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Vampira - Folge 18

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Was bisher geschah ...
  4. Das Elfenschwert
  5. Leserseite
  6. Leserbild von Roger Szilagyi
  7. Vorschau

Lilith Eden – Tochter eines Menschen und der Vampirin Creanna, dazu gezeugt, eine geheimnisvolle Bestimmung zu erfüllen. Für 98 Jahre lag sie schlafend in einem lebenden Haus in Sydney, doch sie ist zu früh erwacht – die Zeit ist noch nicht reif. Sie muss gegen die Vampire kämpfen, die in ihr einen Bastard sehen, bis sich ihre Bestimmung erfüllt. Dabei hilft ihr ein Symbiont.

Der Symbiont – ein geheimnisvolles Wesen, das Lilith als Kleid dient, obwohl es fast jede Form annehmen kann. Einst gehörte es Creanna und wurde von ihr an Lilith weitergereicht. Der Symbiont ernährt sich von schwarzem Vampirblut und verlässt seine Wirtin bis zu deren Tod nie mehr.

Landru – Mächtigster der alten Vampire und der Mörder von Liliths Vater. Seit 267 Jahren jagt er dem verlorenen Lilienkelch nach, dem Unheiligtum der Vampire, ohne den es keinen Nachwuchs geben kann. Landru scheint irgendeine Schuld auf sich geladen zu haben – welche, ist noch unklar.

Jeff Warner – der Police Detective wurde von Polizeichef Virgil Codd – einer Dienerkreatur der Vampire – in den Garten des Hauses geschickt, wo Lilith erwachte und wo seither etliche Personen spurlos verschwanden. Doch Warner kehrte zurück – verändert. Er ist kein Mensch mehr, sondern handelt im Auftrag des Hauses.

Beth MacKinsey – Journalistin bei einer Sydneyer Zeitung. Bei ihr fand Lilith Unterschlupf. Mittlerweile kennt Beth Liliths wahre Identität – und hat sich, gleichgeschlechtlich veranlagt, in die Halbvampirin verliebt.

Die Dienerkreaturen – Tötet ein Vampir einen Menschen mit seinem Biss, wird dieser kein vollwertiger Blutsauger, sondern eine Kreatur, die dem Vampir bedingungslos gehorcht. Seinerseits kann eine Dienerkreatur den Vampirkeim nicht weitergeben, benötigt aber Blut zum (ewigen) Leben und wird – anders als die Ur-Vampire – mit zunehmendem Alter immer lichtempfindlicher.

Durch die vampirische Magie, welche Liliths fast hundert-jährigen Schlaf ermöglichte und die bei ihrem Erwachen frei wurde, mutieren die australischen Schöpferwesen, die Wondjinas. Sie geben ihre Passivität auf und wollen ihre ehemalige Schöpfung zugunsten einer neuen vernichten.

Mit der Hilfe Esben Storms nimmt Lilith den Kampf auf, und tatsächlich gelingt es ihr, die apokalyptische Gefahr abzuwenden. Im Tode jedoch infiziert eines der bösen Schöpferwesen einen Tasmanischen Teufel mit dem Virus einer magischen Pest. Zwar verschwindet diese nach der Vernichtung des Nagers wieder, hinterlässt jedoch eine bizarre Nebenwirkung: Die Gefühlswelt der Geheilten verkehrt sich ins Gegenteil; aus Sympathie werden Ekel und Hass.

Auch bei Beth und ihrem Kollegen Moskowitz zeigen sich diese Symptome. Das macht Landru sich zunutze; er verbündet sich mit Beth gegen die nichtsahnende Lilith. Beth soll nachforschen, ob die Halbvampirin eine neue Spur zum Lilienkelch gefunden hat.

Landru hat sich entschlossen, die verhasste Feindin vorerst nicht zu töten, sondern sie weiter nach dem Kelch suchen zu lassen, da sie offenbar eine mächtige Verbündete hat – die Macht, die noch immer ihrem Geburtshaus innewohnt, obwohl dieses längst in der Erde versunken ist.

