Logo weiterlesen.de
Vampira - Folge 26

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Was bisher geschah ...
  4. Lilith x 2 = ?
  5. Leserstory
  6. Leserseite
  7. Leserbild von Roger Szilagyi
  8. Vorschau

Lilith Eden – Tochter eines Menschen und der Vampirin Creanna. Für 98 Jahre lag sie schlafend in einem lebenden Haus in Sydney, doch sie ist vor der Zeit erwacht. Sie muss gegen die Vampire kämpfen, die in ihr einen Bastard sehen, bis sie sich ihrer wahren Bestimmung bewusst wird.

Der Symbiont – ein geheimnisvolles Wesen, das Lilith als Kleid dient, obwohl es fast jede Form annehmen kann. Der Symbiont ernährt sich von Vampirblut und verlässt seine Wirtin bis zu deren Tod nie mehr.

Landru – Mächtigster der alten Vampire und der Mörder von Liliths Vater. Seit 267 Jahren jagt er dem verlorenen Lilienkelch nach, dem Unheiligtum der Vampire, der ihm damals von Felidae gestohlen wurde und ohne den es keinen Nachwuchs geben kann.

Felidae – Vampirin im Auftrag einer geheimnisvollen Macht, die Liliths Geburt in die Wege leitete und allein um deren wahre Bestimmung weiß.

Beth MacKinsey – Journalistin bei einer Sydneyer Zeitung. Gleichgeschlechtlich veranlagt, hat sie sich in Lilith verliebt. Dies wurde jedoch durch die Nachwirkungen einer magischen Pest mittlerweile ins Gegenteil verkehrt: Unter deren Einfluss hat sie sich mit Landru gegen Lilith verbündet.

Duncan Luther – ehemaliger Priesteranwärter und Liliths Verbündeter. Wurde von Vampiren getötet und durch Magie wieder zum Leben erweckt. So sollte er Lilith ausspionieren. Doch nach ihrem Biss wirkt auch bei ihm Liliths besonderer Vampirkeim, der alle ihre »Opfer« nach deren Tod ins ehemalige Mesopotamien zieht.

Die Dienerkreaturen – Tötet ein Vampir einen Menschen mit seinem Biss, wird dieser kein vollwertiger Blutsauger, sondern eine Kreatur, die dem Vampir bedingungslos gehorcht. Ihrerseits kann eine Dienerkreatur den Vampirkeim nicht weitergeben, benötigt aber Blut zum (ewigen) Leben und wird – anders als die Ur-Vampire – mit zunehmendem Alter immer lichtempfindlicher.

Duncan Luther, Liliths wiedererweckter Mitstreiter, hat ein seltsames »Hobby« entwickelt: Er interessiert sich für Mesopotamien, den heutigen Irak, weiß aber nicht, warum. Schließlich hat er in einem Spiegel eine Vision. Eine gleißende Lichtgestalt ruft ihn – aber wohin? Er macht sich allein auf den Weg …

Nach einem Kampf gegen einen Killervampir wird Lilith ohnmächtig aufgefunden und in eine Klinik eingeliefert. Der Chefarzt, Dr. Romano, erkennt ihre Fähigkeiten. Zusammen mit vier Kollegen trennt er ein Stück des Symbionten ab. Zwar kann Lilith schließlich fliehen, doch von dem fehlenden Teil weiß sie nichts. Ihre Peiniger kommen ums Leben. Kurz vor seinem Tod trinkt Romano eine Blutprobe Liliths. Als er wieder »erwacht«, zieht es ihn mit Macht nach Uruk ins ehemalige Mesopotamien …

Dort ist Paul Kravetz, einer von Liliths ersten »Blutspendern«, bereits angekommen. Auch er ist tot und gehorcht nun, wie die anderen beiden, einem magischen Programm. Er aktiviert ein Symbol in einer Felsenhöhle, das in Schottland die Kelchdiebin aus langem Schlaf erwachen lässt: Felidae.

Die Vampirin, die einst Liliths Mutter Creanna zeugte, sucht und findet Lilith. Rasch erkennt sie, dass Lilith durch das zu frühe Erwachen ihre Bestimmung nicht kennt. Sie bietet ihr die fehlenden Erinnerungen – Lilith muss nur aus dem Lilienkelch trinken. Dass sie damit ihre menschliche Seite aufgeben würde, verschweigt ihr Felidae.

