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Verbotene Küsse & ein süßes Geheimnis

Leanne Banks

Verbotene Küsse & ein süßes Geheimnis

PROLOG

Brock Maddox konnte nicht schlafen.

Er betrachtete die Frau neben ihm im Bett. Ihre geschlossenen Lider verbargen die ausdruckvollen blauen Augen. Über das Kissen ausgebreitet lagen die braunen Haare, und die sinnlichen Lippen waren vom Küssen gerötet.

Vor nicht einmal einer Stunde hatten sie sich leidenschaftlich geliebt.

Die dünne Bettdecke spannte über ihren vollen Brüsten, und er sah den Ansatz einer Brustspitze.

Brock kannte jedes Detail ihres unter der Decke verborgenen wundervollen Körpers: die schlanke Taille, die samtweiche Haut …

Wie durch einen geheimnisvollen Zauber entrückte diese Frau ihn in eine andere Welt.

Elle Linton war ihm von Anfang an aufgefallen, als sie zu einem Bewerbungsgespräch in sein Büro gekommen war. Da seine Sekretärin keine Ablenkung darstellen sollte, hatte er sich zunächst für eine andere Bewerberin entschieden, die allerdings bereits nach einem Monat gekündigt hatte. Danach war seine Wahl auf Elle gefallen.

Noch nie hatte Brock eine aufmerksamere Mitarbeiterin gehabt. Schon nach kurzer Zeit hatte sie alle seine Vorlieben gekannt, angefangen bei seinem Lieblingssandwich und der Musik, die er zur Entspannung gern hörte, bis hin zu der Frage, wer ihn stören durfte und wer nicht.

An einigen Abenden, an denen sie länger gearbeitet hatten, hatten sie Sandwiches gegessen. Schon bald waren daraus gepflegte Dinner vom Feinkostservice mit einer Flasche Wein geworden. Zufällige unschuldige Berührungen hatten Brocks Verlangen angefacht.

In seinen Träumen hatte er ihren Duft wahrgenommen. Wenn sie ihn angesehen hatte, hatte Sehnsucht in ihren Augen geschimmert. Er hätte widerstehen sollen, aber …

Ein Abend schließlich hatte alles geändert. Brock erinnerte sich daran, als wäre es gestern geschehen.

Gegen achtzehn Uhr hatte er auf die Uhr geschaut und beschlossen, Elle nach Hause zu schicken. Schwungvoll hatte er seine Bürotür geöffnet. Elle, die genau dahinter vor dem Aktenschrank gestanden hatte, stieß einen unterdrückten Laut der Überraschung aus und ließ die Ordner fallen.

„Entschuldigung“, sagte Brock und bückte sich im selben Moment wie sie. „Ich wollte Sie nicht erschrecken.“

Ihr dezentes Parfüm war unglaublich verführerisch. Wie lange hatte er sich schon gegen die Anziehungskraft zwischen ihnen gewehrt!

Als sie sich gleichzeitig aufrichteten, verlor Elle das Gleichgewicht. Instinktiv zog Brock sie an sich.

Sie sahen einander in die Augen, und die Luft schien plötzlich zu knistern. Beinah schmerzlich war Brock sich ihrer Nähe bewusst. Er spürte ihre Oberschenkel und Brüste.

„Entschuldigung“, flüsterte sie, ohne den Blick abzuwenden. Sie trug hohe Schuhe und einen engen schwarzen Rock, der ihre Figur und ihre gebräunten Beine wunderbar zur Geltung brachte. Den ganzen Tag hatte Brock sich zwingen müssen, Elle nicht ständig nachzuschauen.

Wenn sie nicht seine Assistentin gewesen wäre, hätte er sie auf der Stelle geküsst, ihr die Bluse aufgeknöpft und die weichen Brüste gestreichelt. Wie gern hätte er ihre nackte Haut gespürt! Er hätte ihren Rock hochgeschoben und sie zwischen den Beinen berührt. Bis sie ihn ebenso begehrt hätte wie er sie. Dann wäre er vorsichtig in sie eingedrungen.

„Eigentlich sollte ich nicht …“, begann er.

