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Vater unser

KATHLEEN MCGOWAN

VATER UNSER

DEINE SCHATZKARTE ZU GOTT

Übersetzung aus dem amerikanischen
Englisch von Barbara Först

Vater unser, der du bist im Himmel,

Geheiligt werde dein Name,

Dein Reich komme,

Dein Wille geschehe,

Wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute,

Und vergib uns unsere Schuld,

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Our Father in Heaven,

May Your Name Be Hallowed,

May Your Kingdom Come,

May Your Will Be Done,

As in Heaven, So upon Earth.

Give Us Today Our Sufficient Bread,

And Forgive Us Our Debts,

As We Also Have Forgiven Our Debtors.

And Do Not Bring Us into Temptation,

But Deliver Us From Evil.

Die englische Version – das Lord’s Prayer – ist eine wörtliche Übersetzung des verstorbenen Gelehrten Richmond Lattimore aus dem Neuen Testament. Ich habe diese Fassung ausgewählt, weil ich sie für die beste Annäherung an Jesu Worte im Evangelium nach Matthäus halte (Matth., Kapitel 6, Vers 9–13).

Das Matthäus-Evangelium seinerseits gründet auf dem Originaltext aus dem Griechischen. Die obige Version des Lord’s Prayer ähnelt der bekanntesten Fassung im englischen Sprachraum, der New International Version. Im Anhang habe ich weitere Fassungen des Vaterunsers aufgeführt sowie eine Erläuterung der Doxologie oder Lobpreisung: »Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.« (»For thine is the kingdom and the power and the glory.«)

Eine Schatzkarte zur Quelle der Wunder

Kreis

INHALT

  1. I. Einführung
    – Das Vaterunser
  2. II. Das Mysterium der Rose
    mit sechs Blütenblättern
  3. III. Wie dieses Buch
    zu benutzen ist
  4. IV. Was ist Gebet?
  5. V. Das erste Blütenblatt
    – Glaube
  6. VI. Das zweite Blütenblatt
    – Hingabe
  7. VII. Das dritte Blütenblatt
    – Dienen
  8. VIII. Das vierte Blütenblatt
    – Fülle
  9. IX. Das fünfte Blütenblatt
    – Vergebung
  10. X. Das sechste Blütenblatt
    – Hindernisse überwinden
  11. XI. Das Zentrum der Rose
    – Liebe
  12. XII. Abschließende Gedanken:
    Was würde Jesus tun?
  13. ANHANG
    1. Welche Fassung des Vaterunsers
      sagt Ihnen am meisten zu?
    2. Inspirierende Gebete zur Ergänzung
      Ihrer Übungen
    3. Danksagung

I. EINFÜHRUNG

– DAS VATERUNSER

Am Ostersonntag des Jahres 2007 berichtete die Los Angeles Times, dass zwei Milliarden Menschen auf der Welt durch ein machtvolles Band miteinander verbunden seien: durch das Vaterunser. Nahezu ein Drittel der Weltbevölkerung spricht dieses Gebet in der jeweiligen Muttersprache als Ausdruck seines Glaubens.

Seit seiner Entstehung ist das Christentum zersplittert, da von Anfang an theologische Uneinigkeit herrschte, und doch existierte mit dem Vaterunser ein gemeinsamer Nenner, der alle Christen vereint. Der Inhalt dieses fundamentalen Gebetes kann weder von religiösen Dogmen noch von politischem Kalkül beeinflusst werden. Auch wenn manche Glaubensgemeinschaften kleinere Veränderungen vornahmen, sind die Ursprungsworte und die wichtigen Lehren des Vaterunsers unverändert geblieben seit dem Tag, als Jesus es seine Jünger lehrte. Jene zwei Milliarden Seelen, die sich Christen nennen, trennt häufig mehr, als sie verbindet, und dennoch ist dieses Gebet ihr gemeinsamer Bezugspunkt. Jesus hat uns mit dem Vaterunser ein Gebet geschenkt, das so universell und bedeutend ist, dass es noch Tausende Jahre weiter bestehen kann, selbst gegen die härtesten Widerstände. Dieses Gebet ist nicht nur unauslöschlich, es ist ewig.

Das Vaterunser ist heute wie zu Jesu Lebzeiten die unbestechliche Formel sowohl zu persönlichem wie auch zu globalem Wandel.

Die meisten Christen lernen das Vaterunser in ihrer Kindheit und können es auswendig. Dieses Gebet ist so tief in unserem Gedächtnis verwurzelt, dass wir beim Aufsagen nicht einmal darüber nachdenken.

Und genau darin liegt das Problem: Wir denken wirklich nicht darüber nach.

