhängiger geworden wäre. Sie zog es vor, auf der Ranch zu bleiben und ausgedehnte Reisen zu unternehmen, wenn sie es vor Langeweile nicht mehr aushielt.

Skye fand ein solches Leben leer und sinnlos. Nicht auszudenken, wenn Scott und nicht Keefe der Erbe seines Vaters gewesen wäre! So, wie es aussah, bemühten sich weder Rachelle noch Scott, ihr geschütztes Zuhause zu verlassen, um eigene Wege zu gehen.

Wie unglaublich heiß es war, viel heißer als im subtropischen Brisbane. Hier im Outback herrschte eine trockene Hitze, die, so fand Skye, sie sonderbarerweise belebte. Sie war in diesem Klima aufgewachsen und spürte den vertrauten, lockenden Duft des Buschlands, den der Wind herübertrug. Sie atmete das würzige Aroma tief ein und versuchte, sich zu entspannen. Die Rückkehr nach Djinjara fiel ihr nicht leicht, aber Broderick McGoverns Beisetzung fernzubleiben, wäre undenkbar gewesen. Er hatte immer für sie und ihren Vater gesorgt, und sein Tod bedeutete einen echten Verlust.

Jetzt war nicht der richtige Zeitpunkt, sich zu wünschen, dass Keefe sie abgeholt hätte. Ihm fehlte in dieser Situation natürlich die Zeit dafür, aber das minderte nicht ihre Vorbehalte gegenüber Scott. In den Jahren ihres gemeinsamen Heranwachsens war er immer ein unausgeglichener Junge gewesen, manchmal lustig, wenn auch etwas wild, und dann wieder düster verhangen. Er vergötterte seinen Bruder und wurde die quälende Eifersucht auf den Erben doch niemals los. Das machte ihn böse und rachsüchtig. Die Arbeiter wagten nicht, ihm zu widersprechen, weil sie befürchteten, entlassen zu werden, doch sie bekamen seine Bosheit zu spüren. Das galt auch für Jack McCory, der den zurückgesetzten Zweitgeborenen im Übrigen aufrichtig bedauerte.

Wenn Scott seine Launen hatte, was sich besonders ausprägte, als er älter wurde, gingen die Rancharbeiter ihm lieber aus dem Weg, bis er sich wieder gefangen hatte. Nur Skye blieb weitgehend von diesen Attacken verschont. Inzwischen wusste sie auch, warum. Scott hatte sich eingebildet, in sie verliebt zu sein. Ein hässlicher Zusammenstoß hatte dazu geführt, dass es fortan ständige Spannungen zwischen den Brüdern gab.

Ihretwegen.

Noch jetzt, nach so vielen Jahren, erinnerte sie sich an die traumatische Szene, als sei es gestern gewesen. Sie war sechzehn und Scott zwanzig …

Damals …

Als Skye ihren Fuß in das grün schimmernde Wasser der Lagune setzte und vor Kälte zusammenzuckte, spürte sie, dass sie beobachtet wurde.

„Ist da jemand?“, fragte sie und drehte sich um.

Angst hatte sie nicht. Sie fühlte sich überall auf der Ranch sicher. Sie kannte jeden, und jeder kannte sie. Alle hatten über sie gewacht, in Erinnerung an ihre schöne Mutter und aus Freundschaft zu ihrem Vater. Sie war das heimliche Adoptivkind der ganzen Ranch. Keiner wollte ihr etwas Böses antun.

Sie wiederholte ihre Frage und schreckte mit ihrem Ruf eine Schar weißer Kakadus auf, die mit Protestgeschrei davonflogen. Einige Sekunden später tauchte Scott auf, groß und schlank wie alle McGoverns, aber ohne Keefes kräftigen Körperbau. Er trug seine alltägliche Arbeitskleidung – Jeans, ein kariertes Baumwollhemd und Reitstiefel. Den Hut hatte er in die Stirn gedrückt, sodass sein Gesicht halb verdeckt war. Das Haar wuchs ihm spitz in die Stirn. Keefe hatte denselben Haaransatz, aber was ihm so gut stand, wirkte bei Scott ein bisschen unheimlich.

„Warum hast du nicht geantwortet?“, fragte sie irritiert. Wie lange mochte er sie im Schutz der Bäume beobachtet haben? Drei Minuten – vielleicht vier? Sie hatte sich bis auf den türkis und weiß gemusterten Bikini ausgezogen und ihre Kleidung ordentlich zusammengelegt.

Scott rührte sich nicht und schwieg. Er stand am oberen Rand des abschüssigen Ufers, dessen lockerer Sand durch dicht wachsende Pflanzen mit kräftigen fleischigen Blättern festgehalten wurde. Dazwischen wuchsen büschelweise kleine Lilien mit duftenden weißen und malvenfarbenen Blüten.