Lilith sucht inzwischen verzweifelt nach einem Gegenmittel für die gefühlsverändernden Auswirkungen der magischen Pest und erfährt von dem finnischen Seuchenexperten Frans Stålheim. Also bricht sie auf, um ihm den »Zero-Patienten« zu bringen: den Kadaver des Tasmanischen Teufels.

Kaum hat sie ihn bei Stålheim abgeliefert, erreicht sie ein Anruf, der sie in tiefe Verwirrung stürzt: Ihr ehemaliger Gefährte Duncan Luther, der vor Monaten in Indien von Vampiren ermordet wurde, meldet sich aus Mauretanien! Er weiß weder von seinem Tod, noch wie er nach Afrika gelangte. Er fleht Lilith an, zu ihm zu kommen.

Indem sich Lilith eilig auf den Weg macht, verpasst sie die Ankunft eines »Kollegen« Frans Stålheims: eines Dr. Landers. Es ist niemand anderes als Landru, der bei der Suche nach dem Gegenserum »helfen« will …

 

Das Elfenschwert

von Arndt Ellmer

Sie kamen.

Sie folgten der Spur durch den Schnee, begleitet von einem immerwährenden Wispern und Raunen. Bäume und Büsche wogten heftig trotz der fast vollkommenen Windstille und wiesen ihnen die Richtung.

Ein auf und abschwellendes Sirren von vielen tausend Flügeln erfüllte die Luft.

Unerbittlich holten sie auf. Und sie entdeckten den Schatten in der Spur, ähnlich einem Wild.

Doch sie waren keine Jäger. Sie kamen, um einen Dieb zu stellen.

Björn Olsen hetzte durch das Unterholz. Der Schnee lag fast kniehoch, vom eisigen Nordwind an manchen Stellen zu eineinhalb Meter hohen Mauern aufgeweht. Vereiste, im Licht der tief stehenden Morgensonne glitzernde Äste schlugen dem jungen Mann ins Gesicht, peitschten gegen seinen Körper und bogen sich ihm entgegen, als wollten sie ihn aufhalten.

Ein heiseres Lachen quälte sich aus Olsens Brust.

Es war keine Einbildung. Sie versuchten es tatsächlich. Zweige schlangen sich wie lebendige Wesen um seine Stiefel, brachen ab und blieben kraftlos liegen.

Aber sie waren es nicht allein, die seine Flucht stoppen wollten. Ein Sirren wie von tausend feinen Messerklingen auf einem Schleifstein erfüllte die Luft. Die Verfolger unternahmen alles, um ihn einzuholen. Ihnen gehorchte die Natur, diese verzauberte Landschaft weitab der Küsten.

Es war ein Land voller Schönheit, aber auch voller Gefahren für den Menschen. Elfenland.

Olsen keuchte und rang nach Atem. Er verlor seine Pelzmütze. Sie fiel in den Schnee, doch er beachtete es nicht. Ein paar Minuten hielt er auch ohne diesen Wärmeschutz aus. Bis zum zugefrorenen Bachlauf konnte es nicht mehr weit sein.

Die Jagd durch den Pulverschnee kostete ihn mehr Kraft, als er vermutet hatte. Wenn dies das einzige Problem gewesen wäre, hätte er keinen Gedanken daran verschwendet. Viel schlimmer war, dass ihm die Zeit davonlief. Etwas mehr als zwei Stunden blieben ihm noch. In dieser Zeit musste er seine Auftraggeber aufsuchen und danach auf dem schnellsten Weg nach Ivalo zurückkehren.

