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Verbotene Küsse auf der Jacht des Prinzen

1. KAPITEL

„Drei Ehen habe ich für dich arrangiert – kein einziges Mal hast du es bis zum Altar gebracht. Das ist inakzeptabel!“ Laut dröhnte die Stimme von König Alaric von Aliano durch den Thronsaal. „Wenn erst einmal das Gerücht umgeht, dass mit dir etwas nicht stimmt, wird keine noch so großzügige Mitgift einen Mann dazu bewegen, dich zu heiraten.“

Juliana ließ die Tiraden ihres Vaters äußerlich gefasst über sich ergehen. Sie hielt sich kerzengerade, die Schultern gestrafft, das Kinn erhoben. Ihre Stiefmutter hatte ihr zwar nur wenig Zuwendung geschenkt, ihr dafür aber eine hervorragende Ausbildung zur perfekten Prinzessin und zukünftigen Königin zukommen lassen.

So ruhig und gelassen es ihr angesichts der ungerechten Vorwürfe möglich war, erwiderte sie: „Ich hatte zugestimmt, Prinz Nikolas zu heiraten. Als er jedoch entdeckte, dass seine rechtmäßige Ehefrau noch am Leben war, blieb ihm keine Wahl, als unsere Verlobung zu lösen.“

„Der Grund spielt keine Rolle!“

Kein Wunder, dass Vater wütend ist, dachte sie. Er wünschte sich, dass eines Tages wenigstens eines seiner Enkelkinder einen Thron außerhalb von Aliano bestieg. Zu diesem Zweck musste er sie mit einem ausländischen Kronprinzen vermählen. Dafür war ihm kein Preis zu hoch – in Form einer enormen Mitgift.

„Allein das Ergebnis zählt! Drei Mal …“

„Verzeihung, Vater“, unterbrach sie ihn zum ersten Mal in ihrem Leben. Widerspruch war ihr fremd, doch in diesem Fall weigerte sie sich, die Schuld auf sich zu nehmen. „Möglicherweise ist dir entfallen, dass du persönlich meine Verlobung mit Prinz Christian gelöst hast. Und Prinz Richard hatte sich kurz vor meinem Eintreffen auf San Montico in eine Amerikanerin verliebt.“

„Dennoch: Drei geplatzte Eheversprechen sind eine Schande für unsere Familie und ganz Aliano!“

In einem Anflug von Schuldbewusstsein blickte sie zu Boden. Tatsächlich war sie erleichtert gewesen, als sich herausstellte, dass Prinz Nikolas seine Ehe nicht annullieren konnte. Dabei hatte sie sich in seiner Heimat Veronia durchaus wohlgefühlt. Die Menschen dort waren sympathisch und aufgeschlossen, es gab zahlreiche große Seen, die sich ausgezeichnet zum Segeln eigneten. Zudem hatte sich der gut aussehende Prinz vorgenommen, sein Land grundlegend zu modernisieren. An seiner Seite hätte sie ungeahnte Freiheiten genossen. Leider liebte sie ihn nicht.

Eine Liebesheirat würde für sie als Prinzessin von Aliano allerdings ohnehin nur ein Traum bleiben.

„Wenn deine Mutter noch am Leben wäre …“, meinte Alaric kopfschüttelnd.

An Königin Brigitta konnte Juliana sich kaum noch erinnern. Lediglich aus Erzählungen wusste sie, dass ihre Mutter eine Reihe fortschrittlicher Ideen zur Gleichberechtigung der Frau mit in die ebenfalls arrangierte Ehe gebracht hatte. Der König, wider Erwarten heftig in seine hübsche junge Braut verliebt, hatte auf ihr Drängen hin entsprechende Gesetzesänderungen veranlasst. Zudem war das Paar häufig verreist, damit Brigitta ihrer Leidenschaft fürs Segeln nachgehen konnte, sehr zum Missfallen des Ältestenrates.

