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Vampira - Folge 19

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Was bisher geschah ...
  4. Wolfsmond
  5. Leserseite
  6. Leserbild von Roger Szilagyi
  7. Vorschau
  8. Infoblatt

Lilith Eden – Tochter eines Menschen und der Vampirin Creanna, dazu gezeugt, eine geheimnisvolle Bestimmung zu erfüllen. Für 98 Jahre lag sie schlafend in einem lebenden Haus in Sydney, doch sie ist zu früh erwacht – die Zeit ist noch nicht reif. Sie muss gegen die Vampire kämpfen, die in ihr einen Bastard sehen, bis sich ihre Bestimmung erfüllt. Dabei hilft ihr ein Symbiont.

Der Symbiont – ein geheimnisvolles Wesen, das Lilith als Kleid dient, obwohl es fast jede Form annehmen kann. Einst gehörte es Creanna und wurde von ihr an Lilith weitergereicht. Der Symbiont ernährt sich von schwarzem Vampirblut und verlässt seine Wirtin bis zu deren Tod nie mehr.

Landru – Mächtigster der alten Vampire und der Mörder von Liliths Vater. Seit 267 Jahren jagt er dem verlorenen Lilienkelch nach, dem Unheiligtum der Vampire, ohne den es keinen Nachwuchs geben kann. Landru scheint irgendeine Schuld auf sich geladen zu haben – welche, ist noch unklar.

Nona – eine Werwölfin aus Afrika, die ein inniges Verhältnis zu Landru pflegt; eine Kampfgefährtin aus alten Tagen.

Beth MacKinsey – Journalistin bei einer Sydneyer Zeitung. Bei ihr fand Lilith Unterschlupf. Beth kennt Liliths wahre Identität – und hat sich, gleichgeschlechtlich veranlagt, in die Halbvampirin verliebt.

Dies wurde jedoch durch die Nachwirkungen der magischen Pest mittlerweile ins Gegenteil verkehrt. Zwar täuscht Beth Freundschaft vor, hat sich aber unter dem Einfluss der Pest mit Landru gegen Lilith verbündet.

Die Dienerkreaturen – Tötet ein Vampir einen Menschen mit seinem Biss, wird dieser kein vollwertiger Blutsauger, sondern eine Kreatur, die dem Vampir bedingungslos gehorcht. Seinerseits kann eine Dienerkreatur den Vampirkeim nicht weitergeben, benötigt aber Blut zum (ewigen) Leben und wird – anders als die Ur-Vampire – mit zunehmendem Alter immer lichtempfindlicher.

Durch die Magie, welche Liliths fast hundert-jährigen Schlaf ermöglichte und die bei ihrem Erwachen frei wurde, mutieren die australischen Schöpferwesen, die Wondjinas. Sie wollen ihre ehemalige Schöpfung zugunsten einer neuen vernichten.

Mit der Hilfe Esben Storms gelingt es Lilith, die apokalyptische Gefahr abzuwenden. Im Tod jedoch infiziert eines der bösen Schöpferwesen einen Tasmanischen Teufel mit dem Virus einer magischen Pest. Zwar verschwindet diese nach der Vernichtung des Nagers, hinterlässt jedoch eine Nebenwirkung: Die Gefühlswelt der Geheilten verkehrt sich ins Gegenteil; aus Sympathie wird Hass.

Auch bei Beth und ihrem Kollegen Moskowitz zeigt sich dieses Symptom. Das macht Landru sich zunutze; er verbündet sich mit Beth gegen die nichtsahnende Lilith. Beth soll nachforschen, ob die Halbvampirin eine neue Spur zum Lilienkelch gefunden hat. Landru hat sich entschlossen, die Feindin weiter nach dem Kelch fahnden zu lassen, da sie eine mächtige Verbündete hat – die Macht, die ihrem Geburtshaus innewohnt.

Lilith sucht inzwischen nach einem Gegenmittel für die Auswirkungen der magischen Pest und erfährt von dem finnischen Seuchenexperten Frans Stålheim. Also bricht sie auf, ihm den »Zero-Patienten« zu bringen: den Kadaver des Tasmanischen Teufels.