Sie schloss die Augen. „Ich sollte nicht, ich sollte nicht“, wiederholte sie. „Können Sie das überhaupt noch hören? Ich manchmal nicht mehr.“

Verblüfft sah er sie an und lächelte. „Elle.“

Als sie die Augen endlich wieder öffnete, war ihr Blick einladend – auffordernd.

„Wenn ich noch Herr meiner Sinne wäre, würde ich Sie versetzen.“

„Nein, ich …“, widersprach sie, aber Brock legte ihr den Finger auf die Lippen.

Als er den Finger sanft bewegte, begann sie, ihn mit der Zungenspitze zu berühren.

Er war dermaßen erregt, dass er leise darüber fluchte. „Versichern Sie mir, dass Sie es genauso sehr wollen wie ich“, bat er sie.

„Wahrscheinlich sogar noch mehr“, hatte sie ihm gestanden, seine Krawatte gelockert und ihm eilig das Hemd aufgeknöpft.

Brock hatte sie hochgehoben und nach oben in sein Apartment getragen, wo sie sich die ganze Nacht leidenschaftlich geliebt hatten.

Jetzt betrachtete er Elle, die ruhig neben ihm schief. Mit Magenschmerzen dachte er an den Bericht des Privatdetektivs. Morgen würde er den Mann zu einem ausführlichen Gespräch treffen, aber schon jetzt bestand kaum ein Zweifel daran, dass Elle die undichte Stelle in seiner Firma war! Sie war diejenige, die seinem Hauptkonkurrenten Golden Gate Promotions Geschäftsgeheimnisse verraten hatte.

Den Bericht hatte Brock erst gelesen, nachdem er und Elle miteinander geschlafen hatten. Und jetzt wurde er das schale Gefühl, hintergangen worden zu sein, nicht mehr los.

Stimmte es tatsächlich, war Elle eine Verräterin? Noch zögerte Brock, denn erst wollte er unumstößliche Beweise haben und es mit eigenen Augen sehen.

Konnte es wirklich sein, dass ihm ausgerechnet die Frau, die so viel Wärme in sein Leben gebracht hatte, in den Rücken gefallen war?

1. KAPITEL

Während Brock durch den breiten und hellen Hausflur der komfortablen Wohnanlage an der North Bay von San Francisco ging, fragte er sich, wie Elle sich einen solchen Luxus leisten konnte. Zwar verdiente sie bei ihm nicht schlecht, aber dafür würde ihr Gehalt wohl kaum reichen.

Aber inzwischen wusste er ja, woher das Geld stammte. Brock biss die Zähne zusammen. Elle, seine Sekretärin und Geliebte, hatte ihn verraten.

Jetzt war es Zeit, sie zur Rede zu stellen. Brock war nicht umsonst Chef der führenden Werbeagentur an der Westküste.

Wütend, aber beherrscht klopfte er an diesem sonnigen Samstagmorgen an ihre Tür.

Um ruhig zu bleiben, zählte er: eins, zwei, drei, vier … Noch immer mochte er nicht glauben, dass sich diese wunderbare Frau, die seine Geliebte geworden war, als Lügnerin entpuppt hatte. Fünf, sechs, sieben … Er ballte die Fäuste.

Schwungvoll wurde die Tür geöffnet, und vor ihm stand Elle, die er so leidenschaftlich geliebt hatte. Sie wirkte blass und sah mit dem vom Schlafen zerzausten Haar richtig süß aus. Überrascht sah sie ihn mit ihren blauen Augen an.

„Hallo Brock“, sagte sie und zog in ihrem cremeweißen seidenen Morgenmantel etwas die Schultern nach oben. „Ich dachte, du wolltest unsere Beziehung geheim halten“, flüsterte sie. „Gibt es etwas Wichtiges?“

„Kann man wohl sagen. Ich weiß, wer der Verräter ist.“

Erschrocken schlug sie sich die Hand vor den Mund und wurde noch blasser. Fast furchtsam sah sie ihn an. „Es tut mir leid. Ich kann nicht …“ Sie brach ab, wandte sich um und lief in die Wohnung zurück.