Die drei Toten in Uruk haben mittlerweile eine unterirdische Höhle freigelegt, in der ein Wächterwesen lauert, das Kravetz tötet, bis es von den anderen überlistet und vernichtet werden kann. Die Höhle mündet in einen schier endlosen Gang. Luther und Romano machen sich auf den Weg …

Auch Landru spürt, dass der Kelch wieder da ist. Er hat die Spur schon aufgenommen – und platzt mitten in die Zeremonie. Lilith kommt nicht dazu, aus dem Kelch zu trinken. Landru und Felidae stehen sich nach 267 Jahren wieder gegenüber. Denn damals stahl Felidae das Unheiligtum aus dem Besitz des Kelchhüters Landru. Beim Kampf werden beide Vampire schwer verletzt. Aber schließlich kann Landru mit dem Kelch entkommen.

 

Lilith x 2 = ?

von Marten Veit

Ein undeutlicher Schemen huschte durch die nächtlichen Gassen, dicht an die Häuserwände gedrängt. Auf den ersten Blick hätte man ihn für einen großen Hund halten können, aber es war kein Hund und auch kein Dingo.

Es war ein Wolf. Mitten in Sydney.

Er mied die größeren Straßen und hielt sich ständig im Schatten, obwohl weit und breit keine Menschenseele zu sehen war. Wäre ein Beobachter zugegen gewesen, hätte er erkannt, dass das Tier offensichtlich krank war. Es taumelte und knickte immer wieder in den Hinterläufen ein.

Nach jedem Häuserblock verharrte der Wolf einen Augenblick lang mit bebenden Flanken und sah sich um, bevor er weiterhinkte. Und noch etwas wäre einem zufälligen Beobachter aufgefallen: der Wolf trug einen Gegenstand im Maul, der matt schimmerte, wenn ihn ein verirrter Lichtstrahl von der spärlichen Straßenbeleuchtung traf. Einen Kelch in Form einer Lilienblüte.

Kurz vor einer größeren Kreuzung knickte der Wolf auch in den Vorderläufen ein und stürzte kraftlos zu Boden. Der Kelch löste sich aus seinen Fängen und rollte leise scheppernd über den Gehweg.

Im selben Moment krümmte sich der Wolf wie unter einem heftigen Krampf zusammen. Seine Umrisse begannen zu wabern und undeutlich zu werden, zerflossen zu einer amorphen dunklen Masse und verfestigten sich wieder. Plötzlich lag ein schlanker Mann mittleren Alters auf dem Pflaster.

Der Mann stemmte sich unbeholfen auf Hände und Knie hoch und tastete wie blind um sich. Als seine Finger den Kelch berührten, schoss seine Hand blitzschnell vor und schloss sich um das Gefäß. Er richtete sich auf und presste sich gegen eine Häuserwand, bis er mit der Mauer zu verschmelzen schien. Sein Kopf wanderte langsam in die Richtung, aus der er gekommen war, seine Augen, die die Dunkelheit mühelos durchdrangen, suchten die Straße nach Verfolgern ab.

Er konnte niemanden entdecken.

Eine Weile verharrte er reglos, als müsse er neue Kraft sammeln. Sein Gesicht, das aristokratisch und animalisch zugleich wirkte, war wie eine starre Maske, bis es sich unvermittelt verzerrte und jede Spur von Menschlichkeit verlor.

„Bastard!“, stieß er hasserfüllt zwischen schmalen Lippen hervor.

Und wieder verschwammen seine Umrisse, zogen sich zusammen und nahmen eine neue Form an.

Wo er noch eben gestanden hatte, flatterte jetzt eine große Fledermaus in der Luft, so dunkel, dass sie von den Schatten aufgesaugt zu werden schien. Sie hatte die Größe eines ausgewachsenen Flughundes, aber die platte Schnauze eines südamerikanischen Vampirs. In den Klauen der Hinterbeine hielt sie das lilienförmige Gefäß.

Die ledrigen Schwingen erzeugten ein klatschendes Geräusch, als sich das Geschöpf mühsam in die Luft schwang.

Aber es kam nicht weit.