Nach ihrem Unfalltod bei einer Segelregatta im Südpazifik hatte der trauernde Witwer sich geschworen, nie wieder gegen die Konventionen zu verstoßen. Zwar gewährte er den Frauen in seinem Land weiterhin Zugang zu höherer Bildung, erließ jedoch strenge Richtlinien hinsichtlich ihrer Berufstätigkeit. Als er sich bald nach dem Unglück erneut vermählte, wählte er als Braut eine Adlige aus dem eigenen Volk, die ihren Platz in der traditionsbewussten Gesellschaft genau kannte.

„Sie hätte berücksichtigt, dass ich zeit meines Lebens alles getan habe, was von mir erwartet wird, aus Liebe und Respekt für dich, meine Familie und mein Volk.“

Leider zählte das im patriarchalischen Aliano wenig, wo Töchter aus allen Bevölkerungsschichten wie im 19. Jahrhundert behandelt wurden. Juliana wusste nur zu gut, dass man es ihr als Versagen ankreiden würde, wenn sie nicht bald heiratete und einen Thronfolger hervorbrachte.

Zu ihrer Überraschung lenkte ihr Vater ein: „Zugegeben, dich trifft keine Schuld an den geplatzten Verbindungen. Du warst mir immer eine gute, gehorsame Tochter.“

Dass er von ihr eher wie von einem Haustier als von seinem geliebten Kind sprach, wunderte sie nicht. In Aliano wurden Frauen – besonders die aus höheren Kreisen – seit jeher wie Schoßhunde behandelt. Indem sie nie dagegen aufbegehrt hatte, trug sie eine Mitschuld an diesem Zustand. Von Kind an in dem Bewusstsein erzogen, dass freies Denken und Unabhängigkeit ausschließlich Männersache waren, war sie zu einer folgsamen, pflichtbewussten Prinzessin herangewachsen.

Erst mit dem Erwachsenwerden und angeregt durch Reisen in moderne Länder, hatte sie ihre Einstellung geändert. Inzwischen beabsichtigte sie, ihren Bruder, Kronprinz Dominic, dabei zu unterstützen, das Land zu modernisieren und die Rechte der Frauen zu stärken, sobald er seinem Vater auf den Thron folgte.

„Vermutlich bleibt uns noch etwas Zeit, eher wir daran denken müssen, dich mit einem Adligen aus Aliano zu vermählen“, überlegte König Alaric in diesem Moment laut.

Nur mit Mühe gelang es Juliana, lautstarken Protest zu unterdrücken. Eine Heirat in Aliano hieße, für immer in dem rückständigen Land gefangen zu sein. Ihre Kinder, insbesondere ihre Töchter, unterlägen dann weiterhin denselben Einschränkungen wie sie.

Rasch kämpfte sie die aufsteigende Panik nieder. „Bitte, Vater, gib mir noch eine Chance. Ich werde alles daransetzen, dass es diesmal klappt.“

Fragend zog er eine Augenbraue hoch. „Woher stammt dieser Eifer?“

Mühsam rang sie sich ein Lächeln ab. „Ich bin achtundzwanzig Jahre alt …“

„Ja, Enkel, die fehlen mir noch zu meinem Glück!“ Er lächelte vielsagend. „Dann werde ich also deine vierte Verlobung vorbereiten. Glücklicherweise habe ich einen Reservekandidaten an der Hand. Ich muss nur noch den Ehevertrag mit ihm aushandeln.“

Das wird bei der Höhe meiner Mitgift nicht viel Zeit in Anspruch nehmen, dachte sie zynisch. „Wen werde ich heiraten?“, fragte sie so gelassen, als erkundige sie sich nach ihrem Tischherrn beim nächsten Dinner.

„Kronprinz Enrique von der Isla de l’Aurora.“

„Die Insel der Morgenröte“, übersetzte sie.

„Sie liegt, wie du weißt, im Mittelmeer vor der spanischen Küste und wird von König Dario regiert.“

Mit Wehmut erinnerte Juliana sich an die Insel San Montico, die Heimat von Prinz Richard. Dort herrschte Gleichberechtigung, es gab nur wenige altmodische Bräuche, kaum arrangierte Ehen, und Wind und Wetter eigneten sich hervorragend zum Segeln.

Die Leidenschaft für diese Sportart hatte sie von ihrer Mutter geerbt. Auf dem Wasser fühlte sie sich ihr nah, konnte all ihre Sorgen abstreifen und für einen Moment ihr Schicksal vergessen.

