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Vampira - Folge 41

 

Die Rückkehr

Der Kreis schließt sich!

von Adrian Doyle

Lightning Ridge, Gegenwart

»Hier?«, fragte Haciel ungläubig und blickte durch die getönten Scheiben ihres Wagens nach draußen in die Abenddämmerung. »Von hier stammst du?«

Ben ließ seinen Blick über die altersfleckige Fassade des Motels schweifen, als wäre er zum ersten Mal hier und nicht die Vampirin, die Herak ihm als seine persönliche Assistentin zur Seite gestellt hatte. Und als Aufpasserin.

»Es war die Idee eures Oberhaupts, dass ich mich in diese Abgeschiedenheit begeben soll«, erwiderte der Aschemagier unbehaglich. Eine seltsame Scheu hatte ihn sofort nach der Ankunft befallen. Er überlegte, wie lange es her war, dass er diesem Ort den Rücken gekehrt hatte. Ein Jahr?

Er zuckte mit den Achseln. Der Knackpunkt war nicht, wann er von hier fortgegangen, sondern wann er hier geboren worden war. Denn auch das lag, obwohl er wie ein junger Mann Anfang zwanzig aussah, nicht lange zurück. Er war schon im Bauch seiner Mutter Alice abnorm schnell gewachsen und hatte dieses Tempo auch nach der Geburt beibehalten – bis er jene Physis erlangt hatte, die er auch jetzt noch zeigte: einsfünfundachtzig groß, schlank, kurzes helles Haar, markantes schmales Gesicht mit Augen von der Farbe des Stoffes, mit dem ihn eine geheimnisvolle Affinität verband: Asche.

Wieder war es Haciels Stimme, die ihn aus seinen Gedanken riss. »Zuerst wollte er uns im Großraum Sydney unterbringen, kam dann aber wohl zu dem Schluss, dass das zu nahe bei Salem Enterprises liegt. Hast du den Schlüssel?«

Die Vampirin wirkte rein äußerlich kaum älter als Ben. Bei ihr war die Diskrepanz zu ihrem wahren Alter jedoch noch frappierender: Haciel war mehrere Jahrhunderte alt und noch vom legendären Lilienkelch »gezeugt« worden – dem Unheiligtum der Vampire, das irgendwann verloren ging. Seit fast dreihundert Jahren hatte es nach Bens Kenntnisstand keine Kelchtaufe mehr gegeben, in deren Verlauf aus entführten Menschenkindern Vampire wurden.

Ben klopfte sich gegen die Tasche seiner Lederjacke. »Ja.« Langsam setzte er sich in Bewegung.

Über dem Eingang des Motels prangte der Name ALICE.

Es war auch der Name seiner Mutter, die sich umgebracht hatte, um ihm nicht länger im Weg zu stehen. Um ihn nicht erpressbar zu machen. Denn die üblichen Methoden der Vampire, sich Menschen gefügig zu machen, verfingen bei ihm nicht. Er sprach nicht auf ihre besondere Form der Suggestion an, war nicht empfänglich für ihre magische Hypnosekraft. Und – was noch schwerer wog – er war insgesamt furchtlos. Wer keine Angst hatte, der konnte auch zu nichts gezwungen werden.

Alles, was Ben bislang in Diensten der Vampire getan hatte, war letztlich freiwillig geschehen. All die Experimente mit Menschen und Blutsaugern, die er aus deren Asche wieder auferstehen ließ – sie hatten ihn auch weitergebracht in seinem Verständnis von sich selbst.

Und jetzt war er hier. Lightning Ridge. Rund achthundert Kilometer von Sydney entfernt, dem Hauptquartier der australischen Vampire.

Herak – alias Hora II. – hatte ihm den Schlüssel übergeben, mit dem er sowohl die Tür zum Empfangsraum des Motels aufsperren konnte als auch die zu der kleinen Wohnung innerhalb des Gebäudes, in der er die ersten Monate seines Lebens verbracht hatte. Bis ihn der Drang befallen hatte, in die Großstadt umzusiedeln.

Der Drang, der aus einem geheimen Kern tief in seinem Innern zurückging und von dem er selbst nicht hätte sagen können, was genau es war, das diese Sehnsucht in ihm geweckt hatte, die ihm gar keine andere Wahl ließ, als ihr zu folgen.

Alice war in Lightning Ridge zurückgeblieben – bis die Vampire sie von hier aus nach Sydney verschleppt hatten, ins Versteck der dortigen Sippe. Als Druckmittel, um Ben nötigenfalls gefügig zu machen.