Irritiert folgte ihr Brock in die elegante Diele. Was sollte das? Als er die Tür hinter sich schloss, hörte er plötzlich, wie sich Elle im Badezimmer übergab. Trotz seiner Wut über ihren Verrat tat sie ihm leid.

Seltsam, noch am Vortag hatte sie kein bisschen krank gewirkt.

Immer noch blass kam sie kurz darauf aus dem Bad. Als sie Brock sah, seufzte sie leise, führte die Hand an die Stirn und wich seinem Blick aus.

Brock folgte Elle durch den Flur in die in Beige- und Brauntönen gehaltene Küche.

Sein Blick fiel auf Elles Füße mit den sorgfältig lackierten Zehennägeln. Er erinnerte sich daran, dass er noch vor Kurzem ihren ganzen Körper nackt gesehen hatte. Wieder und wieder hatte sie seinen Namen geflüstert, während er sie beide zu ungeahnten Höhen der Lust geführt hatte.

Brock verdrängte den Gedanken daran und fragte: „Seit wann bist du schon krank?“

Sie schenkte sich ein Glas Gingerale ein. „Ich bin nicht krank“, sagte Elle und trank einen Schluck. „Es ist nur die morgendliche Übel…“ Sie unterbrach sich. „Es ist nichts.“

Brock stutzte. Morgendliche Übelkeit? Mit einem Mal begriff er. Das konnte doch nicht wahr sein! Oder doch?

Auch wenn er es rein verstandesmäßig nicht wahrhaben wollte, seine Gefühle trogen ihn nie. Das hatte er bei beruflichen wie persönlichen Angelegenheiten oft erlebt. Und diese Gefühle sprachen im Augenblick eine sehr klare Sprache. „Du bist schwanger“, sagte er.

Sie schloss die Augen und wandte sich ab.

„Elle“, sagte Brock, ihm hämmerte das Herz gegen die Rippen, „bitte lüg mich nicht an.“ Ein Anflug von Zynismus schlich sich in seine Stimme. „Zumindest dieses Mal nicht. Ist das Kind von mir?“

Das Schweigen wurde quälend. Schließlich wiederholte er ihren Namen. „Elle!“

„Ja“, sagte sie leise und verzweifelt. „Ja, ich erwarte ein Kind von dir.“

Brock verschlug es den Atem, und er unterdrückte den Wunsch zu fluchen. Ausgerechnet die Frau, die ihn hintergangen hatte, war von ihm schwanger! Dabei war er hierhergekommen, um sie zur Rede zu stellen. Eigentlich wollte er das noch immer. Er trat immer für seine Interessen ein.

Und natürlich musste er sich um das Wohl der Firma kümmern, aber auch sein Kind brauchte seine Fürsorge und seinen Schutz. Es verdiente, seinen Namen zu tragen, seine Geschichte fortzuführen, kurz: Es verdiente alles, was er hatte.

Für Brock gab es nur eine Möglichkeit. „Du musst mich heiraten.“

Elle öffnete den Mund, brachte jedoch keinen Ton heraus. „Auf keinen Fall! Du wolltest unsere Beziehung geheim halten. Warum gilt das auf einmal nicht mehr?“

„Weil du ein Kind von mir bekommst. Das ändert alles.“

Wie um sich zu beruhigen, trank Elle einen Schluck Gingerale. Dann schüttelte sie den Kopf. „Das ist doch verrückt. Du hast nie einen Zweifel daran gelassen, dass uns nur ein Liebesabenteuer verbindet.“ In ihren blauen Augen lag ein schmerzvoller Ausdruck. Sofort wandte sie den Kopf wieder zur Seite.

„Aber wenn wir das Beste für das Baby wollen, haben wir keine andere Wahl. Wir müssen heiraten und das Kind gemeinsam großziehen“, sagte er entschlossen. Noch vor fünf Minuten hatte er Elle an den Kopf werfen wollen, dass sie ihn und die Firma verraten hatte. Er tastete nach dem dicken Umschlag mit dem Beweismaterial.

Und er hatte ihr vertraut!

Elle biss sich auf die Unterlippe. Noch immer wich sie seinem Blick aus. „Ich kann nicht.“ Mit erhobenem Kopf sagte sie: „Ich werde dich nicht heiraten – nur wegen einer ungeplanten Schwangerschaft.“

„Du denkst doch nicht etwa an eine Abtreibung?“, fragte Brock erschrocken.

