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Zurück in die Vergangenheit – Verbotene Liebe

Inhalt

  1. Cover
  2. Titel
  3. Impressum
  4. Zurück in die Vergangenheit
  5. In der nächsten Folge
  6. Exklusive Fotos von den Filmaufnahmen

Julia drehte sich zu Ricardo um und hielt ein blaues Jeanskleid vor sich. »Kann ich das zu dem Weinfest anziehen?«

Er ging auf sie zu und gab ihr einen Kuss. »Du siehst in allem bezaubernd aus.«

»Kann ich das nun anziehen oder nicht?«

Ricardo suchte sich ein Hemd aus. »Zieh das an, worin du dich wohl fühlst.«

»Dann zieh ich eine Jogginghose an.«

»Bitte?« Ricardo schnellte herum und deutete auf das Kleid. »Nimm das. Das steht dir gut.«

Julia sah ihn misstrauisch an, dann hängte sie das Jeanskleid wieder in den Schrank und holte ein geblümtes Sommerkleid hervor. »Wenn ich schon Mallorcas berühmtes Weinfest besuche, will ich wenigstens gut aussehen.« Sie schlüpfte in das eng anliegende Kleid, das ihre schlanke Figur betonte. Die langen blonden Haare band sie zu einem Zopf zusammen.

Ricardo lächelte und wechselte das Thema. »Was sagst du eigentlich zu unserer neuen Haushälterin? Ich finde es beeindruckend, wie sie sich um Timo kümmert. Außerdem hat sie ausgezeichnete Referenzen, man kann ihr absolut vertrauen.«

»Sie macht sich sehr gut, aber ich warte noch ab«, meinte Julia, die passende Schuhe aussuchte. »Nach der Entführung von Timo bin ich vorsichtiger geworden. Der Schrecken steckt mir immer noch in den Knochen.«

Sie nahm die Schuhe und setzte sich aufs Bett. Ricardo war zum Fenster gegangen und blickte hinaus.

Julia ließ die Schuhe sinken und sah ihm aufmerksam an. »Und du willst mir immer noch nicht verraten, wer hinter der Entführung steckt?«

»Es ist besser …«

»… wenn ich nicht zu viel weiß«, beendete Julia seinen Satz. »Das sagst du mir jedes Mal, wenn ich dich danach frage.«

»Und du wirst immer wieder die gleiche Antwort bekommen«, sagte Ricardo und drehte sich zu ihr um. »Ich habe meinem Vater mein Wort gegeben, und das werde ich auch halten.«

»Auch wenn du damit üble Machenschaften deckst?« Julia sah ihn empört an.

»Alle haben ihre Strafe erhalten, soviel kann ich dir versichern. Und Timo hat davon nichts mitbekommen, das ist das Wichtigste.« Ricardo wandte sich wieder zum Fenster.

Julia sah ihn an und es durchfuhr sie, wie gut er aussah mit seinen breiten Schultern, der sportlichen Figur, den dichten dunklen Haaren.

»Und deine Ex-Verlobte Valencia und ihr Vater haben damit nichts zu tun?«, fragte sie ihn zögernd. »Sie waren damals ziemlich wütend, als du meinetwegen die Verlobung gelöst hast. Auch dein Vater hätte Valencia viel lieber an deiner Seite gesehen als mich.«

Julia wartete, dass Ricardo sich zu ihr umdrehte. Doch der blickte starr aus dem Fenster. »Ricardo, du musst doch zugeben, dass an der Entführung so einiges merkwürdig war«, fuhr sie fort. »Du bist auf Dienstreise in Russland, da wird mein Sohn entführt und das Ultimatum lautet, ich soll mit meinem Sohn Mallorca verlassen und mich von dir fernhalten. Das stinkt doch zum Himmel.« Ärgerlich sah Julia zu ihm hinüber. »Außerdem hätte ich gern gewusst, welche Rolle dein Vater dabei gespielt hat.«