Dass er sich nach ihrem Freitod weiterhin in Heraks Dunstkreis aufhielt, lag daran, dass das Sippenoberhaupt ihm die idealen Bedingungen bot, weiter an seiner Gabe zu arbeiten. Aber die jüngste Entwicklung hatte Ben so sehr überrascht, dass er immer noch um Fassung rang.

Wieder hatte es mit Asche zu tun. Ganz besonderer Asche, die Heraks Vorgänger in einem Tresor verwahrt hatte und deren Geheimnis Ben auf Geheiß des Sippenoberhaupts lüften sollte.

Einen entscheidenden Schritt hatte er noch in Sydney getan, innerhalb des unterirdischen Komplexes von Salem Enterprises, der Tarnfirma, hinter der sich das neue Hauptquartier der australischen Vampire verbarg.

Als er mit einem winzigen Quäntchen schwerer Asche aus dem Tresor experimentiert hatte, waren innerhalb des Hauptquartiers fast die Lichter ausgegangen. Die Kraft, die der Asche innewohnte, hatte ein Monster erschaffen, das gerade noch unschädlich gemacht werden konnte.

Zwischen der Mutation und Bens Aschezauber musste es einen Zusammenhang geben – und genau das hatte die Vampire bewogen, Ben für weitere Experimente mit der schweren Asche auszuquartieren.

Haciel folgte Ben zur Tür, wartete, bis er aufgeschlossen hatte, und trat mit ihm in das Gebäude. Im Grunde brauchte Ben nur einen einzigen Raum – hier hatte er die Wahl zwischen zwei Dutzend Zimmern, in denen er sein »Labor« einrichten konnte.

»Und warum nicht die Wohnung?«, stellte Haciel eine durchaus berechtigte Frage.

Weil sie Erinnerungen wecken würde, für die ich mich noch nicht gewappnet fühle. Eigentümlicherweise belastete ihn dieser Ort mehr, als er es erwartet hätte. Aber darüber sprach er nicht mit seiner Begleiterin.

Er nahm sich insgesamt drei Schlüssel vom Brett hinter der Rezeption. Sie gehörten zu Zimmern, die unmittelbar nebeneinanderlagen.

»Du hast die Sieben«, sagte er zu Haciel, »ich die Neun. Zum Zimmer dazwischen gibt es von beiden Seiten aus eine Verbindungstür.«

»Dort startest du deine Versuche?«

Er nickte. Sie verabredeten sich für zehn Uhr. Das war in zwei Stunden.

Kairo, Ägypten

Nachdem ich Beth in Kairo abgeholt habe, reisen wir weiter nach Uruk. Die Agrippa wispert unaufhörlich in mir und weist mir den Weg. Sie führt mich geradewegs zu der Ausgrabung, die meine Diener schon vor Wochen vollendet haben. Beth begleitet mich die steinernen Stufen nach unten in jene Kammer, in der der Lilienkelch auf mich wartet, von Felidae hinterlegt. Sie, die jetzt hier haust, hindert mich nicht, ihn zu ergreifen.

»Lilith?« Die vertraute Stimme unterbricht den Zauber, der begonnen hat, mich in seinen Bann zu ziehen. Und ermahnt mich zugleich zum Handeln. Es gibt keinen Grund, länger zu warten.

»Lilith …«

Ich drehe mich um. Meine Augen finden die Frau, der ich Dank schulde. Sie hat mich durch alle Irrungen und Wirrungen der Unvollkommenheit begleitet. »Ja?«

Ich sehe, wie sie erzittert. Ich wecke Unerwartetes in ihr: Angst … sogar Grauen. Wie lächerlich. Und wie klug. »Was ist los mit dir? Warum siehst du mich so –«

Sie verstummt. Ich habe keine Scheu, ihr den Rücken zuzudrehen und den Lilienkelch dorthin zurückzustellen, von wo ich ihn eben erst genommen habe. Hierher, in das uralte Mauerwerk, gehört er, und hier wird er bleiben, bis …

»Lilith, bitte …« Sie bettelt, weil sie spürt, dass das, was uns verband, verschwunden ist. Ich selbst sehe alles mit anderen Augen. Kristallklar. Wie dumm ich doch war!

»Was hast du vor?« In Beth’ Stimme schwingt Panik. Hysterie gesellt sich hinzu: »Bleib stehen! Bleib mir vom –« Sie weicht von mir zurück. Ich fühle es, obwohl ich ihr den Rücken zukehre. Beth MacKinsey versucht den Ausgang zu erreichen. Wie sie sich abmüht. Sie kann sich kaum auf den Beinen halten. Wie langsam sie ist.