Im Urlaub bei ihren Großeltern mütterlicherseits, die am Schwarzen Meer lebten, hatte sie segeln gelernt. Leider untersagte ihr Vater ihr anschließend, ihren Lieblingssport auszuüben, aus Sorge, sie könnte das gleiche Schicksal erleiden wie ihre Mutter. Auch zwei Jahrzehnte später hielt er dieses Verbot aufrecht. Würde er sie jetzt endlich wie eine Erwachsene behandeln?

„Darf ich dort segeln?“, erkundigte sie sich vorsichtig.

„Nicht während der Verlobungszeit.“

Bei diesen Worten stieg Hoffnung in ihr auf. Nie zuvor hatte er auch nur angedeutet, er könnte sein Verbot aufheben. „Und wenn ich verheiratet bin?“

„Das soll dein Mann entscheiden. Versteh mich recht, Juliana: Das ist deine letzte Chance auf eine Ehe im Ausland. Entscheidet sich Prinz Enrique gegen dich, wirst du bei deiner Rückkehr umgehend einen unserer Adligen heiraten. Ich rate dir, auf einer kurzen Verlobungszeit zu bestehen.“

Darauf kannst du dich verlassen! dachte sie. Sie würde Prinz Enrique keine Gelegenheit geben, es sich anders zu überlegen, sondern ihn in kürzester Zeit davon überzeugen, dass sie die ideale Frau für ihn war. Mit viel Glück würde sie auf der Insel sogar die Liebe finden, von der sie träumte. Schließlich hatten sich auch ihre Eltern ineinander verliebt.

„Wann reise ich ab?“, fragte sie, von neuer Hoffnung auf die Zukunft erfüllt.

„Falls die Verhandlungen mit König Dario und Prinz Enrique noch heute zu einem erfolgreichen Abschluss kommen, kannst du morgen fahren. Dein Bruder Dominic wird dich begleiten, dazu deine Zofe und ein Leibwächter.“

Dies war ihre letzte Chance auf Freiheit – für sich selbst, für ihre Kinder und ihr Land. Sie durfte keinen Fehler begehen. „Dann stehe ich morgen früh zur Abreise bereit.“

Es war noch früh am Morgen, Prinz Alejandro lag in seiner Strandvilla im Bett, als vor dem Schlafzimmer Geräusche ertönten. Das ist das Kätzchen, dachte er. Er hatte das halb verhungerte Tier vor wenigen Tagen auf seiner Werft entdeckt und mitgenommen, um es aufzupäppeln. Vermutlich suchte es nach seinem Frühstück. Schlaftrunken öffnete er die Augen.

In diesem Moment wurde die Tür aufgerissen, ein Trupp Soldaten stürmte herein und umstellte das Bett.

Nicht schon wieder! stöhnte er innerlich. Er befand sich nicht zum ersten Mal in dieser Situation. Laut fragte er: „Was will er diesmal?“

„König Dario bittet um Ihr Erscheinen bei Hof, Hoheit“, antwortete der Hauptmann der Wache.

„Mein Vater bittet nie!“

Ohne eine Miene zu verziehen, erwiderte der alte Soldat: „Er befiehlt Ihnen, uns umgehend zu begleiten.“

Verwundert überlegte Alejandro, wozu das gut sein sollte. Im Palast interessierte sich ohnehin niemand für seine Meinung. Nicht zuletzt aus diesem Grund waren ihm seine Pflichten als Mitglied der königlichen Familie zutiefst zuwider. Dennoch wäre es ihm nie in den Sinn gekommen, sein Land zu verlassen. Er hatte hier ein Unternehmen gegründet, Immobilien erworben und beabsichtigte, den schwächelnden Tourismus auf Isla de l’Aurora anzukurbeln. Leider lehnten sein altmodischer Vater und sein ebenso denkender Bruder seine innovativen Pläne rigoros ab.

In diesem Moment ertönte ein hoher, quietschender Laut, und die kleine schwarze Katze mit den vier weißen Pfoten sprang zu ihm aufs Bett und schmiegte sich in seine Armbeuge.