Langsam drehte Ricardo sich um. »Mein Vater hat immer noch sehr viel Einfluss und hat dafür gesorgt, dass die Entführung beendet wurde. Dafür habe ich ihm das Versprechen gegeben zu schweigen. Es ist vorbei, Julia, und du wühlst alles nur wieder auf, wenn du nach den Ursachen forschst.« Gequält sah er sie an. »Es ist ohnehin kompliziert genug, es geht um Familienehre und um viel Geld.«

Ricardo setzte sich neben sie aufs Bett und nahm ihre Hand. »Ich liebe dich, Julia, und auch Timo, ich liebe ihn wie meinen eigenen Sohn. Wir sind glücklich, das ist doch das Wichtigste.«

Lange sah Julia ihn an. »Ja, du hast recht«, sagte sie schließlich. »Wir sollten die Vergangenheit ruhen lassen.« Sie lehnte sich an seine Schulter. »Ich bin dankbar, dass du Timo so ein guter Vater bist. Wenn ich zurückdenke, wie alles angefangen hat, hätte ich das nie erwartet.«

Ricardo legte seinen Arm um ihre Schulter. »Als ich dich damals das erste Mal gesehen habe, wusste ich sofort, du bist meine Traumfrau.«

»Obwohl ich halbtot war und furchtbar ausgesehen habe?«, neckte Julia.

»Du wärst fast ertrunken« entgegnete Ricardo, »außerdem hattest du dein Gedächtnis verloren und warst schwanger von einem anderen – und trotzdem wollte ich dich. Mehr Liebe geht nicht«, grinste er und gab ihr einen Kuss.

»Mama! Papa!«, hörten sie Timo von unten rufen. »Wann fahren wir los?«

»Schluss mit der Vergangenheitsbewältigung«, sagte Ricardo lachend und zog Julia vom Bett hoch, »unser Sohn wartet auf uns.

»Ich hab mich allein angezogen«, rief Timo seinen Eltern entgegen, als sie die Treppe hinunterkamen. Er war fast vier Jahre alt und bestand darauf, alles allein zu machen, sehr zum Leidwesen seiner Mutter und der Haushälterin. Sein Hemd war falsch zugeknöpft und zu seiner Shorts hatte er Gummistiefel angezogen.

Lucia, die Haushälterin, streichelte ihm liebevoll über den Kopf. Mit ihren lockigen grauen Haaren, der rundlichen Figur und dem freundlichen Lächeln wirkte sie eher wie eine Großmutter. »Ich habe ihm erzählt, dass die Kinder reife Weintrauben zertreten. Da hat er sich das passende Schuhwerk ausgesucht.« Sie zeigte lachend auf die Stiefel.

Auch Ricardo und Julia mussten lächeln. Sie packten noch ein Paar Sandalen für Timo ein und fuhren dann los.

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In Binissalem fanden sie am Ortsrand noch einen Parkplatz. »Wir gehen zum Marktplatz, da ist am meisten los«, rief Ricardo über den Lärm der Dudelsäcke und Tamburine hinweg, mit denen Folkloregruppen lärmend durch die Straßen zogen.

Sie reihten sich in den Strom der Besucher ein. Ricardo strahlte sie an und genoss das Treiben, während Julia ängstlich seine Hand hielt. Die vielen Menschen beunruhigten sie. Timo lief ein paar Schritte voraus und Julia hatte Mühe, ihn in dem Gewühl nicht aus den Augen zu verlieren.

Mitten auf dem Marktplatz waren große hölzerne Weinbottiche aufgebaut. Dorfbewohner mit knielangen weißen Hosen und kurzärmligen Hemden kippten säckeweise reife rote Trauben in die Bottiche. Unter dem Jubel der Zuschauer kletterten dann je zwei Kinder in einen Bottich und der Spaß begann: Angefeuert von der Menge begannen sie, mit den Füßen die Trauben zu zertreten. Sie hielten sich an den Armen fest und stampften, so schnell es ihnen mit ihren kleinen Füßen möglich war.

Nach einer Zeit kamen weiß gekleidete Helfer und zapften den Traubensaft aus den Bottichen ab. Nun wurde gemessen, wer den meisten Saft produziert hatte, was wiederum mit Jubel quittiert wurde.