Er ruderte mit den Armen, um sein Gleichgewicht nicht zu verlieren. In den Kiefern über ihm knackte es verdächtig. Er schlug einen Haken ins freie Gelände, geriet immer tiefer in den aufgehäuften Schnee und stürzte. Atemlos blieb er für ein paar Augenblicke liegen, während in seiner unmittelbaren Nähe schwere Äste von den Bäumen brachen und zu Boden fielen. Sie hätten ihn erschlagen, wenn er sich weiter auf seiner eigenen Spur vom Hinweg gehalten hätte.

Von Ästen zur Strecke gebracht zu werden oder von diesem sirrenden Hornissenschwarm hinter seinem Rücken – was machte das schon für einen Unterschied. Sie rückten langsam, aber unaufhaltsam näher. Auch sie litten unter der Kälte. Sie beeinträchtigte ihr Vorwärtskommen in der Luft ähnlich wie seines am Boden. Im Sommer hätte er keine Chance gehabt. Das Buschwerk hätte ihn überwältigt und bis zu ihrem Eintreffen festgehalten.

So aber blieb ihm wenigstens der Funke einer Chance.

Mühsam arbeitete er sich zur Kuppe der Schneewächte empor. Ein hastiger Blick abwärts, dann legte er die Arme an den Kopf und ließ sich abwärts rollen. Das Sirren in der Luft wurde leiser und nahm erst wieder zu, als er gegen einen abgesägten Baumstamm prallte und benommen liegen blieb.

Der Bach! Das Eis leuchtete zu ihm herüber. Mühsam kam er hoch, schüttelte ein paar Kilo Schnee von seinem Parka und hastete hinüber. Der scharfe Wind der letzten paar Tage hatte den Schnee vom Eis weg gegen die Böschung geweht.

Björn Olsen kam es wie eine Erlösung vor. So schnell es ging, balancierte er über den gefrorenen Wasserlauf in Richtung Westen zu der kleinen Straße, wo sein Wagen stand. Das leise Brummen des Volvos ermutigte ihn und machte seine Verfolger vermutlich rasend.

Zwei Minuten noch. Um völlig sicherzugehen, hatte er den Motor nicht abgestellt und den Wagen mit dem Ersatzschlüssel zugesperrt.

Endlich!

Das schmale Band der geräumten Straße tauchte in seinem Blickfeld auf. Hinter seinem Rücken schwoll das Sirren in der Luft zu einem bedrohlichen Orkan an. Ein kurzer Blick über die Schulter kostete ihn fast das Gleichgewicht und zeigte ihm, dass sie trotz aller Behinderungen durch die Kälte weiter aufholten.

Zweihundert Meter höchstens bis zum Wagen. Das war zu schaffen. Wie mit etlichen Kilo Blei in den Gliedern wankte er weiter, kehrte auf seine alte Spur zurück, überwand die Böschung auf der rechte Seite des Bachlaufs und ließ sich zwischen den Büschen hindurch nach unten fallen. Die hohe Mauer des von den riesigen Raupen zur Seite geräumten Schnees ragte vor ihm auf, unüberwindlich fast in ihrer Höhe. Er fand die wenigen Stufen, die er mit den Stiefeln in das verharschte Material getreten hatte.

Ein riesiger Schwarm Hornissen verdunkelte die Sonne und half ihm ungewollt. Das grelle Licht blendete ihn nicht mehr, und er setzte die Stiefel gezielt in die Stufen und kletterte hinauf. Auf der anderen Seite ließ er sich einfach nach unten rutschen.

Der Parka zerriss, aber das war unwichtig. Ein paar Sprünge bis zum Wagen noch. Er riss den Handschuh von der rechten Hand und nestelte in der Hose nach dem Ersatzschlüssel. Der Schlüssel schien Fangen mit ihm zu spielen. Als er ihn endlich erwischte, tauchte der sirrende Schwarm über der Mauer auf und stürzte sich auf ihn. Das Gewisper unzähliger Stimmen steigerte sich zu einem schrillen Canon aus Dissonanzen, der ihm einen kalten Schauer über den Rücken jagte. Am ganzen Körper bekam er Gänsehaut.