Wieder löste sich der Kelch aus den Klauen und fiel klirrend zu Boden. Von seinem Gewicht befreit, ruckte die gigantische Fledermaus plötzlich empor, bevor die Metamorphose mitten im Flug einsetzte. Aus mindestens vier Metern Höhe stürzte der dunkle Mann schwer auf den Asphalt und begrub den Kelch unter sich. Ein knirschendes Geräusch wie von brechenden Knochen klang auf, doch der Mann gab keinen Laut von sich.

Er kämpfte sich hoch, ergriff den Kelch, drückte ihn wie einen kostbaren Schatz gegen seine Brust und schleppte sich in einen Hauseingang. Sein linker Arm war grotesk verdreht, aber er schien keine Schmerzen zu verspüren, nur Erschöpfung.

„Komm nur, verfluchtes Balg!“, flüsterte er mit zischender Stimme. „Auch angeschlagen bin ich dir noch überlegen. Wenn du den Kampf willst, sollst du ihn haben.“

Reglos wie eine Granitsäule wartete er im Schatten des Hauseingangs, und nur das kaum wahrnehmbare Glühen seiner Augen verriet, dass noch Leben in ihm war.

Das Leben eines Untoten.

Landru wusste, dass Lilith kommen würde, der Bastard aus der widernatürlichen Vereinigung einer Vampirin und eines Sterblichen. Sie hatte sich wie ein Bluthund auf seine Fährte gesetzt.

Der Kampf mit Felidae hatte ihm stärker zugesetzt und ihn mehr Kraft gekostet, als er im ersten Augenblick geglaubt hatte, aber er würde nicht wie ein waidwund geschossenes Wild vor dem Balg fliehen. Zu oft war sie ihm bereits in die Quere gekommen, hatte schon zu viele seiner Brüder und Schwestern getötet.

Es wurde Zeit, ihr ihre Grenzen aufzuzeigen.

Hass wütete wie ein verzehrendes Feuer in Liliths Körper.

Landru war entkommen! Wieder hatten sich ihre Wege gekreuzt, und obwohl sie diesmal in Felidae eine Mitstreiterin an ihrer Seite gehabt hatte, war Landru siegreich geblieben.

Es war aber nicht nur die erneute Niederlage, die Lilith rasend machte, sondern vor allem der Umstand, dass Landru sein langersehntes Ziel erreicht hatte und sich der Lilienkelch wieder in seinem Besitz befand.

Das größte Unheiligtum der Vampire!

Der Quell für eine weitere Generation von Vampiren!

Seit zweieinhalb Jahrhunderten drohte dem Volk der Vampire der Untergang, denn trotz ihrer theoretischen Unsterblichkeit waren sie nicht gegen den endgültigen Tod gefeit, und seit eben jener Zeit war kein neuer Vampir mehr „geboren“ worden. Lilith selbst war der Beweis dafür, dass kein Vampir wirklich unbesiegbar war, wenn man nur über das entsprechende Wissen und die nötigen Mittel verfügte.

Jetzt aber würde Landru mit Hilfe des Kelches eine neue Armee heranzüchten können, sollte es ihr nicht gelingen, ihm das Unheiligtum wieder abzujagen.

Ihre Aufgabe war in Gefahr, die Mission, die ihre tote Mutter Creanna ihr aus dem Grab aufgetragen hatte, drohte zu scheitern.

Das Freilichtmuseum „The Rocks“, eine ehemalige Sträflingskolonie, in der Landru Felidae den Kelch entrissen hatte, lag bereits weit hinter ihr. Landru hatte einen Vorsprung vor ihr, und Lilith konnte nur hoffen, dass er nicht allzu groß war. Aber vermutlich war der mächtigste Vampir, den sie kannte – vielleicht der mächtigste aller Vampire überhaupt – durch den Kampf mit Felidae geschwächt worden, und das gab ihr eine Chance.

Sie musste ihn finden!

Geschmeidig lief sie durch die Nacht, eine junge Frau von scheinbar zwanzig Jahren, die einer unsichtbaren Spur folgte, die nur sie mit ihren übernatürlichen Sinnen wahrnehmen konnte.

Landru war in Richtung des Hafens geflohen, in einen heruntergekommenen Stadtteil, der um diese Zeit menschenleer war. Offensichtlich war er nicht fähig, sich in eine Fledermaus zu verwandeln, jedenfalls nicht für längere Zeit, denn dann wäre er ihr entkommen.