Den meisten von uns ist zwar bewusst, dass das Vaterunser einen Eckpfeiler des Christentums darstellt, doch damit ist unser Wissen erschöpft. Wir haben die außerordentliche Kraft und Bedeutung vergessen, die in dem Gebet steckt – falls wir überhaupt jemals darüber nachgedacht haben. Ich selbst habe das Vaterunser im Alter von drei Jahren in der Vorschule gelernt, viele Jahre, bevor ich die Bedeutung von Begriffen wie geheiligt, Schuld oder Versuchung ermessen konnte. Kein Kind aus meiner Gruppe hätte die Bedeutung des Gebetes erklären können, dennoch konnten wir es auf dem Elternabend fehlerlos aufsagen. Man hatte uns beigebracht, das Vaterunser nachzuplappern wie gehorsame kleine Papageien, die nach endlosen Wiederholungen in der Lage sind, die entsprechenden Laute hervorzubringen, doch die Bedeutung der in unseren Ohren fremd klingenden Silben konnten wir nicht verstehen.

Ich kann Ihnen versichern, dass wir als Kinder nicht über die Herkunft des Vaterunsers unterrichtet wurden, und selbst wenn jemand versucht hätte, es uns zu erklären, wären wir viel zu klein gewesen, dieses Gebet als energiegeladene spirituelle Übung und als narrensicheres Rezept zur Gestaltung eines frohen und erfüllten Lebens zu verstehen.

So wuchsen wir heran, ohne auch nur zu ahnen, dass Jesus uns mit dem Vaterunser das Rezept an die Hand gegeben hatte, um Wunder Wirklichkeit werden zu lassen – und zwar nicht erst dann, wenn wir sie benötigen, sondern als heilende Kraft an jedem Tag unseres Lebens.

In Gesprächen mit Christen unterschiedlicher Konfessionen habe ich immer wieder festgestellt, wie wenige tatsächlich wissen, dass dieses Gebet unmittelbar von Jesus stammt. »Moment mal … Jesus ist der Schöpfer des Vaterunsers?«, lautete die erstaunte Frage. Selbst fromme Kirchgänger schauten verblüfft, wenn ich erwähnte, dass das Vaterunser Jesu Werk ist. Manche glaubten mir nicht einmal, wenn ich Bibelstellen zitierte, die seinen Ursprung belegen. Einer sagte entrüstet: »Das haben sie uns in der Schule aber nicht beigebracht!« – als sei unsere geistliche Bildung in allen anderen Belangen vollständig gewesen!

Aber Jesus war wirklich der Urheber dieses höchst vollendeten Musters für den spirituellen Wandel. Im Neuen Testament finden wir das Vaterunser im Evangelium nach Matthäus, Kap. 6, Vers 9–13, als Bestandteil der Bergpredigt, und ferner bei Lukas, Kap. 11, Vers 1–4, wo einer der Jünger Jesus bittet: »Herr, lehre uns beten.« Und genau das hat Jesus getan. Er lehrte uns beten und schenkte uns einen einmaligen Schatz: ein paar einfache, ewig gültige Anweisungen in Form eines Gebetes, damit wir das wahre Geheimnis des erfüllten Lebens entdecken können, eines Lebens voller Liebe, Glück und sogar Reichtum. Das Vaterunser zeigt uns, dass alle diese wunderbaren Geschenke durch eine Steigerung des Glaubens zu erreichen sind: durch den Glauben an Gott, den Glauben an uns selbst und den Glauben an unsere Mitmenschen – in dieser Reihenfolge.

Das Vaterunser spricht die Dinge an, die uns verletzen, uns verwirren und unsere Entwicklung behindern, und es erleuchtet den Weg, auf dem wir diese Hindernisse überwinden können. Es ist ein Leitfaden, der unseren Geist von allen Sorgen befreit, die uns davon abhalten, die größtmögliche Verwirklichung unseres Potenzials zu erreichen und zu Glück und Fülle zu gelangen. Indem wir das Vaterunser als tägliche spirituelle Übung nutzen, führen wir auf seelischer Ebene einen wahren und dauerhaften Wandel herbei, der sich in sehr irdischer, sichtbarer Weise manifestiert.

Erst wenn wir das Vaterunser mit festem Glauben und im vollen Bewusstsein seiner Bedeutung beten, erfassen wir die Magie seiner Worte.

Am Vorabend meines dreißigsten Geburtstags im Frühjahr 1993 wurde ich zur Priesterin geweiht, als Ausdruck meines Engagements, die Lehren Jesu zu studieren und zu verstehen. Nun, fünfzehn Jahre später, nach Tausenden Seiten Studium und Hunderten Stunden angeregter Streitgespräche, bin ich zu einem Verständnis der christlichen Lehre gekommen, das manchen vielleicht zu simpel und daher widersprüchlich erscheinen mag. Ich bin der festen Überzeugung: Wenn Sie das Vaterunser, die Seligpreisungen, einige Gleichnisse und die Lehren, die Jesus uns in Matthäus 22, Vers 37–39, erteilt – Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, und du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst –, wenn Sie diese Schriften studieren und in Ihr Herz lassen, dann haben Sie nahezu alles, was Sie für ein vollkommenes Leben und die Förderung des Friedens auf Erden brauchen. Doch die wichtigste dieser Gaben – der Mittelpunkt, aus dem alle anderen Segnungen erwachsen – ist das Vaterunser. In den Seligpreisungen und den Gleichnissen mögen wir wertvolle spirituelle Lehren finden, doch das Vaterunser ist das Werkzeug, das uns an die Quelle führt, die in jedem von uns sprudelt: die Quelle des Glaubens, der Liebe und der Vergebung. Diese Eigenschaften sind es, welche den Ursprung sehr irdischer Wunder bilden.