Lächelnd folge ich ihr. Die Schatten tragen mich an ihr vorbei. Ich merke kaum, wie meine Füße den Boden berühren. Ich bin eins mit diesem Ort – und eins mit der Hülle, die mich panzert und die ein unglaubliches Geheimnis birgt, das ich nun kenne und unter dem ich wohlig erschauere. Ich weiß inzwischen, dass der Mimikrystoff mir nur geliehen ist; nicht geschenkt für die Dauer meines Lebens. Und dass er mich – anders als ich lange glaubte – nicht nur verlassen wird, sondern sogar verlassen muss.

Bei Felidae – die mich hier als neues Wächterwesen begrüßte – ist dies bereits geschehen. Ihr Symbiont ist durch jenen Korridor gegangen, dem auch die Toten gleich folgen werden. Und danach ich. Ich muss ihn nur erstehen lassen, und dazu genügt ein Gedanke. Den Rest erledigt der Kelch hinter mir in der Wand, die aufhören wird zu existieren.

Beth MacKinseys Augen weiten sich. Nicht weil ich ihr den Weg verstelle, sondern weil sich unsere Umgebung von einem Lidschlag zum anderen verändert.

Der an eine Grabkammer erinnernde Raum löst sich auf. Der Boden unter unseren Füßen gehört jetzt zu einem Korridor, breit wie ein Eisenbahntunnel. Er besteht aus einer glatten Masse: geronnene Zeit. Es gibt weder Licht noch dunkel. Der Gang ist zum Anfang der Zeit hin fast unmerklich geneigt, und hie und da besitzt er finstere Ausgänge in Epochen, die immer gegenwärtig sind, wenn auch nur hinter diesen Toren.

Vom fernen Ende dieses Korridors erreicht mich eine Lockung, die auch die Toten erreicht, die noch immer auf der Treppe ausharren. Ich höre, wie sie hinter mir eintreten. Dieser Ort ist mein Auge und mein Ohr. Wenn ich will, kann ich zu jedem beliebigen Punkt des Korridors blicken.

Luther und Romano haben längst ihr Ziel erreicht; ich kann ihre Präsenz deutlich spüren. Nichts, was den Keim in sich trägt, kann im Korridor verloren gehen. Nicht einmal, wenn es der Verlockung der Schlupflöcher in die anderen Epochen erliegt. Alles gelangt dorthin, wo seine Aufgabe wartet.

Felidaes ausgeblutetes Herz ist den Blicken ebenso entschwunden wie ihr ganzer verdorrter Leichnam. Und wie der Lilienkelch, der aber immer noch da ist. Nur befindet er sich jetzt hinter diesen »festen« Mauern aus Zeit.

Ich stehe unablässig mit ihm in Kontakt. Und so erahne ich bereits, was er gleich – sobald der letzte Tote die Torschwelle überschritten hat – ausspeien wird, um diese Trennlinie zwischen Gegenwart und Vergangenheit zu schützen.

Die Toten ziehen an mir vorbei. Schweigend. Die Prozession entfernt sich schnell. Nur Beth MacKinsey steht immer noch voller Unruhe und Aufruhr vor mir.

»Weißt du noch«, frage ich, »wie es war, als du Hass auf mich empfandest? Damals, als die magische Pest dir den Kopf verdrehte und du mit Landru paktiert hast?«

Sie schüttelt den Kopf. »Hör auf!«

»Gleich. Versuche dich zu erinnern. Es würde dir beim Sterben helfen – vielleicht.«

Ohne eine Erwiderung abzuwarten oder auf das Flehen ihrer Augen zu achten, nehme ich ihr Gesicht in die Hände und drehe es auf den Rücken. Sie stirbt mit einem Staunen. Danach betrete ich unbehelligt den Korridor der Zeit.

Landru sah Lilith mit der Agrippa in der Tiefe verschwinden, doch er verlor den Kontakt keine Sekunde lang. Mit seinen vampirischen Sinnen konnte er den Bastard deutlich ausmachen, während seine magische Abschirmung verhinderte, dass Lilith im Gegenzug seine Gegenwart erspüren konnte.

Er wartete eine Weile, dann machte er sich auf den Weg, seiner Feindin zu folgen. Das Wächterwesen hielt ihn nicht auf, obwohl – und auch das spürte er deutlich – es ihn sehr wohl erkannte. Die Augen der Kreatur sprühten vor Hass, aber ihre »Programmierung« verhinderte offenbar, dass sie Landru angriff.

Landru, den letzten der Kelchhüter. Das Hohe Wesen; einer der Uralten, die einst die Welt beherrschten – bevor die Sintflut kam.