An einer dunklen Straßenkreuzung blieb sie kurz stehen und witterte wie eine Raubkatze in alle Richtungen. Die Straße zu ihrer Linken führte durch alte Lagerhäuser, zu ihrer Rechten in belebtere Gebiete. Vor ihr war eine Sackgasse. Dort steckte Landru nicht, auf diese kurze Distanz hätte sie seine Anwesenheit spüren können.

Die Spur schien nach rechts zu führen.

Lilith verfiel wieder in einen Trab, der es mit einer guten Kurzstreckensprinterin hätte aufnehmen können. Ja, ihre Entscheidung war richtig gewesen, der „Geruch“ wurde stärker.

Zwei Straßenkreuzungen weiter und dann nach links. Die Umgebung verlor ihren verwaisten Charakter, erste Geschäfte und schäbige Wohnhäuser tauchten auf. Suchte Landru Schutz in der Menge? Wollte er Menschen als lebendigen Schutzschild missbrauchen?

Zuzutrauen wäre es ihm. Menschen waren für Vampire lediglich Objekte, an denen sie ihren Durst stillen und ihre dunklen Triebe befriedigen konnten, und selbst unter seinesgleichen waren Landrus Skrupellosigkeit und Grausamkeit beispiellos.

Jetzt gesellte sich noch etwas anderes zu dem „Geruch“, den Lilith wahrnahm. Es war wie ein feines Kribbeln in ihren Nervenbahnen, ein leichtes Ziehen in ihren Gliedmaßen, ein unhörbares hohes Summen in der Luft.

Er war in der Nähe!

Und er bewegte sich nicht. Er musste auf sie warten.

Lilith verlangsamte ihren Lauf, bis sie sich schließlich im Schritttempo bewegte.

Sie hatte nicht einmal einen Plan.

Landru war ihr hoffnungslos überlegen, das wusste sie. Zumindest wenn er im Vollbesitz seiner Kräfte war. Aber das konnte er nicht sein, sonst wäre er nicht geflohen.

Und er hatte noch einen Schwachpunkt: seine Überheblichkeit und maßlose Arroganz ihr gegenüber, der Halbvampirin, der „Tochter der Hure“, dem in seinen Augen obszönen Zwitterwesen.

Das waren ihre Trümpfe in der bevorstehenden Auseinandersetzung.

Landru musste sich nicht aus dem Hauseingang vorbeugen, um Lilith zu sehen. Er konnte ihre Anwesenheit mit seinen besonderen Sinnen deutlicher als mit den Augen wahrnehmen. Auch sie musste ihn spüren, aber er hatte ihr gegenüber einen Vorteil.

Den Lilienkelch!

Das Unheiligtum der Vampire diente nicht nur dazu, Nachwuchs zu „zeugen“, und es war auch mehr als ein bloßes Symbol der Macht, es war ein Hort der Macht und dunkler Magie. Für den, der damit umzugehen verstand, stellte es eine gefährliche Waffe dar.

Landru entblößte spitze Eckzähne und stieß sie in sein Handgelenk. Ein paar Tropfen schwarzen Blutes drangen aus seiner Haut hervor und fielen in den Kelch, bevor sich die punktförmigen Wunden wieder schlossen.

Der Lilienkelch schien wie ein lebendiges Wesen zu atmen und dunkel zu glühen. Landru hob ihn an seine Stirn. Ein leises Zischen klang aus dem Gefäß auf, dünne Rauchfäden schlängelten daraus hervor und verloren sich in der Dunkelheit.

Die schmalen Lippen des Vampirs verzogen sich zu einem kalten Lächeln, als er Liliths Verwirrung spürte. Er hörte, wie ihre Schritte – so sacht, dass kein Mensch sie vernommen hätte – vorsichtiger und unsicherer wurden. Sie würde den Eindruck haben, als hätte er sich plötzlich vervielfältigt.

Jetzt schob sie sich langsam in sein Blickfeld, und gegen seinen Willen, trotz der Tatsache, dass ein Geschöpf wie sie nach dem „Gesetz“ eigentlich gar nicht existieren durfte, war er wieder fasziniert von ihrer Erscheinung.