Nachdem ich begonnen habe, das Vaterunser als regelmäßige spirituelle Übung zu praktizieren, hat mein Leben eine dramatische Wandlung erfahren. Ich habe die wunderbarsten Dinge durchlebt: Wunder, die Leben und Tod einschlossen. Ich bin mit außerordentlicher Fülle und Freude gesegnet worden. Dies war jedoch nicht immer der Fall.

Um Ihnen zu zeigen, wie ich zu der Einsicht gelangte, auf welche Weise das Vaterunser als perfekte Formel für den Wandel wirken kann – und wie Sie das Gleiche erfahren können –, muss ich Sie in meine Vergangenheit mitnehmen, durch die einst verschlossenen Pforten einer Geheimgesellschaft führen und in das Herz der Lehren einer mittelalterlichen Mysterienschule.

Doch zuerst muss ich Sie mit dem Mysterium der Rose mit sechs Blütenblättern bekannt machen.

II. DAS MYSTERIUM DER ROSE

MIT SECHS BLÜTENBLÄTTERN

LOS ANGELES: 17. AUGUST 2001

Unser wunderbarer kleiner Junge würde innerhalb der nächsten Stunde sterben.

Das sagten jedenfalls die Ärzte. Und hätte ich ihnen geglaubt, so wäre er höchstwahrscheinlich gestorben, genau, wie sie es vorausgesagt hatten. Doch ich glaubte den Ärzten nicht – weil ich die Weisheit der Rose mit den sechs Blütenblättern kennengelernt hatte.

Der jüngste unserer drei Söhne, Shane Francis, wurde an einem Nachmittag im August 2001 geboren, ein gesundes, kräftiges Kind. Zumindest glaubten wir das. Ein paar Stunden nach der Geburt schien er Atemschwierigkeiten zu haben, aber man sagte uns, dies sei nicht ungewöhnlich bei einem Kind, das durch Kaiserschnitt auf die Welt gekommen war. Zu diesem Zeitpunkt war noch niemand sonderlich besorgt. Shane wurde für ein paar Stunden in ein Sauerstoffzelt im Säuglingszimmer gelegt.

Und dann lief er unvermittelt blau an – eine Hautfarbe, die sich allzu bald in ein garstiges Aschgrau verwandelte. Shane war nicht mehr in der Lage, selbständig zu atmen. Seine Lunge hörte einfach auf zu arbeiten. Später sollten wir erfahren, dass er bereits mit einem verhängnisvollen Geburtsfehler auf die Welt gekommen war: Seine Lunge konnte sich nicht aufblähen. Doch das war im Moment nicht das größte Problem. Fatal war die Erkenntnis, dass er bereits einige Stunden unter Sauerstoffmangel gelitten hatte, bevor es jemandem auffiel. Seine neugeborenen Organe einschließlich seines Gehirns hatten vermutlich unter dem Mangel Schaden genommen.

Zwar gab es in dem Vorstadtkrankenhaus, in dem Shane zur Welt gekommen war, eine Intensivstation für Neugeborene, doch als er dorthin überführt wurde, glaubte kaum jemand, dass er überleben würde. Er reagierte auf keines der Atemgeräte, an die sie ihn anschlossen; es war einfach zu spät, um ihn zu retten.

Die Ärzte der Intensivstation hielten es für verständlichen mütterlichen Trotz, als ich ihnen entgegenhielt, dass sie sich irrten. Das Krankenhaus stellte uns einen höflichen Sozialarbeiter zur Verfügung, der uns »beraten« sollte. Mit anderen Worten: Seine Aufgabe bestand darin, uns schonend beizubringen, dass unser Baby dem Tod geweiht war.

»Es ist nicht Ihre Schuld«, versicherte mir der wohlmeinende Mann und klopfte mir aufmunternd auf den Rücken. »Sie haben nichts getan, das zu diesem Ende führte. Es ist eben etwas, das keiner von uns voraussehen kann. Wenn Sie einen Priester oder Pfarrer kennen oder sonst einen geistlichen Beistand haben, dann würde ich vorschlagen, dass Sie ihn oder sie jetzt anrufen, damit er Ihnen zur Seite steht. Denn Ihr Baby hat nur noch wenige Minuten zu leben.«

Ich wusste, dass er es nur gut meinte, aber ich hätte ihm am liebsten den Mund zugehalten. Ich war wütend, weil alle mein Kind aufgegeben hatten; sie verhielten sich, als wäre Shane bereits tot, während er doch noch lebte und sich mit uns im selben Zimmer befand.