Kaum hat sie ihn bei Stålheim abgeliefert, erreicht sie ein mysteriöser Anruf: Ihr ehemaliger Gefährte Duncan Luther, vor Monaten in Indien von Vampiren ermordet, meldet sich aus Mauretanien! Er weiß weder von seinem Tod, noch wie er nach Afrika gelangte. Er fleht Lilith an, zu ihm zu kommen.

Indem sich Lilith eilig auf den Weg macht, verpasst sie die Ankunft eines »Kollegen« Stålheims: eines Dr. Landers. Es ist niemand anderes als Landru, der bei der Suche nach dem Gegenserum »helfen« will.

Der Flug nach Mauretanien gestaltet sich schwieriger als geplant: Trolle bringen die Maschine zum Absturz! Sie verfolgen den Dieb eines Elfenschwertes, das dieser im Auftrag der Trolle von den Elfen stahl. Die Hüterin des Schwertes bittet Lilith um Hilfe. Gemeinsam holen sie das magische Schwert zurück, und Lilith setzt die Reise fort …

 

Wolfsmond

von Adrian Doyle

Dunkelheit kroch über den Rand der Welt und senkte sich über die Oase. Obwohl der Mond noch unvollendet war, reichte seine Kraft.

Leise raschelnd fiel das Gewand der Frau und enthüllte eine knabenhaft schlanke Figur mit festen, kleinen Brüsten.

Dann verflog alle Schönheit im Bad silbrig-fahler Helle.

Jenseits der Mauer zeigte das Rudel erste Anzeichen von Nervosität.

Es wollte und sollte nicht länger warten.

Die Alpha-Herrin eröffnete die Jagd …

Anäis Nyn glaubte die Rotation der Erde zu spüren. Sie lauschte der Stille und versank in den Bildern, die ihr der nächtliche Sternenhimmel offenbarte. Es war Vollmond und – hier in der Senke – fast windstill. Nichts trübte die Schärfe der Wahrnehmung.

Solche Erlebnisse hatten Anäis süchtig gemacht.

Süchtig nach der Wüste.

Eigentlich war sie Studentin der Ornithologie, und eigentlich hatte sie nur den mauretanischen Rand der großen Leere, die man Sahara nannte, wie jeder Pauschaltourist bereisen wollen.

Aber dann hatte sie Geschichten gehört, Geschichten von unbeschreiblichen Sonnenaufgängen über dem Dünenmeer, von Landschaften, reduziert auf das Wesentliche und dennoch gewaltiger, als menschliche Phantasie sie je ersinnen konnte, und war tiefer gedrungen. Hatte sich Ausflügen in die absolute Einsamkeit angeschlossen, eine Einsamkeit, die auch in enger Gesellschaft anderer Menschen nichts von ihrer schwindelerregenden Tiefe verlor.

Aus den drei Wochen, die Anäis ursprünglich während der Semesterferien in Mauretanien hatte verbringen wollen, waren inzwischen eineinhalb Monate geworden, und sie hatte große Mühe gehabt, dies den zuhause Gebliebenen plausibel zu machen.

Aber sie war noch nicht so weit, die Rückkehr anzutreten. Etwas – fehlte.

Sie wusste, dass sie daheim nie wieder Ruhe vor dem Heimweh nach der Fremde finden würde, wenn sie sich nicht zuvor den sehnlichsten Wunsch erfüllte, der ihr während all der geführten Ausflüge gekommen und immer mehr gewachsen war: Heute, am frühen Morgen, war sie mit einem gemieteten Jeep, ausreichend Trinkwasser, sonstigen Vorräten und mit einem kleinen Iglu-Zelt aufgebrochen, um sich eine Nacht ganz allein mit der Sahara auseinanderzusetzen.

Diese Nacht.

Sie hatte niemandem gesagt, was sie vorhatte. Während der Tage und Wochen unter Moslems malikitischer Prägung hatte sie schnell begriffen, was eine Frau öffentlich sagen und tun durfte – und was nicht. Wobei sie noch den Vorzug einer »Ungläubigen« genoss. Aber selbst diesen wurde nicht immer alles verziehen.

Nein, sie hatte es vorgezogen, sich klammheimlich aus ihrem kakerlakenverseuchten Hotelzimmer zu empfehlen. In Kakerlakenkreisen würde man es ihr danken, denn sie hatte seit ihrer Ankunft fast eine komplette Population ausgelöscht. Eigentlich war es unmöglich gewesen, an ihnen vorbeizutreten. Anäis lächelte in der wohligen Überzeugung, in diesem Moment fernab aller vielbeinigen, fühlertänzelnden Chitinmonster zu sein.