Erstaunt sah Julia zu Ricardo. Er klatschte laut mit und feuerte die kleinen Weinstampfer an. Sie hätte nicht gedacht, dass dieses Spektakel ihm so viel Freude bereitete.

Timo stand vor ihnen und sah den Kindern begeistert zu. Dann tanzte ein Paar um die Weinbottiche herum, das aufgrund seiner farbenfrohen Verkleidung ein wenig seltsam anmutete.

Julia wollte Timo auf die beiden Gestalten hinweisen, als sie erstarrte: Der Junge war weg. Einen kurzen Moment hatte sie das Gefühl, der Boden unter ihren Füßen würde schwanken. Nicht schon wieder! Schlagartig war die Angst wieder da, die sie schon einmal um ihren entführten Sohn ausgestanden hatte.

»Ricardo!«, rief sie panisch. »Timo ist weg!«

Entsetzt sah Ricardo sie an und suchte die Menge ab. Der Junge war nirgends zu sehen.

»Ich suche ihn. Bleib du hier, falls er wieder auftaucht.« Ricardo deutete ihr an, stehen zu bleiben und kämpfte sich durch die Reihen der Zuschauer. Julias Herz raste, sie versuchte, ruhig zu atmen. Timo würde wieder auftauchen, sie hatte ihn nur einen Augenblick aus den Augen gelassen, er konnte nicht weit sein. Sie schob sich nach vorn in die erste Reihe und suchte immer wieder die Menge ab, aber nirgends war sein kleiner Blondschopf zu sehen. Auch Ricardo schien verschwunden zu sein.

Plötzlich sah sie Ricardo über den Marktplatz zu einem der Bottiche laufen. Julia trat ein Stück vor und dann sah sie ihn: Timo war in einem der Bottiche, er trug eine weiße Hose und ein weißes Hemd, hielt ein Mädchen an den Armen und gemeinsam traten sie juchzend den Saft aus den prallen Trauben.

Julia schlug vor Erleichterung die Hände vor den Mund. Erst jetzt merkte sie, dass sie am ganzen Körper zitterte. Sie wartete einen Moment ab, bis sie sich wieder beruhigt hatte, dann eilte sie zu dem Bottich, in dem Timo den Wein stampfte. So erleichtert sie war, so verärgert war sie auch: Timo musste lernen, dass er nicht weglaufen durfte. Sie nahm sich vor, später mit ihm darüber zu reden.

»Mama!«, rief Timo. »Opa Antonio ist auch da und er hat gesagt, ich darf mitmachen!« Julia schenkte ihrem Sohn ein gequältes Lächeln. Ricardos Vater hob begütigend die Hände, als er sie mit wütendem Gesicht auf sich zukommen sah. Er hatte es nur gut gemeint, als er Timo zu sich gewunken hatte.

Auch an Ricardo war die Aufregung nicht spurlos vorübergegangen. Doch als er nun erkannte, dass für Timo keine Gefahr bestand, entspannten sich auch seine Gesichtszüge. Gemeinsam feuerten sie die Kinder beim Weinstampfen an.

Später wollte Antonio sie noch zu dem großen Essen im Freien einladen. Ricardo zögerte und sah kurz zu Julia hinüber. Er wusste, dass auch sie genug von dem Fest hatte.

Julia war froh, als sie der Menge entronnen waren und im Auto saßen. Sie hatten den Ort noch nicht ganz hinter sich gelassen, als Timo hinten in seinem Kindersitz einschlief. So sehr hatte ihn sein erstes Weinfest erschöpft.

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Als Ricardo am nächsten Morgen das Haus verließ, schliefen Timo und Julia noch. Julia hatte eine sehr unruhige Nacht gehabt. Seitdem sie bei einem Badeunfall fast ertrunken wäre, litt sie unter Albträumen. Ricardo hatte nie herausgefunden, was damals genau passiert war. Sie hatte ihm erzählt, sie wäre auf Lanzarote gewesen und sei von einer Strömung aufs Meer hinausgetrieben worden.