Doch ich wusste auch etwas, das die Ärzte nicht wussten. Ich wusste, dass mein Kind trotz ihrer gegenteiligen Meinung leben würde, denn ich hatte es drei Monate zuvor gesehen, als ich in einem Labyrinth betete. In einer französischen Kathedrale, sechstausend Meilen von den Staaten entfernt, hatte ich den ersten Blick auf ein Wunder werfen können, das sich erst sechs Jahre später ereignen sollte.

CHARTRES, FRANKREICH: MAI 1995

Es heißt, als Napoleon zum ersten Mal durch die Pforten von Notre-Dame-de-Chartres stürmte, habe die Pracht der Kathedrale ihn mitten im Lauf gestoppt. Der Kaiser habe sich umgeschaut und sei still geworden – ein seltenes Ereignis. Schweigend sog Napoleon die Erhabenheit, die erlesenen Kunstwerke und die Heiligkeit des Ortes in sich auf, dann wandte er sich an sein Gefolge und bekannte mit erstickter Stimme: »Chartres ist kein Ort für einen Gottesleugner.«

Ich bin anderer Ansicht. Ich denke, Chartres ist ein hervorragender Ort für einen Gottesleugner oder Atheisten. Pracht und Anmut des Gebäudes haben das Potenzial, selbst den hartgesottensten Skeptiker von der Präsenz des Göttlichen zu überzeugen. Wenn es ein Bauwerk auf Erden gibt, in dem der göttliche Beistand zu spüren ist, ein sakrales Bauwerk, in dem wahrhaft das Gebot »Wie im Himmel, so auf Erden« ausgedrückt wird, dann ist es die Kathedrale von Chartres.

Ich sah sie zum ersten Mal auf einer Fahrt über Land aus zwanzig Meilen Entfernung, und »zufällig« war es der Muttertag des Jahres 1995. Die nicht zueinander passenden und dennoch prächtigen Türme thronten auf ihrem Hügel, der für die Menschen seit Jahrtausenden ein heiliger Ort ist. Die Pracht von Chartres in allen Einzelheiten zu beschreiben, würde den Rahmen dieses Buches sprengen, vielleicht übersteigt es sogar meine Fähigkeiten, sie mit angemessenen Worten zu würdigen. Orson Welles, der sich mit Genialität auskannte, sagte einmal, die Kathedrale von Chartres sei »das prächtigste Bauwerk der Menschheit«; sie feiere »Gottes Herrlichkeit und des Menschen Erhabenheit«. Ich finde diese Beschreibung genau passend, da ich inzwischen die Wunder gesehen habe, die von einem solchen Ort ausgehen.

Doch damals, im Mai 1995, war ich eher Touristin denn Pilgerin. Mich als Pilgerin zu bezeichnen hätte bedeutet, dass ich vor meinem Besuch um die Heiligkeit und Besonderheit von Chartres gewusst hätte. Doch so war es nicht. Zwar wusste ich, dass die Kathedrale aufgrund ihrer prachtvollen, achthundert Jahre alten Architektur und Hunderter großartiger Buntglasfenster ein wertvolles Kulturerbe ist, doch dieses Wissen stammte ausschließlich aus einem Pariser Reiseführer.

Bei meinem ersten Besuch der Kathedrale von Chartres schritt ich durch das imposante Westportal unter einem prächtigen Relief hindurch, das Christus auf dem Himmelsthron darstellte. Die überwältigende Größe der Kirche, die Überfülle an Ehrfurcht gebietender Schönheit, die das Innere des Gotteshauses bereithielt, nahmen mir fast den Atem.

Wie so viele andere Besucher vor und nach mir gönnte ich dem Boden kaum einen Blick. Die berühmten Buntglasfenster liegen einige Stockwerke über Augenhöhe und veranlassen die Besucher dazu, einander anzurempeln, weil ihre Blicke ständig himmelwärts gerichtet sind. Ich kannte damals noch nicht das, was zu einem so wichtigen Bestandteil meines Lebens werden sollte; ich wusste nicht, dass mich unter meinen Füßen ebenso viel Pracht erwartete wie in der Höhe. Leider übersehen die meisten Besucher dieses Geheimnis, das ihr Leben verändern könnte.

Dennoch war mir beim Eintreten kurz ein ungewöhnliches Bodenmuster ins Auge gefallen. Es heftete sich hartnäckig an meine Gedanken, ließ mir keine Ruhe – etwas daran musste wichtig sein –, und deshalb ging ich noch einmal in das Kirchenschiff, um zu sehen, was daran so ungewöhnlich war. In der Mitte der Kathedrale war ein großes Bodenmosaik eingelassen, auf dem mindestens zehn Erwachsene Platz hatten. Das Mosaik hatte die Form einer Blume, einer Rose mit sechs Blütenblättern und einem Kreis in der Mitte. Ein großer Teil des altertümlichen Mosaiks war mit Stühlen zugestellt, und es war nicht im Ganzen zu erkennen. Um die Rose herum erstreckte sich ein größeres Mosaik, das einen bedeutenden Teil des Kirchenschiffes einnahm, aber auch auf diesem standen Stuhlreihen und verdeckten die Sicht. Was ich vom Muster erkennen konnte, war wunderschön und meisterhaft gelegt, aber auch eigenartig. Ich stellte mich in den mittleren Kreis, das Zentrum der Rose, da dies der einzige Platz war, auf dem keine Stühle standen.