»Wir kriegen dich, wir haben dich. Wir hauen dich ganz tot«, vernahm er die fast mitleidig gehauchten Worte aus Hunderten von Kehlen.

Mit letzter Kraft schob Olsen den Schlüssel ins Schloss, riss die Tür auf und warf sich hinter das Steuer. Der Motor heulte auf, die Tür fiel zu. Gleichzeitig begann der Angriff gegen den Wagen. Überall klatschte es auf das Blech. Erste der winzigen Körper rutschten vom Dach an der Windschutzscheibe herunter und klammerten sich an den Scheibenwischern fest.

Björn Olsen legte den Gang ein, löste die Handbremse und gab Gas. Gleichzeitig schaltete er die Scheibenwischer auf Schnellgang. Die Elfenkörper flogen nach links und rechts davon. Der Volvo machte einen Satz nach vorn und preschte die schmale Straße entlang, die irgendwo dort hinten in einem Bergdorf endete.

Ein Schrei aus vielen winzigen Kehlen begleitete seine Flucht. Im Rückspiegel sah er, wie sich die Elfen mühsam in die Luft erhoben und seine Richtung einschlugen, ohne ihn jemals einholen zu können.

»Das habt ihr euch so gedacht«, flüsterte der junge Mann hinter dem Steuer grimmig. »Ich weiß schon, warum ihr jede Technik hasst. Eure Kräfte und Fähigkeiten können sich nicht mit ihr messen.«

Er widmete seine Aufmerksamkeit der Straße und fragte sich gleichzeitig, woher er es wusste. In seinem bisherigen Leben hatte er Elfen immer für Hirngespinste gehalten, Ausgeburten einer Sagenwelt aus einer Zeit, in der die Menschen noch jeden Baum und jeden Grashalm für einen Gott gehalten hatten. Jetzt tat er, als habe er schon immer mit diesen zwergenhaften Wesen zu tun gehabt.

Das Wissen … die Informationen …?

Er schüttelte heftig den Kopf und schuf damit mehr Klarheit in seinen Gedanken.

Du darfst dich jetzt nicht verrückt machen! hämmerten die Worte in seinem Kopf. Das ist alles unwichtig. Es zählt nur, dass du erfolgreich warst. Du wirst den Treffpunkt ansteuern und deine Belohnung abholen.

Belohnung! Wie er dieses Wort hasste. Seine Mutter hatte ihn abwechselnd gestraft und belohnt. Meistens gleichzeitig oder unmittelbar nacheinander.

»Ich brauche keine Belohnung«, stieß er hervor. »Wenn, dann belohne ich mich selbst.«

Er starrte auf die Straße, und je länger er fuhr und dem gleichmäßigen Summen des Motors lauschte, desto öfter fragte er sich, wo er sich eigentlich befand und warum er unterwegs war.

Die drei Metern hohen Schneemauern links und rechts jagten immer schneller an ihm vorbei. Olsen fuhr wie der Teufel. Ein paarmal verlor der 264er trotz seiner SpikesScheren die Spur und taumelte auf der geräumten und vom Wind vereisten Piste hin und her. Die Angst vor einem Unfall und den möglichen Folgen trieb ihn dazu, den Fuß ein wenig vom Gaspedal zu nehmen. Er reduzierte sein Tempo auf siebzig Stundenkilometer, immer noch zu schnell für diese Straßenverhältnisse. Eine Viertelstunde fuhr er gleichmäßig weiter, und in seinem Kopf jagten sich die Gedanken.

Was soll das alles? Was machst du? Wieso bist du hier draußen? Was für eine Belohnung solltest du erhalten?

Er stierte über das Lenkrad hinweg in den Kanal, den Schneefräsen und pflüge geschaffen hatten, damit die Versorgungsfahrzeuge bis nach Gwællfinnstyr gelangen konnten. Von dort ging es auf Fußpfaden und mit Motorschlitten weiter zu den abgelegenen Dörfern zwischen den Bergen.