Dort, wo die Fußspuren endeten, lag unsichtbar die in den Korridor hinabführende Treppe. Verließ man sich nicht auf seinen Tastsinn, sah es so aus, als würde sich hier nur der sandige Boden fortsetzen. Wahrscheinlich wollte jemand den Zugang mit Magie tarnen.

Landru war den Spuren zurück gefolgt. Wie von Sinnen war er von dort, wo der Totenmund zu ihm gesprochen hatte, geflohen. Und nun stand er hier und konnte sich nicht entschließen, einzutauchen in das Unsichtbare. Fortzugehen von diesem Ort, an dem Lilith offenbar erwartet wurde, während er sich wie ein Verstoßener fühlen musste.

Hass glomm in seinem Geist. Hass, dumpf und erstickend, wie er ihn nie zuvor empfunden hatte.

Eine ganze Zeit lang stand er völlig regungslos da, leicht geduckt wie Luther vorhin – und doch aus völlig anderem Antrieb. Wie ein in die Enge getriebenes Tier. Wie das schrecklichste Tier, das die Natur je ersonnen hatte: der Mensch!

Ich – bin – kein – Mensch!

Was aber dann? Ein Gott? Der eigene Hohn, die eigene Häme, mit der er sich besudelte, fachte den Hass noch stärker an.

Als sein Kopf dann herumruckte, als er dorthin zurückstarrte, woher er getaumelt gekommen war und wo die Toten ihr eigenes Grab auszuheben schienen – da wusste er, dass er nicht fortgehen und sich auch nicht irgendwo verkriechen würde!

Hass. Landru wehrte sich nicht dagegen, sondern badete förmlich darin. Ein Abglanz alter Stärke und Entschlusskraft kehrte in ihn zurück. Er suchte einen herumliegenden, kopfgroßen Fels und verbarg die Opferschlange daneben im Sand. Im Moment hätte sie ihn nur behindert.

Selbst verblüfft, wie leicht er seinen Körper verwandeln konnte, ließ er sich von seinen Schwingen hoch in die Luft tragen, und es schien ihm selbstverständlich, wohin er sich wandte. Dorthin, wo er die Schar der Vögel gesichtet hatte. Wo vielleicht eine Oase – oder sonst ein Ort mit Menschen – lag. Jenseits der trennenden Berge. Menschen … die er trinken konnte.

Als ich aus dem Tor breche, das das Ende des Korridors der Zeit markiert, habe ich mich bereits verwandelt. Meine Fänge umschließen die Agrippa. Noch einmal werde ich ihn nicht verlieren. Er ist der Schlüssel. Ohne ihn wäre meine Reise zum Anfang sinnlos.

Tropfen sprühen von meinen ledrigen Schwingen, als ich sie im freien Fall entfalte. Den Boden des Korridors erreiche ich nicht. Vorher tragen mich meine Flügel. Dorthin, wo ich erwartet werde.

Der Flugwind trocknet meinen Pelz. Ich denke nur noch an das eine. An meine Pflicht. Ich nehme meine wahre Gestalt an – aber mein Geist bleibt beflügelt.

Der Symbiont gleitet von mir. Ich lasse ihn gehen. Das letzte Stück Weg hat er mich noch einmal begleitet und bekleidet.

Ich bin voller Euphorie. Meine Hände nehmen die Agrippa, die aussieht wie ein eiförmiger, uralter Stein aus der Kruste dieses Planeten.

Ich steige die Stufen empor, wo mich ein heller Tag erwartet und wo alles so ist, wie es mir prophezeit wurde, als ich Felidaes Blut aus dem Lilienkelch trank.

Lightning Ridge, Gegenwart

Haciel kam durch die Verbindungstür. »Hey«, sagte sie.

Ben blickte von dem Tisch auf, auf dem der Behälter mit der Asche stand, von der unlängst jemand behauptet hatte, es handele sich um die Überreste einer mythischen Gottheit. Über ihm leuchtete eine nackte Glühbirne. Draußen war es stockfinster.

»Hey«, erwiderte er mechanisch.

Der Mund der Vampirin schimmerte in einem Rot, wie es keine normale Schminke zustande brachte. Wohl aber Blut. Frisch vergossenes, noch nicht geronnenes Blut. Aber das spielte keine Rolle.

»Hast du schon angefangen?«, fragte die Vampirin im Näherkommen.

»Nein. Ich schaue sie mir nur an.« Das tat er tatsächlich – obwohl rein optisch nichts Auffälliges an der Asche war.

»Vielleicht werden wir nie erfahren, zu wem sie gehörte«, sagte sie.