Nicht nur Vampire fühlten sich von Lilith angezogen. Ihr schlanker Körper, die schmale Taille, die vollen Brüste, das geheimnisvolle Gesicht mit den leicht schrägstehenden grünen Augen, das alles ließ Männerherzen höher schlagen. Lilith brauchte nicht einmal ihre hypnotischen Fähigkeiten einzusetzen, um einen Mann zu betören; allein ihr Aussehen und ihre sinnliche Ausstrahlung reichten, um selbst in einem Eunuchen lange vergessene Begierden neu zu entfachen.

Was für eine Schande, ein solches Wesen vernichten zu müssen.

Die Halbvampirin hielt den Kopf leicht gesenkt, als lauschte sie in sich hinein, aber Landru wusste, dass sie ihn nicht einmal hätte sehen können, wenn sie jetzt in seine Richtung geblickt hätte. Sein am Boden des Lilienkelches siedendes Blut umgab ihn mit einem magischen Schutzschirm.

Fast direkt ihm gegenüber blieb Lilith auf der anderen Straßenseite vor dem Schaufenster eines Secondhand-Bekleidungsgeschäfts stehen. Das schummrige Licht einer weit entfernten Straßenlaterne warf ihr verschwommenes Spiegelbild auf die Glasscheibe.

Landru beobachtete es fasziniert. Kein echter Vampir – und keine Dienerkreatur – besaß ein Spiegelbild, es sei denn, er benutzte eine Scherbe des Vampirspiegel, mit dessen Hilfe er vorübergehend einen menschlichen Doppelgänger erzeugen konnte, so wie Sydneys Bürgermeister Weinberg es hin und wieder zu tun gezwungen war, wenn er Pressetermine wahrnehmen oder im Rahmen irgendwelcher Feierlichkeiten eine Kirche betreten musste.

Ebenso wenig besaßen Vampire einen Schatten, aber der menschliche Erbteil Liliths hatte ihr beides gelassen, wenn auch nur in Form einer verwaschenen Reflexion. Ihr Kleid hingegen zeichnete sich deutlich auf der Fensterscheibe ab, denn es bestand nicht aus schlichtem Stoff. Es war ein eigenständiges Lebewesen, wie auch Felidae eins besaß, das die Form jedes beliebigen Kleidungsstückes annehmen konnte und eine symbiontische Beziehung mit seiner Trägerin einging. Doch wie schon so mancher Vampir zu seinem Leidwesen hatte erfahren müssen, diente der Symbiont nicht nur als Kleidung, sondern auch als unberechenbare Waffe.

Landru schüttelte den Gedanken schnell ab. Der Symbiont fürchtete sich vor ihm, seit er ihn damals, als Creanna ihn trug, beinahe vernichtet hätte. Außerdem wog die Kraft des Lilienkelchs die des Symbionten bei weitem auf.

Die Kraft des Lilienkelchs... der Vampirspiegel... Liliths Spiegelbild...

Der Gedankengang zog einen weiteren und derart ungeheuerlichen nach sich, dass Landru ihn auf der Stelle verworfen hätte, wäre da nicht das leise Zischen seines siedenden Blutes im Lilienkelch gewesen. Ohne die Augen von Lilith abzuwenden, öffnete er ein zweites Mal seine Adern und ließ noch etwas schwarzes Blut in den Kelch tropfen. Er sah, wie die Halbvampirin zusammenzuckte, und schleuderte ihr seine dunkle Magie entgegen.

Lilith spürte, dass die Begegnung mit Landru unmittelbar bevorstand, als urplötzlich etwas wie ein unhörbarer Donnerschlag über ihr ertönte und ihre Sinne betäubte. Die Empfindung währte nur einen Sekundenbruchteil, aber als sich ihre Sinne wieder klärten, wäre sie trotzdem beinahe gestrauchelt.

Landrus Ausstrahlung hatte sich vervielfältigt und schien von allen Seiten gleichzeitig auf sie einzuströmen!

Die Halbvampirin blieb einen Moment lang stehen und „lauschte“ angestrengt in die Nacht. Instinktiv blendeten ihre natürlichen Sinne alle normalen Wahrnehmungen aus – leises Motorenbrummen, eine plärrende Hupe, das Summen elektrischer Oberleitungen, die unzähligen Geräusche der Armeen von Nachtinsekten auf der Nahrungssuche. Was übrig blieb, war die nicht in Worten zu fassende Empfindung einer nichtmenschlichen Präsenz.

Er muss in meiner unmittelbaren Nähe sein!

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Vampira - Folge 26" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen






Teilen