„Erst muss ich mich ankleiden.“

„Wir warten so lange.“

Das gefiel ihm gar nicht, doch es war sinnlos, sich den Soldaten zu widersetzen. Sie würden ihn notfalls gewaltsam mitnehmen, das wusste er aus seiner Jugendzeit. Wie leid er diese ständigen Kämpfe doch war!

„Ich bestehe auf meiner Privatsphäre!“

Mit einer Handbewegung wies der Hauptmann seinen Trupp an, den Raum zu verlassen. „Unter jedem Fenster ist ein Mann positioniert, und ich warte vor der Tür, Hoheit.“

„Sie vergessen, dass ich dreißig Jahre alt bin, nicht mehr siebzehn. Weshalb sollte ich fliehen und wohin? Meine Firma, meine Immobilien befinden sich hier, obendrein folgen mir die Lakaien meines Vaters auf Schritt und Tritt.“

„Die Leibwächter dienen Ihrer Sicherheit. Immerhin sind Sie der Zweite in der Thronfolge.“

„Erinnern Sie mich bloß nicht daran!“

Es war nicht einfach, der „Ersatzmann“ zu sein. Seine Ansichten waren nicht gefragt, in seinem Bestreben, sein Land zu fördern, erhielt er keine Unterstützung und musste alles allein tun.

Seine Rolle als Prinz widerstrebte ihm zutiefst. In den USA ausgebildet, fand er es nach seiner Rückkehr schwierig, eine Regierung zu akzeptieren, in der der Großteil der Macht auf eine einzige Person konzentriert war. Gleichzeitig liebte er sein Land leidenschaftlich und wünschte ihm nur das Beste.

„Bewachen Sie die Tür, wenn Sie wollen. Ich werde Ihnen keinen Ärger bereiten.“ Nachdem der Hauptmann das Zimmer verlassen hatte, kraulte er das Kätzchen noch eine Weile, dann stand er auf, duschte und zog sich an. Da sein Vater keine Kleidervorschriften erlassen hatte, wählte er Shorts, T-Shirt und Segelschuhe.

Zwanzig Minuten später betrat er den Empfangssaal im königlichen Schloss. Sein älterer Bruder Enrique war bereits anwesend und begrüßte ihn. Mit kurz geschnittenem Haar, in Maßanzug, gestärktem Hemd, Seidenschlips und auf Hochglanz polierten Lederschuhen war er das jüngere Ebenbild seines Vaters. Leider benahm er sich auch entsprechend.

„Ich hoffe, es gibt einen guten Grund, mich so unsanft hierherzubeordern“, sagte Alejandro anstelle einer Begrüßung.

„In der Tat: Ich werde heiraten!“, verkündete Enrique.

Endlich! dachte Alejandro erleichtert. Durch die Heirat des Kronprinzen und die Geburt eines Sohnes würde er aus der Thronfolge verdrängt werden – was ihm höchst gelegen kam. „Herzlichen Glückwunsch! Lass dir nicht zu lang Zeit mit der Hochzeit, und sieh zu, dass du rasch für Nachkommen sorgst.“

„Das habe ich vor.“

„Wieso eigentlich bis zur Trauung warten? Du solltest sofort damit beginnen!“

Enrique lachte. „Das könnte mich den Kopf kosten. König Alaric hegt altmodische Ansichten, insbesondere, wenn es um seine Tochter geht.“

„Alaric … Du heiratest eine Prinzessin aus Aliano?“

„Nicht eine – die Prinzessin“, stellte sein Bruder begeistert richtig. Das kleine Königreich in den Alpen mit den nahezu unerschöpflichen Vorkommen an Bodenschätzen war wesentlich reicher als Isla de l’Aurora. „König Alaric hat neben seinen vier Söhnen nur eine Tochter.“

„Das gefällt Vater sicher.“

„Er ist begeistert über ihre Mitgift und die wirtschaftlichen Vorteile dieser Verbindung. Zu meinem Glück soll die Prinzessin obendrein ebenso schön wie reich sein. Zwar gilt sie als Eisprinzessin, doch ich werde sie schon auftauen.“

„Wenn du Nachhilfe brauchst …“

„Nein, danke. Über deinen Ruf als Frauenheld verfüge ich zwar nicht, dennoch werde ich zurechtkommen.“

„Alles Gute“, wünschte Alejandro ihm aufrichtig. Aus einer glücklichen Verbindung würden viele Kinder hervorgehen, und je weiter er in der Erbfolge zurückfiel, desto besser. Dann konnte er sich bald ausschließlich seinen Geschäften widmen.