Er blickte sie eine Weile stumm an. Dann verblüffte er sie: »Vielleicht weiß ich es ja schon.«

Ihre beiden Augenbrauen schnellten nach oben. »Du hast doch schon angefangen!«

Er schüttelte den Kopf. »Eine Frage: Dringt alles, was hier geschieht, zu Herak?«

In ihre Augen trat ein sonderbarer Ausdruck. »So lautet jedenfalls mein Auftrag.«

»Den du gewissenhaft erfüllst.«

»Den ich nach eigenem Ermessen erfülle.«

»Du hast Spielraum?«

Sie lächelte schmal. »Wenn du mehr über uns wüsstest, wäre dir klar, dass Herak zwar unser Oberhaupt ist, wir aber nicht so zahm sind wie deine Art. In jedem von uns schlummert ein Raubtier.«

»Aber ihr habt Regeln …«

»Wir haben den Kodex – gewiss. Doch er ist nur ein unzulängliches Mittel, um all das im Zaum zu halten, was sich in unserem Kopf abspielt. Die nächtliche Jagd, die ungezügelten Orgien – all das ist nur ein Ventil, um nicht an unserer unterdrückten Wildheit ersticken zu müssen.«

»Und … würdest du auch mir am liebsten die Zähne in die Adern stoßen und dich an meinem Blut betrinken?«, fragte Ben. Sie zögerte. Irgendetwas in ihm hatte sich dieses Zögern erhofft. »Warum antwortest du nicht?«

Ihre eben noch betörende Schönheit wich einem Ausdruck, der Ben endgültig darin bestätigte, dass er sich auf sein Gespür verlassen konnte.

Fauchend erwiderte Haciel: »Fühl dich bloß nicht zu sicher! Wofür hältst du dich, Zauberer? Glaubst du, du hättest mich mit deinem Charme verhext?«

Ben stand so abrupt auf, dass der Stuhl nach hinten kippte und polternd zu Boden fiel. Der Lärm war noch nicht verklungen, als er auch schon vor Haciel angekommen war, sie an den Armen fasste und fest an sich zog. Seine Lippen trafen die ihren, hinter denen die typischen Vampirzähne hervortraten. Der Geschmack fremden Blutes störte ihn nicht.

Was genau geschah, konnte er nicht sagen. Warum er tat, was er tat, erst recht nicht. Er ließ sich von einem Impuls treiben, der ihn geradewegs ins Verderben führen konnte …

… oder auf eine neue Ebene.

Ihre Küsse erinnerten zunächst an Bisse, aber allmählich fanden sie beide die richtige Balance, um sich in einen Rausch hineinzusteigern, der sie dem gemeinsamen lustvollen Höhepunkt entgegentrug, ihnen aber ersparte, sich gegenseitig dabei zu zerfleischen.

Hinterher keuchte Ben schweratmend: »Ist das … ist das … immer so?«

Haciel wirkte völlig entrückt, als sie erwiderte: »Es gibt nur einen Weg, das herauszufinden …«

Ben setzte sich auf. Sofort wurde sein Blick von dem Glas auf dem Tisch eingefangen. Beides – Behältnis und Möbel – hatte die Balgerei unbeschadet überstanden.

Haciel versuchte ihn zu sich herunterzuziehen, bemerkte dann aber, worauf er starrte. »Wie kannst du jetzt an Asche denken?«

»Gerade jetzt«, erwiderte er. »Ich fühle mich, als könnte ich es mit einem Gott aufnehmen!« Er lächelte versonnen. »Und sollte Esben Storm nicht gelogen haben, wird es vielleicht auch genau darauf hinauslaufen.«

»Storm? Der Einbrecher, der verbrannt wurde?«

Er nickte düster. »Er ist mir erschienen. Noch bevor wir Sydney verließen. Und er war aus Fleisch und Blut wie du und ich.«

Sie rückte von ihm ab. »Weiß Herak davon?«

»Von mir hat er es nicht erfahren. Und wenn du es ihm nicht verrätst, wird er es auch nicht.«

»Hast du mich deshalb in Ekstase versetzt? Um mich zu manipulieren?«

Er sah den Wutausbruch kommen und besänftigte sie. »Nein. Das tat ich, weil ich es tun musste. Du bist eine unglaublich anziehende Frau. Seit ich dich zum ersten Mal sah, war etwas in mir, das ich kaum zügeln konnte.«

Sie schwieg lange. Dann nickte sie und schmiegte sich überraschend zärtlich an ihn. »Ja«, sagte sie. »Mir ging es genauso. Und damit meine ich nicht dein Blut …«

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