„Nein. Natürlich nicht!“, sagte sie. „Ich werde das Kind allein aufziehen.“ Beschützend legte sie die Hand auf den Bauch.

„Wahrscheinlich möchtest du lediglich eine großzügige finanzielle Unterstützung“, sagte Brock mit einem spöttischen Unterton.

Elle kniff die Augen zusammen. „Ich kann allein für das Baby sorgen. Ich will nichts von dir. Hast du verstanden?“ Wütend sah sie ihn an. „Nichts!“

„Ach komm schon, das ist doch lächerlich.“

„Geh jetzt!“, forderte sie ihn mit fester Stimme auf.

Brock blinzelte. „Wie bitte?“

„Geh jetzt!“, wiederholte Elle. „Du bist hier nicht mehr erwünscht.“

Erstaunt über ihre Entschlossenheit schüttelte Brock den Kopf. Er gehörte nicht zu den Menschen, die leicht nachgaben, aber Elle erschien ihm plötzlich so verletzlich, dass er sie nicht noch mehr aufregen wollte. „Also gut, ich gehe“, lenkte er ein. „Für dieses Mal. Aber ich komme wieder.“ Während er die Wohnung verließ, fasste er bereits einen Plan. Schließlich war er bekannt dafür, immer planmäßig vorzugehen.

Immer.

Mit angehaltenem Atem sah Elle, wie Brock Maddox ihr Apartment verließ. Erst als sie die Wohnungstür ins Schloss fallen hörte, atmete sie tief aus. Plötzlich schien sich der Raum zu drehen, und Elle spürte, wie ihre Knie nachgaben.

Sie hielt sich an der Küchenarbeitsplatte fest und stellte mit zitternden Fingern ihr Glas ab.

Ich brauche nur einen Stuhl, sagte sie zu sich selbst. Wenn ich sitze, geht es mir gleich wieder besser. Ein wenig unsicher ging sie zu einem der Barhocker und setzte sich. Sie versuchte, klar zu denken.

Wie hatte er es nur herausgefunden? Sie war sehr vorsichtig gewesen, als sie sich entschlossen hatte, Brocks Sekretärin zu werden, und ihn gezwungenermaßen ausspioniert hatte. Ja, sehr vorsichtig – bis auf die unbedeutende Tatsache, dass sie mit ihrem Chef eine heiße Affäre angefangen hatte.

Unlautere Motive hatte sie nicht gehabt, denn sie brauchte das Geld für die Krebstherapie ihrer Mutter.

Ihr Großvater hatte angeboten zu helfen – wenn Elle bereit wäre, sich für seine keineswegs hehren Ziele einspannen zu lassen.

Als sie begonnen hatte, für Brock zu arbeiten, hatte sie sich vorgenommen, die ganze Sache nach der Art von Männern anzugehen und die Bereiche getrennt voneinander zu sehen. Sie hatte exzellente Arbeit für Maddox Communications geleistet – und dabei ihrem Großvater, Athos Koteas, wichtige Informationen zukommen lassen.

Mit einem Gefühl der Bitterkeit dachte sie, dass sie ihr ganzes Leben auf die eine oder andere Weise auf das Wohlwollen wichtiger Männer angewiesen gewesen war.

Auch wenn ihr diese Machtverteilung durchaus nicht gefiel, hatte sie entschieden, das Beste daraus zu machen. Keinesfalls hatte sie tatenlos zusehen wollen, wie ihre Mutter an Krebs starb – nur weil sie, Elle, zu stolz war oder irgendeinen Moralbegriff aufrechterhielt. Oder Rücksicht nahm. Wozu auch? Werbung war ein Geschäft, das keine Rücksichtnahme kannte.

Nur mit einem hatte sie nicht gerechnet: mit Brock. Die Begegnung mit ihm hatte sie berührt wie ein Blitz aus heiterem Himmel.

Weder hatte sie vorgehabt, eine persönliche Beziehung entstehen zu lassen, noch mit ihm ins Bett zu gehen. Und schon gar nicht hatte sie sich in ihn verlieben wollen.