„Du wirst mein Trauzeuge …“

War das eine Feststellung oder eine Bitte?

„… und lebst bis zur Hochzeit im Palast.“

Das war eindeutig ein Befehl. „Enrique …!“, protestierte Alejandro.

„Die königliche Familie tritt während der Verlobungszeit geschlossen auf. Tagsüber kannst du tun, was du willst, sofern keine offiziellen Termine anliegen, abends wirst du dem Dinner und geplanten Veranstaltungen beiwohnen. Außerdem erwarte ich deine Anwesenheit bei der Ankunft der Prinzessin.“

Alejandro fluchte. „Du sprichst wie Vater!“

„Weil ich seine Worte wiedergebe. Aber ich hätte dich wirklich gern als meinen Trauzeugen. Du bist mein Lieblingsbruder.“ Er schenkte ihm einen liebevollen Blick – eine Seltenheit.

„Du hast keine Geschwister außer mir!“

„Umso mehr Grund zusammenzuhalten. Vater wird dich entschädigen, falls dir finanzielle Verluste entstehen.“

„Ich will sein Geld nicht!“

„Das wolltest du noch nie. Nimm es trotzdem. Du kannst es in deine Boote investieren, in eine neue Villa oder es für einen guten Zweck spenden. In jedem Fall hast du ein Recht darauf. Lass nicht zu, dass dir dein Stolz wieder einmal im Weg steht.“

„Alles, was ich will, ist meine Ruhe.“

„Sobald Juliana und ich Nachwuchs haben, wirst du bei Hof nicht mehr gebraucht. Vater hat versprochen, dich danach in Ruhe zu lassen – deine Kooperation bis zur Hochzeit vorausgesetzt.“

„Hast du ihn darum gebeten, oder hat er es angeboten?“

„Ein wenig von beidem.“

„Wann werde ich im Schloss erwartet?“

„Nach dem Mittagessen.“

Erneut fluchte Alejandro. Er musste sich um seine Werft und seine Immobilien kümmern und außerdem den Med Cup vorbereiten, eine internationale Segelregatta. Dann war da noch das Kätzchen … „Ich habe Verpflichtungen!“

„Auch bei Hof.“

„Der Med Cup ist eine hervorragende Werbung für Isla de l’Aurora!“

„Willst du etwas für unsere Insel tun, dann unterstütze mich. Eine königliche Hochzeit bringt mehr für unsere Wirtschaft als ein paar Segler und abenteuerliche Ideen von Luxus-Ferienresorts und exklusiven Nachtklubs. Sieh in jedem Fall zu, dass du pünktlich hier bist, andernfalls schickt Vater dich auf eine diplomatische Mission.“

Diese Worte trafen Alejandro wie ein Schlag in den Magen. Dass es sich dabei um keine leere Drohung handelte, wusste er genau. Um seiner Zukunft – und Freiheit – willen musste er gehorchen.

„Ich bin da, wenn die Prinzessin ankommt.“

Allerdings plante er, die Dinge auf seine Art zu regeln – und er galt als schwarzes Schaf der Familie.

Die geräumige Kabine des Hubschraubers bot bequem Platz für Juliana und ihre Begleiter: ihren Bruder Dominic, ihre Zofe Yvette und den Leibwächter Claude. Zum Schutz vor dem Lärm der Rotoren und um Gespräche zwischen den Passagieren zu ermöglichen, waren alle mit Headsets ausgestattet.

Juliana stand der Sinn jedoch nicht nach einer Unterhaltung. Sie sah lieber aus dem Fenster und beobachtete eine Segeljacht, die anmutig über das Meer glitt. Die Crew saß auf der Reling und ließ die Füße ins Wasser baumeln, während der Schiffsrumpf die Wellen durchschnitt.