Elfenland; zwischen den Gipfeln und Wipfeln, in denen die Götter und die Geister lebten. Beseelte Natur. Eine Einheit seit dem Beginn der Schöpfung.

NUR DER MENSCH STÖRT DIE HARMONIE UND DAS GLEICHGEWICHT!

»Hölle und Teufel«, flüsterte der Finne mit den feuerroten Haaren und den Sommersprossen. Woher wusste er das alles? Früher hatte er sich nie für solche Ammenmärchen interessiert.

Undeutlich entstanden Bilder vor seinem geistigen Auge und lenkten seine Aufmerksamkeit von der Straße ab. Er nahm, ohne es zu merken, den Fuß vom Gas. Eigentlich hatte er nur einen kleinen Ausflug im Morgengrauen unternehmen wollen. Aber dann waren ihm die winzigen Typen aus dem Wald begegnet, die ihm kaum bis ans Knie reichten. Jetzt, während sich seine Hände um das Lenkrad krampften, kehrte die Erinnerung an diese Begegnung Stück für Stück zurück.

»Hölle und Teufel«, wiederholte er. »Sie haben mich fertiggemacht.«

Was genau geschehen war, vermochte er nicht zu sagen. Er erinnerte sich undeutlich, dass sie ihm einen Ort beschrieben hatten und eine Zeit. Dann war er losgestapft. Aus der morgendlichen Erholung unter dem sternenklaren Winterhimmel war eine Expedition in die Wälder unterhalb der Göttergipfel geworden. Er hatte sein Ziel erreicht und es wegen seiner Winzigkeit beinahe übersehen. Und dann …

Seit Tausenden von Jahren ist es in ihrem Besitz. Sie nutzen seine Zauberkraft. Jetzt müssen sie es hergeben. Wir sind die Herren der Wälder!

Die letzte Lücke in seinen Gedanken füllte sich, und gleichzeitig fühlte Björn Olsen sich innerlich wie von einem starken Druck befreit.

Es gibt sie tatsächlich, schrien seine Gedanken. Sie haben dich verhext, wie sie es gern mit Menschen tun. Sie verwandeln sie in Wildschweine, hängen ihnen Geschwüre an, töten sie sogar. Sie haben dich für ihre dunklen Ziele missbraucht.

Die Abzweigung tauchte auf. Links ging es nach Ivalo, rechts zum vereinbarten Treffpunkt.

Entschlossen steuerte Olsen nach links. Deutlich stand ihm vor Augen, dass er nur Werkzeug für andere gewesen war. Wenn er sich ihnen gegenüber jetzt nicht loyal verhielt, brauchte er deswegen ganz bestimmt keine Gewissensbisse zu haben.

Er nahm die rechte Hand vom Steuer und tastete in die Außentasche des Parka. Dort steckte der knapp acht Zentimeter lange Gegenstand, kalt und heiß zugleich. Eine Miniatur von feinster, sauberer Arbeit, ein handwerkliches Kleinod aus purem Gold, Platin und den hellsten, klarsten und kleinsten Diamanten, die Olsen jemals gesehen hatte.

Die Trolle wollten es in ihren Besitz bringen. Vermutlich, um dem Elfenvolk zu schaden.

Egal. Das Schicksal hatte anders entschieden.

Nach einer halben Stunde verbreiterte sich die Straße ein wenig. An einigen Stellen schaute der Asphalt hervor. Zeit, die SpikesScheren abzunehmen. Olsen verlangsamte und suchte nach einer Stelle, wo er gefahrlos für sich und den möglichen Gegenverkehr anhalten konnte.

In diesem Augenblick sah er sie. Sie hockten auf den Schneemauern links und rechts und bildeten eine Kette quer über die Fahrbahn. Reglos, aber mit gezogenen Messern erwarteten sie ihn.