Sie saß, zurückgelehnt und in eine wärmende Decke gehüllt, auf dem Fahrersitz ihres offenen Jeeps und ließ die schiere Unendlichkeit auf sich einwirken. Unwillkürlich dachte sie an die Worte eines Berbers während einer für Touristen organisierten Expedition. Dieser alte, maurische Karawanenführer, dessen Gesicht von denselben Kräften modelliert worden zu sein schien, die auch nach und nach jeden Fels der Sahara pulverisierten, hatte die endlosen Sanddünen mit einem einzigen Satz charakterisiert: »Allah hat aus der Wüste alles Überflüssige entfernt, damit wir Menschen das wahre Wesen der Dinge zu erkennen vermögen!«

Er hatte recht. In diesem Moment hegte Anäis nicht den leisesten Zweifel, dass dies die Wahrheit auf den Punkt genau traf. Sie war weit gefahren – einen ganzen Tag durch glühenden, schattenlosen Sand –, um diese Stelle zu erreichen, wo sie sicher sein durfte, nichts als sich selbst vorzufinden.

Ungefährlich war ihr Unternehmen nicht. Aber sie führte einen verlässlichen Kompass und CB-Funk bei sich. Und beim ersten Morgenblau (ein Grau gab es hier nicht) würde sie den Rückweg antreten. Würde – trunken von den Eindrücken dieser Nacht – den Heimflug nach Paris buchen …

Plötzlich überzog Gänsehaut ihren Körper. Trotz der Decke. Und trotzdem sie – eigentlich – nicht fror.

Anäis senkte den Blick. Weg vom Himmelsabgrund.

Wenige Schritte vom Jeep entfernt stand ihr Buckelzelt, für den Fall, dass schnödes Schlafbedürfnis über grandiose Eindrücke siegen würde.

Zelt und Jeep befanden sich in einer windgeschützten Senke, umschanzt von Verwerfungen, hoch genug, um im Ernstfall die schlimmsten Auswirkungen eines Sturms fernzuhalten.

So hatte Anäis es auf den geführten Touren gelernt.

Aber obwohl nichts in dieser Nacht unwahrscheinlicher als starker, sandpeitschender Wind erschien, hatte sich von einem Augenblick zum anderen etwas verändert. Sie vermochte nur noch nicht zu sagen, was es war.

Immer noch störte kein Geräusch die Harmonie.

Anäis dachte, dass Menschen wie sie es vielleicht schon nicht mehr gewöhnt waren, mit allzu großer Stille umzugehen. Wirklich mit sich allein zu sein.

Hier brauchte es keine Wände zur Wahrung einer Intimsphäre. Hier ersetzte Entfernung Mauern.

Anäis zog die Decke fester um ihren Körper und versuchte erneut, Zuflucht im atemverschlingenden Panorama zu finden.

Die Gänsehaut blieb. Und plötzlich gesellte sich das erstickende Gefühl hinzu, beobachtet zu werden!

Sie hielt die Luft an. Gab sich dem unheimlichen akustischen Ereignis hin, das eigene Blut durch die Adern strömen zu hören.

Als sie dem Jeep entsteigen wollte, passierte es.

Er sah aus wie ein schwarzer Haratin. Gebückt stand er da und ließ sich von seinem Sklaven die mit scharfer Essenz getränkten Tücher reichen. Er war nackt. Er war alt. Und müde. Seine Stimme krächzte, als er befahl: »Sei behutsam. Jahrhunderte drücken auf mich. Ich betrüge den Tod schon zu lange, um ungestraft davonzukommen. Du denkst, du seist zu bedauern. Aber dir geht es so ungleich besser als mir! Was würdet ihr ohne mich tun? Ich zwinge mich, das Brot des Märtyrers zu essen, damit ihr ahnungslosen Kinder geordnet und verwaltet leben könnt. Wie undankbar ihr seid! Ich lese den Hass in deinen Augen. Mich verlangt es, sie dir aus den Höhlen zu reißen und reinzuwaschen von jedem Makel. Hör auf, mich so anzustarren. Ich bin nicht schlecht! Ich bin euer Glück! Ohne mich würdet ihr vegetieren wie die anderen. Ich gebe eurem Sein Sinn! Ihr dient mir zu eurem eigenen Nutzen. Bin ich nicht wie ein gestrenger, gerechter Vater zu euch? Gebe ich euch nicht mein letztes Tuch …?«

Der Knabe an seiner Seite schwieg. Seine Augen blickten leer. In seinem negroiden Gesicht zuckte kein Muskel. Er faltete das erste Tuch auseinander und legte es über den Rücken des Greises. Die Nässe ließ es auf der Haut kleben. Ein zweites und ein drittes Tuch folgten auf die Brust und um die Lenden.