In der Diele hörte man leise Schritte, und Elles Mutter betrat die Küche. Obwohl sie noch immer etwas matt wirkte, schien Suzanne die neue Krebsbehandlung gut zu bekommen.

Sofort lächelte Elle, um sich nicht anmerken zu lassen, wie aufgewühlt sie war. „Guten Morgen, Mom. Soll ich dir Pfannkuchen mit Heidelbeeren machen?“ Wie immer achtete Elle darauf, dass ihre Mutter bei Kräften blieb.

Doch Suzanne schüttelte den Kopf. „Lenk jetzt nicht ab, Tochter. Ich habe alles mit angehört. Kein Zweifel, dass du in Brock verliebt bist. Ich will auf keinen Fall, dass du wegen meiner Krankheit auf dein Glück verzichtest.“

Elle umarmte ihre Mom und sagte: „Davon kann doch gar keine Rede sein. Du und ich, wir kümmern uns doch immer umeinander. Außerdem wusste ich von Anfang an, dass es auf lange Sicht nicht gut geht mit ihm und mir.“ Leise fügte sie hinzu: „Das wäre ja auch zu schön gewesen.“

„Und was ist mit dem Kind?“, fragte Suzanne, löste sich aus der Umarmung und sah Elle in die Augen.

„Keine Angst, ich kann für mich und das Kleine sorgen“, versicherte Elle und streichelte ihrer Mutter die Wange. „Du kennst mich doch. Schließlich verdanke ich dir meine ganze Kraft.“

„Aber Elle“, sagte Suzanne besorgt, „der Mann will dich heiraten! Weißt du, was ich darum gegeben hätte, wenn dein Vater mich das gefragt hätte?“ Sie seufzte.

Elle spürte ein unangenehmes Gefühl in der Magengrube. „Brock hat nicht gefragt. Er hat eine Weisung erteilt, wie er es als Chef gewöhnt ist.“ Sie schüttelte den Kopf.

Zwischen Brock und ihr hatte sich alles geändert, noch bevor er ihr Apartment betreten hatte. Er wusste, dass sie Geschäftsgeheimnisse verraten hatte, und würde ihr nie verzeihen, geschweige denn ihr jemals wieder vertrauen.

Und in einer Ehe voll unterdrückter Wut, in einer Atmosphäre des Misstrauens, sollte das Baby nicht aufwachsen.

Elle atmete tief ein und drückte ihrer Mutter die Hand. „Kopf hoch, Mom. Für dich und mich gibt es jetzt Wichtigeres: deine Gesundheit, das Kind und …“ Sie lächelte. „… Pfannkuchen mit Heidelbeeren.“

In seinem schwarzen Porsche schoss Brock auf die Autobahn und beschleunigte, bis er deutlich schneller fuhr als erlaubt.

Noch immer schlug sein Herz heftig. Unter normalen Umständen hätte er Elle gründlich die Meinung gesagt. Schließlich hatte sie ihn betrogen, und wenn sie nicht miteinander geschlafen hätten, hätte er sie angezeigt.

Tief atmete er ein und versuchte zu verarbeiten, was passiert war. Warum nur hatte er ihr vertraut? Wieso hatte er sich mit ihr eingelassen?

Wie leidenschaftlich sie sich geliebt hatten! Mit ihr hatte er ungeahnte Freuden erlebt, von denen er fast schon abhängig geworden war. Auch wenn er das anderen gegenüber niemals zugeben würde.

Was er nun brauchte, war ein Ort, an den er sich zurückziehen konnte, um sich in aller Ruhe die nächsten Schritte zu überlegen.

Bald würde er Vater werden.

Plötzlich fiel ihm das Naturschutzgebiet Muir Woods mit den geheimnisvollen uralten Mammutbäumen ein, und er verließ die Autobahn an der nächsten Ausfahrt.

Nur wenige wussten, dass Brock Maddox auch eine spirituelle Seite hatte. Viel zu oft musste er sein Privatleben hintanstellen, denn schließlich war er allein für das Wohl von Maddox Communications verantwortlich. Allen Widersachern zum Trotz hielt er den Laden am Laufen.