Ich stand da, holte tief Luft … und fiel auf die Knie. Eine heiße Welle durchflutete meinen Körper und riss mich mit ihrer Kraft zu Boden. Danach war ich wie betäubt und musste mich auf einen der Holzstühle setzen, die den Rest des Rosenmosaiks bedeckten. Als die Benommenheit nachließ, überkam mich ein Gefühl der Ehrfurcht und Faszination.

Noch lange nach der Heimkehr in die Staaten verfolgte mich das Rosenmosaik der Kathedrale. Meine Faszination verwandelte sich in Besessenheit, die wiederum zu einer unerwarteten spirituellen Reise führte. Sie sollte zur Reise meines Lebens werden, eine Reise, die bis zum heutigen Tage andauert.

Auf meinem Weg zum Verständnis der Rose mit sechs Blütenblättern entdeckte ich, dass sie die Mitte des riesigen Labyrinths bildet, das in seinem Durchmesser nahezu dreizehn Meter des Kathedralenbodens einnimmt. Die Baumeister der Gotik haben in Frankreich viele ihrer Bauwerke mit Labyrinthen geschmückt, doch nur eine Hand voll dieser Kreismosaike haben die Zeit überstanden. Es sind kunstvolle Muster, von Meisterarchitekten mit geometrischer Präzision angelegt. Zuweilen werden sie auch »Irrgärten« genannt, aber das ist eine unzutreffende Bezeichnung. Irrgärten sind Orte, an denen man sich verliert. Labyrinthe hingegen sind Orte, an denen man sich wiederfindet.

Sinn und Zweck der Labyrinthe in französischen Kathedralen sind unter Gelehrten und Theologen umstritten. Manche sind der Meinung, sie stellten einen symbolischen Weg in das Heilige Land für diejenigen Gläubigen dar, die nicht die Mittel besaßen, eine solche Pilgerfahrt in der Wirklichkeit anzutreten. Andere sind wie ich der Auffassung, dass diese Labyrinthe als Werkzeug der spirituellen Übung geschaffen wurden, als Pfad, auf dem man betend in Richtung Mittelpunkt schreitet, an dem Gott den Gläubigen erwartet. Alle Labyrinthe haben einen einzigen Weg, der zu einem Mittelpunkt führt, zu einem Allerheiligsten, das einzig dem Gebet dient. Wie ich erfuhr, ist die Kathedrale von Chartres insofern einzigartig, als sie das einzige mittelalterliche Labyrinth enthält, in dem die sechsblättrige Rose der Mittelpunkt ist.

Im Frühmittelalter und vielleicht schon lange davor existierte in Chartres eine berühmte geistliche Schule. Dort war ein Zentrum für Theologie und Mystik, das in der heutigen Zeit Stoff für Legenden bildet. Die Schule zählte Heilige, Mystiker, Philosophen, Staatsmänner und sogar ein paar berüchtigte Häretiker zu ihren auserlesenen Lehrern und Schülern. Obwohl vieles, was dort gelehrt wurde, im Laufe der Geschichte verloren gegangen ist, haben ein paar eindrucksvolle Überbleibsel der mystischen Chartres-Lehren überlebt und sind für diejenigen, die tief genug graben, zu finden.

Auch ich habe mich auf die Suche begeben und fand auf meinem Weg Lehrer, die mich in die Vergangenheit einluden und mir Einlass gewährten in die alte Mystikerschule von Chartres. Sie lehrten mich den Weg des Labyrinths und zeigten mir, dass die Rose in seinem Mittelpunkt eine Pforte ist, die letztlich zum größten aller Schätze führt: zur spirituellen Wandlung.

Kreis

Auf den folgenden Seiten werde ich Ihnen einige der stärksten, lebensverändernden Lektionen aus Chartres vorstellen, doch die Essenz meiner Entdeckung ist diese:

Das Geheimnis der Rose mit sechs Blütenblättern ist, dass sie genau dem Vaterunser entspricht. Jedes Blatt der Rose steht für eine Lehre, die sich im Vaterunser findet, und ihr Mittelkreis bildet die Essenz und den Quell der LIEBE, denn Liebe muss in alle Aspekte unseres Lebens einfließen, damit wir wahre Erfüllung erlangen können. Die Rose ist das Sinnbild der vollendeten spirituellen Übung, wie sie uns von Jesus hinterlassen wurde. Sie ist unsere Schatzkarte zur Quelle der Wunder.