Wäre Ricardos Freund Luiz nicht an diesem Tag mit seinem Fischerboot aufs Meer gefahren, wer weiß, was aus ihr geworden wäre. Luiz hatte die schwer verletzte Julia in seinen Heimathafen nach Fuerteventura gebracht, wo Ricardo sie verarztet und gesund gepflegt hatte.

Ricardo wäre gern noch bei Julia und Timo geblieben und hätte mit ihnen gefrühstückt, doch er musste an diesem Tag sehr früh in der Praxis sein. Er war ein gefragter Neurochirurg und wie so oft in letzter Zeit hatten sich viele Patienten angemeldet – mehr, als er behandeln konnte.

Deshalb hatte Ricardo seinen Vater Antonio gebeten, ihm zu helfen und sich vor allem um die älteren Patienten zu kümmern, die Antonio als Arzt noch immer sehr schätzten. Seit vier Generationen arbeiteten die Männer der Familie Mendes als Ärzte und hatten sich nicht nur einen ausgezeichneten Ruf, sondern auch ein entsprechendes Vermögen erworben.

Als Ricardo in die Praxis kam, waren im Wartezimmer schon alle Stühle besetzt. Er grüßte freundlich und wollte in sein Behandlungszimmer gehen, als Dolores ihn zu sich an den Tresen winkte. Sie war noch von seinem Vater Antonio eingestellt worden und Ricardos älteste und zuverlässigste Mitarbeiterin.

»Wenn Sie Ihre Termine nicht mit mir absprechen, werfen Sie meine ganze Planung über den Haufen. Ich schaffe es sowieso kaum noch, die vielen Patienten unterzubringen.« Zornig sah sie Ricardo an.

»Dolores, ich habe keinen Termin vereinbart«, wehrte sich Ricardo.

»Na, dann gehen Sie mal in Ihr Zimmer. Die Dame behauptet, Sie hätten sie zu sich gebeten.«

Als Ricardo sah, wer in seinem Zimmer saß, stieg die Wut in ihm hoch. Schnell schloss er die Tür hinter sich.

»Was willst du hier«, herrschte er Valencia an. Seine Ex-Verlobte schlug ihre langen Beine übereinander, wippte mit den goldfarbenen Stilettos und sah ihn mit unschuldiger Miene an. »Meine Bandscheibe schmerzt höllisch und ich brauche dringend Medikamente.« Sie warf ihr langes dunkles Haar nach hinten, drückte ihr Kreuz durch und griff sich theatralisch an den Rücken.

Ricardo warf einen Blick auf ihr bauchfreies Top und sah, dass sie sich problemlos bewegen konnte. »Verschwinde, ich hatte dir gesagt, dass ich dich nicht mehr sehen will.« Wütend sah er sie an und sie verzog ihren rot geschminkten Mund.

»Du bist Arzt, Ricardo, und du darfst mich nicht abweisen.«

»Valencia, ich habe mir geschworen, dir nie wieder auf den Leim zu gehen. Das letzte Mal hätte es mich fast meine Beziehung gekostet.«

»Was kann ich denn dafür, dass deine Julia uns versehentlich belauscht? Du bist selbst schuld, dass sie von unserem Seitensprung erfahren hat.« Mit wiegendem Gang schritt sie auf Ricardo zu, der neben der Tür stehen geblieben war.

»Außerdem musst du zugeben, dass es eine sehr heiße Nacht war.« Die letzten Worte hauchte sie ihm ins Ohr. »Wir passen perfekt zueinander, Ricardo. Meine Kontakte und dein Können, wir wären das Glamour-Paar auf Mallorca.«

Ärgerlich wich Ricardo zur Seite aus. »Hör auf damit! Wenn ich eines bereue, dann diese Nacht mit dir! Ich bin heilfroh, dass Julia mir das verziehen hat.« Abweisend sah er sie an. »Wir werden niemals zusammenkommen, Valencia, es wird keine Heirat und auch kein gemeinsames Erbe geben. Du musst dir dein Geld schon selbst verdienen«, schob er höhnisch hinterher.