Beim Schutzgebiet angelangt stellte er den Wagen ab und ging zu Fuß weiter.

Im Schatten der mächtigen Bäume umgab ihn die Ruhe, nach der er sich so gesehnt hatte. Ein paar Mal atmete er tief und gleichmäßig, um sich zu entspannen, aber seine Gedanken rasten dennoch weiter.

Seit dem Tod seines Vaters war Brock jeden Morgen in dem Bewusstsein aufgewacht, kämpfen zu müssen. Außer die wenigen Male, wo er Elle neben sich gespürt hatte.

Nur mit ihr hatte er abschalten und die Last der Verantwortung für einen Augenblick vergessen können. Elle verstand ihn und wusste, was er für Madd Comm leistete. Auch hatte sie nie infrage gestellt, dass ihre Beziehung geheim gehalten werden musste.

Warm und leidenschaftlich war sie gewesen. Und sie hatte ihr Zusammensein genossen, ohne auch nur eine einzige Forderung an ihn zu stellen.

Jetzt weiß ich auch, warum, dachte Brock voll Bitterkeit.

Bisher hatte Madd Comm für ihn an erster Stelle gestanden, aber plötzlich hatte sich seine Welt von Grund auf verändert, und etwas anderes war wichtig geworden. In wenigen Monaten würde sein Kind für ihn im Vordergrund stehen, und bis dahin würde er sich um dessen Mutter kümmern – um Elle, die Frau, die ihn und die Firma verraten hatte.

Brock wusste, wer hinter alldem steckte: Athos Koteas. Um Maddox Communications zu schaden, schreckte dieser Mann vor nichts zurück. Aber dieses Mal war er entschieden zu weit gegangen. Er war der Chef von Golden Gate Promotions, dem Hauptkonkurrenten von Madd Comm, und stand in dem Ruf, bei der Wahl seiner Mittel keinerlei Skrupel zu zeigen.

Leider beruhigten die Stille und Einsamkeit Brock nicht, im Gegenteil, seine Wut steigerte sich. Es war an der Zeit, persönlich mit Koteas zu sprechen.

Brock ging zu seinem Porsche zurück, ließ den Motor an und fuhr zum Haus seines Konkurrenten. Ironischerweise wohnte Koteas ebenfalls im exklusiven Stadtviertel Knob Hill, nicht weit weg vom Haus der Maddox-Familie.

Brock hielt auf dem Parkplatz vor der Villa seines Kontrahenten. Ohne dem üppigen Blumenschmuck Beachtung zu schenken, ging Brock geradewegs die Stufen zur Eingangstür hoch und läutete. Gleich darauf öffnete eine Frau im schwarzen Kostüm. „Guten Tag“, sagte sie. „Womit kann ich Ihnen helfen?“

„Ich möchte zu Mr Koteas.“

„Sind Sie angemeldet?“

„Er wird mich empfangen“, sagte Brock. „Ich bin Brock Maddox.“

Unauffällig musterte ihn die Frau und geleitete ihn in eine Art Wartezimmer. Aber Brock hatte keine Lust zu warten. Ärgerlich ging er auf und ab. Als er Schritte hörte, drehte er sich um und sah Athos Koteas auf sich zukommen. Der kleine untersetzte Mann hatte dichtes silbergraues Haar. Lebhaft funkelten seine Augen.

„Guten Morgen, Brock“, sagte er und zog eine Braue hoch. „Welch unerwarteter Besuch.“

Brock ballte die Hand zur Faust und öffnete sie wieder. „Wirklich? Ich weiß, dass Sie Madd Comm untergraben wollen. Und dass Sie wenig ehrenhaft vorgehen. Aber nie wäre ich auf den Gedanken gekommen, dass Sie Ihre eigene Enkelin für sich spionieren lassen.“

„Enkelin?“, fragte Koteas. „Welche Enkelin?“

„Mir machen Sie nichts vor“, sagte Brock. „Ich weiß, dass Sie Elle Lintons Großvater sind. Aber Sie möchten es geheim halten, stimmt’s? Für Sie ist sie keine legitime Nachfahrin, weil Ihr Sohn ihre Mutter verlassen hat.“