Die Rose im Mittelpunkt des Labyrinths in der Kathedrale von Chartres ist das Herz eines unvergleichlichen Tempels, der zur Würdigung des Gebetes erbaut wurde. Sie bildete das Kernstück der Lehren der mittelalterlichen Mystikerschule, in der eine machtvolle und geheiligte christliche Überlieferung gelehrt wurde, die uns Heutigen fast verloren gegangen ist.

Während meiner Studien lernte ich, das Vaterunser als verpflichtende Übung zu benutzen, so wie es die Schüler der Mystikerschule von Chartres taten. Seit ich das Gebet in mein alltägliches Leben integriert habe, bin ich zu einem vollkommen neuen Menschen geworden, der sein früheres Ich nicht vermisst. Die Gebetsübung hat meinen Glauben gestärkt: den Glauben an Gott, an mich selbst und an meine Mitmenschen.

Die Offenbarungen des Vaterunsers, die mich in der mystischen Rose von Chartres erwarteten, haben mein Leben und das der Menschen um mich herum unwiderruflich verändert. Und sie haben das Wunder bewirkt, meinem kleinen Sohn das Leben zu retten.

SAN FRANCISCO, KALIFORNIEN: MAI 2001

Wieder war es ein Muttertag, sechs Jahre und sechstausend Meilen von Chartres entfernt, als ich zu Besuch bei meiner lieben Freundin Stacey in der Bay Area von Nordkalifornien weilte. Es war kein Zufall, dass es Stacey gewesen war, die mich 1995 auf die schicksalhafte Reise nach Chartres begleitet hatte. Wie ich war auch sie von dem Labyrinth und seinen Möglichkeiten zur spirituellen Erleuchtung mittels Gebet und Gehmeditation gefesselt. Deshalb stiegen wir an diesem Feiertag den Nob Hill zur Grace Cathedral hinauf, einer Kirche, die sogar zwei vollendete Repliken des Labyrinths von Chartres mit der sechsblättrigen Rose hat, eine im Gebäude selbst und die andere auf dem Platz davor. Wir wollten beide Labyrinthe durchwandern, wofür wir jeweils persönliche Gründe hatten. Als werdende Mutter Ende dreißig, die einige schlimme Fehlgeburten erlitten hatte, machte ich mir große Sorgen um meine Schwangerschaft. Mein Hauptanliegen für den Gang durch das Labyrinth bestand darin, für eine glückliche Niederkunft zu beten.

Des Weiteren wollte ich um geistige Führung für das Buch bitten, an dem ich damals arbeitete, ein Roman über das Leben der Maria Magdalena und ihre einzigartige Beziehung zu Jesus. Einige Passagen des Buches waren eine Prüfung für meinen Glauben. Über das Leben Jesu zu schreiben war eine große Verantwortung, die mich manchmal zu überwältigen drohte. Überdies förderten meine Nachforschungen außergewöhnliche Details über die Rolle der Magdalena in Jesu Leben und Lehre zutage, die in traditionellen oder akademischen Quellen nicht zu finden waren. Besaß ich genug Mut, um die Wahrheit über meine Entdeckungen niederzuschreiben? Wie konnte ich solche Details in meinem Roman wortwörtlich beschreiben, wenn ich doch glaubte, dass sie sinnbildlich, als Allegorie, gemeint waren? Durch das meditative Gebet erhoffte ich Klarheit über diese künstlerische und spirituelle Herausforderung zu erlangen. Doch ich hätte mir nie träumen lassen, auf welche Weise mir diese Klarheit zuteilwerden würde.

Ich war im sechsten Monat schwanger, als ich das Labyrinth der Grace Cathedral betrat und seine elf Kreise durchwanderte. Als ich die Rose erreichte, begann ich ernsthaft für die Gesundheit meines Kindes zu beten. Ich durchschritt die Blütenblätter, eines nach dem anderen. In der Mitte der Rose angekommen, widerfuhr mir etwas, das ich in dem Labyrinth zuvor nicht erlebt hatte: Mir erschien Maria Magdalena. Ich hörte ihre Stimme, die deutlich und eindringlich zu mir sagte: »Ganz gleich, was man dir sagt, deinem Kind wird es gutgehen. Du wirst eine Prüfung erleiden, aber sei gewiss, dass dein Kind leben wird und dass es gesund ist. Glaube nichts anderes, und gib niemals auf. Ganz gleich, was geschieht, du musst darauf vertrauen.«

LOS ANGELES: 17. AUGUST 2001

Drei Monate später lag mein winziger, wunderbarer Junge in einem Inkubator mit unzähligen Schläuchen und Nadeln, die ihm auch nicht halfen.