Valencia ging lässig zum Stuhl zurück, beugte sich so weit vor, dass Ricardo ihren Stringtanga unter dem Minirock sehen konnte und holte ihre Handtasche, die sie dort auf den Boden hatte fallen lassen. »Du solltest dir gut überlegen, mit wem du dich einlässt. Eine mittellose Ausländerin oder eine Einheimische mit besten Verbindungen – deine Zukunft liegt in deiner Hand.«

»Ich habe mich entschieden«, wies Ricardo sie zurecht, »und ich werde mein Leben nicht mit dir verbringen!« Er öffnete die Tür.

»Sie sollten einen anderen Arzt aufsuchen«, sagte er so laut, dass Dolores von der Anmeldung erstaunt zu ihm hinüber sah.

Valencia lächelte süffisant. »Man soll niemals nie sagen, Dr. Mendes«, hauchte sie und strich ihm mit ihrem rot lackierten Fingernagel über die Wange. Empört trat Ricardo einen Schritt zurück und schloss schnell die Tür hinter ihr.

Ärgerlich riss er das Fenster auf, um den Duft ihres süßlichen Parfums zu vertreiben. Diese unverschämte Person! Viel Zeit, über Valencia nachzudenken, blieb ihm allerdings nicht, der nächste Patient wartete bereits.

Als der Mann gegangen war, wollte Ricardo sich einen Kaffee und etwas zu essen aus der Küche holen, er hatte an diesem Morgen noch nicht gefrühstückt. Er öffnete die Tür und wäre fast mit seinem Vater zusammengestoßen, der schwungvoll in das Zimmer trat.

Trotz seines Alters wirkte der alte Dr. Mendes noch sehr vital. Er hatte sich in seinem Leben nie Abschweifungen erlaubt und tat dies auch im Alter nicht. Keinen Alkohol trinken, wenig essen, viel Sport treiben – das riet er seinen Patienten, wenn sie ihn nach seinem Rezept fürs Jungbleiben fragten.

»Guten Morgen, Ricardo. Ich habe ein Wörtchen mit dir zu reden.« Grimmig sah er seinen Sohn an. »Ich dachte, du hättest mit Valencia Schluss gemacht.

»Das habe ich auch«, entgegnete Ricardo aufgebracht, »nur lässt diese Person nicht locker. Erst heute Morgen habe ich sie wieder vor die Tür gesetzt.« Verärgert sah er seinen Vater an. »Oder hast du wieder deine Finger im Spiel?«

»Was soll das denn heißen?«

Mit bohrendem Blick sah Ricardo seinen Vater an. »Das weißt du sehr genau. Wer sagt mir denn, dass Valencia nicht wieder vorgeschickt wurde? Von dir oder ihrem Vater …«

»Das ist alles längst vorbei«, wies Antonio ihn zurecht, »Valencias Vater ist nach der Entführung von Timo ins Ausland gegangen. Er hat eingesehen, dass er zu weit gegangen ist.«

»Ihr habt das mal wieder unter euch geregelt, statt die Justiz einzuschalten. Wie ich das Julia erklären soll, darüber hast du dir keine Gedanken gemacht«, warf er seinem Vater vor.

»Das musst du gerade sagen!«, sagte Antonio scharf. »Ich frage mich, warum deine Ex die Finger nicht von dir lässt? Machst du ihr etwa immer noch Avancen?«

»Vater! Bitte! Ich habe ihr nie Hoffnungen gemacht.«

»Da habe ich aber gerade etwas anderes gehört.«

Ricardo zuckte zusammen und sah seinen Vater an. »Was hat sie dir erzählt?«

Verächtlich sah Antonio ihn an. »Und ich habe immer gedacht, ich hätte dich zu einem anständigen Mann erzogen, der treu ist und nicht gleich die Hosen fallen lässt, wenn ihm eine Frau schöne Augen macht.« In Antonios Augen glühte der Zorn. Ricardo wollte etwas entgegnen, doch sein Vater ließ ihn nicht zu Wort kommen. »Ich habe mich wirklich schwergetan, Julia als deine Lebensgefährtin, wie ihr es heute nennt, zu akzeptieren, aber jetzt bin ich froh, dass sie zu uns gehört. Aber dass du sie so schändlich hintergehst, dafür solltest du dich schämen.«

»Was hat Valencia dir erzählt, Vater?« Ricardo sah ihn entsetzt an.