Was würde ich nicht dafür geben, mit ihnen zu segeln, statt zu meiner Hochzeit mit einem Fremden zu reisen, dachte sie wehmütig, um sich gleich darauf für den Gedanken zu tadeln. Sie hatte in diese Vernunftehe eingewilligt, weil sie hoffte, das Leben an der Seite von Prinz Enrique würde ihr mehr Freiheiten bieten als im patriarchalischen Aliano. Wenn nicht … Sie runzelte die Stirn.

„Geht’s dir gut?“, erkundigte Dominic sich sofort.

Als Antwort zuckte sie lediglich mit den Schultern. „Sieh mal: Du wirst in einem Urlauberparadies leben!“, versuchte er sie aufzumuntern.

Tatsächlich hatten sie sich Isla de l’Aurora inzwischen auf Sichtweite genähert. Weiße palmengesäumte Sandstrände zogen sich die Küste entlang, dahinter erstreckte sich eine malerische Stadt. Pastellfarbene Häuser mit roten Ziegeldächern, durch schmale, geschwungene Gassen voneinander getrennt, bedeckten die Flanken eines sanften Hügels, dessen Kuppe einem großzügigen Stadtzentrum Platz bot.

In einem riesigen Jachthafen lagen Hunderte von Segelbooten Seite an Seite vor Anker. Ihre hohen, glänzenden Masten schaukelten im Gleichtakt im Wind hin und her. Der Anblick verfehlte seine Wirkung auf Juliana nicht.

„Vielleicht ist es hier gar nicht so schlecht.“

„Dein Verlobter wird sofort deiner Schönheit und Intelligenz verfallen, sich Hals über Kopf in dich verlieben und dir gestatten, zu tun, was immer du willst. Bestimmt lässt er dich auch segeln.“

Ihre Abreise war so kurzfristig erfolgt, dass sie noch nicht einmal Zeit gefunden hatte, sich näher über ihren Bräutigam zu informieren. Sie wusste, dass er recht gut aussah, da sie ein paar Fotos von ihm in Zeitschriften gesehen hatte, aber würde er charmant und umgänglich sein? Außerdem sollte er nicht emotional gebunden sein, sonst könnte es schwierig werden, eine liebevolle Beziehung zueinander aufzubauen. Insgeheim träumte sie davon, dass sie sich ineinander verliebten.

Nervös rutschte sie auf ihrem Sitz herum. „Hoffentlich hat man auf der Insel moderne Ansichten über Frauen.“

„So rückständig wie in Aliano ist man hier bestimmt nicht!“

Sie warf ihrem Bruder einen prüfenden Blick zu, der bislang mehr Interesse an Partys und schönen Frauen zeigte als an Politik. „Eines Tages liegt es in deiner Macht, etwas daran zu ändern.“

„Das wird sicher schwierig.“

„Du wirst an deinen Aufgaben wachsen“, versuchte sie ihn zu ermutigen. „Dir fällt die Aufgabe zu, unser Land ins einundzwanzigste Jahrhundert zu führen. Tu es für deine Brüder, deine Untertanen und auch für deine Kinder. Besonders für deine Töchter“, beschwor sie ihn. „Ich unterstütze dich nach Kräften. Nach meiner Heirat kann ich unser Land nach außen vertreten und für deine Reformen werben. Du wirst sie gegen den Willen des Ältestenrats durchsetzen müssen, aber sie dienen dem Wohl von Aliano!“

Dominic zog es vor, nicht weiter auf das Thema einzugehen.

In diesem Moment meldete sich der Pilot aus dem Cockpit: „Wir setzen zur Landung an.“

Gespannt sah Juliana aus dem Fenster. Vor ihnen ragte ein großer weißer Palast mit rotem Ziegeldach auf, der hoch über der See thronte. Die Fassade des mehrstöckigen, reich mit Stuck verzierten Bauwerks wurde von zahlreichen Balkons und Fenstern aufgelockert. Großzügige Gartenanlagen voller Palmen, blühender Büsche, Blumenrabatten und gepflegter Grünflächen umgaben es, aus einem riesigen Springbrunnen schoss eine Fontäne meterhoch in die Luft.