Olsen trat auf die Bremse und ließ die Fensterscheibe herunter. Er steckte den Kopf ins Freie.

»Verschwindet!«, brüllte er. »Gebt den Weg frei, oder es geschieht ein Unglück.«

Mehrere Trolle rutschten von den Schneemauern herab, warfen sich gegen den Wagen und versuchten die Türgriffe zu erhaschen. Ein paar klammerten sich an die vordere Stoßstange, als könnten sie den Wagen dadurch bezwingen.

Olsen lachte und drückte mit dem Ellenbogen den Verriegelungsknopf der Fahrertür nach unten. Die Zentralverriegelung reagierte und blockierte alle vier Türen und die Heckklappe.

»Gib uns das Schwert. Es gehört uns.«

»Pech für euch. Ich habe meine Erinnerung wieder. Und die sagt mir, dass derjenige den Lohn erhält, der seinen Schweiß geopfert hat.«

Fast zu spät merkte er, dass sie sich mit ihren Waffen an seinen Reifen zu schaffen machten. Hastig trat er aufs Gaspedal. Das Fahrzeug schoss nach vorn. Es gab zwei, drei Schläge am Blech der Kotflügel, dann durchbrach der Volvo die Mauer aus kleinen Leibern und beschleunigte. Im Rückspiegel erkannte Björn Olsen, dass insgesamt vier der Trolle unter die Räder gekommen waren. Die anderen beachteten es nicht. Sie erhoben wüstes Geschrei und rannten hinter dem Fahrzeug her, ohne es einholen zu können.

»Tut mir leid, Jungs.« Mehr Mitleid konnte sich der Finne wirklich nicht aus der Seele quetschen. Sie hatten ihm aufgelauert und ihn verhext. Wie sie es gemacht hatten, wusste er nicht. Auf jeden Fall hatte er mehrere Stunden lang unter Hypnose gestanden. Diese Stunden hatten sein Bewusstsein verändert und seine Sicht der Welt.

Sein Blick fraß sich erneut an der Straße fest. Langsam löste sich die Anspannung in ihm. Schwindel überkam ihn, und für ein paar Augenblicke sah er die Fahrbahn nicht mehr.

»Ihr hattet euren Spaß«, murmelte er. »Jetzt will ich meinen Lohn.«

Er fuhr wie in einem Tunnel und erwachte erst aus seinem dumpfen Brüten, als seine Blicke auf ihrer hektischen Wanderung von links nach rechts und zurück an der Uhr des Armaturenbretts hängenblieben.

Noch eine halbe Stunde.

Es reichte nicht bis zum kleinen Flughafen von Ivalo.

Mit anderen Worten, er kam zu spät.

Den schneeweißen Vogel hoch in der Luft, der ihm bereits seit längerer Zeit folgte, bemerkte er nicht.

In der kleinen Wartehalle des Flughafens roch es nach harzigem Holz. Die Temperatur lag knapp unter zwanzig Grad, und durch die kleinen Fenster ließ sich ab und zu ein Blick auf die Schneefräse erhaschen, die draußen ihren Dienst verrichtete.

Hinter einem billigen ResopalTresen saß eine reichlich überdimensionierte Matrone unbestimmbaren Alters. Sie sprengte schier die dunkelblaue Jacke, die ihr als Uniformersatz diente. Reglos und mit halb geschlossenen Lidern verharrte sie auf ihrem Stuhl und tat, als sei sie in eine imaginäre Passagierliste vertieft.

Plötzlich jedoch kam Bewegung in sie. Eine rote Lampe auf dem Tresen begann zu blinken, und die hünenhafte Frau griff nach einem schwarzen Hörer. Sie drückte sich damit das Ohr regelrecht platt und lauschte, sagte ein paar Worte auf Finnisch und legte wieder auf. Ihre Gestalt straffte sich, und sie ...

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