Logo weiterlesen.de
Vater

Alfred J. Schindler

 

Vater

 

Mysterythriller

 

von

 

Alfred J. Schindler

 

 

 

 

VORWORT

 

 

Es ist sehr spät geworden. Ich habe in den letzten zehn Stunden mehr als zwei Kapitel meines neuen Horrorthrillers geschrieben. Ja, es lief ganz hervorragend und ich bin sehr zufrieden. Gelassen zünde ich mir eine letzte Zigarette an und betrachte die kleinen Rauchwölkchen, die sich gegen die Zimmerdecke kräuseln. Ich stehe auf und kippe das Fenster, obwohl es draußen eiskalt ist. Schließlich haben wir Mitte Januar. Frische Luft muss nun mal sein.

 

Ich bin hundemüde und nehme noch einen großen Schluck kalten Kaffees. Ich ziehe mich aus, schalte den PC und das Licht aus und sage mir: Jetzt aber nichts wie ins Bett!

 

Morgen ist auch noch ein Tag!

 

Ich liege in meinem Bett und überlege. Das nächste Kapitel meines Thrillers nimmt in den unendlichen Windungen meines strapazierten Gehirns langsam Formen an. Soll ich noch einmal aufstehen und den PC einschalten? Soll ich gleich weiter-schreiben, oder verlege ich es doch auf morgen?

 

Meine Augen werden schwer und schwerer. Schließlich schlafe ich ein.

 

 

01

 

 

Ich träume seltsamerweise von meinem Vater. Schon viele Jahre träumte ich nicht von ihm. Wir befinden uns im Traum gerade auf der Zugspitze bei Garmisch-Partenkirchen und rasen zusammen – dicht nebeneinander – auf unseren Skiern die Piste hinunter. Er versucht, mich abzuhängen, aber es gelingt ihm nicht. Ich sehe meinen Vater genau so, wie er damals vor seinem Herzinfarkt im Jahr 1973 starb. Wir tragen beide einen blauen Skianzug. Jetzt erreichen wir das Tal.

 

Plötzlich meldet sich meine Blase. Sie funkt mit Vehemenz in mein Gehirn: „Aufwachen! Zur Toilette gehen!“

 

Ich werde wach. Und ich blicke mich um. Ich liege nicht in meinem Bett, wie ich es erwartet hatte, sondern ich stehe direkt am Fuß der Zugspitze.

 

Ich bin momentan völlig überfordert. Das kann doch nicht möglich sein! Völlig irritiert und zugleich fasziniert blicke ich mich um. Ich trage diesen blauen Skianzug. Es ist der Anzug, den ich im Traum trug. Ich fasse es nicht. Ich stehe immer noch auf meinen Skiern, die mir gänzlich unbekannt sind, genau wie der blaue Skianzug. Und ein paar Meter von mir entfernt steht…

 

mein Vater.

 

Mein Herz stolpert. Ich befürchte, es bleibt gleich stehen. Quicklebendig steht er vor mir und hält sich an seinen Skiern fest, die er abgeschnallt hat. Wie ich deutlich erkennen kann, ist auch er total überfordert. Er weiß nicht, was mit ihm geschieht bzw. geschehen ist. Seine Überraschung muss noch wesentlich größer sein als meine,

 

denn er ist ja tot.

Seit neununddreißig Jahren.

 

Keine zwanzig Meter entfernt steht mein Wagen. Ich fasse es nicht. Normalerweise müsste Vaters alter Ford dort stehen, denn mit ihm müssten wir hierhergekommen sein. Auch müsste ich neunzehn Jahre alt sein! Aber ich spüre und sehe in der Seitenscheibe eines Wagens, der zufällig neben mir steht, mein Gesicht. Ich bin eindeutig siebenundfünfzig Jahre alt. Fuhr ich im Traum mit meinem Wagen zur Zugspitze? Davon träumte ich aber nicht. Egal. Jetzt ist wirklich alles egal. Es spielt keine Rolle, was vor meinem Traum geschah.

 

In der Sekunde, in der ich aufwachte, musste etwas Ungeheuerliches passiert sein. Etwas, das es noch nie gab.

 

Mein Traum setzte sich, als ich aufwachte, in der Wirklichkeit fort. Ich kam beim Erwachen nicht in die normale Realität zurück, nämlich in meinem Bett, sondern ich blieb in meinem Traum stecken. Ich erlebe die Fortsetzung meines Traums in der Realität.

 

Mein Vater, der mich offensichtlich nicht erkennt, ist keine Halluzination, genau wie die Zugspitze. Ich war schon öfter hier und ich kenne die Gegend genau. Es stimmt alles, es ist nichts anders, als bisher.

 

Vorsichtig gehe ich auf meinen Vater zu. Er schaut mich freundlich an und sagt:

 

„Hätten Sie eine Zigarette für mich?“

 

Ja, es ist seine Stimme. Eindeutig. Er sieht genau wie damals aus, bevor er starb.

 

Wie dreiundvierzig.

Altern Tote nicht?

 

Ich gehe die Situation in Gedanken noch einmal kurz durch: Er war in meinem Traum. Ich war in meinem Traum. Ich fuhr auf meinen Skiern neben ihm. Wir fuhren zusammen mit unseren Skiern die Abfahrt hinunter. Seite an Seite. Dann meldete sich meine Blase. Ich wachte auf. Aber ich lag nicht in meinem Bett. Der Traum war zu Ende. Und meinen verstorbenen Vater nahm ich gleich mit. Ich zog ihn mit herüber auf die andere Seite. Auf die Seite des Lebens. Und wir befinden uns jetzt unglaublicher Weise hier am Fuß der Zugspitze. Bin ich denn an dieser ganzen Misere schuld? Oder lief irgendetwas dermaßen aus dem Ruder, dass ich es überhaupt nicht beschreiben kann?

 

Dass ich mir überhaupt nicht erklären kann?

 

„Eine Zigarette? Aber selbstverständlich!“

 

Ich reiche ihm die Schachtel und er nimmt sich eine Kippe heraus. Ich gebe ihm Feuer und er nimmt den ersten Zug nach seinem Tod. Er hustet stark und grinst.

 

„Ah! Sie rauchen Reval! Die rauchte ich früher auch!“, lächelt er.

 

Es ist sein typisches Lächeln. Ich kann mich noch genau daran erinnern.

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Vater" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen






Teilen