»Sie hat mir gebeichtet, dass ihr ein Verhältnis miteinander habt. Wie kannst du Julia das antun?«

»Diese falsche Schlange!« Ricardo wollte zur Tür stürmen, doch Antonio hielt ihn zurück. Ricardo schüttelte ihn ab. »Vater, sie hat gelogen! Mir reicht es! Die werde ich mir vorknöpfen.«

Antonio fasste seinen Sohn an den Schultern und schob ihn in das Zimmer zurück. »Das habe ich bereits getan. Sie wird es nicht mehr wagen, in deine Nähe zu kommen.«

»Da kennst du Valencia aber schlecht. Wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hat, dann zieht sie es auch durch.«

»Du vergisst, dass ich viele Freunde auf Mallorca habe, die mir so manches Geheimnis anvertrauen. So unschuldig, wie Valencia sich gibt, ist sie nämlich nicht. Sie hat sehr schnell das Zimmer geräumt, als ich ihr sagte, was ich von ihr weiß.«

»Und was ist das?«

»Es ist besser, wenn du es nicht weißt.« Prüfend sah Antonio seinen Sohn an. »Du hast wirklich kein Verhältnis mit ihr?«

Ricardo holte tief Luft. »Nein, aber ich habe mal eine Nacht mit ihr verbracht. Es war im Sommer, kurz vor der Entführung.« Aufrichtig sah er seinen Vater an. »Es war nur einmal, aber glaub mir, das hat mir gereicht. Julia hat es zufällig mitbekommen, und das hat mir furchtbar leidgetan.«

»Das wird dir eine Lehre gewesen sein. Von Valencia jedenfalls hast du nichts mehr zu befürchten.« Streng sah Antonio seinen Sohn an. »Und ich hoffe, dass du dich nicht noch einmal zu einer solchen Dummheit hinreißen lässt.«

»Vater, hältst du mich für einen Schürzenjäger?«

»Nein«, lächelte Antonio, »aber für einen Esel.«

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Ricardo arbeitete ohne Pause durch. Wie so oft, wenn er pünktlich gehen wollte, kamen noch Notfälle hinzu. An diesem Tag waren es drei Patienten, die er noch einschieben musste. Ricardo seufzte, als endlich der letzte Patient gegangen war. Der Tag war anstrengend gewesen, wie so oft in letzter Zeit. Er sah auf die Uhr und packte schnell seine Sachen zusammen. Wenn er pünktlich im Lokal sein wollte, musste er sich beeilen.

Als Ricardo zu seinem Auto ging, humpelte ihm Rahul, der indische Rosenverkäufer entgegen. Er drehte jeden Abend in dem Viertel seine Runden, um Blumen zu verkaufen. Rahul litt an einer schlimmen Wirbelsäulenverkrümmung und musste dringend operiert werden. Doch der junge Inder war illegal auf Mallorca und hatte keine Krankenversicherung. Zu Ricardo hatte man ihn gebracht, als er eines Tages auf der Straße vor Schmerzen zusammengebrochen war.

»Rahul, wie geht es dir?«

»Dr. Mendes, wie schön, Sie zu sehen. Mir geht es gut«, versicherte er, doch sein leidender Gesichtsausdruck und die schiefe Körperhaltung konnten Ricardo nicht über seinen Zustand hinwegtäuschen.

»Hast du Schmerzen?«, fragte Ricardo ihn.

»Das wird schon wieder, Dr. Mendes«, wiegelte Rahul ab.

»Komm morgen zu mir in die Praxis, wir müssen uns etwas einfallen lassen, wie wir dir helfen können.«

Dankbar sah Rahul ihn an und wollte ihm eine Rose geben.