»Niemand hat Schuld daran«, wiederholte der Sozialarbeiter, der mich immer noch davon überzeugen wollte, dass mein Kind sterben würde und dass die Klinik dafür nicht verantwortlich sei. Ich hörte gar nicht mehr zu. Ich hörte nur die starke Frauenstimme, die ich vor drei Monaten im Labyrinth vernommen hatte: »Du wirst eine Prüfung erleiden, aber sei gewiss, dass dein Kind leben wird und dass es gesund ist. Glaube nichts anderes, und gib niemals auf. Ganz gleich, was geschieht, du musst darauf vertrauen.«

Die Ärzte hatten mir gesagt, ich dürfe Shane nicht berühren, da er »zu empfindlich« sei. Da sie aber auch der Überzeugung waren, dass er jede Minute sterben konnte, hörte ich auf niemanden mehr und nahm die Dinge selbst in die Hand. Ich stand aus meinem Rollstuhl auf, schob alle beiseite und nahm mein Kind in die Arme. Ich begann zu ihm zu sprechen. Ich versprach, dass ich ihn niemals im Stich lassen würde, und ich betete an seinem Ohr. Während ich dies tat, zeigte sich eine schwache, aber messbare medizinische Reaktion. Die Zahlen auf den Monitoren der Geräte, an die Shane angeschlossen war, flackerten zum ersten Mal. Er kämpfte darum, bei mir zu bleiben, das spürte ich. Und ich kämpfte um ihn mit jeder Unze Kraft, die mir verblieben war. Shane war bewusstlos und kalt, er war winzig und blau angelaufen, wir hatten ihn fast verloren. Der Glaube war fast alles, was mir geblieben war, mein Glaube und meine Liebe für dieses kostbare kleine Wesen.

Doch in dieser Nacht sollte ich erkennen, dass diese beiden Dinge genügen, um die Welt zu verändern. Mit Glaube und Liebe ist alles möglich.

Das UCLA Medical Center liegt ungefähr zwanzig Meilen entfernt von dem Krankenhaus, in dem Shane zur Welt kam, in Westwood Village, auf dem Campus der University of California, Los Angeles. Seine Frühgeborenen-Intensivstation zählt zu den besten der Welt, und das Krankenhaus ist führend in der Erforschung neuer lebensrettender Maßnahmen. Da meine Familie darauf bestand, setzten sich die Ärzte mit dem Medical Center in Verbindung, obwohl ich ihrer Meinung nach nicht zu große Hoffnung hegen sollte. Der Transporthubschrauber des Krankenhauses stünde nicht bereit, und das UCLA-Team müsse mit dem Krankenwagen kommen – quer durch die Stadt, durch den legendär zähflüssigen Freitagabendverkehr von Los Angeles. Bis die Kavallerie aus Westwood anrücke, könne Shane tot sein. Und selbst wenn er es wie durch ein Wunder schaffte, würde er die Fahrt quer durch die Stadt nicht überstehen.

Doch ich hielt Shane in meinen Armen und betete zwei volle Stunden – denn so lange dauerte es, bis der Krankenwagen kam. Und Shane kämpfte mit mir, er hielt lange genug durch, um die Vorstadtklinik verlassen zu können und in die Obhut der irdischen Engel im UCLA Medical Center gebracht zu werden.

Ich aber durfte ihn nicht begleiten.

Ich hatte soeben einen größeren Eingriff überstanden und selbst mit einigen Komplikationen zu kämpfen, die von den anstrengenden Stunden auf der Intensivstation noch verschlimmert wurden. Als die mitleidige Krankenschwester aus dem UCLA-Ambulanzfahrzeug mir Shane abnahm, um ihn in den Transport-Inkubator zu legen, tat mein Junge etwas, das niemand geahnt hätte: Er öffnete die Augen.

»Unmöglich!«, rief der Arzt, der ihn vorher fast für tot erklärt hatte. Aber Shane bot ihnen allen die Stirn. Er sah ein paar Sekunden lang mich an, dann seinen verzweifelten Vater, und dann schloss er die Augen wieder, erschöpft von der ersten Anstrengung seines jungen Lebens. In diesem Moment sah ich mein Kind wirklich zum ersten Mal. Er steckte dort drin, und er würde zu uns zurückkommen. Es war das erste der zahllosen Geschenke, die Shane uns gewährte.

In jener Nacht war ich physisch außerstande, Shane zu begleiten, obwohl ich es unbedingt wollte. Ich wurde zurückgelassen und musste gegen einen neuen Albtraum kämpfen, denn nun kamen die Ärzte der Vorstadtklinik zu mir herein, um mich auf ihre Version der Wahrheit »vorzubereiten«. Da Shane so einen großen Sauerstoffmangel erlitten habe, könne die Schädigung seines Körpers noch gar nicht ermessen werden. Sein Gehirn sei derart in Mitleidenschaft gezogen worden, dass er mich vermutlich niemals werde sehen oder hören können, geschweige denn erkennen. Sein Augenaufschlag sei lediglich ein Reflex gewesen, den man nicht als Anzeichen von Gehirnaktivität werten könne. Seine Lunge sei eine funktionsunfähige Gewebemasse, und selbst wenn er überlebte, würde er niemals ohne Atemgerät auskommen. Es habe eine Blutung in seinen Nebennieren gegeben, und er werde nicht in der Lage sein, die Hormone auszubilden, die er zum Wachstum brauche. Und vermutlich seien seine anderen Organe ebenso irreparabel zerstört.