„Scott?“ Sie legte eine Hand über die Augen. „Stimmt etwas nicht?“

Plötzlich lächelte er, breitete seine Arme aus und schlitterte den Abhang hinunter, wie sie es oft als Kinder getan hatten. „Junge, Junge!“, rief er dabei. „Du solltest dich selber sehen können. Das ist vielleicht ein Bikini!“

Nicht die Worte, die eher harmlos waren, sondern der Klang seiner Stimme verursachte ihr das erste Unbehagen. „Gefällt er dir?“, fragte sie kühl, um ihn keinesfalls zu ermutigen. „Er ist neu.“

„Du hast einen tollen Körper, Baby“, erwiderte er und musterte sie frech von Kopf bis Fuß. „Und ein wunderschönes Gesicht. Allein die blonde Mähne und die strahlenden blauen Augen …“ Er näherte sich und schleuderte den breitkrempigen Akubra zur Seite. „Ich komme zu dir.“

Nein! hätte sie am liebsten geschrien, aber sein Gesichtsausdruck machte ihr Angst, und sie stammelte nur: „Bitte nicht, Scott.“

Er zog sein Hemd aus. „Sag mir nicht, was ich tun oder nicht tun soll, Skye McCory.“

Die deutliche Drohung weckte ihren Kampfgeist. „Dann musst du allein baden“, erklärte sie. „Ich gehe, denn ich habe noch zu tun.“

„Was denn?“ Es klang abschätzig, als ahmte er den Ton seiner Schwester nach. „Wag ja nicht, vor mir davonzulaufen.“

Inzwischen hatte er auch Stiefel und Jeans ausgezogen. Der Slip konnte seine Erregung nicht verbergen, was Skye bewog, ihre Taktik zu ändern und rasch an das gegenüberliegende Ufer zu schwimmen. Sie war eine gute Schwimmerin und konnte weit ausholen, aber Scott verfolgte sie. Was hatte er vor? Wollte er sie fangen?

Nicht nur das kalte Wasser war schuld daran, dass sie eine Gänsehaut bekam. Panik erfasste sie. Dabei gehörte es inzwischen zu ihren alltäglichen Erfahrungen, dass sie Männern gefiel. Sogar ihre Freundinnen im Internat neckten sie damit, dass ihre Brüder ausnahmslos in sie verliebt seien.

Sie kam in flaches Wasser und stieg schnell ans Ufer. Ihr Zopf hatte sich gelöst, und sie musste sich das Haar aus dem Gesicht streichen. Wohin jetzt? Ein ausgetretener Pfad führte durch das Ufergebüsch hindurch auf die weite Ebene.

Scott kam Sekunden nach ihr aus dem Wasser, ein freches Grinsen auf dem Gesicht. „Was ist los mit dir?“, fragte er herausfordernd.

Skye verschränkte die Arme, um ihre kleinen, festen Brüste zu bedecken, die unter dem knappen Bikinitop deutlich zu erkennen waren. „Sollte ich nicht lieber fragen, was mit dir los ist? Du verwirrst mich, Scott.“ Tatsächlich benahm er sich völlig anders als sonst.

Sein Blick war böse, als er auf sie zutrat und sie an den Handgelenken packte. Was ihm nicht schwerfiel, denn er war bedeutend größer und stärker als sie. „Ich will dich küssen“, sagte er, „und du sollst den Kuss erwidern.“

Skye suchte vergeblich nach Worten, die ihm Einhalt gebieten würden. Er hatte die Grenze bewusst überschritten. „Bist du verrückt?“ Sie machte sich bereit, ihm in den Unterleib zu treten. Schließlich war sie im Outback aufgewachsen. Sie wusste, wie eine Frau sich verteidigen konnte.

„Ja … verrückt nach dir.“ In seinen Augen flackerte Begierde.

Skye sah sich rasch um. Sie badete am liebsten in dieser Lagune, obwohl es auf der Ranch noch viele andere gab, aber heute wirkte der Ort in seiner wilden Schönheit einsam und bedrohlich. Die Bäume standen hier dichter, und das Sonnenlicht drang kaum durch die Zweige.

„Atme tief durch“, rief sie Scott zu und hoffte inständig, Keefe würde wunderbarerweise erscheinen. „Jetzt ist Schluss.“

Scott neigte sich zu ihr. „Schluss womit?“

„Mit dem Theater, das du angefangen hast. Es gefällt mir nicht. Denk daran, wer du bist, und nimm dich zusammen.“

Seine Miene wurde hart. „Ich bin nicht Keefe … liegt es daran?“ Er drückte ihre Handgelenke fester, je mehr seine krankhafte Eifersucht ihn quälte. „Ich werde nie Keefe sein, und nur ihn willst du.“

Sie warf den Kopf zurück. „Keefe würde keine Frau jemals zwingen!“

„Weil er es nicht nötig hätte, oder? Ihm würdest du sofort zu Willen sein.“ Zorn und Neid blitzten aus Scotts blauen Augen, während er von seinem älteren Bruder sprach. Er versuchte, Skye zu küssen, aber sie wich ihm aus. Plötzlich erstarrten beide, denn hinter ihnen erklang eine vertraute, mühsam beherrschte Stimme.