»Weißt du was, ich kaufe sie dir alle ab. Wie viel macht das?«

Rahul starrte ihn an. »Das sind fünfzig Rosen, Dr. Mendes.«

Ricardo zog seine Börse aus der Hosentasche, holte einen Geldschein hervor und reichte ihn Rahul.

»Das ist zu viel«, protestierte der junge Mann. »Ich habe noch kein Geld eingenommen und kann nicht wechseln.«

»Behalt den Rest und leg dich heute Abend lieber hin, damit die Schmerzen weggehen.«

Rahul war so verdattert über das großzügige Angebot, dass er vergaß, Ricardo die Rosen zu geben. Erst als der sie ihm aus der Hand nahm, kam er wieder zu sich.

Rahul bedankte sich überschwänglich, doch Ricardo ermahnte ihn nur, am nächsten Tag zu ihm in die Praxis zu kommen und stieg dann in sein Auto.

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Julia stand unter der Dusche, sodass Ricardo die vielen Rosen schnell in einen Eimer stellen und in seinem Arbeitszimmer verstecken konnte. Eilig ging er nach oben ins Badezimmer.

Die Glastür der Duschkabine war beschlagen, doch er konnte die Umrisse von Julias schlankem Körper erkennen. Sie hatte die Arme über ihren Kopf gehoben und massierte Shampoo in ihr langes blondes Haar.

Schnell zog Ricardo sich aus, ließ die Kleidung achtlos auf den Boden fallen und öffnete die Tür der Duschkabine. Julia erschrak zunächst, sie hatte ihn nicht kommen hören, doch dann lächelte sie ihn an, legte ihre Arme um seinen Hals und küsste ihn zärtlich. Ricardo genoss den sanften Druck ihrer Lippen und das warme Wasser, das an seinem Körper herunterrann. Er stöhnte wohlig, eine bessere Entspannung nach einem anstrengenden Tag konnte er sich nicht vorstellen.

Julia schmunzelte und seifte seinen Körper mit einer duftenden Duschcreme ein. Mit kreisenden Bewegungen verrieb sie den Schaum auf seinem gebräunten und muskulösen Körper.

»Wenn du so weitermachst, kommen wir zu spät zum Essen«, murmelte Ricardo und küsste Julia leidenschaftlich.

»Vergiss das Essen«, raunte sie, unterbrochen von seinen Küssen, »ich habe nur Appetit auf dich.«

Ricardo konnte sich nicht erinnern, wann sie sich zuletzt so spontan und leidenschaftlich geliebt hatten.

»Das sollten wir öfter machen.« Er lächelte Julia an und reichte ihr ein Handtuch.

»Viel öfter!« Sie strahlte und gab ihm einen Kuss.

Schnell zogen sie sich an. Ricardo wählte eine weiße Leinenhose und dazu ein blau-weiß gestreiftes Hemd. Julia zog ein hellblaues Chiffonkleid mit weißen Tupfen an, das kurz und sehr weit geschnitten war und bei jedem Schritt mitschwang. Die Schultern waren frei, das Kleid wurde am Hals mit einem breiten silbernen Paillettenband gehalten. Eilig schlüpfte sie in silberne Riemchensandalen, nahm die dazu passende Tasche und folgte Ricardo nach unten in die Diele.

Stolz nahm er sie in den Arm. »Du bist unglaublich schön, weißt du das?«

Julia lächelte ihn selbstbewusst an. Hand in Hand gingen sie zum Auto.

»Oh je, ich habe vergessen, einen Patienten anzurufen. Steig schon mal ein, ich komme gleich.« Ricardo öffnete die Beifahrertür und lief dann ins Haus zurück.

Julia nahm im Auto Platz, schnallte den Sicherheitsgurt fest und drehte das Radio auf, aus dem sanfter Pop ertönte. Nach einiger Zeit sah Julia auf ihre Uhr, Ricardo telefonierte schon seit einigen Minuten. Ungeduldig sah sie zur Haustür. Wo blieb er nur?

Julia fiel ein, dass sie in der Eile ihre Wimpern nicht getuscht hatte.

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