Der Mund des Klagenden seufzte. »Ihr seid meine Schar, meine Kinder. Ich liebe einen jeden von euch wie mich selbst. Was geschieht, muss sein. Leben ist auch Leid. Ihr müsst es ertragen, wie ich es tue. Du hältst mich für grausam. Aber du siehst alles nur aus deinem Blickwinkel. Du ahnst nicht, wie viel Kraft es kostet, euch auf dem rechten Pfad zu führen. Ihr undankbaren Bastarde! Sterben ist keine Strafe – ihr wechselt über in eine Existenz, die mir verschlossen bleibt! Wie gern möchte ich die Augen schließen. Weißt du, was es heißt, keinen Schlaf zu finden? Nie? Etwas in mir ist immer wach. Um euch zu hüten. Euch vor Fehlern zu bewahren. Ich bin zu bedauern, nicht ihr! Die Tücher, die du auf mich legst, sind Fluch, nicht Segen. Ich wünschte fast, du würdest einmal das falsche nehmen. Es würde sich um meinen Hals legen und … Oh, senke nur den Blick. Ich durchschaue dich! Ich weiß, wie gern du mir diesen letzten Dienst erfüllen würdest! Du bist meine Liebe nicht wert. Dein Gesicht ist das eines Engels. Ohne Falsch. Aber ich lese dahinter. Du bist wie all die anderen!«

Ohne sichtbare Regung legte der Sklave Tuch um Tuch auf. Der Greis wandelte sich zur Mumie. Das letzte Tuch senkte sich über die letzte freie Stelle: Der Kopf verschwand. Keine Lücke blieb entblößt. Und doch haderte der Alte weiter: »Wie ich diese Nächte des Blutes neuerdings hasse. Wie sehr ich mich nach der verlorenen Jugend sehne …«

Der Sklave ging.

Die Mumie blieb regungslos, aber weiter lamentierend zurück.

Die Tücher trockneten die ganze Nacht hindurch.

Langsam.

Jugend brauchte ihre Zeit.

Insbesondere geliehene Jugend.

Er war plötzlich da.

Warnungslos.

Er schleuderte die Decke von ihrem Körper, packte Anäis an den Armen und stieß sie mit ausgesuchter Brutalität neben dem Wagen in den Sand!

Alles lief in furchtbarer Geschwindigkeit ab.

Das Keuchen des Mannes übertönte alles. Die traditionelle Tracht eines nomadisierenden Berbers schimmerte in der mondhellen Nacht.

Verhüllt von Kopf bis Fuß legte sich ein schwerer Körper über Anäis und rang mit ihr. Kompromisslos.

Die gespenstische Disziplin, mit der sich der Unbekannte angeschlichen hatte, endete abrupt. Er ließ eine Schimpftirade in Hassaniye, der Umgangssprache der Mauren, auf sein Opfer niederprasseln.

Anäis schrie vor Wut und Angst, ohne daran gehindert zu werden. Als sie nach ihm schlug, bekam sie seine Fäuste zu spüren. Er prügelte sie windelweich. Systematisch wich jeder Widerstand aus ihrem Körper. Er wusste genau, was er tat. Wohin er zu schlagen hatte.

Aber noch nie, dachte Anäis in bitterer Erkenntnis, bekam er ein Opfer wie mich auf silbernem Tablett serviert …

Was war sie für eine Närrin gewesen! Was –

Er hob sie auf wie eine Puppe und schleppte sie zum Zelt. Als er sie auf die Schaumstoffmatratze niederdrückte und ihr die Kleider vom Leib fetzte, konnte sie kaum noch etwas sehen. Ihre Augen waren verquollen, und im Zelt war es wesentlich dunkler als draußen.