„Was, zum Teufel, ist hier los?“

Keefe kam den Pfad entlang. Jede Bewegung verriet seinen Zorn. Skye hätte nicht geglaubt, dass er so wütend werden konnte, denn man rühmte überall seine Beherrschung.

Jetzt bekam Scott es mit der Angst. Anstatt sich zu rechtfertigen, wirkte er nur noch lächerlich, während Skye erleichtert aufatmete. Ohne zu überlegen, lief sie auf Keefe zu und umklammerte seine muskulösen Arme.

„Ich glaube, ich weiß, was passiert ist.“ Mit einer raschen Bewegung schob er sie hinter sich. „Du kannst einfach nicht anders, Scott, oder? Du bist nur darauf aus, deinen Willen durchzusetzen.“

„Und ich hätte ihn durchgesetzt, wenn du nicht plötzlich aufgetaucht wärst. Skye ist verrückt nach mir.“

„Glaub meinetwegen, was du willst.“ Keefe packte Scott so hart an den Schultern, dass dieser zusammenzuckte. „Scott … Junge!“ Seine Stimme drückte Entsetzen aus. „Ich begreife dich nicht. Wo bleibt dein Sinn für Anstand? Dein Sinn für Ehre?“

„Den hast du doch gepachtet“, erwiderte sein Bruder bissig und versuchte vergeblich, die Hände des Älteren abzuschütteln. „Außerdem willst du Skye nur für dich haben.“

Keefe sah ihn noch drohender an. „Mit anderen Worten … Was ich will, musst du bekommen?“

„Ist sie etwa kein verführerisches Häschen?“

Keefe antwortete mit einem Faustschlag, und Scott landete mit blutender Nase auf der Erde. Er wollte aufstehen, fiel aber wieder hin und stöhnte: „Wahrscheinlich habe ich das verdient.“ Er blieb so unberechenbar wie immer.

„Du Jämmerling!“ Keefe schwankte zwischen Abscheu und Mitleid. „Du bedenkst nie die Folgen deiner Handlungen. Warum bekämpfst du nicht das Böse in dir?“

Skye hatte bisher wie angewurzelt dagestanden und eilte jetzt an Keefes Seite. Sie musste seinen Zorn irgendwie besänftigen. „Schlag ihn nicht noch einmal“, bat sie. „Bitte! Es ist nichts passiert.“

„Halt dich da bitte raus“, warnte Keefe sie. „Zieh dich an und geh nach Hause.“

Der Befehlston reizte sie. „Behandle mich nicht wie ein Kind!“, begehrte sie auf.

Er sah sie durchdringend an. Seine silberhellen Augen hatten einen gefährlichen Glanz. „Ein Kind?“, wiederholte er grimmig. „Du bist kein Kind mehr, Skye. Du bist eine Frau und hast die ganze Macht einer Frau. Schließlich ist mein Bruder kein Ungeheuer.“

„Sie ist eine wandelnde Versuchung“, bestätigte Scott aus seiner liegenden Stellung.

„Halt den Mund!“ Keefe wirbelte mit dem Stiefel eine Sandwolke auf. „Entschuldige dich bei Skye. Sag ihr, dass du dich gemein verhalten hast und dass so etwas nie wieder vorkommt. Ich warne dich nur dieses eine Mal. Von jetzt an musst du mit mir rechnen.“

Scott wand sich unter dem Zorn seines Bruders. „Du wirst Dad doch nichts erzählen?“, jammerte er und befühlte seine blutende Nase.

„Dad?“, fuhr Keefe ihn an. „Du sollst dich bei Skye entschuldigen! Wie konntest du ihr Vertrauen so missbrauchen?“

Skye zitterte am ganzen Körper und sehnte sich nach ihrer Kleidung, die am anderen Ufer lag. Sie konnte Scotts Verhalten immer noch nicht begreifen. Warum war weibliche Schönheit mit Gefahren verbunden? Warum beachtete man sie gegen ihren Willen? Sie wollte niemanden in Versuchung führen, am wenigsten Scott! Sie fühlte sich unschuldig, aber Keefes Zorn richtete sich auch gegen sie. Ihretwegen waren die Brüder in diesen Streit geraten.

Scott hatte sich inzwischen aufgerappelt und sein Gesicht abgewischt, was ihm Schmerzen ...

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