„Es kommt vor, dass Kinder ihre Eltern enttäuschen“, sagte Koteas und zuckte die Schultern. „Elle dagegen hat sich vielversprechend entwickelt. Sie ist sehr intelligent.“

„Ja. Schlau wie Sie selbst“, sagte Brock und spürte einen scharfen Schmerz in der Magengegend. „Scheinbar stört es Sie überhaupt nicht, andere Menschen in Ihre schmutzigen Machenschaften zu verwickeln.“

„Wer nicht wagt, gewinnt nicht. Und der Zweck heiligt die Mittel“, sagte Koteas und kniff die Augen zusammen. „Auch Sie sind ein erfolgreicher Mann. Wir sind uns ähnlicher, als Sie glauben.“

Brock spürte förmlich seinen Blutdruck steigen. Wieder ballte er die Hand zur Faust. Dieser Koteas saß auf einem verdammt hohen Ross. „Der Meinung bin ich nicht. Jedenfalls würde ich mein Enkelkind nicht zwingen, sich für mich die Finger schmutzig zu machen.“

„Ich habe niemanden gezwungen.“

„Und Elles Schwangerschaft, gehört die auch zu Ihrem Plan?“, fragte Brock herausfordernd.

„Welche Schwangerschaft?“ Koteas sah verwirrt aus. „Wovon reden Sie?“

„Elle erwartet ein Kind von mir“, sagte Brock.

Blass geworden schüttelte Koteas den Kopf. „Nein, sie sollte doch nur …“ Immer wieder schüttelte er den Kopf, als könne er nicht damit aufhören. Dann wich der letzte Rest Farbe aus seinem Gesicht, und er sank langsam zu Boden.

Brock, der für den Bruchteil einer Sekunde nicht glauben konnte, was er sah, stürzte zu ihm und fing ihn im letzten Moment auf. Den bewusstlosen Konkurrenten in den Armen rief er nach dem Hauspersonal. „Schnell! Wir brauchen einen Arzt. Mr Koteas geht es nicht gut.“

Mit klopfendem Herzen eilte Elle durch die Schwingtüren in die Notaufnahme.

So aufgeregt war sie nur gewesen, als sie von der Krebserkrankung ihrer Mutter erfahren hatte. Auch wenn sich ihr Großvater ihr gegenüber nie besonders herzlich gezeigt hatte, fühlte sie sich ihm doch verpflichtet, nicht zuletzt weil er sie und ihre Mom finanziell unterstützt hatte.

Als sie Brock an der Rezeption stehen sah, zögerte sie. Wie atemberaubend gut er aussah!

Laut der Haushälterin war Brock bei Athos gewesen, als dieser ohnmächtig geworden war.

Brock streckte ihr die Hände entgegen, aber Elle wich zurück. „Du“, sagte sie anklagend. „Du bist verantwortlich für das, was vorgefallen ist. Wegen dir hat mein Großvater einen Herzanfall bekommen.“

Brock schüttelte den Kopf. „Ich wusste ja nicht, dass seine Gesundheit auf so tönernen Füßen steht.“ Vorsichtig berührte er Elle am Arm. „Ich lasse dich in dieser Situation nicht allein. Und ich will auf keinen Fall, dass du dich aufregst.“

„Ich soll mich nicht aufregen?“ Elle zog den Arm weg. „Wie stellst du dir das vor? Ist dir überhaupt klar, was du angerichtet hast? Das werde ich dir nie verzeihen. Nie!“

Sie verspürte ein heftiges Ziehen im Magen, als sie an der Rezeption stand. „Ich möchte zu Mr Athos Koteas. Ist er …“ Sie brach ab und begann neu. „Wie geht es ihm?“

Die Schwester sah sie teilnahmsvoll an. „Wie ist Ihr Name?“

„Elle Linton.“

„Kommen Sie mit mir mit. Mr Koteas hat schon nach Ihnen gefragt.“

Angespannt folgte sie der Schwester zu einem Zimmer am Ende des Ganges. Als Elle ihren Großvater daliegen sah, angeschlossen an Schläuche und Monitore, gab es ihr im Herzen ...

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