Den Mauren störte es nicht. Es hielt ihn nicht ab, sie wie ein sich selbst gemachtes Geschenk auszupacken. Zwischen jedem Kleidungsstück schlug er zu. Ab und zu fauchte er: »Ich bin ein Beidan! Hör auf, dich zu wehren! Es ist eine Ehre für eine Ungläubige wie dich!«

Anäis graute vor dem, was gleich passieren würde. Ihr graute vor diesem Kerl, der sich Beidan – »Weißer« – nannte und sich an ihr bedienen wollte wie an einem seelenlosen Stück Fleisch. Noch einmal bäumte sie sich gegen ihn auf. Aber seine Faust traf ihr Kinn und schleuderte sie in kurzzeitige Bewusstlosigkeit.

Als sie wieder zu sich kam, versuchte er gerade, in sie zu dringen. Zu sehen vermochte sie ihn kaum, und auch er bewies Ungeschick bei seinem niederträchtigen Vorhaben.

Anäis spuckte und schrie.

Ihr Peiniger erstarrte in seiner suchenden Bewegung, noch bevor er das Ziel fand.

Plötzlich schwebte ein Laut von unheimlicher Tiefe über der Wüstennacht. Dieser Ton, nicht Anäis, hatte den Mauren veranlasst, innezuhalten.

Anäis betete, dass es dabei bleiben würde. Hoffnung hatte sie nicht.

In das furchterregende Heulen mischte sich ein noch furchterregenderer, langgezogener, entmenschter Schrei, der ebenso übergangslos wieder endete.

Der Körper des Beidan entfernte sich stumm von Anäis. Anhand der Geräusche konnte sie seinen Weg aus dem Zelt verfolgen und ihn draußen herumfuhrwerken hören.

Anäis blieb liegen.

Sie war nicht in der Lage, das kleinste Maß an Energie aufzubringen.

Obwohl der Berber sein Vorhaben unterbrochen hatte, tobte blanker Hass in ihrem Hirn. In diesem Moment wäre sie psychisch imstande gewesen, ihn zu töten.

Wieder zog der schaurige Klang durch die Nacht. Anäis hätte nicht zu sagen vermocht, wie nah oder fern sein Ursprung war.

Draußen vor dem Zelt dauerte der Lärm, den der Maure verursachte, nur noch kurz an. Die Hast, mit der sich seine Schritte schließlich entfernten, kam einer Flucht gleich.

Er hat Angst, dachte Anäis und suchte vergeblich nach Genugtuung.

Die Stille kehrte zurück.

Aber Anäis rührte sich immer noch nicht. Sie verfiel in quälenden Halbschlaf, aus dem sie immer wieder aufschrak, weil sie glaubte, ihr Peiniger kehre zurück.

Erst als die Sonne in ihr Zelt kroch, streifte sie die Lähmung ab und suchte weinend ihre Kleider zusammen. Auf allen vieren kroch sie ins Freie.

Der Jeep stand da wie ein kälteerstarrtes Insekt. Der Beidan hatte – was das anging – ganze Arbeit geleistet. Das Fahrzeug würde sich nicht mehr vom Fleck bewegen. Der Boden darunter war dunkel verfärbt und roch streng. Ein faustgroßes Loch klaffte im Tank. Sämtliche Kanister, die Trinkwasser oder Treibstoff beinhaltet hatten, lagen entleert im Sand verstreut.

Kompass und Funkgerät blieben unauffindbar.

Das Abnehmen der Tücher mit anschließender Waschung und Ölung entlockte dem Dunkelhäutigen Seufzer des Behagens. Nachdem er dem warmen Wasser entstiegen war, ließ er seine geglättete Haut von kundigen Händen kneten und durchbluten. Mit Wohlwollen ruhte sein Blick auf dem Sklaven.

»Du bist zärtlich wie ein Mädchen«, sagte er weich. »Vielleicht sollte ich es einmal mit dir probieren …«

Der Abid stockte kurz in seinem Tun. Seine Augen bemühten sich um Ausdruck, und sei es nur Angst, aber es gelang ihnen nicht. Wüstenhafte Leere war alles, was sie zustande brachten.

»Wenn die Kräfte nur nicht so schnell schwänden«, seufzte der Herr der Oase. »Und wenn ich nicht schon meiner Liebsten versprochen wäre …« Er lachte freudlos, ...

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