Das Schloss wirkte freundlich und einladend, ganz im Gegensatz zu der düsteren, kalten Festung in den Bergen, in der sie aufgewachsen war.

Der Pilot steuerte einen Landeplatz auf dem Schlossgelände an und setzte die Maschine vorsichtig auf. Als die Rotoren endlich stillstanden, löste Juliana mit bebenden Händen ihren Sicherheitsgurt und stieg mit ihren Begleitern aus dem Hubschrauber aus.

Davor erwartete sie ein älterer Herr in grauem Anzug. Er verneigte sich vor ihnen. „Mein Name ist Ortiz. Prinz Enrique lässt seine Abwesenheit entschuldigen, er ist momentan unabkömmlich.“

„Die Staatsgeschäfte gehen vor, dafür haben wir Verständnis“, antwortete Dominic höflich, während Juliana sich neugierig umblickte. Weitläufige, gepflegte Rasenflächen erstreckten sich vor ihr, blühende Blumen und Sträucher setzten bunte Akzente und erfüllten die Luft mit ihrem süßen Duft.

„Danke, Sir. Ich bin der Palastverwalter und stehe Ihnen jederzeit gern zur Verfügung.“

„Es ist wunderschön hier, Señor Ortiz“, lobte Juliana. „All die bunten Blumen und Pflanzen!“

„Ich freue mich, dass es Ihnen gefällt, Königliche Hoheit. Darf ich Sie nun ins Schloss bitten?“

Auf dem Weg dorthin gab er den Neuankömmlingen einen kurzen Abriss der Geschichte der Insel. „Prinz Enrique hat sehr viel für unser Land getan. Wir können uns keinen würdigeren Nachfolger für König Dario wünschen“, schloss er, und Juliana fragte sich, ob das Lob aufrichtig gemeint war.

Sie erreichten den Palast, und das mächtige Eingangsportal schwang wie von Zauberhand auf. Erst als die wuchtigen Türflügel offen standen, entdeckte Juliana die beiden Lakaien, die sie hielten.

Mit gemischten Gefühlen spähte sie ins Foyer. Wenn alles gut ging – worauf sie hoffte –, würde sie gleich ihr neues Zuhause betreten. Sie atmete tief durch, dann trat sie ein, dicht gefolgt von ihren Begleitern.

Die Eingangshalle war geräumig und gut zehn Meter hoch, was ihr ein luftiges Aussehen verlieh. Atemberaubende Gemälde, eine gelungene Mischung aus modernen und klassischen Arbeiten, zierten die Wände. Die Marmorstatue einer Frau in der Mitte des Raums zog ihre Aufmerksamkeit auf sich. „Was für ein Meisterwerk!“, rief Juliana begeistert aus.

„Das ist Eos, eine griechische Göttin. Wir verwenden allerdings ihren lateinischen Namen Aurora“, erklärte Ortiz.

In diesem Moment ertönte eine Männerstimme: „Macht die Türen zu. Sofort!“

Sogleich stemmten sich die Lakaien gegen die schweren Türblätter, die sich nur langsam in Bewegung setzen ließen.

„Beeilt euch“, erklang die Stimme erneut.

Julianas Begleiter, die zum Teil noch im Türrahmen standen, drängten ins Gebäude und schoben sie dabei nach vorn. Gleich darauf stürmte ein Mann in Shorts mit nacktem Oberkörper in die Halle, und etwas Kleines, Schwarzes schoss über den Boden.

Entsetzt kreischte Julianas Zofe auf: „Eine Ratte!“

Das ließ Ortiz nicht auf sich sitzen. „Im Palast gibt es keine Ratten.“

Das schwarze Fellknäuel sprang zwischen Julianas Beinen hindurch, sie stolperte vor Schreck und stürzte vornüber.

„Fangt sie auf“, rief Ortiz, doch dazu schien es zu spät.

Wie in Zeitlupe sah sie den Boden auf sich zukommen, bis ihr Fall jäh gestoppt wurde. Starke Arme wurden um ihre Taille geschlungen, ihr Gesicht wurde gegen eine muskulöse, nackte Brust gepresst, ...

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