Einer der Ärzte sagte doch tatsächlich: »Es ist nicht unbedingt positiv, wenn Ihr Kind die Nacht überlebt.«

Ich wünschte, ich könnte berichten, dass mein Glaube so stark war, dass ich ihnen kein Wort glaubte, aber das wäre eine Lüge. Ich hatte die Wunder noch nicht erlebt, die mir diesen unerschütterlichen Glauben bescheren sollten. Ich befand mich immer noch in der Phase der Prüfung.

Es war die schlimmste Nacht meines Lebens. Mein armes, leidendes Kind lag auf der anderen Seite der Stadt, und ich konnte nicht bei ihm sein. Ich war allein an diesem schrecklichen Ort, eingeschüchtert von den Schwarzmalereien der Ärzte, während meine Familie auf einer Frühgeborenen-Intensivstation am anderen Ende der Stadt bei meinem Baby weilte. Nie zuvor hatte ich solches Elend, solche Furcht gekannt.

Am nächsten Tag entließ ich mich aus dem Krankenhaus und begab mich zu meiner Familie und zu meinem Kind. Und blieb die nächsten zwölf Tage dort.

Wir wichen nicht von Shanes Seite, außer in der Stunde, wenn die einfühlsamen Schwestern der Frühgeborenenstation seine Windeln wechselten. Vielleicht war es nur ein Zufall, dass drei der Schwestern Mary, Magdalena und Mary Ann hießen, aber jede dieser Frauen besaß das Mitleid und die Anmut ihrer Namensschwester, und mit ihrer Unterstützung konnten wir unsere Nachtwachen durchstehen.

Wir lebten praktisch in unseren Sesseln neben Shanes Bettchen. Wir sprachen mit ihm, sangen ihm vor, und vor allem beteten wir. Wir beteten auf der Station, wir beteten in der Krankenhauskapelle, wir beteten im Garten, und wir animierten Freunde und Familienmitglieder in aller Welt, über Telefon und Internet mit uns zu beten. Tausende von Menschen beteten für unser Kind. Wir gaben nicht auf.

Das Vaterunser war in dieser schweren Zeit mein Rettungsanker, und während ich betete, stellte ich mir die Rose vor. Ich kämpfte jeden Tag darum, zu glauben und mich Gottes Willen hinzugeben; dies sind die Aufgaben des ersten und des zweiten Blattes der Gebetsrose. Um diese schwere Prüfung zu überstehen, musste ich glauben, dass alles aus einem tieferen Grund geschehe, deshalb hielt ich an meinem Glauben fest. Und ich fügte auch die übrigen Zeilen des Vaterunsers in meine Gebetsübung ein. Wir hatten nämlich zusätzlich mit großen finanziellen Problemen zu kämpfen: Während Shanes Krankenhausaufenthalt konnte keiner von uns arbeiten, doch es kam nicht infrage, ihn allein zu lassen. Wie es auch ausgehen würde, fest stand, dass wir auf eine finanzielle Krise zusteuerten. Wieder und wieder musste ich mit meinem Zorn über unsere Lage fertig werden und sogar Vergebung für die Ärzte aufbringen, die mein Kind fast hatten sterben lassen. Diese schwere Last wurde mir durch das Gebet erträglich gemacht. Und während der ganzen Zeit hielt ich an meiner Vision fest, die ich im Labyrinth gesehen hatte, und an der Botschaft, dass ich nicht aufgeben dürfe.

In der zwölften Nacht auf der Frühgeborenenstation stand ich auf, um ein wenig spazieren zu gehen. Mein ganzer Körper war steif, weil ich im Sessel geschlafen hatte, und die Unterleibswunde schmerzte, weil sie nicht ordentlich abgeheilt war. Ich hatte Schmerzmittel abgelehnt, weil ich meinen Geist und meine Seele nicht stumpf machen wollte. Shane konnte mich jeden Moment brauchen, und dann musste ich ihm meine volle Aufmerksamkeit schenken. Ich spazierte ein paar Minuten durch die Korridore, doch da dies meinen Zustand nicht besserte, kehrte ich auf die Station und meinen Posten am Bett meines Kindes zurück.

Damals war die Frühgeborenen-Intensivstation ein langgestreckter Raum, und Shanes Bettchen stand in der linken hinteren Ecke. Als ich in diese Richtung schaute, entdeckte ich ein sanftes Licht. Zuerst dachte ich, ein Arzt oder eine Schwester sei dabei, mein Baby zu untersuchen, denn jemand beugte sich über sein Bett. Ich ging neugierig ein paar Schritte näher – und blieb wie angewurzelt stehen.

Über das Bett meines Kindes beugte sich ein schöner Mann mit langem Haar.

Nun ist Shanes Vater Peter ein schöner Mann mit langem Haar, und einen Moment nahm ich an, er sei es.

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